#61

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 08.09.2015 14:59
von Schakal | 271 Beiträge

Zitat von HG19801 im Beitrag #60

Eigenartig ist deshalb, dass sich ein ehemaliger Arbeitskollege (wegen Problemen im Elternhaus / Schulschwänzerei im JWH) von mir dort überaus wohlfühlte und von einer tollen Zeit sprach. Er hat das mehrfach bekundet.

… seltsam, seltsam. Oder doch nicht?


Das war ja auch kein Knast oder vergleichbar mit Knast, ausser Torgau, wo die ganz schweren Fälle hinkamen. Normaler JWH war, soweit ich es weiß , meist auf dem Land und das ganze auch nicht von hohen Zäunen und Wachtürmen eingegrenzt. Habe von Trecker fahren u.ä. gehört. Natürlich hatten die dort nicht die Freiheit, wie andere Jugendliche, aber in Ketten wurden die auch nicht gelegt. Heute setzt man glaube ich alle JWH mit Torgau gleich, damit es schön unmenschlich wirkt.


--- Ex oriente lux.---
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#62

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 08.09.2015 18:57
von exgakl | 7.227 Beiträge

Zitat von bürger der ddr im Beitrag #56
@exgakl , ich kann das verstehen. Nur kann man diese Jugendlichen mit den "eingewiesenen" Jugendlichen zu DDR - Zeiten vergleichen? Gab es diesen Grad der Verrohung schon damals?



@bürger der ddr ich denke nicht, dass es diesen Grad der Vorrohung schon früher gab. Es wurden m.E. früher noch entsprechende Werte vermittelt, auch war die sogenannte freie Erziehung mit der "Selbstfindung" nicht bekannt.
Mal etwas überspannt ausgedrückt... wenn ich mir einen Hund zulege und erwarte, dass der "Sitz" und "Platz" macht wird er es mit Sicherheit auch tun, eben nur nicht dann wenn es angebracht wäre, das die Tölle sich entsprechend benimmt und die Regeln die so ein Haustier nunmal zu befolgen hat auch befolgt....
Wenn die Prägungsphase vorbei ist und es ihm bis dahin nicht vermittelt wurde, kann ich den eigentlich nur noch zum Chinesen bringen....

VG exgakl


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#63

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 08.09.2015 19:02
von exgakl | 7.227 Beiträge

Zitat von Klauspeter im Beitrag #57
Zitat von exgakl im Beitrag #52

...
Dem Klientel was dort seine Zeit bis zur Volljährigkeit verbringt will man nicht wirklich in der freien Wildbahn begegnen. Das Problem ist einfach, das bei diesen Jugendlichen Verhaltensstörungen vorliegen, die mit "normalen" Erziehungsmethoden nicht in den Griff zu bekommen sind...
Es sind Kinder und Jugendliche, denen es teilweise an jeglichem Unrechtsbewusstsein fehlt, denen im bisherigem Leben nie Grenzen aufgezeigt wurden.
Die leichteren Fälle sind die, mit Schulvereigerung und Diebstahl... die "Normalität", Raub, Erpressung, schwere Körperverletzung, Diebstahl, Drogen, Messerstechereien, fahren ohne Führerschein ( ist in dem Alter auch normal) usw.
Mit "normalen" Erziehungsmethoden ist da nichts mehr zu machen...
Man kann davon ausgehen, dass von 95% alles grundsätzlich verweigert wird, es ist keine Beschulung möglich, auch kann man davon ausgehen, das sich fast nie eine Ausbildungsstelle für die Jugendlichen finden wird.
Was macht man nun mit denen?
Was macht man mit jemandem, der grundsätzlich alles angebotene verweigert und felsenfest der Meinung ist, auch so durch's Leben zu kommen? Sei es durch Sozialhilfe oder weiterhin durch Diebstähle usw.?
...

