#1

Varianten des Eindringens in das rückwärtige Gebiet des Gegners (rGG)

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 28.09.2015 08:32
von Beethoven | 137 Beiträge

Die kurze Diskussion über den Einsatz von Fallschirmtechnik bewog mich, diesen kurzen Beitrag zu schreiben, über den man durchaus diskutieren kann.

Es gab zur Zeit der sich gegenüberstehenden militärischen Blöcke verschieden Methoden für Aufklärer und Soldaten von anderen Spezialeinheiten, um in das rückwärtige Gebiet des Gegners (rGG) zu gelangen um dann dort Gefechtsaufgaben zu erfüllen.

Bei dieser Betrachtung lasse ich alle amphibischen Methoden außer acht.

Es gab vier wesentliche Methoden, die jedoch auch abhängig waren von den gerade stattfindenden Gefechtshandlungen.

1. Das Überrollen lassen.
2. Das Durchsickern der Front
3. Das Eindringen mittels Luftfahrzeug (Sprung oder Anlandung)
4. Das Absetzen der Aufklärer / Spezialisten im Rahmen eines Durchbruchgefechtes oder der Handlungen im Rahmen einer Operativen Manövergruppe (OMG)

Das Überrollen lassen kann nur geschehen, wenn sich die eigenen Truppen zurückziehen.
Dafür bezieht die Gruppe eine Basis oder einen Warteplatz in unwegsamen Gelände (Wälder, Moore, Gebirge, Höhlen usw.) und wartet ab, bis der Gegner an dieser Basis oder dem Warteplatz vorbei gezogen ist und beginnt danach mit der Erfüllung der gestellten Gefechtsaufgabe.

Das Durchsickern der Front ist in allen Gefechtsarten möglich wird aber in der Regel in Verteidigung beider Seiten (starre Front) angewandt.
Hier wird durch die vorne liegende Einheit ein günstiger Abschnitt für das Durchsickern aufgeklärt. Vorzugsweise an Nahtstellen zwischen Einheiten oder Verbänden, oder günstigen Geländeabschnitten (Wald, Moore und ähnliches). Dazu werden die eigenen Sperren vor der eigenen Front kurzzeitig beseitigt.
Eingesickert wird durch den Abschnitt / Raum in welcher nicht die Hauptanstrengung der Verteidigung des Gegners zu erwarten ist.
Das Einsickern ist mit Abstand die am wenigsten Erfolg versprechende Variante um ins rGG zu gelangen. Die Dichte der gegnerischen Truppen ist in der Verteidigung dermaßen hoch, dass die Entdeckung der einsickernden Gruppe unwahrscheinlich hoch ist, selbst wenn sich diese mit nur sehr geringer Geschwindigkeit bewegt (2 km/h) und nur dann wirklich sinnvoll, wenn die Erfüllung der Gefechtsaufgabe in unmittelbarer Nähe der Front geschieht, so dass die Gruppe auf Feuerunterstützungsmittel des vorgesetzten Kommandeurs, im Falle des Bedarfs, zurück greifen kann. Aufgaben in der operativen Tiefe zu erfüllen und eine Gruppe dafür durchsickern zu lassen, erscheint mir nach heutigem Kenntnisstand, eher unwahrscheinlich.

Eindringen mittels Luftfahrzeug ist für Gruppen, meiner Meinung nach, die Gefechtsaufgaben in der tieferen taktischen Tiefe, der operativen Tiefe oder gar der strategischen Tiefe zu erfüllen haben, die sinnvollste Variante.

Hierbei unterscheide ich das Eindringen durch Anlandung mittels Hubschrauber, die jedoch nur eine begrenzte Tiefe besitzen kann und einen unerhört hohen Aufwand an Kräften zur Niederhaltung der Fla-Mittel und der Mittel des Elektronischen Kampfes bedürfen. Sollen größere Luftlandeinheiten, ab verstärkte Kompanie aufwärts in den Kampfraum gebracht werden, muss ein sicherer Überflugkorridor geschaffen werden. Ein Überflugkorridor von 5 bis 10 km Breite ist für die Zeit des Eindringens und auch des Ausfliegens der leeren Hubschrauber oder der Hubschrauber, die die Luftlandetruppe zurückholen, durch den Kommandeur, in dessen Interesse die Luftlandung durchgeführt wird, zu schaffen. Dies kann nur geschehen, in dem die gesamte Kraft der Armeefliegerkräfte (Heeresfliegerkräfte), der Mittel des Funk-Elektronischen Kampfes - FEK - (EloKa), der Armee, dessen Befehlshaber die Aufgabe befohlen hat, zum Einsatz kommen, um die Fla-Mittel unter dem Überflugstreifen, als auch die elektronischen Mittel, nieder zu halten.
Sofern diese Systeme jedoch gut getarnt und erst kurz vor dem Überflug aktiv geschaltet werden, ist ein vollständiges Niederhalten fast nicht möglich. Somit sind Verlusten bereits beim Eindringen, also vor der Erfüllung der eigentlichen Gefechtsaufgabe fast nicht auszuschließen.

Kleinere Teams (Einsatzgruppen) können durchaus bei Nacht, unter Ausnutzung des Geländes im Konturenflug Ihren Anlandungspunkt erreichen. Davon ausgehend, dass in Mitteleuropa, alle 6 km ein Ort, Dorf oder Stadt liegt, sind durch die Hubschrauberbesatzung, mehrere Anlandungspunkte zu simulieren um den eigentlichen Anlandungspunkt zu verschleiern. Da dieses Eindringen grundsätzlich in der Nacht geschieht, ist Wahrscheinlichkeit, dass die Einsatzgruppe nicht sofort entdeckt wird, realistisch.

