#301

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 26.08.2015 21:01
von Fritze | 3.474 Beiträge

Hallo Uwe !
Habe beim Lesen deiner Zeilen mit Deinem Durst mitgelitten ! An diesen 4.Juli des Jahres 1986 habe ich auch keine guten Erinnerungen .
Wenngleich es damals nicht am Durst lag ! Dafür war das Wasser im Schaalsee ja gut genug .Wenn man eine Pütz an einer längeren Leine runterließ bekam man das kostbare Nass auch noch kühl .
Erinnern kann ich mich besonders gut an den Tagdienst auf dem See und an die Hitze des Tages .Unter unserer blauen Uniform (Filz) mussten wir ja lange Unterwäsche tragen.
Fast die ganze Schicht lagen wir auf Position schön in der Sonne .
Verbotenerweise hörten wir " Feindsender "im Postenradio und da kann ich mich noch an einen Bericht über die Feierlichkeiten zum 4.Juli erinnern.
Dann nach geschaffter Schicht hab ich mir dann zu guter Letzt beim Absteigen vom Boot den rechten Knöchel verstaucht .Das war eine langwierige Geschichte ! Selbst in meinen zwei Wochen später folgenden Jahresurlaub, ging es noch hinkenderweise .
Und auf dem Bahnhof Bln -Lichtenberg wurde ich von einem schadenfrohen Panzeruffz. gefragt ob ich vom Kielschwein gebissen worden bin .

MfG Fritze


"Das kann doch überhaupt nur jemand nicht wissen ,der entweder vollkommen ahnungslos ist ,oder ,oder jemand der also bösartig ist !"

"If you get up and walk away, leave the past behind, go ahead and take a ride ,no telling what you find ! "
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#302

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 29.08.2015 18:55
von ABV | 4.202 Beiträge

Hallo Fritze!
Ja, Durst ist wohl schlimmer als Heimweh. Nichts ist schlimmer, als wenn einem die Zunge in den Kniekehlen hängt.
Aber was uns nicht umbringt, macht uns bekanntlich nur härter.

Viele Grüße von der noch immer flacher werdenden Oder an den Rhein

Uwe


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#303

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 29.08.2015 19:14
von icke46 | 2.593 Beiträge

Hallo, Uwe,

der Text war spannend wie immer.

Ich habe aber mal eine Frage zu dieser Redewendung "Hanne fasse Mut, es geht nach Reppen". Im ersten Moment dachte ich ja, die waren tatsächlich unterwegs nach Rzepin, wie es ja heute heisst, aber das war ja zu der Zeit nicht so ohne weiteres möglich. Frage also: Was will man mit dieser Redewendung sagen?

Übrigens war ich heute drauf und dran, auch mal nach Rzepin zu fahren, bzw. erst nach Frankfurt (Oder), und vom dortigen Bahnhofsfest mit dem Sonderzug nach Rzepin. Fahrpreis hielt sich mit 5 Euro auch noch in Grenzen. Was mich abgehalten hat, war einmal der innere Schweinehund (immerhin 11 Stunden Fahrt Ffo. und zurück), dann stand in dem Programm, dass die Fahrt 50 Minuten hin dauert - obs auch eine Rückfahrt gab und ob die extra berechnet wurde, haben sie leider vergessen. Und ausserdem leiste ich mir am kommenden Wochenende einen Tagesausflug in die Nordwestschweiz und das Elsass - völlig verrückt, aber bei den Fahrpreisen konnte ich nicht widerstehen.

Da es aber im nächsten Jahr ziemlich sicher wieder ein Bahnhofsfest in Frankfurt gibt, habe ich diese Tour mal in meine Merkliste aufgenommen.

Gruss

icke



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#304

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 29.08.2015 19:46
von ABV | 4.202 Beiträge

Hallo @icke46 !

Den Ursprung der heute wohl endgültig vergessenen Redewendung kenne ich leider auch nicht. Vielleicht hätte mein Großvater die Bedeutung des Spruches nicht gekannt? Heute ärgere ich mich, ihn zu seinen Lebzeiten nie danch und zu anderen Dingen, gefragt zu haben. Auf jeden Fall wäre er sehr erstaunt und erfreut darüber, dass sein Enkel heute in seiner früheren Heimat Dienst verrichtet. 1986 hätte so etwas bestimmt keiner für möglich gehalten. Für die meisten DDR-Bürger war die polnische Grenze ähnlich unpassierbar wie die Innderdeutsche.
Reppen / Rzepin kenne ich nur vom Durchfahren. Eine typische Kleinstadt in der polnischen Grenzregion mit einigen gut erhaltenen Gebäuden aus "deutscher Zeit". Echte Sehenswürdigkeiten, wegen denen ein Besuch von Rzepin lohnt, fallen mir aber spontan nicht mehr ein.

Viele Grüße vom Oderstrand
Uwe


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#305

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 02.09.2015 00:02
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #296
Die VP suchte doch damals bestimmt auch ABVs. Gerade auf dem Lande. Konnte man sich da nicht direkt bewerben und von einem anderen Werber von denen zum ABV abwerben lassen? Oder waren die Aquarienpolizisten eine Stufe höher und "Unberührbare"?
Innerhalb der bewaffneten Organe war 'Abwerbung' tabu.

Doch zu Reppen, in der Festschrift zur 600-Jahrfeier der Kreisstadt Reppen vom 6. bis 8. Juli 1929, verfaßt vom Lehrer Gustav Märker, wird ein (ich zitiere) 'Festspiel von Georg Pester u.d.T.: Hanne, fasse Mut, es geht nach Reppen' erwähnt.


