#301

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 19.09.2014 13:12
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Rüganer im Beitrag #297
Liebe Barbara,

ich darf doch diese Anrede einmal verwenden?
in Anlehnung an Goethe würde ich auf deine beiden letzten Postings antworten: Grau, liebe Freundin, ist alle Theorie.....
es wurde alles anders entschieden, anders als dieses theoretische - man müsste, man hätte, man sollte... man wären immer Männer der Praxis gewesen und die hatten zu der Zeit anders im Kopf.
Fakten, Fakten, Fakten:
ich befinde mich mit meinem Betrieb auf einem Gelände eines ehemaligen größern Unternehmens auf Rügen. Der Geschäftsführer zur Wende war der ehemalige Direktor des sozialistischen Betriebes. Er rettete die Firma, wandelte sie erfolgreich in eine GmbH um, indem er und andere seines damaligen Leitungskollektives Verantwortung übernahmen und ihre Köpfe hinhielten, gegenüber Banken und Behörden. Der alte Hase hat sich mit großer Sicherheit nicht für diese theoretischen Abhandlungen interessiert, sie tangierten ihn überhaupt nicht.
Als technischer Leiter eines Landwirtschaftsbetriebes habe ich in den Tagen nur einen Gedanken gehabt, wie rette ich meinen Hintern in die neue Zeit... Mit den Zugpferden unter meinen Leuten haben wir eine Firma gegründet und angefangen, angefangen mit dem letzten Geld, was meine Frau und ich noch hatten... Ich habe dem Runden Tisch gerne im Fernsehen am Abend zugesehen, weil die sich so herrlich verbal beharkt haben,
identifizieren konnte ich mich selten mit Meinungen, meine Sorgen lagen woanders...
Und so behaupte ich einmal, es mag für Dich und andre sehr spannend sein, diese Gedanken nachzuvollziehen und vielleicht weiter zu entwickeln,
für die Praktiker sicher nur ganz selten, da lagen und liegen die Probleme anders.......
Und siehe - sie diskutierten und diskutierten und konnten sich nicht einigen und wurden dann von der Realität überrollt... so wie es denn so oft ist, in Politik und sogenannten intellektuellen Kreisen .






Lieber Rüganer, gerne darfst du das, ich bin sowieso Freund eines gepflegten Kommunikationsstils :-)

Ja natürlich ist es graue Theorie. Aber eine interessante in diesem Fall?

Wir schreiben ja hier in einem Internetforum, faktisch wird nichts mehr in der Vergangenheit geändert werden können, wir haben also nur die Worte, um ein besseres Verständnis für z.B. die DDR-Geschichte zu erlangen.
Aber wir schreiben hier! - du, ich, und all die anderen mit allem Pro und Kontra, jeder vor seinem biografischen Hintergrund.
Warum tun wir das? - wo doch faktisch alles klar ist?

Jemand hat diesen Thread aufgemacht, weil er Fragen hat, sich besser auskennen möchte bzgl. der eigenen Vergangenheit und es wird ein "was wäre wenn" formuliert.
Dass er das tut und dass andere darauf reagieren ist nun keine graue Theorie mehr, sondern ein lebendiges Indiz, dass "ihr" oder "wir" und "wir alle" noch lange nicht fertig sind, mit dem, was die Deutsche Zweistaatlichkeit an Fakten, aber auch an Auswirkung von Fakten für den realen Menschen hatte.

Wusstest du denn eigentlich (zu DDR-Zeiten) von den theoretischen Überlegungen einer Reformierung der DDR durch die damaligen Mitglieder der Akademie der Wissenschaften/der Universitäten - seit 1970! -, deren Ergebnisse tw. ja erst bei den "Runde-Tisch-Gesprächen" öffentlich wurden?

Hinter dieser Frage liegt eine sehr viel weiter gehende Frage:

das ganze Forum ist bzgl. der DDR durchzogen von zwei grundlegenden Aussagen:

- wir haben (etwas/voneinander) nicht gewusst - keine Öffentlichkeit, max. "Buschfunk" < Bevölkerung

- wir haben gewusst und es wurde auf uns nicht gehört - das in der Hierarchie derer, die in der Lage waren, Entscheidungen zu treffen. Letzteres trifft bis in die Spitze der ehm. DDR-Führung zu. (s. z.B. meinen Beitrag mit dem Spiegel-Artikel über Herrn Mittag!)

