#21

RE: Letzten Stunden an der Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 12.10.2014 09:14
von UvD815 | 619 Beiträge

Ein Erlebnis aus meiner Schulzeit , 8. Klasse, auch eine POS im Grenzgebiet :

Ein Mitschüler kam mit T Shirt - US Symbol Stars and Stripes in die Klasse.

Der Klassenlehrer belehrte den Schüler, dass die gleichen Symbole auf den US Bombern waren, welche Vietnam mit Napalm und Bomben vernichten
wollten. Auf die Frage nach der Herkunft sagte der betroffene Schüler :

" Ich habe das T Shirt von Fitschis " ( Vietnamesen ) aus Seebach ( bei Eisenach ) für 30 Mark letzte Woche gekauft. Sie haben noch weitere Sachen dieser Art im Angebot... "

Die Belehrung war sofort beendet. Jedoch musste der Schüler sein T Shirt zu Hause ablegen und hatte Trageverbot in der Schule.

Den Vietnamesen war es egal, welches Logo da genäht und verkauft wurde. Hauptsache es gab Kohle dafür


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#22

RE: Letzten Stunden an der Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 12.10.2014 09:24
von Tobias76 | 8 Beiträge

@UvD815

ach das kenn ich auch noch.Normalerweise hätte man damals zum Lehrer sagen sollen" Finden Sie das gut,dann besorg ich Ihnen auch eins"



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#23

RE: Letzten Stunden an der Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 12.10.2014 09:27
von UvD815 | 619 Beiträge

Aber zurück zum eigentlichen Thema :

Die letzten Stunden an der Grenze .....

Schon mit der Grenzöffnung im November 89 gab es Hoffnungen auf Veränderungen auch bei der GT in der Truppe selbst.

Im Januar 90 wurde mit der Militärreform der NVA auch der Wehrdienst der GT von 18 auf 12 Monate gekürzt, UaZ von 36 auf 24 Monate.

Der Personalbestand verringerte sich stark bei der GT.

Die Aufgaben in unserer GK Untersuhl zum damaligen Zeitpunkt :

Abbau von Grenzsperranlagen, Unterstützung von Kontrollmaßnahmen an den neuen Übergängen,
Die eigentliche Streifentätigkeit rückte immer mehr in den Hintergrund.

Beobachtungstürme wurden kaum noch benutzt. Lichtertrassen waren schon lange aus ( wenn überhaupt nur noch in den Nachtstunden an Übergängen ).

Gedanken :

Was wird das Jahr 1990 bringen ? Welche Zukunft haben wir ?

Da ein Befehl oder Weisung den vorhergehenden Befehl ausser Kraft setzte, Weisungen untergingen, gab es kaum eine geordnete Planung für die Grenztruppe mehr.

Im Juni 90 gab mir der letzte KC unserer GK seinen Kleidersack für die B/A Kammer und sagte mir, Tschüß, ich habe ab Juli einen Job im Westen.

Da offiziell zum 01. 07 .90 die Grenzüberwachung eingestellt wurde, gab es nur noch einige " Fototermine " mit BGS/ Zoll u.a. an der einstigen
Grenze. An Grenzstreifen im Juni 90 dachte da schon Keiner mehr.

Ich zog mir noch einmal meine FDU an und lief ein letztes Mal mit Videocamera ( ausgeliehen ) den alten Abschnitt unserer GK ab.

Die eigentliche Aufarbeitung / Erinnerungen an die Zeit an der Grenze finden jedoch heute bei Wandertouren am Grenzstreifen auch nach 25 Jahren noch statt.


Tobias76, glasi, katerjohn und RalphT haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#24

RE: Letzten Stunden an der Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 12.10.2014 09:56
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Meine letzten Stunden an der Grenze fallen in genau 3 unterschiedliche Zeiträume:
- 1984, als ich aus Stedtlingen abgezogen wurde wegen angedrohter Fahnenflucht,
- 1989, als ich in Bärenburg noch einmal zur Unterstützung der politisch-ideologischen Arbeit bei den Sicherungskräften an der tschechoslowakischen Grenze über den 40. Jahrestag eingesetzt wurde
- und 1990 als ich die Grenzeruniform aus- und mich umzog.

