#21

RE: Wer die DDR verlassen will und einen Ausreiseantrag stellt, muß mit Nachteilen für sich und seine Familie rechnen.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.08.2009 20:07
von glasi | 2.815 Beiträge

gute frage. aber die kannst du mir als geborener westdeutscher nicht stellen. ich kenne es nicht anders. ich war immer frei. und an krieg habbe ich nie gedacht. nie habe ich gedacht das der osten uns angreift.wir hatten ganz andere sorgen. mit 16 im jahre 1989 wollte ich zum bgs. und was der mitabeiter von point alpha mit sicherheit früher meinte kann ich mir denken. arbeit!!!! so wie das gehört habe macht in geisa wieder ein betrieb zu.und da kommt die aussage was nützt es mir wenn ich überall hinfahren kann wenn ich keine arbeit habe. das war jetzt nur eine kleine aussage aus unserem dialog. alles jetzt auf zu schreiben würde zu lange dauern. lg glasi.



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#22

RE: Wer die DDR verlassen will und einen Ausreiseantrag stellt, muß mit Nachteilen für sich und seine Familie rechnen.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.08.2009 20:11
von manudave (gelöscht)
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Lieber Glasi,

natürlich hatte man das Gefühl von Sicherheit, was die Arbeit angeht. Denn die hatte man, wenn man sich nicht aufgelehnt hat - staatlich garantiert. Also einen Arbeitsplatz zumindest - ob man Arbeit hatte, war einen andere Frage.
Der Staat hat das ja auch für den Bürger übernommen - nur leider: Ob man wollte oder nicht.


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#23

RE: Wer die DDR verlassen will und einen Ausreiseantrag stellt, muß mit Nachteilen für sich und seine Familie rechnen.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.08.2009 20:26
von glasi | 2.815 Beiträge

wie gesagt die aussage kommt nicht von mir. ich lebe 36 jahre im gleichen system. ich war nur von 1980- 1989 jewals ein parr wochen zu besuch. das hat mir schon gereicht.



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#24

RE: Wer die DDR verlassen will und einen Ausreiseantrag stellt, muß mit Nachteilen für sich und seine Familie rechnen.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 31.08.2009 07:16
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von Augenzeuge
Wie die meisten hier schon wissen, bin auch ich- wie CaptnDelta- ein Betroffener gewesen. Ich habe den Antrag damals persönlich abgegeben, und ich habe persönlich die Entlassungsurkunde aus der Staatsbürgerschaft der DDR gegen Zahlung von 30 Mark erhalten, danach die Identitätsbescheinigung gegen Zahlung von weiteren 25 Mark.



Falls es jemand interessiert, eine "Entlassungs-Urkunde aus der Staatsbuergerschaft der DDR" ist im Anhang. An die "Identitätsbescheinigung" kann ich mich auch noch erinnern, allerdings hab' ich die anscheinend nicht mehr.

-Th

Angefügte Bilder:
DDR-Entlassung 003-sized.jpg

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#25

RE: Wer die DDR verlassen will und einen Ausreiseantrag stellt, muß mit Nachteilen für sich und seine Familie rechnen.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 31.08.2009 17:15
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von CaptnDelta
An die "Identitätsbescheinigung" kann ich mich auch noch erinnern, allerdings hab' ich die anscheinend nicht mehr.
-Th



Dem kann abgeholfen werden, hier eine Seite zum Thema, auch mit einer Identitätsbescheinigung.

http://images.google.de/imgres?imgurl=ht...%3D144%26um%3D1



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#26

RE: Wer die DDR verlassen will und einen Ausreiseantrag stellt, muß mit Nachteilen für sich und seine Familie rechnen.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 31.08.2009 17:50
von turtle | 6.961 Beiträge

Über die wie immer guten Beiträge zu diesem Thema von meinem Freund Augenzeuge und Ernest freue ich mich immer wieder! Sie geben fast immer genau meine Ansichten des Geschehens wieder! Was meinen Freund Jens anbelangt hat mich sein Beitrag nicht überrascht! Wer seinen Werdegang hier im Forum genau verfolgte musste feststellen wie sehr Jens bemüht war Antworten auf viele Fragen Seiner DDR Zeit aufzuarbeiten! Ich freue mich das Jens zu meinen Freundeskreis hier im Forum zählt! Gruß Peter(turtle)


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#27

RE: Wer die DDR verlassen will und einen Ausreiseantrag stellt, muß mit Nachteilen für sich und seine Familie rechnen.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 31.08.2009 19:59
von manudave (gelöscht)
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Huch,

das sollte kein Vorwurf an Jens sein.

