#21

RE: Gab es in der DDR Mobbing?

in Themen vom Tage 20.09.2015 14:04
von Klauspeter | 986 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #19
Und da gab es natürlich auch unter den frisch Eingezogenen oder Vizes, die in die GKs kamen welche, die hätten es von der Statur her locker mit einem halben Dutzend Durchschnitts-EKs aufgenommen. Mit denen waren keine derben Späße zu machen.


Ich stimme Dir zu.
Die EK-Bewegung war letztlich Freude des III. DHJ auf die Entlassung. Statt hinter jedem Bandmaß herzurennen, hätten wir als Vorgesetzte diese Freude der EK unterstützen sollen. Die EK-Bewegung war dort eine schlimme Form des Mobbings, wo Vorgesetzte sich nach dem Motto "Teile und herrsche" schnelle "Disziplinierungserfolge" versprachen.
Klaus


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#22

RE: Gab es in der DDR Mobbing?

in Themen vom Tage 20.09.2015 14:20
von Hanum83 | 4.691 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #19
Und da gab es natürlich auch unter den frisch Eingezogenen oder Vizes, die in die GKs kamen welche, die hätten es von der Statur her locker mit einem halben Dutzend Durchschnitts-EKs aufgenommen. Mit denen waren keine derben Späße zu machen.


Och, die haben meistens auch freiwillig mitgemacht, hatten einen Schmied der sah aus wie Ilja Muromez, der hätte wohl jeden wie weiland August an einem Arm zum Fenster raushalten können, hat das auch als Spaß angesehen und nicht "geputscht".
Um wieder zum Thema zu kommen, echte Mobbing-Opfer haben sicherlich eher weniger den Mut sich zu wehren, sonst wäre das wohl auch nicht so verbreitet.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
zuletzt bearbeitet 20.09.2015 14:29 | nach oben springen

#23

RE: Gab es in der DDR Mobbing?

in Themen vom Tage 20.09.2015 14:54
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Nach meinem Empfinden wird Heutzutage auch viel zu fahrlässig/sorglos/unwissend mit diesem Begriff 'Mobbing' umgegangen.
Jede Hänselei, jedes Lästern etc. wird zum Mobbing hochstilisiert, so dass echtes Mobbing dann in dieser Masse untergeht.

Das gerade Kinder und Jugendliche heutzutage 'gemobbt' werden hat meines Erachtens andere Gründe als zu DDR Zeiten.
Heute ist es das nicht mithalten können bei Markenklamotten und anderen "lebens"notwendigen Accessoires, wie Smartphones, Tablett-PC, Geld etc.

Bemerkenswert auch hie wieder das sich als treibende Kraft der mobbenden Clique solch ein Jugendlicher herausstellt wie ihn @DoreHolm treffend beschrieben hat. Ein Jugendlicher und/oder Erwachsener mit erheblichen sozialen Problemen welcher mangelndes Selbstwertgefühl dadurch kompensiert indem er auf Menschen losgeht die im letztendlich überlegen sind es aber so nicht leben können oder wollen.

Neben der schnellen Festschreibung ; das sei Mobbing ist auch 'Stalking' ein sehr schnell verwendeter Begriff.
Heute ist doch schon Jemand der dreimal vergeblich bei Jemanden anruft ein ganz gefährlicher Stalker per Telefon ......

Was ich bei der Heutigen Darstellung von "DDR Mobbing" speziell in Schulen für sehr bedenklich halte ist dieses im Leipziger Schulmuseum dargestellte Herabsetzen, Vorführen und Erniedrigen von Schülern durch die Lehrerin.
Mir sind jedenfalls solche "pädagogisch" gewollte Erziehung nicht bekannt und es war auch zu DDR Zeiten kein pädagogischen Konzept bzw. eine vorhandene Richtlinie mit Hilfe von provokanten Fragestellungen den "wahren" Standpunkt eines Schülers herauszufinden.
Das ist einfach eine Phantasie um im Nachgang das Schulsystem der DDR zu diskreditieren.

Wir hatten durchaus in der Klasse Schüler welche gehänselt worden. Das zog sich bis zur Lehre durch.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#24

RE: Gab es in der DDR Mobbing?

in Themen vom Tage 20.09.2015 16:30
von StabsfeldKoenig | 2.624 Beiträge

Mobbing ist wahrscheinlich so alt, wie die menschlische Zivilisation.



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#25

RE: Gab es in der DDR Mobbing?

in Themen vom Tage 21.09.2015 12:55
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von G.Michael im Beitrag #2
Zitat von Moskwitschka im Beitrag #1
Ich habe lange überlegt, wo ich das Thema anbinde. Der Begriff "Mobbing" ist ja auch erst in den letzten 20 Jahren in unser Bewußtsein gedrungen. Vor ca. 16 Jahren habe ich mir ein Buch gekauft - Mobbing in der Schule - was ich damals kaum für möglich gehalten habe. Mein jüngster Sohn war damals Grundschüler in der 2. Klasse und ich war erschrocken, wenn er von Verhaltensweisen seiner Mitschüler berichtete. Ich bin damals auf den Elternversammlungen belächelt worden, wenn ich Vorfälle inder Schule thematisiert habe. Damals, 1998 saßen Eltern in einer kleinen Grundschule - einer Dorfschule am Rande von Berlin.zusammen, die alle in der DDR sozialisirt waren.