Da hatte sich etwas verselbständigt, von Menschen unabhängig gemacht, das ist eine Aussage darüber, wie "System" funktionieren kann und möglichst nicht sollte.
Ich lerne dadurch etwas. Das ist sehr intellektuell - zugegeben.

Nochmal konkret zu denjenigen, die "wussten" und auf die nicht gehört wurde, also in diesem Fall die Reform-Theoretiker:
das was sie dennoch entwicklet hatten, ist Teil von individuellen Lebensleistungen, reale Menschen haben sich die Köpfe zerbrochen, weil sie eine Vision, ein Ziel hatten, an deren Verwirklichung sie aus welchen Gründen auch immer gehindert waren - das aber schmälert nicht ihre reale Leistung und ist darüber hinaus aus meiner Sicht ein wichtiger Bestandteil einer seriösen Betrachtung der DDR-Geschichte.

Sie ist ebenso real, wie die derjenigen, die 1989 die Ärmel aufgekrempelt haben, und ihr weiteres Schicksal tatkräftig in die Hand nahmen.

Ich hoffe, ein wenig verstanden zu werden mit meinem Ansatz, ein bisschen verstiegen ist er sicherlich :-)


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#302

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 19.09.2014 14:42
von Rüganer (gelöscht)
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Liebe Barbara,

ja, wir schreiben in einem Internetforum, in einem, wo man mitunter das sehr starke Bedürfnis hat, Meinungen zu widersprechen und einiges wieder gerade zu rücken, was da so geschrieben wird.
Das generelle Problem scheint mir jedoch zu sein, dass die einen fast 40 Jahre DDR Geschichte aus erster Hand hatten, live und mitunter doch sehr in tristem Grau, während andere von außen in diese DDR hineinsahen und wiederum andere getreu dem alten Märchenmotto: Ach wenn es mich doch nur gruselte... zu Besuch dort hineinfuhren oder Abendteuer auf den Transitwegen suchten. Dass sich dadurch Diskussionsstoff ergibt – dies liegt auf der Hand.
Auf deine direkte Frage, wusstest du denn eigentlich, antworte ich dir klar und direkt: Nein, ich wusste nicht und es hätte mich damals auch nicht interessiert, denn da um diese Zeit habe ich mein Studium absolviert und meine Tätigkeit in einem Großbetrieb aufgenommen, meine Frau kennen gelernt und mich auf der Hochzeitsreise in Bulgarien darüber geärgert, dass ich nicht auch auf das Schiff in Richtung Türkei steigen durfte, weil ich nicht den richtigen Pass hatte. Oder darüber, dass mich der Kellner in Rumänien fragte: Neckermann oder Honneckermann?
Dies ist mit DDR – Geschichte, wie auch DDR – Geschichte ist, dass unfähige Leiter auf Stühlen saßen, nur weil sie das richtige Parteibuch hatten, das der SED. Und eben, dass auf Leute, die nun Ahnung hatten, nicht gehört wurde und das Schlimme ist, dass dies diese Leute frustriert hat und dass die dann eben ihr eigenes Ding machten – privat geht vor Katastrophe – dies ist das gebräuchlichste Synonym dafür gewesen.
Nach wie vor steht meine Meinung darüber, die theoretischen Überlegungen der Reformierung der DDR – sicher ist dies Teil einer individuellen Lebensleistung, jedoch würde es mich persönlich frustrieren, zu wissen, meine Arbeit wird nicht benötigt werden. Ich persönlich glaube, der Erhalt der Macht hätte bei den ersten vagen Anzeichen einer Realisierung solcher Überlegungen sofort die „zuständigen Organe“ auf den Plan gerufen und das Ding wäre abgewürgt worden. Diese Organe kamen schon wegen weniger...
In dem ersten Betrieb in Neuruppin haben wir Abteilungsleiter nur für unseren Chef eine Bürgschaft übernehmen wollte, der war letztendlich wegen Unregelmäßigkeiten von seinem Stuhl entfernt worden, nachdem man ihm gerichtlich zu einer Bewährungsstrafe verurteilt hatte. Als wir im sozialistischen Sinne dann unsere Kollektive befragten und diese Bürgschaft übernehmen wollten, da standen dies „zuständigen Organe „ dann plötzlich in der Kaderleitung und haben uns „Beine gemacht“. Die Reformer wären noch weit früher gescheitert.... Insofern mag dies ein ganz klitzekleiner Bestandteil der DDR Geschichte sein, aber alles was nicht zum Tragen kam und was so im Hinterzimmer diskutiert wurde, herrje...