Falls das so rüberkam, sorry.


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#28

RE: Wer die DDR verlassen will und einen Ausreiseantrag stellt, muß mit Nachteilen für sich und seine Familie rechnen.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 31.08.2009 20:13
von Jens | 280 Beiträge


Hallo Manudave,

ich habe das echt nicht als Vorwurf gesehen.
Im Gegenteil finde ich es Klasse, das wir uns schon so gut kennengelernt haben,

Also bleiben wir mal weiterhin schön neugierig und ich bin froh mich mit Freunden so gut unterhalten zu können.

Gruß Jens


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#29

RE: Wer die DDR verlassen will und einen Ausreiseantrag stellt, muß mit Nachteilen für sich und seine Familie rechnen.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 31.08.2009 22:22
von Peter F. (gelöscht)
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Weiß von jemanden, der Dramaturg am Theater in Quedlinburg war. Nachdem er einen Ausreiseantrag in den Westen gestellt hatte, musste er in die Produktion Eimer "bauen". Selber habe ich meinen Ausreiseantrag im "Zuchthaus" Brandenburg gestellt. Aber die Nachteile, mit denen man ohnehin hinter "schwedischen Gardinen" leben musste, haben danach nicht mehr zugenommen. Die Sache hat auch zwei Seiten. Als Betroffener, der womöglich nun in der LPG "Steine vom Acker sammeln" musste, nahm das einen hart mit. Auf der anderen Seite musste man damit rechnen und sich darauf einstellen, denn wer den Ausreiseantrag gestellt hat, war für den Staat plötzlich sicher soetwas wie ein Feind der DDR. Denkt doch mal an Schauspieler wie Manfred Krug, Angelica Domröse, Winfrid Glatzeder oder Hilmar Thate, die nach ihrer Solidaritätserklärung für Wolf Biermann in einem DEFA-Film keine Rolle mehr bekamen. Aber erstaunlich fand ich auch, wie schnell die in den Westen durften und wie Krug per Container noch wertvolles Habe mitnehmen durfte. Hat man die so weggeschickt oder mussten die auch erst einen Antrag stellen?


zuletzt bearbeitet 31.08.2009 22:26 | nach oben springen

#30

RE: Wer die DDR verlassen will und einen Ausreiseantrag stellt, muß mit Nachteilen für sich und seine Familie rechnen.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 31.08.2009 22:30
von Jens | 280 Beiträge


Hallo Peter,
bin ja jetzt doch über einiges informiert,was Ausreiseantrag eigentlich bedeutet.
Aber ich muß ja jetzt nicht gewisse Schauspieler oder andere Kreaturen fragen wie es war, sondern schilder Du mal deine
Erlebnisse darüber. Würde mich freuen.
Gruß Jens


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#31

RE: Wer die DDR verlassen will und einen Ausreiseantrag stellt, muß mit Nachteilen für sich und seine Familie rechnen.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 31.08.2009 22:39
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo manudave,
Nein ich sah auch keinen Vorwurf gegen Jens in Deinem Beitrag! Mich hatte es nur nicht überrascht wie Jens schreibt!
Aber im Moment ist wohl erwas überreagieren auf Grund der jüngsten negativen Dinge hier im Forum angesagt!

Gruß Peter(turtle)


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#32

RE: Wer die DDR verlassen will und einen Ausreiseantrag stellt, muß mit Nachteilen für sich und seine Familie rechnen.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 31.08.2009 22:59
von Peter F. (gelöscht)
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Zitat von Jens
Hallo Peter,
bin ja jetzt doch über einiges informiert,was Ausreiseantrag eigentlich bedeutet.
Aber ich muß ja jetzt nicht gewisse Schauspieler oder andere Kreaturen fragen wie es war, sondern schilder Du mal deine
Erlebnisse darüber. Würde mich freuen.
Gruß Jens



