#1

Almansor

in DDR Bilder 11.08.2014 20:42
von 94 | 10.792 Beiträge

Almansor - eine Tragödie von Heinrich Heine. Die kennt wohl kaum Einer. In dieser aber findet sich ein bekanntes Zitat, bezogen auf eine Koranverbrennung durch Kardinal Cisneros im Jahre 1499. Es lautet ...

Das war ein Vorspiel nur, dort, wo man Bücher
Verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.


Zumindest in den 80er Jahren hörte es die Schüler an der POS öfters im Deutsch- und Geschichtsunterricht, dann aber fast ausschließlich im Zusammenhang mit dem 10. Mai 1933. Ganz selten, ich erinnere mich einmal nur an Deutsch auf der EOS, auch im Kontext des 18. Oktober 1817.
Doch nun fand ich dieses Bild aus den 50er Jahren ...


Quelle: Bundesarchiv: Bild 183-30858-001

Frage dazu an die etwas betagteren Semester in diesem Forum, könnt ihr euch noch an diese 'Maßnahme' erinnern?
Angeschitten ward das Thema mal vor Jahren schon (Fluchtgründe aus der DDR #84), verschwand dann zwar nicht in der Mülltonne, wurde aber geschlossen.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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zuletzt bearbeitet 11.08.2014 20:44 | nach oben springen

#2

RE: Almansor

in DDR Bilder 11.08.2014 20:53
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

Da flogen Schundromane ins Feuer


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#3

RE: Almansor

in DDR Bilder 11.08.2014 21:04
von Gelöschtes Mitglied
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Was waren das für Titel, oder Autoren?


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#4

RE: Almansor

in DDR Bilder 11.08.2014 21:10
von icke46 | 2.593 Beiträge

Soweit man das auf dem Bild sehen kann (speziell die gerade ins Feuer fliegenden Papiere) scheint es sich wohl um sogenannte Heftromane gehandelt zu haben - sprich Lore- Landser- und ähnliche Hefte. Von daher dürfte eine Benennung von Autoren schwierig sein.

Ist aber nur eine Vermutung meinerseits.

Gruss

icke



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#5

RE: Almansor

in DDR Bilder 11.08.2014 21:15
von Moskwitschka (gelöscht)
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Ob sich dei Schule daran erinnert?

Anno 1960
Zusammenlegung der 12. und 18. Grundschule und Umwandlung in eine zehnklassige Allgemeinbildende Polytechnische Oberschule (12.0berschule).


http://www.pankeguide.de/schulgeschichte_buchholz.html

In der Pankower Schulchronik gibt es keinen Eintrag. Aber die Schule ist ja bei mir um die Ecke.

LG von der Moskwitschka


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#6

RE: Almansor

in DDR Bilder 11.08.2014 21:19
von GZB1 | 3.286 Beiträge

Wie auch immer, ...Hauptsache der Schulgarten war frisch gejätet. Da konnte man die Asche gleich als Dünger für neue Saaten nehmen.


zuletzt bearbeitet 11.08.2014 21:20 | nach oben springen

#7

RE: Almansor

in DDR Bilder 11.08.2014 21:36
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

Was ratet ihr denn rum, habe doch schon getippt.


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#8

RE: Almansor

in DDR Bilder 11.08.2014 21:44
von Gelöschtes Mitglied
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Du hast nur Schundromane geschrieben, darunter konnte ich mir nichts vorstellen.

Ich dachte du schreibst, oder tippst mal was das genau war. Du scheinst es ja zu wissen.


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#9

RE: Almansor

in DDR Bilder 11.08.2014 22:02
von Lutze | 8.033 Beiträge

was galt 1955 als Schundliteratur in der DDR?,
Schmöker oder Comics?,kann auch nicht sein,
sonst gäbe es ja die Digedags nicht
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
zuletzt bearbeitet 11.08.2014 22:18 | nach oben springen

#10

RE: Almansor

in DDR Bilder 11.08.2014 22:08
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

Thomas, habe gerade gesehen, du bist jünger als ich.
In meiner Schulzeit wurde von ,,Schund und Schmutzliteratur,, gesprochen, das waren Heftromane oder Groschenhefte aus dem Westen.
In unserer klasse hatten wir oft Ranzenkontrolle.
Ich hatte so was nie gehabt.
jetzt als älterer Mann kaufte ich alles auf Flohmärkten oder tausche.
Besitze über 3000 Hefte und Taschenbücher
thomas


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#11

RE: Almansor

in DDR Bilder 11.08.2014 22:14
von turtle | 6.961 Beiträge

Mir wurden diese Heftchen weg genommen. Wie Billy Jenkins ,Tom Mix, Jerry Cotton, Sigurd ,etc.