Hapedi hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#303

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 20.09.2014 11:26
von Barbara (gelöscht)
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Wie soll ich nun darauf antworten lieber Rüganer, gehöre ich doch zu denen, die noch nicht mal in die DDR von außen reingesehen haben, insofern fehlt mir im Grunde jede Legitimation, etwas zu ihrem Innenleben zu sagen oder gar zu urteilen.
(Mein Bild von der DDR war: "ihr habt alle nur hinterm Zaun gestanden und darauf gewartet, dass er fällt". Dass dem nicht so war, davon liefern die Beiträge im Forum beredtes Zeugnis.)

Aber das (urteilen) tue ich ja auch nicht, sondern versuche mir ein Bild zu machen aufgrund der Aussagen derer, die in der DDR gelebt haben, diese Aussagen sind allerdings höchst unterschiedlich, wie man im Forum sehen kann.

So wie z.B. du dich (aus meiner Sicht verständlicherweise) über Gängelung, Bevormundung und politisch/behördliche Inkompetenz durch und von einem Staat mit paranoidem Überwachungssystem beklagst, haben andere dieselbe Situation ganz anders erlebt. Warum ist das so?
Der "Wessi"-Blick ist dem deinen i.d.R. sehr viel näher, und ich bin geneigt dir zuzustimmen "ja so war die DDR". Aber so sehr du ein Recht hast ein solches Urteil zu fällen, so wenig Recht habe ich dazu.

Und in diesem Thread reden wir u.a. über die, die sogar versucht haben, wenn auch erfolglos, eine Reformierung der staatlichen "Fehlsteuerung" - um es mal ganz neutral - auszudrücken, zu korrigieren. Ich finde das ehren- und bemerkenswert, waren unter ihnen doch auch SED-Mitglieder, also einer Partei, der grundsätzlich uniformes autoritäres Verhalten testiert wird. Ein offensichtlich zu einseitiges Urteil.

Hier stehe ich tatsächlich an einer Grenze und werde es immer tun, weil mir jegliche eigene gelebte Erfahrung fehlt. Aus eben dem Grund kann und will ich aber auch kein Urteil fällen, sondern versuchen, aus der Vielzahl der unterschiedlichen "Zeugnisse" ein Bild zusammenzusetzen. Warum tue ich das? Weil die Geschichte der DDR ein Teil der deutschen Geschichte ist, somit auch ein Teil der meinen.


Hapedi hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#304

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 20.09.2014 12:31
von Harzwanderer | 2.943 Beiträge

Warum so verkopft-verklemmt? Jeder kann und darf ein Urteil fällen und jeder kann sich informieren. Man muss nicht alter Grieche sein, um über das alte Griechenland zu urteilen. Persönliche Erfahrungen schaden nichts, können aber auch den neutralen Blick vernebeln. Der neutrale Blick von außen kann also auch ein Vorteil sein.


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#305

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 21.09.2014 15:18
von Barbara (gelöscht)
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Das mag sich verkopft (verklemmt?) anhören, mir war wichtig, Rüganer gegenüber meine "Gesprächshaltung" transparent zu machen.
Das Beispiel mit den "alten Griechen" finde ich hier nicht so ganz passend, so können vielleicht die nächsten Generationen an die deutsche Nachkriegsgeschichte rangehen, ich glaube, wir hier stehen zumindest mit einem "betroffenen" Bein noch mittendrin.


