#61

RE: Unsere Grundrechte - Meinungsfreiheit

in Themen vom Tage 08.09.2014 09:22
von Kalubke | 2.299 Beiträge

Also wenn man sich die Begründung des Urteils gegen Schmidt durchliest, ist man genauso schlau wie vorher:

Schmidt sagt," ... dass, selbst wenn es sich hierbei um eine üble Nachrede handele, die Tat nicht hätte verfolgt werden dürfen, da der verstorbene Burianek nicht das Opfer einer Gewalt- oder Willkürherrschaft gewesen sei. Bei der DDR habe es sich nicht um einen solchen Unrechtstaat gehandelt."

Das Gericht sagt, "...Im Rahmen der Aufarbeitung der DDR-Diktatur hat die Oberste Rechtssprechung der Bundesrepublik unter Zugrundelegung der so genannten Radbruch'schen Formel berücksichtigt (da hatte Stringer hier im Forum schon drauf hingewiesen), dass nicht alle aus heutiger Sicht betrachteten Fälle des DDR Justizunrechts schlechthin unerträgliches Recht sind, sondern nur solche, in denen die Rechtswidrigkeit der Entscheidung offensichtlich war und durch welche die Menschenrechte anderer derart schwerwiegend verletzt worden sind, dass sich die Entscheidung als Willkürakt darstellt. Vor diesem Hintergrund wurde eine Verurteilung zur Todesstrafe auf der Grundlage von Artikel 6 Abs. 2 der DDR-Verfassung (so genannte Boykotthetze) vom Bundesgerichtshof als übermäßig harte und grausame Strafe gewertet und als Rechtsbeugung qualifiziert, die sich als schwere Menschenrechtsverletzung darstellt."

Also wenn ich diese Winkeladvokatensprache mal ins Deutsche übersetzte, dann wird die Verantwortung von Burianek für die Taten nicht bestritten, aber die damalige Strafe (Tod) als übermäßig hart und grausam bewertet.

Dass heißt also ein Krimineller kann juristisch durch eine übermäßig hohe Bestrafung zu einem zu rehabilitierenden Helden mutieren?

Das alles ist für mich ehrlich gesagt nicht nicht ganz logisch. Obwohl seine Taten strafbar waren, dürfen sie nun nicht genannt werden, weil es sonst üble Nachrede und Verunglimpfung ist.

Ob die Taten nun tatsächlich damals begangen wurden oder nicht, dafür scheint sich weder der Angeklagte, noch das Gericht zu interessieren. Sehr seltsam die ganze Szenerie.



Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 08.09.2014 13:02 | nach oben springen

#62

RE: Unsere Grundrechte - Meinungsfreiheit

in Themen vom Tage 08.09.2014 10:17
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #58
Aus rein juristischer Sicht ist im Fall Burianek eine Rehabilitation auf Freispruch ein Fehlurteil, welches nur politisch motiviert ist. Der unerlaubte Besitz von Sprengstoff, sowie die Verabredung eines (wenn auch nicht ausgeführten Verbrechens), ggf. auch die Bildung/Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung sind Straftatbestände, die auch unter rechtsstaatlichen Verfahren mit Haft bestraft werden.
Eigentlich hätte das Urteil im Rahmen der Rehabilitation auf eine zeitlich beschränkte Haftstrafe abgeändert werden müssen.
Die Tatschwere ist etwa mit der Sauerlandgruppe, welche Taten plante und vorbereitete, aber nicht mehr ausführen konnte vergleichbar.


Richtig und da zeigt sich einmal mehr dass unser Rechtsstaat nicht ganz so neutral und unfehlbar ist wie ich immer gedacht habe, diese Meinung habe ich ja schon aufgrund persönlicher Erfahrungen revidieren müssen. Ein Urteil welches auf einem Fehlurteil aufbaut ist auch ein Fehlurteil, der Vorgang bleibt ein Justizskandal.

Barbara ich hab dich nicht vergessen.