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#306

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 07.09.2015 20:03
von ABV | 4.202 Beiträge

Der Trott geht weiter

Im Verlauf des Sommers beorderte das Berliner VP-Präsidium aus allen Inspektionen und Revieren der Hauptstadt Polizisten zum WKM ab. Darunter einen kompletten Zug der „ Zentralen Kräfte Schutzpolizei“, kurz „ ZKS“, eine Art Schnellkommando, das überall dort zum Einsatz kam, wo es „ in polizeilicher Hinsicht brannte“. Wie zum Beispiel Anfang des Jahres 1986, als die Kräfte des „ ZKS“ bei der später in die Polizeigeschichte unter dem Kennwort „ Heftpflaster“ eingegangenen Fahndung nach einem Serienvergewaltiger im Berliner Umland. Von den für unbestimmte Zeit ins WKM abgeordneten Polizisten wurde niemand um sein Einverständnis gefragt. Kaum jemand konnte sich mit der neuen Aufgabe identifizieren. Immerhin konnten sich die unfreiwilligen WKM-Kräfte auf Zeit damit trösten, dass ihr Einsatz irgendwann zu Ende geht. Einige wenige betrachteten die Abordnung jedoch als Karrieresprung. Die 4. Wachabteilung in Blankenfelde konnte dadurch zwei freie Gruppenführerplanstellen besetzen. Mit Kräften die diesen nicht unwichtigen Posten unter anderen Umständen nur schwerlich bekommen hätten. Dank des Kräftezuwachses konnte das WKM wieder in den früheren Drei-Schicht-Rhythmus zurückkehren. Auf die Dauer hätten wir die Kräfte raubenden Zwölf-Stunden-Dienste wohl nicht durchgehalten.

Glücklich waren die meisten unserer neuen Kollegen jedenfalls nicht. Wehmütig, geradezu traurig schauten sie jedes Mal den hin und wieder vorbei fahrenden Streifenwagen der „ richtigen“ Polizei, den Angehörigen der zuständigen Volkspolizeiinspektion Pankow, hinterher. Wie unter Polizisten üblich, hoben sie die Hände zum Gruß. Nicht jeder Gruß wurde erwidert. Mancher beließ es mit einem knappen Kopfnicken. Die Posten des „Wachkommando Missionsschutz“ genossen innerhalb der VP-Reviere nicht gerade den besten Ruf.

Das zeigte sich ganz besonders, wenn es in den Postenbereichen zu polizeilich relevanten Vorfällen kam. Als Posten konnte man nur die ersten Maßnahmen übernehmen. Zumeist wurde über Funk mittels des überall im WKM gültigen Kennwortes der Funkstreifenwagen angefordert, aber in den meisten Fällen musste der Sachverhalt ohnehin an das zuständige VP-Revier abgeben werden.
„ Ihr habt doch keine Ahnung“, dieser teils arrogante, teils vorwurfsvolle Halbsatz stand den vor Ort erscheinenden „ echten Volkspolizisten“ regelrecht ins Gesicht geschrieben.
Solcher Art an den Tag gelegte Arroganz ärgerte mich jedes Mal aufs Neue. Die von den Revieren abgeordneten, zeitweiligen WKM-Posten traf sie jedoch wie ein Keulenschlag. Manch einer setzte noch solch einem Erlebnis alles daran, so schnell wie möglich wieder in die eigentliche Dienststelle zurückkehren zu dürfen.

Zusätzlich zu den Posten und dem Funkstreifenwagen, setzte das WKM nun auch Motorradstreifen ein. Jürgen Wohlrabe, der bereits erwähnte „Unsymphat“ wurde extra deswegen unserer Abteilung zugeteilt. Fortan knatterte der Dicke, stolz wie ein Spanier, durch die Bereiche. Ich mochte ihn nach wie vor nicht. Er wohnte noch immer im Wohnheim. In derselben Wohnung wie Ulli und ich. Zuvor konnte man ihm, wegen der unterschiedlichen Schichten, noch einigermaßen aus dem Wege gehen. Jetzt musste ich den Klops regelmäßig in der Freizeit ertragen, was meine Laune erneut auf den Tiefpunkt senkte.

Wie verlief nun mein KCB-Aufklärer-Lehrgang? Na ja, die besten Erinnerungen an diesen Quatsch habe ich nicht. Oder besser gesagt, eigentlich habe ich an die Ausbildung so gut wie keine Erinnerungen mehr. Nur die eine: zu Anfang des Lehrgangs wurde uns ein Film vorgeführt. „ Verhalten bei einem Atomschlag“, oder so ähnlich. Hergestellt im Auftrag, oder sogar vom Ministerium des Innern persönlich. Genau genommen, kann ich mich nur an eine einzige Szene erinnern: in der, wo eine Funkstreifenwagenbesatzung der Volkspolizei von dem Abwurf einer Atombombe überrascht wird. Flink wie die Wiesel jumpen die beiden Polizisten aus dem Streifenwagen, verhalten sich so wie sie es zuvor im Grundwehrdienst bei der NVA /GT oder BePo gelernt hatten, was allein in einer solchen Situation kaum vorstellbar ist. Der anschließende vom Streifenführer abgesetzte Funkspruch: „ Toni 353 hat soeben aus Richtung Nordost den Lichtblitz einer Atombombe festgestellt“, worauf der Diensthabende antwortete „ Toni 300 empfangen, beobachten Sie noch eine Zeitlang und setzen dann ihre Streife fort“, verlieh dem Unterrichtsfilm eine unfreiwillig komische Note.
Der ganze Raum brüllte vor Lachen. Selbst der Lehrgangsleiter, ein gemütlicher Hauptmann, grinste über das gesamte Gesicht. „ Männer, ich weiß gar nicht was ihr habt“, sagte der Offizier augenzwinkernd, „ einen echten Volkspolizisten kann eben so leicht nichts erschüttern.“
Richtig ernst nahm die Ausbildung, zu meiner großen Erleichterung ohnehin niemand.

Bis Anfang September verblieb ich weiter auf meinen Posten am Hintereingang der USA-Residenz. Dagegen wechselten die mir für den Schutz der „ Gartenfront“ zugewiesenen Posten alle drei Wochen. Einer von ihnen sollte mir besonders in Erinnerung bleiben: Ingolf, ein schmächtiger, etwas schmuddelig wirkender knapp dreißigjähriger Hauptwachtmeister. Ich wusste bereits zuvor, dass der im Kommando Kaulsdorf stationierte Polizist innerhalb des WKM nicht den besten Ruf besaß. Man sagte ihm sogar Kontakte zur „ kriminellen Unterwelt“ im Stadtbezirk Prenzlauer Berg nach. Offenbar bislang unbewiesene Kontakte. Ansonsten wäre so jemand längst aus den eher elitären „ Zentralen Einsatzkräften“ des Kommando Kaulsdorf“, wenn nicht sogar aus der VP selbst, entfernt worden.