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#306

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 21.09.2014 16:51
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von FRITZE im Beitrag #299
Zitat von 94 im Beitrag #298
Zitat von Barbara im Beitrag #294
Es geht echt nicht darum, ob man in seinem Garten Feuerchen machen darf oder nicht, ...

Na im Garten des Nachbarn isses dann ja wohl Brandstiftung, odär?



Wenn Du genug bezahlst ,darfst Du auch Feuer anmachen ! Nennt sich dann Branntschein ! Obwohl ,in meinem Garten mache ich min. 5 Mal im Jahr Feuer ohne jemand zu fragen. Aber ich verbrenne nicht nur Gartenabfälle ,welche qualmen ! Biomüll kann man doch, ohne grosse Bemühungen entsorgen ! Tonne oder Papiertüten oder die Biosäcke !
Sogar ne Genehmigung zum Abrennen von Feuerwerken gabs auf dem Amt ! Bezahl und dann darfst Du !



Ich Altromantiker sitz auch gerne mit meiner Frau vor einem unangemeldeten Freizeitfeuerchen, zum Schluss hau ich da dann voll archaisch auch den ausgerupften Staudenknöterich drauf, mach ich aber nachts da sieht das keiner


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#307

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 24.09.2014 11:13
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #296
Ja, ich weiß, aber Reformer und Bürgerrechtler hatten offenbar auch rund um die Wende sehr konkrete Vorstellungen in der Tasche:



Und hier Gedanken, warum es anders kam:

[...]Über die Frage, warum es zwischen Dezember 1989 und März 1990 zu einem dramatischen Stimmungswandel kam und eine Bevölkerungsmehrheit immer klarer für eine schnelle, möglichst sofortige Vereinigung votierte, ist viel debattiert und geschrieben worden. Aus meiner Sicht lag dies vor allem daran, dass im Dezember immer offensichtlicher wurde, dass es keine legitimen, handlungsfähigen und auch handlungsmächtigen politischen Akteure in der DDR gab - und sich im Herbst 1989 auch nicht gebildet hatten. Die konservativ und kopflos agierende Modrow-Regierung, die nicht legitimierte Volkskammer, der Runde Tisch, der nicht regieren, sondern nur kontrollieren wollte, die westdeutschen Berater - alle verwalteten die Krise und warfen mit Visionen um sich, aber niemand vermittelte der Bevölkerung den Eindruck, die dramatische Lage dieses ansonsten wunderschönen Herbstes positiv wenden zu können. Die aus meiner Sicht einzig legitime Möglichkeit wäre gewesen, die Modrow-Regierung zu stürzen, die Volkskammer aufzulösen, den Runden Tisch zur geschäftsführenden Regierung zu erklären und baldmöglichst eine verfassunggebende Versammlung zu wählen und einzuberufen. Darauf hätten sich SED-Reformer und Bürgerbewegung einigen, dabei hätten sie kooperieren müssen. In beiden Kreisen wurde dieser Weg aber von der Mehrheit verworfen. Viele SED-Reformer scheuten davor zurück, die "eigene" Regierung zu stürzen, einen Putsch gegen die eigenen Leute in Gang zu setzen. Und die meisten Vertreter der Bürgerbewegung wollten Macht kritisieren, aber nicht ausüben, vor allem aber in keiner Weise mit irgendwelchen Leuten aus der SED gemeinsame Sache machen. So verstrich die einmalige Gelegenheit, eine deutsche Revolution bis zu einem basisdemokratischen Verfassungskonvent voranzutreiben, "Gesellschaftsgestaltung durch Verfassunggebung" (Rosemarie Will) zu praktizieren und aus der Volksbewegung heraus einen handlungsmächtigen und legitimierten Akteur zu erschaffen. [...]


