#121

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 11.09.2014 18:18
von Gelöschtes Mitglied
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Uwe, lasse Dich nicht von dem Spassvogel Jürgen locken!!!
Grüsse steffen52


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#122

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 11.09.2014 19:07
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #119
Aber Thomas. Ab dem 01.04. 1989 durfte doch jeder Volkspolizist ganz offiziell "Westen gucken". Ich habe mir an diesem Tag extra einen Fernsehtechniker kommen lassen. Der die entsprechenden Sender auf meinem Gerät einstellte. Vorher hätte ich mir das nie gewagt.

Viele Grüße in den Harz
Uwe


@ABV,

war die Erlaubnis mit dem Westfernsehgucken nicht vielleicht ein Vorbote, eine Strategie dafür, das man u.a. Euch ABV´s dafür sensibiliesieren wollte, das ihr euch nicht irgendwann wundern solltet, wenn besonders im Hausmüll von SED- Bonzen, bei der VEB Abfallwirtschaft verstärkt vollge***issene Höschenwindeln auftauchten und diese zweifelsfrei der Herkunft "Klassenfeind" zuzuordnen waren?


josy95


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#123

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 11.09.2014 20:00
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von steffen52 im Beitrag #121
Uwe, lasse Dich nicht von dem Spassvogel Jürgen locken!!!
Grüsse steffen52


Spaßvogel ??

Ich betreibe hier ernsthafte politische Studien ,- ich verwarne Dich hiermit mit einem Punkt !



Gelle,- nun heulste....


....................................
Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#124

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 11.09.2014 20:00
von Hapedi | 1.884 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #109
Zitat von thomas 48 im Beitrag #106
Gert,
ich kann alle verstehen, die damals in den Goldenen Westen wollten,
,
nur wer wollte rüber, es waren viele gebildete Personen dabei, die hier fehlten
Es sind auch millionen Bürger hier geblieben, die eine andere DDR aufbauen wollten.
Viele Handwerker, Krankenschwestern und Ärzte sind verschwunden. Das Gesundheitswesen der DDR ist noch mehr zusammengebrochen und die dummen Nichtflüchtlinge bekamen einige Sorgen.
Ich hatte damals einen kleinen Sohn, der einen sehr guten Kinderarzt hatte. Eines tages wurde er krank und wir sind zum Dr. F. gegangen. Alles zu, der Herr, der mal einen Eid geschworen hatte, ist mit seiner Frau verschwunden. Er war ein sehr guter Arzt, hatte hohes Ansehen, viele kleine Patienten.
Habe also die anderen Kinderärzte angerufen und um einen Termin gebeten. ,,tut uns leid, alles belegt, keine Termine frei ,, usw.,
ist ja nur ein kleines Beispiel, haben bestimmt andere in anderen Gegenden auch erlebt.
Wir haben alle bei Demos gerufen ,,wir sind das Volk, wir bleiben hier,,
dann wollte jeder in den westen, wo es alles gab.
Ich verstehe alle Bürger die aus politischen Gründen im Knast waren und die dann glücklich waren in die Freiheit zu fahren.
ich verstehe nicht die Bürger, die auf einmal nur an sich dachten und die übrigen in Stich ließen.


@thomas 48
verstehe ich alles was du schreibst. An diesen Problemen waren aber nicht die Menschen schuld, die die DDR verlassen haben oder verlassen wollten. Daran war diese engstirnige Bande von Funktionären schuld und natürlich die Politik die sie verfolgten. Die hatten doch keine Ahnung vom Leben, oder hast du mal davon gehört dass Ulbricht oder Honecker in ihrem Leben etwas produktives geleistet haben außerhalb ihres Parteiapparates. In diesem Parteiapparat ging es nicht um die Menschen die regiert wurden, sondern darum, jeden Tag die Macht zu verteidigen. Von diesen Apparatischks und Parteisekretären liefen Tausende rum in diesem Staat nur zur Überwachung und Schikanierung des Volkes. Dafür haben sie auch noch tolle Gehälter bezogen! Ulbricht hat es doch mal ausgesprochen sinngemäß : nu, lass sie doch mal wählen, es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen die Macht behalten.
Den haben doch deine Probleme einen feuchten Kehricht interessiert. Ich habe sie selbst erlebt, wie sie mir immer wieder Knüppel zwischen die Beine warfen. Mir waren letztlich alle Wege verbaut, in diesem Lande einen Beruf zu lernen, an dem ich Spass hatte, in dem ich gefordert werde. Einen Arbeitssklaven wollten sie, sonst nichts aber ich habe ihnen etwas gehustet.
Wenn mir nicht die Flucht gelungen wäre , so hätten sie mich eines Tages mit ihrem Gummiparagrafen " staatsfeindliche Hetze " oder "Verbindungsaufnahme" eingebuchtet. Glaub mir, es war nicht einfach für mich, das schöne Thüringer Land zu verlassen. Wenn man so etwas beschliesst, muss schon ne Menge passieren Das ist mal die Kehrseite der Medaille Leben und bleiben in der DDR. Das wa sich gefühlt udn erlebt habe, haben dann 89 Millionen erlebt und sie haben es geregelt, die Entsorgung dieser Dilletantentruppe.







