#21

RE: Liedermacher

in Leben in der DDR 07.10.2014 21:56
von Gelöschtes Mitglied
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Herman van Veen und mein Lieblingslied von ihm.


andyman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#22

RE: Liedermacher

in Leben in der DDR 07.10.2014 22:16
von Gelöschtes Mitglied
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Kurt Demmler

Leider war da noch was....
Am 4. August 2008 kam Kurt Demmler erneut wegen Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern in Untersuchungshaft
.... Insgesamt legte ihm die Staatsanwaltschaft 212 Einzelfälle zur Last
.... Am frühen Morgen des 3. Februar 2009 wurde Demmler erhängt in seiner Zelle in der Untersuchungshaftanstalt Moabit aufgefunden.
Der vermutliche Suizid erfolgte in der Nacht vor dem zweiten Verhandlungstag

http://www.youtube.com/watch?v=bsADD-YMqII


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#23

RE: Liedermacher

in Leben in der DDR 07.10.2014 23:35
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Fritze!

Zitat von FRITZE im Beitrag #20
ja Pit , besonders aktuell ist Dieses von ihm !


Das ist ja schon blasphemisch, so wahr wie es klingt!
"... und merk dir die Gesichter gut"
Danke für den Link.

Schöne Grüße,
Eckhard


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#24

RE: Liedermacher

in Leben in der DDR 07.10.2014 23:44
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo EK40!

Zitat von ek40 im Beitrag #21
Herman van Veen und mein Lieblingslied von ihm.


Robert Long, "Wenn man mich mal fragen würde".



Der Text eines anderen Liedes ist auch sehr treffend:

Morgen sind wir tolerant, tolerant, tolerant
und finden selbst die größten Idioten interessant
wir reichen jedem Arsch die Hand
, und was uns stört in diesem Land
das wird ab morgen nicht mehr eine Schweinerei genannt.
Ab morgen sind wir positiv, und nicht mehr so auf dem qui-vive
wir rücken nichts mehr gerade, nein, wir lassen alles schief, na klar!
Fortan glauben wir an Lügen, weil sie in der Zeitung steh'n
greifen nichts mehr mit Kritik an - was geht uns die Politik an?

Haben wir uns nicht schon oft genug die Finger dran verbrannt?
Das wird anders: morgen sind wir tolerant.


Schöne Grüße,
Eckhard


zuletzt bearbeitet 11.10.2014 23:35 | nach oben springen

#25

RE: Liedermacher

in Leben in der DDR 08.10.2014 07:57
von schnatterinchen (gelöscht)
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.............er begleitet mich seit meiner Jugend.


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#26

RE: Liedermacher

in Leben in der DDR 08.10.2014 18:35
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Schnatterinchen!

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #25
.... (Edit:K. Wecker)
.............er begleitet mich seit meiner Jugend.

Mich zwangsweise auch ... leider ....
Ein Drogennutzer (Verbreiter?), Säufer und moralisch mehr als bedenklich, aber politisch korrekt ....


Schöne Grüße,
Eckhard


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#27

RE: Liedermacher

in Leben in der DDR 08.10.2014 18:43
von schnatterinchen (gelöscht)
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Nabend Eckhard,

die große Fresse hast Du noch vergessen.


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#28

RE: Liedermacher

in Leben in der DDR 08.10.2014 23:09
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Schnatterinchen!

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #27
Nabend Eckhard,
die große Fresse hast Du noch vergessen.

... na da ist er wohl eher Mittelfeld ...
Da ist der Biermann und andere schon etwas "weiter gekommen"...
Aber solch einen Mann als "netten Jung" zu präsentieren, wie so oft in den Medien, halte ich schon für etwas unverantwortlich.

Schöne Grüße,
Eckhard


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#29

RE: Liedermacher

in Leben in der DDR 09.10.2014 03:29
von Rainman2 | 5.753 Beiträge

Ach Gottchen,

der Konstantin ... naja, lasst Euch aus, Ihr Auskenner.

Ich habe ihn seit 1990 mehr als einmal persönlich erlebt, hinter der Bühne, und ich sag's mal so: Lieber einen moralisch angekratzten, aber offenen und ehrlichen intelligenten Menschen, als diese verlogenen, aber immer nach außen hin integren geschäftsführenden Drecksäcke, die ich zuhauf in meinem Job erlebe. Aber ich verspüre kein Sendungsbewusstsein, Möbel aus der rechten Ecke zu rücken. Zumal ich dazu aus meiner linken Ecke müsste. Sorry - zu faul!

