#41

RE: Almansor

in DDR Bilder 14.08.2014 19:55
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #40


Aber statt sie offen zu verbrennen hätte man sie einsammeln und wie anders Altpapier der Wiederverwertung zuführen können.




Am besten gebündelt und chronologisch sortiert damit sie von der Altpapierannahme wieder dem Leserkreis zugänglich gemacht werden konnten.
Wiederverwertung also.

seaman


thomas 48, 94 und Diskus303 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#42

RE: Almansor

in DDR Bilder 15.08.2014 18:46
von Freienhagener | 3.860 Beiträge

Das wäre auch ohne SERO gegangen und ist keine Rechtfertigung.
Alte Geldscheine verschwinden auch, obwohl die ungleich mehr begehrt sind.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 15.08.2014 18:47 | nach oben springen

#43

RE: Almansor

in DDR Bilder 15.08.2014 19:14
von elcramo | 64 Beiträge

Ich finde es gut, dass hier mal eine richtig gute und tiefsinnige Diskussion entstanden ist. Danke 94 für den Thread!
Es ist doch so, dass in Büchern genauso wie in anderen Medien eine ungeheure Macht steckt. Und dass sich in den jeweiligen Gesellschaften gegen Literatur von anderem Glauben, anderen gesellschaftspolitischen Ansichten usw. gewandt wird, ist doch klar. Man kann sich entweder damit offen auseinandersetzen oder man arbeitet dagegen, vernichtet es. Weil einfach die Angst vor der Macht, der Kraft der Bücher da ist.
Als ich am 01.09.´89 in Jena mein Studium begann, kam ich an einem Hörsaal vorbei, an dem gerade Marxismus/Leninismus doziert wurde für ein Studienjahr Theologiestudenten. Das hat mich damals sehr beeindruckt. Man muss sich mit seinem politischen Gegner auseinandersetzen und ihn studieren, um ihn zu verstehen.
Als ich 1985 an die OHS in Suhl kam machte bei uns das Buch "Gespräch mit meinem Urenkel" von Jürgen Kuczynski als Geheimtipp die Runde. Es war damals schon sehr gesellschaftskritisch und Kuczynski war ja auch nicht gerade ein Feind der DDR. Das zeigt aber auch, dass die Ereignisse vom Herbst ´89 nur eine logische Konsequenz waren. Die Unzufriedenheit und die Auseinandersetzung mit dem so existierenden Sozialismus hatte schon längst in allen Klassen und Schichten Nährboden gefunden.


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#44

RE: Almansor

in DDR Bilder 15.08.2014 20:17
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

Mein Bruder hat in den 70 Jahren in Jena Theologie studiert und kannte sich in M/L sehr gut aus.


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#45

RE: Almansor

in DDR Bilder 15.08.2014 20:30
von Gelöschtes Mitglied
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Thomas, das ist der Vorteil für sie gewesen! Den die gegen Seite wusste von Gott u.s.w. nichts! Deshalb hatten sie bei Auseinandersetzungen immer
schlechte Karten! Den wer über etwas sprechen will,muss man auch das andere kennen, um zu sagen was das oder das ist! Oder?
Grüsse steffen52


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#46

RE: Almansor

in DDR Bilder 15.08.2014 20:36
von 94 | 10.792 Beiträge

Erstens eine Falschaussage, also das Nichtwissen der Gegenseite (vermutlich mit gegen Seite gemeint?) und zweitens nicht das Thema, Danke!


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#47

RE: Almansor

in DDR Bilder 15.08.2014 20:40
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von 94 im Beitrag #46
Erstens eine Falschaussage, also das Nichtwissen der Gegenseite (vermutlich mit gegen Seite gemeint?) und zweitens nicht das Thema, Danke!

sorry, 94, bin eine Zeit nicht da gewesen! Hätte besser vom Anfang lesen müssen!
Grüsse steffen52


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#48

RE: Almansor

in DDR Bilder 15.08.2014 20:50
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #1
Almansor - eine Tragödie von Heinrich Heine. Die kennt wohl kaum Einer. In dieser aber findet sich ein bekanntes Zitat, bezogen auf eine Koranverbrennung durch Kardinal Cisneros im Jahre 1499. Es lautet ...