besser kann es nicht zum Ausdruck gebracht werden @Gert

gruß Hapedi



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#125

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 11.09.2014 22:19
von Gelöschtes Mitglied
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Ein sehr schöner Thread,den @ABV hier gesetzt hat...und er läuft mal ohne Zank.
Spannende Erlebnisse werden geschildert,sodass man sich in Einige quasi reinversetzen kann.
Das meiste liest sich echt super.
Macht bloß weiter so!
Meine Erlebnisse werde ich hier sicher auch noch veröffentlichen,versprochen.
Doch dazu brauch ich eine Weile.
Das schaffe ich nicht in 5 min.

Und cool.....ich habe endlich mal einen Post vom @94 zijer begriffen.

Gruß ek40


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#126

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 11.09.2014 22:31
von 94 | 10.792 Beiträge

Aha, soso, ... na sollte sich einer von uns Beiden die Reihenfolge (der 'Spaßmacher' von gestern Abend) merken.
Ich hatte (wie immer) stilles Wasser *grins*

Zitat von Gert im Beitrag #105
... und so knipste ich am Vorabend mit meiner Fernbedienung durch die Programme und blieb bei der life-gesendeten Schabowski PK hängen. ...
Zitat von 94 im Beitrag #115
Das Programm DDR2 in Düsseldorf-Hellerhof *staun*
[/rot][quote=Gert|p386358]wie kommst du denn darauf ? Natürlich war DDR TV im Westen D's nicht zu empfangen. Wir hatten aber auch schon Fernsehen und die haben es übertragen wir waren nicht das Tal der Ahnungslosen im Westen
Nun, der einzige Sender welcher die PK live sendete, (mWn) war nunema DDR2. Also entweder wars nicht live oder es war doch Ostfernsehn, was westlich des Neandertals empfangen wurde.

Apropos Thema Fernsehn, wer hat eigentlich an dem Abend das Spiel VfB-Bayern gesehen?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 11.09.2014 22:31 | nach oben springen

#127

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 12.09.2014 16:53
von thomas 48 | 3.578 Beiträge

Gert,
ich habe in der Schule gelernt, das W. Ulbricht Tischler und W. Pieck Kunsttischler war.
Habe mal vor lange Zeit die ,,Rote Fahne,, Zentralorgan der KPD gelesen. Dort fand ich eine Kandidatenliste für eine Wahl, in der die Namen, Wohnorte und die Berufe standen. Walter Ulbricht war ein Holzarbeiter.
Wenn ich den Beruf Tischler lese denke ich an einen Experten, ein Holzarbeiter klingt etwas anders


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#128

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 12.09.2014 17:17
von thomas 48 | 3.578 Beiträge

Besetzung der Dienststelle des MFS in Eisenach.
Im Dezember 1989 wurde von mutigen Bürgern die Dienststelle in der Kurstraße besetzt. leider kennt man nicht mehr alle Namen der Bürger die dabei waren. Man fand unter anderem viele Maschinenpistolen, Pistolen, Handgranaten und viel Schnaps.
Einige Namen sind noch bekannt.
Frauen, Brigitte Korndörfer, Christine Grabe, Margot Friedrich
Herren , Schlosser Ralf Päsler, Chefarzt Gerhard Haase, Arzt Dr Kasper, Superintendent Hans Herbst, Staatsanwalt Gerd Fischer, Fotograf Lutz Mittelbach,und ein Major der VP.
Zeitungsinterview, Ausschnitt vom 6.9


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#129

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 12.09.2014 17:50
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #127
Gert,
ich habe in der Schule gelernt, das W. Ulbricht Tischler und W. Pieck Kunsttischler war.
Habe mal vor lange Zeit die ,,Rote Fahne,, Zentralorgan der KPD gelesen. Dort fand ich eine Kandidatenliste für eine Wahl, in der die Namen, Wohnorte und die Berufe standen. Walter Ulbricht war ein Holzarbeiter.
Wenn ich den Beruf Tischler lese denke ich an einen Experten, ein Holzarbeiter klingt etwas anders

