#261

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 08.09.2015 09:36
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von utkieker im Beitrag #260
Solche markigen Sprüche: "So wie du heute arbeitest, wirst du morgen leben!" waren blanker Hohn, wenn man bedenkt, daß eine Steigerung der Produktion nicht innovativ sondern auf den Knochen der Arbeiter erfüllt wurde.

Gruß Hartmut!


Offenbar haben die Arbeiter ihre Knochen gut versteckt um sie zu schonen oder wie erklärst Du Dir dann die Tatsache das die Arbeitsproduktivität in der DDR im Vergleich zur BRD fast um gefühlte 50% niedriger war?

Übrigens ein Grund für die Arbeitgeber auch 25 Jahre später immer noch davon zu schwätzen das in den NBL die Arbeitsproduktivität noch nicht "West"Niveau hat und das dient dann auch zur Begründung für die niedrigeren Gehälter und dem Geldwert eines Rentenpunktes.
Merke, wer weniger "arbeitet" hat keinen Anspruch auf übliche Bezahlung ....

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

Fritze hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#262

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 08.09.2015 10:14
von bürger der ddr | 3.578 Beiträge

Ich konnte dem "trabbi" damals wie heute nicht viel abgewinnen, er ist vergleichbar mit VW Käfer. Nur ein Auto macht nicht ein Leben aus....
Heute wird uns das suggeriert, tolles Auto = tolles Lebensgefühl, die Freiheit der "Bewegung"

Nur wie viele KFZ Briefe "liegen bei der Bank", wie viele sind durch Kredite geknebelt?

Wenn ich heute überlege, ich muß zur Arbeit kommen, die KFZ sind so kompliziert und "Eigenleistung" bei Instandsetzung kaum möglich, Werkstattpreise und dann kommt das suuuupergünstige Angebot für einen Neuwagen.....

Ein Normalverdiener sollte in der Dauer der wirtschaftlichen Nutzbarkeit des KFZ die Mittel haben einen Ersatz anzusparen, wie oft ist das nicht mehr möglich?



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#263

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 08.09.2015 14:58
von StabsfeldKoenig | 2.618 Beiträge

Zitat von utkieker im Beitrag #260
Genau @Freienhagener, du bringst es auf den Punkt. Seit dem Dampfauto von Cugnot sind die Bedürfnisse beim Automobil stetig gestiegen. Der Trabant entsprach nicht mehr den Anforderungen der Zeit. Obwohl ich einen PKW mit 300 PS für reine Energieverschwendung halte, so müsste doch zu mindestens die Golf- Klasse für das werktätige Volk angemessen sein. Aber man war froh, wenn man einen fahrbaren Untersatz sein Eigen nannte, nicht selten verbunden, mit langen Wartezeiten. Man verspricht einen paradiesische Verhältnisse, aber wenn es um deren Einlösung geht, wird man entweder aufs Jenseits oder auf den Sankt Nimmerleinstag vertröstet.
Ich denke, daß man die wachsenden Bedürfnisse nicht gering schätzen sollte aber die DDR tat sich schwer, den Bedürfnissen gerecht zu werden. Solche markigen Sprüche: "So wie du heute arbeitest, wirst du morgen leben!" waren blanker Hohn, wenn man bedenkt, daß eine Steigerung der Produktion nicht innovativ sondern auf den Knochen der Arbeiter erfüllt wurde.

Gruß Hartmut!


Da hätten manche sich nicht einmal ein Fahrrad leisten dürfen. Nicht umsonst gab es in der DDR den Witz (der heute durchaus noch auf manche behörde mit Beamten zutrifft), wo jemand einen Betrieb besichtigt und auf die Frage wieviele Leute hier arbeiten die Antwort erhält "ungefähr die Hälfte". Und die die am wenigsten gearbeitet haben, haben am lautesten gemeckert, wenn es irgend etwas mal nicht im Laden gab.



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#264

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 08.09.2015 21:03
von DoreHolm | 7.676 Beiträge

Zitat von utkieker im Beitrag #260
Genau @Freienhagener, du bringst es auf den Punkt. Seit dem Dampfauto von Cugnot sind die Bedürfnisse beim Automobil stetig gestiegen. Der Trabant entsprach nicht mehr den Anforderungen der Zeit. Obwohl ich einen PKW mit 300 PS für reine Energieverschwendung halte, so müsste doch zu mindestens die Golf- Klasse für das werktätige Volk angemessen sein. Aber man war froh, wenn man einen fahrbaren Untersatz sein Eigen nannte, nicht selten verbunden, mit langen Wartezeiten. Man verspricht einen paradiesische Verhältnisse, aber wenn es um deren Einlösung geht, wird man entweder aufs Jenseits oder auf den Sankt Nimmerleinstag vertröstet.
Ich denke, daß man die wachsenden Bedürfnisse nicht gering schätzen sollte aber die DDR tat sich schwer, den Bedürfnissen gerecht zu werden. Solche markigen Sprüche: "So wie du heute arbeitest, wirst du morgen leben!" waren blanker Hohn, wenn man bedenkt, daß eine Steigerung der Produktion nicht innovativ sondern auf den Knochen der Arbeiter erfüllt wurde.

