#41

RE: Ausbildungsziel Tötungsmaschine

in Grenztruppen der DDR 18.11.2014 21:45
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Zitat von Jobnomade im Beitrag #19
Zitat von Pit 59 im Beitrag #16
Der Treadtitel erinnert mich stark an die Rambo Filme.


Mich auch. Deshalb hab ich eine Weile überlegt, ob ich überhaupt etwas dazu schreibe..
Ich hab nämlich langsam keine Lust mehr, mich immer und immer wieder mit den gleichen Vorurteilen auseinander zu setzen.
Wenn mich heute - ausserhalb dieses Forums - jemand fragt, ob ich als ehemaliger DDR-Bürger auch mal Soldat war, so antworte ich meist: "Ja, ganz normaler Wehrdienst, 18 Monate - das war Pflicht. Zivildienst gab es nicht". Und das entspricht ja der Wahrheit.
Kein Wort davon, dass ich wehrpflichtiger Grenzsoldat war.... ich hab meist keine Lust, das Ganze argumentativ aufzurollen.

Gruss Hartmut


Grün: Eben. Darum reagiere ich auch nicht auf B208s dumme Unterstellungen, ebenso wie ganz wenige andere allseits bekannte User. Meinetwegen können sie schreiben, was sie wollen. Egal welches Gegenargument man bringt, es wird vom Tisch gewischt oder gar nicht darauf eingegengen. Deshalb mache ich mir keine Rübe mehr, was ich antworten könnte. Sein Stöckchen kann er in den Kamin stecken.



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#42

RE: Ausbildungsziel Tötungsmaschine

in Grenztruppen der DDR 18.11.2014 21:59
von Rüganer (gelöscht)
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Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #39
Danke Rügianer für Deine Ausführungen.
Ich sehe es genauso und genauso war auch mein Spruch gemeint, bei Göring war das Ausbildungsziel erreicht.
Auch was Du über den Inhalt der Ausbildung sagtest, kann ich voll so unterschreiben, dass lief bei uns nicht viel anders.

Vielleicht wär das Wort Manipulationsziel treffender gewesen.
Wir hatten glaube so um die 90 Stunden Politunterricht, zumindest bei mir mit nur 3 Monaten Ausbildung.
Dieser diente vorallem die Soldaten zu Stählen, Stählen in der Sichtweise auf Freund und Feind und wie mit Feind im Ernstfall umzugehen ist.
Die Beipsiele von Rügianer mit den Grenzverletzern aus Ost, ja so kenne ich das auch, da wurde richtig psychisch gedrillt, man legte uns viele Orginalbilder von getöteten Grenzern vor, Bilder aus den Akten und man sagte, wenn ihr nicht wachsam seid und im Grenzfall zur Waffe greift, dann kann das euch ebenso passieren.
Immerhin, die Möglichkeit bestand durchaus, aber es wurde eben probagandistisch überhöht um uns auf Linie zu bringen.
Göring war auf Linie, ich denke die meisten waren das damals.

Wie man das heute vom Sofa aus sieht, mit Biebauch und schlechten Augen und der schwindenen Potenz, ist eine andere Geschichte.
Wichtig ist das man ehrlich bleibt und ich bin das, ich schrieb es schonmal irgendwo, ich hätte auch funktioniert.


Genau, Du hättest auch funktioniert und ich hätte im Extremfall funktioniert und wir beide wären dann nach der Wende vor Gericht gewesen und hätten unseren Kopf hingehalten. So aber können wir von Glück sagen, bei uns kam keiner.
Da können noch so tolle Argumente vorgebracht werden, tausende politische Begründungen, fadenscheinige Behauptungen und Rechtfertigungen - wir hätten funktioniert und einen Toten auf dem Gewissen und müssten damit fertig werden. Dass wir nur Glück gehabt haben - unser Verdienst?
Vielleicht muss sich mancher noch selber klar werden, dass auch er bei aller Romantik und trotzt seiner politischen Überzeugung auch nur Glück hatte und deswegen hier und heute einen großen Rand haben kann. Verdrängung dieser Tatsache mag da ja ein sanftes Ruhekissen sein.


Hapedi und B208 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#43

RE: Ausbildungsziel Tötungsmaschine

in Grenztruppen der DDR 18.11.2014 22:02
von FRITZE (gelöscht)
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Ich brachte auch nicht schiessen ,musste trotzdem vor Gericht ! Aber diese Veranstaltung war eben so nutzlos für alle Parteien wie das Hornberger
Schiessen !