Hallo Thomas,

nur kurz nebenher: Bis in das 19. Jahrhundert hinein war die offizielle Berufsbezeichnung der Tischler und Schreiner "arcularius". Im 19. Jahrhundert wurden die lateinischen Berufsbezeichnungen zunehmend eingedeutscht. Das erfolgte in den einzelnen Ländern unterschiedlich. Die Überbezeichnung für Tischler und Schreiner wurde "Holzarbeiter", wobei Tischler die Spezialisierung für die feineren Arbeiten und Schreiner die Spezialisierung für gröberen Arbeiten ausdrückte. Das schließt sich also nicht aus. Ich bin zum Beispiel laut Facharbeiterabschluss "Fahrzeugschlosser mit der Spezialisierung Kfz.-Schlosser". Damit man versteht, was ich gelernt habe, nenne ich mich Kfz.-Schlosser. Müsste es nach amtlicher Urkunde gehen, wäre es "nur" Fahrzeugschlosser.

Ist also kein Manko.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#130

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 12.09.2014 17:55
von ABV | 4.202 Beiträge

Die wundersame Familienzusammenführung des Oberstleutnants Lustig

Oberstleutnant Lustig, der natürlich in Wirklichkeit ganz anders heißt, aber dennoch eine reale Person ist, leitete einst ein größeres Volkspolizeikreisamt. Irgendwo zwischen Frankfurt (Oder) und der Berliner Stadtgrenze. Genosse Lustig waltete mit strenger Hand seines Amtes. Das munkelten jedenfalls die ihm untergebenen Volkspolizisten.
Dann kam der Herbst 1989. In dem sich von einem Tag auf den anderen so vieles änderte. Zum Beispiel das Genosse Lustig und alle anderen Genossen auch, den Klassenfeind besuchen durften. Eines schönen oder vielleicht nicht so schönen Dezembertages, reiste der Oberstleutnant zusammen mit seiner Gattin durch den offenen " Antifaschistischen Schutzwall" nach Westberlin. Nicht etwa um zu shoppen. Genossen Lustig schwebte höheres vor. In Erwartung weiterer Veränderungen dachte er sich: besuche doch mal eine Westberliner Polizeidienststelle! Mal sehen, wie es bei denen so läuft. Natürlich inoffiziell. Denn offiziell hätte das der ihm vorgesetzte Chef der "Bezirksbehörde der Volkspolizei Frankfurt (Oder)" gar nicht lustig gefunden, was der Genosse Lustig da im Sinne hat.
Aber Lustig pfiff auf den Frankfurter General, der vielleicht gerade selbst durch einen kapitalistischen Konsumtempel tigerte und schritt schnurstracks zur nächst besten Polizeidienststelle im Berliner Westen. Dort sah man den Besuch eines solch Rang-hohen VP-Offiziers völlig locker.
Lustig wollte sich natürlich nicht mit Subalternen Streifenbullen unterhalten. Sondern mit dem Dienststellenleiter. Der ihm, wer hätte auch etwas anderes erwartet, sofort eine Audienz gewährte. Logisch, wer kann solch hohen Besuch schon widerstehen?
Die beiden Polizisten begrüßten sich herzlich. Bei der Vorstellung stutzten beide. Verfügten doch beide über den selben Familiennamen. Der, wie gesagt, nicht Lustig lautete. Aber ihr wisst ja wie das ist, mit den Klarnamen.
Jedenfalls sagte der eine zum anderen : " Nee nich, du heißt echt Lustig? Wo kommst du denn her?" Am Ende des Frage & Antwortspiels stellten die " lustigen Polizeiführer" überrascht fest, dass sie Cousins sind. So ein Zufall aber auch!
" Ganz zufällig" hatte der West-Lustig noch einen dicken BMW übrig. Den er, noch immer voller Rührung über die wundersame Familienzusammenführung, seinem "armen" Ost-Cousin wenige Monate später schenkte.
Also wem jetzt nicht die Tränen kommen, dem ist wohl nicht mehr zu helfen!