Hallo Jens, ich war damals wegen Hetze und mehrfach versuchter Flucht in Brandenburg, lag auf Nichtarbeiter, weil ich für den Kommunismus "keinen Finger mehr krumm" machen wollte. Dann habe ich den Antrag geschrieben in fünffacher Ausfertigung mit Bleistift unbd Papier, dass ich von meinem "Erzieher" bekam, wie der für mich zuständige Hauptmann (MDI, Strafvollzugbediensteter) sich nannte. 1976 irgendwie im Spätherbst war das. Doch ich war alles andere als "ein Held". Die Streitereien und Agressivitäten unter neun Gefangenen auf einer schätzungsweise 20 Quadratmeter großen Zelle, die den ganzen Tag bis auf die Freistunde dort drinnen aufeinander hocken - vom 24- bis zum 70-jährigen... 77 im Winter war ich mit den Nerven derart herunter, ich zog die Notbremse in mir und fuhr einen Gang zurück, zog den Antrag zurück, ging wieder jeden Tag arbeiten in einem Kommando, dass Dinge für das MDI baute: beispielsweise transportabele Leuchtpfeile für Apsperrmaßnahmen oder "Fahrgestelle" für Aktenschränke. Mental ging es mir wieder besser, die Tage waren abwechslungsreicher. Und weil ich mich mehr auf den Arbeitsprozess als um die noch abzusitzenden Tage kümmerte und selbst meinen DDR-Haß ins "hinterste Kämmerchen" schob, waren die Tage bis auf das Wochenende auch kürzer und interessanter. Doch eines Morgens holte mich der Erzieher von der Arbeit weg. Es ging per neutraler Stasi-Minna mit anderen Gefangenen nach Kalle-Malle (heute Chemnitz) in den MfS-Knast, von dem aus die Abschiebungen in den Westen erfolgten. Und nun, da mir klar war, dass mir nach nur zwei Jahren und sieben Monaten die Freiheit winkte, statt die aufgebrummten fünf Jahre und zehn Monate abzusitzen, erkannte ich, dass ich in Brandenburg das letzte Dreiviertel Jahr Theater gespielt habe, das mir aber geholfen hat, den Knast besser zu ertragen. Und plötzlich wurde ich in Kalle-Malle gefragt, ob ich meinen Entlassungsantrag aus der DDR-Staatsbürgerschaft noch aufrechterhalte - kein Wort von dem MfS-Menschen, dass ich ihn zurückgezogen hatte - sagte ich, ja ich wolle ausreisen. Drei Wochen später ging es nach Gießen. Warum dass so kam? Wollte man mich schecken, ob meine "Wandlung" echt war? Ich weiß es nicht. Bereut habe ich meine "Übersiedlung" in den Westen nicht. Ich war erst Freier Journalist und bekam dann vom damaligen Chefredakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung ohne das übliche Redaktionsvolantariat, auch ein richtiges Studium hatte ich nicht, nach den fünf Jahren Freier Mitarbeit für die HAZ den Redakteursschein und die Festanstellung. Fast 30 Jahre war ich einschließlich der Zeit als Freier für die HAZ tätig. Nun bin ich Rentner.


zuletzt bearbeitet 31.08.2009 23:07 | nach oben springen

#33

RE: Wer die DDR verlassen will und einen Ausreiseantrag stellt, muß mit Nachteilen für sich und seine Familie rechnen.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 31.08.2009 23:14
von Jens | 280 Beiträge


Hallo Peter,
danke Dir für die Erläuterungen. Entschuldige das ich nachfrage, wie bist Du von Brandenburg nach Chemnitz gekommen.
Doch nicht etwa in den Barkas??? es interessiert mich wirklich!

Diese Erlebnisse würden mich schon näher interessieren. Bis dahin, Gruß Jens


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#34

RE: Wer die DDR verlassen will und einen Ausreiseantrag stellt, muß mit Nachteilen für sich und seine Familie rechnen.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 01.09.2009 04:41
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von Peter F.
Es ging per neutraler Stasi-Minna mit anderen Gefangenen nach Kalle-Malle (heute Chemnitz) in den MfS-Knast, von dem aus die Abschiebungen in den Westen erfolgten....


War das das Ding auf dem Kassberg?