Apropos! Mein erster Liedermacher, der mich von den Socken gehauen hat, war Victor Jara. Ein Linker übrigens, einer der für das Volk gesungen hat, wie Konstantin auch. Victor hat man dafür im Zentralstadion von Santiago de Chile die Hände zerschlagen und ihn ermordet ...

Dann kam eine wichtige Bekanntschaft für mich: Dieter Süverkrüp. Ja, er mag heute als tendenziös und damaliger Hardliner gelten, und ich würde dem auch nicht widersprechen. Aber, das war ich damals genauso. Insofern war er wichtig für mich. Seine Kapitalismuskritik hat heute noch in vielen Punkten Substanz für mich. Seine Lieder zur 1848-er Revolution waren für mich die Tür zu einer neuen Welt des Liedes. Ich habe hier ein kleines Beispiel: "Polens Sache, deutsche Sache" von Georg Herwegh:
http://youtu.be/5vCCEjHwnoc

Wenn man in die Zeit eintaucht, in die politischen Fragen, die zu dieser Zeit eine Rolle spielten, ist das ein einzigartiges Lied. Mitten im nationalen Gedösel der Nachnapoleonischen Zeit, da Preußen in den Krieg gegen die polnischen Aufständischen eintreten will (Stichwort „Polnischer Insurrektionskrieg“ - ohne dieses Stichwort lohnt kein Wort der Diskussion über diesen Text), stellt Herwegh die Frage nicht nach den politischen Interessen seiner Nation, sondern nach dem Willen der Menschen schlechthin. Ein zutiefst solidarisches, humanistisches, aufklärerisches und somit revolutionäres Bild, was er da zeichnet. Ich verdanke Süverkrüp den Zugang zu diesen Liedern, zu diesen Gedanken.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#30

RE: Liedermacher

in Leben in der DDR 09.10.2014 03:47
von Rainman2 | 5.753 Beiträge

Ah, noch eine kleine Ergänzung zu Süverkrüp: Einem eher, sagen wir mal unkonzentriertem Zuhörer, mag die letzte Zeile des Songs in meinem vorangegangenem Post aufstoßen: "... und jede Schmach auf deutsche Fahnen".

Ich glaube mich erinnern zu können, dass Kästner, Tucholsky und Ossietzky bei ähnlichen Sätzen immer wieder in das Kreuzfeuer von "eher schwachen Zuhörern" gerieten. Anbei mal ein anderes Lied der 1848-er Revolution mit dem netten Satz: "... Oh, erste deutsche Fahnenwacht, auf deutschen Barrikaden". Auch ein schönes Lied, das "Lied der Amnestierten im Ausland":
http://youtu.be/FFQYAwM6G0g

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#31

RE: Liedermacher

in Leben in der DDR 09.10.2014 08:07
von schnatterinchen (gelöscht)
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Zitat von Rainman2 im Beitrag #29
Ach Gottchen,

(..............................


Apropos! Mein erster Liedermacher, der mich von den Socken gehauen hat, war Victor Jara. Ein Linker übrigens, einer der für das Volk gesungen hat, wie Konstantin auch. Victor hat man dafür im Zentralstadion von Santiago de Chile die Hände zerschlagen und ihn ermordet ...

.............................)

ciao Rainman



Eine Tages brachte mein Vater eine Schallplatte von Victor Jara mit nach Hause. Seine Musik , seine Stimme haben mich sofort berührt. Und als ich erfuhr um was es in seinen Texten geht und was Victor Jara angetan wurde hat mich das ebenso umgehauen .


P.S. Ziemlich zeitgleich bekam ich ein Buch über den Putsch gegen die Allende-Regierung in die Hände und wollte auch daraufhin Berufssoldat werden.
Ist dann doch etwas anders gekommen.


Rainman2 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 09.10.2014 10:42 | nach oben springen

#32

RE: Liedermacher

in Leben in der DDR 09.10.2014 09:18
von Rainman2 | 5.753 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #31
Zitat von Rainman2 im Beitrag #29
... Apropos! Mein erster Liedermacher, der mich von den Socken gehauen hat, war Victor Jara. Ein Linker übrigens, einer der für das Volk gesungen hat, wie Konstantin auch. Victor hat man dafür im Zentralstadion von Santiago de Chile die Hände zerschlagen und ihn ermordet ...
...

... Eine Tages brachte mein Vater eine Schallplatte von Victor Jara mit nach Hause. Seine Musik , seine Stimme haben mich sofort berührt. Und als ich erfuhr um was es in seinen Texten geht und was Victor Jara angetan wurde hat mich das ebenso umgehauen .