Diese Story hatte "Lustig" allen Ernstes seiner Belegschaft erzählt. Die natürlich verwundert die Köpfe schüttelten, dass ausgerechnet der vormals so stramm kommunistische "Alte", der erste war der den Trabbi gegen eine Westkarre eintauschte.
Ob da nicht wohl der Genosse Lustig bereits zu den "Blütezeiten" der DDR heimliche Kontakte zu seinem im Dienst des Klassenfeindes stehenden Vetters unterhielt?
Wer jetzt den Genossen Lustig für einen heimlichen, in die Uniform der VP gewandeten Kämpfer wider das SED-Unrecht hält, sollte sich die weiteren Sätze genau durchlesen:
Oberstleutnant Lustig, der sich nun Oberrat Lustig nannte, blieb auch über die Wiedervereinigung hinaus auf seinen Posten. Mitte 1991 wurden sämtliche Führungsposten neu ausgeschrieben. Neu bewerben mussten sich auch all jene, die im " Höheren Polizeidienst", ab Polizeirat aufwärts, verbleiben wollten.
Selbstverständlich wollte Lustig weiterhin ganz oben mitmischen. Keck bewarb er sich um eine Führungsposition im " Höheren Dienst". Just in dieser Zeit wurden einige seiner Untergebenen von Straftätern angezeigt. Eine dumme Sache. Die durchaus Konsequenzen haben konnte. Bis hin zur Entfernung aus dem Dienst. Zumal für einen Ex-Volkspolizisten die Erfahrung " in die eigene Maschinerie zu geraten", absolutes Neuland darstellte.
Verzweifelt baten die Polizisten ihren Chef um Rat. Dieser aber wies die Untergebenen mit dem Hinweis: " dass er ihnen nicht helfen kann, da dieses seinen geplanten Einstieg in den " Höheren Polizeidienst" des Landes, gefährden würde", ab. Sie sollten gefälligst selbst sehen, wie sie aus der Sache wieder rauskommen."

Gruß an alle
Uwe


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Kalubke, RudiEK89 und josy95 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 12.09.2014 18:30 | nach oben springen

#131

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 12.09.2014 18:27
von Kalubke | 2.300 Beiträge

ja, ja, braunes Ei und weißes Ei. Und wennse runterfallen..................siehe da, beide gelb!

Gruß Kalubke



ABV, damals wars und RudiEK89 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#132

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 12.09.2014 18:43
von Zkom IV | 323 Beiträge

@ABV
Hi Uwe,
das ist ja eine "lustige" Geschichte.
Frage dazu: Ist denn der Herr POR Lustig letztendlich auch übernommen worden ?
Vielleicht hat ihm sein Cousin auch einen Job bei der Wapo in Berlin verschafft...... aber nein.... das wäre ja keine Führungsposition gewesen.

Schon sehr merkwürdig, wie Menschen sich unter extremen Situationen verändern.

Gruß Frank



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#133

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 12.09.2014 19:51
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #127
Gert,
ich habe in der Schule gelernt, das W. Ulbricht Tischler und W. Pieck Kunsttischler war.
Habe mal vor lange Zeit die ,,Rote Fahne,, Zentralorgan der KPD gelesen. Dort fand ich eine Kandidatenliste für eine Wahl, in der die Namen, Wohnorte und die Berufe standen. Walter Ulbricht war ein Holzarbeiter.
Wenn ich den Beruf Tischler lese denke ich an einen Experten, ein Holzarbeiter klingt etwas anders



@thomas 48 ist Dir noch nie aufgefallen, das die SED- Führung ihren Berufswerdegang immer verbal so untersetzen mussten, das entweder das Wort Arbeiter darin vorkam oder jeder einen Rückschluß auf diese soziale Herkunft ziehen mußte. Da ist ja vom Grundsatz her auch nichts dran auszusetzen. Heute würde man sich wieder dringend wünschen, das manch einer unserer überbezahlten Politiker -innen noch wüßte, was es heißt, mit seiner Hände Arbeit einen oft echt kargen Lohn zu verdienen, einfacher gesagt, ein Arbeiter zu sein.

Aber damals, nach 1945 bzw. 1946 mit Gründung der SED gehörte diese Angabe zur sozialen Herkunft schon zu einer ausgeklügelten stalinistischen Ideologie, worauf durch Frust auf Nazis, Krieg und Elend auch sehr viel Menschen (verständlicher Weise!) reingefallen sind.

In Wahrheit waren es aber fast alles von Stalin bestens instruierte und jetzt machtgeile ehem. KPD- Funktionäre, Proleten niederen Niveaus und raffinierte Mordbuben, wie z. Bsp. ein E. Mielke. Die die Macht mit Hilfe Moskaus sehr schnell an sich rissen und dem Volk vorgaukelten, sie seien welche von ihnen, nämlich Abeiter, Bauern...

