#1

euere "begrüßung" in der grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 07.08.2009 15:20
von bruno | 598 Beiträge

20.juli 1989 wurde ich von der ausbildungskompanie (eisenach) an die grenze versetzt.
an diesen tag wurde mir vor der versetzung noch angeboten, in eisenach zu bleiben
um dort beim armeesportklub fussball zu spielen. aus irgendeinen grund (den ich mir
heute nicht mehr erklären kann) hatte ich das angebot nicht angenommen.
dann hiess es abschied nehmen von den kumpels der 3.kompanie, 3.zug zimmer 323,
das fiel richtig schwer, da waren feine kerle dabei.
irgendwann wurde mein name aufgerufen, also auf gings mit dem elo nach heiligenstadt,
dort sind wir wieder aufgeteilt wurden und zu fünft ging es nach rustenfelde.
nach langer fahrt fuhren wir dann in die grenzkompanie, absitzen, überall flogen die
fenster auf, massbänder und blaue löffel wurden aus den fenstern gehalten.
(scheisse, was wollen die von mir???) laute musik lief. der titel war zu ende, da brüllte
jemand "spielts nochmal", da habe ich erstmal hingehört was es für ein titel war,
"zeit die nie vergeht" (perl), na, toll!
bei den uffz. wurde übrigens klaus lage "1000 und eine nacht" als begrüssungslied gespielt!
man hat sich dann schnell eingelebt, am 78.tag der armeezeit.
übrigens, ein 1/4 jahr später habe ich dann die neuen auch "am fenster" mit empfangen
und hatte mich gefreut "die gehen nach mir heim!"


nichts auf der welt ist so gerecht verteilt wie der verstand.
denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe.
rené descartes
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#2

RE: euere "begrüßung" in der grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 07.08.2009 16:50
von Ernest | 210 Beiträge

ja, ist schon lange her........

Nach knapp 3 Monaten Ausbildung in Magdeburg, ging die halbe Mannschaft Ende Juli/Anfang August 1972 ins Feldlager (Ernteinsatz). Wir durften nicht mit und hatten erst mal gestöhnt, weil wir dachten, für uns geht die Ausbildung weiter. Nur dann sagte man, in 2 Wochen seid ihr an der Grenze.
Nach der Zeit hieß es dann mit einem mal, Sachen packen, die LKW`s warten schon. Wir saßen schon oben, da versuchte einer uns, unseren Fahrer zu erwischen, um ihn zu fragen, wo er uns hinbringen soll. Da wir nicht mitbekamen, was er ihm sagte, waren wir natürlich gespannt. """und, wo geht es hin????"""".......""""na der sagte was von Göhren""""".
Pohhhhhh, dachten wir............Göhren, also ab an die Ostsee. Na auf alle Fälle eine schöne lange Reise.

Wir waren gar nicht mal soooo lange unterwegs, da bog unser LKW in eine Grenzkompanie ein. Aha, bestimmt ne kurze Pause, so unser erster Gedanke.
Wir mußten absitzen, unsere Sachen mit runternehmen und als erstes sahen wir, das von dem Kompaniegebäude bald kein Fenster frei war.....alle gröhlten zu uns herunter. So richtig konnte man nicht deuten, was da jetzt kommt.

Danach Befehl zum Antreten und gleich die Ansage: """"" Sie haben doch alle ihre Schutzausrüstung mit, holen sie die vor.""""
Und "null-komma-nichts" kam der Befehl: """ Schutzausrüstung anlegen"""".
Unter dem Gelächter der gesamten Fensterfront mußten wir dann, mit demonstrativ vorgehaltener Stoppuhr, alles anlegen. Ich habe innerlich "gekocht", auch wegen der Wärme, aber mehr vor Wut. Das Teufelsding anzulegen hatte mir schon immer Probleme bereitet, weil ich die blöden Knebel nie zu bekommen hatte. So auch dieses mal.
Ich war noch am "kämpfen", da bekam ich gesagt. """ lassen sie es gut sein, jetzt noch die Schutzmaske auf""""".
Als ich die endlich auf hatte, die anderen waren natürlich schon fertig, da hieß es dann nur.....""""und sie kommen aus der Ausbildung ??? Bei den Zeiten, die sie geschafft haben, wären sie schon tot.............ausziehen und verpacken""""""

Hmmmmmm, dann standen wir wieder da, durchgeschwitzt, abgekämpft und wußten eigentlich gar nicht so richtig, was alles zu bedeuten hat, denn immerhin waren wir auf der Fahrt zur Ostsee, nach Göhren. Am meisten hatte uns irritiert, daß an den Fenstern nur gelacht und gefeixt wurde.

Dann wurde die Stimme und Mine unseres Peinigers mit einem mal freundlicher.
Er sagte: """"Ich bin Hauptfeldwebel Sch... und heiße sie herzlich willkommen in der 10. Grenzkompanie Döhren, ihrem neuen Zuhause""""""""""

Hääääääääää ????? Döhren ???????...........nicht Göhren ????

Da waren wir dann erst mal platt. So ist es, wenn man nicht richtig hinhört und anstatt Döhren, Göhren versteht.

Auf unsere Zimmer aufgeteilt, erfuhren wir dann, das sich unser Spieß mit allen Neuen diesen kleinen Scherz erlaubt.........sozusagen, zur Freude und Erquickung aller. Irgendwann hing ich dann auch am Fenster und durfte über andere lachen.
Dieser Einstand war auch das letzte mal, daß ich etwas tat, was irgendwie mit Ausbildung zu tun hatte.
Von da an ging es uns nur einfach gut.