Das war ein Vorspiel nur, dort, wo man Bücher
Verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.


Zumindest in den 80er Jahren hörte es die Schüler an der POS öfters im Deutsch- und Geschichtsunterricht, dann aber fast ausschließlich im Zusammenhang mit dem 10. Mai 1933. Ganz selten, ich erinnere mich einmal nur an Deutsch auf der EOS, auch im Kontext des 18. Oktober 1817.
Doch nun fand ich dieses Bild aus den 50er Jahren ...


Quelle: Bundesarchiv: Bild 183-30858-001

Frage dazu an die etwas betagteren Semester in diesem Forum, könnt ihr euch noch an diese 'Maßnahme' erinnern?
Angeschitten ward das Thema mal vor Jahren schon (Fluchtgründe aus der DDR #84), verschwand dann zwar nicht in der Mülltonne, wurde aber geschlossen.


Da mein Vater damals Richter war ,- brachte er (unerlaubterweise) öfter genau diese westdeutschen Groschenhefte zum Selberlesen mit nach Hause,- welche vorher bei Durchsuchungen den sogenannten Halbstarken und asozialen Elementen abgenommen wurden.
Natürlich hab ich alle Hefte heimlich geschmöckert ,- bis mal wieder eine Pionieraktion gegen westdeutsche Schundliteratur fällig war....
Den genauen Zeitpunkt weiss ich nicht mehr -das war in der Zeit zwischen der Pionieraktion "Fangt den Wattfraß" und der FDJ-Aktion "Westantennen von den Dächern",- aber der Ablauf war bei uns der Gleiche:
Erst Geländespiel,- dann Lagerfeuer mit Kampfliedern und zuletzt die symbolische Absage an die Schundliteratur durch öffentliches Verbrennen der in der Schule konfiszierten Heftchen !

War sicherlich damals gutgemeint....


....................................
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#49

RE: Almansor

in DDR Bilder 15.08.2014 21:18
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #22
Egal welche Literatur - eine öffentliche Verbrennung hätte es so kurz nach den Nazis nicht wieder geben dürfen. Schändlich und entlarvend sowas..............


Ach ,- die guten alten Kommunisten haben doch so gut wie alles übernommen ,- was sich im III.Reich bewährt hatte !
( wahrscheinlich in der irren Hoffnung ,- das-was in Braun funktionierte, auch in Rot gut laufen muss.... )


....................................
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#50

RE: Almansor

in DDR Bilder 15.08.2014 21:27
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Ostlandritter im Beitrag #49
Zitat von Freienhagener im Beitrag #22
Egal welche Literatur - eine öffentliche Verbrennung hätte es so kurz nach den Nazis nicht wieder geben dürfen. Schändlich und entlarvend sowas..............


Ach ,- die guten alten Kommunisten haben doch so gut wie alles übernommen ,- was sich im III.Reich bewährt hatte !
( wahrscheinlich in der irren Hoffnung ,- das-was in Braun funktionierte, auch in Rot gut laufen muss.... )


Oh, Jürgen, denke an das Fenster( raus lehnen und so)! Es wird böse enden mit Dir:
Grüsse steffen52


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#51

RE: Almansor

in DDR Bilder 15.08.2014 21:30
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von steffen52 im Beitrag #50
Zitat von Ostlandritter im Beitrag #49
Zitat von Freienhagener im Beitrag #22
Egal welche Literatur - eine öffentliche Verbrennung hätte es so kurz nach den Nazis nicht wieder geben dürfen. Schändlich und entlarvend sowas..............


Ach ,- die guten alten Kommunisten haben doch so gut wie alles übernommen ,- was sich im III.Reich bewährt hatte !
( wahrscheinlich in der irren Hoffnung ,- das-was in Braun funktionierte, auch in Rot gut laufen muss.... )


Oh, Jürgen, denke an das Fenster( raus lehnen und so)! Es wird böse enden mit Dir:
Grüsse steffen52


Joooo,- das wird mir seit frühester Jugend immer wieder prophezeit ,- ich sehe den Dingen mit der nötigen Gelassenheit entgegen....