-Th


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#35

RE: Wer die DDR verlassen will und einen Ausreiseantrag stellt, muß mit Nachteilen für sich und seine Familie rechnen.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 01.09.2009 11:46
von Peter F. (gelöscht)
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Zitat von Jens
Hallo Peter,
danke Dir für die Erläuterungen. Entschuldige das ich nachfrage, wie bist Du von Brandenburg nach Chemnitz gekommen.
Doch nicht etwa in den Barkas??? es interessiert mich wirklich!

Diese Erlebnisse würden mich schon näher interessieren. Bis dahin, Gruß Jens



Nein, es war ein grauer W 50. Ob er nun draußen wie in vielen Schilderungen über Freikaufaktionen vor "meiner Zeit" draußen Tarnwerbung wie "Esst frischen Fiswch" trug, weiß ich nicht. Das war in dem Moment, als im Juli 1977 etwa 20 bis 25 Mitgefangene und ich in Brandenburg in die "Stasi-Minna" kletterten, auch nicht wichtig. Fakt ist, wir bekamen keine Handschellen wie sonst bei Gefangenen-Transporten. Auch durfte während der Fahrt geraucht werden. Und einen Blick nach draußen hatten wir durch das Trenngitter, vor dem das wahrscheinlich mit den kleinen tschechischen Maschinenpistolen Skorpion bewaffnete Begleitpersonal saß, über ein kleines Fenster nach vorn in die Fahrerkabine und von dort auf die Straße. Die Fahrt ging von Brandenburg über Belzig und weiter auf die Autobahn Richtung Halle, dann über Leipzig Richtung Dresden. Wir hatten Pakete mit unseren persönlichen Utensilien dabei, auf der als Adresse "Stafvollzugsanstalt Berlin" stand, doch wo die Reise hinging konnten wir nur vermuten. Als es auch nicht zum Zuchthaus Waldheim (Bez. Dresden) ging, fuhr der W 50 weiter nach Kalle-Malle ins Stasi-Gefängnis. Wie das von draußen aussieht, weiß ich bis heute noch nicht. Dort angekommen, zogen wis unsere "Maikäferuniformen" aus, die dunkele Gefangenenbekleidung mit den gelben Streifen, und bekamen hellgrüne leichte "Anzüge", wie ich sie aus der Stasi-U-Haft in Frankfurt/Oder kante. Gleichzeitig ging die Befrageaktion wg. Aufrechterhaltung des Ausreiseantrages los. Nach zweieinhalb Wochen wurden wir einem Arzt vorgeführt und gefragt, ob wir eine längere Busreise gesundheitlich durchstehen würden, oder ob wir Medikamente benötigten. Dann mussten wir für unsere Wertgutscheine, das "Knastgeld", das man für seine Arbeit bekam, einkaufen - Zigaretten, Schokolade, Zivilkleidung, Taschen... Da ich im Knast aufgehört hatte mit dem Rauchen, hatte ich in Kalle-Malle etwa 200 Mark "Knastgeld" zum Einkaufen, Wertgutscheine die ich über Monate in Brandenburg "gespart" hatte. Am Mittwoch, 3. August 1977, bekamen wir morgens unsere Zivilkleidung. Anschließend mussten wir zu einem "Bürogespräch". Dort händigten uns MfS-Beamte den Entlassungsschein aus dem Knast und die Entlassungsurkunde aus der DDR-Staatsbürgerschaft aus, außerdem ein Gerichtsurteil: Das ich eingesehen hätte, dass ich nicht mehr gegen die Gesetze der DDR verstoßen würde. Deshalb werde meine Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt. Und diesen Satz in dem "Urteil" fand ich urig komisch: "Als neuer Wohnsitz wird BRD bestimmt..." Das Urteil bekamen wir nicht ausgehändigt, sondern mussten es nur unterschreiben unter der Rubrik "Kenntnis genommen". Nachmittags ging es auf den Innenhof des Stasi-Knast´s, auf dem zwei Busse des westdeutschen Typs MAN standen. Kann auch ein anderer westdeutscher Typ gewesen sein. Unsere Namen wurden einzeln aufgerufen. Wir mussten mit dem Geburtsdatum anworten. Dann durften wir in die Busse steigen. RA Wolfgang Vogel stieg ein und warnte, im Westen Journalisten von dieser humanitären Aktion zu erzählen, um noch mehr Menschen diese Chance zum Freikommen aus DDR-Haft zu geben. Sein Verhandlungspartner von Westseite, der Anwalt Stange fügte hinzu: Wenn jemand unter uns sei, der Mitgefangene verraten oder schikaniert habe, dann sollten wir das im Notaufnahmelager Gießen sagen. Und wörtlich: "Die wollen wir auch nicht bei uns haben..." Vogel und Stange stiegen aus, Stasi-Begleitleute dazu, dann ging die Fahrt los - auf der Autobahn vorbei an Jena, Eisenach bis zum Grenzübergang Wartha (DDR-Seite) und Herleshausen (Hessen). Unterwegs wurde der Konvoi von Ladas, aber auch Westwagen auffällig - zumindest für uns - eskortiert: Stasi. Als die Busse den GÜ Wartha verließen, die Stasi-Begleiter waren weg, und Westgebiet erreicht wurde, klappte bei dem vorderen Bus, für uns im hinteren Bus gut sichtbar, das Nummernschild um: von Ostberliner auf westdeutsches Hanauer Kennzeichen HA. Wir sind vom Westen freigekauft worden - etwa 40 000 Westmark sollen für einen Facharbeiter gezahlt worden sein, 100 000 sogar für Akademiker. Insgesamt soll der Westen aus der DDR 40 000 Gefangene mit politisch motivierten Straftaten wie staatsf. Hetze, Herabwürdigung von Staatsrepräsentanten, staatsfeindliche Verbindungsaufnahme, Republikflucht, Grenzdurchbruch oder Spionage freigekauft haben. Es waren aber auch einzelne darunter, die wegen Sabotageakten oder Diversion verurteilt waren. Inzwischen heißt es aber von inoffizieller Seite aus dem Amt der Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen in Berlin auch, die Zahl der Freigekauften habe bei etwas mehr als 33 000 gelegen.