Der letzte Akt war zwar nicht an der Grenze, aber für mich war es eine Grenzüberschreitung. Ich hatte 11 Jahre lang Grenzeruniform getragen, war inzwischen Hauptmann. Da ich gerade an der Militärpolitischen Hochschule einen Diplomlehrgang besuchte, konnte ich über die Auflösung der Grenztruppen hinweg in Uniform bleiben. Ich galt durch meine dreijährige Abkommandierung zum Studium als offiziell zur NVA versetzt. Üblicherweise behielten wir aber alle unsere Waffenfarben bei. Aber offiziell war ich zu dieser Zeit kein Grenzer. Daher bot man uns an, NVA-Uniform anzuziehen, das ungeliebte Weiß der Mot.-Schützen auf den Schulterstücken, um das Studium noch abschließen zu können. Und so ging es irgendwann im Juni zur Einkleidung. Ich gab ein paar alte Grenzeruniformen ab und erhielt die neuen, mit weißen Biesen besetzten Uniformteile. Da ich mich an das Ereignis nicht mehr direkt erinnern kann, muss es für mich damals eher unspektakulär und folgerichtig gewesen sein. Da waren zwei andere Ereignisse prägender gewesen: Vorher der Wechsel der Kokarde und im Oktober der kurzzeitige Wechsel in die Bundeswehruniform. Aber das sind andere, schon erzählte Geschichten.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#25

RE: Letzten Stunden an der Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 12.10.2014 11:05
von andyman | 1.882 Beiträge

[quote=UvD815|p395058]

Ich zog mir noch einmal meine FDU an und lief ein letztes Mal mit Videocamera ( ausgeliehen ) den alten Abschnitt unserer GK ab.

Die eigentliche Aufarbeitung / Erinnerungen an die Zeit an der Grenze finden jedoch heute bei Wandertouren am Grenzstreifen auch nach 25 Jahren noch statt.

@UvD815
Hallo.Kann man diese Aufnahmen im Forum sehen?Lgandyman


Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius
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#26

RE: Letzten Stunden an der Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 12.10.2014 11:23
von UvD815 | 619 Beiträge

Zitat von andyman im Beitrag #25
[quote=UvD815|p395058]

Ich zog mir noch einmal meine FDU an und lief ein letztes Mal mit Videocamera ( ausgeliehen ) den alten Abschnitt unserer GK ab.

Die eigentliche Aufarbeitung / Erinnerungen an die Zeit an der Grenze finden jedoch heute bei Wandertouren am Grenzstreifen auch nach 25 Jahren noch statt.

@UvD815
Hallo.Kann man diese Aufnahmen im Forum sehen?Lgandyman





Hallo Andyman,

leider sind diese Aufnahmen noch auf VHS. Müssen mal irgendwann digitalisiert werden, wie soviele andere Aufnahmen aus dieser Zeit von mir.


Tobias76 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#27

RE: Letzten Stunden an der Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 12.10.2014 11:45
von andyman | 1.882 Beiträge

Zitat von UvD815 im Beitrag #26

Hallo Andyman,

leider sind diese Aufnahmen noch auf VHS. Müssen mal irgendwann digitalisiert werden, wie soviele andere Aufnahmen aus dieser Zeit von mir.


@UvD815
na dann besteht ja noch Hoffnung,ich benutze zum digitalisieren einen Video/DVD recorder von Panasonic mit Kopierfunktion in beide Richtungen,geht nur mit VHS Kassette ansonsten über PC.Das nur zur Info,du kennst dich sicher aus.Lgandyman


Gruß aus Südschweden
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#28

RE: Letzten Stunden an der Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 12.10.2014 12:00
von OfwWaGF | 33 Beiträge

