#281

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 24.11.2014 23:28
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Speedbus im Beitrag #277
Zitat von josy95 im Beitrag #50


Leider wurde der Kontakt zu meinen Verwandten nach Grenzöffnung weniger
. Sie kamen zwar mal zu Besuch, haben da aber nur eingekauft. Irgendwann meldeten sie sich gar nicht mehr. Fand ich schade.










Weil Sie Angst hatten das man ihnen was wegnimmt?
Das man sich bei ihnen einnistet?
Mein Onkel machte mir gleich klar ,,nur für eine Nacht" !



Ja, traurig. Sowas soll es und auch gar nicht mal so wenig, auch gegeben haben.

Genau wie die nach dem Beitritt der DDR erfolgten Erbauseinandersetzungen, wo in den meißten Fällen die Fetzen nur so flogen. Ganze Familienbande dauerhaft, für immer auseinanderbrachen.
Einzigste Gewinner: Rechtsanwälte per Honorar, Vater Staat bei den Gerichtskosten.
Verlierer zu etwa 95 %: ehem. DDR- Bürger. Weil vom DDR- Staat mit wenig brauchbaren Unterlagen ausgestattet und der Einigungsvertrag (u. a. die Klausel Rückgabe vor Entschädigung) noch pro Altbundesbürger gestrickt wurde...

Jetzt wird es mit Garantie Proteste geben, o. k..

Dann denkt bitte aber darüber mal ganz wertfrei nach, wenn man aus persönlichen, meißt wirtschaftlichen Erwägungen Haus und Hof mit samt der Eltern, vielleicht auch noch Großeltern zurückläßt, in eine andere Region zieht, dort eine Art Wertausgleich in Form des damals in der alt- BRD gezahlten s. g. Lastenausgleiches bekommt und die anderen Angehörigen mit allen Sorgen und Nöten zurückläßt, sich kümmern läßt. Verwirkt man denn da nicht nur moralisch Einiges?
Etwas anders sehe ich es bei der Minderheit, die nachweislich(!) aus echten politischen Gründen und wegen Verfolgung die DDR verlassen haben, verlassen mußten. Zumindest ist mein Rechtsempfinden so, das hier eine weitere gravierende Ungerechtigkeit in der Überwindung der deutschen Teilung geschah..., die so hätte nicht geschehen dürfen!

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
ABV, andyman und 94 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 24.11.2014 23:29 | nach oben springen

#282

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 25.11.2014 18:23
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von josy95 im Beitrag #281
Zitat von Speedbus im Beitrag #277
Zitat von josy95 im Beitrag #50


Leider wurde der Kontakt zu meinen Verwandten nach Grenzöffnung weniger
. Sie kamen zwar mal zu Besuch, haben da aber nur eingekauft. Irgendwann meldeten sie sich gar nicht mehr. Fand ich schade.










Weil Sie Angst hatten das man ihnen was wegnimmt?
Das man sich bei ihnen einnistet?
Mein Onkel machte mir gleich klar ,,nur für eine Nacht" !



Ja, traurig. Sowas soll es und auch gar nicht mal so wenig, auch gegeben haben.

Genau wie die nach dem Beitritt der DDR erfolgten Erbauseinandersetzungen, wo in den meißten Fällen die Fetzen nur so flogen. Ganze Familienbande dauerhaft, für immer auseinanderbrachen.
Einzigste Gewinner: Rechtsanwälte per Honorar, Vater Staat bei den Gerichtskosten.
Verlierer zu etwa 95 %: ehem. DDR- Bürger. Weil vom DDR- Staat mit wenig brauchbaren Unterlagen ausgestattet und der Einigungsvertrag (u. a. die Klausel Rückgabe vor Entschädigung) noch pro Altbundesbürger gestrickt wurde...

Jetzt wird es mit Garantie Proteste geben, o. k..

