#21

RE: KEIN Schuß - KEINE Strafe

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 14:33
von rotrang (gelöscht)
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Zitat von eisenringtheo im Beitrag #20
1984 war der zweite Milliardenkredit. Vielleicht war das ja auch ein Zugeständnis der DDR an die BRD???
Der ehemalige GI Johnny Workman aus Kalifornien kann diese Bilder nicht vergessen und macht sich über 40 Jahre später auf, die Soldaten aus der Zeit des Kalten Krieges wieder zu treffen. Er recherchiert im Schweriner Stasi-Unterlagen-Archiv und findet Hinweise auf eine "Fahnenflucht in besonders schwerem Fall". Er liest in den Akten über einen dritten Grenzsoldaten, der 1970 auf der Ostseite verhaftet worden war und wegen Beihilfe zur Fahnenflucht im Schweriner Stasi-Gefängnis und später im berüchtigten NVA-Militärgefängnis Schwedt einsaß.
Als Johnny den in der DDR inhaftierten Soldaten im mecklenburgischen Burg Stargard aufspürt, verblasst die für ihn spektakuläre Episode aus seiner Wehrdienstzeit. Zu bitter sind die Berichte des Mannes. Der Soldat ist verurteilt worden, weil er nicht auf seine Kameraden schießen wollte. Und er nimmt den Amerikaner mit auf eine Zeitreise, zeigt ihm die Verhörzimmer und Gefängniszellen in Schwerin. Johnny Workman setzt alles daran, auch die 1970 geflüchteten Grenzsoldaten im Westen zu treffen. Ein Jahr benötigt er für seine Recherche, bis es dann am Ufer der Elbe zum Wiedersehen kommt..

Hervorherhebung durch mich
http://www.phoenix.de/johnny_und_die_gre...aten/812317.htm
Theo

Theo der beschriebene Berg ist der Höhbeck, hier standen noch Jahre später die 2 Sendemasten, die Bude mit dem ewigen Licht kannte ich selber noch , da ich dort diente. Die Grenzer waren aus der damaligen 7.GK Wootz wen ich mich noch so richtig erinnere. Der linke Mast links unten war die Bude


eisenringtheo hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 25.11.2014 14:36 | nach oben springen

#22

RE: KEIN Schuß - KEINE Strafe

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 14:47
von damals wars | 12.206 Beiträge

Die Schusswaffe war das letzte Mittel der Gewaltanwendung.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#23

RE: KEIN Schuß - KEINE Strafe

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 15:03
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von damals wars im Beitrag #22
Die Schusswaffe war das letzte Mittel der Gewaltanwendung.


ja klar und danach die Nukes?!


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#24

RE: KEIN Schuß - KEINE Strafe

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 16:09
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von damals wars im Beitrag #22
Die Schusswaffe war das letzte Mittel der Gewaltanwendung.


Na wenn das alles ist was dir dazu einfällt, dahinter bin ich früher auch schon gekommen, musste mir nicht mal einer extra noch erzählen.
Relativieren tut der Spruch ja nun mal gar nix, wenn sie das erste Mittel gewesen wäre hätten wir ja gleich "na dann mal gute Nacht" sagen können.


zuletzt bearbeitet 25.11.2014 16:19 | nach oben springen

#25

RE: KEIN Schuß - KEINE Strafe

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 18:04
von 80er | 572 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #18
Ich hab früher mit meinen eigenen Ohren einen Befehl gehört "Grenzverletzter sind aufzuspüren, festzunehmen und notfalls zu vernichten", das Wort "kann/können" kam da eigentlich nicht vor.
Eventuell hab ich mich aber auch getäuscht, ist ja mittlerweile 30 Jahre her.


Nein, da hast du dich bestimmt nicht getäuscht. Diesen Bestandteil des Vergatterungstextes vergisst man(n) nicht!


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#26

RE: KEIN Schuß - KEINE Strafe

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 18:31
von utkieker | 2.927 Beiträge

Zitat von Elch78 im Beitrag #16
Zitat Utkieker: "Die Schusswaffe konnte angewendet werden, wenn jemand sich durch Flucht oder Widerstand der Festnahme entziehen wollte."