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#36

RE: Wer die DDR verlassen will und einen Ausreiseantrag stellt, muß mit Nachteilen für sich und seine Familie rechnen.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 01.09.2009 11:48
von Peter F. (gelöscht)
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Zitat von CaptnDelta

Zitat von Peter F.
Es ging per neutraler Stasi-Minna mit anderen Gefangenen nach Kalle-Malle (heute Chemnitz) in den MfS-Knast, von dem aus die Abschiebungen in den Westen erfolgten....


War das das Ding auf dem Kassberg?

-Th



Hallo CaptnDelta, habe das Ding nur von innen und nicht von draußen kennengelernt. Sorry.


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#37

RE: Wer die DDR verlassen will und einen Ausreiseantrag stellt, muß mit Nachteilen für sich und seine Familie rechnen.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 01.09.2009 11:56
von wosch (gelöscht)
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Zitat von Peter F.

Zitat von Jens
Hallo Peter,
danke Dir für die Erläuterungen. Entschuldige das ich nachfrage, wie bist Du von Brandenburg nach Chemnitz gekommen.
Doch nicht etwa in den Barkas??? es interessiert mich wirklich!

Diese Erlebnisse würden mich schon näher interessieren. Bis dahin, Gruß Jens



Nein, es war ein grauer W 50. Ob er nun draußen wie in vielen Schilderungen über Freikaufaktionen vor "meiner Zeit" draußen Tarnwerbung wie "Esst frischen Fiswch" trug, weiß ich nicht. Das war in dem Moment, als im Juli 1977 etwa 20 bis 25 Mitgefangene und ich in Brandenburg in die "Stasi-Minna" kletterten, auch nicht wichtig. Fakt ist, wir bekamen keine Handschellen wie sonst bei Gefangenen-Transporten. Auch durfte während der Fahrt geraucht werden. Und einen Blick nach draußen hatten wir durch das Trenngitter, vor dem das wahrscheinlich mit den kleinen tschechischen Maschinenpistolen Skorpion bewaffnete Begleitpersonal saß, über ein kleines Fenster nach vorn in die Fahrerkabine und von dort auf die Straße. Die Fahrt ging von Brandenburg über Belzig und weiter auf die Autobahn Richtung Halle, dann über Leipzig Richtung Dresden. Wir hatten Pakete mit unseren persönlichen Utensilien dabei, auf der als Adresse "Stafvollzugsanstalt Berlin" stand, doch wo die Reise hinging konnten wir nur vermuten. Als es auch nicht zum Zuchthaus Waldheim (Bez. Dresden) ging, fuhr der W 50 weiter nach Kalle-Malle ins Stasi-Gefängnis. Wie das von draußen aussieht, weiß ich bis heute noch nicht. Dort angekommen, zogen wis unsere "Maikäferuniformen" aus, die dunkele Gefangenenbekleidung mit den gelben Streifen, und bekamen hellgrüne leichte "Anzüge", wie ich sie aus der Stasi-U-Haft in Frankfurt/Oder kante. Gleichzeitig ging die Befrageaktion wg. Aufrechterhaltung des Ausreiseantrages los. Nach zweieinhalb Wochen wurden wir einem Arzt vorgeführt und gefragt, ob wir eine längere Busreise gesundheitlich durchstehen würden, oder ob wir Medikamente benötigten. Dann