Hallo schnatterinchen,

danke für diesen Titel. Er gehört zu seinen wirklich großen Liedern. Bei Victor verbinden sich eine tiefe Poesie mit der Fähigkeit, die einfachen Dinge zu erzählen und die Tiefe und Dichte hinter diesen Dingen doch spürbar, erlebbar, nachvollziehbar zu machen. Die einfachen Menschen fanden sich und ihr Leben in seinen Liedern wieder. Das machte in populär und für die Gewaltherrscher gefährlich ...

Ich gestatte mir die beste mir bekannte Nachdichtung dieses Titels (von Heinz Kahlau) hier einzustellen:
"R.: Und ich sehe dich, Amanda,
wie heute, Amanda,
du liefst zum Fabriktor
zu Manuel.
Ich sehe Dein Lachen,
es konnte der Regen
dir gar nichts ausmachen,
denn du hast dich getroffen mit ihm,
mit ihm, mit ihm, mit ihm, mit ihm!

Die Handvoll Minuten -
das Leben ist ewig.
Nur ein paar Minuten,
schon heult die Sirene,
sie ruft ihn zur Arbeit.
Du musst ihn verlassen,
doch alles ist heller
nach diesen Minuten,
sie lassen Dich blühen.

R.: Und ich sehe dich, Amanda ...

Er ging in die Berge,
der keinem was antat,
er ging in die Berge,
nach ein paar Minuten
war er schon zerrissen ...
Es heult die Sirene,
sie ruft ihn zur Arbeit,
doch mancher blieb oben,
auch Manuel.

Und ich sehe dich Amanda,
die Haare verregnet,
es war dir nicht wichtig,
du hast dich getroffen
mit Manuel."

Ich zweifle immer mal wieder an mir, ob meine Liebe zu ihm und seinen Liedern nicht schon in eine Art Heiligenkult herüberschwappt. Aber dann nehme ich mir genau diesen Titel vor und lasse mal Revue passieren, wer den bisher nachsingen konnte - keiner! Niemand kann diese Spannung aus der Tiefe dieses Liedes wirklich aufbauen. Letztes Jahr saß ich mit einem befreundeten deutschen Liedermacher zusammen bei einer Probe. Er gestand mir plötzlich, dass er seit einem Jahr an diesem Lied arbeitet. Er fände aber "den Punkt" nicht. Das verstand ich gut, meine Versuche an Victors Liedern waren alle im Ansatz kläglich gescheitert. Es ist der Punkt, an dem sich Stimme, Musik und das Gefühl, nicht der Inhalt!, des Textes vereinen zu einem organischen Klang. Dieter Beckert von "Duo Sonnenschirm" hat das mal in ein sehr schönes Bild gebracht: "Das ist, als ob du auf einer Glasplatte mit einer Nadelspitze entlangfährst und dann kommst du an den Punkt, wo ein ganz kleiner Druck reicht, und die Glasplatte springt ...". Genau das ist er Punkt, an dem aus einfachem Liedersingen wirklich Kunst wird. Das verlangt ein nahezu philosophisches Verständnis der Inhalte genauso, wie ein grundsolides Handwerk an Instrument und Stimme. Unter dem Begriff Liedermacher finden sich genauso einfache Schraddelbarden, wie begnadete Künstler. Der Begriff lebt durch das Selbstverständnis des Künstlers. Technisch gesehen sind auch Jacques Brel und Max Raabe Liedermacher und dennoch wird man sie unter dem Begriff nicht einsortieren.

Victor Jara war, und das ist tatsächlich eine nüchterne Feststellung, ein großer Künstler dieser Zunft - was für ein Sammelbecken, in dem die harmlosen Späßchen von Reinhard Mey genauso Platz haben, wie die hämmernde Poetik eines Gerhard Gundermann, wie die schmerzhaften Kampfschreie eines Wladimir Wyssozki und und und. Nein, der Begriff Liedermacher ist keine Abwertung. Er ist einfach ein Riesenlatsch, der nach Verfeinerung schreit, wenn der entsprechende Künstler, um den es gerade geht, das einfordert ...

Liebe Grüße
ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


Pzella 82 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#33

RE: Liedermacher

in Leben in der DDR 09.10.2014 10:25
von schnatterinchen (gelöscht)
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OK ist jetzt ein heftiger Schnitt, aber ich bringe einmal die von mir seit den 80ern hochgeschätzte und verehrte




Francoise Hardy ein.


