#41

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 16.11.2014 21:07
von damals wars | 12.113 Beiträge

Zitat von B208 im Beitrag #38
Zitat von damals wars im Beitrag #28
Das Menschen nachts einschlafen, ist das normalste von der Welt. Auch laufen half nicht immer, bei einer Erkältung bin ich auch im Gehen eingeschlafen,das waren Schrecksekunden, die ich bis heute nicht vergessen habe.
Ich habe auch nie jemanden Vorwürfe gemacht, bei den Dienst, den wir Schruppen mussten, gerade über die Feiertage, verstärkte Grenzsicherung, mal 10 Nachtschichten hintereinander, das hält keiner aus!



@damals wars


Wo war denn im Schlafzustand deine Waffe ?

Auf der Schulter, wo sonst?


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#42

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 16.11.2014 21:16
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Merlini im Beitrag #6
Für mich persönlich sah ich die größte Gefahr, dass ich beim abfahren des K 6 in der Frühschicht einpenne und mit dem P 3 abstürze. Die langsame Fahrerei ohne schalten oder bremsen zu müssen war nicht gut nach der kurzen Nachtruhe. Noch dazu dass der eine Zugführer schon nach 10 Minuten im Tiefschlaf war und laut geschnarcht hat. ...
Diese Gefahr war in den 80iger Jahren gebannt, da wurde der tägliche 6er immer zu Fuß kontrolliert.
Einpennen konnte man aber auch, wie schon erwähnt, beim Laufen.

Zitat von Rostocker im Beitrag #11
... Man sollte nicht alles für bare Münze nehmen. Heute versucht so mancher ehemalige Grenzer noch den Helden raushängen zu lassen.
Diese 'Gefahr' besteht bei Erinnerungen immer! Denn natürlich waren die Masse der Lagen harmlos, es war meist nur Wild. Und selbst bei Anzeichen warn's meist harmlose Zivilisten, aber es konnte auch ein nichtganzso harmloser Straftäter oder sogar ein Kolja mit der halben Waffenkammer im Rucksack sein. Dummerweise nun weiß man als Grenzer beim Grenzalarm erstemal garnichts nichts, gewiß war nur unterschwellig das Gefühl einer ständigen Anspannung.
Und für 'normale' Delikte wurde nicht Einer nach Schwedt geschickt, da wäre ja nach 'ner Woche wohl Keiner mehr für'n Grenzdienst dagewesen. Dabei war mir als K-GSi ein grillender Posten an seinem zugewiesenen PoP hundertmal lieber als ein schlammiger Postentreff und damit eine taktisch sinnlose Kräftekonzentration.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#43

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 16.11.2014 21:22
von B208 | 1.323 Beiträge

Wo denn sonst ? @damals wars

In einem anderen Thema berichtest du davon , dass keiner an deine Waffe kommt , du sie nie aus der Hand gibst .
Nun ist dieses so gewollte für mich schwer nachvollziehbar wenn du schläft .

Daher mein Gedanke du hättest dich auf die Waffe gelegt .


zuletzt bearbeitet 16.11.2014 21:23 | nach oben springen

#44

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 16.11.2014 21:28
von damals wars | 12.113 Beiträge

Wenn man im gehen einschläft, liegt man nicht. schwer nachzuvollziehen, wenn man den Grenzdienst nicht kennt.die Hand klammerte sich an den Waffenriemen.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
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#45

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 17.11.2014 09:02
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Bei uns wurde also nur auf dem Turm ein Nickerchen gemacht, mit der Waffe war das rückblickend schon so eine Sache, die stand meistens einfach neben dem Hocker wo du drauf gesessen hast, oder lag mit eingeklappter Stütze auf dem Fensterbrett, war also für den anderen ganz locker greifbar wenn du gerade von daheim geträumt hast.
Wir waren aber irgendwie auf Gedeih und Verderb aneinander gebunden, du und der mit dem du draußen warst, der Gedanke das von deinem Mit-Genossen gerade in der Nacht wo du müde warst was ausgehen konnte war nicht so richtig da.
Von heute aus gesehen purer Leichtsinn, damals halt anders, eher so wie "pass gut auf Jürgen und weck mich in 2 Stunden".


katerjohn, Hapedi, IM Kressin und Ameise haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 17.11.2014 09:13 | nach oben springen