mussten wir für unsere Wertgutscheine, das "Knastgeld", das man für seine Arbeit bekam, einkaufen - Zigaretten, Schokolade, Zivilkleidung, Taschen... Da ich im Knast aufgehört hatte mit dem Rauchen, hatte ich in Kalle-Malle etwa 200 Mark "Knastgeld" zum Einkaufen, Wertgutscheine die ich über Monate in Brandenburg "gespart" hatte. Am Mittwoch, 3. August 1977, bekamen wir morgens unsere Zivilkleidung. Anschließend mussten wir zu einem "Bürogespräch". Dort händigten uns MfS-Beamte den Entlassungsschein aus dem Knast und die Entlassungsurkunde aus der DDR-Staatsbürgerschaft aus, außerdem ein Gerichtsurteil: Das ich eingesehen hätte, dass ich nicht mehr gegen die Gesetze der DDR verstoßen würde. Deshalb werde meine Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt. Und diesen Satz in dem "Urteil" fand ich urig komisch: "Als neuer Wohnsitz wird BRD bestimmt..." Das Urteil bekamen wir nicht ausgehändigt, sondern mussten es nur unterschreiben unter der Rubrik "Kenntnis genommen". Nachmittags ging es auf den Innenhof des Stasi-Knast´s, auf dem zwei Busse des westdeutschen Typs MAN standen. Kann auch ein anderer westdeutscher Typ gewesen sein. Unsere Namen wurden einzeln aufgerufen. Wir mussten mit dem Geburtsdatum anworten. Dann durften wir in die Busse steigen. RA Wolfgang Vogel stieg ein und warnte, im Westen Journalisten von dieser humanitären Aktion zu erzählen, um noch mehr Menschen diese Chance zum Freikommen aus DDR-Haft zu geben. Sein Verhandlungspartner von Westseite, der Anwalt Stange fügte hinzu: Wenn jemand unter uns sei, der Mitgefangene verraten oder schikaniert habe, dann sollten wir das im Notaufnahmelager Gießen sagen. Und wörtlich: "Die wollen wir auch nicht bei uns haben..." Vogel und Stange stiegen aus, Stasi-Begleitleute dazu, dann ging die Fahrt los - auf der Autobahn vorbei an Jena, Eisenach bis zum Grenzübergang Wartha (DDR-Seite) und Herleshausen (Hessen). Unterwegs wurde der Konvoi von Ladas, aber auch Westwagen auffällig - zumindest für uns - eskortiert: Stasi. Als die Busse den GÜ Wartha verließen, die Stasi-Begleiter waren weg, und Westgebiet erreicht wurde, klappte bei dem vorderen Bus, für uns im hinteren Bus gut sichtbar, das Nummernschild um: von Ostberliner auf westdeutsches Hanauer Kennzeichen HA. Wir sind vom Westen freigekauft worden - etwa 40 000 Westmark sollen für einen Facharbeiter gezahlt worden sein, 100 000 sogar für Akademiker. Insgesamt soll der Westen aus der DDR 40 000 Gefangene mit politisch motivierten Straftaten wie staatsf. Hetze, Herabwürdigung von Staatsrepräsentanten, staatsfeindliche Verbindungsaufnahme, Republikflucht, Grenzdurchbruch oder Spionage freigekauft haben. Es waren aber auch einzelne darunter, die wegen Sabotageakten oder Diversion verurteilt waren. Inzwischen heißt es aber von inoffizieller Seite aus dem Amt der Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen in Berlin auch, die Zahl der Freigekauften habe bei etwas mehr als 33 000 gelegen.