Ja, KONNTE ... Hast Du das so verstanden? Es mag ja im Text so gestanden haben, aber wie wurde es kommuniziert?
Deinem Bild entnehme ich, daß Du Uffz.warst und also auch Vorgesetzter für Soldaten.
Hast Du das denen gegenüber auch so verbalisiert? Und was haben dann Deine Vorgesetzten dazu gesagt, daß Du den Befehl als "Kann"-Bestimmung formulierst?

Elch



Tja @Elch78,

Was die Schusswaffengebrauchsbestimmung anbelangt, habe ich es tatsächlich so verstanden, auch wenn in der Vergatterung zum Grenzdienst das Wort "Vernichten" vorkam. Das Thema wurde innerhalb der Kaserne bei Kaffee, Kuchen und Radiomusik äußerst kontrovers diskutiert, wobei es darum ging schieße ich gleich scharf oder gebe ich vorher einen Warnschuss ab.
Ich kann nicht mit Bestimmtheit sagen wie ich im Ernstfall reagiert hätte, ob ich die Nerven verloren hätte oder zu keiner Aktion fähig - vermutlich hätte ich geschossen. Eines war auf jeden Fall sicher der Korpsgeist von Staats wegen. Hätte ich einen tödlichen Schuss abgegeben ich wäre auch dann nicht verurteilt worden, wenn es dazu Alternativen gegeben hätte aber im Versagensfall mit Strafe rechnen musste.
Es gab bei uns einen Vorfall, der GAK Stfw. K. wurde von zwei fahnenflüchtigen Pionierkräften als Geisel genommen. Der sonst sehr lebenslustige K. hatte wohl tausend Ängste aus zustehen insbesondere wie reagiert der Posten auf dem Kolonnenweg gegenüber den Fahnenflüchtigen im Vorgelagerten, man konnte nicht schießen ohne das Leben des GAK zu gefährden.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#27

RE: KEIN Schuß - KEINE Strafe

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 19:39
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Da ich in einem anderen Thread schonmal die Klärung von Begriffen eingefordert habe, fange ich vor irgendwelcher Polemik erst einmal mit einem Begriff an, zu dem landläufig viel Unklarheit gibt: Der Befehl. Meine nachfolgenden Äußerungen beziehen sich einzig und allein auf den grundlegenden militärischen Begriff und nicht auf den Begriff des Schießbefehls, der eine eigenständige Begriffsdefinition hat!

Ich mache das an einem Beispiel:

Gegeben ist eine Kompanie mit einem eigenen Objekt. Ein Soldat des 1. Zuges steht auf der Treppe. Der Zugführer des 2. Zuges kommt dazu und sagt zu dem Soldaten: "Machen Sie unverzüglich die Treppe sauber!"
Ist das ein Befehl? Nein! Es ist zwar eine kurze und unmissverständliche Aufforderung zu einem bestimmten Verhalten, aber zunächst ist diese Aufforderung für den Unterstellten nicht als Befehl erkennbar. Wenn er nicht macht, was der Zugführer sagt, ist es keine Befehlsverweigerung oder Nichtausführung eines Befehls, was beides disziplinare Konsequenzen haben müsste.

Gleiche Ausgangssituation, nur sagt jetzt der Zugführer: "Ich befehle Ihnen, die Treppe unverzüglich sauberzumachen!"
Ist das ein Befehl? Nein! Zwar wäre die Aufforderung zu einem bestimmten Verhalten jetzt unmissverständlich als Befehl erkennbar, aber im normalen Dienstbetrieb ist der Zugführer des 2. Zuges nicht der direkte Vorgesetzte der Soldaten des 1. Zuges und hat somit auch nicht die disziplinare Befugnis, die Verweigerung oder Nichtausführung des Befehls zu ahnden. Eine Ausnahme würde hier die Stellvertretung darstellen, wenn also der Zugführer des 2. Zuges den 1. Zug mit führen würde, oder wenn er als Stellvertreter des Kompaniechefs diesen vertreten würde. Das lassen wir mal beiseite. Insofern ist die Handlungsanweisung lediglich eine Weisung, oder auch ein Nichtbefehl. Wenn der Soldat sagt: "Mach ich nicht", handelt er sich zwar Ärger ein, aber er begeht keine Befehlsverweigerung.

