#141

RE: Schüsse auf Wahlhausen:Anschlag auf DDR-Gemeinde Werk der Stasi

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.12.2011 17:44
von damals wars | 12.113 Beiträge

Zitat von Ari@D187
War meinerseits nur ein nicht ganz ernst gemeinter Beitrag auf einen nicht ganz ernst gemeinten Beitrag.

Was ich lediglich mitteilen wollte:

Laut Aussage von Wolfgang R. (leitender Polizeidirektor a.D.) wurden am Abend vor den Schüssen die regulären Grenztruppen rund um Major R. aus Wahlhausen abgezogen und durch Kräfte des MfS ersetzt.



Hatte sich der Major drüben abgemeldet?


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#142

RE: Schüsse auf Wahlhausen:Anschlag auf DDR-Gemeinde Werk der Stasi

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.03.2013 13:54
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Mir ist der Bericht über die Lage an der Staatsgrenze der DDR im Monat September bekannt (Keßler an Honecker). Leider habe ich keinen Zugriff auf den entsprechenden Bericht zur Lage im August 1989.

Liegt der August-Bericht ggf. einem User vor?

Danke vorab
Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
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#143

RE: Schüsse auf Wahlhausen:Anschlag auf DDR-Gemeinde Werk der Stasi

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 21.03.2013 17:23
von Historiker84 | 49 Beiträge

05.05 Vorkommnisse, Anschläge Sekretariat Neiber
Archivsignatur Sekr. Neiber
Inhalt
Laufzeit
noch: 426
Enthält: Ausführliche Informationen und Dokumen-tationen über drei westdeutschen Demonstrativtätern und ihren Aktionen an der Staatsgrenze der DDR zur BRD.- Operative Maßnahmen und IM-Einsatz für die Aufklärung und Verhinderung weiterer Aktionen.- Namensliste von einsetzbaren Inoffiziellen Mitarbeitern (IM).- Operativpläne.
513·
Vorkommnisse an der Staatsgrenze und im grenznahen Raum der DDR zur BRD Enthält auch: Westliche Presseveröffentlichung über einen angeblichen ungesetzlichen Grenzübertritt vom 31.07.1986 mit Hilfe von 3 Schaufensterpuppen ("Puppenfluchtstory").
1982 - 1989
566·
Untersuchungen des schweren Anschlags auf die Staatsgrenze der DDR unter Anwendung von Schusswaffen am 17./18. August 1989 im Bereich der Ortslage Wahlhausen/Kreis Heiligenstadt im Zusammenhang mit ähnlichen Vorkommnissen im Bereich Wahlhausen Enthält v. a.: Auskunftsberichte.- Sachstandsberichte.- Presseveröffentlichungen über den Tathergang und die Ermittlung von möglichen Tätern.
1982 - 1989
40·
Vorkommnisse an der Staatsgrenze zu West-Berlin Enthält v. a.: Material über beteiligte Personen (u. a. OV "Sofia", OV "Quartett").
1982 - 1984
29·
Luftraumverletzungen, Ein- und Ausflüge in und aus dem Luftraum der DDR
1982 - 1984
32·
Berichte und Fotodokumentationen über Vorkommnisse an der Staatsgrenze der DDR, vom Territorium der BRD und West-Berlins ausgehend
1983
62
05.05 Vorkommnisse, Anschläge Sekretariat Neiber
Archivsignatur Sekr.

Die Unterlagen sind längst ausgewertet und im Findbuch aufgeführt.


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#144

RE: Schüsse auf Wahlhausen:Anschlag auf DDR-Gemeinde Werk der Stasi

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 23.03.2013 22:28
von CAT | 351 Beiträge

Hier dazu die passende Fernsehberichte aus der AK. http://youtu.be/_59PVVKAcnk


Fall 80 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#145

RE: Schüsse auf Wahlhausen:Anschlag auf DDR-Gemeinde Werk der Stasi

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.08.2014 22:36
von CAT | 351 Beiträge

Hier mal wieder ein Pressebericht zu den Schüssen auf Wahlhausen vor 25 Jahren. http://eichsfeld.thueringer-allgemeine.d...usen-1027044501


Fall 80 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 17.08.2014 22:37 | nach oben springen

#146

RE: Schüsse auf Wahlhausen:Anschlag auf DDR-Gemeinde Werk der Stasi

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 19.08.2014 05:18
von S51 | 3.733 Beiträge

Hm, interessant wäre es, was aus der Sache mit dem weggefundenen KK-Gewehr bei einem bundesdeutschen Bürger geworden ist. Wurde die Waffe später mal untersucht und die Projektile verglichen? Eher nicht...


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#147

RE: Schüsse auf Wahlhausen:Anschlag auf DDR-Gemeinde Werk der Stasi

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 19.08.2014 11:21
von Kalubke | 2.291 Beiträge

... da fällt mir in diesem Zusammenhang die auch zu dieser Zeit verbreitete Story mit dem MITROPA-Kellner im VINDOBONA-Express ein, dem angeblich Betäubungszigaretten verabreicht wurden und der trotz der peinlichen Grenzkontrollen am Eisernen Vorhang in Wien wieder aufwachte. Wie wir heute wissen, ein Produkt der Abteilung HV A/X (Desinformation, operative Spiele). Wäre mal interessant zu wissen wer so was angeordnet hat. Oder passierte das sozusagen in vorauseilenden Gehorsam, um die Vorgesetzten einschließlich des SED-PB wohlwollend zu stimmen, wenn sie solche "Schlagzeilen" in der Zeitung zu lesen bekamen.

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 19.08.2014 11:27 | nach oben springen

#148

RE: Schüsse auf Wahlhausen:Anschlag auf DDR-Gemeinde Werk der Stasi

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 19.08.2014 11:50
von eisenringtheo | 9.159 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #147
... da fällt mir in diesem Zusammenhang die auch zu dieser Zeit verbreitete Story mit dem MITROPA-Kellner im VINDOBONA-Express ein, dem angeblich Betäubungszigaretten verabreicht wurden und der trotz der peinlichen Grenzkontrollen am Eisernen Vorhang in Wien wieder aufwachte. (...)

Gruß Kalubke

Es war kein Kellner, sondern ein Koch.
http://www.herbst89.info/images/download/brd-buerger.pdf

Theo


Kalubke hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#149

RE: Schüsse auf Wahlhausen:Anschlag auf DDR-Gemeinde Werk der Stasi

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 19.08.2014 16:42
von FRITZE (gelöscht)
avatar

Hat jetzt zwar nichts mit dem Thema Wahlhausen zu tun ,aber ist eine Geschichte in die ich 1989 im September eingeweiht war . Eine Bekannte von mir war gerade Mutter geworden und ihr Beschäler hatte nichts anderes zu tun als sich mit paar Kumpels in Berlin rum zutreiben und seine Vaterschaft in der Hauptstadt zu begießen .Dabei kamen sie an zwei Westberliner ,welche ihnen die Vorzüge der Marktwirtschaft so verinnerlichten ,daß sie spontan beschlossen ,das Angebot der zwei Werber ,sie über die Grenze nach Österreich zu bringen,anzunehmen . Nur der frische Vater wollte eben nicht !
Mit noch ein bisschen alkoholischer Hilfe wurde aber auch er gefügig gemacht ! Als er am nächsten Tag so richtig zu sich kam befand er sich schon in Bayern . Nun war das Gejammer gross ! Da merkte er nun doch ,daß seine Gefühle für Mutter und Kind stärker als die "neugewonnene Freiheit " waren.
Nun war die Bescherung groß . Mit Hilfe eines Anwaltes und den Bemühungen seiner Freundin gelang es ihm seine Rückkehr in die "Noch DDR " !


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#150

RE: Schüsse auf Wahlhausen:Anschlag auf DDR-Gemeinde Werk der Stasi

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 19.08.2014 17:02
von Kalubke | 2.291 Beiträge

..O.K., ich kann mit einer ähnlichen Geschichte aufwarten: Das war 1980 in Ungarn. Wir sind zu zweit getrampt, und auf einem Parkplatz kamen wir mit zwei Westdeutschen ins Gespräch, angeblich irgendwelche Gewerkschaftsfunktionäre. Irgendwann im Laufe des Gespräches hieß es dann, wenn ihr Lust habt, nehmen wir euch im Kofferraum mit rüber nach Österreich.

Das kam uns damals aber überhaupt nicht koscher vor, denn:

1. kannten sie uns nicht. Wir hätten sie an der Grenze hochgehen lassen können.
2. kannten wir sie nicht. Die biederen BRD-Bürgern hätten auch IM/OG sein können, die sich ein paar Meriten verdienen wollten und uns hätten an der Grenze hochgehen lassen können.
3. passierte das auf dem Parkplatz einer Fernverkehrsstraße in Richtung Österreich, also einem Ort von dem wir heute wissen, dass man da u.U. nicht ganz unbeobachtet war. Für solche Volltrottel wiederum hielten wir sie nicht.

Also lehnten wir dankend ab.

Gruß Kalubke

p.s. sorry for the mistake: also dann doch Koch im CORVINA-Express



zuletzt bearbeitet 19.08.2014 17:10 | nach oben springen

#151

RE: Schüsse auf Wahlhausen:Anschlag auf DDR-Gemeinde Werk der Stasi

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 19.08.2014 18:56
von 94 | 10.792 Beiträge

Frage @Kalubke, was fürn Auto hatten die 'Gewerkschaftler', wo zugelassen? Also paßte das zum Regiolekt der Beiden und falls nicht, wie wurde das begründet? Und achso, also falls Du auch darauf geachtet haben solltest, wie 'frisch' war die TÜV-Plakette?

Zu dem andern Fall, hier mal Faksimilies des Interviews mit Hartmut Ferworn vom 21. September und die Gegendarstellung vom 3. November 1989 (also noch vor dem Mauerfall sic!) aus'm Zentralorgan ...

Angefügte Bilder:

Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#152

RE: Schüsse auf Wahlhausen:Anschlag auf DDR-Gemeinde Werk der Stasi

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 19.08.2014 23:39
von Kalubke | 2.291 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #151
Frage @Kalubke, was fürn Auto hatten die 'Gewerkschaftler', wo zugelassen? Also paßte das zum Regiolekt der Beiden und falls nicht, wie wurde das begründet? Und achso, also falls Du auch darauf geachtet haben solltest, wie 'frisch' war die TÜV-Plakette?

...


..uff. das ist schon 'n Weilchen her. Also 'n Westwagen wars auf jeden Fall mit Westnummer. Keine Ahnung wo genau zugelassen. Und TüV-Details waren mir als damaligem Nichtautobesitzer mit noch vor mir liegender 15-jähriger Wartezeit völlig Böhmisch. Westberliner Nummer wars nicht, das wüsste ich noch. Irgend 'ne Zweibuchstaben.Nummer und irgendso'n Kombi oder Kastenwagen.. Sonst hätten sie ja nicht anbieten können, zwei auf einmal mitzunehmen. Alter so zwischen Mitte bis Ende 20. Sprachen auch kein Berlinerisch, kein Bayerisch und keinen norddeutschen Dialekt. Mit sonstigen westdeutschen Dialekten waren wir damals natürlich auch nicht vertraut. Auf jeden Fall kein Sächsisch, Anhaltinisch oder Thüringisch. Sahen auch äußerlich so aus, als ob sie aus der linken westdeutschen Politszene kommen. Hatte vorher in der Parkaue in Berlin ein Konzert mit der DKP-Politrockgruppe "Floh de Cologne" gesehen, deren äußerer Habitus sehr ähnlich aussah.. Eher keine Existenzialisten oder Aussteiger. Das hatte auch mit zu unserem unguten Gefühl beigetragen, dass welche, die möglicherweise im Westen mit der DDR sympathisierten das Sakrileg begehen wollten, zwei wildfremden DDR-Bürgern völlig umsonst, wie sie sagten, zur Flucht in den Westen zu verhelfen und das in Zeiten von kommerziellen Fluchthilfeunternehmen. Wie gesagt alles Bauchgefühl, denn was wußten wir denn damals schon genau vom Westen.

Gruß Kalubke

p.s. Das hat sich wahrscheinlich irgendwo in der Gegend von Mosonmagyarovar zugetragen. Wir waren auf dem Weg zurück vom Balaton (Tihany) nach Hause und wollten direkt nach Bratislava und nicht den Umweg über Budapest nehmen. Es könnte die Straße Györ-Bratislava gewesen sein wo uns vorher jemand bis zum besagten Parkplatz mitgenommen hat. Kurz danach gabelt sich die Straße und es geht nach links zum Grenzübergang Nickelsdorf (Österreich) und geradeaus zum Grenzübergang in die CSSR bei Rajka. Möglicherweise haben wir da zufällig den Reiseweg irgendwelcher Kuriere oder Instrukteure nach Österreich gekreuzt. Vielleicht waren auch als Wessis abgetarnte Mitglieder der MfS-Operativgruppe der HA VI in Ungarn dort unterwegs. Laut Karte hatten die Stützpunkte in Veszprem (also genau an unserer Route) und Siofok. Die Grenzgegend um den Neusiedler See war ja beim MfS als Schwerpunkt für ungesetzlichen Grenzübertritt aktenkundig (siehe Karte). Genaueres weiß sicher Osl Heinz Wellner, der war nämlich in der Abteilung HAVI/2/2 (Uberwachung Auslandsreisen im SW) der Leiter der Linie VI in der OPG des MfS beim ungarischen MdI oder sein Stellvertreter Maj Manfred Neumann. Eingesetzt waren in den Sommermonaten 3 HMA der HA VI, 1 HMA der HA II und 10 OibE der HA II,und 23 IMS.

..nach längerem Nachdenken eine Richtigstellellung meinerseits. Die Begegnung muss schon im Landkreis Veszprem im Bakonywald stattgefunden haben. Vielleicht in der Gegend um Csesznek. Ich kann mich erinnern, dass die Landschaft um den Parkplatz waldreich und hügelig war. Mosonmagyarovar liegt schon in der Donauebene und scheidet daher aus.



94 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 20.08.2014 19:34 | nach oben springen

#153

RE: Schüsse auf Wahlhausen:Anschlag auf DDR-Gemeinde Werk der Stasi

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 20.08.2014 08:16
von Kalubke | 2.291 Beiträge

…hier noch ein paar Hintergrundinfos zu den von @eisenringtheo und @94 eingestellten ND-Artikeln zum Fall Feworn von Oberstleutnant Peter Richter ehem. Leiter des Bereiches B (Politik BRD, westliche Staaten) der HV A/VII (IADE=informatonsauswertende Diensteinheit der HV A) aus:
„Vor 20 Jahren – Wahlmanipulation und Ausreisewelle befördern die Erosion eines Staates (Teil 2)“

Derartige »Berichte« wurden direkt im MfS formuliert. Unter Federführung von deren Zentraler Auswertungs- und Informationsgruppe (ZAIG) arbeiteten die mit »Untergrundtätigkeit« befasste Hauptabteilung XX, die für Desinformation zuständige Abteilung X der Hauptverwaltung Aufklärung und die jeweiligen Bezirksverwaltungen bei der Fabrikation solcher Elaborate zusammen. Über die Abteilung Agitation des ZKzwischen dessen Propagandasekretär Joachim Herrmann und der ZAIG existierte ein ständiger unmittelbarer Kontakt – wurden diese dann ADN zugeleitet, und für derartige ADN-Übermittlungen bestand bei den DDR-Zeitungen Veröffentlichungspflicht. Ex-Chefredakteur Naumann: »Die Abteilung Agitation teilte uns täglich mit, was ADN sendet und was wir davon wo zu platzieren hatten. Überhaupt musste die Redaktion täglich eine Skizze der Zeitungsseiten 1 und 2 in der Abteilung Agitation des ZK vorlegen, über die dann meist Honecker selbst mit Herrmann entschied, wie sie endgültig auszusehen hatte.«

Aber die damalige DDR-Führung ließ sich von ihrem falschen Weg nicht mehr abbringen. Sie ging ihn konsequent zu Ende bis in die Lächerlichkeit. Am 21.9. 1989 erschien auf Seite 1 des ND ein Interview mit dem Mitropa-Koch Hartmut Ferworn, in dem er detailliert berichtete, wie er bei einer Fahrt nach Budapest mittels einer Menthol-Zigarette angeblich bewusstlos gemacht wurde und dann mit einem Bus nach Wien »verschleppt« worden sei. Er sagte unter anderem wörtlich:

»Offensichtlich hat man mir ein Betäubungsmittel gegeben, wie ich jetzt erfahren habe, eine beliebte Methode westlicher Geheimdienste und ihrer Handlanger.«

Wo er das »erfahren« hatte, ist heute bekannt: beim MfS
. Ex- ND-Chefredakteur Naumann berichtete nach der Wende:

»Diese Story und den Interviewpartner nötigte uns die Abteilung Agitation des ZK auf. Ich habe sie leider zunächst geglaubt, denn natürlich gab es in Ungarn auch Abwerbung, und der Mann versicherte immer wieder auf Tonband, daß die Sache stimmt. ZK-Abteilung und Staatssicherheit bürgten für die Wahrheit. Gegenrecherchiert haben wir deshalb nicht.«

Schnell erfuhr Naumann aber, dass Ferworn gelogen hatte. Die Eltern des im Interview als »Abwerber« bezeichneten jungen Mannes beschwerten sich beim ND, und besonders im Heimatort dieser Familie erregte der Fall viel Aufsehen.

»Da kam plötzlich jemand von der MfS-Pressestelle zu uns«,

erinnerte sich Naumann,

»und verlangte, dass wir der Familie drohen sollten, es gebe noch mehr Beweise, und sie sollten sich ruhig verhalten. Das lehnten wir ab. Wir empfahlen der Familie gerichtliche Schritte, und tatsächlich gestand Ferworn schließlich ein, dass ihn das MfS zu der erlogenen Aussage gebracht hatte, wir haben daraufhin eine Richtigstellung gedruckt und uns für das Leid, das dieser Familie durch eine solche, von ›Medienzaren‹ verordnete Kampagne erwuchs, entschuldigt.«

Das aber war dann schon mitten in der Wendezeit; zuvor hatte es solche Dementis nie gegeben, und wenn auch der Druck des Parteiapparates auf die Medien unstrittig gewesen ist, so haben nicht wenige Journalisten doch eifrig und mit eigenem Engagement dazu beigetragen, dass die Öffentlichkeit über die Bürgerbewegung wie über viele andere Vorgänge desinformiert wurde. Angaben aus dem ZK bzw. dem MfS wurden a priori als wahr angesehen und ungeprüft veröffentlicht. Und das MfS ergriff darüber hinaus vielfaltige Maßnahmen, um auch den akkreditierten ausländischen Journalisten eine wahrheitsgetreue Berichterstattung zu erschweren. Typisch dafür ist eine Anweisung des MfS aus dem Jahre 1988, in der ausdrücklich als notwendig bezeichnet wurde:

»1. Die Durchsetzung von Ordnung, Sicherheit und Disziplin hinsichtlich der Einhaltung der Melde- und Genehmigungspflicht von Kontakten zu bevorrechteten Personen und Korrespondenten durch die Leiter und Mitarbeiter der Kombinate, Betriebe, staatlichen Institutionen, Organen und anderen Einrichtungen der Hauptstadt, einschließlich der Genehmigungspflicht zur Wahrnehmung von durch Botschaften und Korresponderenbüros des nichtsozialistischen Auslands erfolgten Einladungen zu Veranstaltungen wie Empfängen, Partys u. a. Unsere gemeinsame Aufgabe muss darin bestehen, durch Einschränkung des Kontakt-Kreises auf das notwendige Maß, durch Einbeziehung von Bürgern, die die DDR würdig vertreten und durch Überschaubarkeit solcher Kontakte eine weitere Ausbreitung zu durchkreuzen.

2. Um den Bestrebungen bevorrechteter Personen und Journalisten des nichtsozialistischen Auslands zur Abschöpfung vertraulicher bzw. geheimzuhaltender Informationen entgegenzuwirken und negative Einflussmöglichkeiten einzuschränken, ist die politisch-ideologische Erziehung von Bürgern, die solche Kontakte dienstlicherseits usw. unterhalten, zu politischer Wachsamkeit und Geheimhaltung stärker als in der Vergangenheit zu aktivieren.«


Ziel der offiziellen Informationspolitik war also nicht die Wahrheit, sondern das geschönte Bild, das die Partei- und Staatsführung von der DDR vermitteln wollte. Am deutlichsten brachte das der langjährige Chefredakteur der FDJ-Zeitung »Junge Welt«, Dieter Langguth in einem Vortrag vor Jenenser Jura-Studenten zum Ausdruck, nachdem er zum stellvertretenden Leiter der ZK-Abteilung Agitation aufgestiegen war:

»Die DDR-Medien sind Parteimedien und sind Mittel zur Propagierung der Erfolge des Sozialismus. Keine Presse in der Welt druckt alles, und auch wir drucken nur, was uns passt … Die Medien sind nicht Plattform des Gegners. Jede Form von Pluralismus und Meinungsverschiedenheit schaden dem Sozialismus und bringen die Anarchie …
Der Sozialismus hat drei Gegner:

1. den Imperialismus,

2. Intellektuelle, Künstler, Journalisten aus dem Osten, die von der Linie abweichen,

3. Gegner von innen …«


...so einfach ging das damals in der "Hauptverwaltung Ewige Wahrheiten" (siehe rot)!!! Des Deutschen Pflicht ist ja bekanntlich sein Himmelreich!

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 20.08.2014 08:21 | nach oben springen

#154

RE: Schüsse auf Wahlhausen:Anschlag auf DDR-Gemeinde Werk der Stasi

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 20.08.2014 19:44
von Kalubke | 2.291 Beiträge

Hi @94, hab noch was zu den "Gewerkschaftsfuzzis" vom Bakonywald gefunden:

aus Anatomie der Staatssicherheit, HA VI zum IM-System Reisen/Tourismus Ost:

"Als IM verpflichtet wurden gelegentlich auch Bundesbürger, die sowohl für die
MfS-Operativgruppen als auch für die befreundeten Sicherheitsorgane bestimmte Informationen
erarbeiteten, die zum Ausgangspunkt einer »aktiven Bearbeitung« durch
die Sicherheitsorgane werden konnten."


Ich bin mir jetzt fast sicher, dass waren damals solche!!! Und wahrscheinlich für'n Kopfgeld wollten uns diese Arschkrampen 'ne Falle stellen und dann ans Messer liefern. Von wegen "bestimmte Informationen erarbeiten", auf Dummenfang sind die damals gegangen. Da war meine Intuition damals, dass die nicht ganz sauber sind, goldrichtig. Vor allem, wir hatten da überhaupt keine Fluchtabsichten!!! Pfui Deibel kann man da nur sagen. Dreckspack, verlogenes!!!!

Gruß Kalubke



Hapedi hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 20.08.2014 20:21 | nach oben springen

#155

RE: Schüsse auf Wahlhausen:Anschlag auf DDR-Gemeinde Werk der Stasi

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 20.08.2014 21:25
von FRITZE (gelöscht)
avatar

Zitat von Kalubke im Beitrag #154
Hi @94, hab noch was zu den "Gewerkschaftsfuzzis" vom Bakonywald gefunden:

aus Anatomie der Staatssicherheit, HA VI zum IM-System Reisen/Tourismus Ost:

"Als IM verpflichtet wurden gelegentlich auch Bundesbürger, die sowohl für die
MfS-Operativgruppen als auch für die befreundeten Sicherheitsorgane bestimmte Informationen
erarbeiteten, die zum Ausgangspunkt einer »aktiven Bearbeitung« durch
die Sicherheitsorgane werden konnten."


Ich bin mir jetzt fast sicher, dass waren damals solche!!! Und wahrscheinlich für'n Kopfgeld wollten uns diese Arschkrampen 'ne Falle stellen und dann ans Messer liefern. Von wegen "bestimmte Informationen erarbeiten", auf Dummenfang sind die damals gegangen. Da war meine Intuition damals, dass die nicht ganz sauber sind, goldrichtig. Vor allem, wir hatten da überhaupt keine Fluchtabsichten!!! Pfui Deibel kann man da nur sagen. Dreckspack, verlogenes!!!!

