#21

RE: Jugendwerkhöfe in der DDR

in Leben in der DDR 25.08.2013 16:28
von Mike59 | 7.939 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #20
Zitat:

"Macht aus dem Staat Gurkensalat!"

Sie handelt vom Aufbegehren gegen die bleierne Tristesse des DDR-Alltags, von Punkkonzerten auf Hinterhöfen, subkulturellen Happenings, schrägen Partys und vom Gegenschlag der Staatsmacht gegen solche unangepasste Jugendliche. Im Rahmen des 2. Sächsischen Geschichts-Camps „Anders jung sein in der DDR“ in Kooperation mit der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau und dem Sächsischen Staatsministerium für Kultus.

Bleiernde Tritesse, was für eine Arroganz verzogennder Weichlinge der kapitalistishcen Spaßgesellschaft.

Ob in Niederbayerns Provinz oder in Mecklenburg, wer sein Leben interessant gestalten wollte machte das eben, "Tritesse" gab und gibt es nur für geistig Denkfaule.

Egal ob Musik am Waldrand aus Gitarre oder Kofferadio, privater Grilltag mit 10 oder 50 Freunden, selbstausgebauter Musikkeller oder Scheune, Wanderradreisen, Bergtouren im Wettersteingebirge oder der sächsischen Schweiz. Und dazu ob in Bayern katholische "Landjugend", mit der GST Motorradsport oder der Urania oder BUND Naturbeobachtung.

Tristesse ist wenn, dann nur im Kopf!

PS:

In der DDR, Jungendliche in Ferienzeit mit Fahrrad und Zelt unterwegs ( "große Fahrt" ), ein Problem? Gestatten LPGs EINE Nacht unter Scheundenvordächern oder am Waldrand, mussten ABV eingreifen?



Zu dem ersten Teil kann ich nichts sagen, da war ich altersbedingt durch.
Aber zum "PS:" habe ich noch ein paar Erinnerungen. "Wildes" Campen war nicht erlaubt - aber bei einer (1x) Übernachtung mit Zelt am Wegesrand war geduldet.


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#22

RE: Jugendwerkhöfe in der DDR

in Leben in der DDR 26.08.2013 14:02
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Lutze im Beitrag #15
Zitat von Kurt im Beitrag #14
Also, ich kenne Jugendwerkhofmädels, welche an der Betriebsberufsschule "Hans Beimler" des VEB Feintuch Finsterwalde arbeiteten.
Sie waren zum Teil recht hübsch und lieb, und ich habe mich gern mit ihnen unterhalten, soweit das möglich war.
Natürlich nicht während der Arbeit, denn der Lärm der Spinnmaschinen war enorm.

Viele Grüße,

Kurt

schau dir die Berichte auf you tube über Torgau an,
für mich ist es ein KZ gewesen
Lutze




Was die Zeitzeugen in der YouTube-Doku unten berichten ist erschütternd. Und Torgau muss die Hölle gewesen sein.
Vor allem was die Betroffenen über die "Körperertüchtigung" geschrieben haben, hat mit Sport wohl nichts mehr zu tun, sondern ist einfach Qual.

Auch straffällig gewordene Jugendliche sollten in einer angemessenen Weise pädagogisch betreut werden.


http://www.youtube.com/watch?v=ZFQLMstkdMw

ff.

.
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#23

RE: Jugendwerkhöfe in der DDR

in Leben in der DDR 27.08.2013 11:00
von turtle | 6.961 Beiträge

Sicherlich waren sogenannte schwer Erzielbare Jugendliche dabei. Trotzdem war in vielen Fällen die Einweisung in einen Jugendwerkhof zu hart.
Disziplinarmaßnahmen waren oft übertrieben . Jugendliche wurden nicht umerzogen ,sie wurden gebrochen. Als menschliches Wrack mit einem psychischen Knacks auf Lebenszeit verließen sie den Werkhof. Wer nie in einem Heim jeglicher Art war ,sollte dreimal Nachdenken was er schreibt. Ich war ein Heimkind .nein nicht im Werkhof ,sondern in einem "normalen" Heim. Mein Bruder war im Jugendwerkhof Höngeda


