#1

Inoffizielle Grenzpassage von IM/OG in die DDR über die GÜST

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 12.11.2015 22:02
von Kalubke | 2.298 Beiträge

Frage an unsere PKE’ler:

Die inoffiziellen Einreisen von IM/OG mal nicht geschleust über die grüne Grenze, sondern über die GÜST zu Treffs in der DDR, z.B. von solchen bei denen der Klarname möglichst nirgends aktenkundig werden sollte. Wie lief das genau ab?

Gab es da einheitliche Verfahren (z.B. operative Reisedokumente wie z.B. auf Pseudonyme ausgestellte falsche Pässe verschiedenster Länder) damit auch die Passkontrolleure möglichst wenig mitbekamen, oder war das evt. in vielfältiger Art und Weise auch unter Einbeziehung des operativen Teils der PKE an der GÜST möglich (vereinbarte Zeichen, Avisierungen, spezielle Einträge in den Fahndungsmitteln etc.)?

Gruß Kalubke



IM Kressin und eisenringtheo haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 12.11.2015 22:12 | nach oben springen

#2

RE: Inoffizielle Grenzpassage von IM/OG in die DDR über die GÜST

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 13.11.2015 08:14
von ehem. Hu | 466 Beiträge

Das lief so ab, dass auch der PK i. d. R. nichts davon mit bekam. Alles andere hätte das Risiko für den IM erhöht. Die Möglichkeit der Einlage in Fahndungsmitteln zur Übermittlung von z. Bsp. Datum und Uhrzeit von Ein- und Ausreise an die op. DE bleibt davon mal unbenommen.

Ich hatte einmal so eine "Ausreise", die offiziell keine war, sondern eine Transitfahrt im vertragsgebundenen Transit. Die Genossen der op. DE hatten ihm die falsche Transitvisaanlage mitgegeben. Stempel und Uhrzeit waren i. O., aber die Seriennummer und die Farbe stimmten nicht. Da diese Seriennummer kurz vorher eingewiesen war mit Gültigkeit ab einem bestimmten (vlt. späteren) Tag, habe ich intuitiv richtig gehandelt und den PKW in der Spur stehen lassen. Nachdem mir die Klärung zu lange dauerte, habe ich ihn fahren lassen. Das hätte auch schief gehen können, aber mir schwebte immer die Einweisung der neuen Transitvisaanlage im Kopf rum. Später habe ich ein virtuelles Schulterklopfen erhalten.

friedliche Grüße Andreas


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zuletzt bearbeitet 13.11.2015 10:11 | nach oben springen

#3

RE: Inoffizielle Grenzpassage von IM/OG in die DDR über die GÜST

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 13.11.2015 08:40
von eisenringtheo | 9.174 Beiträge

Reisten IM im Operationsgebiet eigentlich öfters in die DDR? Erfolgte Instruktion und Berichterstattung wegen der Enttarnungsgefahr nicht meist im Westen unter Vermittlung von OiBE?


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#4

RE: Inoffizielle Grenzpassage von IM/OG in die DDR über die GÜST

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 13.11.2015 09:50
von Kalubke | 2.298 Beiträge

Na ja, wenn der Treff IM/FO im Westen stattfend, dannn waren eigentlich sogar beide dem Risiko der Enttarnung ausgesetzt. Ich könnte mir vorstellen, dass dies bei den Hauptamtlichen wegen des größeren Schadens auf ein Minimum reduziert wurde mit dem Einsatz von Kurieren/Instrukteuren bzw. auch mit Treffs in der DDR, wenn ein direkter Kontakt zwischen FO und IM notwendig war. Wegen der kurzen Wege war diese Verbindungsart in Berlin sicher auch noch mal von besonderer Bedeutung. Umgedreht habe ich auch schon von mehreren Fällen gehört bzw. gelesen, in denen IME/DDR im Rahmen von Ermittlungsaufträgen nach Westberlin zum Telefonieren von öffentlichen Telefonzellen aus geschickt wurden. In einem Aufenthaltsermittlungsbericht stand drin:

Ausgaben M/BRD:
Telefon: -,60


Gruß Kalubke



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#5

RE: Inoffizielle Grenzpassage von IM/OG in die DDR über die GÜST

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 13.11.2015 10:20
von Merkur | 1.019 Beiträge