An einem späten Sonntagnachmittag sollte ich erleben, dass diese Gerüchte möglicherweise doch nicht aus der Luft gegriffen waren. Aus irgendeinem Grund fuhr der Schichtbus des WKM an diesem Tag nicht, so dass wir im Anschluss an den Tagdienst auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurückgreifen mussten. Vor dem S-Bahnhof Pankow latschten plötzlich mehrere, „dekadent“ aussehende langhaarige Parka-Träger. Unter ihnen befand sich niemand anders als VP-Hauptwachtmeister Ingolfs, dessen rechtes Ohr ein kleiner goldener Ring zierte.
Unterleutnant Heinig, der die Gruppe zuerst erspähte, geriet völlig aus dem Häuschen. „ Habt ihr das gesehen?“, keuchte er atemlos. „ Habt ihr das gesehen? So laufen neuerdings die Volkspolizisten in ihrer Freizeit herum. Unerhört das ganze!“
Heinigs Empörung teilten nur wenige. Die anderen schüttelten lachend die Köpfe. „ Der Ingolf hat eben einen an der Waffel“, kommentierte der aus Leipzig stammende VP-Meister Zumke grinsend.
„ Zusammen Posten stehen möchte ich mit dem aber auch nicht“, meinte ein anderer.
Musste er ja auch nicht. Oberleutnant Gottmann, der bereits am nächsten Tag aus Heinigs Mund von der unerhörten Beobachtung erfuhr, teilte ihn mir zu.

Begeistert war ich von meinem neuen „Partner“ nicht. Wir fanden jedoch rasch ein gemeinsames Gesprächsthema: die Musik der Sechziger und Siebziger Jahre. Schon damals faszinierte mich die Musik von CCR, Rolling Stones, Sweet, den Beatles und den Lords. Zur zweiten Nachtschicht brachte mir Ingolf, zu meiner großen Freude, eine selbst bespielte Musikkassette mit.
Zunächst vorsichtig, dann immer offener, begann der VP-Hauptwachtmeister vom Leben im „Westen“, dass er doch gar nicht kannte, vielmehr gar nicht kennen durfte, zu schwärmen.
Aus heutiger Sicht wäre dieser Volkspolizist also eine positive Figur. Ja, auf dem ersten Blick! Oberflächlich betrachtet. Denn Ingolfs Lebensmaxime bestand darin, für möglichst wenig Anstrengung, möglichst viel Geld zu bekommen. Dafür erschien ihm der „Westen“, wo nach seiner Aussage selbst ein Arbeitsloser über tausend Mark, D-Mark!!!, im Monat bekommt, die richtige Adresse zu sein.
Ironischerweise könnte man an dieser Stelle sagen, dass es wohl kaum einen besseren Ort auf der Welt gibt, an dem man wenig arbeiten dafür jedoch viel Geld verdient, gibt, als das Wachkommando Missionsschutz. Für solche Art von Humor besaß Ingolf jedoch keine Antenne. Er fühlte sich von dem Leben in der DDR im Allgemeinen und von seinem Dienst im WKM im Besonderen, gegängelt.

Auch hier ist vor zu schnellen Beifallsbekundungen gewarnt: Ingolf hatte anscheinend ein Problem mit Vorschriften. Es grenzt beinahe an ein Wunder, dass jemand der über solch eine Lebenseinstellung verfügt, bei den „ Bewaffneten Organen“ landete.
Ingolf zeigte mir auch, wie man unter Zuhilfenahme des Funkgerätes, Westberliner Funktelefongespräche abhören konnte. „ Einfach auf Kanal 1 umschalten und einen Moment warten“, erklärte Ingolf als wolle er mich in einen verbotenen Zauber unterweisen.
Mit Zauberei hatte das ganze natürlich nichts zu tun. Funkwellen halten sich nun einmal nicht an Staatsgrenzen. Und seien sie auch noch gut ausgebaut. Verboten war das Mithören von Privatgesprächen freilich schon. Zumindest für uns. Trotzdem, oder gerade deshalb lauschte ich voller Begeisterung, als sich unter anderem zwei Westberliner Geschäftsleute, per Autotelefon minutenlang über einen Mexiko-Urlaub austauschten.

Obwohl die Gespräche immer wieder von Nebengeräuschen überlagert wurden, leicht verzerrt klangen, zogen sie mich regelrecht in ihren Bann. „ Überlege doch mal, die können da drüben so einfach nach Mexiko in den Urlaub fahren“, schwärmte Ingolf, „ und wir können höchstens mal in die CSSR oder Ungarn fahren.“ Kopfschüttelnd, in einem Anflug spontanen Ärgers kickte er einen Stein mehre Meter weit über die schmale Fahrbahn.
Ehrlich gesagt, ich konnte mir keinen Reim auf die, für einen Volkspolizisten mehr als ungewöhnliche Sehnsüchte machen. Hatte man mir einen Spitzel an die Seite gestellt, um meine durch den Versetzungsantrag in arge Zweifel geratene Zuverlässigkeit auf die Probe stellen? Oder meinte es dieser Ingolf tatsächlich ernst? Wenn ja, dann dürfte er früher oder später mit seiner Offenheit an den falschen geraten. Zumal er ohnehin bereits im Fokus einiger Offiziere des WKM, möglicherweise sogar des MfS stand.