Fassen wir also die Kriterien eines Befehls noch einmal zusammen:
Ein Befehl:
- ist eine möglichst kurze und unmissverständliche Aufforderung zu einem bestimmten Verhalten
- setzt ein direktes Vorgesetzten-Unterstellten-Verhältnis voraus (die jeweiligen direkten Vorgesetzten in der Hierarchie schließt das ein) - eine Ausnahme bildet hier die Stellvertretung
- enthält die Worte "Ich befehle", da der Befehl direkt erteilt wird, was durch diese Worte auch dann gilt, wenn er durch eine andere Person übermittelt wird - die Worte entfallen bei Kommandos, die eine Kurzform des Befehls darstellen und durch Vorschriften o.ä. klar bestimmt sein müssen
- ist auf seine Ausführung zu kontrollieren, was auch durch die Meldung des Vollzugs erreicht werden kann
- hat bei Verweigerung oder Nichtausführung disziplinare Konsequenzen.

Das und nur das charakterisiert einen Befehl. Fehlt eines der Kriterien, ist es im Militärwesen kein Befehl. Interessanterweise ist diese klare Begriffsbestimmung auch vielen Vorgesetzten nicht klar. Soviel erst mal dazu, muss leider noch arbeiten ...

Ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#28

RE: KEIN Schuß - KEINE Strafe

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 19:57
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Rainman2 im Beitrag #27
Da ich in einem anderen Thread schonmal die Klärung von Begriffen eingefordert habe, fange ich vor irgendwelcher Polemik erst einmal mit einem Begriff an, zu dem landläufig viel Unklarheit gibt: Der Befehl. Meine nachfolgenden Äußerungen beziehen sich einzig und allein auf den grundlegenden militärischen Begriff und nicht auf den Begriff des Schießbefehls, der eine eigenständige Begriffsdefinition hat!

Ich mache das an einem Beispiel:

Gegeben ist eine Kompanie mit einem eigenen Objekt. Ein Soldat des 1. Zuges steht auf der Treppe. Der Zugführer des 2. Zuges kommt dazu und sagt zu dem Soldaten: "Machen Sie unverzüglich die Treppe sauber!"
Ist das ein Befehl? Nein! Es ist zwar eine kurze und unmissverständliche Aufforderung zu einem bestimmten Verhalten, aber zunächst ist diese Aufforderung für den Unterstellten nicht als Befehl erkennbar. Wenn er nicht macht, was der Zugführer sagt, ist es keine Befehlsverweigerung oder Nichtausführung eines Befehls, was beides disziplinare Konsequenzen haben müsste.

Gleiche Ausgangssituation, nur sagt jetzt der Zugführer: "Ich befehle Ihnen, die Treppe unverzüglich sauberzumachen!"
Ist das ein Befehl? Nein! Zwar wäre die Aufforderung zu einem bestimmten Verhalten jetzt unmissverständlich als Befehl erkennbar, aber im normalen Dienstbetrieb ist der Zugführer des 2. Zuges nicht der direkte Vorgesetzte der Soldaten des 1. Zuges und hat somit auch nicht die disziplinare Befugnis, die Verweigerung oder Nichtausführung des Befehls zu ahnden. Eine Ausnahme würde hier die Stellvertretung darstellen, wenn also der Zugführer des 2. Zuges den 1. Zug mit führen würde, oder wenn er als Stellvertreter des Kompaniechefs diesen vertreten würde. Das lassen wir mal beiseite. Insofern ist die Handlungsanweisung lediglich eine Weisung, oder auch ein Nichtbefehl. Wenn der Soldat sagt: "Mach ich nicht", handelt er sich zwar Ärger ein, aber er begeht keine Befehlsverweigerung.