Rainman2 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 09.10.2014 10:46 | nach oben springen

#34

RE: Liedermacher

in Leben in der DDR 09.10.2014 20:43
von Rainman2 | 5.753 Beiträge

Hallo Schnatterinchen,

danke für diese Interessante Begegnung. Aber ich gehe mal wieder zu den Liedermachern meiner Zeit zurück.
In den 70er Jahren, Mitte/Ende, war für mich Bernd Rump ein sehr wichtiger Liedermacher in der DDR. Was er mit seiner Gruppe "Schicht" ablieferte, war nicht der übliche Singegruppen Durch- und Verschnitt. Es gibt leider im Netzchen nicht viel von dieser Zeit und dieser Gruppe. Anbei mal ein Titel: Das Siebenlied .

Für mich der Titel, der mich am meisten beeindruckt hat, war das "Lied für die Bandarbeiterin Regine". Musikalisch sehr interessant gemacht und der Text überraschte. 1980 wurde das Lied in der DDR-Konkret-Reihe (Lieder der Singebewegung 3. Band) veröffentlicht:
"Am Abend eines harten Tags, Regine,
komm ich zu dir, wie ein beschlagenes Glas
und finde Dich nicht anders vor als mich,
und seh' Dich an und werde wieder freundlich.

Am Abend eines harten Tags, Regine,
gehen wir an blanken Glasfenstern vorbei.
Sehn nach einem schönen Kleid
und überdenken unsere Möglichkeit.

Am Abend eines harten Tags, Regine,
fällt von den Lidern wieder ab das Blei,
wärmt uns ein Kaffee, eine Prise Rauch
und, was wir sonst noch tun, wärmt auch.

Am Morgen eines solchen Abends dann, Regine,
wenn Wecker uns wie Hähne schreien,
gehn wir zusammen in die großen Städte
und treten neu in unsere Hallen ein.

Nun steh auf, Regine, geh,
auf deiner Haut zertaut der Schnee,
in deine alte Jacke zwäng dich,
die inzwischen viel zu eng.

Und wie manches nicht mehr passt,
was du trotzdem noch an dir hast,
wie dieses ganze gute Land
nun geh, Regine, geh ans Band.

Nun steh auf, Regine, geh,
der Morgen wie ein weißer See
schwimmt schwer zum Fenster uns herein,
das Land wirft einen blassen Schein.

Nun geh, und lass dich sehn,
Regine, Mensch, was bist du schön,
ein Stück zu schön fast für das Land
nun geh, Regine, geh ans Band."


Ich spiele das vielleicht mal selbst ein. Einen Mitschnitt finde ich leider nicht.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#35

RE: Liedermacher

in Leben in der DDR 10.10.2014 11:07
von schnatterinchen (gelöscht)
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........zum niederknien und zum weinen, so gut!


Rainman2 und andyman haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 10.10.2014 11:10 | nach oben springen

#36

RE: Liedermacher

in Leben in der DDR 10.10.2014 13:37
von Rainman2 | 5.753 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #35
........zum niederknien und zum weinen, so gut!

...

Au ja, Schnattchen,

Stefan Stoppok. Ein Barde nach meinem Herzen. Sein dynamisches Gitarrenspiel entspricht auch meiner Auffassung von einer Akustikklampfe. Wobei, in dem Video muss er noch verdammt kalte Finger gehabt haben. So unsauber kenne ich ihn eigentlich nicht. Sei es.

Da fällt mir doch aber gleich wieder eine "sehr traurige Geschichte" dazu ein:
Vor ein paar Jahren hatte Freunde von mir eine Veranstaltung organisiert, bei der auch Stoppok auftrat. Nach der Veranstaltung setzten wir uns im Backstage-Bereich zusammen, da es noch ungeklärte organisatorische Fragen und ungeleerte organisatorische Biere gab. Ich hatte meine Klampfe dabei und überlegte noch, ob ich eine kleine Session anzetteln sollte. Da entdeckte ich in einer Ecke Stoppoks Klampfenkoffer. Und ich fasste einen Beschluss ... Ich nahm meine Gitarre setzte mich in Richtung der Ecke und fing leise an, zu spielen. Stoppok musste definitiv an mir vorbei und vielleicht hatte er noch Lust auf ein Bierchen und eine kleine Session ... Von den anderen kamen diejenigen nach und nach dazu, deren Fragen geklärt waren und die nun nur noch mit den Bieren zu kämpfen hatten. Ich riss die Session an mich, was in dem Kreis nichts ungewöhnliches ist. Stoppok kam und kam nicht. Mein interner Bierpegelstand ging bereits in Richtung einer Hochwassermarke, da setzte sich einer meiner Freund zu mir. Er war stark angetrunken, stärker als ich. Aber wenn wir in diesem Zustand sind, pflegen wir, sowjetische Kampflieder auf russisch zu grölen. Nein, das ist kein Singen, es ist Grölen. Er nuschelte etwas, was ich als den russischen Anfang des Liedes "Der heilige Krieg" identifizierte. Ich hackte, ich glaube es war a-Moll - sehr bassfreundlich, auf die Saiten ein und der ganze Verein stimmte grölend ein. Und in diesem Moment, genau in diesem Moment bester Schauerlichkeit, geht die Tür auf und Stoppok kommt rein. Ein kurzer Blick auf die noch ungeleerten organisatorischen Biere (=Freibier!), dann ein Blick auf die kakophonische Trinkerrunde, ein kurzes Nicken, ein schnelles Schnappen des Klampfenkoffers ... und weg war er. Und meinereiner saß nun ohne Session mit Stoppok da. Ja, ich wäre bei dem Anblick und dem Sound auch sofort weggerannt. Meine Stimmung soll sich an dem Abend noch sehr verdüstert haben ... erzählte mir später einer ... der dabei gewesen war und sich dennoch erinnern konnte ...