Wie dem auch sei, ich beschloss mich gegenüber Ingolf zurück zu halten. In den ebenso langen wie langweiligen Nachtschichten schlug er mir immer wieder vor, dass ich mich doch ins Postenhäuschen zurückziehen könnte, um ein wenig zu schlafen. „ Ich passe schon auf und sage dir Bescheid, wenn eine Kontrolle kommt“, versuchte mich Ingolf Augenzwinkernd zu einem Dienstvergehen zu verleiten.
Ebenso regelmäßig winkte ich ab. Solange bis Ingolf schließlich aufgab. Knapp zwei Jahre später sollten mir diese Vorschläge noch einmal in die Erinnerung zurückgerufen werden.

Wenn von den diplomatischen Objekten im Bereich Pankow-Niederschönhausen die Rede ist, darf eine Person auf keinen Fall unerwähnt bleiben-Uschi, die selbst ernannte „ Wanderin zwischen den Welten“. Eine kleine dicke bebrillte Frau, Zögling eines kirchlichen Heimes ganz in der Nähe. Uschi verspürte offenbar keinerlei Berührungsängste gegenüber den grün uniformierten Posten des Wachkommando Missionsschutzes, mit denen sie regelmäßig, im wahrsten Sinn des Wortes „ über Gott und die Welt redete“. In ihrem, eher zum Schmunzeln animierenden, naiv anmutenden missionarischen Eifer bezog sie auch die „ Jungs vom FBI“, wie Uschi die rund um die Objekte tätigen Mitarbeiter des MfS nannte, mit ein.
Alle Posten und wohl auch „ Jungs vom FBI“ mochten Uschi. Sorgte sie doch in ihrer ganz eigenen Art und Weise für ein wenig Abwechslung im tristen Allerlei des Postenalltags. Nie habe ich gehört, dass jemand Uschi gegenüber ausfällig geworden wäre. Die kleine „ Missionarin“ war so etwas wie das inoffizielle Maskottchen der zwischen dem Bürgerpark und der USA-Residenz tätigen „Sicherheitsorgane“.

Im September wurde ich von meinem Posten abgezogen. Ich sollte für die kommende Zeit als „Ablöser“ fungieren, endlich auch die anderen Bereiche der Wache Blankenfelde kennenlernen.
Ich nahm die Nachricht mit Freude entgegen. Endlich mehr Abwechslung, dachte ich überglücklich.

Zuerst wurde ich, als Urlaubsvertretung, VP-Meister Herbert Montag zugeteilt. Der Mittvierziger gehörte nicht nur zu den „ Urgesteinen“ des Wachkommando Missionsschutzes“, sondern obendrein zu den wenigen innerhalb der Wache Niederschönhausen, die ihre Aufgabe mit einem regelrecht verbissenen Ernst versahen. Montags Postenbereich befand sich in der Waldstraße, wo sich zwischen grauen Mietskasernen aus der ersten Hälfe des 20. Jahrhunderts, Residenzen relativ unbedeutender Staaten und Wohnhäuser britischer und US-amerikanischer Diplomaten befanden.

„ Mein Bereich ist von äußerster Wichtigkeit“, pflegte Montag bei allen Gelegenheit jeden der es hören wollte oder auch nicht, zu sagen. Seinen dementsprechenden Spitznamen, Meister Wichtig“ trug er mit Würde und Stolz. Ohne freilich die feine Ironie welche diesen Beinamen innewohnte, auch nur zu erahnen.
„ Meister Wichtig“ nahm im Ranking der innerhalb der 4. Wachabteilung erbrachten „ operativen Informationen“ einen geradezu einsamen ersten Platz ein. Niemand schrieb so viele Informationen wie VP-Meister Montag. Niemand unterhielt sich derart intensiv mit dem diplomatischen Personal wie er. Im Anschluss an ein Gespräch, wenn der vorherige Gesprächspartner außer Hörweite war, grinste Montag jedes Mal schief und sagte: „ Darüber werde ich mal gleich eine Information verfassen.“

Die Kreativität dieses Genossen versetzte mich jedes Mal erneut in Staunen. Jedes noch so unbedeutende Gespräch mutierte anschließend zur „bedeutenden Information“. Eines Nachmittags erzählte uns der Koch eines afrikanischen Botschafters, dass sich der Hund der Botschafterfamilie, ein uralter undefinierbarer Promenadenmix, in der vergangenen Nacht, zur großen Trauer aller, besonders der zahlreichen Kinderschar des Botschafters, „in den Hundehimmel abgemeldet hatte.“
„ Jetzt , ganz groß Trauer. Kinder weinen sehr“, fügte der Koch betrübt hinzu. Kaum das der Koch an den Herd zurückgekehrt war, eilte Montag ins Postenhäuschen um eilfertig das eben gehörte zu Papier zu bringen.
„ Du willst doch nicht ernsthaft darüber eine Information schreiben?“ Montag reagierte auf meine Verwunderung seinerseits verwundert: „ Genosse Oberwachtmeister Bräuning, wie es scheint musst du noch sehr viel lernen“, tadelte er mich. „ Im Hause des Botschafters herrscht Trauer. Ich sehe das als meine Pflicht an, die entsprechenden Stellen des WKM darüber zu informieren. Wir haben auf alles zu achten, was sich vor und in den Objekten abspielt. Wir haben aber nicht das Recht zu entscheiden, ob eine Information wichtig ist oder nicht. Das sollen gefälligst andere tun.“
Schweigend nahm ich den Tadel hin. In meinen Momenten wie diesen wusste ich tatsächlich nicht, ob ich nicht doch ein pflichtvergessender Mitarbeiter war, oder ob dieser übereifrige, von fast allen nur belächelte Montag einfach nur einen an der Klatsche hatte.

VP-Meister Montag sorgte nicht dafür, dass die Auswerter etwa an Langeweile leiden, er kontrollierte jeden noch so harmlosen Fußgänger, der sich in der Nähe der „Objekte“ aufhielt. Nach jeder Kontrolle fertigte er eine „ S 26“, auch als Personenkontrollkarte bekannt. Der tiefere Sinn dieser Karten bestand darin, den Ermittlern der Kriminalpolizei Hinweise zu geben, ob und wann sich beispielsweise potentielle Straftäter in besonders gefährdeten Bereichen herumtreiben. War es dann in diesem Sektor zu einer Straftat gekommen, brauchte die Kriminalpolizei nur „ Eins und Eins“ zusammenzuzählen. Für das WKM spielte die Bekämpfung der allgemeinen Kriminalität jedoch kaum eine Rolle. Deshalb kann man wohl getrost davon ausgehen, dass die „ S 26“ vom WKM, nicht von der Kriminalpolizei sondern vom MfS ausgewertet wurden.