Wenn ich mir die Entwicklung bis heute betrachte, hat sich das Problm potentiert. Oder anders - es ist Alltag geworden. Ansatzweise auch in diesem Forum. Ich erinnere nur an das Beispiel. als letztens @seaman angegriffen wurde.

Es stellt sich für mich Frage, für die ich derzeit keine Antwort habe und kein Vorwurf sein soll - Wie unterscheidet sich " kollektives Einwirken auf einen Menschen in der DDR" vom Mobbing ? Oder gibt es gar keinen?

LG von der Moskwitschka


PS Da ja hier in diesem Forum immer Vergleiche von vor der Kehre und danach gezogen werden, habe ich letztendlich auch kein Problem diesen Vergeleich hier zu ziehen



Moskwitschka, danke für den Nachtrag. Mobbing in der DDR hat es gegeben (obwohl es den Begriff so nicht gab): Die Verhaltensweisen haben sich zu
heute kaum unterschieden.
Bei uns kam eine neue Schülerin in die Klasse (1972), ziemlich kräftig gebaut und dann haben wir ein Buch behandelt(Titel???), da kam eine
"Anfissa" vor, sehr passend zu unserer Andrea beschrieben. Ab da wurde aus Andrea eben Anfissa, von der gesamten Klasse verhöhnt und geschnitten. Sie bekam in unserer Klasse bis zum Abschluß 1974 kaum einen Fuß auf den Boden.
Nur ein Einzelfall? Ich meine Nein, manchmal reichte auch ein Berufswunsch aus um zum Gespött gemacht zu werden, einer bei uns wollte Schäfer
werden, der mußte sich auch einige "Späßchen" anhören.
Micha








Sind Vollzitate etwa auch eine Form von Mobbing? Na egal, zumindest die 3321berlinsche Rumnörgelei ist es in jedem Fall und außerdem auch noch nur nervend, wenn dann nichtmal ansatzweise was zum Thema kommt. Also zum Thema ...
In der neunten Klasse wurden Fragmente des dritten Teils 'Meine Universitäten' der autobiographischen Triologie von Maxim Gorki behandelt. Nun, der im DDR-Schulunterricht benutzte Titel lautete 'Drei Erzählungen über Helden'. Ich meine, solcher Art Text ist doch regelrecht eine Aufforderung, zumindest aber eine Anleitung zum Sekkieren. Wie solcher 'Schrott' in den Lehrplan kam, kann man gut einem Gespräch mit Winfried Bütow als 'Verantwortlichen' entnehmen ...
luise-berlin.de/lesezei/blz98_03/text01.htm

Klar das schlichtere Gemüther, und nicht nur die, dann das Gehörte, wobei die nichtsoschlichten Gemüther sogar das Gelesene, auch mal ausprobieren wollten. Beliebt beim Lehrkörper war ja in Klassen mit nicht voll ausgebildeter Lesekompetenz der Einsatz von Tonträgern. In diesem Fall, Frage @G.Michel, dürfte es sich um die Schallplatte Schola 8 70 092 gehandelt haben?

Angefügte Bilder:
Schola 8 70 092-avers.gif

Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#26

RE: Gab es in der DDR Mobbing?

in Themen vom Tage 21.09.2015 13:15
von bürger der ddr | 3.586 Beiträge

Zitat von vk1 im Beitrag #15
Die EK-Bewegung war doch Mobbing vom Feinsten.


Ich kenne das von der PIK, im Grenzdienst mag das anders gewesen sin. Solche Dinge wie Musikbox, "schwarzer Arsch" (mit Schuhcreme), bis hin zum Stuben und Revierreinigen nach dem Motto "Resi denkt, Vize lenkt, Knie arbeitet", das sind doch Formen vom Mobbing.

Diesen Begriff gab es damals nicht, aber Sachverhalte in diese Richtung schon.

Nur spiellt der Begriff Mobbing heute eine andere Rolle, durch eine Verschärfung im Kampf um einen "sicheren, guten" Arbeitsplatz werden heute unter Kollegen solche unlauteren Methoden genutzt und auch in der Hirarchie ist das keine Seltenheit. Wo es keinen Kündigungsgrund gibt, da wird durch "Mobbing" der Arbeitnehmer weich geprügelt bis er "freiwillig" geht.
Mobbing ist für mich sehr eng an die heutige Arbeitswelt gebunden. Auswüchse gegen einzelne Mitarbeiter gab es in der DDR auch, nur heute sind durch den Druck ganz andere Dimensionen am Werk.



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#27

RE: Gab es in der DDR Mobbing?