Ja, wie war das damals...
An einem schönen Nachmittag saß ich mit meiner Frau und ein paar Freunden hinter unserem Wohnhaus (was ja genialerweise gleich neben der Kompanie stand) und wir gönnten uns eine Tasse Kaffee. Eine Bekannte aus dem Nachbardorf kam ganz aufgeregt zu uns und sagte... die Grenze ist auf! Naja... ICH als Grenzer müßte das wohl besser wissen.. Aber dem war nicht so. Keiner aus unserer Kompanie wußte von der Grenzöffnung. Nun von dem Tag an, bis zu meiner Kündigung bei den GT der DDR, war der Dienst so locker und unnötig, dass es eigentlich keinen mehr von uns interessiert hat. Nach Dienstschluß an der Grenze hast du dich umgezogen und bist nach "drüben" gefahren zum Schaufensterbummel.
Mal die Grenzsäulen von der anderen Seite zu sehen... war schon komisch.
Tja und BT's... Ich saß meist die ganze Zeit auf einen. Das war ja meine mobile Führungsstelle (FüSt). Im 3.GB war man ja immer in den unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt. Ich selbst war im Bereich Dedeleben bis rüber nach Ilsenburg unterwegs. Dort gab es keine FüSt. Da habe ich meine 8 Stunden im LO gesessen. Mein Sicherungsposen, der arme Kerl mußte draußen hocken.
Ich habe Bereiche gehabt, da hat man die Hand vor Augen nicht gesehen - wie z.B. im Wald oberhalb Ilsenburg. Um sich da zu orientieren mußte man nach oben schauen, um an Hand des Unterschieds zwischen Himmel und Wald den Weg zu finden. Anderenfalls gab es dann wieder Abschnitte, die waren so hell erleuchtet, da ist es wohl nie Nacht geworden. Hier fällt mir spontan die Lerchenfeldsiedlung bei Stapelburg ein. Das war ein Dorf zwischen den Zäunen.


katerjohn hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 12.10.2014 12:10 | nach oben springen

#29

RE: Letzten Stunden an der Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 12.10.2014 13:24
von UvD815 | 619 Beiträge

Als am 09. November 89 die ersten DDR Bürger über die offiziellen GÜST en in die BRD oder nach WB reisten, waren auch in unseren Abschnitt die
Posten sehr überrascht.

Gerade der Posten auf dem BT 9 - POP 808 - Bahnlinie Untersuhl / Obersuhl hatte Zweifel am Kampfauftrag, als auf der anderen Seite vom Grenzzaun DDR Fahrzeuge und DDR Bürger auftauchten und den Grenzern zu winkten.

Fragen über Fragen... Verhaltensweisen ... zurück winken ? Kontaktaufnahme mit DDR Bürgern im Westen ?

Leider gab es keine politische Aufarbeitung in der Einheit. In anderen Einheiten war es bestimmt auch so.

Dazu überschlugen sich nun die Ereignisse von Tag zu Tag.

Jeder musste nun damit alleine fertig werden und seine eigene Meinung bilden.


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#30

RE: Letzten Stunden an der Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 12.10.2014 13:27
von Lutze | 8.042 Beiträge

es gab keine politische Aufarbeitung?,
was machte nur der Polit-Offizier?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#31

RE: Letzten Stunden an der Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 12.10.2014 13:31
von linamax | 2.022 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #30
es gab keine politische Aufarbeitung?,
was machte nur der Polit-Offizier?
Lutze

Hallo Lutze
Na , für die ist die Welt zusammen gebrochen . Sie konnten ihre Schei... nicht mehr an den Mann bringen .


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#32

RE: Letzten Stunden an der Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 12.10.2014 17:43
von Gelöschtes Mitglied
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HAllo Linamax!

Zitat von linamax im Beitrag #31
Zitat von Lutze im Beitrag #30
es gab keine politische Aufarbeitung?,
was machte nur der Polit-Offizier?
Lutze

Hallo Lutze
Na , für die ist die Welt zusammen gebrochen . Sie konnten ihre Schei... nicht mehr an den Mann bringen .

Das ist nicht immer so gelaufen. Ich kenne einen Parteisekretär, der wurde im "neuen Deutschland" umgehend zum "Pressesprecher" und Reinwäscher gemacht und lebte von da an in Saus und Braus ...
Nicht jeder war auch im Osten ein "lupenreiner Sozialist", sondern eher ein grundsätzlicher Opportunist!
Mir ist JEDER "Überzeugungstäter" lieber, als irgendein schmieriger Opportunist!


Schöne Grüße,
Eckhard


utkieker hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#33

RE: Letzten Stunden an der Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 12.10.2014 17:51
von Gelöschtes Mitglied
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HAllo Tobias!