Eigentlich geht doch wieder alles beim Geld los.
Man braucht für solche Einrichtungen hervorragend ausgebildete Sonderschul-Pädagogen. Ihr Ausbildung kostet viel Geld, ihre Anstellung in solchen Einrichtungen auch.
Wir brauchten na solchen Einrichtungen hervorragende Kinder- und Jugendpsychologen. Ihre Ausbildung und Anstellung... siehe oben!
Diese Einrichtungen sollten verbunden mit einer handwerklichen Berufsausbildung. Auch das kostet Zeit, Geld und Geschick.

Natürlich könnte man jetzt viele Argumente bringen, warum das alles nicht geht und ohnehin viel zu teuer ist usw.
Sicher Zukunftsmusik - aber es wird keinen anderen Weg geben.

Die Jugendwerkhöfe der DDR waren sicherlich nicht unbedingt das Gelbe vom Ei - sie waren aber ein Ansatz zur Lösung der genannten Probleme. Aber anstelle nachzuforschen, was es da auch an brauchbarem gab, wird das Jugendwerkhof-Thema oft zur Hetze gegen die DDR genutzt.
Eigentlich schade.
Klaus




Es geht viel früher los, was fehlt ist Vermittlung entsprechender Werte... mit Geld und Geschenken allein kann man die Kinder nicht erziehen, nur für eine gewisse Zeit ruhig stellen...
Die Jugendwerkhöfe waren mit Sicherheit ein Lösungsansatz für besonders schwere Fälle... heute gibt es mittlerweile in fast jedem Ort entsprechende Wohngruppen mit solche Jugendlichen, man muss sich nur mal umschauen. Leider werden die dort zum größten Teil auch nur verwahrt.

VG exgakl


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#64

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 08.09.2015 19:59
von Klauspeter | 987 Beiträge

Zitat von exgakl im Beitrag #63

Es geht viel früher los, was fehlt ist Vermittlung entsprechender Werte... mit Geld und Geschenken allein kann man die Kinder nicht erziehen, nur für eine gewisse Zeit ruhig stellen...
Die Jugendwerkhöfe waren mit Sicherheit ein Lösungsansatz für besonders schwere Fälle... heute gibt es mittlerweile in fast jedem Ort entsprechende Wohngruppen mit solche Jugendlichen, man muss sich nur mal umschauen. Leider werden die dort zum größten Teil auch nur verwahrt.
VG exgakl


Bei der Wertevermittlung beißen sich Theorie und Praxis. Welche Werte hat unsere Gesellschaft eigentlich noch?
Schwarzarbeit ist nicht selten, illegale Beschäftigung von Billigarbeitskräften, Steuerbetrug, Politiker-Lügen,Krieg als Mittel der Politik - Werteverfall auf der ganzen Linie.
Kinder und Jugendliche spüren das, vor allem die Jugendlichen, die aufgrund ihres Elternhauses ohnehin von der Gesellschaft bereits abgeschrieben sind...
Klaus


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#65

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 08.09.2015 20:09
von Fritze | 3.474 Beiträge

Das mit den Heimen hat sich ja auch bald erledigt ! Die werden demnächst in Asylantenunterkünfte umgewandelt !

Fritze


"Das kann doch überhaupt nur jemand nicht wissen ,der entweder vollkommen ahnungslos ist ,oder ,oder jemand der also bösartig ist !"

"If you get up and walk away, leave the past behind, go ahead and take a ride ,no telling what you find ! "
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#66

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 08.09.2015 22:56
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von bürger der ddr im Beitrag #56
@exgakl , ich kann das verstehen. Nur kann man diese Jugendlichen mit den "eingewiesenen" Jugendlichen zu DDR - Zeiten vergleichen? Gab es diesen Grad der Verrohung schon damals?