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zuletzt bearbeitet 08.09.2014 10:17 | nach oben springen

#63

RE: Unsere Grundrechte - Meinungsfreiheit

in Themen vom Tage 08.09.2014 11:38
von EK82I | 869 Beiträge

Na,die Brücke Erkner hat ja den geplanten Anschlag überstanden und ist erst dem technischen Fortschritt der neuen zeit zum "Opfer"gefallen. Aber zur Meinungsfreiheit,dieses Forum legt doch eigentlich den Finger auf die Wunde. Es ist zwar viel besser geworden,aber bei einigen Thema kommt es doch wieder hoch,andere Meinungen zu akzeptieren fällt nicht so leicht und wird dann manchmal noch mit Bewertungen versehen,die einfach überflüssig sind.Und aktuelle politische Berichterstattungen in dem bezahlten Staatsfernsehen zu verfolgen,ist nicht mehr mein Ding.Eine einseitige Berichterstattung,das hatten wir ja schon einmal.Aber besser machen,das geht wohl bis heute nicht!!!


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#64

RE: Unsere Grundrechte - Meinungsfreiheit

in Themen vom Tage 08.09.2014 11:51
von Barbara (gelöscht)
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Kein Stress, Sicherheitsrisiko.


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#65

RE: Unsere Grundrechte - Meinungsfreiheit

in Themen vom Tage 08.09.2014 12:54
von Barbara (gelöscht)
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Also für mich liest sich das so:

Burniak stand offensichtlich in einem politischen Schauprozess, man wollte ein Exempel statuieren, denn anders ist das Strafmaß (Tod durch Fallbeil) für eine Tat, die ja nicht erfolgreich war, nicht zu werten. Also rechtsstaatlich ist das für mich nicht.
Man bedenke, dass Burniak 1949 wegen der Auslieferung eines Wehrmachtsdeserteurs, d.h. er hat potenziell dessen Tod in Kauf genommen, nur ein halbes Jahr bekam, und das noch nicht mal absaß.
Ich verstehe, dass das Urteil revidiert wurde und zwar wegen Unangemessenheit.

Da es ja hier um die Meinungsfreiheit geht:

die Einschätzung, Burniak sei ein Terrorist gewesen, kann ich in der damaligen politischen Situation verstehen, schließlich war ein offenbar politisch motivierter Anschlag geplant, bei dem das Leben Unschuldiger auf dem Spiel stand.

Nun kann man fragen, warum lässt ein bundesdeutsche Gericht nicht gelten, dass ein ehm.DDR-Bürger das heute so äußert, weil es im damaligen Kontext der DDR ja so galt, wenn man den Hintergrund des kalten Krieges bedenkt.
Frage: hat Herr Schmidt das so gesagt: "im damaligen Kontext der DDR wurde Burniak als Terrorist angesehen"?
Oder: hat er das aus der heutigen Perspektive geurteilt. Denn dann wäre § 189 StGB "Andenken Verstorbener verunglimpfen" für mich nachvollziehbar, denn dadurch würde das aufgehobene Todesurteil nachträglich legitimiert, was ja eben aus den bekannten Gründen (Schauprozess) aufgehoben worden war.
Gott ist das kompliziert....

Für mich stellt sich aber abseits des juristischen Aspekts eigentlich die Frage, warum es für Herrn Schmidt überhaupt wichtig war, das zu äußern, bei einem Fall, der so lange her ist und dabei eine Klage in Kauf zu nehmen.


zuletzt bearbeitet 08.09.2014 13:00 | nach oben springen

#66

RE: Unsere Grundrechte - Meinungsfreiheit

in Themen vom Tage 08.09.2014 13:47
von Kalubke | 2.299 Beiträge

Zum Fall Burianek noch folgende Hintergrundinfos:

Die KgU (Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit) stand auf der Zielobjektliste des MfS weil sie nach Meinung des MfS eine Verbrechergruppe war, die vom amerikanischen Geheimdienst CIC für Diversions-, Terror- und Boykottverbrechen in der DDR eingesetzt wurde. Als Beispiele wurden in den damaligen DDR-Veröffentlichungen (Deckname Walter - Enthüllungen des ehemaligen KgU-Mitarbeiters Hanfried Hiecke; Ein Prozeß und seine Lehren (Prozess gegen die Burianek Bande)) aufgezählt: DDR-feindliche Flugblätter und Schriften auf dem FDJ-Deutschlandtreffen 1950, Sammlung von Nachrichten über VP, Rote Armee, Sicherheitsorgane, Betriebe; Administrative Störungen (Fälschungen von Lebensmittelkarten, Brandstiftungen, Sprengstoffanschläge (Güterbahnhöfe, Kraftwerk Klingenberg, Gruben der SDAG Wismut) etc.