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#24

RE: Jugendwerkhöfe in der DDR

in Leben in der DDR 27.08.2013 11:49
von ddr-bürger (gelöscht)
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danke turtle, es ist schon ein Unterschied etwas selber erlebt zu haben oder "von außen" zu spekulieren. Ich habe hier bisher noch nichts geschrieben, da ich zu den "Unwissenden" in dem Thema gehöre.
Ich habe und mußte keinen "Jugendwerkhof" erleben und das ist gut so...


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#25

RE: Jugendwerkhöfe in der DDR

in Leben in der DDR 27.08.2013 11:50
von Lutze | 8.028 Beiträge

der geschlossene Jugendwerkhof war eine Schande für die DDR,
einige habe ich kennen gelernt,im Jugendhaus Halle,
das hatte mit Sozialismus nichts mehr zu tun
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#26

RE: Jugendwerkhöfe in der DDR

in Leben in der DDR 27.08.2013 12:27
von turtle | 6.961 Beiträge

Möchte noch einmal kurz zum Thema eingehen. Ich hatte ja schon woanders geschrieben das mein Elternhaus nicht einmal das Wort wert war.
Wir waren uns hauptsächlich selber überlassen. Das der Staat irgendwann Eingriff und seine Obhutpflichten übernahm war nach zu vollziehen.
Eines Tages wurden wir ohne Ankündigung (Meine Mutter wird es aber gewusst haben ,das es so kommen wird) angeholt. Von Freunden verabschieden konnten wir uns nicht, wir wurden einfach aus unserem Umfeld herausgerissen. Wir kamen zunächst alle (mit Bruder und Schwester) in das Kinderheim "Freundschaft" nach Lindhardt. Die Umstellung viel uns sehr schwer, es war nicht vermisste Liebe oder Geborgenheit die hatten wir Zuhause auch nicht wie gewünscht. Es war die Anpassung. Alle hatten wir unsere Heimkleidung an. Wir fielen damit überall auf. In Zweierreihe durch die Gegend. Mit dummen Fragen anderer Kinder. Warum bist Du böse? Wieso Böse ? Na Du bist ein Heimkind.
Wir hatten auch eine Heimschule . Wer an den Fingernägeln kaute musste immer sogenannte Knaupelhandschuhe bis zum Ellenbogen tragen . Das waren umgenähte alte lange Strümpfe. Einer war dabei der zappelte ständig mit dem Kopf hin und her ,und schlug mit der Stirn an die Wand.
Der gehörte in ein Spezialheim ,und hatte keine Strafe verdient. Wie auch immer ich war eher der ruhige Typ. Mein Bruder mehr der Wilde.
Wir hatten nur uns ,und hielten zusammen. Mein Bruder wurde mit einem Mal in den Jugendwerkhof verfrachtet. Die Erzieher waren wahrscheinlich überfordert. Meine Schwester wurde auch in ein anderes Heim verlegt. Diese Trennung machte unsere Situation nicht besser . Ich habe genau wie meine Geschwister darunter gelitten. Ein Brandstifter oder ähnliches war mein Bruder jedenfalls nicht, er wurde abgeschoben in den Werkhof da er nicht so wie gewünscht funktionierte. Wahrscheinlicher wird es doch sein das uns ganz einfach Liebe gefehlt hat, und wir diese natürlich auch im Heim nie beklommen konnten. Ich war mehr in mich zurückgezogen und wurde ein Einzelgänger und mein Bruder der Rebell.
.