Gruß Hartmut!


Grün: Einspruch ! Auch wenn unsere Firma wohl nicht das allgemeingültige Beispiel war, aber eine Steigerung der Produktion, bei Voraussetzung von ausreichend Material, wäre ohne weiteres möglich, ohne die Knochen der Arbeiter über Gebühr zu strapazieren. Ich behaupte mal, mit wenigen Ausnahmen wurde in den VEBs nicht mit der Intensität und Arbeitszeitauslastung gearbeitet wie in einem Privatbetrieb in Westen. Ein Kunde beim schon zu DDR-Zeiten existierendem Arbeitsamt ließ bezüglich unserer Firma mal die Bemerkung fallen "Ach, der Betrieb, wo die vielen Pausen gemacht werden ". Sagt eigentlich alles. Wirft zwar kein gutes Licht auf mich als Arbeitsnormer von Anfang der Normeneinführung bei uns an, aber mir waren durch Vorgaben die Hände gebunden. Bisherige Leistung = 100%, das war die Bedingung. Damit war eine Auslastung der AZ von 5 - 5,5 h von bezahlten 8 3/4 h sanktioniert. Spätere technische/organisatorische Verbesserungen konnten nicht 1 : 1 in andere Leistungsnormen umgesetzt werden. Es blieb immer ein, wenn auch kleiner Teil übrig, der die Produktions-und Produktions-Hilfsarbeiter "entlastete". Das alles hatte ich vor einiger Zeit in einem anderen Thread schon mal dargelegt. Auch das beispiel eines Test in einer ungarischen Schuhfabrik. Alle Bedingungen wie in einem westdeutschen Schuhbetrieb. Gleiche Modelle, gleiche Materialien, gleiche Maschinen, gleiche Arbeitsorganisation und was sonst noch wichtig war. Ergebnis: 10 - 15 % geringere Leistung als im verglichenen westdeutschen Betrieb.
Noch eine Schlussbemerkung, damit keiner denkt, es werden nur arbeitsbequeme Produktionsarbeiter geprügelt: In der Verwaltung sah es oft nicht viel anders aus. Nur, da merkt es so schnell keiner, ob die Akten und Papiere auf dem Schreibtisch gerade bearbeitet werden oder die Gedanken gerade woanders sind oder mit den Kollegen angeregt gequatscht wird, wenn der Chef nicht gerade im Raum ist.
Wir hätten locker durchschnittlich in allen Bereichen 10% Personal abbauen können, ohne daß die Firme zusammengebrochen wäre.
Die Probleme waren bekannt, ich hatte sie im Leitungskreis auch genannt, aber es war wohl offensichtlich politisch nicht gewollt. Damals war die Gewerkschaft noch eine Macht, die selbst Bummelanten und Faulpelze mit Samthandschuhen anfasste. Ein Arbeiter, schon dieses Wort, da traute sich nicht so gern einer ran, um es nicht mit der Kreisleitung zu tun zu bekommen.



der 39. hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 08.09.2015 21:07 | nach oben springen

#265

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 08.09.2015 21:04
von Hanum83 | 4.662 Beiträge

Wir haben nach der Bassov-Methode gearbeitet, müssen die Altbundis sicher googeln, also einer arbeitet und dreie bassen off


Ein Jahr lang 10 Kilometer der innerdeutschen Grenze 1983/84 mitbewacht.
(Zusatz-Info auf Wunsch eines einzelnen Users: War dabei auch Postenführer.)
sieben-seen und DoreHolm haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#266

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 08.09.2015 22:36
von Fritze | 3.474 Beiträge

Viele nach der Robinson- Methode ! Warten auf Freitag !

Fritze


"Das kann doch überhaupt nur jemand nicht wissen ,der entweder vollkommen ahnungslos ist ,oder ,oder jemand der also bösartig ist !"