#46

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 17.11.2014 19:29
von Gelöschtes Mitglied
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Schlafen im Grenzdienst?
Es ging sogar im laufen,den Hundeleine kurz ums Handgelenk und der Hund zog dann einen in die Richtung.
Schlafen auf den Friedhof,auch kein Problem,es kam auf den Postenführer an,mit der Zeit kannte man sich.Bei Einsatz der Streife auf einen Friedhof,durfte keine Kontrolle den Friedhof betreten.
Ergo,es gab alte Gräber,welche mit Efeu überwuchert waren und eine Hecke hatten.Blick zur Mauer war frei.
Nun den Hund von der Leine befreit und alles ging in Stellung.Das ging natürlich nur wenn es warm war,im Winter gab es Gewächshäuser.
Gruß Rei


Hapedi hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#47

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 17.11.2014 20:20
von Lassiter | 102 Beiträge

zu meiner zeit,61-63 in der gk veltheim und osterode war alles noch humaner,die grenze war noch offen,am damaligen sogenannten k10 lief eine streife alles andere wr am 500m weg stationiert.und lief dort streife feste postenstandpunkte hatten wir nur 2 dazu kam dann 62 noch ein b turm aus holz.auf der gegenseite stand ein altes pumphaus,wer streife am k10 hatte,hat sich öfters dort zurückgezogen( aber das waren nur die eingeweiten altgedienten) um etwas auszuruhen,wurde nie durch di kontrolle gefunden,der k10 war an dieser stelle ca 5m breit und es lagen steine darauf zum drauftreten.ende 62 wurde dann auch bei uns dicht gemacht durch stacheldrahtrollen am k10.zum grenzdienst war immer ein zug eingesetzt ca 12-14 soldaten.wir waren ja nur eine kleine kompanie in osterode.
bgs haben wir nur selten gesehen an der grenze und wenn dann nur an der straße nch hornburg
gr.lassiter


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#48

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 17.11.2014 20:55
von Gelöschtes Mitglied
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ah ja da fällt mir noch was ein, Akkukontrolle vom Signalzaun (die Notstromversorgung mit LKW Batterie) feindwärts vom Signalzaun mit TS Fahrer, wir hatten da so einen Bach der direkt in die Ostsee floss - https://www.google.de/maps/@53.9735368,10.9572711,16z?hl=de
da war es so Usus eine Leuchtrakete reinzuballern und sich an der unter Wasser bewegenden Rakete zu erfreuen. Ging 10 x gut und dieses Mal (Hochsommer,30°C) machte die verdammte Rakete eine Fassrolle und landete freundwärts vom Signalzaun in einer Wiese mit Melde so hoch wie wir und es fing an zu brennen, ach du SCHEISSE! Also Werkzeug aus der TS Tasche und das Streckmetall vom Signalzaun abgeschraubt - ging erstaunlich gut, kein Rost, keine Versenkten Köpfe. Inwischen brannten sicher schon so 5-10m² - wir jeweils mit Schippe und herausgezogenen Unkrautpflanzen und deren Wurzeln das Feuer ausgeschlagen - boah die Rauchfahne war sicher bis Lübeck zu sehen (nah nur in unserer Wahnvorstellung!) wir schwitzten wie die Schweine und stanken wie Feuerwehrmänner nach 3 Tagen Dauereinsatz. Nach erfolgreicher Löschung Spurensicherheit wieder hergestellt und schön wieder verschraubt. Was haben wir danach abgelacht und nur unter vier Augen wieder darüber abgefeixt. Und wir beide wussten auch danach, das keiner für Abt. 2000 arbeitete...

Ach ja Abt. 2000 - wenn jemand interessiert ist, was passiert wenn man mit Schwedenpornos erwischt wird - vom Maj. Abt 2000 - einfach mal nachfragen!