Diese gigantische Massenverdummung flog das erste mal am 17. Juni 1953 richtig auf. Und da zeigten diese selbsternannten Arbeiter ganz schnell ihr wahres Gesicht...
Sollte dann noch mal 36 Jahre dauern, bis sich diese Massenverdummung dann endlich eledigte und ein E. Mielke uns dann plötzlich alle lieb hatte...

josy95


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#134

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 12.09.2014 20:46
von josy95 | 4.915 Beiträge

Angeregt von @ABV´s Beitrag zum netten Herrn Vorgesetzten Lustig möchte ich meinen Beitrag mal etwas barscher titulieren.

Nenne ich ihn mal nach einer Redewendung aus der Seefahrt:

Die Ratten verlassen das sinkende Schiff

Wir hatten einen recht stattlichen ABV der Transportpolizei in Wernigerode, Lothar B. Spitznahme Bummi.

Ich hatte schon einige male über ihn hier geschrieben, menschlich mochte ich ihn wie viele andere Kollegen auch. Jeder wußte, wer und was er war, und so begegnete man sich einfach mit dem notwendigen Respekt, aber auch einer gewissen Vorsicht. Er war sehr geradlinig, besonders was seine Person selbst anbelangte und hatte auch ein sehr hohes Fachwissen im Eisenbahnbereich. Auch hatte er immer ein offenes Ohr im Vieraugengespräch, besonders wenn mal etwas von den alltäglichen kleineren Dilemmas passiert war, war nie nachtragend oder ein kleinlicher Paragraphenreiter. Auch immer für das eine oder andere Späßchen aufgelegt.
O. k., er war ein sehr strammer SED- Genosse, jedoch einer von der selteren Art Positiv, das war kein Geheimnis und es wußte jeder.

Als ABV (T) unterstand ihm natürlich auch das VP- Helferkollektiv am Dienstort des Bahnhofes Wernigerode,

Sein Stellvertreter und Gruppenführer (oder wie diese Funktion auch immer hieß???) war der Oberlehrmeister des Bf´s Wernigerode, Reichsbahnrat (und damit s. g. "Raupenschlepper") K. aus meiner Heimatstadt Ilsenburg. Ein ebenfalls ganz, ganz strammer SED- Genosse, aber im Gegensatz zum ABV Bummi nur mit der berühmten äußerlich hyperdunkelroten Schale, dazu menschlich unsymphatisch und arrogant. Konnte u. a. nicht grüßen - sowas bildete aber Lehrlinge im Zugbegleitdienst aus!

Sah man ihm im Zivielen, also ohne Reichsbanuniform, sah man sehr deutlich, das fast alle Teile seiner immer nobelen Garderobe sehr edeler Natur und mit Sicherheit Made in western Germany waren. Gegenüber der üblichen Konsumgarderobe hervorstachen. Eben einer dieser ganz tollen und treuen, "liebenswerten" SED- Vorteilsgenossen....

Es kam der Wendeherbst 1989 und die Massenfluchten u. a. über Ungarn und die Botschaft in Prag.

Und wer war plötzlich mit einer der ersten Reichsbahner aus Wernigerode, der auf diese Weise dem Sozialismus entflogen war?

Reichsbahnrat K., der gestrenge Gruppenführer des VP-Helferkollektives des Bhf´s Wernigerode!
An solch einem relativ kleinen Dienstort wie WR sprach sich das natürlich wie ein Lauffeuer rum!

Dabei kam heraus, das nur wenige Tage vor seiner Flucht noch eine Versammlung des VP- Helferkollektivs Wernigerode stattgefunden hatte und unser geliebter Genosse K. sein Helferkollektiv auf die bösen Aktivitäten der Klassenfeinde eingeschworen hatte!

Eines Morgens an der Lokleitung, die Fahnenflucht war immer noch in aller Munde, stand wie so oft unser Trapo- ABV Bummi auch mit an der Lokleitung. Er musste und wollte natürlich bei solchen Gelegenheiten auch immer sein Ohr "an die Masse" legen. Wer 1 und 1 zusammenzählen konnte, wußte das auch.
Es war schon die Zeit, wo kaum noch einer ein Blatt vor den Mund nahm. Ein Kollege (hatte wegen Republikfluchtversuch mal eingesessen) aber immer noch mit etwas losem Mundwerk fragte unseren ABV Bummi doch ganz direkt: "Was ist denn bei euch nur los? Das ist ja wie bei der christlichen Seefahrt - die dicksten Ratten verlassen zu erst das sinkende Schiff! Stellt ihr dafür jetzt einen Schutzheiligen ein?" Wir standen ersteinmal mit dem sprichwörtlich offenem Mund da, keiner wußte, ob er lachen sollte oder vielleicht auch lieber gehen sollte. Ich habe diesen Satz nie vergessen. Wobei ich auch ehrlich sagen muß, so wäre mir nie über die Lippen gegangen!