Fassen wir also die Kriterien eines Befehls noch einmal zusammen:
Ein Befehl:
- ist eine möglichst kurze und unmissverständliche Aufforderung zu einem bestimmten Verhalten
- setzt ein direktes Vorgesetzten-Unterstellten-Verhältnis voraus (die jeweiligen direkten Vorgesetzten in der Hierarchie schließt das ein) - eine Ausnahme bildet hier die Stellvertretung
- enthält die Worte "Ich befehle", da der Befehl direkt erteilt wird, was durch diese Worte auch dann gilt, wenn er durch eine andere Person übermittelt wird - die Worte entfallen bei Kommandos, die eine Kurzform des Befehls darstellen und durch Vorschriften o.ä. klar bestimmt sein müssen
- ist auf seine Ausführung zu kontrollieren, was auch durch die Meldung des Vollzugs erreicht werden kann
- hat bei Verweigerung oder Nichtausführung disziplinare Konsequenzen.

Das und nur das charakterisiert einen Befehl. Fehlt eines der Kriterien, ist es im Militärwesen kein Befehl. Interessanterweise ist diese klare Begriffsbestimmung auch vielen Vorgesetzten nicht klar. Soviel erst mal dazu, muss leider noch arbeiten ...

Ciao Rainman


Ich hab jetzt ehrlich gesagt rein gar nichts verstanden, ein Befehl kann ein Befehl sein und doch kein Befehl, ok, ich war nur einfacher Soldat.
Wenn ein Pickler oder gar eine Raupe, sorry, du nimmst mir das hoffentlich nicht übel, eventuell sogar brüllend seine "Wünsche" kundgetan hat, dann ist der Soldat wohl meistens davon ausgegangen das dies praktisch ein Befehl ist.
Über die Theorie bei der Sache habe ich mir selber damals nicht so richtig Gedanken gemacht, praktisch bin ich zur Ausführung geschritten
Apropos, wenn das "Ausführung!" nach dem Wunsch gebrüllt wurde war es aber schon ein Befehl?


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zuletzt bearbeitet 25.11.2014 20:06 | nach oben springen

#29

RE: KEIN Schuß - KEINE Strafe

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 20:13
von utkieker | 2.927 Beiträge

So weit so gut @Rainman2, aber was, wenn der Befehl in Teilen oder Gänze "sittenwidrig" gar gegen die geltenden Strafgesetze verstößt, bin ich dann nicht so gar verpflichtet, den Befehl zu missachten (Stichwort Schusswaffengebrauchsbestimmung)? Als Postenführer war ich ja das letzte Glied in der Befehlshierarchie, was tun, wenn der Ernstfall eintritt schießen/ nicht schießen leben/ sterben, was tun, wenn mein Posten ohne Befehl handelt soll ich ihn dann züchtigen?

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#30

RE: KEIN Schuß - KEINE Strafe

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 20:21
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #28
[quote=Rainman2|p415649]
Apropos, wenn das "Ausführung!" nach dem Wunsch gebrüllt wurde war es aber schon ein Befehl?



Unser Spieß auf der Schleiferhütte kannte nur diesen einen Satz " Ausführung, zack-zack ", und das in gebrüllter Form !
Ich stelle mir nun grad so vor, was passiert wäre , wenn der kleine Jürgen, statt wie ein aufgescheuchtes Huhn loszurennen,- grübelnd stehen geblieben wäre und dem Stabsfeld Hilp...t ein Diskussion über echte und unechte Befehle angedreht hätte....

Ach ,- neee - ich mags mir lieber nicht vorstellen ,- vermutlich hätte ich den ganzen Tag die Schotterhalden hoch-und runter gemusst...


....................................
Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#31