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#44

RE: Ausbildungsziel Tötungsmaschine

in Grenztruppen der DDR 18.11.2014 22:30
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Zitat von Rüganer im Beitrag #42
Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #39
Danke Rügianer für Deine Ausführungen.
Ich sehe es genauso und genauso war auch mein Spruch gemeint, bei Göring war das Ausbildungsziel erreicht.
Auch was Du über den Inhalt der Ausbildung sagtest, kann ich voll so unterschreiben, dass lief bei uns nicht viel anders.

Vielleicht wär das Wort Manipulationsziel treffender gewesen.
Wir hatten glaube so um die 90 Stunden Politunterricht, zumindest bei mir mit nur 3 Monaten Ausbildung.
Dieser diente vorallem die Soldaten zu Stählen, Stählen in der Sichtweise auf Freund und Feind und wie mit Feind im Ernstfall umzugehen ist.
Die Beipsiele von Rügianer mit den Grenzverletzern aus Ost, ja so kenne ich das auch, da wurde richtig psychisch gedrillt, man legte uns viele Orginalbilder von getöteten Grenzern vor, Bilder aus den Akten und man sagte, wenn ihr nicht wachsam seid und im Grenzfall zur Waffe greift, dann kann das euch ebenso passieren.
Immerhin, die Möglichkeit bestand durchaus, aber es wurde eben probagandistisch überhöht um uns auf Linie zu bringen.
Göring war auf Linie, ich denke die meisten waren das damals.

Wie man das heute vom Sofa aus sieht, mit Biebauch und schlechten Augen und der schwindenen Potenz, ist eine andere Geschichte.
Wichtig ist das man ehrlich bleibt und ich bin das, ich schrieb es schonmal irgendwo, ich hätte auch funktioniert.


Genau, Du hättest auch funktioniert und ich hätte im Extremfall funktioniert und wir beide wären dann nach der Wende vor Gericht gewesen und hätten unseren Kopf hingehalten. So aber können wir von Glück sagen, bei uns kam keiner.
Da können noch so tolle Argumente vorgebracht werden, tausende politische Begründungen, fadenscheinige Behauptungen und Rechtfertigungen - wir hätten funktioniert und einen Toten auf dem Gewissen und müssten damit fertig werden. Dass wir nur Glück gehabt haben - unser Verdienst?
Vielleicht muss sich mancher noch selber klar werden, dass auch er bei aller Romantik und trotzt seiner politischen Überzeugung auch nur Glück hatte und deswegen hier und heute einen großen Rand haben kann. Verdrängung dieser Tatsache mag da ja ein sanftes Ruhekissen sein.



Lila:: Sehe ich ebenso. Als wir entlassen wurden, waren wir uns ausnahmslos einig, froh zu sein, daß niemand in die Situation des gezielt schießen zu müssen und andererseits selbst mit heiler Haut davongekommen zu sein. Ein Rambo war keiner, ausgenommen die schon mal genannten 0,...%, die man in allen bewaffneten Organen der Welt findet. Wenn es sich bei dem getöteten GV nicht um einen Schwerkriminellen handelte, sondern vielleicht um einen Jugendlichen, der aus vergleichsweise nichtigen Gründen rüber wollte, ich wüßte nicht, wie ich bei der Gerichtsverhandlung deren Eltern in die Augen hätte sehen können.



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#45

RE: Ausbildungsziel Tötungsmaschine

in Grenztruppen der DDR 19.11.2014 02:36
von B208 | 1.352 Beiträge

Zitat von Hufklaus im Beitrag #33
Als ich erstmals diesem Forum beitrat, man darf genüsslich lächeln, hatte ich zuvor den Film "An die Grenze" gesehen, der mich sehr aufgewühlt hatte...
Wie Ihr wisst, war ich drei Jahre als UaZ im GAR-5 in Glöwen eingesetzt, ohne drillige Ausbildung an der US-IV.
Aber ich habe einige "Generationen" Wehrpflichtiger erlebt, die nach ihrer halbjährigen Ausbildung in Glöwen "richtige" Grenzer wurden! Und diese Leute waren nicht zu beneiden, teilweise deutlich über 20 Jahre alt, viele von ihnen mit Frau/Freundin und/oder Familie.
Ich kürze es ab, wissen wir heute, was diesen zuvor gedrillten Menschen an der Grenze widerfuhr? Nein, das habe ich erst in diesem Forum erfahren durch wieder und wieder geschilderte Erlebnisse im Grenzdienst Und deswegen habe ich mich einmal hier angemeldet. Bin auch mal rausgeflogen, zur Freude mancher...
Ich weiß nicht, warum Hannes diesen Thread so überschrieben hat, aber dass wehrpflichtige Soldaten der GT der ehem. DDR zu Tötungsmaschinen ausgebildet worden wären, kann ich nicht bestätigen. Es wäre auch ein Arschtritt im Nachhinein gegen die geschundenen Soldaten, über deren Befindlichkeiten man in diesem Forum sehr viel erfährt über den Dienst, über deren Angst, Befürchtungen und Hoffnungen, kurzum über deren Bestreben, die Zeit an der Grenze heil zu überstehen.