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zuletzt bearbeitet 15.08.2014 21:30 | nach oben springen

#52

RE: Almansor

in DDR Bilder 15.08.2014 21:38
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Ostlandritter im Beitrag #51
Zitat von steffen52 im Beitrag #50
Zitat von Ostlandritter im Beitrag #49
Zitat von Freienhagener im Beitrag #22
Egal welche Literatur - eine öffentliche Verbrennung hätte es so kurz nach den Nazis nicht wieder geben dürfen. Schändlich und entlarvend sowas..............


Ach ,- die guten alten Kommunisten haben doch so gut wie alles übernommen ,- was sich im III.Reich bewährt hatte !
( wahrscheinlich in der irren Hoffnung ,- das-was in Braun funktionierte, auch in Rot gut laufen muss.... )


Oh, Jürgen, denke an das Fenster( raus lehnen und so)! Es wird böse enden mit Dir:
Grüsse steffen52


Joooo,- das wird mir seit frühester Jugend immer wieder prophezeit ,- ich sehe den Dingen mit der nötigen Gelassenheit entgegen....


Jürgen, nicht nur Dir! Auch mir wurde zu einer gewissen Zeit gesagt: Wen du so weiter machst, na dann Prost Mahlzeit. Habe es aber trotz allem geschafft,
durchs Leben zu kommen und die paar Jahre schaffe ich auch noch!
Grüsse steffen52


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#53

RE: Almansor

in DDR Bilder 15.08.2014 21:42
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von steffen52 im Beitrag #52
Zitat von Ostlandritter im Beitrag #51
[quote=steffen52|p378832][quote=Ostlandritter|p378828][quote=Freienhagener|p377988
Joooo,- das wird mir seit frühester Jugend immer wieder prophezeit ,- ich sehe den Dingen mit der nötigen Gelassenheit entgegen....


Jürgen, nicht nur Dir! Auch mir wurde zu einer gewissen Zeit gesagt: Wen du so weiter machst, na dann Prost Mahlzeit. Habe es aber trotz allem geschafft,
durchs Leben zu kommen und die paar Jahre schaffe ich auch noch!
Grüsse steffen52


Genau !

Was uns nicht umbringt,- das macht uns hart !
Gelobt sei alles, was uns hart macht !


....................................
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#54

RE: Almansor

in DDR Bilder 15.08.2014 23:08
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Almansor - die Verschmelzung der Blüte der Kultur der Aufklärung mit einem verklärten Ideal einer zerstörten Hochkultur. Da kommt ein Heine mit Inbrunst daher. Er will eine Kultur begreifen, will sie sich aneignen, will deren tiefe Poesie studieren und in sein Werk aufnehmen. Der Spötter in ihm muss noch auf seine Zeit warten. Er arbeitet hart, recherchiert, schreibt, diskutiert, überarbeitet, kämpft, ein großes Stück Poesie zu erschaffen. Zu dem Zeitpunkt da die Nazis auch dieses Werk auf ihre Scheiterhaufen werfen, begleitet von einer Kampagne, die ein Volk gleichschalten und den Einfluss einer internationalen Intellektualität ausrotten soll, sofern sie undeutsch, jüdisch, kommunistisch oder pazifistisch zu sein scheint, kannten allenfalls die Literaturwissenschaftler und eine dünne Schicht des Bildungsbürgertums dieses Werk. Was da 1933 anrollt, hat mit den linkischen Fehlern einer von Ideologemen durchsetzten neuen Macht nichts zu tun. Das war stabsmäßig vorbereitet und wurde mit Macht durchgezogen. Musste ich nur mal loswerden ...