Ja, kann man. Ich würde hier nie die "Qualität" sondern allenfalls die "Quantität" relativieren. In meiner Zeit beim K-Dauerdienst habe ich auch zu DDR-Zeiten alles vorgesetzt bekommen. Außer harten Drogen wie Koks aber dafür gab es Kittifix oder den ganz schlichten Würger/Alk, auch Waffen "oberhalb" des Messers oder der Axt waren selten... Ansonsten alles bis hin zum Mord.
Ehe so jemand dann wirklich einen Jugendwerkhof von innen kennen lernte, hatte er oder sie oft schon ein mehrfaches Dutzend an Taten voll. Es gibt in jeder menschlichen Gesellschaft nichts, was es nicht gibt. Auch wenn so etwas im Sozialismus nicht zum sozialistischen Menschen passte. Dann war eben der Einfluss des Klassenfeindes daran schuld oder eine ähnliche Politbegründung musste herhalten. Das war der einzige Unterschied.
Nachtrag: Nur, man kann (und konnte...) eben nie alle über einen Kamm scheren. Die Extremfälle gab es, die gibt es, die anderen Menschen, die im Heim "nur" den Ersatz für so oder so verlorenes Elternhaus fanden eben auch.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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zuletzt bearbeitet 08.09.2015 23:02 | nach oben springen

#67

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 08.09.2015 23:00
von Fritze | 3.474 Beiträge

der Einfluss des Klassenfeindes daran schuld

Siehste ,da hatten die Genossen doch recht ,wenn sie das Westfernsehen am liebsten verboten hätten !

MfG Fritze


"Das kann doch überhaupt nur jemand nicht wissen ,der entweder vollkommen ahnungslos ist ,oder ,oder jemand der also bösartig ist !"

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#68

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 08.09.2015 23:06
von S51 | 3.733 Beiträge

Hm..., dann hätte es eine andere Begründung gebraucht. Es wäre schon was eingefallen, Agenten oder so...


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#69

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 08.09.2015 23:14
von Hanum83 | 4.716 Beiträge

Der damalige regionale Jugendwerkhof in Klaffenbach war genau so, vom Äußeren, wie man sich so ein Ding vorstellt, ein dunkles altes Gemäuer, selbstredend mit einer hohen Mauer ringsum.
Das war auch so DDR-Typisch, die Verwahranstalten mussten immer gräuslig dunkel sein, scheinbar aus alter Tradition.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
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zuletzt bearbeitet 08.09.2015 23:18 | nach oben springen

#70

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 08.09.2015 23:24
von S51 | 3.733 Beiträge

So im Nachhinein denke ich eher aus mangelnden Geldmitteln. Ich kenne ja aus jener Zeit die UHA in Berlin-Rummelsburg genauso wie "Fort Zinna", die StVE Torgau und eben auch den ehemaligen geschlossenen Jugendwerkhof Torgau aus meiner Praktikantenzeit 1985/86. Als wir jede Nacht ein- zweimal den Pförtner dort mit unserem Funkwagen kontrollierten. In einem gewissen Maße hatte man eher den Eindruck von "ewig lange nichts gemacht..." und abgenutzt.


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#71

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 08.09.2015 23:26
von bürger der ddr | 3.597 Beiträge

Das Thema zu behandeln ist schwer. Man müßte wirklich sicher wissen wie viele Jugendliche aus kriminellen Gründen, aus familären Gründen und auch aus gesellschaftlichen gründen im Jugendwerkhof bzw. Heim waren. Es wird immer eine Grauzone geben, wenn einer aus pol. Gründen eine Jugendstraftat verübt, was zählt der pol. Grund oder die Straftat (z.B. Brandstiftung einer Scheune). Heute bekommt auch dieses Thema eine pol. Prägung.

Ganz ketzerisch gesagt, wer in der DDR eine Scheune angezündet hat (weil er gegen die Politik des Staates war), der wird heute als pol. Häftling gesehen, das könnten ja die Brandstifter der Asylheime heute für sich auch in Anspruch nehmen.....

Aber egal, eine Erziehung ohne Autorität gibt es nicht. leider wird das immer wieder vergessen.

Damit will ich das Thema Unrecht in den Heimen nicht klein reden und eine Lösung für solche Probleme weiß ich nicht.