in Themen vom Tage 21.09.2015 19:40
von der 39. | 521 Beiträge

Ich bin auch der Auffassung, dass es dieses Verhalten, das jetzt Mobbing genannt wird, immer schon in Erscheinung trat, ja eigentlich dem Menschen gegeben ist. Man findet es ähnlich sogar im Tierreich.
Aber es gibt verschiedene Morive, bzw. Triebfedern. Der Kampf um einen besseren Platz (bessere berufliche Stellung, höhere Gehaltsgruppe, Rolle in einer Schulklasse, einfach drohende Konkurrenz) bringen solche Erscheinungen hervor. Aber auch das Herausstellen von eigenem Können, Fähigkeiten, sportlichen Leistungen ist um so beeindruckender, wenn andere herabgemindert werden. Besonders große, besonders Dicke, Kleine, Dunkle oder Behinderte sind wegen ihres Andersseins vor allem bei Kindern solchen Erscheinungen ausgesetzt. Erwachsene sind manchmal nicht anders, nur dass sie in etwa beurteilen können, was gesagt und getan werden darf. Folglich wird in das Heimliche, Versteckte ausgewichen oder es wird nach Sympathisanten gesucht ,um zu mobben. Mobben, stammt doch wohl von Mob, den Mob mobilisieren., ich habe nicht nachgesehen.
Ich möchte noch weitergehen. Das Herausstellen von brotlosem Können, Modelschönheit, höchste Leistungen im Sport oder auch in Kunst, Kultur ist immer auch eine Zurücksetzung der nicht so Schönen, nicht so Sportlichen, nicht so Klugen, nicht so künstlerisch Begabten. und der Anfang vom Mobbing.
Kann mir vorstellen, dass meine Meinung Widerspruch hervorruft. Aber bitte, geht mal ganz in Euch und prüft Euch, es sieht und hört ja niemand und schaut in den Spiegel.. Vielleicht entdeckt ihr auch ähnliche Gelüste oder habt sie schon praktiziert. Ihr müsst sie ja hier nicht darlegen.
Mit nachdenklichen Grüßen
Der 39.


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#28

RE: Gab es in der DDR Mobbing?

in Themen vom Tage 21.09.2015 20:17
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von GKUS64 im Beitrag #9


"Es gab eine Zeit (1964), da betätigten wir uns „künstlerisch“. Wir gossen Gipsplatten in verschiedenen Geometrien ca. im A5-Format. Nach dem Aushärten wurden die Platten schwarz bemalt und anschließend wurden Figuren eingeritzt. Meist irgendwelche Akt-Bilder aus dem Magazin, die in der Kontur auf die Platten übertragen wurden. Jeder in unserer „Stube“ hatte dann so ein Kunstwerk über seinem Bett hängen. Eine Ausnahme bildete unser als „komischer Kauz“ bezeichneter Soldat S. Er war fanatischer Reichsbahner (ja die DDR hatte eine Reichsbahn!) und so verzierte er seine Platte mit dem Reichsbahn-Logo „Rad mit Flügeln“. Das gab natürlich wieder neuen Anlass für Spott und Gelächter. Nach einem Ausgang haben wir dann mit den Stiefeln Zielschießen auf sein Kunstwerk veranstaltet. Es fiel in Bruchstücken zu Boden und Soldat S. kamen die Tränen.
Aus heutiger Sicht ein sehr schäbiger Charakter von uns, ja das wäre wieder ein neues Thema, denn wer Außenseiter war, dem wurde es schwer gemacht."

MfG

GKUS64



Oje, ein Angriff auf die Reichsbahn.
Also ich hätte mir an dieser Stelle nur gedacht "Kinder können grausam sein", Tränen wären da wohl nicht geflossen, bestenfalls Blut.
Aber mal im Ernst, in der DDR gab es ganz klar Mobbing, das im Moment wo es von Vorgesetzten ausging auch problematisch war.
Ich erinnere mich einmal an die Auswertung einer der jährlichen Wiederholungsprüfungen im Eisenbahnbetrieb bei der unser Instrukteur für Triebfahrzeuge ( IfT), im Dienstunterricht bei der Fehleranalyse immer wieder einfließen lies "ich glaube .....(mein Nachname)...war's" woraufhin ein Kollege irgendwann mal anfragte "Hat er denn überhaupt noch was richtig ?" .....Antwort " Ja, Ja....93 %" wobei ich bis heute nicht weiß, wo diese Feindseeligkeiten herrührten.
Auf meine Arbeit und mein Wohlbefinden hatte das keine nennenswerten Konsequenzen, aber den Angriff habe ich sehr wohl quittiert.
Hätte er es geschafft, Mitstreiter für seine Hetzerei zu finden, wäre es kritisch geworden, immerhin war er ein unmittelbarer Vorgesetzter.

Eine andere Episode war mal ein schimpfender Kollege, der in die Lokleitung kam und sich lautstark darüber beschwerte, was ...(anderer Kollege) doch für ein faules Aas wäre, weil er schon wieder die Lok mit angeblich leeren Sandkästen abstellte und aus irgendeinem Instinkt heraus sagte ich, " das will ich sehen" und ging zum Abstellplatz. Dort war einer der acht Kästen nur 3/4 voll der Rest auf "Max" und besagtem Hetzer stand das Entsetzen ins Gesicht geschrieben verbunden mit der erneuten Äußerung..." Aber trotzdem ist ....ein faules Aas".
Es ist ein langer Weg sein Umfeld zu erforschen, der niemals abschließend absolviert werden kann und dieser Weg wurde durch die politischen Zeitzonen in keiner Weise markant beeinflußt, so zumindest meine Erkenntnis.
Es hat eine menschliche Ebene und damals wie heute kann man ohne Gegenmittel und Verbündete als Opfer unter gehen.