Und darüber muss man heute nicht lachen, vielleicht den heute erfahrenen Männern mal ein gutgemeintes Augenzwinkern zuwerfen?

VG Klaus


Ahoi Klaus ,

warum ich dieses Thema so überschrieben habe ?

Weil ich Antworten erwartet habe , die sich etwas von dem üblichen Wischwasch abheben .
Und meine Erwartungen wurden erfüllt .
Viele Gedanken und Meinungen die tiefgründiger , persönlicher sind als die Standardantworten in anderen Themen .

Ich habe in diesen Berichten viel erfahren können .

Ohne diese provokante Überschrift hätte das so nicht funktioniert !

grün
das habe ich auch nicht geschrieben und gedacht . In den Beiträgen spiegelt sich aber der Druck der ausgeübt wurde , der ganz gezielt eingesetzt wurde um junge Menschen vor Beginn ihres beruflichen Werdeganges einzuschüchtern . Da brauchte es gar keinen so genannten "Schiessbefehl" .

Für mich wäre nun interessant zu erfahren welche Dienstgrade und Dienststellungen diesen Druck , diese Angst aufgebaut haben .



Hannes


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#46

RE: Ausbildungsziel Tötungsmaschine

in Grenztruppen der DDR 19.11.2014 04:09
von G. Michael (gelöscht)
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Hannes, was möchtest Du? Provozieren oder sachliche Diskussion? Ausbildungsziel Tötungsmaschine, also nun mal ehrlich, wo soll es so etwas gegeben
haben? Wie Du im Eingang beschreibst, Schüsse auf ein Ziel das nicht zu sehen war? Wild draufhalten und Finger krumm, eher unwahrscheinlich!!
Rainmann wird es mir verzeihen, es gab die Scharfmacher, die es mit "Gehirnwäsche" versucht haben. Die Drohungen mit Schwedt war real, aber nur Ausdruck einer gewissen Hilflosigkeit der Vorgesetzten. Das hat in der Regel nicht funktioniert, da die Grenzer Erwachsene waren und das eigene Hirn nicht ausgeschaltet haben. Diese "Tötungsmaschinen" hätten ja auch gegen geltendes Recht verstoßen.
Es gab ja auch einen geschützten Personenkreis, gegen die keine Waffe eingesetzt werden durfte. In einem gebe ich Recht, während meiner Ausbildung
in Prora wurde uns immer Beigebracht, "Der Soldat darf keine Angst vorm Feind haben, nur vorm Vorgesetzten" und selbst das hat nicht gefruchtet, ich
habe noch heute freundschaftliche Kontakte zu ehemaligen Unterstellten. Großteil Soldaten GWD. Und treffe mich regelmäßig mit ihnen.
G. M.


zuletzt bearbeitet 19.11.2014 04:19 | nach oben springen

#47

RE: Ausbildungsziel Tötungsmaschine

in Grenztruppen der DDR 19.11.2014 04:50
von B208 | 1.352 Beiträge

Zitat von G. Michael im Beitrag #46
Hannes, was möchtest Du? Provozieren oder sachliche Diskussion? Ausbildungsziel Tötungsmaschine, also nun mal ehrlich, wo soll es so etwas gegeben
haben? Wie Du im Eingang beschreibst, Schüsse auf ein Ziel das nicht zu sehen war? Wild draufhalten und Finger krumm, eher unwahrscheinlich!!
Rainmann wird es mir verzeihen, es gab die Scharfmacher, die es mit "Gehirnwäsche" versucht haben. Die Drohungen mit Schwedt war real, aber nur Ausdruck einer gewissen Hilflosigkeit der Vorgesetzten. Das hat in der Regel nicht funktioniert, da die Grenzer Erwachsene waren und das eigene Hirn nicht ausgeschaltet haben. Diese "Tötungsmaschinen" hätten ja auch gegen geltendes Recht verstoßen.
Es gab ja auch einen geschützten Personenkreis, gegen die keine Waffe eingesetzt werden durfte. In einem gebe ich Recht, während meiner Ausbildung
in Prora wurde uns immer Beigebracht, "Der Soldat darf keine Angst vorm Feind haben, nur vorm Vorgesetzten" und selbst das hat nicht gefruchtet, ich
habe noch heute freundschaftliche Kontakte zu ehemaligen Unterstellten. Großteil Soldaten GWD. Und treffe mich regelmäßig mit ihnen.
G. M.