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#72

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 08.09.2015 23:40
von Hanum83 | 4.716 Beiträge

Als mein Jugendfreund mit 16, nach einem Jahr Werkhof wegen diverser Diebstähle, wiederkam, hatte er da was neues gelernt, man kann auch ordentlich hauen.
Mit 18 ging er dann wegen dem Scheiß in den richtigen Knast.
Als er von da wiederkam hatten alle vor dem richtig Angst, war der typische Schläger der nicht überlegt sondern gleich zulangt.
War dann mehr drinnen wie draußen, nach der Wende konnte er dann irgendwie etwas ungebremster seinem Hobby fröhnen, es war einfach gesund ihm aus dem Weg zu gehen.
Erziehung, naja.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
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#73

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 09.09.2015 01:08
von StabsfeldKoenig | 2.638 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #69
Der damalige regionale Jugendwerkhof in Klaffenbach war genau so, vom Äußeren, wie man sich so ein Ding vorstellt, ein dunkles altes Gemäuer, selbstredend mit einer hohen Mauer ringsum.
Das war auch so DDR-Typisch, die Verwahranstalten mussten immer gräuslig dunkel sein, scheinbar aus alter Tradition.


Es gab auch Neubauten, z.B. das Frauengefängnis Berlin-Grünau (heute Abschiebeknast), ein Plattenbau, der vermutlich konstruktiv aus den Kasernen-Neubauten abgeleitet wurde.



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#74

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 09.09.2015 01:17
von Hanum83 | 4.716 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #73
Zitat von Hanum83 im Beitrag #69
Der damalige regionale Jugendwerkhof in Klaffenbach war genau so, vom Äußeren, wie man sich so ein Ding vorstellt, ein dunkles altes Gemäuer, selbstredend mit einer hohen Mauer ringsum.
Das war auch so DDR-Typisch, die Verwahranstalten mussten immer gräuslig dunkel sein, scheinbar aus alter Tradition.


Es gab auch Neubauten, z.B. das Frauengefängnis Berlin-Grünau (heute Abschiebeknast), ein Plattenbau, der vermutlich konstruktiv aus den Kasernen-Neubauten abgeleitet wurde.


Chemnitz Reichenhein war auch Platte, Kassberg war wieder dunkel, müsste man eventuell mal prozentual aufarbeiten.
Stollberg Hoheneck, hab 10 Jahre drunter gewohnt, war mega-dunkel, wer hat noch paar Beispiele für was helles?
Eventuell schätzen wir ja wirklich die DDR knastarchitektonisch zu schlecht ein.


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zuletzt bearbeitet 09.09.2015 01:23 | nach oben springen

#75

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 09.09.2015 01:43
von StabsfeldKoenig | 2.638 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #74
Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #73
Zitat von Hanum83 im Beitrag #69
Der damalige regionale Jugendwerkhof in Klaffenbach war genau so, vom Äußeren, wie man sich so ein Ding vorstellt, ein dunkles altes Gemäuer, selbstredend mit einer hohen Mauer ringsum.
Das war auch so DDR-Typisch, die Verwahranstalten mussten immer gräuslig dunkel sein, scheinbar aus alter Tradition.


Es gab auch Neubauten, z.B. das Frauengefängnis Berlin-Grünau (heute Abschiebeknast), ein Plattenbau, der vermutlich konstruktiv aus den Kasernen-Neubauten abgeleitet wurde.


Chemnitz Reichenhein war auch Platte, Kassberg war wieder dunkel, müsste man eventuell mal prozentual aufarbeiten.
Stollberg Hoheneck, hab 10 Jahre drunter gewohnt, war mega-dunkel, wer hat noch paar Beispiele für was helles?
Eventuell schätzen wir ja wirklich die DDR knastarchitektonisch zu schlecht ein.


Und auch im Westen gab es alte Kaiserzeit-Knäste, so z.B. die erst kürzlich geschlossenen ältesten Gebäude in Berlin-Tegel.