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#29

RE: Gab es in der DDR Mobbing?

in Themen vom Tage 22.09.2015 00:01
von Elch78 | 501 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #28
Es hat eine menschliche Ebene und damals wie heute kann man ohne Gegenmittel und Verbündete als Opfer unter gehen.
Sehe ich auch so.
Trotzdem ein kleiner Einwand: Nicht nur auf der menschlichen Ebene (@der 39. erwähnte es ebenfalls)!
Hier lohnt ein kurzer Blick ins Wikip. (Mobbing , Abschnitt Begriffsgeschichte). Es ist im Tierreich sehr wohl zu beobachten, und daran kann man eben festmachen, daß es in unserer Entwicklung recht früh entstand und also ziemlich fest in unserem Verhaltensrepertoire angelegt ist.

Wo kann man denn das Tierreich besichtigen, in dem so etwas stattfindet?
"Nun, überall natürlich, meine Damen und Herren!" pflegte mein Dozent für Physikalische Chemie auf solcherart Fragen zu antworten.
Doch selbst der naturferne moderne Stadtmensch braucht sich nur einmal in einem Hundeauslaufgebiet oder einer Hundeschule (soweit vorhanden) einzufinden, etwas Geduld mitzubringen, und er wird fündig: Hunde spielen, jagen miteinander herum, und irgendwann ist einer der Dumme, der von mehreren (eigentlich auch Schwächeren) verfolgt und gepiesackt wird.

Und wir Menschen? Der Starke baut damit sein Ego auf und verbessert seine Chance auf Ressourcennutzung. Und der Schwache macht mit, um nicht selber das Opfer zu sein und auch, weil es für das eigene Selbstbewußtsein angenehm ist, nicht nur gebissen zu werden sondern auch mal selber zu beißen. Und um aus der Anlehnung an den Stärkeren Sicherheit zu schöpfen.

Da sich die Hunde so etwas kaum von uns abgucken können, darf also davon ausgegangen werden, daß das Ganze nichts mit Sozialismus oder dessen Gegenteil zu tun hat.
Die frühen Jahre des Sozialismus hatten ja den "neuen Menschen" in ihrem Traumfänger, der alle schlechten Eigenschaften ablegt. Die Unmöglichkeit der Realisierung wurde seitens der Herrschenden wohl bis zum Schluß nicht erkannt.
Das kommt davon, wenn statt Fachleuten die Ideologen das Sagen haben ... was ja auch heute durchaus noch vorkommen soll.

Elch


"Es gibt immer drei Wahrheiten: eine, die Du siehst, eine, die ich sehe und eine, die wir beide nicht sehen"
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zuletzt bearbeitet 22.09.2015 00:21 | nach oben springen

#30

RE: Gab es in der DDR Mobbing?

in Themen vom Tage 23.09.2015 05:17
von Manne76 | 8 Beiträge

Hi Leute,
wie schon richtig gesagt, zu jeder Zeit. Den engl. Begriff kannte ich damals noch nicht, wohl aber die Auswirkungen.
Beispielsweise bei gewissen Positionen ohne Parteizugehörigkeit. Habe es auch zu spüren bekommen, als ich mich
bei der Musterung nicht länger Verpflichten wollte. Hier würde ich sagen, Gegenangriff nicht kapitulieren !

Gruß Manne76


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#31

RE: Gab es in der DDR Mobbing?

in Themen vom Tage 23.09.2015 11:35
von Klauspeter | 986 Beiträge

@Manne76
Bitte sag mal ganz konkret, wer Dich bei der Musterung in welcher Form gemobbt hat?
Mir ist bei der NVA kein einziger Fall bekannt, dass ein Soldat gemobbt wurde, weil er nicht in der SED war oder sich nicht länger verpflichten wollte.
Klaus


der 39. hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#32

RE: Gab es in der DDR Mobbing?

in Themen vom Tage 23.09.2015 12:18
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Elch78 im Beitrag #29
Zitat von Hackel39 im Beitrag #28
Es hat eine menschliche Ebene und damals wie heute kann man ohne Gegenmittel und Verbündete als Opfer unter gehen.
Sehe ich auch so.
Trotzdem ein kleiner Einwand: Nicht nur auf der menschlichen Ebene (@der 39. erwähnte es ebenfalls)!
Hier lohnt ein kurzer Blick ins Wikip. (Mobbing , Abschnitt Begriffsgeschichte). Es ist im Tierreich sehr wohl zu beobachten, und daran kann man eben festmachen, daß es in unserer Entwicklung recht früh entstand und also ziemlich fest in unserem Verhaltensrepertoire angelegt ist.


Da sich die Hunde so etwas kaum von uns abgucken können, darf also davon ausgegangen werden, daß das Ganze nichts mit Sozialismus oder dessen Gegenteil zu tun hat.
Die frühen Jahre des Sozialismus hatten ja den "neuen Menschen" in ihrem Traumfänger, der alle schlechten Eigenschaften ablegt. Die Unmöglichkeit der Realisierung wurde seitens der Herrschenden wohl bis zum Schluß nicht erkannt.
Das kommt davon, wenn statt Fachleuten die Ideologen das Sagen haben ... was ja auch heute durchaus noch vorkommen soll.