zuletzt bearbeitet 17.11.2014 20:56 | nach oben springen

#49

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 17.11.2014 20:58
von Gelöschtes Mitglied
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Noch eine andere Episode.
Der Dackel wurde immer in der Nähe der Tür zum Postenturm angebunden,damit keiner auf den Turm kam.
Die Streife mußte sich auf den Boden setzen,es durften nur zwei Grenzer am Fenster zu sehen sein.Jeden falls war es es passiert,das eine Kontrollstreife nicht bemerkt wurde,die aber auch nicht in den Turm kamen,der Hund.
Nun schnell vom Turm,Hund abgebunden und los gelaufen.Jetzt kam die Kontrollstreife zurück,mein Postenführer machte Meldung.
Nun wurde es laut,der Offizier brüllte und fuchtelte mit den Händen.Mein Hund saß neben mir,leider hatte ich die Leine nicht kurz gehalten.
Also sah er es als Angriff aus und schon packte er ihm oben an der der Uniformjacke und riss sie herunter.Sah sehr lustig aus.
Nun brüllte ich den Offizier an,das er den vorgeschrieben Abstand zu Hundeführen nicht eingehalten hat.
Ich mach es kurz,es passierte nichts.
Gruß Rei


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#50

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 17.11.2014 21:08
von Hans55 | 762 Beiträge

Also wer im Grenzdienst gepennt hat ,war in meinen Augen Lebensmüde!


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#51

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 20.11.2014 12:58
von zoll (gelöscht)
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Zitat von B208 im Beitrag #1
Ich hatte immer die Meinung , der Dienst der Grenzsoldaten an der Staatsgrenze zum Klassenfeind war mit besonderen Gefahren verbunden die ein Soldat der NVA bei einem anderen Truppenteil nicht hatte .
Nun habe ich in einem anderen Thema von kompetenten ehemaligen Angehörigen der GT unterschiedlichster Dienstgrade und Dienststellungen auch unterschiedlichster Dienstzeiten gelesen , dass der Dienst am Kanten weitaus ungefährlicher war als von mir angenommen und somit auch von den AGT lässiger durchgeführt wurde . In einem Beitrag wurde davon berichtet , dass das Schlafen im Dienst nichts ungewöhnliches war .

Meine Meinung hatte ich mir aus vielen Beiträgen ehem. Grenzsoldaten hier und in anderen Foren gebildet .
Ich hab nun Zweifel , denn einerseits bedanken sich Mitglieder für Beiträge in denen die Situation an der Grenze fast als Urlaub geschildert wird , andrerseits schreiben sie aber in anderen Themen wie korrekt sie ihren Dienst durchgezogen haben .

Wie war es denn nun ?

Ohne Gefahr und schlafend im Grenzdienst ?


Ja was glaubst Du, was der Zoll auf der Westseite auch meist getan hat, vor allem wenn der Beamte einen Hund hatte? Geschlafen. Die besseren Grenzwächter waren doch die von Drüben. Wenn etwas passierte, hörte man doch. Entweder Leuchtkugeln, Schüsse oder eine Mine ging hoch. War der beste Wecker. Kam der Kontrolleur (Kommissar) schlug der Hund an, hatte sich jemand verlaufen, schlug der Hund an, sollte doch mal einer über die Grenze gekommen sein, schlug der Hund an.
Ich sage Dir, der Grenzdienst war aufregend!


CAT, Heckenhaus und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#52

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 20.11.2014 13:08
von Heckenhaus | 5.110 Beiträge

Zitat von Hans55 im Beitrag #50
Also wer im Grenzdienst gepennt hat ,war in meinen Augen Lebensmüde!

Wir habe oft genug sowas von geschlafen, wer sollte uns was tun ?
Und eine Scheune ist der beste Ruheplatz...


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#53

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 20.11.2014 18:16
von PF75 | 3.291 Beiträge

Zitat von Hans55 im Beitrag #50
Also wer im Grenzdienst gepennt hat ,war in meinen Augen Lebensmüde!



wenn du 24h Dienst hinter dir hast und dann in der nacht alleine auf dem BT sitzt (Führungsstelle war unten im Bunker ) ,können dir mal ganz schnell mal die Äuglein zufallen.
passieren konnte einem ja nichts,der Zugführer mußte eventuelle Kontrollen selber einlassen und das klappern hörte manja oben.


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#54

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 20.11.2014 18:57
von Gelöschtes Mitglied
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In der DDR gab es doch für jeden Fliegendreck eine Statistik. Es müsste doch mit dem Teufel zugehen wenn es keine Zahlen über die Anzahl der GWD die an der Grenze waren gibt. Dagegen müsste man dann mal die Zahl der Verletzten oder zu Tode gekommenen setzen. Allerdings wird es schwierig sein den Prozentsatz zu ermitteln, wie viele durch Geigelei oder Alkoholmissbrauch zu Schaden gekommen sind. Vom Gefühl her würde ich sagen, dass Verkehrsunfälle mit ganz oben stehen. In meinem Jahr an der Grenze hatten wir m.W. nur einen Soldaten der mit nicht unerheblichen Verletzungen ins Krankenhaus musste. So leid es mir tut, aber der ist wirklich nach dem Ausgang vom LO gestürzt (Seemannsköpfer)und hatte beide Hände in den Manteltaschen. Uns hat man später nur berichtet, dass er seinen Eltern welche ihn im Krankenhaus besucht haben erzählt hat, dass sei auf einer Übung passiert.