Tötungsmaschine habe ich doch ganz klar in Zweifel gestellt !!
Und den Grund des von mir gewählten Titel habe ich doch in meinem Antwortbeitrag auf Hufs Frage beantwortet .
Ohne diesen Titel hätte es auch nicht die vielen Besucher dieses Themas gegeben und ich hätte evtl. manche Antwort nicht bekommen , die letztendlich für alle Leser sehr aufschlussreich sind .


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#48

RE: Ausbildungsziel Tötungsmaschine

in Grenztruppen der DDR 19.11.2014 07:02
von Rüganer (gelöscht)
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@G.Michael,

wie oft warst Du draußen an der Mauer? Ich unterstelle - nicht ein einziges mal. Prora, GAR Glöwen, Willi Sänger, Dienstgrad Oberfeldwebel - nimm es mir nicht übel und es geht bestimmt nicht irgendwie persönlich gegen Dich, aber was weißt Du schon von der Mauer, von den Befindlichkeiten der Grundwehrdienstleistenden dort, von dem Leben in einem Grenzregiment und dem Druck dort.
Du bist im günstigsten Fall jeden Abend in Ausgang gegangen, Ausgangskarte am Mann, Ausgang bis zum Wecken, Du hast nicht auf dem Turm gesessen und warst verantwortlich für deine 200-400 Meter Kontrollstreifen, dir hat man deine Dienstzeit nicht mit dem Öffnen der Pakete im Spießzimmer versüßt, mit der Jagd nach verbotenem Alkohol. Dass Du Dich nicht beeindrucken lassen hast - kann ja sein und dass du so erwachsen gewesen bist, will ich dir wirklich nicht absprechen. Dass du aber schon mal den Spruch losgelassen hast, der Soldat muss seinen Vorgesetzten mehr fürchten, als den Feind, finde ich bezeichnend für den Druck, den Vorgesetzte dann auf ach so Erwachsene Grundwehrdienstleistende ausgeübt haben. Wie ich hier schon schrieb, Hauptmann P. : Bei Anruf Magazinwechsel... er soll menschlich ja auch ein Schwein gewesen sein...
Was passiert dann aber wirklich? Der Grundwehrdienstleistende, der eigentlich nicht dort sein will, wo er jetzt ist, der all diesen Scheiß jetzt mitmachen muss, von den kurzen und doch zu langen Haaren bis hin zu Maskenbällen, endlosem Waffenreinigen und dem herrlichen Vergnügen, ihn wegen falscher Grußerweisung zurück schicken zu dürfen, dieser unwillige Soldat versucht nur, mit dem Arsch an die Wand zu kommen. Er sagt sich, diese Tagesäcke, sie werden noch da sein, wenn ich schon wieder zu Hause mein Bier trinke und grüße, wen ich will.
Dieser GWD'ler "tickt" anders, als Du, G.Michael. Er will nach Hause, unbeschadet und ohne Vorkommnis.
Wenn Du der große Unterführer und Durchblicker gewesen sein willst, dann hast Du doch einen Soldaten erklärt: Hierfür gibt es Schwedt und hierfür passiert euch nichts. Hier ist alles nur Theaterdonner, aber dort, da müsst ihr aufpassen....
Bisher hat mir noch keiner der Unteroffiziere oder Offiziere hier im Forum solche Einweisung bestätigt, es wird sie auch nicht gegeben haben.
Gegen welches damals geltende Recht haben denn die Schützen verstoßen, die z.B. am 24.12.1970 im Abschnitt "gehandelt "haben? Nachzulesen unter Chronik der Mauer, den Link findest Du allein. Warum wohl hat die Alarmgruppe in dem Fall so reagiert und nicht anders? Meinst Du, dass da alle Mann gleichzeitig aus Lust am Schießen geballert haben oder kann es doch sein, dass die "nur " das Befohlene umgesetzt haben. Alle können doch da nicht etwas fehlinterpretiert haben, als sie nach Auslösung des Signalzaunes die Waffe einsetzten. Alle können doch nicht so schwach im Geiste gewesen sein... vielleicht lässt Du doch den Druck gelten, der auf ihnen lag und die permanente Berieselung, die auch andere hier schon angeführt haben.
Linie und Berlin ist wohl doch etwas anderes, als in Glöwen Leute zu schleifen....
Nimms mir nicht übel,
der Rüganer