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#55

RE: Almansor

in DDR Bilder 17.08.2014 15:28
von Freienhagener | 3.860 Beiträge

Zitat von Ostlandritter im Beitrag #49
Zitat von Freienhagener im Beitrag #22
Egal welche Literatur - eine öffentliche Verbrennung hätte es so kurz nach den Nazis nicht wieder geben dürfen. Schändlich und entlarvend sowas..............


Ach ,- die guten alten Kommunisten haben doch so gut wie alles übernommen ,- was sich im III.Reich bewährt hatte !
( wahrscheinlich in der irren Hoffnung ,- das-was in Braun funktionierte, auch in Rot gut laufen muss.... )



Fackelumzüge, Fahnenappelle usw. Das ist bekannt.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
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#56

RE: Almansor

in DDR Bilder 03.09.2014 16:50
von der glatte | 1.356 Beiträge

Als ich 1967 zur Schule kam, gab es solche Art der Vernichtung von Schundliteratur nicht mehr. Wurde das dann zentral gelagert?
Die Frage ist auch, was gehörte alles dazu oder besser was zählte man dazu, wer hatte darüber zu entscheiden? Gesetzliche Regelungen sind ja oft sehr allgemein gehalten und so wurden bei mir sogar die schwer ertauschten Kaugummibilder vom Schatz im Silbersee eingezogen. Dazu gab es noch im Hausaufgabenheft eine Mitteilung an die Eltern. Unter uns Kindern gab es natürlich Diskussionen über das Warum, doch konnten wir uns damals selbst nicht vorstellen, dass das alles Schund- und Schmutzliteratur war. Was war schlimm auf diesem Foto vom Film, da war nicht einmal Gewalt zu sehen? Es kam aber aus dem Westen und das durfte nicht gut sein. Ging es wirklich darum, oder hat es sich wie so andere Dinge hochgeschaukelt? Wollte ein Einzieher besser sein als der andere?

Ich denke ab Anfang der 70er Jahre wurde so manches geduldet oder höflich übersehen, in den Hofpausen gab es kaum noch Ärger wenn sich einige Gruppen gebildet hatten. Da kreiste oft eine bereits arg ausgeschnittene bravo herum. Es wurden aus der Zeitung Fotos von Beat-Gruppen selbst abfotografiert, entwickelt und auf dem Schulhof verkauft oder getauscht.

Gruß vom Glatten


ACRITER ET FIDELITER


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#57

RE: Almansor

in DDR Bilder 03.09.2014 21:20
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Zitat von der glatte im Beitrag #56
Als ich 1967 zur Schule kam, gab es solche Art der Vernichtung von Schundliteratur nicht mehr. ...
Es kam aber aus dem Westen und das durfte nicht gut sein. Ging es wirklich darum, oder hat es sich wie so andere Dinge hochgeschaukelt? Wollte ein Einzieher besser sein als der andere?...
...

Hallo der glatte,

schön, wieder von Dir zu lesen. Im Moment muss man ein wenig tief wühlen, um Goldklümpchen zu finden. Du kommst zu rechten Zeit.

Ich wurde auch 1967 und kann das bestätigen, dass es solche Aktionen da nicht mehr gab. Das Einziehen ... da steckte etwas in den Knochen, nicht nur der Pädagogen. Die einen waren überzeugt, sie täten das Richtige. Die anderen wollten gehorsam erscheinen. Funktionäre ohne richtigen Plan, aber mit der "richtigen Überzeugung" taten ein übriges. An der Offiziershochschule kam mir mal die Bezeichnung Radaukommunist zum ersten Mal unter. Das bezog sich auf eine konkrete Person (für die Insider: RKW = Radaukommunist Wo...). Ich übertrug später diese Bezeichnung auf alle, die scheinbar völlig unreflektiert irgendwelchen Ideologemen und Parolen hinterherliefen. Mich natürlich besser wähnend, denn ich war ja in meinem Selbstbild einer, der drüber nachdenkt, was er tut. Diese Bilderstürmerei war mir immer suspekt. Sie negierte die Kunst und verschloss sich einer Auseinandersetzung, bei der man hätte etwas lernen können. Aber vielleicht war ja genau das die Angst: "Wenn ich denke, kann ich das falsche denken. Wenn ich das Falsche denke, werde ich ein Abweichler. Und das ist eigentlich undenkbar." Man verschloss sich der Abstraktion der Kunst. Das Menschenbild in der Kunst musste immer konkret den arbeitenden Menschen im Mittelpunkt haben. Heine fiel mir da wieder ein, die Gewürzkrämer aus seinem Vorwort der "Lutetia", die aus den Bücherseiten seines Buches der Lieder Tüten machen werden. Ach, was soll es. In diesem Forum wird zurzeit soviel Mist geschrieben, dass auch mal ein paar ordentliche Sätze kommen dürfen. Und in einem, nach einem Werk von Heine benannten Thread, darf ich wohl Heine mal etwas umfassender zitieren. Wer das ganze Vorwort lesen will findet es in diesem Link hier ... . Und nun viel Spaß mit den Worten eines großen Denkers und Träumers - geschrieben ein Jahr vor seinem Tod, da er schon seit sieben Jahren in seiner "Matratzengruft" lag:

"Dieses Bekenntnis, dass die Zukunft den Kommunisten gehört, dieses Bekenntnis machte ich im Ton der Besorgnis und äußersten Furcht, und – ach! Das war keineswegs Verstellung! Wahrhaftig, nur mit Schauder und Schrecken denke ich an die Zeit, da diese finsteren Bilderstürmer zur Herrschaft gelangen werden; mit ihren schwieligen Händen werden sie erbarmungslos alle Marmorstatuen der Schönheit zerbrechen, die meinem Herzen so teuer sind; sie werden alle jene Spielereien und phantastischen Nichtigkeiten der Kunst zerschmettern, die der Dichter so liebte; sie werden meine Lorbeerhaine zerstören und dort Kartoffeln anpflanzen; die Lilien, die weder spannen noch arbeiten und doch ebenso herrlich gekleidet waren wie der König Salomo in aller seiner Pracht, sie werden ausgerissen werden aus dem Boden der Gesellschaft, es sei denn, sie nehmen die Spindel zur Hand, die Rosen, jene müßigen Bräute der Nachtigallen, wird das gleiche Geschick treffen; die Nachtigallen, diese unnützen Sänger, werden vertrieben werden, und – ach! Mein Buch der Lieder wird dem Gewürzkrämer dazu dienen, Tüten zu drehen, in die er den armen alten Frauen der Zukunft Kaffee und Tabak schütten wird. Ach! Ich sehe all dies voraus, wenn ich an den Untergang denke, mit dem das siegreiche Proletariat meine Verse bedroht, die mit der ganzen alten romantischen Welt vergehen werden.

Und dennoch, ich bekenne es mit Freimut, übt eben dieser Kommunismus, so feindlich er allen meinen Interessen und meinen Neigungen ist, auf meine Seele einen Reiz aus, dem ich mich nicht entziehen kann, zwei Stimmen erheben sich in meiner Brust zu seinen Gunsten, zwei Stimmen, die sich nicht zum Schweigen bringen lassen wollen, die vielleicht im Grunde nur teuflische Einflüsterungen sind – aber was immer sie seien, ich bin davon besessen, und keine Macht der Teufelsbeschwörung kann sie bändigen.

Denn die erste dieser Stimmen ist die der Logik. Der Teufel ist ein Logiker! Sagt Dante. Ein fürchterlicher Syllogismus hält mich umstrickt, und wenn ich diesen ersten Satz nicht widerlegen kann, „dass alle Menschen das Recht haben zu essen“, so bin ich gezwungen, mich auch allen anderen Folgerungen zu unterwerfen. Wenn ich daran denke, so laufe ich Gefahr, den Verstand zu verlieren.