Es liegt wohl auf der Hand, dass außer dem MfS, noch andere Geheimdienste im Bereich der Botschaften und Residenzen ihre Fühler ausstreckten. Zu 99, 9 Prozent blieben den „ gewöhnlichen Posten“ diese Aktivitäten freilich verborgen. Nur in einem einzigen Fall, dem eines uns nur unter den Namen Hassan bekannten Pakistaners, lag ein offizieller Warnhinweis unserer Vorgesetzten vor. Wir sollten bei Gesprächen mit Hassan, der als Koch im Wohnhaus eines Mitarbeiters der US-Botschaft in der Waldstraße arbeitete, ganz besonders vorsichtig sein. Angeblich würde es sich bei diesem Koch um einen Mitarbeiter der CIA handeln. In wie weit diese Information der Wahrheit entspricht oder nicht, mag ich nun wirklich nicht beurteilen. Vieles, zu viel, lediglich auf Vermutung beruhendes, wird heute gerne als Wahrheit verkauft.

Aber, seltsam mutete das Verhalten dieses Kochs tatsächlich an, wie ich selbst erleben musste. Vor dem Wohnhaus des besagten Diplomaten hielt ein Standposten Wache. Hassan servierte dem Posten jedes Mal eine Tasse schwarzen Kaffees. Jedes Mal wenn Hassan den Posten noch nicht kannte, begann er diesen auszufragen. „ Ob er denn in Berlin wohne“, „ ob ihm sein Dienst Spaß machte“ und „ ob der -Officer“ verheiratet sei und Kinder hätte?“

Fragen, die normalerweise kein in diplomatischen Diensten stehender Koch einem Volkspolizisten stellt. Ich zweifele jedoch noch immer daran, dass es quasi um geheimdienstlich motivierte „Abschöpfungsgespräche“ handelte. Wenn doch, dann dürfte dem vermeintlichen CIA-Agenten „Hassan“, wohl kein großer Erfolg beschieden gewesen sein. Genaugenommen ging Hassan den Posten lediglich auf die Nerven. Eines muss an dieser Stelle aber gesagte werden-sein Kaffee schmeckte ausgezeichnet!


Zu den interessantesten Posten gehörte die „ PLO-Vertretung“ am Schönholzer Weg, die generell von einem Doppelposten abgesichert wurde. Die Mitarbeiter der Vertretung, allen voran der Leiter, ein sich Isam nennender Schnauzbartträger, verhielten sich gegenüber den Posten überaus freundlich. Immer wieder servierten uns Isams Kinder, hin und wieder sogar dessen Ehefrau, Kaffee und Kuchen. Mindestens einmal pro Schicht unterhielt sich Isam mit den Posten, die er wohl tatsächlich als eine Art Kampfgenossen ansah.
Nur einer der Mitarbeiter der PLO-Vertretung konnte sich so gut wie nie einen Gruß abringen. Der Mann hob sich nicht nur seiner „ schlechten Manieren“, sondern wegen seiner Herkunft wegen von der übrigen Besatzung ab. Der „Flegel“, ein stämmiger immer elegant gekleideter Endvierziger, war Bürger der DDR. Jedoch kein gewöhnlicher. Es handelte sich bei ihm, laut den hier als Stammposten agierenden VP-Hauptwachtmeister Müller, um einen Oberstleutnant des MfS.

Müller erzählte mir, wobei seine blauen Augen regelrecht leuchteten, dass Yassir Arafat, der PLO-Vorsitzende, regelmäßig die Berliner Vertretung besuchen würde. An dem obligatorischen Empfang hatten die Posten des WKM grundsätzlich teilzunehmen. Normalerweise ein absolutes Unding. Aber Yassir Arafat bestand nun einmal ausdrücklich darauf, sich auf diese Art und Weise für die Sicherheit seiner Mitarbeiter zu bedanken. Und zwar bei denen, die diese Sicherheit „ vor Ort produzierten“, den Posten des WKM.

Bei aller Harmonie sollte mir jedoch das Erscheinen eines Mitgliedes der Kommunistischen Israels besonders in Erinnerung bleiben. Dieser, ein junger Mann von knapp zwanzig Jahren, begleitete einen arabischen Bekannten eines Tages zur Vertretung. Anders als dieser, betrat er die Einrichtung jedoch nicht. Ganz im Gegenteil. Der Israeli hielt sogar respektvollen Abstand.
Zwischen uns und dem jungen Israeli entwickelte sich ein kurzes Gespräch, in dessen Verlauf Müller die Frage stellte“ warum er denn nicht die PLO-Vertretung betreten würde.“ Unsicher lächelnd, antwortete der Israeli. „ Weil ich Jude bin.“ Diese Antwort verstanden wir zunächst überhaupt nicht. „ Aber in der DDR braucht man doch als Jude keine Angst zu haben. Wir sind anders als Nazideutschland.“ Erneut lächelte der Israeli. Diesmal wohl über meine politische Einfältigkeit. „ Ich weiß dass man als Jude vor euch Deutschen keine Angst mehr zu haben braucht. Dafür aber umso mehr vor der PLO. Ich bin nicht lebensmüde.“
Für mich lag es jenseits aller Vorstellungen, dass dieser nette Isam und dessen ebenso netter Mitarbeiterstamm noch etwas anderes sein konnte, als Vertreter einer „ edlen Freiheitskämpferorganisation“.