Die KgU muss vom MfS ziemlich unterwandert gewesen sein, denn in den DDR-Veröffentlichungen wurden zahlreiche detaillierte Angaben über Struktur und Personal gemacht.

Den Auftrag zur Durchführung eines Sprengstoffattentates auf Eisenbahnanlagen bekam Burianek angeblich von dem KgU-Mitarbeiter Saalmann.
Was aber widersprüchlich ist, dass die Tatortfotos in den verschiedenen DDR-Veröffentlichungen unterschiedlich sind. In "Deckname Walter" sind zwei 3 kg-Sprengstoffbehälter zu sehen, die zusammen mit mit einem Brandsatz mit Zeitzünderuhr unter der Schiene zwischen den Schwellen plaziert waren. In der Veröffentlichung "Ein Prozess und seine Lehren" ist ein sprengstoffgefüllter Reisekoffer zu sehen, mit einer Kontaktzündvorrichtung, die oben auf der Schiene befestigt war.

Gruß Kalubke


Abbildung aus "Deckname Walter"


Abbildung aus "Ein Prozess und seine Lehren"

p.s. Fraglich ist auch, was in der Bildunterschrift des oberen Bildes mit "Eisenbahnbrücke Löcknitz" gemeint ist. Bei Erkner gibt es zwar das Flüsschen Löcknitz, nur führt die Bahnstrecke nicht dort drüber hinweg sondern über das Flakenfließ zwischen Flakensee und Dämeritzsee und über den Berliner Ring. Es gibt noch einen Ort Löckniitz zwischen Pasewalk und der polnischen Grenze. Dort existiert ein Gleisanschluss zu einem nördlich des Ortes liegenden Militärobjekt (Waffeninstandsetzungs-, Munitions- oder Techniklager o. ä. incl. benachbartem Übungs- oder Schießplatz) mit Brücke über den Plöwenschen Abzugsgraben.



zuletzt bearbeitet 08.09.2014 22:50 | nach oben springen

#67

RE: Unsere Grundrechte - Meinungsfreiheit

in Themen vom Tage 08.09.2014 13:57
von josy95 | 4.915 Beiträge

Lest auch mal hier:

Johann Burianek – Wikipedia
de.wikipedia.org/wiki/Johann_Burianek


josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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#68

RE: Unsere Grundrechte - Meinungsfreiheit

in Themen vom Tage 09.09.2014 01:44
von StabsfeldKoenig | 2.648 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #59
Zitat von Barbara im Beitrag #57


Rehabilitierung

[...]2005 wurde die Verurteilung Burianeks auf Initiative der „Arbeitsgemeinschaft 13. August“ vom Landgericht Berlin nach den Vorschriften des Strafrechtlichen Rehabilitierungsgesetzes für rechtsstaatswidrig erklärt und aufgehoben. Das Gericht stellte fest, dass Burianek in der Zeit vom 5. März 1952 bis zu seiner Hinrichtung am 2. August 1952 zu Unrecht Freiheitsentziehung erlitten hatte.[...]
[i]



Was heißt das, zu Unrecht? Gab es diese Tatplanungen nicht? Oder darf man für einen Sprengstoffanschlag, den man geplant, aber noch nicht ausgeführt hat, nicht eingesperrt werden? Ist jemandem die ausführliche Urteilsbegründung bekannt?

Gruß Kalubke




Zweifelsfrei ist der unerlaubte Besitz von Sprengstoff strafbar. Ob die Tatabsicht zur Begehung eines (Massen)Mordes im Rahmen eines Anschlages bereits in Handlungen wie Anstiftung weiterer Personen bzw. Verabredung der gemeinsamen Tatbegehung übergagangen ist (und damit strafbar war, z.B. nach § 129 (kriminelle Vereingung)), ist möglicherweise nicht mehr zweifelsfrei zu klären. Insofern hätte des Rehabulitationsverfahren lediglich eine Milderung der Strafe, aber keinen Freispruch zur Folge haben dürfen, wenn es sich um ein rechststaatliches Wideraufnahmeverfahren gehandelt hätte.
Der Freispruch entsprang politischen Motiven.