Ein recht komplexes Thema mit vielen unterschiedlichen Varianten der Umsetzung in der Praxis. In der Regel passierten die IM mit operativen Dokumentationen die GÜSt, ohne das PKE-Angehörige davon Kenntnis erhielten.
Ich habe einen Fall im Hinterkopf, wo ein IM einer BV mit seinem Pkw in die DDR einreiste, da er auf dem Rückweg ein ihm übergebenes Funkgerät in den Westen mitnehmen sollte. Das Problem für die operativen Techniker bestand darin, dass Funkgerät so einzubauen, dass es durch PKE und Zollverwaltung bei der Ausreise nicht gefunden wird.
Vereinzelt kam es durch die IM-führende Diensteinheit bei der PKE aber auch zu sog. Avisierungen und der IM konnte dann unkompliziert einreisen und wurde durch den FO direkt aufgenommen. Es kam aber auch regelmäßig vor, dass sich IM gegenüber der PKE dekonspirierten.



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#6

RE: Inoffizielle Grenzpassage von IM/OG in die DDR über die GÜST

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 13.11.2015 13:12
von Kalubke | 2.298 Beiträge

Gab es für einen transitreisenden IM auch Treffmöglichkeiten im Bereich der GÜST, oder war das wegen dem Publikumsverkehr eher ungünstig?

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 13.11.2015 13:14 | nach oben springen

#7

RE: Inoffizielle Grenzpassage von IM/OG in die DDR über die GÜST

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 13.11.2015 13:22
von Hanum83 | 4.775 Beiträge

Zitat von Merkur im Beitrag #5
Ein recht komplexes Thema mit vielen unterschiedlichen Varianten der Umsetzung in der Praxis. In der Regel passierten die IM mit operativen Dokumentationen die GÜSt, ohne das PKE-Angehörige davon Kenntnis erhielten.
Ich habe einen Fall im Hinterkopf, wo ein IM einer BV mit seinem Pkw in die DDR einreiste, da er auf dem Rückweg ein ihm übergebenes Funkgerät in den Westen mitnehmen sollte. Das Problem für die operativen Techniker bestand darin, dass Funkgerät so einzubauen, dass es durch PKE und Zollverwaltung bei der Ausreise nicht gefunden wird.
Vereinzelt kam es durch die IM-führende Diensteinheit bei der PKE aber auch zu sog. Avisierungen und der IM konnte dann unkompliziert einreisen und wurde durch den FO direkt aufgenommen. Es kam aber auch regelmäßig vor, dass sich IM gegenüber der PKE dekonspirierten.


Ist schon interessant was es damals so alles gab, hätte ich nicht gedacht.
War ja die gleiche "Firma", dachte eher da kam eine Anweisung wie am soundsovielten bei dem und dem mal nur so tun als ob, ist ein Genosse.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
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#8

RE: Inoffizielle Grenzpassage von IM/OG in die DDR über die GÜST

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 13.11.2015 13:43
von Merkur | 1.019 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #6
Gab es für einen transitreisenden IM auch Treffmöglichkeiten im Bereich der GÜST, oder war das wegen dem Publikumsverkehr eher ungünstig?

Gruß Kalubke


Das war aus mehreren Gründen ungünstig. Zum einen standen die GÜSt im Rahmen der Reisewegsuchmaßnahmen unter Beobachtung des Verfassungsschutzes und zum anderen war nicht auszuschließen, dass ein IM durch andere Reisende erkannt werden konnte. Außerdem wäre der IM gegenüber der PKE dekonspiriert gewesen. Darum wurden GÜSt als neuralgischer Punkt gemieden.



damals wars und Kalubke haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#9

RE: Inoffizielle Grenzpassage von IM/OG in die DDR über die GÜST

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 13.11.2015 13:44
von ehem. Hu | 466 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #7

Ist schon interessant was es damals so alles gab, hätte ich nicht gedacht.
War ja die gleiche "Firma", dachte eher da kam eine Anweisung wie am soundsovielten bei dem und dem mal nur so tun als ob, ist ein Genosse.



Ganz so blauäugig sollte man da eben nicht rangehen. Dem Anlass und den Gegebenheiten entsprechend waren diverse Varianten möglich. Ein entscheidender Punkt auch bei der Grenzpassage war die Wahrung der Konspiration - nicht nur dem "Gegner" gegenüber.