Das Eindringen mittels Fallschirmsprunges kann in unterschiedlichen Varianten und vor allem beliebiger Tiefe des rGG geschehen.

Bei größeren Luftlandungen wird unter Deckung von Jagdflieger- und Schlachtfliegerkräften, als auch unter Deckung von Raketenschlägen, in unmittelbarer Nähe des Handlungsraumes, -Objektes angelandet werden und die Fallschirmjäger / Luftsturmsoldaten besetzen oder nehmen im Handstreich das befohlene Objekt / den befohlenen Raum, befestigen diesen und richten sich zur Verteidigung ein oder aber, starten aus diesem Raum heraus weitere Handlungen als geschlossene Einheit oder aufgespalten in Gruppen, um mehrere Gefechtsaufgaben, parallel zu einander zu erfüllen. Danach kehren Sie nach Möglichkeit zum eingenommen Raum zurück oder beziehen einen anderen Endraum, der dann zu halten ist, bis Entsatz durch eigene Truppen eintrifft oder aber die Truppe ausgeflogen werden kann. Letzteres ist wiederum nur durch hohen Aufwand der Armee oder Front, in deren Interesse die Truppe handelt möglich.

Das Eindringen von kleinen Teams (Einsatzgruppen) mittels Fallschirmsprung, kann in verschiedenen Varianten geschehen. Vornehmlich wird dies in der Nacht oder bei schlechter Sicht geschehen.

Die Einsatzgruppe wird im Rahmen eines massierten Angriffs von Fliegerkräften (vornehmlich Bomberkräfte) weit ins Hinterland gebracht und verlässt das Absetzflugzeug nahe ihres Einsatzgebietes.
Am Boden sammelt sich die Gruppe, tarnt die Spuren der Landung (Schirmtechnik vergraben oder im Wasser versenken) und beginnt die Handlungen. Das kann durchaus auch mit militärischer Rundkappentechnik geschehen.

Kommen Gleitersysteme zum Einsatz gibt es wiederum zwei verschiedene Varianten des Einsatzes.
Variante 1. ähnelt der soeben beschriebenen. Hierbei verlassen die Fallschirmjäger das Absetzflugzeug in hoher Höhe (4000 m) und öffnen die Schirmtechnik erst in 500 – 800 m.
Variante 2. a) die Fallschirmjäger springen aus 4000 m ab und öffnen ihre Schirmtechnik nach 5 Sekunden. Dann gleiten Sie bei Dunkelheit über die Front und landen im rGG.
Variante 2.b) ist die Gleiche wie 2. a) jedoch werden die Fallschirmjäger im Rahmen eines Angriffs der Fliegerkräfte weit in das rGG mit genommen und verlassen erst dort das Absetzflugzeug.

In der damaligen NVA gab es noch keine GPS-Systeme. So war es zwingend notwendig, dass die Soldaten das Gelände unter ihnen, vom Absetzpunkt bis zu ihrer Landezone aus dem Kopf beherrschen, um sich am Boden schnell orientieren zu können und die Bewegung in der befohlenen Richtung beginnen zu können. Auch das Zusammenbleiben in der Luft, unter der Kappe, ist eine Aufgabe, die es zu lösen gilt. Hier jedoch ist es mittels kleiner, wenig leuchtender Glühbirne, die nur nach oben scheinen möglich, dass die Gruppe in der Luft zusammen bleibt. Wo einen die Scherwinde hin treiben, ist dabei immer noch ungewiss aber die grobe Richtung ist haltbar und sofern man geographische Punkte am Boden erkennen kann, zielgenau zu landen.

Das Absetzen der Aufklärer / Spezialisten im Rahmen eines Durchbruchgefechtes oder der Handlungen im Rahmen einer Operativen Manövergruppe (OMG)

Hierbei geht es in erster Linie darum, dass die Fallschirmjäger im Interesse der Hauptkräfte der angreifenden Armee oder Front wichtige Ziele zerstören oder halten um den nachfolgenden Hauptkräften die Aufgabe zu erleichtern oder die Verluste so gering wie möglich zu halten .
Beim Durchbruchsgefecht oder den Handlungen im Rahmen einer Operativen Manövergruppe (OMG) handeln die Fallschirmjäger, auf jedem Fall zum Absetzen von den eigenen Kräften, motorisiert, um einen Vorlauf zu haben um ihre Aufgabe(n) erfüllen zu können.

Nach erfolgtem Durchbruch oder nach Einführung der OMG nach dem Durchbruch durch die sich vorne verteidigende Brigade des Gegners (OMG wird ja erst nach erfolgreichen Durchbruch eingeführt) lösen sich die Fallschirmjäger und nähern sich den Objekten an. Gilt es dabei mehrerer Ziele aufeinanderfolgend zu vernichten, so wird /werden die EG (-en) sich mit Kfz-Technik des Gegners versorgen um schnell zu ihren nächsten Raum zu gelangen, dort den Überfall erneut organisieren und handeln.
Nach Erfüllung der gestellten Aufgabe(n) beziehen die Fallschirmjäger einen Raum (z.B. Teilraum innerhalb des Endraumes der OMG) und sichern diesen bis zum Eintreffen der eigenen Truppen.

Gruß Beethoven


1941ziger, LO-Wahnsinn, Fritze, seaman und Harsberg haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen



Besucher
14 Mitglieder und 58 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Oderfischer
Besucherzähler
Heute waren 3774 Gäste und 178 Mitglieder, gestern 3660 Gäste und 197 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14372 Themen und 558348 Beiträge.

Heute waren 178 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen