#81

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 23.07.2014 13:07
von Barbara (gelöscht)
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Uwe zu #72:

Ich stimme dir grundsätzlich zu. Möchte aber nochmal betonen, Stauffenberg stand im Kontext einer Widerstandsgruppe, derer gab es einige. Und diese Widerstandsgruppe setzte sich aus sehr unterschiedlichen Leuten zusammen, von denen verschiedene - auch aus dem Kreis der Reichswehr - schon früh eine antinazistische EInstellung hattenn - aber ich bin sicher, dass weißt du alles.
Dass Stauffenberg so im Rampenlicht der Erinnerungskultur stand / steht, hatte aus meiner Sicht damit zu tun: er war zu dem damaligen Zeitpunkt der einzige, der Hitler räumlich noch so nah kommen konnte und er deshalb das Attentat verüben konnte. Damit ist der 20. Juli so sehr mit seinem Namen verbunden, zumal dazu kommt: er ist die Verkörperung des "tragischen" Helden - Futter für die Mythenbildung.
Deine differenzierte Betrachtungsweise seiner Person teile ich, jedoch, ich habe es vorher schonmal gepostet, von seinem geistigen Herkommen war er gar nicht so sehr in dieser preussisch-militärischen Tradition - trotz des familiären Hintergrundes.


In jedem Fall aber war der 20. Juli - natürlich! - der

Widerstand traditioneller Eliten

Der Kreisauer Kreis, der Goerdeler-Kreis, der Solf-Kreis, die Strassmann-Gruppe und der Freiburger Kreis planten eine Neuordnung nach dem erhofften Ende der NS-Herrschaft und sogar den Sturz Hitlers.

Wer Interesse hat kann hier lesen: http://www.bpb.de/izpb/10385/widerstand-...er-eliten?p=all


Georg Elser hatte ich oben schon erwähnt, in der Wilhelmstraße steht ein riesiges und nicht zu übersehendes Denkmal für ihn, das Zitat dass ich oben gebracht hatte ist ins Pflaster des Bürgersteigs eingelassen. Das Denkmal steht ungefähr an der Stelle der ehm. Reichskanzlei.

Die Geschwister-Scholl und mit ihr Die weiße Rose, die aufgrund ihrer christlichen-humanistischen Überzeugung handelten wurden immer sehr geehrt?

Insgesamt denke ich, was du über die deutsche Erinnerungskultur schreibst, hat sich da einiges getan. Ich denke, dass auch die Wende das ihre dazu beigetragen hat, diese geschichtiche Ereignisse wieder und wieder neu und tiefer gehend zu bedenken. Aus u.a. diesem Grund hatte ich auch den Artikel zu Bentzien oben eingestellt.
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ABV hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#82

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 23.07.2014 13:11
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Dandelion im Beitrag #78
Zitat von Barbara im Beitrag #77
Das glaube ich zu dem Zeitpunkt nicht mehr..


Ich bin mir da nicht so sicher, @Barbara : Denk doch bitte auch daran, welcher permantenten Gehirnwäsche die Bevölkerung durch Radio, Kino und Zeitungen ausgesetzt war. Und es gab gewiss nicht wenige, die felsenfest daran geglaubt haben.

Gut, die aus Russland oder von anderen Frontabschnitten heimkehrenden Soldaten hätten zwar etwas mehr Wahrheit ins Licht des Dunkels bringen können (sofern sie den dazu erforderlichen Überblick besaßen, was gewiss nicht für jeden Frontkämpfer galt), aber denen wurde nach dem 1. WK auch nicht geglaubt.




Ich habe das gar nicht so sehr in bezug auf den felsenfesten Glauben gemeint, sondern darauf dass 1944 doch die Zivilbevölkerung derartig vom Krieg betroffen war, dass sie sich nichts sehnlichster wünschte, als dass das alles aufhört.

Haben wir von unseren Eltern nicht gehört: wir waren so froh, dass es vorbei war? Dass sich daran anschließend eine "Dolchstoßlegende" konstruieren lassen würde glaube ich einfach nicht.
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#83

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 23.07.2014 13:16
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von icke46 im Beitrag #79

Dann müsste aber in den neun Monaten bis zum Kriegsende ein enormes Umdenken in der Bevölkerung eingesetzt haben - denn die Werwolfbewegung, die ja auf den fanatischen Glauben an Führer und Endsieg baute, war ja nach dem 8.5.45 so gut wie nicht vorhanden.


Nun ja - in diesen 9 Monaten ist auch verdammt viel passiert: Die vielgepriesenen Wunderwaffen kamen nicht zum Einsatz oder erzielten nicht die propagandistisch völlig überhöhten Erwartungen, der nicht von den Alliierten besetzte oder befreite (je nach Sichtweise) Bereich Großdeutschlands war ein Fleckenteppich, nahezu alle Städte lagen in Schutt und Asche, die Armee Wenck, die Berlin befreien sollte, kapitulierte in Stendal, Berlin war besetzt und Hitler tot.

Gute Gründe für ein Umdenken, oder?


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#84

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 23.07.2014 13:40
von damals wars | 12.213 Beiträge

Wenn ich von den vielen Wiederstandskreisen lese, fällt mir folgendes Zitat ein

„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

Martin Niemöller


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#85

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 23.07.2014 14:34
von ABV | 4.204 Beiträge

@Barbara
Erstmal vielen Dank für den Hinweis auf das Georg-Elser-Denkmal in der Berliner Wilhelm-Straße. Zu meiner absoluten Schande muss ich gestehen, dass mir dieses Denkmal bislang nicht bekannt war.
Zu den Widerständlern um Stauffenberg gehörten noch viele andere, teilweise aus dem Adel stammende Persönlichkeiten. Zum Beispiel Graf Hans von Hardenberg. Aus dem übrigens nur fünf Kilometer von Gusow entfernten Neuhardenberg. Im Schloss Neuhardenberg traf sich der Graf des Öfteren mit Oberst Stauffenberg und dessen Adjutanten, dem Oberleutnant von Haften. Der beinahe Graf Hardenbergs Schwiegersohn geworden wäre.
Diesen Grafen nehme ich dessen Abneigung gegen den Nationalsozialismus in vollem Umfang ab. Graf Hardenberg, der sich innerhalb der Bevölkerung größter Beliebtheit erfreute, das weiß ich zum Beispiel aus dem Munde meiner eigenen Großmutter die auf seinem Gut gearbeitet hat, war zwar selbst Reserveoffizier, er nahm aber auf eigenen Wunsch nach Kriegsausbruch seinen Abschied. Weil er sich an den Verbrechen der Nazis nicht mitschuldig machen wollte! Es gab also auch innerhalb des Adels Menschen, die nicht einfach blind und begeistert "marschierten". Sondern das aufziehende Unheil sehr früh kommen sahen.
Kurz nach dem 20. Juli 1944 wurde der Graf in seinem Schloss von der Gestapo verhaftet. Er wollte sich der Festnahme durch Suizid entziehen. Was ihm jedoch nicht gelang. Der selbst beigebrachte Schuss aus seiner Pistole verletzte nicht nur den Grafen schwer, sondern auch einen der Gestapo-Beamten.
Graf Hardenberg kam schwer verletzt ins KZ Sachsenhausen. Wo er von Kommunisten in Obhut genommen und gesund gepflegt wurde!!!!
Nach 1945 verfügten, wiederum Kommunisten, die Enteignung des Grafen. Schlimmer noch: ein gewisser Karl Linse, ebenfalls Kommunist und Bürgermeister des inzwischen in Marxwalde umbenannten Neuhardenberg, beschied die Bitte der Familie des zwischenzeitlich verstorbenen Grafen diesen in heimatlicher Erde begraben zu lassen, die von Hardenbergs lebten seit 1945 in Hessen, abschlägig. Mit der zynischen Bemerkung: " Wir haben die lebenden Grafen davon gejagt. Die toten Grafen wollen wir erst recht nicht."
In diesem Fall muss wohl offen bleiben, wen der Bürgermeister mit - wir- meinte. Die Bevölkerung von Marxwalde / Neuhardenberg sicher nicht!
Das Beispiel des Grafen Hardenbergs zeigt aber auch etwas anderes: Kommunisten sind nicht gleich Kommunisten. Nur weil jemand der selben Ideologie anhängt, bedeutet das noch nicht zwangsläufig das dieser jemand die selbe humanistische Grundeinstellung teilt. Es gab und gibt eben solche und solche, wie es immer so schön heißt. Unter den "reaktionären Adligen" wie unter den "fortschrittlichen Kommunisten". Wobei allein schon die pauschale Unterteilung in " reaktionär" und " fortschrittlich" absoluter Blödsinn ist. Aber so haben wir das in der Schule gelernt. Zumindest wir in der DDR.
Mir ging es aber bei dem Fingerzeig auf Stauffenbergs " schwarze Flecken" ganz nebenbei noch ein klein wenig um etwas anderes: ich wollte damit eine Parallele zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte zeigen. Wie oft werden heute noch Leute wegen einer "Episode ihres DDR-Lebens", ich drücke es mal so aus, oder auch nur wegen damaliger Äußerungen, angegriffen und ausgegrenzt. Siehe das Beispiel Hans Bentzien. Der " weil er doch DDR-Funktionär war, keinen Vortrag über Friedrich II. halten durfte." Oder das immer wieder kehrende Geschrei, wenn jemand mit "anrüchiger Vergangenheit" einen öffentlichen Posten bekleiden möchte. Wehe, wenn er dann auch noch die Mehrheit bekommt! Dann ist der Aufschrei der Entrüstung besonders groß. Keiner der Schreier fragt sich aber nach dem Grund für die Beliebtheit. Der zumeist in den gezeigten Leistungen und Können zu suchen ist.
Graf Stauffenberg ist eben auch ein Beweis dafür, dass es keine lupenreinen Helden gibt. Menschen irren sich nun einmal, folgen den falschen "Propheten" und kehren, zuweilen, wieder um. Gerade diese Fähigkeit zur Umkehr, die Einsicht einen Fehler begangen zu haben, macht doch einen wahren Helden erst aus.

Viele Grüße aus dem Oderland
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#86

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 23.07.2014 15:38
von icke46 | 2.593 Beiträge

Bloss eine kleine Konkretisierung: Der Hardenberg, von dem Uwe schreibt, hiess Carl-Hans Graf von Hardenberg (1891-1958). Es gibt nämlich auch einen Hans Carl Graf von Hardenberg (1909-1996) , der 1937 in die NSDAP eintrat und SA-Rottenführer wurde. 1943 zur Wehrmacht eingezogen und 1945 von der Roten Armee gefangengenommen, nach dem Krieg unter anderem Ständiger Vertreter der Bundesrepublik bei den Vereinten Nationen.

Zu dem von Uwe gemeinte Carl-Hans Graf von Hardenberg und die Geschichte aus dem KZ gibt es auch einen Film:
http://www.countandcomrade.de/

Gruss

icke



zuletzt bearbeitet 23.07.2014 15:39 | nach oben springen

#87

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 23.07.2014 15:39
von ABV | 4.204 Beiträge

[quote=icke46|p372787]Bloss eine kleine Konkretisierung: Der Hardenberg, von dem Uwe schreibt, hiess Carl-Hans Graf von Hardenberg (1891-1958). Es gibt nämlich auch einen Hans Carl Graf von Hardenberg (1909-1996) , der 1937 in die NSDAP eintrat und SA-Rottenführer wurde. 1943 zur Wehrmacht eingezogen und 1945 von der Roten Armee gefangengenommen, nach dem Krieg unter anderem Ständiger Vertreter der Bundesrepublik bei den Vereinten Nationen.

Zu dem von Uwe gemeinte Carl-Hans Graf von Hardenberg und die Geschichte aus dem KZ gibt es auch einen Film:
http://www.spielfilm.de/filme/902686/der...d-der-kommunist

Gruss

icke
[/quot

Vielen Dank Kurt.

Viele Grüße aus dem Oderbruch
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#88

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 23.07.2014 17:12
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #80
Deshalb stand eine bedingungslose Kapitulation stand im Juli 1944 noch nicht zur Diskussion.

Hä? Die bedingungslosen Kapitulation (unconditional surrender) wurde von den Westallierten bereits im Januar 1943 zur Casablanca-Konferenz beschlossen. Und die Formel Hitler-tot=Krieg-aus, naja. Hab mal ein mMn recht realistisches Szenario von Alexander Demandt für den Fall einer gelungen Operation 'Walküre' gefunden ...

Die Nachricht von dem Mord löst landesweit Empörung aus. Aufgeben, bevor der Feind auf deutschem Boden steht? Der Fehler von 1918 ist zu vermeiden! Der von den Verschwörern als Nachfolger Hitlers vorgesehene Generaloberst Ludwig Beck wird von den systemtreuen Verbänden als Vaterlandsverräter gebrandmarkt. Sie machen gegen ihn und seine Anhänger Front, es gibt zusätzlich einen Bürgerkrieg.
Die Abwehr gegen die Russen wird dadurch so geschwächt, dass ihnen Hunderttausende von Ostflüchtlingen in die Hände fallen. Die Rote Armee nutzt die Chance und stößt – noch vor der für Februar 1945 anberaumten Konferenz von Jalta – bis zum Rhein vor und bleibt dort stehen. Stalin denkt nicht daran, sich verabredungsgemäß zurückzuziehen, und den Eisernen Vorhang bildet der Rhein, nicht die Elbe.

weiterlesen ... www.welt.de/kultur/history/article12551636/


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


stutz hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#89

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 23.07.2014 17:20
von Barbara (gelöscht)
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"Wo er von Kommunisten in Obhut genommen und gesund gepflegt wurde!!!!"

Wenn ich da noch hinzufügen kann, Uwe:
Adenauer - ebenfalls eine differenziert zu betrachtende Person -, der in den Kölner Messehallen bereits zur Deportation vorgesehen war, entging dieser zufällig - durch die Hilfe eines Kommunisten.

Das Anständige existierte und existiert quer durch alle Schichten, Meinungen, politischen Ausrichtungen, religiösem Glauben.
Deshalb sind alle die zu ehren, die in diesen barbarischen Zeiten Anstand gezeigt haben, egal woher ihre Motivation kam, egal wie ihre Entwicklung zum Widerstand verlief - denn in tiefstem Grund hatten sie dasselbe Motiv, für das sie ihr Leben geopfert haben.

----------------------------
Haltung und Anstand bis zum Schluss:
Cäsar von Hofacker, Adjutant des Militärbefehlshabers in Frankreich, General von Stülpnagel, fiel dem vorsitzenden Freisler ins Wort:

"Sie schweigen jetzt, Herr Freisler. Denn heute geht es um meinen Kopf. In einem Jahr geht es um Ihren Kopf."

Die Männer wurden während der Haft schwer gefoltert.

Rund um die Verhaftungen, die Haft und die Gerichtsverhandlungen kann man noch mal hier nachlesen:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13683199.html
.


ABV hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#90

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 23.07.2014 17:31
von uffz_nachrichten | 475 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #88
............. Die Rote Armee nutzt die Chance und stößt – noch vor der für Februar 1945 anberaumten Konferenz von Jalta – bis zum Rhein vor und bleibt dort stehen. Stalin denkt nicht daran, sich verabredungsgemäß zurückzuziehen, und den Eisernen Vorhang bildet der Rhein, nicht die Elbe.[/i]
weiterlesen ... www.welt.de/kultur/history/article12551636/


Wären die Kölner dann heute auch "Ossi´s"?



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#91

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 23.07.2014 21:07
von FRITZE (gelöscht)
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Zitat von uffz_nachrichten im Beitrag #90
Zitat von 94 im Beitrag #88
............. Die Rote Armee nutzt die Chance und stößt – noch vor der für Februar 1945 anberaumten Konferenz von Jalta – bis zum Rhein vor und bleibt dort stehen. Stalin denkt nicht daran, sich verabredungsgemäß zurückzuziehen, und den Eisernen Vorhang bildet der Rhein, nicht die Elbe.[/i]
weiterlesen ... www.welt.de/kultur/history/article12551636/


Wären die Kölner dann heute auch "Ossi´s"?



Dann wäre olle Adenauer Vorsitzender der DSF geworden !


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#92

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 23.07.2014 22:51
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #72
[...]
Möglicherweise erinnert man sich heute an einen Georg Elser nur deshalb nur ungern, weil er gewissermaßen am schlechten Gewissen Deutschlands rührt. Weil Menschen wie er durch seine Handlungen die immer wieder gehörte Ausrede der Deutschen, " das haben wir alles nicht gewusst", konterkariert. Da könnte doch die Nachwelt glatt auf die Idee kommen zu fragen: " Warum hat ein einzelner Tischler mehr gewusst, als viele Millionen anderer Deutscher?" [...]


Der Mann legte einen Sprengsatz in einem öffentlichen Gebäude, dabei gab es Tote und Schwerverletzte.
Ich kann so eine Handlung, gleichgültig von wem gegen wen verübt, niemals gutheissen.

Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
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#93

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 23.07.2014 23:15
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von uffz_nachrichten im Beitrag #90
Zitat von 94 im Beitrag #88
............. Die Rote Armee nutzt die Chance und stößt – noch vor der für Februar 1945 anberaumten Konferenz von Jalta – bis zum Rhein vor und bleibt dort stehen. Stalin denkt nicht daran, sich verabredungsgemäß zurückzuziehen, und den Eisernen Vorhang bildet der Rhein, nicht die Elbe.[/i]
weiterlesen ... www.welt.de/kultur/history/article12551636/


Wären die Kölner dann heute auch "Ossi´s"?



ja die aus dem Stadtteil Deutz, de schäl sick wie die Kölner sagen


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All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#94

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 24.07.2014 12:55
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Ari@D187 im Beitrag #92
Zitat von ABV im Beitrag #72
[...]
Möglicherweise erinnert man sich heute an einen Georg Elser nur deshalb nur ungern, weil er gewissermaßen am schlechten Gewissen Deutschlands rührt. Weil Menschen wie er durch seine Handlungen die immer wieder gehörte Ausrede der Deutschen, " das haben wir alles nicht gewusst", konterkariert. Da könnte doch die Nachwelt glatt auf die Idee kommen zu fragen: " Warum hat ein einzelner Tischler mehr gewusst, als viele Millionen anderer Deutscher?" [...]


Der Mann legte einen Sprengsatz in einem öffentlichen Gebäude, dabei gab es Tote und Schwerverletzte.
Ich kann so eine Handlung, gleichgültig von wem gegen wen verübt, niemals gutheissen.

Ari




Nun ja, eine Scharfschützenausrüstung und die nötige Logistik standen ihm wohl nicht zur Verfügung.

Das öffentliche Gebäude war der Bürgerbräukeller in München, der Anlass der Veranstaltung die "Gedenkfeier" zum versuchten Putsch der Nazis 1923, entsprechend war das Publikum.

Zu Tode kamen 7 Menschen, 6 "alte Kämpfer" und eine Kellnerin.

Das Ziel des Anschlags war A.H., der sich gerade das Sudetenland einverleibt hatte, hier Elsers Motive:


"[...]Trotz aller Mißhandlungen bei den Verhören konnte Elser nichts anderes mitteilen als die Wahrheit: Die seit 1933 von ihm beobachtete Unzufriedenheit in der Arbeiterschaft und seit Herbst 1938 die Gewißheit, daß ein Krieg unvermeidlich sei, wenn Hitler an der Macht blieb, hätten ihn zu seiner Tat bewogen: "Ich stellte allein Betrachtungen an, wie man die Verhältnisse der Arbeiterschaft bessern und einen Krieg vermeiden könnte. Hierzu wurde ich von niemanden angeregt, auch wurde ich von niemandem in diesem Sinne beeinflußt."

Unter dem Eindruck der "Sudetenkrise" im Herbst 1938 war Elser zu der Einsicht gekommen, daß die deutsche Außenpolitik nicht bei der Erpressung der Tschechoslowakei (zur Abtretung der Sudetengebiete im "Münchener Abkommen" Ende September 1938) stehenbleiben, sondern "anderen Ländern gegenüber noch weitere Forderungen stellen und sich andere Länder einverleiben" würde "und daß deshalb ein Krieg unvermeidlich ist". Georg Elser sah, was jeder, der wollte, damals ebenfalls erkennen konnte, daß Hitler einen Eroberungskrieg plante.

Elsers Gefühl für Anstand, Redlichkeit und Moral machte ihn zum Gegner des nationalsozialistischen Staates. Die Rettung vor dem drohenden Krieg erhoffte er durch den Tyrannenmord. Das war für den schwäbischen Handwerksgesellen die Lösung, die er einsam und allein beschlossen hatte und über die er mit seinem Gewissen lange zu Rate gegangen war: "Wenn ich gefragt werde, ob ich die von mir begangene Tat als Sünde im Sinne der protestantischen Lehre betrachte, so möchte ich sagen, im tieferen Sinne, nein! [...] Ich wollte ja auch durch meine Tat ein noch größeres Blutvergießen verhindern." [...]


Der folgenden Vernichtungskrieg mit seinen Abermillionen Toten und die Millionen in KZ's Ermordeter als Bilanz knapp 7 Jahre nach Elsers Attentat könnte auch zu der Frage veranlassen: wie schwer wiegt die moralische Schuld derer, die Hitlers Absichten ebenso wie Elser, erkannt hatten aber nicht handelten. Welchen Anteil Schuld tragen sie am Tod der Millionen?

Denn diese Millionen Toten sind ebenso real, wie die 7 im Bürgerbräukeller.


http://www.bpb.de/izpb/10383/widersetzli...beispiele?p=all
.
.


zuletzt bearbeitet 24.07.2014 12:55 | nach oben springen

#95

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 24.07.2014 17:31
von thomas 48 | 3.580 Beiträge

Tut mir leid, wollte zu diesem Thema nichts tippen,
Möchte nicht in eine rechte Ecke geschoben werden oder ein Forumverbot bekommen.
Viele Beiträge zu diesem Thema sind falsch gedacht. Der Inhalt stimmt und alle Einzelheiten stimmen auch, trotzdem sind wir die falschen Tipper.
Wir sind die Kinder, Enkel und Urenkel dieser Generation und haben in der letzen Zeit viele Filme gesehen Bücher gelesen und Reden gehört und wissen jede Einzelheit.
Wir tippen mit dem Gehirn einer Person die jetzt 2014 lebt.
Hier sollen die Personen aus dem Jahr 1944 tippen, die alles mitgemacht haben und die sind schon lange auf dem Friedhof.
Ich habe mich lange in der DDR Zeit mit meinem Vater über den 20. Juli unterhalten.
Er war Oberleutnant und hat vieles mitgemacht und erlebt! Er war völlig gegen die Attentäter und meine meinung ist falsch.Sie haben ihren Fahneneid verletzt.


94, Lutze und Hans haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#96

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 24.07.2014 20:41
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #94
Zitat von Ari@D187 im Beitrag #92
Zitat von ABV im Beitrag #72
[...]
Möglicherweise erinnert man sich heute an einen Georg Elser nur deshalb nur ungern, weil er gewissermaßen am schlechten Gewissen Deutschlands rührt. Weil Menschen wie er durch seine Handlungen die immer wieder gehörte Ausrede der Deutschen, " das haben wir alles nicht gewusst", konterkariert. Da könnte doch die Nachwelt glatt auf die Idee kommen zu fragen: " Warum hat ein einzelner Tischler mehr gewusst, als viele Millionen anderer Deutscher?" [...]


Der Mann legte einen Sprengsatz in einem öffentlichen Gebäude, dabei gab es Tote und Schwerverletzte.
Ich kann so eine Handlung, gleichgültig von wem gegen wen verübt, niemals gutheissen.

Ari




Nun ja, eine Scharfschützenausrüstung und die nötige Logistik standen ihm wohl nicht zur Verfügung.

Einen Redner mittels Schußwaffe ermorden, kann ich ebenfalls niemals gutheissen.

Zitat von Barbara im Beitrag #94
[...]Das öffentliche Gebäude war der Bürgerbräukeller in München, der Anlass der Veranstaltung die "Gedenkfeier" zum versuchten Putsch der Nazis 1923, entsprechend war das Publikum.

Zu Tode kamen 7 Menschen, 6 "alte Kämpfer" und eine Kellnerin.

Das Ziel des Anschlags war A.H., der sich gerade das Sudetenland einverleibt hatte, hier Elsers Motive:[...]

Die Umstände sind mir bekannt. Ob es Motive gibt, welche einen Mord rechtfertigen?


Zitat von Barbara im Beitrag #94
Der folgenden Vernichtungskrieg mit seinen Abermillionen Toten und die Millionen in KZ's Ermordeter als Bilanz knapp 7 Jahre nach Elsers Attentat könnte auch zu der Frage veranlassen: wie schwer wiegt die moralische Schuld derer, die Hitlers Absichten ebenso wie Elser, erkannt hatten aber nicht handelten. Welchen Anteil Schuld tragen sie am Tod der Millionen?

Denn diese Millionen Toten sind ebenso real, wie die 7 im Bürgerbräukeller. [...]

Rhetorische Fragen kann man natürlich jede Menge stellen.

Gruß
Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
zuletzt bearbeitet 24.07.2014 20:42 | nach oben springen

#97

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 24.07.2014 21:03
von eisenringtheo | 9.188 Beiträge

Zitat von Ari@D187 im Beitrag #96

Einen Redner mittels Schußwaffe ermorden, kann ich ebenfalls niemals gutheissen.
(...)



http://www.spiegel.de/einestages/hitler-...d-a-951302.html
Beim Schweizer Marcel Bavaud, der HItler erschiessen wollten, waren sich da alle einig. Nicht nur der Volksgerichtshof, sondern auch der Schweizer Botschafter
(Der Schweizer) Botschafter Hans Frölicher weigerte sich, ein Begnadigungsgesuch zu stellen, sprach weder mit seinem inhaftierten Landsmann noch mit dessen Anwalt, und verurteilte in internen Schreiben die "verabscheuungswürdige Tat" des Todgeweihten. Auch einen Gefangenenaustausch zugunsten Bavauds und anderer Eidgenossen lehnten die Schweizer Behörden ab: Der Vorsitzende des Schweizer Militärgerichts fand es beispielsweise "ganz in Ordnung", dass Delinquenten vom Schlage Bavauds "die ihnen gebührende Strafe in Deutschland verbüßen".
(...)
und sogar die Rehabilitationsinstanz.
Erst nach dem Krieg nahm sich die Schweiz des Falls nochmals an und beantragte 1955 die Aufhebung des Urteils gegen ihren Bürger. Das Landgericht Berlin senkte jedoch lediglich das Strafmaß auf fünf Jahre Haft, denn: Das Leben Hitlers sei "in gleicher Weise als geschütztes Rechtsgut anzusehen wie das Leben eines jeden anderen Menschen".
Theo


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#98

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 24.07.2014 22:48
von Gelöschtes Mitglied
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Hier schließt sich ein Kreis, ist die Terrorhandlung eines Anschlages gerechtfertigt größeres Unheil zu verhindern?
Und warum hat man nicht die Leute mit einbezogen, die den Wahlkampf von A.H. finanziert haben? A.H. konnte nur als "Frontfigur" zu dem werden was er geworden ist, es gab genug Leute die diesen Weg gewählt haben und einen "charismatischen Führer" brauchten.
Mal ganz "zynisch", war A.H. nicht auch ein Opfer? Wer hat ihn denn dorthin gefördert und in dem denken gestärkt?

Wir machen uns das heute sehr einfach, wie viele haben im "Reichssportpalast" bei Goebbels über den "totalen Krieg gejubelt"?

Die "Frontfigur" A.H. machte nicht den Nazi-Staat aus, das waren ganz andere.


thomas 48 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#99

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 24.07.2014 23:09
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Bürger der DDR im Beitrag #98
..., wie viele haben im "Reichssportpalast" bei Goebbels über den "totalen Krieg gejubelt"?
War die Frage jetzt ernstgemeint? Also falls doch, bitterschön (fett von mir als sozusagend eigne Meinung) ...
Ca. 14000 Personen waren im Sportpalast versammelt, schon um halb fünf soll der Veranstaltungsort für weiteres Publikum geschlossen worden sein, weil Überfüllung drohte. Die Anwesenden erwartete eine karge Beschmückung: Außer den üblichen Hakenkreuz-Fahnen, die das Podium flankierten, gab es lediglich ein Transparent mit der Aufschrift Totaler Krieg - Kürzester Krieg. Nichts sollte von der Botschaft ablenken.
Unter den Zuhörern im Sportpalast waren neben einfachen Arbeitern und Bürgern Funktionäre, Parteigenossen, Frontsoldaten auf Heimaturlaub; Kriegsversehrte hatte Goebbels mit Absicht in einer Gruppe an repräsentativer Stelle im Sportpalast untergebracht - sie werden in seiner Rede ausdrücklich erwähnt und mit Applaus gefeiert. Es ist anzunehmen, dass im gesamten Publikum Claqueure verteilt gewesen sind, die die Menschen aufheizen sollten. In der Tat gab es während der Rede soviele Unterbrechungen durch Klatschen und zustimmende Rufe wie nie zuvor; das Publikum ist mit dem Redner förmlich mitgegangen und benahm sich gegen Schluss geradezu ekstatisch.

Quelle: wikiweise.de/wiki/Sportpalastrede vom 18. Februar 1943


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 24.07.2014 23:09 | nach oben springen

#100

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 24.07.2014 23:17
von seaman | 3.487 Beiträge
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