zuletzt bearbeitet 19.11.2014 07:49 | nach oben springen

#49

RE: Ausbildungsziel Tötungsmaschine

in Grenztruppen der DDR 19.11.2014 09:23
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Zitat von B208 im Beitrag #45
Zitat von Hufklaus im Beitrag #33
Als ich erstmals diesem Forum beitrat, man darf genüsslich lächeln, hatte ich zuvor den Film "An die Grenze" gesehen, der mich sehr aufgewühlt hatte...
Wie Ihr wisst, war ich drei Jahre als UaZ im GAR-5 in Glöwen eingesetzt, ohne drillige Ausbildung an der US-IV.
Aber ich habe einige "Generationen" Wehrpflichtiger erlebt, die nach ihrer halbjährigen Ausbildung in Glöwen "richtige" Grenzer wurden! Und diese Leute waren nicht zu beneiden, teilweise deutlich über 20 Jahre alt, viele von ihnen mit Frau/Freundin und/oder Familie.
Ich kürze es ab, wissen wir heute, was diesen zuvor gedrillten Menschen an der Grenze widerfuhr? Nein, das habe ich erst in diesem Forum erfahren durch wieder und wieder geschilderte Erlebnisse im Grenzdienst Und deswegen habe ich mich einmal hier angemeldet. Bin auch mal rausgeflogen, zur Freude mancher...
Ich weiß nicht, warum Hannes diesen Thread so überschrieben hat, aber dass wehrpflichtige Soldaten der GT der ehem. DDR zu Tötungsmaschinen ausgebildet worden wären, kann ich nicht bestätigen. Es wäre auch ein Arschtritt im Nachhinein gegen die geschundenen Soldaten, über deren Befindlichkeiten man in diesem Forum sehr viel erfährt über den Dienst, über deren Angst, Befürchtungen und Hoffnungen, kurzum über deren Bestreben, die Zeit an der Grenze heil zu überstehen.

Und darüber muss man heute nicht lachen, vielleicht den heute erfahrenen Männern mal ein gutgemeintes Augenzwinkern zuwerfen?

VG Klaus


Ahoi Klaus ,

warum ich dieses Thema so überschrieben habe ?

Weil ich Antworten erwartet habe , die sich etwas von dem üblichen Wischwasch abheben .
Und meine Erwartungen wurden erfüllt .
Viele Gedanken und Meinungen die tiefgründiger , persönlicher sind als die Standardantworten in anderen Themen .

Ich habe in diesen Berichten viel erfahren können .

Ohne diese provokante Überschrift hätte das so nicht funktioniert !

grün
das habe ich auch nicht geschrieben und gedacht . In den Beiträgen spiegelt sich aber der Druck der ausgeübt wurde , der ganz gezielt eingesetzt wurde um junge Menschen vor Beginn ihres beruflichen Werdeganges einzuschüchtern . Da brauchte es gar keinen so genannten "Schiessbefehl" .

Für mich wäre nun interessant zu erfahren welche Dienstgrade und Dienststellungen diesen Druck , diese Angst aufgebaut haben .