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#69

RE: Unsere Grundrechte - Meinungsfreiheit

in Themen vom Tage 09.09.2014 03:36
von hexenmeister67 | 148 Beiträge

Vom Verständnis her sieht wohl jeder das eine Bestrafung von Burjanek logisch wäre weil viele Taten waren auch nach Bundesdeutschen Recht strafbar. Es ging ja auch bereits um ausgeführte Taten. Genaugenommen müsste man auf genau derselben Grundlage auch erklären das manche Urteile gegen RAF Mitglieder keinen Bestand haben wendet man dieselben Maßstäbe an aber die haben ja nu mal die falsche Seite bekämpft. Wolfgang Schmidt wurde ja verurteilt weil er diesen Burjanek einen Banditen und Anführer einer terroristischen Vereinigung genannt hat. Das letztere entspricht ja nicht wirklich der Realität. Burjanek war zwar Mitglied der KgU aber nicht deren Anführer. Eine andere Formulierung wäre vielleicht straffrei geblieben. Die Gründe warum das Urteil gegen Burjanek aufgehoben wurde wird wohl nie jemand erfahren. Man könnte sich damit beschäftigen was die KgU wirklich war und welche Personen dahinter standen und da seine eigenen Schlüsse ziehen. Es erweckt schon den Eindruck das das aufheben des Urteils darauf abzielt die KgU in ein besseres Licht zu rücken. Die Initiative zur Aufhebung des Urteils kam ja von der Arbeitsgemeinschaft 13. August wer sich damit beschäftigt kommt vielleicht drauf wo die Verbindung zur KgU ist. Das ganze sind eben private Schlussfolgerungen niemand kann sagen ja genau so ist es man kann eben in verschiedenen Richtungen denken. Terrorismus sollte in alle Richtungen verfolgt werden die Realität sieht leider anders aus. Es wird mit zweierlei Maß gemessen immer der der die Macht besitzt bestimmt was gut und böse ist umgedreht wäre es genauso gewesen daran habe ich kein Zweifel.



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#70

RE: Unsere Grundrechte - Meinungsfreiheit

in Themen vom Tage 09.09.2014 06:39
von damals wars | 12.186 Beiträge

Macht die Bundesrepublik nicht gerade Jagd auf planende Islamisten?


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#71

RE: Unsere Grundrechte - Meinungsfreiheit

in Themen vom Tage 09.09.2014 07:54
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #70
Macht die Bundesrepublik nicht gerade Jagd auf planende Islamisten?


Ja,- also auf Leute,- die hier millionenfach unbesehen importiert wurden und denen man ja unbedingt an jeder Ecke eine Moschee hinstellt !

Das kann noch richtig lustig werden...


....................................
Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#72

RE: Unsere Grundrechte - Meinungsfreiheit

in Themen vom Tage 09.09.2014 10:34
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #68
Zitat von Kalubke im Beitrag #59
Zitat von Barbara im Beitrag #57


Rehabilitierung

[...]2005 wurde die Verurteilung Burianeks auf Initiative der „Arbeitsgemeinschaft 13. August“ vom Landgericht Berlin nach den Vorschriften des Strafrechtlichen Rehabilitierungsgesetzes für rechtsstaatswidrig erklärt und aufgehoben. Das Gericht stellte fest, dass Burianek in der Zeit vom 5. März 1952 bis zu seiner Hinrichtung am 2. August 1952 zu Unrecht Freiheitsentziehung erlitten hatte.[...]
[i]



Was heißt das, zu Unrecht? Gab es diese Tatplanungen nicht? Oder darf man für einen Sprengstoffanschlag, den man geplant, aber noch nicht ausgeführt hat, nicht eingesperrt werden? Ist jemandem die ausführliche Urteilsbegründung bekannt?