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#12

RE: Almansor

in DDR Bilder 11.08.2014 22:16
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

lutze,
Die Mosaik hatte ich von der Nr. 1 bis zum Ende der Digedags.
Es gab am Anfang ein oder zwei Hefte mit einer Ente und Wildschweinen die Ski fahren. Die Nr. und den Titel weiß ich nicht mehr. Diese Reihe wurde nicht weiter geführt.
Später gab es bei uns auch Romanhefte wie, Der fliegende Reporter,, Blaulicht, Die Erzählerreihe usw.
Aber das waren gute Helden, von denen man was lernen konnte oder sollte.


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#13

RE: Almansor

in DDR Bilder 11.08.2014 22:21
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

Turtle,
Schade
Tom Mix und Sigurd kannst du gut verkaufen
B. Jenkins war ein Berliner
Kenne ich alle nicht.
Cotton habe ich über 100 Hefte


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#14

RE: Almansor

in DDR Bilder 11.08.2014 22:24
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von 94 im Beitrag #1
Almansor - eine Tragödie von Heinrich Heine. Die kennt wohl kaum Einer. In dieser aber findet sich ein bekanntes Zitat, bezogen auf eine Koranverbrennung durch Kardinal Cisneros im Jahre 1499. Es lautet ...

Das war ein Vorspiel nur, dort, wo man Bücher
Verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.


Zumindest in den 80er Jahren hörte es die Schüler an der POS öfters im Deutsch- und Geschichtsunterricht, dann aber fast ausschließlich im Zusammenhang mit dem 10. Mai 1933. Ganz selten, ich erinnere mich einmal nur an Deutsch auf der EOS, auch im Kontext des 18. Oktober 1817.
Doch nun fand ich dieses Bild aus den 50er Jahren ...


Quelle: Bundesarchiv: Bild 183-30858-001

Frage dazu an die etwas betagteren Semester in diesem Forum, könnt ihr euch noch an diese 'Maßnahme' erinnern?
Angeschitten ward das Thema mal vor Jahren schon (Fluchtgründe aus der DDR #84), verschwand dann zwar nicht in der Mülltonne, wurde aber geschlossen.

Wie sich die Bilder doch gleichen......

ek40


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#15

RE: Almansor

in DDR Bilder 11.08.2014 22:35
von Lutze | 8.033 Beiträge

so richtige Begeisterung kommt bei den Schülern nicht auf,
werden bestimmt einige Schundhefte von ihnen dabei sein
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
zuletzt bearbeitet 11.08.2014 22:35 | nach oben springen

#16

RE: Almansor

in DDR Bilder 11.08.2014 22:42
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

Wo sind die Pioniere?


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#17

RE: Almansor

in DDR Bilder 12.08.2014 00:17
von turtle | 6.961 Beiträge

Der Begriff Schundliteratur war keine DDR Erfindung. Den Landser damals verdammen ,verstehe ich heute besser.

http://de.wikipedia.org/wiki/Schundliteratur

Maßnahmen gegen Schundliteratur in der Bundesrepublik Deutschland
Bereits kurz nach der Aufhebung der Presselizensierung durch die Alliierten beantragte die CDU/CSU im Bundestag „angesichts der die deutsche Jugend und die öffentliche Sicherheit bedrohenden Entwicklung gewisser Auswüchse des Zeitschriftenmarktes“ (Bundestag, Wahlperiode 1, Drucksache 103) ein Gesetz nach dem Modell des Schundgesetzes von 1926. Mit der Verabschiedung des Gesetzes über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften am 9. Juni 1953 und der Einrichtung der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften am 19. Mai 1954 fand diese Phase ihren Abschluss.
Darüber hinaus wurden ab 1955 in groß angelegten Umtauschaktionen „Schmöker“ und Comics gegen „gute“ Bücher oder Hefte getauscht. Die „schlechten“ Hefte wurden verbrannt oder vergraben. Gerade Comics wurden nun zum Inbegriff der Schundliteratur. Dabei konnte in Deutschland der Diskurs auch auf eine kulturpessimistische Haltung zurückgreifen, die streng zwischen der ernsten Kultur und der leichten Welt der Massenmedien unterschied.

Da die Heftchen in der DDR verboten waren ,machte das den besonderen Reiz aus. Aber mal ehrlich besonders "Wertvoll" war der Inhalt nicht.
Micky Maus las ich gern ,zwecks Mangel auch die Mosaik .


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#18

RE: Almansor

in DDR Bilder 12.08.2014 00:28
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von thomas 48 im Beitrag #16
Wo sind die Pioniere?


Die bügeln gerade ihr Halstuch.....