Schon solche o. g. Avisierung hatte durchaus ihre Tücken, die man nur erklären kann, wenn die Gegebenheiten auf der GÜST bekannt sind. Wenn bei geringem Verkehr ein PK wie durch den Wind geschossen von einem Dienstzimmer zum Zoll läuft, dem Zöllner etwas ins Ohr flüstert, ein Kopfnicken in Richtung des parallel gerade eingetroffenen PKW durchführt, dieser PKW ohne Kontrolle durchgewunken wird, der PK dann gemächlichen Schrittes sichtbar aufatmend zu seinen Dienstzimmer zurück schreitet, hat der hinter dem bewussten PKW Fahrende durchaus seine Schlüsse ziehen können. Da sind Dinge durchaus schief gegangen. Ob diese dann immer genau so gemeldet wurden, sei mal dahingestellt. Der FO ging dann davon aus, dass alles bestens verlief.

friedliche Grüße Andreas


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#10

RE: Inoffizielle Grenzpassage von IM/OG in die DDR über die GÜST

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 13.11.2015 14:06
von Hanum83 | 4.775 Beiträge

Zitat von ehem. Hu im Beitrag #9
Zitat von Hanum83 im Beitrag #7

Ist schon interessant was es damals so alles gab, hätte ich nicht gedacht.
War ja die gleiche "Firma", dachte eher da kam eine Anweisung wie am soundsovielten bei dem und dem mal nur so tun als ob, ist ein Genosse.



Ganz so blauäugig sollte man da eben nicht rangehen. Dem Anlass und den Gegebenheiten entsprechend waren diverse Varianten möglich. Ein entscheidender Punkt auch bei der Grenzpassage war die Wahrung der Konspiration - nicht nur dem "Gegner" gegenüber.

Schon solche o. g. Avisierung hatte durchaus ihre Tücken, die man nur erklären kann, wenn die Gegebenheiten auf der GÜST bekannt sind. Wenn bei geringem Verkehr ein PK wie durch den Wind geschossen von einem Dienstzimmer zum Zoll läuft, dem Zöllner etwas ins Ohr flüstert, ein Kopfnicken in Richtung des parallel gerade eingetroffenen PKW durchführt, dieser PKW ohne Kontrolle durchgewunken wird, der PK dann gemächlichen Schrittes sichtbar aufatmend zu seinen Dienstzimmer zurück schreitet, hat der hinter dem bewussten PKW Fahrende durchaus seine Schlüsse ziehen können. Da sind Dinge durchaus schief gegangen. Ob diese dann immer genau so gemeldet wurden, sei mal dahingestellt. Der FO ging dann davon aus, dass alles bestens verlief.

friedliche Grüße Andreas


Der Zoll war wohl nicht inoffiziell auch Stasi?


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
zuletzt bearbeitet 13.11.2015 14:07 | nach oben springen

#11

RE: Inoffizielle Grenzpassage von IM/OG in die DDR über die GÜST

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 13.11.2015 14:16
von ehem. Hu | 466 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #10

Der Zoll war wohl nicht inoffiziell auch Stasi?

Das führt uns wieder zum Urschleim: nee, der Zoll war Zoll. Dort gab es IM. Aber das ist nicht der Punkt. Im fiktiven Beispiel ging es eher um die Personen der nachfolgenden PKW. In meinem tatsächlichen Beispiel aus #2 hätte es ausgereicht, wenn der PKW zur Klärung der "falschen" Transitvisaanlage aus dem Reisestrom herausgelöst würde - was üblich war bei solchen Klärungen. Stünde der Fahrer bereits unter Beobachtung, wäre das ein weiterer Baustein gewesen.

friedliche Grüße Andreas


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#12

RE: Inoffizielle Grenzpassage von IM/OG in die DDR über die GÜST

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 13.11.2015 15:49
von eisenringtheo | 9.174 Beiträge

Zitat von ehem. Hu im Beitrag #11
Zitat von Hanum83 im Beitrag #10

Der Zoll war wohl nicht inoffiziell auch Stasi?

Das führt uns wieder zum Urschleim: nee, der Zoll war Zoll.(...)


Richtig
Deshalb nicht von der Bekleidung der Uniformträger in billigen(?) TV Serien verwirren lassen
ab 26.11.2015 jeweils Donnerstag bei RTL "Deutschland 83"
http://www.rtl.de/cms/sendungen/serie/deutschland-83.html

MfS Kundschafter des Friedens mit voraussichtlich viel Action und Klamauk

Na ja...


Harzwanderer hat sich für diesen Beitrag bedankt
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