An diese Situation denke ich eigentlich gerne zurück. Das war ganz einfach nur "Verwirrung pur".
Unser Spieß, von dem ich beim Absitzen eigentlich dachte, was ist denn das für ein Schleifer ( wußte ja nicht, wer er ist), war im Grunde ne Seele von Mensch. Der Name "Mutter der Kompanie" paßte für ihn, wie die Faust aufs Auge. Ich glaube, für ihn waren wir auch alle seine Kinder.

Gruß
Herbert


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#3

RE: euere "begrüßung" in der grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 07.08.2009 17:50
von suentaler | 1.923 Beiträge

Hallo bruno,

die Versetzung an den Kanten war bei uns auch so eine Aktion für sich.
Ein paar Tage vor der Versetzung (die war am 30.Oktober 86) haben wir erfahren in welches Regiment jeder kommt.
Am Tag der Versetzung habe wir von früh bis abend gewirbelt, um unsere Sachen zu verpacken und die Buden in Potsdam auf Hochglanz zu bringen.
Am späten Nachmittag wurden die ersten versetzt. Man fing aber mit den nördlichen Regimentern an. Die Kandidaten, die wie ich ins GR-20 kommen sollten, waren erst um Mitternacht dran.
Wir wurden also gegen 0:00 Uhr alle auf LKW’s verladen und dann ging die Reise los. Wir kamen aber nur bis zum KdL . Jeder von uns warf nämlich von der Ladefläche aus einen Groschen an die OvD-Bude, mit den Worten „...auf jedem Scheißhaus wird bezahlt...“.
Das fand der Offizier vom Dienst nicht so toll und so mußten die letzten absitzen und das Geld einsammeln.
Dann konnte die Reise richtig losgehen. Wir wurden aber nicht direkt an die Grenze gefahren, sondern man karrte uns erst nach Glöwen, dem anderen Bataillon unseres Ausbildungsregiments.
In Glöwen kamen wir gegen 2:30 in der Nacht an. Es war Ende Oktober und schon verdammt kalt. Wir waren in Paradeuniform mit Mantel aber diesen dünnen „Ballettschuhen“. So ließ man uns dort auf dem Parkplatz 3 ½ Stunden in der Kälte stehen.
Gegen 6:00 Uhr wurde uns dann gesagt in welche Kompanie jeder kommt und wir wurden erneut auf LKW’s verladen.
Unser LKW hatte das Reiseziel Ilsenburg. Aus meiner Ausbildungskompanie waren zum Glück noch 4 weitere Soldaten, so kannte man wenigsten schon welche.
Gegen Mittag sind wir dann endlich in Ilsenburg angekommen.
Dort guckten und grölten natürlich auch welche an den Fenstern aber an Bandmaße (die hatte alle noch den Anschnitt vor sich) oder Begrüßungsmusik kann ich mich nicht erinnern.
Dann wurden uns die Zimmer zugewiesen und wir bezogen unser Schränke.
Anschließend ging es zum Mittagessen und da fielen uns Soldaten, die den Fraß aus Potsdam gewöhnt waren, erst mal die Augen raus.
Man servierte nämlich Schnitzel, so was gab es in Potsdam nie.
Am Nachmittag kamen dann unser Alten von Grenzdienst rein und jeder von uns Neuen lernte seinen Patenonkel kennen. Dann wurden wir eingewiesen, was wir dürfen und was nicht.
Nach Abendbrot und Revierreinigen sind wir dann todmüde in die Betten gefallen.

Die Karte veranschaulicht die Reisestrecke quer durch die Republik
Potsdam – Glöwen - Ilsenburg


Gruß vom Suentaler


[rot]Vielen Dank für die Sperrung.
Noch nicht einmal einen Grund konntet ihr angeben.
Andersdenkende mundtot machen - wie erbärmlich - selbst für euch ![/rot]
.
MfG Suentaler
.
[gruen]Leider kann ich nicht auf die mich erreichenden PN's antworten.
Man kann mich aber direkt unter suentaler@emailn.de anschreiben.[/gruen]
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#4

RE: euere "begrüßung" in der grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 26.08.2014 21:44
von jens-66 | 188 Beiträge

Ich habe mal weit in der Vergangenheit des Forums geguckt, was man da so findet.

Meine Begrüßung damals auf der Grenzkompanie war ganz entspannt.
Ich weiß aber nicht mehr genau, mit wie viel Kameraden ich dort angekommen bin. Ich glaube, wir waren 4.
Wir wurden vom Hauptfeldwebel in Empfang genommen und es gab erst mal die Einweisung im das Kompaniegebäude.
Später wurden wir auf die Zimmer verteilt.
Dann sagte jemand zu mir: "guck mal aus dem Fenster! - da den Berg hoch - die rote Spitze über den Bäumen- das ist der Brocken".
Jetzt wusste ich wo ich gelandet war. ( Scharfenstein) zwischen Ilsenburg und Brocken.
Die Einweisungsfahrt fand mit einem umgebauten Muticar statt. So ein Ding hatte ich vorher noch nie gesehen.
Der sah aus wie ein kleiner Panzer auf Rädern.
Mich würde es wirklich interessieren, wo das Ding geblieben ist

Jens


Rainman2 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#5

RE: euere "begrüßung" in der grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 26.08.2014 22:36
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von jens-66 im Beitrag #4
... Mich würde es wirklich interessieren, wo das Ding geblieben ist

Guck ma in diesen Thread ... multicar als kettenfahrzeug ??


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


jens-66 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 26.08.2014 22:36 | nach oben springen

#6

RE: euere "begrüßung" in der grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 27.08.2014 20:07
von jens-66 | 188 Beiträge

Danke 94.
Der Multicar war auf Räder


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