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#19

RE: Almansor

in DDR Bilder 12.08.2014 08:00
von Georg | 1.004 Beiträge

An solche " Maßnahme " kann ich nicht erinnern.
Die Bildbeschreibung ist ja anbei. Es geschah also in der Frontstadt. Und es muss ein Problem gewesen sein mit dieser " Literatur ". Schund und Schmutz eben, da ist es schon sinnvoller den Schulgarten zu pflegen, sich an sinnvolle Tätigkeiten zu gewöhnen. Diese Art von Literatur hatte nichts
an einer Schule zu suchen. Hausordnung ? Störung der Lernatmosphäre - in diesen Billigheften gabs ja nich mal ne Rechenaufgabe, kein Bezug und
vor allem schlechtes Deutsch usw. usf. Aber auch die ideologische Beeinflüssung. Landserromane, Krimis für Kinder und Jugendliche - sowas setzte keine Orientierungspunkte ....für ein ordentliches Leben.
Natürlich schauten die Schülerinnen und Schüler nich begeistert zu. Die Geschäftsgrundlage, ihr Kapital zum Tausch und Handel war ihnen entzogen. Erwischt, Ansehen wech, Einluss und Macht wech - insgesamt alles traurich.


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
hardi24a hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#20

RE: Almansor

in DDR Bilder 12.08.2014 08:47
von Rainman2 | 5.757 Beiträge

Zitat von Georg im Beitrag #19
... Natürlich schauten die Schülerinnen und Schüler nich begeistert zu. Die Geschäftsgrundlage, ihr Kapital zum Tausch und Handel war ihnen entzogen. Erwischt, Ansehen wech, Einluss und Macht wech - insgesamt alles traurich.



Interessant, was man so aus einem Bildchen lesen kann. Ich sehe, dass die augenscheinlich von der windabgewandten Seite ans Feuer gehen und ihnen in dem Moment gerade die Flamme entgegenschlägt, was mit kleinen verbrennenden Papierfetzen, die besonders leicht aufsteigen, sehr unangenehm gewesen sein dürfte. Aber vielleicht habe ich nur nicht richtig hingesehen.

Die 50er und der Anfang der 60er waren schon für die DDR kulturell eine interessante Zeit. Turtle hat zwar schon auf den historischen Hintergrund des Kampfes gegen Schundliteratur auf deutschem Boden hingewiesen, aber ein kleiner Blick auf diese Zeit in der DDR lohnt sich schon. Es war die Zeit, da eine neue Macht den Ideologemen folgte, die besagten, dass zu befreiten Menschen auch eine befreite Kunst und Kultur gehöre. Die Arbeiterklasse als führende Klasse hatte auch die Kunst und Kultur fest in ihre Hände zu nehmen. Der Höhepunkt der ganzen Sache wurde mit dem Bitterfelder Weg erreicht, da Künstler und Arbeiterklasse "verschmelzen" sollten.

Dahinter steckt nach meiner Auffassung kein reines Machtstreben. Es ist einfach zunächst eine zutiefst mechanistische Herangehensweise auf der Basis einfacher Paradigmen. Das ist vergleichbar mit "das materielle Sein bestimmt das gesellschaftliche Bewusstsein". Das wurde zum soziologischen Leitsatz, an dem nicht zu rütteln war. Und das sollte auch für die Kunst gelten. Eine von den Ketten der Ausbeutung und Vermarktung freie Kunst kann sich allseitig entfalten. Blöd nur, dass die Kunst ihre eigenen Köpfe hat, die eben nicht den einfachen Leitsätzen folgen, sondern ihren eigenen Kopf gebrauchen.

Vor einem solchen Hintergrund nun erfolgt eine "Säuberungsaktion". Der wichtige Unterschied zu den Bücherverbrennungen der Nazis war der, dass diese die Werke von Menschen mit Nennung von deren Namen verbrannten. Sie wollten die Vernichtung dieser Intellektuellen und ihrer Ideen symbolisieren. Das Bild hier im Eingangsbeitrag zeigt einen Vorgang, da bin ich mir relativ sicher, ohne die Nennung der Namen der Autoren. Es ging symbolisch um den Kampf gegen den Klassenfeind und seine Ideologie, sowie um einen Kampf zur Reinhaltung der Kultur. Aber trotz der sehr unterschiedlichen Zielstellungen passt das Zitat aus Almansor doch wieder. Sicher, bei der Verbrennung kam Trivialliteratur ins Feuer. Das wäre soweit noch in Ordnung gewesen, wenn im Gegenzug die künstlerische Intelligenz sich hätte voll entfalten können. Konnte sie aber nicht, denn sie sollte sich in den Gleichschritt der voranstürmenden Gesellschaft einreihen ...

Ich fand Ende der 80er Jahre in einem Buch von Gerhard Branstner einen interessanten Gedanken (sinngemäßes Zitat aus dem Gedächtnis): "Die Aufgabe der Literatur ist es, die Wirklichkeit um ihrer Möglichkeiten willen unmöglich zu machen." Wenn man sich das mal auf der Zunge zergehen lässt, dann wäre dieser, in DDR-Büchern freimütig gedruckte Satz, ein Aufruf zur permanenten Opposition. Und das ist in meinen Augen auch vollkommen richtig! Leider sah die Wirklichkeit in der DDR dann doch anders aus.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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zuletzt bearbeitet 12.08.2014 08:49 | nach oben springen


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