Zitat von Tobias76 im Beitrag #1
Hallo,an alle hier im Forum!
Kurz zu mir...Ich habe meine Kindheit in Genthin,der ehem.DDR erlebt.Die Zeit war schön aber ich war sehr froh als die Grenze geöffnet wurde,weil auch die ganze Verwandtschaft im Westen lebte.
Man hat sich je älter man wurde immer mehr und intensiver mit dem Thema Grenze nach Berlin-West und zur BRD beschäftigt.
Ich habe eine Frage...Wann wurde denn die komplette Beleuchtung im Todesstreifen in Berlin oder auch an der innerdeutschen Grenze abgeschaltet und wie fühlten die Grenzer sich und vor allem was fühlten sie als sie ihren BT und auch die Grenzanlage für immer verlassen mussten.
Vielleicht kann mir das der ein oder andere beantworten der an der Grenze gedient hatte.
Gruß Tobias

Ich saß zwar nicht im November auf irgendeinem Turm oder so, kenne aber einige Leute aus meiner Reservezeit kurz vorher und von der OHS.
Für viele kam diese Zeit absolut überraschend. Aber nicht wenige hatten sich schon durch die Erlebnisse im "Privatleben" vom sog. Grenzregime innerlich distanziert.
Besonders auch in unserem Ort. Als ich selbst die Grenze überquerte, sah ich einen meiner ehemaligen "Mitdiener" (GWD) als er mich kontrollierte.
Naja, wir sahen uns an und er meinte halbleise: Mal sehen ob es auch für uns demnächst möglich ist. ... und zwinkerte mir unauffällig zu.
Aber diese neue Situation hat sicher auch sehr, sehr viele komplett überfordert.
Was gestern noch unumstößliche Wahrheit war, galt heute überhaupt nichts mehr ....
Das kann sich KEIN Westdeutscher vorstellen und um so mehr, muß man es ihnen klar machen. Offizielle Wahrheiten sind oftmals nur inoffizielle Lügen.
Aber diese Erfahrung muß man gesammelt haben, um sie zu kennen!

Schöne Grüße,
Eckhard


zuletzt bearbeitet 12.10.2014 19:28 | nach oben springen

#34

RE: Letzten Stunden an der Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 12.10.2014 18:47
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von linamax im Beitrag #31
Zitat von Lutze im Beitrag #30
es gab keine politische Aufarbeitung?,
was machte nur der Polit-Offizier?
Lutze

Hallo Lutze
Na , für die ist die Welt zusammen gebrochen . Sie konnten ihre Schei... nicht mehr an den Mann bringen .

Exakt, linamax,

wie man es auch immer nennt, die mühsam zurechtgebastelte Welt ist zusammengebrochen. Dass wir unseren Sch*** nicht mehr loswurden, war da das kleinere Drama. Es gab keine Deutung der Ereignisse mehr. Das war ja immer das Wichtigste. Was auch immer passierte, wir wussten warum und wieso und wer dahintersteckt. Diese Deutungshoheit war verloren. Und das ging Politoffizieren auf nahezu allen Ebenen so. Somit hatte der Polit in der Kompanie auch keine Ansprechpartner mehr. Ich war heilfroh, zu dieser Zeit in Berlin zu sein. Da waren zwar auch alle zunächst Rat- und Hilflos, aber man hatte keine Unterstellten, für die man noch die Verantwortung trug und die mit Fragen kamen, auf die man keine Antwort mehr fand.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


Lutze, Tobias76 und Hapedi haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#35

RE: Letzten Stunden an der Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 12.10.2014 18:52
von Tobias76 | 8 Beiträge