Elch


Immerhin hätten auch im Tierreich diese Spielchen schnell ein Ende, wenn man an Stelle des vertrauten Affenfelsens plötzlich gemeinsam hilflos auf einer Eisscholle in der Arktis treiben würde und genauso wie man ausgangs des Krieges, den man mit viel Glück lebend überstanden hat, oder während der Hochwassersituation bereit war zusammenzurücken und bedingungslos im Sinne einer für alle optimalen und tragfähigen Lösung zu kooperieren sind wohl immer wieder Krisen nötig um sich einen kleinen Abstand zum Tierreich zu verschaffen.
Mobbing ist Evolution im Kleinen und der Mensch ist solange eine selten dämliche Rasse, solange er es nicht schafft trotz ausreichend vorhandener Ressourcen und Lebensraums friedlich und fair miteinander umzugehen.
Der reguläre Geschäftsbetrieb des menschlichen Gemeinwesens war im Sozialismus meiner Meinung nach fairer und gerechter, trotzdem war er kein Quantensprung im Vergleich zum konkurrierenden kapitalistisch konzeptionierten Staatswesen.
Gefährlich wird es nur, wenn die Steinzeitbarbaren mit ihren IS- Flaggen u. a. hirnlose religiöse Fanatiker mit Profiteuren aller Art im Gepäck, wie z. B. den Waffenproduzenten, Volksverhetzern und verblendeten Sozialromantikern als lachende Dritte siegreich aus dem Rennen gehen.
Deren Siegesfeier würde die kürzeste der Menschheitsgeschichte werden und im Anbetracht solcher Szenarien sollte die einzige Rasse der Erde mit Gestaltungspotenzial mal ganz allgemein ihre Werte überdenken.



IM Kressin, Klauspeter, der 39., Damals87, seaman und Fritze haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#33

RE: Gab es in der DDR Mobbing?

in Themen vom Tage 23.09.2015 13:19
von Klauspeter | 986 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #32

Der reguläre Geschäftsbetrieb des menschlichen Gemeinwesens war im Sozialismus meiner Meinung nach fairer und gerechter, trotzdem war er kein Quantensprung im Vergleich zum konkurrierenden kapitalistisch konzeptionierten Staatswesen.
Gefährlich wird es nur, wenn die Steinzeitbarbaren mit ihren IS- Flaggen u. a. hirnlose religiöse Fanatiker mit Profiteuren aller Art im Gepäck, wie z. B. den Waffenproduzenten, Volksverhetzern und verblendeten Sozialromantikern als lachende Dritte siegreich aus dem Rennen gehen.
Deren Siegesfeier würde die kürzeste der Menschheitsgeschichte werden und im Anbetracht solcher Szenarien sollte die einzige Rasse der Erde mit Gestaltungspotenzial mal ganz allgemein ihre Werte überdenken.



Wenn ich mich mal in Eure interessante Diskussion hineinhängen darf.

Sicherlich war die Realität im Sozialismus kein Quantensprung im Vergleich zum kapitalistischen Staatswesen. Aber der Sozialismus war der misslungene Versuch, eine gerechtere Welt zu schaffen, eine Welt ohne Krieg und ohne Ausbeutung. Viele Menschen hatten in den sozialistischen Gründerjahren diese Ideale.
Der Kapitalismus beruht auf der Ausbeutung und Kriege sind die unmenschlichste Form der Ausbeutung. Ihm sind alle Ideale abhanden gekommen.Er kann den Menschen keine Perspektiven aufzeigen; er knüpft an die niedersten Instinkte der Menschen an.
Vielleicht mobben sich Tiere auch. Aber das hat Spielcharakter, ohne bösartige Hintergedanken, ohne den anderen bewusst zum "Sklaven" machen zu wollen.

Mobbing gehörte theoretisch nicht zum Wesen des Sozialismus.
Dem Kapitalismus ist Mobbing wesenseigen.
Klaus


der 39., Damals87 und Hackel39 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#34

RE: Gab es in der DDR Mobbing?

in Themen vom Tage 23.09.2015 22:04
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Klauspeter im Beitrag #33
[quote=Hackel39|p492864]

Sicherlich war die Realität im Sozialismus kein Quantensprung im Vergleich zum kapitalistischen Staatswesen. Aber der Sozialismus war der misslungene Versuch, eine gerechtere Welt zu schaffen, eine Welt ohne Krieg und ohne Ausbeutung. Viele Menschen hatten in den sozialistischen Gründerjahren diese Ideale.
Der Kapitalismus beruht auf der Ausbeutung und Kriege sind die unmenschlichste Form der Ausbeutung. Ihm sind alle Ideale abhanden gekommen.Er kann den Menschen keine Perspektiven aufzeigen; er knüpft an die niedersten Instinkte der Menschen an.
Vielleicht mobben sich Tiere auch. Aber das hat Spielcharakter, ohne bösartige Hintergedanken, ohne den anderen bewusst zum "Sklaven" machen zu wollen.