Unser Bummi stellte sich mit hochrotem Gesicht erst etwas unwissend, naiv. Wobei er garantiert sofort wußte, worum und vor allen Dingen, um wen es ging. Der Name des Genossen Reichsbahnrat K. fiel dann auch.

Da erlebte ich etwas, womit ich so nie gerechnet hatte, Bummi verließ mit immer noch hochrotem, aber deutlich sichtbar gesenkten Kopf als eine Art gebrochener Mann und ohne ein Wort diese Runde. Ich hab ihn dann sehr in sich gekehrt, erst nach einigen Wochen wiedergesehen. Wo er sonst fast zum Alltagsbild, bald schon zum lebenden Inventar auf den Bahnhöfen von Wernigerode gehört hatte...


josy95


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zuletzt bearbeitet 12.09.2014 21:14 | nach oben springen

#135

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 13.09.2014 11:57
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Zkom IV im Beitrag #132
@ABV
Hi Uwe,
das ist ja eine "lustige" Geschichte.
Frage dazu: Ist denn der Herr POR Lustig letztendlich auch übernommen worden ?
Vielleicht hat ihm sein Cousin auch einen Job bei der Wapo in Berlin verschafft...... aber nein.... das wäre ja keine Führungsposition gewesen.

Schon sehr merkwürdig, wie Menschen sich unter extremen Situationen verändern.

Gruß Frank


Hallo Frank!
Der "Kollege Lustig" ist vor sechs Jahren in Pension gegangen. Bis zuletzt war er in " höheren Führungsfunktionen" bei der Brandenburger Polizei tätig.
Manche haben es eben drauf.

Viele Grüße aus dem Oderbruch
Uwe


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#136

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 13.09.2014 13:05
von ABV | 4.202 Beiträge

Der verlorene Bruder

Im April 1990 erhielten meine (damaligen) Schwiegereltern überraschenden Besuch. Vor der Tür stand der Bruder meiner Schwiegermutter. Der im Jahre 1960, als im Harz eingesetzter Unteroffizier der " Grenzpolizei" Fahnenflucht begangen hatte und heimlich über die Grenze in den "Westen" gegangen war. Hintergrund der Fahnenflucht war wohl eine Schlägerei im Ausgang. Mit einem anderen Grenzpolizisten. Offenbar aus Angst vor einer Bestrafung, flüchtete der Bruder, nennen wir ihn Walter, nach Niedersachsen.
Dort verlor sich seine Spur. In den ganzen Jahren kam nicht ein einziger Brief von ihm Zuhause an. Niemand kannte seine Adresse in der Bundesrepublik. Während er dort Arbeit fand, heiratete und eine Familie gründete, blieben die Angehörigen in der DDR weiter im Unklaren. Zuerst starb sein Vater. Einige Jahre darauf auch seine Mutter. Bis zuletzt auf ein Lebenszeichen von Walter hoffend. Nichts geschah. Bis zur Wende.
Inzwischen wohnte im ehemaligen Heimatort keiner mehr von Walters in alle Himmelsrichtungen verstreuten Familie. Es gelang ihm aber in Wernigerode eine Schwester ausfindig zu machen. Von dieser erfuhr Walter die Adresse seiner anderen, nun in der Nähe von Seelow wohnenden Schwester.
Warum sich Walter all die Jahre nicht gemeldet hat? Wie sich herausstellte, hatte Walter beinahe jeden Monat einen Brief nach Hause an seine Mutter geschrieben. Diese Briefe blieben jedoch unbeantwortet. Weil sie die Empfängerin nie erreichten. Den Grund kann man sich wohl denken.
Walter, von Hause kein Held, traute sich nicht zu Besuch in die DDR zu kommen. Er fürchtete, als Fahnenflüchtiger Militärangehöriger, an der Grenze festgenommen zu werden. Berechtigte Sorge oder Paranoia? Ich masse mir darüber kein Urteil an!
Jedenfalls war die Freude riesig, als Walter, der seit etlichen Jahren in einem in der Lüneburger Heide wohnte, vor der Tür stand. Ich habe Walter als einen sehr netten, aufgeschlossenen Menschen kennengelernt. Der gegenüber der DDR überhaupt keinen Groll hegte. War doch seine Flucht mehr oder weniger eine Kurzschlussreaktion gewesen. Die sich im Nachhinein als Glücksgriff erwies. An Bord seines " Lada Niva" habe ich ihm dann ein paar Sehenswürdigkeiten gezeigt. Ich durfte ja nun, ohne Angst und Gewissensbisse, zusammen mit einem Bundesbürger reden und gesehen werden. Kopfschütteln und Unverständnis hatte die Fahrt im "Westauto" dennoch bei einigen die mich erkannten, ausgelöst. Gestern tiefrot und heute stolz im Westauto durch die Lande fahren. Ernsthaft verdenken kann man den Menschen diese Meinung wohl kaum. Komisch, geradezu grotesk erscheint dagegen, dass solch ein popliges Auto wie ein " Lada Niva" zu "Lebzeiten" der DDR als " dicker Westwagen" durchging.
Walters Besuch sollte nicht der letzte sein. Weitere folgten. Dem sich später auch Gegenbesuche anschlossen. Bald jedoch schlug die anfängliche Freude über das Wiedersehen bei einigen aus der familiären "DDR-Fraktion" in absoluten Frust um. Walter und dessen Familie fiel ihnen schlicht auf die Nerven. Da fielen schon, intern, solche Sätze wie: " Warum ist der denn nicht schon vor 1989 aufgetaucht? Da hätte man noch seine Vorteile von ihm gehabt. Über ein Westpaket mit Schokolade, Bananen und Kaugummis hätten wir uns damals garantiert gefreut. Aber jetzt? Jetzt können wir uns das Zeug selbst kaufen. Warum soll man denn die Sippe ständig besuchen oder deren Besuch ertragen?" Bescheuerte Worte. Vor allem wenn sie aus den Mund früherer SED-Genossen stammen!
Irgendwann hatte sich das Verhältnis derart abgekühlt, dass gegenseitige Besuche kaum noch stattfanden. Angeblich wegen Walters "arroganter Ehefrau", zu der man keinen "Draht" fand.
Und da sagt man in den " Neuen Bundesländern", dass nur die "Wessis" borniert und berechnend seien.