Dann denkt bitte aber darüber mal ganz wertfrei nach, wenn man aus persönlichen, meißt wirtschaftlichen Erwägungen Haus und Hof mit samt der Eltern, vielleicht auch noch Großeltern zurückläßt, in eine andere Region zieht, dort eine Art Wertausgleich in Form des damals in der alt- BRD gezahlten s. g. Lastenausgleiches bekommt und die anderen Angehörigen mit allen Sorgen und Nöten zurückläßt, sich kümmern läßt. Verwirkt man denn da nicht nur moralisch Einiges?
Etwas anders sehe ich es bei der Minderheit, die nachweislich(!) aus echten politischen Gründen und wegen Verfolgung die DDR verlassen haben, verlassen mußten. Zumindest ist mein Rechtsempfinden so, das hier eine weitere gravierende Ungerechtigkeit in der Überwindung der deutschen Teilung geschah..., die so hätte nicht geschehen dürfen!

josy95


Oft haben aber einfach nur Sachzwänge darüber entschieden, wer geht oder wer bleibt zumindest zur Zeit als die legale Ausreise in die BRD noch möglich war.
Leider war ich damals noch nicht auf der Welt als beide Brüder meines Vaters nach Niedersachsen übersiedelten und er selbst als Jüngster zurück blieb, um bei den Eltern zu bleiben und das Haus gab es ja auch noch.
Seine Eltern starben 1960 und 1962, ebenfalls vor meiner Zeit aber die Falle war damals schon zugeschnappt, jedoch hat Vater nie groß deswegen lamentiert, vielmehr ging er wohl auch bereits 1954 mit 19 Jahren in die Partei, war aber nie in irgendwelchen Führungspositionen.
Von Begeisterung für die Sache habe ich nie etwas gespürt, ganz im Gegenteil, meine Aktivitäten auf dem aus seiner Sicht sinkendem Schiff sah er recht skeptisch, wurde aber nie deutlicher.
Er durfte bis 1989 zweimal nach drüben reisen, wahrscheinlich ist er auch nur deshalb in der SED geblieben, nach der Wende gab es maximal einmal pro Jahr Besuche, im Prinzip war man sich fremd geworden, die Briefkontakte mit meiner Cousine sind unverändert im Vergleich zur Vorwendezeit.
Die Übersiedlung meiner beiden Westonkel sah ich damals recht wertfrei, das war eben so, von Enttäuschung oder gar Verrat war keine Rede, zumindest nahm ich nie etwas derartiges wahr und daß gar das Elternhaus noch mal in irgendeiner Form zur Debatte stand, ist mir auch nicht bekannt.
Es ist schon aus heutiger Sicht ziemlich erschreckend, was damals alles normal war, wahrscheinlich sind wir aber damals robuster und geradliniger draufgewesen, so zumindest schätze ich mich mal ein.



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#283

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 03.03.2015 16:45
von AlfredTetzlaff | 112 Beiträge

Der 9. November 1989 und seine Ereignisse gingen an mir vollkommen unbemerkt vorüber. Ich habe den interessanten Teil des Tages schlichtweg verpennt. Umso größer war die Überraschung am Tag drauf:

Auf der Schwäbischen Alb kündigte sich bereits der Winter an, dennoch fuhr ich mit dem Rad zur Schule. Ich war zwar der Neue in der Schule, aber ich fühlte mich wohl. Den schwäbischen Dialekt hatte ich nach ganzen 20 Tagen als Bundesbürger zwar noch nicht ganz verinnerlicht, aber ich kam gut zurecht.
Vor der Schule angekommen kam gleich eine Mitschülerin auf mich zu: "Du kannst jetzt wieder in den Osten." "Will ich aber nicht", sagte ich etwas genervt. Gleich kam der nächste Klassenkamerad angelaufen: "Die Grenze ist offen, Du kannst wieder nach Hause." Ich fühlte mich ziemlich verarscht und ging meiner Wege. Die wollen mich sicher verarschen, dachte ich bei so bei mir. Vielleicht waren sie sauer, dass ich hier und da mal eine "Freistunde" hatte.
Ich war zwar erst 12 Jahre alt und besuchte die 6. Klasse, dennoch hatte ich einen gewissen "Promistatus". Ich war der einzige Ossi in der ganzen Schule. Diesen Umstand wussten die Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrer zu nutzen. Jeden Tag stand ich vor einer anderen Klasse und wurde über alles mögliche zur DDR befragt. Wenn ich gefragt wurde wie lange die Mauer wohl noch stehen würde, sagte ich voller Überzeugung "noch ewig".