http://www.bpb.de/apuz/32885/eine-demokr...sozialismus?p=2


Das haben die Theoretiker recht gut auf den Punkt gebracht.
Die DDR war in dieser Phase eine Großküche, in der im Prinzip alles vorhanden war und die vielen Köche unter Anleitung etwas hätten schaffen können, was einmalig demokratisch in der Welt gewesen wäre.
Das Problem war die Zeit, vieles in dieser Küche war verderbliche Ware und hätte schnell verarbeitet werden müssen ohne daß man dabei ein Chaos anrichten würde und das alles im Dienste des eigenem Volkes und keiner externen Profiteure im Hintergrund.
Oberstes Leitmotiv hätte sein müssen: Freie Hand den Spezialisten und zwar unabhängig von Parteibüchern und Weltanschauungen.
Besonders Kombinatsdirektoren mit fachlichen Kenntnissen und zusätzlichen Erfahrungen im internationalen Handel, Wissenschaftlern, die ihre Erkenntnisse nicht immer verpflichtend mit Marxismus/ Leninismus würzen mußten und alle unternehmerisch veranlagten Personen mit Bodenhaftung hätten in dieser Küche das Sagen haben müssen.
Ein gutes Volk hätte diese Suppe, die man sich selbst eingebrockt hatte und die anfangs bestimmt nicht allen geschmeckt hätte ausgelöffelt um später sagen zu können:Wir haben es alleine geschafft !
Die Geschichte ging jedoch so aus, daß man lieber dorthin ging, wo alles schon fertig war und so gut roch, sei es drum.
Über mehr oder weniger lange Zeit begriffen viele, wie schwer einem solche Gerichte im Magen liegen können, nur war da die Küche da schon überflüssig geworden und abgewickelt, die Abhängigkeit "geschafft" und über 90 % unserer Neubundesbürger sagen sich "Hauptsache satt" .
Aber der nächste Hunger kommt bestimmt und genau deshalb werden wir immer wieder Wege finden müssen, neue Probleme, die wir bislang nicht auf der Speisekarte hatten auszulöffeln, das Postum- Nachdenken über eine Folge- DDR oder zumindest Komponenten dieser Wirtschaftsform ist da nur einer von vielen Wegen aber eben auch kein Tabu.
Zum Abschluß erinnere ich einmal an eine Serie, welche die Endzeit der DDR recht authentisch dokumentierte.
Die Wendeproduktion "Johanna" war ein steckenweise ein Synonym für die Agonie in der sich die DDR damals befand, man machte fröhliche Mine zum bösen Spiel, wie z. B. sinnlose Subottniks bei strömenden Regen, sozialistische Leiter, die einfach nicht Mensch sein durften, armseelige Versuche mit Solibasaren die Mangelwirtschaft zu kaschieren u.v.a., so zumindest meine Wertung.

http://www.mdr.de/mediathek/fernsehen/se...s-2d7967f4.html

(in der Mediathek bis Freitag, d. 26.09., ob die Serie es in den Speicher schafft, ist fraglich, schließlich will man einmal bezahltes -GEZ+ DEFA- Volkseigentum- ja nochmal verkaufen...irgendwann)
weitere Infos http://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_%28Fernsehserie%29



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#308

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 24.09.2014 12:01
von Barbara (gelöscht)
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Hackel, in dieser Analyse aus dem bpb-Artikel finde ich am spannendsten die Aussage es habe aus den verschiedensten Gründen bei den verschiedenden Akteuren keinen "handlungsmächtigen und legitimierten Akteur" gegeben.
Die Anlaysen lagen klar zu Tage, und das Resultat "so geht es auf keinen Fall weiter" war offenbar auf nahezu allen Ebenen gezogen.

Irgendwie erscheint es mir so, als sei in den entscheidenden Monaten 89 in gewisser Weise der Atem angehalten worden und das resultiert möglicherweise daraus, dass widerum alle Akteure möglichst eines vermeiden wollten: dass es in irgendeiner Weise zu Gewalttätigkeiten kommt.

Ich habe gerade das Buch des ehm. Dresdener BM gelesen, der das damalige Bürgerkommitee ja im Rathaus empfangen hat. Man hat den Eindruck, alle sind auf Zehenspitzen gegangen, und ich kann das intuitiv verstehen.