RE: KEIN Schuß - KEINE Strafe

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 20:23
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Was im Falle eines "Nicht-Schiessens" dem Grenzsoldaten wirklich passiert wäre, hängt sicher von vielen Umständen ab.
@Elch78 hat es in #9 eigentlich recht treffend beschrieben:
Die DDR war in so einem Falle eben kein "Rechtsstaat" im Sinne eines bürgelichen Rechtssystems, wie wir es heute kennen. "Die Partei, die Partei, die hat immer recht" - diesem Grundsatz hatte sich das Individium unterzuordnen.
Ich habe damals oft gegrübelt, was ich wohl machen würde, wenn ich
- nicht in Notwehr gegen einen Bewaffneten
sondern
- lediglich zu Fluchtverhinderung
in eine solche Konfliktsituation komme...
Mein Vorsatz war:
1. Anrufen, Warnschuss
2. Hinterherrennen, möglichst den Weg abschneiden
3. darauf vertrauen, dass der 3 Meter hohe Streckmetallzaun an der vorderen Grenzlinie sowieso ein Hindernis ist, über das der Flüchtling nicht so schnell kommt - zumindest nicht mit Verfolgern im Nacken
4. vielleicht meine Munition während des Laufens weiter zu verschiessen und den Flüchtling nicht zu treffen (denn eine ruhige Hand habe ich ja nachweislich nicht, ich bin kein trainierter Biathlet)
5. Vielleicht wird auf diese Weise auch meine Munition alle und ich merke es nicht - dann habe ich meinen persönlichen Konflikt auch entschärft...... diese Überlegung hätte ich aber niemanden mitgeteilt
Hätte ich damals von irgendeinem Vorgesetzten gesagt bekommen, dass "Nicht-Schiessen" auf offensichtlich Unbewaffnete keine Strafe nach sich zieht, hätte ich vieles entspannter sehen können. Aber: die rechtliche Unsicherheit bezüglich irgendwelcher Konsequenzen unseres Handeln im Fall der Fälle war doch für Vorgesetzten ein bequemes Hilfsmittel, uns Wehrpflichtige zu "disziplinieren" - was ich ja aus deren Sicht verstehen kann.
Ausreichend ausgebildet für diese Aufgabe waren wir jedenfalls nicht....Weder handwerklich (Schiesspraxis) noch rechtlich.

Wenn mir einer weismachen will, dass er auf 100 oder 200 m Entfernung nach erfolglosem Verfolgungslauf mit der Kalaschnikov einen Fliehenden so trifft, dass dieser lediglich fluchtunfähig ist (zB Schuss ins Bein) und nicht tödlich oder lebensgefährlich getroffen wird -
so ist derjenige entweder
- ein Meisterschütze und Vollprofi (mag es ja geben....)
oder
- ein aufschneiderischer Besserwisser, der vielleicht keine oder kaum Schiesspraxis hat..


Gruss Hartmut


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zuletzt bearbeitet 25.11.2014 20:37 | nach oben springen

#32

RE: KEIN Schuß - KEINE Strafe

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 20:29
von utkieker | 2.927 Beiträge

"Rechtlich" war man auf der sicheren Seite, wenn man schoss und möglichst auch traf!

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#33

RE: KEIN Schuß - KEINE Strafe

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 20:34
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von utkieker im Beitrag #29
So weit so gut @Rainman2, aber was, wenn der Befehl in Teilen oder Gänze "sittenwidrig" gar gegen die geltenden Strafgesetze verstößt, bin ich dann nicht so gar verpflichtet, den Befehl zu missachten (Stichwort Schusswaffengebrauchsbestimmung)? Als Postenführer war ich ja das letzte Glied in der Befehlshierarchie, was tun, wenn der Ernstfall eintritt schießen/ nicht schießen leben/ sterben, was tun, wenn mein Posten ohne Befehl handelt soll ich ihn dann züchtigen?

Gruß Hartmut!


Auf die damalige Grenze bezogen gab es da ja eigentlich keine Probleme in Sachen Sittenwiedrigkeit, war doch alles mit Befehlen hinterlegt die rechtlich und menschlich wohl außerhalb jeden Zweifels standen, wir waren ja nun mal ein friedliebendes demokratisches Land was von fast allen anderen in der UNO voll anerkannt war.
Also ich konnte mir nicht vorstellen das da irgendwelche Befehle oder Durchführungen eventuell z.B. gegen Menschlichkeit hätten verstoßen können.


zuletzt bearbeitet 25.11.2014 20:38 | nach oben springen

#34

RE: KEIN Schuß - KEINE Strafe

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 20:40
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von utkieker im Beitrag #32
"Rechtlich" war man auf der sicheren Seite, wenn man schoss und möglichst auch traf!

Gruß Hartmut!


Tja, "war".
"Und wenn es einmal anders herum kommt ?"
Den Satz hast Du damals sicher auch mal ab und an gehört....