Die nächste Station waren die Diplomatenhäuser im Majakowski-Ring. Typische DDR-Flachbauten ohne viel Schnörkel. Vor vielen Jahren sollen hier angeblich die Witwen hoher Staatsfunktionäre, darunter die legendäre Lotte Ulbricht, gelebt haben. Angeblich sollen sich die älteren Damen, als das Terrain vom „ Diplomatischen Korps“ und somit auch vom WKM übernommen wurde, geradezu rührend um das leibliche Wohl der Posten gekümmert haben. Manch einer schwärmte noch 1986 von dem duftenden Kaffee, den ihm Genossin Lotte einst servierte. Zu dem Zeitpunkt ahnte noch niemand, dass hier bald wieder ein hoher Funktionär, Egon Krenz, sein Quartier aufschlagen würde.

Den Bereich teilten sich zwei Polizisten, die sich in Abständen an der „Nahtstelle“ trafen, um zu quatschen. Ab und liefen die Schauspielerin Inge Keller oder der Karikaturist Herbert Sandberg, bekannt aus der Kolumne „ der freche Zeichenstift“ vorbei. Herbert Sandberg befand sich zumeist in Begleitung seiner Ehefrau Lilo Grahn, der Judith Hutter aus dem Defa-Indianerfilm „ Chingachgook die Große Schlange“. Mehr Abwechslung als der gelegentliche Anblick von Prominenten, bot dieser Postenbereich jedoch nicht. Frühmorgens fuhren die Diplomaten freundlich grüßend zum Dienst, um dann abends ebenfalls freundlich grüßend zurück zu kehren. Mehr passierte im Majakowski-Ring nicht.

Im Herbst bekam ich eine weitere Funktion „ aufs Auge gedrückt“- stellvertretender FDJ-Sekretär der 4.Wachabteilung. Ich konnte mich dagegen nicht einmal wehren. Obwohl mir die Aufgabe überhaupt nicht behagte. Der „ erste“ Sekretär, ein ehemaliger MfS-Mitarbeiter, der aus „kaderpolitischen Gründen“ zur VP wechseln musste, schob sämtliche unangenehmen Arbeiten auf mich ab. Zum Bespiel die Teilnahme an Konferenzen und Politschulungen. Dazu aber später mehr.

So ging das Jahr 1986 zu Ende. Das Jahr 1987 begrüßte ich wieder auf meinem alten Posten. Dem ungeliebten „ 152“er in der Mittelstraße. Ich stand im strömenden Regen vor dem Tor, während ringsumher Feuerwerksraketen am dunklen, wolkenverhangenen Berliner Himmel, zerplatzten. In den Fenstern der Residenz schimmerte gedämpftes Licht. Ansonsten herrschte völlige Ruhe über dem weitläufigen Areal. USA-Botschafter Francis Mahane verzichtete offenbar auf eine rauschende Sylvesterparty.
Der grüne Regenumhang konnte die Nässe kaum noch abhalten. Wieder ein Sylvester das ich auf Posten erlebte. Ein Jahr zuvor stand ich am Eingangstor der VP-Schule in Neustrelitz Wache. Und diesmal in Pankow. Was soll’s? Ich hatte es mir ja so ausgesucht.
Kurz vor Mitternacht wurde ich nach vorne an den Haupteingang gerufen. Zu den anderen beiden WKM-Posten und den jungen MfS-Mitarbeitern. Wir wollten gemeinsam auf das neue Jahr anstoßen. Drei Minuten vor dem Jahreswechsel hielt ein unscheinbarer „ B 1000“-Kleinbus vor der Residenz. Der „ Verpflegungswagen“ der Staatssicherheit. Schmunzelnd zauberte der Fahrer, ein gemütlicher Mann von knapp vierzig Jahren, des Haare sich bereits auffällig lichteten, eine Flasche „ Rotkäppchensekt“ unter dem Sitz hervor.
„ Mensch Hotte, uff dir ist Verlass“, freute sich einer der „Zivilisten“. Hotte hatte nicht nur an seine Kollegen, sondern auch an uns Volkspolizisten gedacht. „ Damit ihr wenigstens etwas von Sylvester habt Jungs“, munterte er uns Augenzwinkernd zum Mittrinken auf.
„ Das ist aber wirklich ruhig hier“, meinte Hotte, während er die mitgebrachten Plastikbecher füllte. „ Ein paar Straßen weiter wimmelt es nur so von feiernden, ausgelassenen Berlinern. Einige haben sogar einen guten Rutsch gewünscht.“ „ Die wussten ja auch nicht, von was für einer Firma du bist“, sagte einer der MfS-Leute ironisch. „ Stimmt“, sagte Hotte, plötzlich nachdenklich erscheinend, „ dann hätten sie mir wohl eher Feuerwerkskörper unters Auto geschmissen.“

Wir lachten über diesen eigentlich so gar nicht komischen Satz. Knapp drei Jahre später sollte sich zeigen, dass Hotte mit diesem „ Scherz“ über das wahre Verhältnis zwischen Bevölkerung und MfS, den Nagel auf den Kopf getroffen hatte.
Jetzt aber, am 01. Januar 1987, Punkt 00:00 Uhr, dachte noch niemand daran, dass die DDR bald Geschichte sein wird. Mit vor Nässe und Kälte steif gewordenen Gelenken stießen wir das neue Jahr an, wünschten uns gegenseitig alles Gute. Wie viele Millionen andere in diesem Moment im geteilten Europa. Kurz nach Mitternacht erschien Botschafter Francis Mahane am Eingangstor. Der grauhaarige würdige Diplomat bedankte sich für den Schutz seiner Residenz, wünschte uns ein glückliches Jahr 1987, wobei er jedem die Hand reichte. Zum Schluss tranken wir noch einmal Sekt. Diesmal aus den Beständen der US-Botschaft. Volkspolizisten und Stasi-Mitarbeiter begrüßten gemeinsam mit dem „ Abgesandten des Klassenfeindes“ das neue Jahr. So als wäre es das normalste der Welt. Völkerverständigung kann manchmal so einfach sein!