@UvD815

danke für deinen gut beschriebenen Verlauf was ihr noch so erlebt habt. Aber war es nicht ein merkwürdiges Gefühl die einst so streng bewachte Grenze dann quasi von heute auf morgen abzubauen und zu wissen das wars?Ich hatte damals als es die Grenze noch gab,immer schon so eine schlechte Abneigung gegen die Grenzanlagen und besonders gegen die Regierung um Honecker,aber als man dann selber die Grenzanlagen betreten konnte entwickelte sich immer mehr ein grosses Interesse daran.
Man kann sich das so als normaler Mensch leider nicht vorstellen oder sich in die Situation der Grenzer hineinversetzen da man selbst nie an der Grenze Dienst hatte.
Aber ich hoffe das wirklich alle Minen im Minenfeld beseitigt wurden und das man heute wenn man dort spazieren geht oder sich das Gebiet genauer anschaut,viel ist ja nicht mehr übrig geblieben und man kann nur erahnen wo es mal war weil alles zugewachsen ist,nicht mehr auf eine vergessene Mine tritt.
Leider ist meine Frage zum BT die ich weiter oben stellte nicht beantwortet worden.Hattet ihr dort eine Heizung oder ähnliches drin?Denke da nur an einzelne Kommentare das es im Winter sehr kalt war.
Ich hatte mir mal einen BT6 auch von innen angeschaut und war überrascht.Ausser einer Eisentreppe die nach oben führte war da nicht mehr drin.
Wie waren die so eingerichtet? Wäre schön wenn der eine oder andere vielleicht Bilder von damals hat und die hier mal zeigen könnte.

Gruß Tobias



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#36

RE: Letzten Stunden an der Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 12.10.2014 19:26
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Tobias!

Zitat von Tobias76 im Beitrag #35
@UvD815 ......
Leider ist meine Frage zum BT die ich weiter oben stellte nicht beantwortet worden.Hattet ihr dort eine Heizung oder ähnliches drin?Denke da nur an einzelne Kommentare das es im Winter sehr kalt war.
Ich hatte mir mal einen BT6 auch von innen angeschaut und war überrascht.Ausser einer Eisentreppe die nach oben führte war da nicht mehr drin.
Wie waren die so eingerichtet? Wäre schön wenn der eine oder andere vielleicht Bilder von damals hat und die hier mal zeigen könnte....


Ich hatte mal einen "Termin" auf einem BT und da waren sog. "Eisenbahnheizkörper" drinn.
1000 oder 600 Watt glaube ich mich zu erinnern. Aber ich war nur ein Mal in solch einem Turm, vielleicht können das andere besser oder Genaueres dazu berichten.


Schöne Grüße,
Eckhard


Tobias76 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 12.10.2014 19:26 | nach oben springen

#37

RE: Letzten Stunden an der Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 12.10.2014 19:49
von Pitti53 | 8.791 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #34
Zitat von linamax im Beitrag #31
Zitat von Lutze im Beitrag #30
es gab keine politische Aufarbeitung?,
was machte nur der Polit-Offizier?
Lutze

Hallo Lutze
Na , für die ist die Welt zusammen gebrochen . Sie konnten ihre Schei... nicht mehr an den Mann bringen .

Exakt, linamax,

wie man es auch immer nennt, die mühsam zurechtgebastelte Welt ist zusammengebrochen. Dass wir unseren Sch*** nicht mehr loswurden, war da das kleinere Drama. Es gab keine Deutung der Ereignisse mehr. Das war ja immer das Wichtigste. Was auch immer passierte, wir wussten warum und wieso und wer dahintersteckt. Diese Deutungshoheit war verloren. Und das ging Politoffizieren auf nahezu allen Ebenen so. Somit hatte der Polit in der Kompanie auch keine Ansprechpartner mehr. Ich war heilfroh, zu dieser Zeit in Berlin zu sein. Da waren zwar auch alle zunächst Rat- und Hilflos, aber man hatte keine Unterstellten, für die man noch die Verantwortung trug und die mit Fragen kamen, auf die man keine Antwort mehr fand.

ciao Rainman


Da warst du besser dran....Ich hatte noch Unterstellte, aber auch keine Antworten.

Von wem auch? Oben wurde unerreichbar abgeduckt! Jeder war sozusagen tagelang auf sich alleine gestellt.
Irgendwann resignierte man und handelte nur noch nach Ereignissen. Die Unterstellten fragten bald auch nicht mehr. Die Ereignisse überrollten uns sozusagen


Rainman2 und manifest 20 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#38

RE: Letzten Stunden an der Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 12.10.2014 19:58
von linamax | 2.022 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #34
Zitat von linamax im Beitrag #31
Zitat von Lutze im Beitrag #30
es gab keine politische Aufarbeitung?,
was machte nur der Polit-Offizier?
Lutze

Hallo Lutze
Na , für die ist die Welt zusammen gebrochen . Sie konnten ihre Schei... nicht mehr an den Mann bringen .