Hannes


Lila: Das wird stark davon abhängig gewesen sein, wess geistes Kind diese Vorgesetzten waren. Dachten sie vernünftig, auch wenn sie von der Richtigkeit ihrer und der Aufgabe der Grenzer überzeugt waren, oder haben sie in jedem Bürger den potentiellen GV gesehen und diese alle in die gleiche Schublade gesteckt - im Sold der imperialistischen Kriegstreiber stehend und den Kapitalismus wieder einführen wollend ?
Das ist so, wie es von Usern auch immer wieder bezüglich der SED-Funktionäre (und sei die Funktion auch noch so unbedeutend) in ihren Betrieben beschrieben wird. Ich hatte das Glück, daß nie Angst vor Konsequenzen wegen NEIN-sagen aufgebaut wurde, zumindest habe ich es nicht als Angstaufbauend gempfunden. Weder die Befragung gegen Ende der GA bezüglich Schusswaffeneinsatz als Grenzer brachte ersichtliche Nachteile für die Ablehnenden (sie verblieben, dann als Vizes, in den Ausbildungskompanien) noch hatte ich es so empfunden (hatte schon mal dazu berichtet), als ich wegen illegalem Westradiohören von einem mir unbekannten Offizier aufgefordert wurde, zu melden, wenn andere Kameraden das Gleiche tun, also IM-Tätigkeit. habe ich rundweg abgelehnt und weiterhin meinen Grenzdienst gemacht als wenn nicht geschehen wäre. Nur in meiner Stasi-Akte fand ich einen kurzen Vermerk dazu. Im weiteren Gespräch zu meiner "Verfehlung" sprach auch ein vorgesetzter Berufssoldat, irgendein Feldwebelrang, mit mir. Jedenfalls kam er mir mit der Behauptung, daß die Partei immer Recht habe. Dem wiedersprach ich mit dem Hinweis, daß die Partei eben auch nur Menschen sind und die können sich eben auch irren. Als Beispiel schilderte ich politische/wirtschaftliche Richtungsänderungen, die als die großen, neuen Erkenntnisse hingestellt wurden, obwohl der Normalbürger schon Jahre vorher von den Unzulänglichkeiten der alten Richtung überzeugt war. Der BUffz argumentierte, wimre, dann nicht weiter. Übrigens, mit besagtem Offz. vereinbarte ich einen Kompromiss, dann wenigstens "darauf hinzuwirken", daß keine Westsender mehr gehört werden. Habe ich umgehend auf der Stube zu berichtet, sie sollen etwas vorsichtig sein. Immerhin, und das wurde mir viel später klar, muß sich ein echter IM in unserer Gruppe befunden haben. Wie sonst konnte unser KC in unsere Stube gestürzt kommen und zielgerichtet auf mein Bett zu, mir die Decke wegreißend und ehe ich mich versah, das auch noch illegale Radio mit eingestelltem DF an sich nehmen ? Das nur mal als Beispiel. Wenn von einigen Usern die wildesten geschichten von Druck- und Angst machen erzählt werden, kann das also gerade da so gewesen sein, aber es war eben nicht grundsätzlich so.



zuletzt bearbeitet 19.11.2014 09:42 | nach oben springen

#50

RE: Ausbildungsziel Tötungsmaschine

in Grenztruppen der DDR 19.11.2014 09:41
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Gute Frage, wer hat den Druck aufgebaut?
Also alleine schon der militärische Apparat mit dem die Grenze eines Landes bewacht wurde war schon enorm beeindruckend, wenn du da mittendrin warst brauchte eigentlich gar niemand noch großartig künstlich Druck aufzubauen, der war irgendwie unterschwellig immer spürbar.
Wir einfachen Grenzsolaten waren ja nichts anderes als ausgebildete Infanteristen, ich hatte glaube ich 3 Tage reine Grenzausbildung, ansonsten pausenlos unter reichlich Gebrüll Marschieren, Schanzen, Schützenkette und dergleichen.
Dann wurde an der Grenze ein Tor aufgemacht, du kamst da mit 60 scharfen Schuss rein und es hieß bewachen, wo will man da noch Extradruck suchen?


Jobnomade hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 19.11.2014 09:45 | nach oben springen

#51

RE: Ausbildungsziel Tötungsmaschine

in Grenztruppen der DDR 19.11.2014 10:10
von Rostocker | 7.731 Beiträge

Wenn ich das immer höre Druck aufgebaut. Das einzige was mir auf den Sack ging,war die Ausbildung die Fußmärsche zum Ausbildungsgelände. Nach der Versetzung an den Kanten kam einen das vor wie eine Erleichterung: Selber habe ich nicht gespürt das Druck aufgebaut wurde, höchstens das man sich den selber machte. Klar gab es Tage oder Stunden wo man die Schnauze voll hatte, wie zum Beispiel--wenn man noch als A Gruppe draußen bleiben musste. Aber wo gibt es was, wo alles OK ist.Beim Grenzdienst kam noch hinzu, das der Soldat mit 60 Schuß Bewaffnung in den Dienst ging: Und war draußen mit seinen Posten auf sich selbst gestellt. Also da schließe ich mich Grenzwolf an, Extradruck habe ich nicht gespürt. Höchstens wenn mal ne Fandung lief.


Hapedi und DoreHolm haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#52

RE: Ausbildungsziel Tötungsmaschine

in Grenztruppen der DDR 19.11.2014 10:27
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von B208 im Beitrag #47

Ohne diesen Titel hätte es auch nicht die vielen Besucher dieses Themas gegeben und ich hätte evtl. manche Antwort nicht bekommen , die letztendlich für alle Leser sehr aufschlussreich sind .