Gruss vom anderen Hartmut


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#35

RE: KEIN Schuß - KEINE Strafe

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 20:50
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #28
Apropos, wenn das "Ausführung!" nach dem Wunsch gebrüllt wurde war es aber schon ein Befehl?
Nö, denn da fehlte vorher ein Einheit/Zug/Gruppe/Posten/'Dienstgrad' Stillgestanden! und die einleitende Floskel Ich befehle, ...

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #18
Ich hab früher mit meinen eigenen Ohren einen Befehl gehört "Grenzverletzter sind aufzuspüren, festzunehmen und notfalls zu vernichten", das Wort "kann/können" kam da eigentlich nicht vor.
Das Wort notfalls aber auch nicht. Ersetzes mal mit 'oder' dann kommts eher hin. In den späteren 80zigern lautete der Text übrigens ...

Zug stillgestanden!
Ich befehle: Der Zug ist eingesetzt zum Grenzdienst in Grenzabschnitt der n.Kompanie, mit der Aufgabe die Unverletzlichkeit der Staatsgrenze im zugewiesenen Grenzabschnitt zu gewährleisten und den Grenzdienst auf der Grundlage der Rechtsvorschriften und militärischen Bestimmungen politisch verantwortungsbewußt, initiativreich, wachsam und entschlossen getreu dem Fahneneid durchzuführen!

DV 718/0/005, Seite [Fragezeichen] Keine Ahnung mehr, war wimre ein Anhang oder eine Anlage?

P.S. Vielleicht hat ja @254Spielregel noch eine?

Ergänzung, in den alten DVs aus dem 018er-Nummernkreis lautete der Text noch eher so wie GW es sinngemäß erwähnte und endete mit auch mit Vergatterung! Einige schon etwas länger dienende Vorgesetzte konnten sich da nur schwer umgewöhnen ...


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


GZB1 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 25.11.2014 20:58 | nach oben springen

#36

RE: KEIN Schuß - KEINE Strafe

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 20:55
von utkieker | 2.927 Beiträge

Zitat von Jobnomade im Beitrag #34
Tja, "war"."Und wenn es einmal anders herum kommt ?"Den Satz hast Du damals sicher auch mal ab und an gehört....Gruss vom anderen Hartmut

Ehrlich gesagt Hartmut, ich habe zwischen '78 bis '81 nicht ernsthaft darüber nachgedacht, daß es irgendwann mal anders kommt.....

hartmütliche Grüße


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
Jobnomade hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#37

RE: KEIN Schuß - KEINE Strafe

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 20:56
von rotrang (gelöscht)
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Zitat von 94 im Beitrag #35
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #28
Apropos, wenn das "Ausführung!" nach dem Wunsch gebrüllt wurde war es aber schon ein Befehl?
Nö, denn da fehlte vorher ein Einheit/Zug/Gruppe/Posten/'Dienstgrad' Stillgestanden! und die einleitende Floskel Ich befehle, ...

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #18
Ich hab früher mit meinen eigenen Ohren einen Befehl gehört "Grenzverletzter sind aufzuspüren, festzunehmen und notfalls zu vernichten", das Wort "kann/können" kam da eigentlich nicht vor.
Das Wort notfalls aber auch nicht. Ersetzes mal mit 'oder' dann kommts eher hin. In den späteren 80zigern lautete der Text übrigens ...

Zug stillgestanden!
Ich befehle: Der Zug ist eingesetzt zum Grenzdienst in Grenzabschnitt der n.Kompanie, mit der Aufgabe die Unverletzlichkeit der Staatsgrenze im zugewiesenen Grenzabschnitt zu gewährleisten und den Grenzdienst auf der Grundlage der Rechtsvorschriften und militärischen Bestimmungen politisch verantwortungsbewußt, initiativreich, wachsam und entschlossen getreu dem Fahneneid durchzuführen!

DV 718/0/008, Seite ... keine Ahnung mehr, war wimre ein Anhang oder eine Anlage?

P.S. Vielleicht hat ja @254Spielregel noch eine?