Gruß Kalubke


Hallo Kalubke !
Fand ich gut ,daß Du hier Deine Erlebnisse wiedergegeben hast ! Nur Deine Vermutungen am Ende Deiner Geschichte resultieren doch aus dem Wissen und der Einstellung von heute ! Nicht ,daß Du da jemandem Unrecht tust !

Aber wie gesagt : " Nach dem Krieg kann jeder General sein ! "


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#156

RE: Schüsse auf Wahlhausen:Anschlag auf DDR-Gemeinde Werk der Stasi

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 20.08.2014 21:39
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von FRITZE im Beitrag #155


Hallo Kalubke !
Fand ich gut ,daß Du hier Deine Erlebnisse wiedergegeben hast ! Nur Deine Vermutungen am Ende Deiner Geschichte resultieren doch aus dem Wissen und der Einstellung von heute ! Nicht ,daß Du da jemandem Unrecht tust !

Aber wie gesagt : " Nach dem Krieg kann jeder General sein ! "



Vielleicht hatten die für Kalubke schon einen Tunnel gegraben?

seaman


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#157

RE: Schüsse auf Wahlhausen:Anschlag auf DDR-Gemeinde Werk der Stasi

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 20.08.2014 21:52
von Kalubke | 2.291 Beiträge

Zitat von FRITZE im Beitrag #155


Hallo Kalubke !
Fand ich gut ,daß Du hier Deine Erlebnisse wiedergegeben hast ! Nur Deine Vermutungen am Ende Deiner Geschichte resultieren doch aus dem Wissen und der Einstellung von heute ! Nicht ,daß Du da jemandem Unrecht tust !

Aber wie gesagt : " Nach dem Krieg kann jeder General sein ! "



Tja, die sind heute fein raus, gerichtsfest wird man das wohl nie mehr beweisen können. Aber 1 und 1 zusammengezählt mit dem Wissen von Heute macht vieleicht so manche seltsame Begebenheit von damals verständlicher. Und selbst wenn ausgerechnet diese beiden Bundesbürger damals wirklich so altruistisch waren und uns am liebsten einen Tunnel in die Freiheit gegraben hätten, bleibt der Fakt, dass es welche gab, die für die MfS--Operativgruppen gearbeitet haben. Und das ist für mich der Gipfel der Bewußtseinsspaltung. Selbst das Privileg der uneingeschränkten Freizügigkeit genießen und andere dafür in den Knast bringen. Dazu fällt mir nichts mehr ein!!!

Gruß Kalubke



Hapedi hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 21.08.2014 19:35 | nach oben springen

#158

RE: Schüsse auf Wahlhausen:Anschlag auf DDR-Gemeinde Werk der Stasi

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 20.08.2014 22:03
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Das sind ja umfangreiche und spannende Neuigkeiten zu dem Fall "Schüsse auf Wahlhausen".

Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
Oss`n hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#159

RE: Schüsse auf Wahlhausen:Anschlag auf DDR-Gemeinde Werk der Stasi

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 21.08.2014 08:19
von Kalubke | 2.291 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #156


Vielleicht hatten die für Kalubke schon einen Tunnel gegraben?

seaman





In irgendeinen Tunnel wären wir schon gekommen, nur hätte der nicht unbedingt in die Freiheit geführt. Eher andersrum. Da kannste einen drauf lassen @seaman, dass das damals Scherereien gegeben hätte, wenn wir zu denen ins Auto gestiegen wären.

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 21.08.2014 09:24 | nach oben springen

#160

RE: Schüsse auf Wahlhausen:Anschlag auf DDR-Gemeinde Werk der Stasi

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 28.11.2014 21:17
von CAT | 351 Beiträge

Hier zwei Zeitungsausschnitte von April und Juni 1990 zu den Schüssen auf Wahlhausen. Was war der DDR-Grenzschutzverband????

Angefügte Bilder:
eisenringtheo und Fall 80 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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