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#76

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 09.09.2015 01:46
von Hanum83 | 4.716 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #75
Zitat von Hanum83 im Beitrag #74
Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #73
Zitat von Hanum83 im Beitrag #69
Der damalige regionale Jugendwerkhof in Klaffenbach war genau so, vom Äußeren, wie man sich so ein Ding vorstellt, ein dunkles altes Gemäuer, selbstredend mit einer hohen Mauer ringsum.
Das war auch so DDR-Typisch, die Verwahranstalten mussten immer gräuslig dunkel sein, scheinbar aus alter Tradition.


Es gab auch Neubauten, z.B. das Frauengefängnis Berlin-Grünau (heute Abschiebeknast), ein Plattenbau, der vermutlich konstruktiv aus den Kasernen-Neubauten abgeleitet wurde.


Chemnitz Reichenhein war auch Platte, Kassberg war wieder dunkel, müsste man eventuell mal prozentual aufarbeiten.
Stollberg Hoheneck, hab 10 Jahre drunter gewohnt, war mega-dunkel, wer hat noch paar Beispiele für was helles?
Eventuell schätzen wir ja wirklich die DDR knastarchitektonisch zu schlecht ein.


Und auch im Westen gab es alte Kaiserzeit-Knäste, so z.B. die erst kürzlich geschlossenen ältesten Gebäude in Berlin-Tegel.


Jau Stabsfeld, auch der Westen hatte dunkle Knäste, hast schon recht, die DDR war schön.


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#77

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 09.09.2015 10:31
von turtle | 6.961 Beiträge

Unter anderen war die Gefahr der sozialen Verwahrlosung ein Grund für die Einlieferung in einen Jugendwerkhof. Neben diesen Jugendwerkhöfen gab es noch Spezialheime für Schwererziehbare. Der Begriff soziale Verwahrlosung war dehnbar. Eine überforderte Mutter die selber Hilfe braucht ist da schon eine Ursache. Das Kind sich weitgehend selber überlassen ohne große Hilfe aus dem Elternhaus wird zwangsläufig auffallen. Dazu gehören schon mal kleine Diebstähle, oft aus der Not heraus. Zuhause herrscht Chaos, der Freund der Mutter belästigt es sexuell. Nach Hause gehen will es nicht. Mit 14-15 Jahren findet man leicht Plätze wo andere aus ähnlichen Verhältnissen sich aufhalten. Einen Unterschlupf für 1-2 Nächte findet man immer. Es kommt zu sexuellen Kontakten. Aufgreifen durch die VP. Und automatischer Untersuchung durch die Gesundheitsbehörde. Die stellen fest GV hat bereits stattgefunden. Das der Freund der Mutter das Mädchen vergewaltigt hat, wird nicht geglaubt und als Rache angesehen. Also wird Verwahrlosung festgestellt. Das Elternhaus zählt auch nicht gerade als Linientreu eher als „Assi“ Familie. Einweisung in einen Jugendwerkhof ist die Folge. In diesem Jugendwerkhof wird mehr versucht den Willen zu brechen als vernünftige Hilfe zukommen zu lassen. Das ist ein Beispiel. Ich kenne die Person persönlich von deren Geschichte ich hier erzähle. Diese Person hat es auch später nie geschafft ein vernünftiges ordentliches Leben aufzubauen. Nach der Wende sah ich sie unter Obdachlosen beim Leipziger Hauptbahnhof. Solche oder ähnliche Geschichten wird es viele geben. Wichtig ist für mich in erster Linie die Erziehung und Umgang im Elterhaus. Hat das bereits versagt, ist ein Abgleiten von der allgemeinen Norm wahrscheinlicher. Dazu falscher Umgang und Freunde. Es gibt aber bestimmt mehr positive Beispiele wo ein so genanntes Heimkind, oder aus einem Werkhof ein vollwertiges Mitglied in unserer Gesellschaft wurde.
Pädagogen, Erzieher oder Lehrer, es gibt die Schlechten, die Mittelmäßigen, und auch die Guten. Schlecht war damals wenn das Parteibuch über einiges hinweg sehen ließ.
Ein Genosse war nicht automatisch der bessere Mensch, in Ihm konnten wie in jedem Menschen gewisse Veranlagungen vorhanden sein. Es gibt einige Portale über Jugendwerkhöfe, Teilweise ist da erschütterndes zu lesen. Erschütterndes gab es im Ost Heimen genauso wie in Westheimen. Der Mensch in all seinen Facetten, nichts ist undenkbar, schon gar nicht menschliche Abgründe. Übrigens hatte ich schon einmal woanders geschrieben, dass ich zusammen mit meinen Geschwistern im Heim war. Ohne groß auszuholen der Staat kam in unserem Fall seiner Obhutpflicht nach. Also nichts Politisches.
Mein Bruder kam später nach Höngeda (Jugendwerkhof) Darauf gehe ich auch auf Nachfragen nicht näher ein. Sollte nur verdeutlichen das ich mit dem Thema Heim oder Werkhof nicht ganz unwissend bin.