Der Weg ins Klassenzimmer geriet zum Spießrutenlauf. Jeder rief mir irgendwas zu und ich hatte bald den Kanal voll. Also ab ins Klassenzimmer und sehr beschäftigt tun. Der Lehrer kam rein und ich dachte, dass der Spuk nun endlich sein Ende fände. Falsch gedacht! Im Gegensatz zur Schule im Osten musste man im Westen nicht aufstehen, wenn der Lehrer das Zimmer betrat. Am 10. November war das allerdings anders. Der Lehrer erzählte nun auch etwas von historischem Ereignis und Mauerfall. Ich war zwar noch etwas ungläubig, aber ich hörte ihm wenigstens zu. Als er dann die Nationalhymne anstimmte, fing ich irgendwie an ihm zu glauben. Noch während die anderen sangen packte ich meine Sachen wieder zusammen, zog mich an und rannte zu meinem Fahrrad.

Ich musste sofort nach Hause, ich wollte es im Radio hören oder im TV sehen. Ich fuhr so schnell Rad wie ich nur konnte. Ich stürmte ins Haus, warf den Rucksack weg, bog scharf rechts ab und lief in die Küche. Dort lief der Fernseher. Meine Mutter schaute sich die Bilder kopfschüttelnd an und heulte wie ein Schlosshund. Wir konnten beide nicht fassen was da passiert ist.


Kalubke, Lutze, thomas 48 und 1941ziger haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 03.03.2015 17:12 | nach oben springen

#284

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 03.03.2015 17:00
von 1941ziger | 1.002 Beiträge

Siehst Du......heute hättest Du es schon auf dem Weg zur Schule über das Handy erfahren, so ändern sich die Zeiten.


Die veröffentlichte Meinung ist nicht die Öffentliche.
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#285

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 03.03.2015 17:08
von AlfredTetzlaff | 112 Beiträge

Ja, heute würde das Handy rappeln und die Spiegel Online App hätte eine Eilmeldung für mich. Nur dann hätte ich mir die Umstände sicher nicht gemerkt und hätte heute nichts zu erzählen.


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#286

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 25.11.2015 19:06
von Zange | 396 Beiträge

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich nicht mehr weiß, was ich am 9. Nov. gemacht habe. Ich habe mir schon oft das Hirn zermartert, komme aber leider nicht mehr drauf.

Ich kann mich jedoch genau erinnern, ich war damals schon bei der Polizei, dass wir am nachfolgenden Wochenende die Kollegen in Lübeck-Schlutup bei der Bewältigung des Einreiseverkehr aus der DDR im Nachtdienst unterstützen mussten. Ich meine, dass es Freitagnacht war.
Unsere Aufgabe bestand darin, die DDR-Bürger zu "sortieren", d. h., zu fragen, wohin sie fahren möchten.
Gaben sie als Fahrtziel Lübeck an, baten wir sie, ihr Fahrzeug auf den nahegelegen Parkplatz abzustellen und auf den extra eingerichteten Shuttlebus nach Lübeck zu warten.

Ich weiß noch, dass wir in der Nacht eine sog. Inversionswetterlage hatten, es war windstill, es fand kein Luftaustausch statt. Der Zweitaktqualm konnte nicht weg, und wir standen inmitten der Fahrzeugschlange. Das war eine echte Herausforderung. Aber das nahmen wir gerne in Kauf.

Während die Besucher auf den Bus warteten, kam man automatisch ins Gespräch, das war sehr interessant.
Nicht schlecht hat man gestaunt, als ich erzählte, dass ich für meine Dreizimmerwohnung ungefähr 400,--DM zahlen musste. Und dass ich, weil ich zwei Kinder hatte und meine Frau damals nicht arbeitete, auch erst zweimal im Ausland Urlaub gemacht hatte.

Wir hatten viele tolle Gespräche, und der Nachtdienst endete damit, dass mein Kollege und ich drei hübsche Damen aus der DDR, ganz gegen die Vorschrift, mit unserem Polizeibomber (VW-Bus) in die Lübecker Innenstadt gefahren haben.

Das war einer meiner schönsten Nachtdienste bei der Polizei, Geschichte hautnah.


Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen (Helmut Schmidt)
Grenzverletzerin, Schuddelkind und 94 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 25.11.2015 19:09 | nach oben springen



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