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#27

RE: Jugendwerkhöfe in der DDR

in Leben in der DDR 27.08.2013 12:29
von thomas 48 | 3.566 Beiträge

nicht nur behaupten sondern erzählen!
Du stellst immer nur viele Fragen


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#28

RE: Jugendwerkhöfe in der DDR

in Leben in der DDR 27.08.2013 12:34
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Lutze im Beitrag #25
der geschlossene Jugendwerkhof war eine Schande für die DDR,
einige habe ich kennen gelernt,im Jugendhaus Halle,
das hatte mit Sozialismus nichts mehr zu tun
Lutze

Andererseits hatte ein Großteil der Insassen nichts mit Menschlichkeit zu tun.


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#29

RE: Jugendwerkhöfe in der DDR

in Leben in der DDR 27.08.2013 12:35
von Grenzgänger (gelöscht)
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turtle,
danke für deine Offenheit.. meine Hochachtung.

Siggi


turtle hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#30

RE: Jugendwerkhöfe in der DDR

in Leben in der DDR 27.08.2013 12:49
von Lutze | 8.028 Beiträge

Zitat von EMW im Beitrag #28
Zitat von Lutze im Beitrag #25
der geschlossene Jugendwerkhof war eine Schande für die DDR,
einige habe ich kennen gelernt,im Jugendhaus Halle,
das hatte mit Sozialismus nichts mehr zu tun
Lutze

Andererseits hatte ein Großteil der Insassen nichts mit Menschlichkeit zu tun.



da muß ich mal nachfragen,woher weißt du das?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
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#31

RE: Jugendwerkhöfe in der DDR

in Leben in der DDR 27.08.2013 12:50
von turtle | 6.961 Beiträge

Zitat von Grenzgänger im Beitrag #29
turtle,
danke für deine Offenheit.. meine Hochachtung.

Siggi


Nicht immer einfach ,es kommen dabei Erinnerungen zurück die schmerzhaft sind. Ich denke es ist wichtig und richtig darüber zu schreiben und sachlich ohne Effekthascherei zum Thema beizutragen.


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#32

RE: Jugendwerkhöfe in der DDR

in Leben in der DDR 27.08.2013 13:01
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Peter ich stelle die Frage und überlasse es natürlich Dir ob Du antworten willst und verstehe es auch wenn Du nicht antwortest, da deine Geschwister hier ja weder angemeldet noch das eigentliche Thema sind, aber wie verlief ihre weitere Entwicklung?


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#33

RE: Jugendwerkhöfe in der DDR

in Leben in der DDR 27.08.2013 13:10
von turtle | 6.961 Beiträge

[quote=Feliks D.|p284372]Peter ich stelle die Frage und überlasse es natürlich Dir ob Du antworten willst und verstehe es auch wenn Du nicht antwortest, da deine Geschwister hier ja weder angemeldet noch das eigentliche Thema sind, aber wie verlief ihre weitere Entwicklung?[/Quote

Ich schreibe Dir per PN.


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#34

RE: Jugendwerkhöfe in der DDR

in Leben in der DDR 27.08.2013 14:47
von thomas 48 | 3.566 Beiträge

Lutze, berichte doch mal vom Jugendhaus Halle.
Wäre für uns sehr interessant


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#35

RE: Jugendwerkhöfe in der DDR

in Leben in der DDR 27.08.2013 14:54
von Lutze | 8.028 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #34
Lutze, berichte doch mal vom Jugendhaus Halle.
Wäre für uns sehr interessant

was möchtest du hören?
für mich ein trauriges Kapitel
Lutze
p.s hatte einiges dazu schon getextet


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zuletzt bearbeitet 27.08.2013 15:01 | nach oben springen

#36

RE: Jugendwerkhöfe in der DDR

in Leben in der DDR 27.08.2013 16:06
von Grenzgänger (gelöscht)
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Zitat von Lutze im Beitrag #35

p.s hatte einiges dazu schon getextet


Wo denn, Lutze ?
Ich würde es gern mal lesen...