Es gab schon mal einen thread, wo man sich sehr sachlich und nachdenklich dem Thema genähert hat.

Hättest Du geschossen?

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 19.11.2014 10:29 | nach oben springen

#53

RE: Ausbildungsziel Tötungsmaschine

in Grenztruppen der DDR 19.11.2014 11:41
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von B208 im Beitrag #45
... Weil ich Antworten erwartet habe , die sich etwas von dem üblichen Wischwasch abheben .
Und meine Erwartungen wurden erfüllt .
Schön! Dann isses jetzt wohl an der Zeit, das auch Du mal Erwartungen erfüllst? So kannste ja jetzt mal endlich die Fragen aus #144, #154 und #16 passend in diesem Thread beantworten, hier nochmal eine konkretisierte Kurzfassung. Die namentlichen Fälle sind exemplarisch ...

Ist das Ableben von Phillip Müller und auch von Petra Schelm auf einen schlampigen Ausbildungsstand der Todesschützen zurückzuführen oder handelt es sich vielleicht doch um gezielte Tötungen von Gegnern der FDGO?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#54

RE: Ausbildungsziel Tötungsmaschine

in Grenztruppen der DDR 19.11.2014 13:29
von Grenzer76 | 29 Beiträge

hallo
kann man so nicht sagen, wir waren keine Tötungsmaschinen. Überleg doch mal richtig, wenn Du draußen Nachtschicht geschoben hast und es wollte einer über die Grenze und Du hättest ihn im Weg gestanden hätte er Dich nicht auch getötet um sein Vorhaben durchzuführen????


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#55

RE: Ausbildungsziel Tötungsmaschine

in Grenztruppen der DDR 19.11.2014 17:15
von B208 | 1.352 Beiträge

Zitat von Rostocker im Beitrag #51
Wenn ich das immer höre Druck aufgebaut. Das einzige was mir auf den Sack ging,war die Ausbildung die Fußmärsche zum Ausbildungsgelände. Nach der Versetzung an den Kanten kam einen das vor wie eine Erleichterung: Selber habe ich nicht gespürt das Druck aufgebaut wurde, höchstens das man sich den selber machte. Klar gab es Tage oder Stunden wo man die Schnauze voll hatte, wie zum Beispiel--wenn man noch als A Gruppe draußen bleiben musste. Aber wo gibt es was, wo alles OK ist.Beim Grenzdienst kam noch hinzu, das der Soldat mit 60 Schuß Bewaffnung in den Dienst ging: Und war draußen mit seinen Posten auf sich selbst gestellt. Also da schließe ich mich Grenzwolf an, Extradruck habe ich nicht gespürt. Höchstens wenn mal ne Fandung lief.



Wenn Grenzer hier zum Ausdruck bringen , dass sie Druck empfunden haben , bewusst ausgeübtem Druck seitens der Vorgesetzten ,
andere diesen Druck nicht spürten , kann es da nicht sein , dass es kein Druck für diese Grenzer war , weil sie konform mit der Vorgehensweise der Vorgesetzten waren .

Und bitte beachten , der Ausgangspunkt dieses Themas war der Fall Göring und der Druck der lt. LO-Wahnsinn seit der Ausbildung auf Göring lastete .
Es geht nicht um körperliche Anstrengungen während eines Fussmarsches !


zuletzt bearbeitet 19.11.2014 17:22 | nach oben springen

#56

RE: Ausbildungsziel Tötungsmaschine

in Grenztruppen der DDR 19.11.2014 17:23
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Also leichten Extra-Druck übten die Vorgesetzten schon aus, besonders der Polit, war ja seine Aufgabe, ob man das aber nun direkt als Druck empfinden kann wenn dir einer noch mal erklärt warum du dort bist, eigentleich weißt du das ja schon, und das wir von Feinden umzingelt sind wurde dir mindestens 15 Jahre lang vorher auch schon eingebleut.
Was keiner gemacht hat war mit Schwedt oder anderen konkreten Strafen zu drohen, ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern.


zuletzt bearbeitet 19.11.2014 17:23 | nach oben springen

#57

RE: Ausbildungsziel Tötungsmaschine

in Grenztruppen der DDR 19.11.2014 17:35
von B208 | 1.352 Beiträge

Ok ,
es gab KEINEN Schiessbefehl !!
es gab keinen Druck durch die Vorgesetzten .

Wie konnte dann diese Situation in der sich der Grenzer Göring befand so eskalieren ?