Mobbing gehörte theoretisch nicht zum Wesen des Sozialismus.
Dem Kapitalismus ist Mobbing wesenseigen.
Klaus



Ganz klar richtig, die Weichen in eine gerechte neue Gesellschaftsordnung waren gestellt nur der Zug ließ zu viele zurück.
Der DDR- Sozialismus wurde nicht primär installiert, um Leute auszuspitzeln und einzumauern, immerhin versuchte man es ja vor dem Mauerbau im Guten und das über ein Jahrzehnt lang um dann festzustellen, daß Schieberbanden, Warenspekulanten, Quertreiber und arbeitsscheue parasitäre Lebenskünstler vom System nicht mehr ausgehalten werden konnten ohne den Kollaps zu riskieren und so zog man eben die Reißleine.
Die Errichtung des Schutzwalls war kein Staatsmobbing sondern ein hilfloser Demokratieversuch mit dem man die destruktive und parasitäre Klientel der viel größeren Bevölkerungsschicht der ehrlich arbeitenden Werktätigen unterordnen bzw. vom ehrlichen Volk fernhalten wollte, Bolschewismus eben.
Prof. Schröder faßte jene Auswüchse und bürgerlichen Relikte der Vergangenheit mal als Raubtiersozialismus zusammen, einem sehr prägenden und leider auch zutreffenden Begriff der verständlicherweise erst mit der historischen Nachbereitung der DDR aufkam.
Mobbing ist einer von vielen anderen negativ besetzten Elementen dieses Raubtiersozialismus, Gier, Rücksichtslosigkeit, Egoismus u.v.a. gehört auch dazu, das würde hier den Rahmen sprengen aber immerhin waren die Sittenwächter im Sozialismus noch in einer viel besseren Position als die heutigen Papiertiger, egal ob im Betriebsratsbüro oder dem Polizeiauto.
An zahlreichen anderen Stellen im Forum wurde schon darüber philosophiert, wie man die DDR hätte retten können, eine Vorbedingung dazu wäre die Eindämmung des Raubtiersozialismus gewesen aber für diesen Kampf gegen strategische Hamsterkäufe, Tauschhandel, Schattenwirtschaft u.v.a. waren die alten Herren bereits zu schwach.
Bleibt nur noch zu klären, wieso dann nach dem Mauerbau nicht doch alles besser wurde, zumal man ja später noch die Reste des freien Unternehmertums auch noch flächendeckend enteignete und vergrätzte und allen Überlebenden lediglich ein Gnadenbrot zugestand.
Pro forma wollte man ja damit die Gleichheit incl. Weiterreise in den Kommunismus herstellen und organisieren und vergaß dabei, daß man es mit Menschen und nicht mit Laborratten zu tun hatte.
Das Volk blieb also unzufrieden und so blieb auch der Nährboden für alle Formen des Mobbings erhalten.
Übrigens überlege ich schon geraume Zeit wie man in der DDR eigentlich die Mobber nannte, dabei fallen mir nur Begriffe wie Stänkerknochen, Anschei**er/ Anschwärzer, Schlechtschwätzer, Schandmaul, Intrigant ein und somit war Mobbing einfach nur die Gesamtheit aller Formen der Intrige, der Arglist, Ränkespiele, Hinterlist oder gar ein altdeutscher Begriffe wie Kabale (bekannt aus dem Schulstoff "Kabale und Liebe"...somit auch hier schon ein Thema).



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#35

RE: Gab es in der DDR Mobbing?

in Themen vom Tage 24.09.2015 19:36
von Klauspeter | 986 Beiträge

@Hackel39

Ja so war das.
Theoretisch gehörte Mobbing nicht zum Sozialismus, aber praktisch gab es ihn im Sozialismus.
Weil der Sozialismus die soziale Gleichheit noch nicht vollständig verwirklichen konnte, herrschte theoretisch das Prinzip: “ Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Leistungen!“ Mit dem Leistungsprinzip stimmte es aber an allen Ecken und Enden nicht. Es waren nicht wenige, deren Motto war „So wenig wie möglich leisten, aber so viel wie möglich bekommen.“

Du hast es schon geschrieben, dass es den „neuen“ Menschen im Sozialismus noch nicht gab. Das konnte auch nicht sein – der Sozialismus im alten Rußland wurde errichtet nach dem I. Weltkrieg, in Zeiten von Hungersnöten und Bürgerkrieg und die DDR verkündete 7 Jahre nach Ende des II. Weltkrieges die Schaffung der Grundlagen des Sozialismus.
Das Denken der Menschen war durch Krieg und Hunger geprägt Mobbing in den verschiedensten Formen war noch eine der harmlosesten Überbleibsel der vergangener Zeiten im Denken und Handeln der Menschen.
Alles viel zu früh. Marx ging theoretisch davon aus, dass alle Länder gleichzeitig den Sozialismus errichten – in der Praxis aber wurde der Sozialismus in den ökonomisch schwächsten Ländern begonnen – bei Umkreisung durch starke imperialistische Länder.

Und dennoch: Die UdSSR – 1917 noch ein Land mit überwiegend Analphabeten – schaffte das militärische Gleichgewicht, das letztlich friedenserhaltend wirkte. Die DDR machte den herrschenden der BRD angst. Diese Angst scheint heute noch zu wirken, sonst gäbe es nicht die ständigen Versuche, die DDR herabzuwürdigen.

Selten finden wir in den Massenmedien positives über die DDR.
Kaum Erwähnung findet das hervorragende Bildungssystem der DDR; das System der Vorschuleinrichtungen; die Sportförderung u.v.a.m.

In der DDR gab es auch Mobbing; die DDR hat den „neuen Menschen“ nicht geschaffen. Sie hat aber einen anderen Menschen hervorgebracht –
etwas bescheidener, freundlicher, solidarischer und manchmal auch etwas gründlicher. Sicher auch ein Grund mit, warum mobbing in der DDR kaum ausgeprägt war. Letztlich sind es die gesellschaftlichen Verhältnisse, die den Menschen prägen.