Der Hesselfuchs


zuletzt bearbeitet 20.11.2014 18:57 | nach oben springen

#55

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 15:51
von Heimgänger 80 | 69 Beiträge

Dann werde ich hier mal etwas ausführlicher meine Diensterlebnisse, Erfahrungen u.ä. schildern.

Gedient habe ich vom Nov. 79 bis Apr. 80 an der grünen Grenze in der GK Gerstungen-Untersuhl.
Vornweg gleich -> Also als gefährlich für mein Leben habe ich den Dienst an der Grenze nie empfunden. Wer sollte uns Grenzern denn wie etwas antun?
Erstens: Ein normaler Bürger hatte ja keinen Zugang zu Waffen.
Und zweitens: Wie sollte er unbemerkt so nah an uns herankommen, dass er uns etwas antun konnte?!
Das eigentliche "Problem" bestand eigentlich nur darin, dass jemand einen Fluchtversuch in genau in meiner Schicht und ausgerechnet in meinem zusichernden Abschnitt unternimmt, und ich dadurch Ärger mit der Obrigkeit bekomme. Z.Bsp. weil ich/wir ihn nicht festnehmen konnten und er entweder es geschafft hat, oder wieder ins Hinterland verschwunden ist. Aber wie hoch war da wirklich die Wahrscheinlichkeit? Objektiv betrachtet im Promillebereich.
Also war an der "Tagesgrenzdienstordnung" die Schichten möglichst angenehm rumzukriegen. Dazu gehörte unsere private Ausstattung, wie Luki (Luftkissen) - damit man weicher und bequemer sitzt, ein Radio (MIKKI2, Kosmos oder Cora) - dass es nicht so langweilig ist, und ein faltbarer Taschenkocher mit Spiritustabletten - für das leibliche Wohl während der Schicht.
Nun kam es noch darauf an, mit wem man Schicht hatte, denn ist ja normal, dass man nicht mit jedem zu 100% auf einer Wellenlänge war. Mit einem hat man eben mehr, und mit dem anderen weniger (vorallem privates) ge- bzw. besprochen.
Aber eins war immer klar, man hatte kein Misstrauen gegenüber dem anderen gehabt, d.h. man hat sich vertraut. Die vielberüchtigte EK-Bewegung wie wohl bei der NVA gab bei uns nicht. Die EK`s hatten das Sagen -> ja, aber es war immer ein anständiges gutes Verhältnis unter uns (Soldaten 2.Hj. und Gefreiten 3.Hj.)!
Man hat sich die Schichten also versucht so angenehm wie möglich zu machen, mit Musik hören, etwas zu essen kochen/bruzzeln, und auch teilweise in den Nachtschichten aber getrennt mal 1-2 Stunden schlafen.
So lief es bei meinem GWD!

Dies ist jedoch nicht zu vergleichen mit meinen Erfahrungen an der Mauer in Berlin!
Ich hatte ja die Ehre 1984 nochmal als Resi ranzudürfen. Ich war wahrscheinlich soo gut und hatte einen bleibenden Eindruck hinterlassen, dass ich nochmal gewünscht wurde.
Auch hier vornweg -> Der Dienst dort war für mein Leben auch nicht gefährlich.
Ich kam dort hin mit meinen Erfahrungen und Erlebnissen vom GWD an der grünen Grenze, und dachte noch so, naja dann wirst Du hier die 12 Wochen als Resi abspulen und wenigstens etwas sehen (Westberlin, und alles hell in der Nacht), d.h. es wird nicht so langweilig.
Aber als ich dort ankam, habe ich sofort gemerkt, dass hier etwas schief läuft. Die Soldaten und Gefreiten die dort ihren GWD ableisteten, waren dermaßen kaputt gespielt, dass ich dort Leute angetroffen habe die total "kaputt" waren. Denen hat man soviel Angst gemacht und Druck aufgebaut, dass einige sogar unbewußt leicht teilweise gezittert haben.
Also was dort innerhalb des Regiments in Rummelsburg abgezogen, man muss schon sagen veranstaltet wurde, war nicht normal!!!
Ich habe dort dann etwas Widerstand geleistet und Ablehnung gezeigt, da ja mir als Resi keiner mehr was konnte. Die Jungens taten mir wirklich leid, die dort dienten.
Wenn hier einige Längerdienende aus Rummelsburg im Forum sind, dann sollten sie sich schämen, was sie dort angerichtet haben bzw. wie sie sich gegenüber diesen jungen Kerlen verhalten haben.