Fortsetzung folgt


Gruß an alle
Uwe


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94, RudiEK89, seaman, Harzwanderer, thomas 48, Elch78, Hackel39, Lutze, EK87II, diefenbaker, Kalubke und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#307

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 07.09.2015 20:08
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #306
...
Zusätzlich zu den Posten und dem Funkstreifenwagen, setzte das WKM nun auch Motorradstreifen ein.
Welches Modell?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#308

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 07.09.2015 20:35
von Schakal | 271 Beiträge

Durfte man als Posten denn vom Koch-Hassan den Kaffee annehmen? War doch schliesslich der Klassenfeind ...
Mal etwas überspitzt nach DDR-Logik, er hätte euch ja auch was in den Kaffee "reintun" können (Ich weiß selber, dass es keiner gemacht hätte, aber in der DDR hatten die Oberin ja noch vor ganz unwahrscheinlicheren Sachen Angst ^^^)


--- Ex oriente lux.---
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#309

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 08.09.2015 16:15
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #307
Zitat von ABV im Beitrag #306
...
Zusätzlich zu den Posten und dem Funkstreifenwagen, setzte das WKM nun auch Motorradstreifen ein.
Welches Modell?



Wenn ich mich recht erinnere: MZ 250

Gruß Uwe


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#310

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 08.09.2015 16:23
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Schakal im Beitrag #308
Durfte man als Posten denn vom Koch-Hassan den Kaffee annehmen? War doch schliesslich der Klassenfeind ...
Mal etwas überspitzt nach DDR-Logik, er hätte euch ja auch was in den Kaffee "reintun" können (Ich weiß selber, dass es keiner gemacht hätte, aber in der DDR hatten die Oberin ja noch vor ganz unwahrscheinlicheren Sachen Angst ^^^)


Als Posten des WKM durfte man vom Personal eine Tasse Kaffee annehmen. Einem "normalen" Streifenpolizisten wäre das nicht erlaubt gewesen. Das WKM bewegte sich ja gewissermaßen auf "diplomatischen Parkett". Eine Ablehnung hätte den Vertreter des Gastlandes womöglich beleidigt. Wir hatten sogar die Pflicht vom Botschafter Alkohol anzunehmen,wenn er dieses verlangte. Zum Beispiel wenn dieser mit dem Posten auf den Jahrestag seines Landes anstoßen wollte.
Bei diplomatischen Empfängen erhielten die Posten regelmäßig kleine Geschenke. Meist teure Schokolade oder " edle Tropfen", von denen der DDR-Bürger sonst nur träumen konnte. Das Zeug musste jedoch sofort einem Vorgesetzten übergeben werden. Die Begründung lautete tatsächlich, " dass gegnerische Geheimdienste die Genussmittel vergiftet haben könnten."
Geglaubt hat das aber damals niemand von uns. Aber dazu später, in der nächsten Fortsetzung mehr.

Gruß an alle
Uwe


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#311

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 08.09.2015 18:26
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #306
...
Zusätzlich zu den Posten und dem Funkstreifenwagen, setzte das WKM nun auch Motorradstreifen ein.
Zitat von 94 im Beitrag #307
Welches Modell?

Zitat von ABV im Beitrag #309
Wenn ich mich recht erinnere: MZ 250
zivil (Sitzbank), Armee- (zwei Einzelsitze) oder Polizeiversion (Verkleidung, Einzelsitz und Koffer)?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#312

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 08.09.2015 19:15
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #311
Zitat von ABV im Beitrag #306
...
Zusätzlich zu den Posten und dem Funkstreifenwagen, setzte das WKM nun auch Motorradstreifen ein.
Zitat von 94 im Beitrag #307
Welches Modell?

Zitat von ABV im Beitrag #309
Wenn ich mich recht erinnere: MZ 250
zivil (Sitzbank), Armee- (zwei Einzelsitze) oder Polizeiversion (Verkleidung, Einzelsitz und Koffer)?




Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, war das eher die Zivilversion. Funkkräder, wie bei der Verkehrspolizei üblich, hatte das WKM nicht im Einsatz. Der Kradfahrer führte lediglich ein Handfunksprechgerät, wie bei den Fußstreifen / Posten üblich, mit sich.


Gruß Uwe


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#313

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 08.09.2015 23:18
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #312
Zitat von 94 im Beitrag #311
Zitat von ABV im Beitrag #306
...
Zusätzlich zu den Posten und dem Funkstreifenwagen, setzte das WKM nun auch Motorradstreifen ein.
Zitat von 94 im Beitrag #307
Welches Modell?

Zitat von ABV im Beitrag #309
Wenn ich mich recht erinnere: MZ 250
zivil (Sitzbank), Armee- (zwei Einzelsitze) oder Polizeiversion (Verkleidung, Einzelsitz und Koffer)?




Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, war das eher die Zivilversion. Funkkräder, wie bei der Verkehrspolizei üblich, hatte das WKM nicht im Einsatz. Der Kradfahrer führte lediglich ein Handfunksprechgerät, wie bei den Fußstreifen / Posten üblich, mit sich.


Gruß Uwe


Um 1987/88 herum auch die ETZ 150 in schlichtem rot. So gesehen beim WKM an der lybischen Vertretung. Die gleiche Maschine in der gleichen Farbe hatten wir bei der VP in der Waldowallee auch.


GK Nord, GR 20, 7. GK
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#314

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 09.09.2015 18:33
von diefenbaker | 584 Beiträge

Zitat von S51 im Beitrag #313
...
Um 1987/88 herum auch die ETZ 150 in schlichtem rot. So gesehen beim WKM an der lybischen Vertretung. Die gleiche Maschine in der gleichen Farbe hatten wir bei der VP in der Waldowallee auch.


Ging es der DDR um die Zeit schon so schlecht, dass es nicht mehr für eine Polizeilackierung gereicht hat
oder was war der Grund für die zivile Farbe?
Als Zivilstreife konnte das ja auch kaum durchgehen, wenn ein Fahrer in Uniform draufsaß.