Klaus


Damals87, passport, der 39., Hackel39, DoreHolm und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#36

RE: Gab es in der DDR Mobbing?

in Themen vom Tage 24.09.2015 19:47
von Freienhagener | 3.856 Beiträge

Zitat von Klauspeter im Beitrag #35

Theoretisch gehörte Mobbing nicht zum Sozialismus, aber praktisch gab es ihn im Sozialismus.



Theoretisch gehört Mobbing auch nicht zum Kapitalismus. Da gibt es z. B. die angebliche "Sozialpartnerschaft" und Unternehmen erklären sich zum "angstfreien Betrieb".

In beiden Fällen kann man die Theorie nicht ernst nehmen.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
Jobnomade und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 24.09.2015 19:47 | nach oben springen

#37

RE: Gab es in der DDR Mobbing?

in Themen vom Tage 24.09.2015 22:35
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Klauspeter im Beitrag #35
@Hackel39


.......

In der DDR gab es auch Mobbing; die DDR hat den „neuen Menschen“ nicht geschaffen. Sie hat aber einen anderen Menschen hervorgebracht –
etwas bescheidener, freundlicher, ***************solidarischer und manchmal auch etwas gründlicher. Sicher auch ein Grund mit, warum mobbing in der DDR kaum ausgeprägt war. Letztlich sind es die gesellschaftlichen Verhältnisse, die den Menschen prägen.

Klaus




Fröhlicher gehört unbedingt in Deine Aufzählung und das trotz der beiden Episoden, die ich in meinem Anfangsbeitrag beschrieb.
Mir ging es nur darum, daß es Mobbing eben auch gab, aber nur in Spurenelementen.
Die weit überwiegende Zeit hat man sich auf seine Schichten gefreut, auf den immer lustigen Ex- Filmvorführer und umgeschulten Querfurter Zugführer, die hübschen Zugfertigstellerinnen aus der Brigade 4 (irgendwie waren das auf allen Bahnhöfen, die ich anfuhr die Schönsten), der Schwerathlet (Tunnelwärter in Blankenheim) mit seinen frechen Sprüchen und meinen Kontern, M****is Geschichten aus der Urzeit der Eisenbahn und nicht zu vergessen die legendären Riesenkarpfen u.a. Angelmärchen meiner mitfischenden Eisenbahnerkollegen.
Es gab kaum noch freie Kapazitäten, um zu mobben.
Auch konnte man sich nicht so einfach aus dem Weg gehen, wenn ich daran denke wie man mit dem Beginn des Autozeitalters für alle nach der Wende lieber mit dem Wagen als kostenlos per Zug zum neuen Dienstort fuhr, um den besser eingrupierten Kollegen X oder gar dem verhaßten Ex- Chef nicht mehr am Bahnsteig begegnen zu müssen, so konnte man doch sehr deutlich die verschlechterte Atmosphäre am Arbeitsplatz wahr nehmen.
Von heute rede ich besser nicht, das würde mir nur die Nachtruhe versauen, zwar kann ich mit meinem robusten Charakter in fast jedem Klima bestehen, das hat aber einen recht hohen Preis....



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#38

RE: Gab es in der DDR Mobbing?

in Themen vom Tage 25.09.2015 11:33
von Klauspeter | 986 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #36
Zitat von Klauspeter im Beitrag #35

Theoretisch gehörte Mobbing nicht zum Sozialismus, aber praktisch gab es ihn im Sozialismus.



Theoretisch gehört Mobbing auch nicht zum Kapitalismus. Da gibt es z. B. die angebliche "Sozialpartnerschaft" und Unternehmen erklären sich zum "angstfreien Betrieb".

In beiden Fällen kann man die Theorie nicht ernst nehmen.


Ich kenne Dich zu wenig, und ich weiß jetzt nicht, ob Dein Beitrag so richtig ernst gemeint ist, oder ob Du nur den Augenzwinkerer vergessen hast.
Ich bleibe dabei: "Theoretisch gehört Mobbing zum Kapitalismus". Kapitalismus beruht auf der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Ziel ist die Profitmacherei, und für Profit gibt es kein Verbrechen, das nicht begangen wird. Die Liste aktueller Beispiele wäre sehr lang.

In der Zeit, als die DDR noch existierte, war Ausbeutung in der BRD schwer erkennbar und in Umsetzung der Erhardschen Gedanken gab es in der BRD wirklich ein Stück sozialer Marktwirtschaft. Das änderte sich rapide mit dem Untergang der DDR. Mobbing ist heute nur ein fast schon harmloses Merkmal des kapitalistischen Systems.
Klaus


Damals87 und Fritze haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#39

RE: Gab es in der DDR Mobbing?

in Themen vom Tage 25.09.2015 12:11
von Klauspeter | 986 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #37