Gruß Kalubke




Zweifelsfrei ist der unerlaubte Besitz von Sprengstoff strafbar. Ob die Tatabsicht zur Begehung eines (Massen)Mordes im Rahmen eines Anschlages bereits in Handlungen wie Anstiftung weiterer Personen bzw. Verabredung der gemeinsamen Tatbegehung übergagangen ist (und damit strafbar war, z.B. nach § 129 (kriminelle Vereingung)), ist möglicherweise nicht mehr zweifelsfrei zu klären. Insofern hätte des Rehabulitationsverfahren lediglich eine Milderung der Strafe, aber keinen Freispruch zur Folge haben dürfen, wenn es sich um ein rechststaatliches Wideraufnahmeverfahren gehandelt hätte.
Der Freispruch entsprang politischen Motiven.



fett:
Mir scheint es, das ist das einzige, was unstrittig ist?

Die Begründung der Rehabilitierung "zu Unrecht Freiheitsentzeihung erlitten" finde ich auch komisch.
Leider findet man nirgendwo eine längere Urteilsbegründung, bei allen Auszügen, die man zum Urteil im Netz findet, habe ich den Eindruck, jeder pickt sich das raus, was er für die eigene Argumentation gerade braucht.
Fakt ist offenbar, Burianek ist Opfer eines politischen Schauprozesses geworden, Fakt ist offenbar auch (zumindest bei dem was ich gelesen habe), dass er dieses Attentat zumindest mitgeplant hatte und durchführen wollte, eine Rechtsklage also gerechtfertigt war, nicht aber das Urteil aus meiner Sicht.

Meine Frage aber nochmal, warum ist es so wichtig, heute darauf zu bestehen, dass man den Mann ungestraft als "Terroristen" bezeichnen darf?
Geht es um historische Gerechtigkeit i. Falle Burianek oder geht es darum, der bundesdeutschen Gerichtsbarkeit "politisches Urteilen" vorzuwerfen? Falls Letzteres zutrifft, sollte man es auch so benennen - das würde nämlich heißen, Burianek ist nur Mittel zum Zweck.

Mal ganz grundsätzlich gesagt:
das Gesetz muss objektiv sein, Richter werden sich aber der Objektivität immer nur annähern können, aus der Tatsache heraus, dass sie Menschen sind.
Ich hätte also kein Problem damit zu sagen, ein Richter hat einen aus meiner Sicht eine falsche Entscheidung getroffen. Das ist erlaubt in unserem Staat.
.


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#73

RE: Unsere Grundrechte - Meinungsfreiheit

in Themen vom Tage 09.09.2014 10:37
von Barbara (gelöscht)
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Was haben die Beiträge bzgl. "Islamisten" mit Meinungsfreiheit zu tun?


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#74

RE: Unsere Grundrechte - Meinungsfreiheit

in Themen vom Tage 09.09.2014 11:32
von Kalubke | 2.299 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #72

Meine Frage aber nochmal, warum ist es so wichtig, heute darauf zu bestehen, dass man den Mann ungestraft als "Terroristen" bezeichnen darf?
Geht es um historische Gerechtigkeit i. Falle Burianek oder geht es darum, der bundesdeutschen Gerichtsbarkeit "politisches Urteilen" vorzuwerfen? Falls Letzteres zutrifft, sollte man es auch so benennen - das würde nämlich heißen, Burianek ist nur Mittel zum Zweck.




Ich denke das ganze eigenartige Gebaren zu diesem Thema liegt daran, dass damals im Kalten Krieg sowohl Ost als auch West mitunter zu ziemlich fiesen Mitteln gegriffen hatten, um sich gegenseitig eins auszuwischen, getreu nach dem Motto "Der Zweck heiligt die Mittel.". Und heute will keiner mehr damit was zu tun haben.

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 09.09.2014 13:23 | nach oben springen

#75

RE: Unsere Grundrechte - Meinungsfreiheit

in Themen vom Tage 09.09.2014 12:55
von hexenmeister67 | 148 Beiträge

Darum das man diesen Herren als Terroristen bezeichnen darf geht es weniger vielmehr darum das man ihn als Freiheitskämpfer darstellen will und das war er nun mal nicht. Er war das Werkzeug einer menschenverachtenden Organisation für die der Tod von Menschen die eine andere Weltanschauung haben moralisch ok ist weil es ja den ``guten`` Zweck dient. Was hier bitter aufstößt ist die Tatsache das viele dieser Personen heute mit den Bundesverdienstkreuz rumlaufen.