"Ein gutes Volk hätte diese Suppe, die man sich selbst eingebrockt hatte und die anfangs bestimmt nicht allen geschmeckt hätte ausgelöffelt um später sagen zu können:Wir haben es alleine geschafft"

Zwar verstehe ich, was du hier sagen möchtest, aber das moralische Urteil, dass du damit über die Bevölkerung der DDR ziehst, kann ich nicht teilen. Denn auch die, deren Wollen sich anders artikuliert hat, hatten ein Recht dazu. Es gibt einige z.B.im Forum, deren Aussage ist: "wir hatten keine Lust mehr auf Experimente", auch das ist zu respektieren.

Danke für den Link-Tipp!


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#309

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 24.09.2014 13:26
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #308
Hackel, in dieser Analyse aus dem bpb-Artikel finde ich am spannendsten die Aussage es habe aus den verschiedensten Gründen bei den verschiedenden Akteuren keinen "handlungsmächtigen und legitimierten Akteur" gegeben.
Die Anlaysen lagen klar zu Tage, und das Resultat "so geht es auf keinen Fall weiter" war offenbar auf nahezu allen Ebenen gezogen.

Irgendwie erscheint es mir so, als sei in den entscheidenden Monaten 89 in gewisser Weise der Atem angehalten worden und das resultiert möglicherweise daraus, dass widerum alle Akteure möglichst eines vermeiden wollten: dass es in irgendeiner Weise zu Gewalttätigkeiten kommt.

Ich habe gerade das Buch des ehm. Dresdener BM gelesen, der das damalige Bürgerkommitee ja im Rathaus empfangen hat. Man hat den Eindruck, alle sind auf Zehenspitzen gegangen, und ich kann das intuitiv verstehen.

"Ein gutes Volk hätte diese Suppe, die man sich selbst eingebrockt hatte und die anfangs bestimmt nicht allen geschmeckt hätte ausgelöffelt um später sagen zu können:Wir haben es alleine geschafft"

Zwar verstehe ich, was du hier sagen möchtest, aber das moralische Urteil, dass du damit über die Bevölkerung der DDR ziehst, kann ich nicht teilen. Denn auch die, deren Wollen sich anders artikuliert hat, hatten ein Recht dazu. Es gibt einige z.B.im Forum, deren Aussage ist: "wir hatten keine Lust mehr auf Experimente", auch das ist zu respektieren.


Danke für den Link-Tipp!


Es ist ja auch das Ergebnis einer demokratischen Wahl, aber viele, die meinten daß die Vernunftehe mit der BRD der Königsweg war, bewerten das heute anders, weil auch diese ausgeübte Option ein Experiment war und auch das war ohne Netz und doppelten Boden, sofern man sein Arbeitsleben noch nicht absolviert hatte.
Du kannst aber davon ausgehen, daß ich z. B. jenem Zeitgenossen, der mir gestern sein Leid klagte, weil sein Elternhaus nun zur Versteigerung steht und vielen anderen gescheiterten Mitstreitern mit anderen kapitalismustypischen Schicksalen der negativen Art ihr Wahlverhalten von 1990 nicht vohalten werde auch wenn sie damals voller Begeissterung CDU- Wahlplakate geklebt und die alten Eliten von damals mit ihren spöttischen Sprüchen genervt haben.
Was den DDR- Führungskräften damals wohl allen anhaftete war der Zwang, sich immer nach oben abzusichern und wenn den Oberen die ganz Oberen abhanden gekommen sind, so gibt es eben ein Machtvakuum und das wurde später von einem voluminösen Politprofi mit viel Machtinstinkt ausgefüllt.
Kohl war die Glucke, die mit ihrem DM- Gefieder alle verirrten Kücken Ruck Zuck einsammelte und neue Käfige baute, verzeih mir bitte diese Metapher, es war halt eine große Enttäuschung für mich und wer weiß, was der Fuchs im Hühnerstall veranstaltet hätte.



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#310

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 24.09.2014 14:07
von Barbara (gelöscht)
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Es ist eine wunderbare Metapher und du hast Recht damit!


Ja, die Bewertung derjenigen, die die DDR und ihr Ende erlebt haben, fällt höchst unterschiedlich aus und ist bei manchen ganz sicher von viel Desillusionierung und auch einem tiefen Gefühl von Ungerechtigkeit geprägt, und das kann ich verstehen.