"If you get up and walk away, leave the past behind, go ahead and take a ride ,no telling what you find ! "
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#267

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 08.09.2015 22:45
von Hanum83 | 4.662 Beiträge

Als ein DDR-Reporter den neuen sowjetischen Weltrekordler im Hammerweitwurf befragte warum er in seiner Disziplin so gut ist, antwortete der ...


Ein Jahr lang 10 Kilometer der innerdeutschen Grenze 1983/84 mitbewacht.
(Zusatz-Info auf Wunsch eines einzelnen Users: War dabei auch Postenführer.)
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#268

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 12.09.2015 17:32
von Gohrbi | 566 Beiträge

Zitat von bürger der ddr im Beitrag #262
Ich konnte dem "trabbi" damals wie heute nicht viel abgewinnen, er ist vergleichbar mit VW Käfer. Nur ein Auto macht nicht ein Leben aus....
Heute wird uns das suggeriert, tolles Auto = tolles Lebensgefühl, die Freiheit der "Bewegung"

Nur wie viele KFZ Briefe "liegen bei der Bank", wie viele sind durch Kredite geknebelt?

Wenn ich heute überlege, ich muß zur Arbeit kommen, die KFZ sind so kompliziert und "Eigenleistung" bei Instandsetzung kaum möglich, Werkstattpreise und dann kommt das suuuupergünstige Angebot für einen Neuwagen.....

Ein Normalverdiener sollte in der Dauer der wirtschaftlichen Nutzbarkeit des KFZ die Mittel haben einen Ersatz anzusparen, wie oft ist das nicht mehr möglich?


... was bist du denn in der DDR gefahren? Lada? Zum anderen, in der DDR sind wir Bahn/Zug gefahren ... preiswert und schnell.

... wie viele mußten nach der Grenzöffnung in den Westen und haben dort den Schrott gekauft. Mir hat in Berlin ein Autohändler gesagt, ich solle keins kaufen im Moment, weil da sind sogar welche vor der Verschrottung wieder auf die Straße gekommen.

Auto auf Kredit ... jeder wie er mag. Es wird ja keiner gezwungen zum knebeln.

Ja sparen ist oft nicht drin und der Nahverkehr eine Strafe. Aber wie viele Strecken wurden wegen Unrentabilität eingestellt? Nur weil keiner mehr die hohen Fahrkartenpreise mitmachen konnte oder wollte. In der DDR konnte ich mir kaum ein Auto leisten und nun muss es alle 3 Jahre ein neuer sein, schon verrückte Zeiten.


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#269

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 12.09.2015 20:48
von bürger der ddr | 3.578 Beiträge

Zitat von Gohrbi im Beitrag #268
Zitat von bürger der ddr im Beitrag #262
Ich konnte dem "trabbi" damals wie heute nicht viel abgewinnen, er ist vergleichbar mit VW Käfer. Nur ein Auto macht nicht ein Leben aus....
Heute wird uns das suggeriert, tolles Auto = tolles Lebensgefühl, die Freiheit der "Bewegung"

Nur wie viele KFZ Briefe "liegen bei der Bank", wie viele sind durch Kredite geknebelt?

Wenn ich heute überlege, ich muß zur Arbeit kommen, die KFZ sind so kompliziert und "Eigenleistung" bei Instandsetzung kaum möglich, Werkstattpreise und dann kommt das suuuupergünstige Angebot für einen Neuwagen.....

Ein Normalverdiener sollte in der Dauer der wirtschaftlichen Nutzbarkeit des KFZ die Mittel haben einen Ersatz anzusparen, wie oft ist das nicht mehr möglich?


... was bist du denn in der DDR gefahren? Lada? Zum anderen, in der DDR sind wir Bahn/Zug gefahren ... preiswert und schnell.

... wie viele mußten nach der Grenzöffnung in den Westen und haben dort den Schrott gekauft. Mir hat in Berlin ein Autohändler gesagt, ich solle keins kaufen im Moment, weil da sind sogar welche vor der Verschrottung wieder auf die Straße gekommen.

Auto auf Kredit ... jeder wie er mag. Es wird ja keiner gezwungen zum knebeln.

Ja sparen ist oft nicht drin und der Nahverkehr eine Strafe. Aber wie viele Strecken wurden wegen Unrentabilität eingestellt? Nur weil keiner mehr die hohen Fahrkartenpreise mitmachen konnte oder wollte. In der DDR konnte ich mir kaum ein Auto leisten und nun muss es alle 3 Jahre ein neuer sein, schon verrückte Zeiten.





Ich hatte einen "Trabbi" und bin so schnell wie möglich auf einen "Wartburg" umgestiegen.



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