Exakt, linamax,

wie man es auch immer nennt, die mühsam zurechtgebastelte Welt ist zusammengebrochen. Dass wir unseren Sch*** nicht mehr loswurden, war da das kleinere Drama. Es gab keine Deutung der Ereignisse mehr. Das war ja immer das Wichtigste. Was auch immer passierte, wir wussten warum und wieso und wer dahintersteckt. Diese Deutungshoheit war verloren. Und das ging Politoffizieren auf nahezu allen Ebenen so. Somit hatte der Polit in der Kompanie auch keine Ansprechpartner mehr. Ich war heilfroh, zu dieser Zeit in Berlin zu sein. Da waren zwar auch alle zunächst Rat- und Hilflos, aber man hatte keine Unterstellten, für die man noch die Verantwortung trug und die mit Fragen kamen, auf die man keine Antwort mehr fand.

ciao Rainman

Hallo Rainmann2
Für diese Antwort ziehe ich den Hut .


Rainman2 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#39

RE: Letzten Stunden an der Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 12.10.2014 20:35
von utkieker | 2.929 Beiträge

Zitat von Tobias76 im Beitrag #16
Hallo Hartmut (@utkieker),

erstmal danke für deine Antwort.Du hast erwähnt das du an der innerdeutschen Grenze Dienst geschoben hast und ich geh mal davon aus das ihr schon die neueren BT's hattet. Wie waren die eigentlich so eingerichtet? Ich war vor langer Zeit mal in Helmstedt und habe mir die Anlage und alles drum herum soweit angeschaut wie es ging und hatte auch die Möglichkeit auf einen großen Turm BT6,denke das es mal eine Führungsstelle war,aufzusteigen.Ausser einer Eisentreppe die nach oben führte war der Turm leer.Wie habt ihr das im Winter gemacht?Hattet ihr eine Heizung oder ähnliches drin oder musstet ihr es so aushalten?
Ich denke wenn die Grenze nicht gefallen wäre,hätte ich bestimmt auch irgendwann im gewissen Alter versucht aus der DDR abzuhauen. Wie ich schon erwähnt hatte war meine Kindheit recht gut,aber da ich sehr viele Sachen aus dem Westen bekam, war es nicht immer leicht für mich in der Schule,wegen meiner Sachen.Ständig die Aufforderungen meiner Lehrerin,die bei der Stasi war,ich solle mir gefälligst Sachen aus der Sprowa kaufen.Da baut man echt einen Hass auf.Und dann diese öden Hemden der JP,TP.Das nervte immer mehr.

Gruß Tobias


Hallo @Tobias76,

Ein BT ist kein Interhotel und somit spartanisch war auch die Einrichtung in der Kanzel eine Sitzgelegenheit war vorhanden und auch ein Bahnheizkörper oben und unten je eine Buchse für das Grenzmeldenetz (GMN). Wir hatten meistens den Typ BT11 auch bei den Führungsstellen ergänzt durch wenige BT9. Der BT9 war etwas geräumiger und bequemer zu besteigen und viereckig der BT11 war rund mit einer achteckigen Kanzel. In der Führungsstelle gab es ja noch elektronische Überwachungsanzeigen (GSZ, SM70) unter Umständen ein angeschlossener Bunker mit Betten für die A- Gruppe sowie die Leitungen für GMN, Telefon und Schreibtisch ach ja und die Bergebrücke war auch vor Ort.
Während meiner Dienstzeit hat man sich auch schon mal Gedanken gemacht, wo wäre der günstigste Weg um Stiften zu gehen hab auch mal darüber nachgedacht die Prager Botschaft aufzusuchen. Ernsthaft kam es für mich doch nicht in Frage. Meine Schwester kam ja auch heil und unversehrt von ihren Ungarn- Aufenthalt August 1989 zurück.
Je mehr man sich in der DDR eingerichtet hatte, desto weniger war der Drang abzuhauen musste dann aber noch bis zum erreichen des Rentenalters warten...

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
Tobias76 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#40

RE: Letzten Stunden an der Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 12.10.2014 21:09
von DoreHolm | 7.714 Beiträge

Unsere BTs sahen Ende der 60er um WB so aus:



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