Insgesamt muss man sich wahrscheinlich immer wieder klar machen, dass in dem Augenblick, wenn "Geschichte passiert" man einfach mitten drin steht und es eigentlich fast unmöglich ist, eine distanzierte Übersicht darüber zu erlangen, was gerade passiert.


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#311

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 24.09.2014 14:40
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Ja Barbara, danke für Dein Verständnis für meine Fabeln.
Ich denke manchmal darüber nach, wie der Hackel des Jahres 1989 den Hackel des Jahres 2014 sehen würde, immerhin ist er auch hier http://www.angelinvestmentnetz.de/ unterwegs, da ist er ja auch so etwas wie ein Fuchs, der aber als Spender für 3-4 Projekte jährlich nicht annähernd soviel Geld bewegt wie als Investor in arbeitnehmerfreundlichen Stückelungen.
Die Anlagekultur globaler Buisiness- Angels gab es 1989 in dieser Form nicht, die hätte aber zu einem besseren Verkaufserlös der Großküche DDR geführt, wenngleich auch das nur mit unbekannten Ausgang zu haben gewesen wäre.
Auch kann man die Informationsgesellschaft dieser Zeit nicht mit der heutigen vergleichen, aber ich bin auf diesen Seiten viel unterwegs und habe mich auch schon an Projekten beteiligt im Volumen eines knappen Jahresbruttolohnes und bin ganz gut dabei weg gekommen ohne jedoch exorbitante Gewinne zu machen.
Da war einmal ein handwerklich versierter Allrounder, der Material für eine günstig erstandene Immobilie brauchte und von der Bank keinen Kredit bekam und nicht mehr abhängig Beschäftigter sein wollte. dem ich geholfen hatte und an dessen Mieteinnahmen ich inzwischen beteiligt bin, ein anderes Mal half ich ambitionierten Fischwirten bei der Vermarktung ihrer Teichwirtschaft, wobei ich gerade auf diesem Sektor auch Personen begegnet bin, die alles sehr blauäugig angingen und meinten alles isoliert von der Eigentumsfrage der Anlage angehen zu können.
Sie wollten dem Besitzer das Schlachthaus auf eigene (meine) Kosten sanieren, um dann dieses fremde Objekt (Fischzucht+ kommerzioneller Angelsee) mit eigenen Kräften sowie eigenem und fremden Kapital aufzuwerten, ohne weitergehende Rechte daran zu erwerben.
Da wurde es eben nichts daraus, so gesehen war Kohl damals auch nicht anders, er hatte im Namen des Volkes nichts zu verschenken und adoptierte uns Ossis nachdem er sicherheitshalber die Großküche demontiert hatte.
Genauso wie der Anlagenbesitzer sein Objekt nicht gegen Bezahlung Zug um Zug abgeben wollte, so hätte Kohl auch eine marktwirtschaftliche eigenständige DDR als Partner auf Augenhöhe nicht akzeptiert und unterstützt, die Brüder und Schwesern waren eben nur Juniorpartner, Steigbügelhalter, Fans, Landsleute aber nicht Gleiche unter Gleichen.



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#312

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 25.09.2014 00:30
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Hackel39 im Beitrag #307
[quote=Barbara|p388188][i]

Zum Abschluß erinnere ich einmal an eine Serie, welche die Endzeit der DDR recht authentisch dokumentierte.
Die Wendeproduktion "Johanna" war ein steckenweise ein Synonym für die Agonie in der sich die DDR damals befand, man machte fröhliche Mine zum bösen Spiel, wie z. B. sinnlose Subottniks bei strömenden Regen, sozialistische Leiter, die einfach nicht Mensch sein durften, armseelige Versuche mit Solibasaren die Mangelwirtschaft zu kaschieren u.v.a., so zumindest meine Wertung.

http://www.mdr.de/mediathek/fernsehen/se...s-2d7967f4.html






Hackel, ich gestehe ich war etwas platt bei dem Film, denn wegen des Rollenbildes Frau/Mann habe ich die DDR tatsächlich idealisiert.
Der Helmut ist ja ein echter Schmock!
.


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