Gruß an alle
Uwe


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Hackel39, RudiEK89, andyman, josy95, Svenni1980, Gert und Kalubke haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#137

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 13.09.2014 19:44
von Zkom IV | 323 Beiträge

Hi Uwe,

genau das hatte ich befürchtet, dass solche Typen auch noch mit ihrem schmierigen Getue weiterkommen.
Fürchterlich.

Vielen Dank für die Auskünfte.

Gruß in den Oderbruch.
Frank



ABV hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#138

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 13.09.2014 20:11
von thomas 48 | 3.578 Beiträge

Uwe,
mit dem Walter habe ich eine Frage
Angenommen, der wäre 1985 vor deiner Haustür gestanden, was hättest du als Polizist gemacht?
Hättest du den zum Bier eingeladen??


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#139

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 14.09.2014 15:51
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #138
Uwe,
mit dem Walter habe ich eine Frage
Angenommen, der wäre 1985 vor deiner Haustür gestanden, was hättest du als Polizist gemacht?
Hättest du den zum Bier eingeladen??



Nein Thomas. Ich hätte ihn abgewiesen und anschließend meine Dienststelle informiert. So wie es damals verlangt wurde. Alles andere wäre jetzt unehrlich!

Viele Grüße aus dem Oderland
Uwe


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RudiEK89 und thomas 48 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 14.09.2014 17:04 | nach oben springen

#140

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 16.09.2014 14:59
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #15
[quote=turtle|p385516][quote=manudave|p385502]Die Tische waren in U-Form aufgebaut und als Präsidium wurde das U abgeschlossen von einem Tisch, an dem Generale und Offiziere Platz nahmen. Ich weiß nicht mehr, wen ich begleitete, aber mehr als zweimal brauchte ich nicht zu laufen. Wir standen dann vor dem Vorlesungsraum und es stand die Frage: Und nun? "Gehen wir mit rein!?" "Wer sagt, dass wir das dürfen?" "Wer sagt, dass wir das nicht dürfen?"" Wir gingen einfach mit rein, nahmen uns ein paar Stühle und setzten uns an den Rand des Podiums, von dem aus normalerweise die Vorlesungen gehalten wurden. Niemand sagte etwas, niemand fragte uns etwas. Ich erlebte die ersten 2 Stunden richtiger Basisdemokratie in meinem Leben. Interessanterweise hielt man sich an die Spielregeln einer formalen Sitzung. Einige, die anwesend waren, hatten selber augenscheinlich auch als Offiziere gedient. Es herrschte weitestgehend eine sachliche Atmosphäre. Die NVA wurde durch Generalleutnant Süß repräsentiert. Er versuchte, Rede und Antwort zu stehen. An ihm war während der Sitzung eine wesentliche Veränderung zu bemerken. Während er am Anfang versuchte, eher mit allgemeinen Aussagen und von oben herab, als der höchste Spezialist im Raum sozusagen, die Sitzung zu beherrschen, knickte er mit der Zeit unter den sehr konkreten und sachkundigen Fragen der Vertreter der Parteien und Organisationen immer mehr ein. Sein Gesicht war am Ende gerötet und ich sah an seinem Hals, dass er zitterte. Die Inhalte von damals habe ich bis heute längst vergessen, aber dieser Eindruck blieb mir im Gedächtnis.