#@94 Das sind Böhmische Wälder für mich
auf der Grundlage der Rechtsvorschriften und militärischen Bestimmungen politisch verantwortungsbewußt, initiativreich, wachsam und entschlossen getreu dem Fahneneid durchzuführen!


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#38

RE: KEIN Schuß - KEINE Strafe

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 21:03
von 94 | 10.792 Beiträge

Ich erwähnte damals gern nach den Rechtsvorschriften wortwörtlich , insbesondere die §§26 und 27 GG, sozusagend als individuell nebensätzliche Note. Das Blöde war, die Vorschrift war GVS und nicht jeder K-GSi, gerade die Uffze, warn GVS-bestätigt. Damit glich der wiedergegebene Wortlaut mehr einer Wanderfabel als wie der DV.

P.S., das habsch nun vom Nacheditieren, die DV-Nummern dürften 018/0/008 ersetzt durch 718/0/005 gelautet haben. Gängig war die Bezeichnung 18/8, diese hielt sich auch noch als die 718er-Serie aktuell war. Bei Bedarf nach der genauen Nummer bitte selbstständig die SuFu nutzen, es IST in den Forumstiefen ...


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


GZB1 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 25.11.2014 21:09 | nach oben springen

#39

RE: KEIN Schuß - KEINE Strafe

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 21:03
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von utkieker im Beitrag #36
Zitat von Jobnomade im Beitrag #34
Tja, "war"."Und wenn es einmal anders herum kommt ?"Den Satz hast Du damals sicher auch mal ab und an gehört....Gruss vom anderen Hartmut

Ehrlich gesagt Hartmut, ich habe zwischen '78 bis '81 nicht ernsthaft darüber nachgedacht, daß es irgendwann mal anders kommt.....

hartmütliche Grüße


Ich ja damals auch nicht ernsthaft... aber dieser Satz, von der Generation der Eltern ab und an mal so hingeworfen, hat sich in mein Gedächtnis eingegraben - deshalb kann ich mich heute noch daran erinnern.
Und bei aller Erziehung zur "sozialistischen Persönlichkeit" damals - ausser in Notwehr bei tödlicher Bedrohung auf einen Menschen zu schiessen - wäre mir irgendwie schwergefallen...

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
utkieker hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 25.11.2014 21:04 | nach oben springen

#40

RE: KEIN Schuß - KEINE Strafe

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 21:05
von Mike59 | 7.979 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #35
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #28
Apropos, wenn das "Ausführung!" nach dem Wunsch gebrüllt wurde war es aber schon ein Befehl?
Nö, denn da fehlte vorher ein Einheit/Zug/Gruppe/Posten/'Dienstgrad' Stillgestanden! und die einleitende Floskel Ich befehle, ...

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #18
Ich hab früher mit meinen eigenen Ohren einen Befehl gehört "Grenzverletzter sind aufzuspüren, festzunehmen und notfalls zu vernichten", das Wort "kann/können" kam da eigentlich nicht vor.
Das Wort notfalls aber auch nicht. Ersetzes mal mit 'oder' dann kommts eher hin. In den späteren 80zigern lautete der Text übrigens ...

Zug stillgestanden!
Ich befehle: Der Zug ist eingesetzt zum Grenzdienst in Grenzabschnitt der n.Kompanie, mit der Aufgabe die Unverletzlichkeit der Staatsgrenze im zugewiesenen Grenzabschnitt zu gewährleisten und den Grenzdienst auf der Grundlage der Rechtsvorschriften und militärischen Bestimmungen politisch verantwortungsbewußt, initiativreich, wachsam und entschlossen getreu dem Fahneneid durchzuführen!

DV 718/0/005, Seite [Fragezeichen] Keine Ahnung mehr, war wimre ein Anhang oder eine Anlage?

P.S. Vielleicht hat ja @254Spielregel noch eine?

Ergänzung, in den alten DVs aus dem 018er-Nummernkreis lautete der Text noch eher so wie GW es sinngemäß erwähnte und endete mit auch mit Vergatterung! Einige schon etwas länger dienende Vorgesetzte konnten sich da nur schwer umgewöhnen ...

Anhang 13 auf Seite 229


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