Gruss Wolfgang



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#315

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 10.09.2015 13:36
von ABV | 4.202 Beiträge

Das lag daran, dass der Einsatz von Motorradstreifen im WKM eigentlich nicht vorgesehen war. Die Motorradstreife stand auch mehr vor irgendwelchen Objekten, als das sie tatsächlich fuhr.
Die typischen Funkkräder, mit der typischen Kanzel der Funkausrüstung und dem einen Schutzhelm mit VP-Stern tragenden Polizisten, waren der Verkehrspolizei vorbehalten.
Übrigens fuhren die Gruppenpostenleiter im VPKA Seelow ebenfalls mehr oder weniger " zivile" Kräder. Allerdings mit einer Tasche an der Seite.

Gruß Uwe


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#316

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 03.02.2016 14:19
von diefenbaker | 584 Beiträge

@ABV

Hallo Uwe,

beendest Du an dieser Stelle Deine Schilderung vom Wachkommando oder kommt gelegentlich eine Fortsetzung?
Zu Deinem Seelow Bericht in dem Link gibt es ja noch eine zeitliche Lücke.

Gruss Wolfgang



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#317

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 04.02.2016 17:20
von ABV | 4.202 Beiträge

Eine Fortsetzung kommt auf jeden Fall! Leider kann ich derzeit noch nicht genau sagen, wann. Es soll keine Ausrede sein, aber momentan bin ich mit anderen Dingen mehr als eingespannt. Da bleibt kaum noch Zeit fürs Forum.
Wie gesagt-es kommen auch wieder andere Tage!

Viele Grüße an alle
Uwe


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#318

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 07.02.2016 04:03
von Mart | 734 Beiträge

Zitat von KID im Beitrag #228
http://articles.latimes.com/1986-05-01/news/mn-2625_1_purple-heart

Hier ein kurzer Artikel aus dem Jahre 1986. Botschafter Burt ueberreicht damals einem einzigen (!) US-Soldaten die Purple Heart. Zwei Tote und mehr als 200 Verletzte..... und nur eine Medaille. Und das ist keine 'krude Behauptung'.

Jens

Doch, das ist eine krude Behauptung. Ich darf die AP-Meldung vom 26. Mai 1986 teilweise (wegen Copyright) zitieren:

"The United States on Monday awarded Purple Heart medals to 39 U.S. soldiers who were wounded ... One other GI also was given a Purple Heart earlier. ... The disco bombing killed a Turkish woman and a U.S. soldier - who was awarded the Meritorious Service Medal posthumously."

Quelle: http://www.apnewsarchive.com/1986/39-Sol...4e0a742b3af3be7


zuletzt bearbeitet 07.02.2016 04:04 | nach oben springen

#319

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 07.02.2016 04:19
von Mart | 734 Beiträge

Hallo Uwe,
diesen Thread (und Deine Homepage bzgl. VP Seelow) habe ich erst jetzt entdeckt. Du schreibst wohltuend sachlich, unverfälscht und lebendig - danke!

Ich habe Fragen:

Du schreibst über Wachen bei den Hochhäusern Leipziger Straße. Gegenüber waren in meiner Erinnerung flache Betonbauten, in einem (Keller) tschechische Bierstuben oder Prager Bierstuben. Sagt Dir das was?

Du schreibst "Die Posten mussten jederzeit besonders höflich gegenüber den Diplomaten auftreten. So wurde ein Wachtmeister bestraft, weil der den britischen Botschafter nicht gegrüßt hatte!"
Darf ich das so verstehen, dass militärische Ehrenbezeigung zu geben war?

Irgendwer fragte: "P.S. Hat eigentlich die Sowjetunion in irgendeiner Weise die US-Botschaft in Ost-Berlin mitbe- oder überwacht? Das war ja eigentlich ein Ding unter den Alliierten?"
Ich kann das nicht beantworten. Formal hätten sie jedes Recht dazu gehabt. Allerdings sahen sich die vier Allierten auf Augenhöhe (und die Deutschen beider Seiten einiges darunter). Es ist also schwer vorstellbar, dass die sowjetische Seite einen in Berlin theoretisch Verbündeten überwachte. Und umgekehrt auch: Beispielsweise hätten die Amerikaner jedes Recht gehabt, vor der sowjetischen Botschaft ein Fahrzeug von BC (Berlin Control) ins Halteverbot zu stellen und die sowjetische Botschaft zu überwachen - die DDR hätte nichts tun können. An dem Punkt waren sie die vier Alliierten allerdings immer einig.

Was in Deinem Bericht (falls es mal ein Buch wird) ungefähr bleibt: Die amerikanische Residenz (die mit dem Gartentor) ist nicht die amerikanische Botschaft, sondern ein anderes Objekt. Vermutlich.

Eine weitere Korrektur: Du schreibst in Zusammenhang mit den Postenhäuschen: "... ein Telefon mit dem Gespräche nur im „ S 1-Netz“, dem internen Telefonnetz der Volkspolizei abgewickelt werden konnten ..."
Das ist fachlich so nicht korrekt. Lies mal bitte https://de.wikipedia.org/wiki/S1-Netz_DDR

Eine Nachfrage zu Deiner ABV-Zeit: Auf Deiner Webseite schreibst Du, dass in Pretzsch eine ABV-Schule war. In Pretzsch war die Schule für Hundeführer. Nebst angeschlossenen Geruchsarchiv der DVP (und des MfS), diese gelben Tücher in Einmachgläsern. Eine ABV-Schule wäre mir völlig neu, allerdings will ich das auch nicht ausschließen. Bist Du Dir da sicher?

Da nach Fortsetzungen gefragt wurde:
Leute, klickt mal auf https://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/ - Uwe hatte es doch schon verlinkt.

P.S. weiterer Hinweis ergänzt


zuletzt bearbeitet 07.02.2016 05:49 | nach oben springen

#320

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 07.02.2016 04:58
von S51 | 3.733 Beiträge

Die ABV-Schule in Pretzsch war meines Wissens eine Außenstelle der ABV-Schule in Wolfen, bestand nur aus wenigen Klassen und war der Hundeführerschule des MdI angeschlossen. Dort wurden ABV/Diensthundeführer ausgebildet. Ein Kollege aus meiner Vorbereitungsklasse war dort.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


Fritze hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 07.02.2016 05:10 | nach oben springen



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