Hallo Peter!
Eine schöne Schilderung über den damaligen Ablauf des "Geschehens"
Kleine Anmerkung zum Nummernschild: Für Hanau stand "HU", "HA" stand für Hagen!
Schönen Gruß aus Kassel


zuletzt bearbeitet 01.09.2009 12:00 | nach oben springen

#38

RE: Wer die DDR verlassen will und einen Ausreiseantrag stellt, muß mit Nachteilen für sich und seine Familie rechnen.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 01.09.2009 15:14
von Peter F. (gelöscht)
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Hallo wosch, die Busse waren aus Hanau, denn wir fanden in den Omnibussen, die uns bis ins Notaufnahmelager Gießen brachten, Prospekte von Reinhardts Reisen aus Hanau. Es ist schon 32 Jahre her, so dass ich das mit HU und HA sicherlich in meinen Erinnerungen verwechselt habe. gruß peter


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#39

RE: Wer die DDR verlassen will und einen Ausreiseantrag stellt, muß mit Nachteilen für sich und seine Familie rechnen.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 01.09.2009 18:33
von Jens | 280 Beiträge


Hallo Peter, danke Dir herzlich für die präzise Antwort. Wie lange warst Du dann im Aufnahme-Lager?
wann hast du zum ersten Mal wieder die DDR betreten bzw.nach der Wende den Ostteil Deutschland?
Gruß Jens


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#40

RE: Wer die DDR verlassen will und einen Ausreiseantrag stellt, muß mit Nachteilen für sich und seine Familie rechnen.

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 01.09.2009 19:24
von Peter F. (gelöscht)
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Zitat von Jens
Hallo Peter, danke Dir herzlich für die präzise Antwort. Wie lange warst Du dann im Aufnahme-Lager?
wann hast du zum ersten Mal wieder die DDR betreten bzw.nach der Wende den Ostteil Deutschland?
Gruß Jens



Hallo Jens, vom 3.8. abends bis 5.8. mittags, dann bin ich per Bahn nach Husum zu Verwandten. Das erstemal wieder in der DDR war ich für knapp 24 Stunden im April 1986, als mein jüngster Bruder starb. Zuerst hatten sie mich wie immer abgelehnt - meine Frau, eine Hannoverin, fuhr allein mit dem Wagen los. Dann habe ich Gerhard Schröder und Peter Struck, beide SPD-MDB, die ich kenne, angerufen, auch Wolfgang Vogel, den ich aus einer besonderen "Freikaufgeschichte" über die ich in der HAZ 1984 berichtet hatte, kannte. Vogel sagte, das treffe sich gut, er sei abends bei einem Freund. Nächsten Morgen klingelte bei mir zu Hause das Telefon. Die Kanzlei Vogel war dran: Schönen Gruß von Professor Vogel und ich sollte meiner Familie in Neustrelitz Bescheid sagen, sie sollten dort vom Polizeikommissariat die Einreisebesrätigung für mich (Telegramm) abholen. Mittag war das Telegramm da. 14 Uhr fuhr ich mit dem Interzonenzug von Hannover nach Berlin-Friedrichstraße. Dort holten mich meine Frau und meine Schwester mit unserem Wagen ab. Am nächsten Tag war am frühen Nachmittag die Beerdigung. Bei der polizeilichen Anmeldung sagte mir eine Beamte, mit der ich mal zur Schule gegangen war, ich müsste bis 24 Uhr die DDR wieder verlassen haben. Wenn ich bis zum Grenzübergang Marienborn-Helmstedt gefahren wäre, hätte ich schon am späten Nachmittag wieder losdüsen müssen, denn meine Frau wollte auch zurück aus Ärger. Wir starteten dann aber erst nach 20 Uhr und fuhren über den Grenzübergang Staaken nach Westberlin zu Angelas Schwester. Wir tuckerten brav 80 die F 96 lang - hatten aber unterwegs stets auffallende Begleiter mit Funkantennen an ihren Wagen - Trabant, Wartburg, Lada: Die Firma. Gruß Peter


zuletzt bearbeitet 01.09.2009 19:27 | nach oben springen



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