Hoffe mein Beitrag ist nicht zu lang und zu uninteressant, und ich konnte evtl. ein wenig aufklären.


Signatur ->
Der größte Mangel eines Menschen ist und bleibt der Informationsmangel.
Ich bin nur dafür verantwortlich, was ich sage bzw. schreibe - nicht dafür, was andere verstehen!


CAT, eisenringtheo, VNRut und GeWa-8 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#56

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 17:19
von Gelöschtes Mitglied
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da gebe ich dir Recht!

schämen sollten sich alle die, die Spielchen mit ihren Untergebenen getrieben haben! Wie das mit dem Napalm in der Ausbildung. Die Bilder der Beiden Jungs habe ich heute noch vor Augen.


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#57

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 17:28
von eisenringtheo | 9.158 Beiträge

Zitat von Heimgänger 80 im Beitrag #55

(...)Aber eins war immer klar, man hatte kein Misstrauen gegenüber dem anderen gehabt, d.h. man hat sich vertraut.(..)


War das so klar? Der andere könnte ja abhauen wollen.
Theo


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#58

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 18:29
von Rüganer (gelöscht)
avatar

Dies ist jedoch nicht zu vergleichen mit meinen Erfahrungen an der Mauer in Berlin!
Ich hatte ja die Ehre 1984 nochmal als Resi ranzudürfen. Ich war wahrscheinlich soo gut und hatte einen bleibenden Eindruck hinterlassen, dass ich nochmal gewünscht wurde.
Auch hier vornweg -> Der Dienst dort war für mein Leben auch nicht gefährlich.
Ich kam dort hin mit meinen Erfahrungen und Erlebnissen vom GWD an der grünen Grenze, und dachte noch so, naja dann wirst Du hier die 12 Wochen als Resi abspulen und wenigstens etwas sehen (Westberlin, und alles hell in der Nacht), d.h. es wird nicht so langweilig.
Aber als ich dort ankam, habe ich sofort gemerkt, dass hier etwas schief läuft. Die Soldaten und Gefreiten die dort ihren GWD ableisteten, waren dermaßen kaputt gespielt, dass ich dort Leute angetroffen habe die total "kaputt" waren. Denen hat man soviel Angst gemacht und Druck aufgebaut, dass einige sogar unbewußt leicht teilweise gezittert haben.
Also was dort innerhalb des Regiments in Rummelsburg abgezogen, man muss schon sagen veranstaltet wurde, war nicht normal!!!
Ich habe dort dann etwas Widerstand geleistet und Ablehnung gezeigt, da ja mir als Resi keiner mehr was konnte. Die Jungens taten mir wirklich leid, die dort dienten.
Wenn hier einige Längerdienende aus Rummelsburg im Forum sind, dann sollten sie sich schämen, was sie dort angerichtet haben bzw. wie sie sich gegenüber diesen jungen Kerlen verhalten haben.


Zitat Heimgänger 80


Bravo!
Endlich einmal einer, der Rummelsburg erlebt hat und sehr gut beschrieben hat, was am Innenring in Berlin abging. .... die Jungs waren so kaputt gespielt... trifft sehr zu.... und - auch seine Anklage der Längerdienenden ist richtig adressiert. Danke Heimgänger 80....
Gefährlich für Grenzsoldaten?
Mein Kommandeur Grenzsicherung hat mir auf Streife im Untergrund des Potsdamer Platzes erzählt, dass einmal aus einer langsam fahrenden S-Bahn auf den dort besetzten Bunker der GT geschossen worden sein soll, den Wahrheitsgehalt kann ich nicht einschätzen. Angeblich wäre durch Zufall keiner verletzt worden, reiner Glücksumstand...
Waren da nicht auch Schüsse auf Türme in Berlin, war da nicht sogar schon ein Turm mit Stahlplatten gesichert, weil mit Kleinkaliber oder Luftgewehren auf die Posten geschossen worden war? Mir scheint, irgend wo darüber gelesen zu haben.