...
Fröhlicher gehört unbedingt in Deine Aufzählung und das trotz der beiden Episoden, die ich in meinem Anfangsbeitrag beschrieb.
Mir ging es nur darum, daß es Mobbing eben auch gab, aber nur in Spurenelementen.
Die weit überwiegende Zeit hat man sich auf seine Schichten gefreut, auf den immer lustigen Ex- Filmvorführer und umgeschulten Querfurter Zugführer, die hübschen Zugfertigstellerinnen aus der Brigade 4 (irgendwie waren das auf allen Bahnhöfen, die ich anfuhr die Schönsten), der Schwerathlet (Tunnelwärter in Blankenheim) mit seinen frechen Sprüchen und meinen Kontern, M****is Geschichten aus der Urzeit der Eisenbahn und nicht zu vergessen die legendären Riesenkarpfen u.a. Angelmärchen meiner mitfischenden Eisenbahnerkollegen.
Es gab kaum noch freie Kapazitäten, um zu mobben.
Auch konnte man sich nicht so einfach aus dem Weg gehen, wenn ich daran denke wie man mit dem Beginn des Autozeitalters für alle nach der Wende lieber mit dem Wagen als kostenlos per Zug zum neuen Dienstort fuhr, um den besser eingrupierten Kollegen X oder gar dem verhaßten Ex- Chef nicht mehr am Bahnsteig begegnen zu müssen, so konnte man doch sehr deutlich die verschlechterte Atmosphäre am Arbeitsplatz wahr nehmen.
Von heute rede ich besser nicht, das würde mir nur die Nachtruhe versauen, zwar kann ich mit meinem robusten Charakter in fast jedem Klima bestehen, das hat aber einen recht hohen Preis....


Stimmt; fröhlicher gehört unbedingt dazu.
Ich erinnere mich sehr gern an fröhliche und lustige Zusammenkünfte meines Kollektivs, an gemeinsame Wochenendausflüge mit Kind und Kegel, an 1 (oder 2) Bier hin und wieder nach Feierabend mit den Mitstreitern, oder an die gemeinsame Kaffeerunde vor Ausbildungsbeginn. Es ging wirklich fröhlich zu, und oft wurde auch dieser oder jener Anwesende auf die "Schippe" genommen - aber nie artete es in Mobbing aus.
Ich hatte beispielsweise einen Offizier in meiner Truppe, der leidenschaftlicher Kleingärtner war. Jedes Jahr hatte er die größten Gurken, Kürbisse oder Kohlrabi in seinem Garten. Eines morgens sagte einer in der Kaffeerunde, dass Mj. B.( der leidenschaftlche Kleingärtner) einen neuen Trabbi-Anhänger hat. Alle waren sehr interessiert, am meisten aber Mj.B..Was denn für ein neuen Anhänger? Na einer, mit verstärkten Hinterachsen! Wieso denn das ? Na, um jährlich die zentnerschweren Gurken, Kürbisse und Kohlrabi aus dem Garten nach Hause transportieren zu können!
Der Erzähler hatte die Lacher auf seiner Seite.

Wir waren einfach zu sehr aufeinander angewiesen und konnten uns gegenseitiges Mobbing nicht leisten.Wir mochten und achteten uns gegenseitig zu sehr und hätten es nie fertig gebracht, uns gegenseitig zu mobben. Dafür gab es die offene und ehrliche Kritik.

Viele fröhliche Episoden könnte ich jetzt bringen und manchmal bin ich selbst erstaunt darüber, wieviel lustiges im Gedächtnis geblieben ist. Dabei gab es viel ernstes,trauriges; Dinge, die mich wütend machten und Nerven kosteten. Glücklicherweise filtert unser Gehirn und abrufbereit bleibt das Angenehme, das Schöne, das Lustige und Fröhliche.
Ist auch gut so, solange es nicht zur Verklärung der Vergangenheit beiträgt.
Klaus


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#40

RE: Gab es in der DDR Mobbing?

in Themen vom Tage 25.09.2015 18:11
von Freienhagener | 3.856 Beiträge

Zitat von Klauspeter im Beitrag #38
Zitat von Freienhagener im Beitrag #36
Zitat von Klauspeter im Beitrag #35

Theoretisch gehörte Mobbing nicht zum Sozialismus, aber praktisch gab es ihn im Sozialismus.



Theoretisch gehört Mobbing auch nicht zum Kapitalismus. Da gibt es z. B. die angebliche "Sozialpartnerschaft" und Unternehmen erklären sich zum "angstfreien Betrieb".

In beiden Fällen kann man die Theorie nicht ernst nehmen.


Ich kenne Dich zu wenig, und ich weiß jetzt nicht, ob Dein Beitrag so richtig ernst gemeint ist, oder ob Du nur den Augenzwinkerer vergessen hast.
Ich bleibe dabei: "Theoretisch gehört Mobbing zum Kapitalismus". Kapitalismus beruht auf der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Ziel ist die Profitmacherei, und für Profit gibt es kein Verbrechen, das nicht begangen wird. Die Liste aktueller Beispiele wäre sehr lang.

In der Zeit, als die DDR noch existierte, war Ausbeutung in der BRD schwer erkennbar und in Umsetzung der Erhardschen Gedanken gab es in der BRD wirklich ein Stück sozialer Marktwirtschaft. Das änderte sich rapide mit dem Untergang der DDR. Mobbing ist heute nur ein fast schon harmloses Merkmal des kapitalistischen Systems.
Klaus



Du meinst die Theorie des Gegners. Jeder macht sich theoretisch gut und den Gegner schlecht.
Der Unterschied ist, daß die eine Theorie den Himmel auf Erden verspricht, die andere nicht.in dem Maße. Deshalb ist sie nicht schlechter, sondern ehrlicher (realtiv gesehen).

Aber darüber zu befinden ist müßig, weil die Realität kein Ideal erreicht.
Es zählt nur die Praxis


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 25.09.2015 18:12 | nach oben springen



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