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#78

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 09.09.2015 21:54
von SET800 | 3.104 Beiträge

Hallo,
ganz pragmatisch gefragt, wo in welchem politishcem System klappte denn öffentliche nichtelterliche Erziehung besser oder gar in der großen Mehrzahl wirklichh zufriedenstellend und gut für die Kinder und mit gutem gesellschaflich relevanten Erfolg?

Wenn ich Berichte lese über Prister und Knapen, der weltlcihen Odenwalschule, bei Internatschören, auch teuren Privatnternaten mit großen Psychopäckchen der Zöglinge im Alter von 18 - 19....

Waren daran gemessen Jugendwerkhöfe die brutalen Negativbeispiel?

Oder welche Konsequenz? Eltern"recht" weniger ernst nehmen? Gefährdete Kinder sehr viel jünger zur Adoption vermittlen?


Beruflich bedingte Internatsphasen bei intaktem Elternhaus sind eine andere Sache, da gab es wohl wenig Probleme, z.B. Schifferkinderheime.



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#79

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 11.09.2015 12:03
von S51 | 3.733 Beiträge

Ich würde die Jugendwerkhöfe eher als die andere Seite exakt der selben Medaille sehen. Mit da wie dort positiven und negativen Beispielen. Das allein seeligmachende Rezept waren sie auch nicht. Haben wie auf der anderen Seite mal geholfen und oft eben nicht. Da wie dort war in den schlimmen Fällen die Rückfallquote wohl nahe 50 %. Was bei uns das "sozialistische Menschenbild", das war auf der anderen Seite in aller Regel eine "christliche Erziehung" oder die muslimische Variante davon. Die in aller Regel aber bei diesen Menschen da wie dort versagt hat. In vielen Fällen gaben sie da wie dort Hilfe, in den Extremfällen haben sie da wie dort versagt. Und versagen sie bis heute. Die Grundprinzipien beruhten auf den Waisenanstalten des 18. und 19. Jahrhunderts und somit eigentlich waren die Grundlagen exakt gleich.
Allerdings gibt es auch heutzutage kein Patentrezept. Der Mensch ist nicht gleich und das Böse gibt es eben doch. Da wie dort, damals wie heute. Jene Menschen, die abgleiten auch.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#80

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 11.09.2015 12:32
von Klauspeter | 987 Beiträge

Zitat von S51 im Beitrag #79

...
Allerdings gibt es auch heutzutage kein Patentrezept. Der Mensch ist nicht gleich und das Böse gibt es eben doch. Da wie dort, damals wie heute. Jene Menschen, die abgleiten auch.

Deinem Beitrag kann ich nur zustimmen - und auch Deiner Feststellung, dass es kein Patentrezept gibt.
Alles geht mit der Erziehung in der Familie los.Sicher wirken da auch noch andere Erziehungsfaktoren, aber wenn es in der Familie stimmt, ist schon viel gewonnen.
Klauas


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