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#37

RE: Liedermacher

in Leben in der DDR 11.10.2014 09:18
von manudave | 390 Beiträge

Ein Liedermacher, der mal in Weida/Thüringen nur eine Straße unter uns wohnte - natürlich unbekannterweise.



Ein schönes Lied ab Minute 32:00 "Unser Sohn hat ein tolles Lachen..."

Ein Konzert von Stephan ist ein Erlebnis.


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#38

RE: Liedermacher

in Leben in der DDR 11.10.2014 09:19
von manudave | 390 Beiträge



Ein recht unbekannter Kracher...


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#39

RE: Liedermacher

in Leben in der DDR 11.10.2014 09:40
von Rainman2 | 5.753 Beiträge

Hallo manudave,

ich gehöre zur großen Schar derer, die mit Stephan Krawczyks Lieder nicht viel anfangen können. Das kann aber auch an mir liegen. Stephan ist ein durch und durch unangepasster Künstler. Er unterwirft sich keinen zeitgemäßen Denkrichtungen oder Tabus. Er macht, was er denkt. Damit hat er meinen uneingeschränkten Respekt. Nun ja, das ist kein Beifall, aber immerhin etwas.

Ich hatte eine sehr angenehme und zugleich unangenehme Begegnung mit ihm. Wir hatten eine große Veranstaltung 1994 und waren finanziell voll auf Grund gelaufen. Der Verein musste liquidiert werden (Konkurs schied aus, mangels Masse) und wir konnten eine Vielzahl vorliegender Forderungen nicht mehr erfüllen. Als Finanzer des Vereins musste ich versuchen, Verträge nachzuverhandeln. Die Stunde in Stephans Küche beim Tee, schenkte mir die Bekanntschaft mit einem offenen, warmherzigen und intelligenten Menschen. Der Inhalt des Gesprächs von meiner Seite gehört zu den dunklen Kapiteln meiner Biografie. Er verstand die Situation und sagte irgendwann: "Ach, weißte, zerreiß den Vertrag einfach". Der Finanzer in mir war erleichtert, der Mensch schämt sich noch heute ...

Aufgrund meiner Distanz zu seinem Werk hätte ich hier nichts von ihm eingestellt. Danke, dass Du es getan hast.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#40

RE: Liedermacher

in Leben in der DDR 11.10.2014 16:10
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von PF75 im Beitrag #18
Also zu dem Begriff "Liedermacher " habe ich ein zwiespältiges Verhältnis.
Ich bin Sänger oder Komponist aber das "Macher " erzeugt bei mir immer Die Vorstellung von "wollen und nicht Können ".

Naja, den Gerhard Schöne könnte man nach der Definition dann auch locker dazuzählen.
Doch mal eine Bitte an @Schuddelkind @icke46 @turtle @FRITZE @schnatterinchen @Antaios @Pzella 82 und auch @Barbara und wer sonst noch Mucke einbettet oder verlinkt ... schreibt doch den Titel und den Interpreten bitte mit dazu. Beispielhaft ist Beitrag #11 von der Mostquitscherin, alles chlor?

Achso @ek40, sein Freitod wäre in einer UHA in der DDR fast unmöglich gewesen, ähm und ... wenn man mal seine Texte beachtete, man konnte es erahnen ...


Dialog - Noch nicht sechzehn
(Text von Kurt Demmler geb. Abramowitsch)


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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