Ich sehe alle Dämonen der Wahrheit mich im Triumph umtanzen, und schließlich bemächtigt sich meines Herzens eine großmütige Verzweiflung, und ich rufe aus: sie ist schon seit langem gerichtet, verurteilt, diese alte Gesellschaft! Möge die Gerechtigkeit ihren Lauf nehmen! Möge sie zerbrochen werden, diese alte Welt, wo die Unschuld zugrunde ging, wo die Selbstsucht gedieh, wo der Mensch vom Menschen ausgebeutet wurde! Und gesegnet sei der Gewürzkrämer, der einst aus meinen Gedichten Tüten drehen wird, um Kaffee oder Tabak für die armen, guten alten Weiber hineinzuschütten, die sich vielleicht in unserer jetzigen Welt der Ungerechtigkeit eine solche Annehmlichkeit haben versagen müssen – fiat justitia, pereat mundus!

Die zweite der beiden gebieterischen Stimmen, die mich umstricken, ist noch mächtiger und noch infernalischer als die erste, denn es ist die des Hasses, des Hasses, den ich gegen eine Partei hege, deren schrecklichster Gegner der Kommunismus und die aus diesem Grunde unser gemeinsamer Feind ist. Ich spreche von der Partei der sogenannten Repräsentanten der Nationalität in Deutschland, von jenen falschen Patrioten, deren Vaterlandsliebe in nichts anderem besteht als in einer idiotischen Abneigung gegen das Fremde und gegen die Nachbarvölker, und die jeden Tag ihre Galle verspritzen, besonders gegen Frankreich. Ja, diese Überbleibsel oder Nachfahren der Teutomanen von 1815, die nur ihr altes ultrateutsches Narrenkostüm modernisiert haben und sich ein wenig die Ohren haben stutzen lassen – mein ganzes Leben lang habe ich sie verabscheut und bekämpft, und jetzt, da das Schwert der Hand des Sterbenden entfällt, fühle ich mich getröstet durch die Überzeugung, dass der Kommunismus, der sie als erste auf seinem Wege finden wird, ihnen den Gnadenstoß versetzen wird; sicherlich wird das kein Keulenschlag sein, nein, mit einem einfachen Fußtritt wird der Riese sie zertreten, wie man ein Kröte zertritt. Das wird sein Debüt sein.

Aus Hass gegen die Parteigänger des Nationalismus könnte ich den Kommunisten fasst meine Liebe zuwenden. Wenigstens sind sie keine Heuchler, die immer die Religion und das Christentum im Munden führen. Die Kommunisten haben allerdings keine Religion (kein Mensch ist vollkommen), die Kommunisten sind sogar Atheisten (was sicherlich eine große Sünde ist), aber als Hauptdogma bekennen sie sich zum unbedingtesten Weltbürgertum, zu einer weltumspannenden Liebe zu allen Völkern, zu einer alle Menschen erfassenden Bruderschaft von Gleichen, zu freien Bürgern dieses Erdballs. Dieses grundlegende Dogma ist das gleiche, das einst das Evangelium gepredigt hat, dergestalt, dass dem Geist und der Wahrheit nach die Kommunisten sehr viel christlicher sind als unsere sogenannten germanischen Patrioten, jene beschränkten Verfechter einer exklusiven Nationalität."


Ah, das tat gut!

Liebe Grüße und eine friedliche Weiterführung dieses Threads sowie Friede im Forum allen Nutzern, die guten Willens sind.
ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


eisenringtheo, der glatte, Georg und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#58

RE: Almansor

in DDR Bilder 04.09.2014 16:05
von Georg | 1.012 Beiträge

Heinrich Heine strittig und streitbar war er !
Heinrich Heine wurde schon frühzeitig in der SBZ und DDR wieder gedruckt. Und in beachtlichen Auflagen. Mehr als der Heine des Schulunterrichts der DDR ist nicht an mich rangekommen. Andere Interessen und, und, der Ausreden gibt es viele. Schade eigentlich, aber im Alter lässt sich manches nachholen. Geht mir teilweise auch mit Musik so. Bach, Ravel, Tschaikowski u.a. höre ich heute anders als vor 40 Jahren. Und mir tut es fast Leid, dass ich mich immer gedrückt habe, wenn es darum ging, den Kulturfond des Betriebes auszuschöpfen. Ist aber ein anderes Thema.
Danke Rainman2


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
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