ciao Rainman


Diese Frage, jetzt mal losgelöst vom Zusammenhang war wohl das damals am häufigsten im Alltag verwendete Kommunikationselement.
In dieser Phase der Unsicherheit wußten wir beispielsweise beim Lehrgang E- Traktion in Weißenfels im Winter 1989 weder, ob noch Uniformen beim Unterricht anzuziehen waren, noch ob es ein Lied ("Brüder zur Sonne zur Freiheit") vorm Schulbeginn geben würde.
Neugierig beäugte man die anderen Fraktionen, Dienststellengesandte, die möglicherweise schon mehr wußten wie die es hielten aber die waren genauso ratlos wie wir selbst, nicht mal die Lehrer gaben irgendwas vor ("Hauptsache wir sind vollzählig").
Das war schon alles neu und auch, auch daß Schichten offen blieben, weil wieder mal irgendeiner sein Begrüßungsgeld noch nicht abholen konnte oder der neue Familienwagen angeschafft werden sollte und den gab es nun mal nicht um die Ecke.
Für die Erinnerung hoch relevant waren im Jahre 1989/ 90 auch ganz konkrete Daten, wie z. B. die verbindliche Mitteilung des Umtauschkurses (April 1990) oder geänderte Modalitäten auf dem Freifahrtsektor der Bahn.
Da hatten wir 1-2 Jahre die "Flat rate"- Karte für das gesamte Territorium der DR ohne irgendwelche Einschränkungen, das war aber schnell vorbei.
Diese Karte wurde an den Rändern immer vom Kaderleiter (der vorher den Parteibeitrag kassierte) abgestempelt.
Zur Auflösung der Massenorganisationen hatte ich schon mal geschrieben, die SED hatte nun keine Betriebs- sondern nur noch Wohnparteiorganisationen (WPO) an die unsere Mitglieder verwiesen wurden, die neuen Anlaufstellen wurden sogar konkret bezüglich der jeweiligen lokalen Zuständigkeit benannt.
Im Wendejahr wagten wir sogar im Jugendverband neue Wege, ich erstellte damals einen anonym gehaltenen Fragebogen über die Fortsetzung der Jugendarbeit im Betrieb, etwa Mitte des Jahres 1989 wobei die Beteiligung richtig hoch war mit dem Tenor, daß sich Partei und FDGB raus halten mögen und der Leiter der Dienststelle nichts auf den Versammlungen zu suchen hat und das für alle Jugendlichen die Veranstaltungen offen sein sollten.
Übrigens wäre ich in einer anonymen Wahl mit über 50% Zustimmung FDJ- Sekretär geblieben, wobei man trotzdem sofortige Neuwahlen im Fragebogen verlangte.
Daß alles innerhalb von Monaten ohne Wert war, konnte zumindest ich damals nicht absehen aber wie gesagt, den Jahren 1989/90 ist eigen, daß die Chronologie wochengenau geführt werden müßte, um Ereignisse in ihrer Abfolge genau einordnen zu können.
Mich persönlich haben die Vorgänge damals kaum emotional berührt, abgesehen von kleinen technischen Unwägbarkeiten.
Weder war ich fasziniert vom (konsumindizierten) Freiheitsdrang meiner Mitmenschen noch haben mich Pöbeleien einiger Mitstreiter in Richtung "Jetzt geht es euch Roten an den Kragen" groß gejuckt, obwohl ich mir Sorgen machte, ob die Ordnung im Großen denn halten würde unabhängig vom Herrschaftssystem und daß der Bahnbetrieb nicht zum Stillstand kommen möge angesichts der Fluchtwellen Richtung Westen.



ABV, Rainman2 und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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