Siggi


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#37

RE: Jugendwerkhöfe in der DDR

in Leben in der DDR 27.08.2013 19:01
von ABV | 4.202 Beiträge

An meiner ehemaligen Schule hatte sich Ende der siebziger Jahre eine regelrechte "Mädchengang" gebildet. Deren größte Leidenschaft darin bestand, den Unterricht zu schwänzen und sich Geld für Zigaretten und / oder Alkohol zu klauen.
Die Lehrer hatten sich alle Mühe gegeben, die Gestrauchelten wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Es gab jede Menge Aussprachen. Auch im Beisein der teils überforderten, teils desinteressierten Eltern.
Erst als alle Maßnahmen keinen Erfolg brachten und nach mehrfacher Vorwarnung, erfolgte die Einweisung in den Jugendwerkhof!
Sicher, ich kann nur von selbst erlebten Beispielen sprechen. Mir ist auch klar, dass in der DDR Jugendliche, die einfach nur anders waren, kriminalisiert wurden. Aber zumindest in diesem Fall erfolgte die Einweisung völlig zu Recht! Wie beinahe in jedem Thema, gibt es sowohl für die PRO als auch für die KONTRA-Seite ein konkretes Beispiel, an derjenige seine Meinung "festmacht". Jeder einzelne Fall liegt nun einmal anders.
Übrigens wurde in den Neunziger Jahren in Brandenburg darüber nachgedacht, dass System "Jugendwerkhof" oder wenigstens Teile davon, zu übernehmen.

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


zuletzt bearbeitet 27.08.2013 19:01 | nach oben springen

#38

RE: Jugendwerkhöfe in der DDR

in Leben in der DDR 27.08.2013 19:09
von RudiEK89 | 1.949 Beiträge

Peter @turtle,
in welchem Bundesland liegt das Lindhardt, wo du warst?

Gruß Andreas


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
zuletzt bearbeitet 27.08.2013 19:20 | nach oben springen

#39

RE: Jugendwerkhöfe in der DDR

in Leben in der DDR 27.08.2013 19:25
von turtle | 6.961 Beiträge

Lindhardt liegt in Sachsen. Das Kinderheim gibt es nicht mehr. Vor 3 Jahren war ich noch einmal da. Alles verkommt.

http://www.markkleeberg-online.de/PITSdm..._16_Familie.pdf


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#40

RE: Jugendwerkhöfe in der DDR

in Leben in der DDR 27.08.2013 19:25
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Irgendeiner oder Mehrere hatten schonmal in mehreren Freds zu Jugendwerkhöfen geschrieben: "Torgau war die Endstation, und zwar wenn nichts mehr Anderes in der Erziehung des Jugendlichen fruchtete" Ich denke, das kommt hin, es kommt treffend hin.

Denn alle JWH in der DDR(ich denke wieder, ich liege nicht falsch?) waren keine geschlossenen Einrichtungen so wie Torgau. Der Jugendliche in den Vorheimen die er durchlief bekam eine gewisse Chance(trotz aller Widrigkeiten), konnte sich wahrscheinlich bewähren nur er nutzte es nicht, wollte eben mit dem Kopf durch die Wand(gutes Beispiel wenn schon älter M.Gartenschläger) So blieb nur Torgau.

In irgendeinem Fred schrieb ich einmal über eigene jugendliche Erlebnisse an Tanzabenden(egal jetzt in welchen Diskoteheken in Leipzig) Da gab es also eine Klintel(junge Kerle unter 18) die hatten Null Problem ihrem Gegenüber das Nasenbein zu brechen und ihn mit voller Absicht richtig blutig zu schlagen, diese Klientel war nur auf Krawall gebürstet, hatten garnichts anderes im Sinn.Solche gibts noch Heute.

Das diese jungen Kerlchen hundertpro irgendwann in Torgau oder anderswo im DDR-Strafvollzug gelandet sind, ich habe da Null Mitleid gar irgendwas anderes übrig, das war genau das sie brauchten zu ihrer Entwicklung und nichts anderes.Heute solche Kerlchen (und auch Mädchen) bedauern zu wollen ob dem, was ihnen in Torgau widerfahren ist, das ist ein Fehler, ein Riesenfehler dieser verweichlichten Gesellschaft.

Lebensläufer


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