Ein Flüchtling im Wasser , in Richtung von den Posten weg . Über 100 Schuss , ca 40 davon durch Göring abgegeben .

Liegt Lo-Wahnsinn mit seiner Bewertung so falsch ?


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#58

RE: Ausbildungsziel Tötungsmaschine

in Grenztruppen der DDR 19.11.2014 17:38
von Rüganer (gelöscht)
avatar

Zitat von Rostocker im Beitrag #51
Wenn ich das immer höre Druck aufgebaut. Das einzige was mir auf den Sack ging,war die Ausbildung die Fußmärsche zum Ausbildungsgelände. Nach der Versetzung an den Kanten kam einen das vor wie eine Erleichterung: Selber habe ich nicht gespürt das Druck aufgebaut wurde, höchstens das man sich den selber machte. Klar gab es Tage oder Stunden wo man die Schnauze voll hatte, wie zum Beispiel--wenn man noch als A Gruppe draußen bleiben musste. Aber wo gibt es was, wo alles OK ist.Beim Grenzdienst kam noch hinzu, das der Soldat mit 60 Schuß Bewaffnung in den Dienst ging: Und war draußen mit seinen Posten auf sich selbst gestellt. Also da schließe ich mich Grenzwolf an, Extradruck habe ich nicht gespürt. Höchstens wenn mal ne Fandung lief.


@Rostocker,

ich glaube Dir gerne, dass bei Dir kein Druck war...
Wenn ich den Hesselfuchs lese und warum sollte der lügen, dann wurden Pilze gesucht und sogar vor Ort gebraten... wo soll da Druck sein?
Entschuldige bitte, dass ich es in Berlin an der Mauer anderes erlebt habe und Göring war wohl auch an der Mauer, ohne Pilze und ohne Rehlein und Blaubeeren..
mehr verkneif ich mir...


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#59

RE: Ausbildungsziel Tötungsmaschine

in Grenztruppen der DDR 19.11.2014 17:54
von Gelöschtes Mitglied
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@B208
Wenn Grenzer hier zum Ausdruck bringen , dass sie Druck empfunden haben , bewusst ausgeübtem durch seitens der Vorgesetzten ,
andere diesen Druck nicht spürten , kann es da nicht sein , dass es kein Druck für diese Grenzer war , weil sie konform mit der Vorgehensweise der Vorgesetzten waren .


Das sie brüllen konnten , lernte ich schon am 2.5 1969 in Magdeburg (Kölner Platz kennen . . Ausbilder in Glöwen damals , oh was waren dort für A.... löcher dabei .Gehorsam wurde erst mal beigebracht , Befehle Gehorchen , ob sinnvoll oder nicht . Wer es nicht erkannte , der wurde eben mit
Stuben und Revierreinigen in der Freizeit beauftragt .
Warum nannten wir denn damals alles was Uffz. waren "Kapos " ??
Den Aufgebauten Hass und Druck von der Ausbildung her , daran denkt man heute noch .
Wir mussten den Fußboden unseres Zimmers am Samstag mal vom Bohnerwachsbefreien , mit Glasscherben haben wir 12 Mann die Dielen geschruppt .
Aufstehen mit Gebrüll ,schlafen gehen mit Gebrüll .
Die Ausbildung zur Selbstverteidigung , gehört zum Soldaten leben dazu .. Wer weis wofür es gut ist .ratata


zuletzt bearbeitet 19.11.2014 17:59 | nach oben springen

#60

RE: Ausbildungsziel Tötungsmaschine

in Grenztruppen der DDR 19.11.2014 17:55
von Rostocker | 7.731 Beiträge

B208--Was willste eigentlich hören. Das ich ein Jahr lang am Kanten unter Druck gestanden habe. Das ich täglich gezwungen wurde mein Postenbrot zu nehmen,die Knarre und die 60 Mumpeln und hinaus getrieben wurde zum Grenzdienst Da muss ich aber sagen.das es nichts so war. Und was die Vorgesetzten anbelangte,.man akzeptierte sie. Und das Zusammenleben mit den Kameraden in der Kompanie war schon OK: Nur ich verstehe nicht.das man sich nun tagelang an die Situation des Grenzers Göring aufhängt. B208--möchte nur mal was anfügen nur mal so als Beispiel. Wenn ich nun schreiben würde,. der Göring wurde von seinen Vorgesetzten unter Druck gesetzt--was meinste wie einige das hier aus dem Forum ummünzen täten und würde sagen das war überall so. Bin lange genug im Forum,.um mir zu erlauben--den letzten Satz so zu schreiben.


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