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#59

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 18:48
von Heimgänger 80 | 69 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #57
Zitat von Heimgänger 80 im Beitrag #55

(...)Aber eins war immer klar, man hatte kein Misstrauen gegenüber dem anderen gehabt, d.h. man hat sich vertraut.(..)


War das so klar? Der andere könnte ja abhauen wollen.
Theo


Ich kann natürlich nur für meine Zeit und 100%-ig für mich sprechen, aber darüber haben wir wirklich keinen Gedanken verschwendet. Das Verhältnis untereinander, d.h. zwischen den unterschiedlichen Heimgängern, heißt Postenführer und Posten, war wirklich kann man schon sagen sehr gut.
Es werden sicherlich einige als naiv bezeichnen, jedoch hätte man den anderen ja ohnehin nicht wirklich daran hindern können. In einem Jahr am Kanten ergaben sich doch zig Möglichkeiten für jeden.
Kurioserweise zum Beweis ist es tatsächlich jemandem von uns passiert, d.h. ihm ist der andere abgehauen und ihm somit zum Verhängnis geworden. Über diese Sache versuche ich hier in einem anderen Thema auch evtl. noch etwas mehr zu erfahren, da es kurze Zeit vor unserem Heimgang war und wir richtige Informationen damals ohnehin nicht bekommen hätten.


Signatur ->
Der größte Mangel eines Menschen ist und bleibt der Informationsmangel.
Ich bin nur dafür verantwortlich, was ich sage bzw. schreibe - nicht dafür, was andere verstehen!


zuletzt bearbeitet 25.11.2014 19:28 | nach oben springen

#60

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 25.11.2014 19:10
von Oss`n | 2.777 Beiträge

Zitat von B208 im Beitrag #1
Ich hatte immer die Meinung , der Dienst der Grenzsoldaten an der Staatsgrenze zum Klassenfeind war mit besonderen Gefahren verbunden die ein Soldat der NVA bei einem anderen Truppenteil nicht hatte .
Nun habe ich in einem anderen Thema von kompetenten ehemaligen Angehörigen der GT unterschiedlichster Dienstgrade und Dienststellungen auch unterschiedlichster Dienstzeiten gelesen , dass der Dienst am Kanten weitaus ungefährlicher war als von mir angenommen und somit auch von den AGT lässiger durchgeführt wurde . In einem Beitrag wurde davon berichtet , dass das Schlafen im Dienst nichts ungewöhnliches war .

Meine Meinung hatte ich mir aus vielen Beiträgen ehem. Grenzsoldaten hier und in anderen Foren gebildet .
Ich hab nun Zweifel , denn einerseits bedanken sich Mitglieder für Beiträge in denen die Situation an der Grenze fast als Urlaub geschildert wird , andrerseits schreiben sie aber in anderen Themen wie korrekt sie ihren Dienst durchgezogen haben .

Wie war es denn nun ?

Ohne Gefahr und schlafend im Grenzdienst ?




Hallo habe leider keine Zeit die nachfolgenden Beiträge zu lesen.
Ist aber auch nicht notwendig, denn ich habe ja eine eigene Meinung.

Schlafen im GD !!!!!! Naja.
Mußte jeder selber wissen.
Die Gefahr war wohl weniger (wie immer gepredigt) aus dem "Westen", also feindwärts zu suchen, als von der eigenen Seite, also freundwärts.

Meine Regel damals:
Traue keinem zu 100%.
Sei immer wachsam.
Die Gefahr kommt zu 90% aus den eigenen Reihen oder von " freundwärts".
Flüchtlinge wissen, was sie an der Grenze erwarten kann - viele haben nichts zu verlieren.
Töte niemanden, aber sei immer der schnellere.

Dazu stehe ich noch immer.

Abschließend: Grenzdienst ungefährlich ? - Mann konnte viel dafür oder dagegen tun.
Ein Urlaub war es nie, denn sonst währen wir ja nicht dort gewesen.

Oss`n


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Ameise hat sich für diesen Beitrag bedankt
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