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#76

RE: Unsere Grundrechte - Meinungsfreiheit

in Themen vom Tage 09.09.2014 13:07
von Gelöschtes Mitglied
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In dem aufgeführten Beitrag aus "Wikipedia" sind für mich zwei Unrechtsurteile zu erkennen. Eine Todestrafe ist für mich unrecht (da ich generell gegen Todesstrafe bin) und das Urteil gegen den MfS Offizier ist ebenso Unrecht.
Natürlich mußte dort erwähnt werden, das das gleiche Fallbeil wie zu NS Zeiten benutzt wurde. Auch so eine Form Meinungen zu manipulieren in der Zeit der "Meinungsfreiheit".


zuletzt bearbeitet 09.09.2014 13:07 | nach oben springen

#77

RE: Unsere Grundrechte - Meinungsfreiheit

in Themen vom Tage 09.09.2014 13:27
von Kalubke | 2.299 Beiträge

Eine objektive zeitgeschichtliche Aufarbeitung wird m. E. erst möglich sein, nachdem die Generation der ehem. Verantwortlichen komplett das Zeitliche gesegnet hat. Allerdings werden dann auch viele Details für immer verloren sein.

Gruß Kalubke



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#78

RE: Unsere Grundrechte - Meinungsfreiheit

in Themen vom Tage 09.09.2014 15:32
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von hexenmeister67 im Beitrag #75
Darum das man diesen Herren als Terroristen bezeichnen darf geht es weniger vielmehr darum das man ihn als Freiheitskämpfer darstellen will und das war er nun mal nicht. Er war das Werkzeug einer menschenverachtenden Organisation für die der Tod von Menschen die eine andere Weltanschauung haben moralisch ok ist weil es ja den ``guten`` Zweck dient. Was hier bitter aufstößt ist die Tatsache das viele dieser Personen heute mit den Bundesverdienstkreuz rumlaufen.




Das ist deine Meinung, andere sehen es anders.
Ich sehe es im Kontext des Kalten Krieges, wo sich West wie Ost - wie Kalubke oben richtig schreibt - in nichts nachstanden.
"der Tod von Menschen mit einer anderen Weltanschauung" - Mit dem Tode bezahlt hat in diesem konkreten Fall Burianek, das steht mal fest.

fett:
was meinst du in diesem Zusammenhand damit?
.


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#79

RE: Unsere Grundrechte - Meinungsfreiheit

in Themen vom Tage 09.09.2014 15:37
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Bürger der DDR im Beitrag #76
In dem aufgeführten Beitrag aus "Wikipedia" sind für mich zwei Unrechtsurteile zu erkennen. Eine Todestrafe ist für mich unrecht (da ich generell gegen Todesstrafe bin) und das Urteil gegen den MfS Offizier ist ebenso Unrecht.
Natürlich mußte dort erwähnt werden, das das gleiche Fallbeil wie zu NS Zeiten benutzt wurde. Auch so eine Form Meinungen zu manipulieren in der Zeit der "Meinungsfreiheit".



Dass das möglicherweise "manipulativ" ist, ist eine Interpretation deinerseits. Man kann die Erwähung des Umstands aber auch lediglich als die Nennung eines Faktums verstehen. Beides ist Meinungsfreiheit.


zuletzt bearbeitet 09.09.2014 15:50 | nach oben springen

#80

RE: Unsere Grundrechte - Meinungsfreiheit

in Themen vom Tage 09.09.2014 15:49
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Kalubke im Beitrag #77
Eine objektive zeitgeschichtliche Aufarbeitung wird m. E. erst möglich sein, nachdem die Generation der ehem. Verantwortlichen komplett das Zeitliche gesegnet hat. Allerdings werden dann auch viele Details für immer verloren sein.

Gruß Kalubke


Ich denke, es wird niemals eine "objektive" Aufarbeitung geben. Denn neben dem Sammeln von Fakten, Zahlen, Zeugnissen die bei kompexen Zusammenhängen Jahrzehnte dauert, geht immer eine jeweils temporäre Einordnung und Bewertung von geschichtlichen Ereignissen einher und dieses ist verständlicherweise immer vom persönlichen Kontext desjenigen geprägt, der bewertet.

.


hexenmeister67 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 09.09.2014 15:51 | nach oben springen



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