#21

RE: Wenn nichts mehr half, machte man eine Eingabe

in Leben in der DDR 30.06.2014 18:21
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #7
Ich habe damals eine Eingabe wegen Kinderwegnahme gemacht.
Leider nur eine eigenartige Antwort erhalten
Thomas

@thomas 48
Konnte man gegen ein solch schwerwiegenden Eingriff des Staates nicht vor Gericht klagen ? Ich hörte davon, dass es das auch heute noch geben soll und die verantwortlichen Jugendämter sich manchmal sehr merkwürdig, um nicht zu sagen familienfeindlich aufführen.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#22

RE: Wenn nichts mehr half, machte man eine Eingabe

in Leben in der DDR 30.06.2014 18:49
von damals wars | 12.186 Beiträge

Zitat von matloh im Beitrag #5
Ersetzte das Eingabensystem den Verwaltungsgerichtshof und den Verfassungsgerichtshof in der DDR?`

cheers matloh


Ja, im Rahmen des demokratischen Sozialismus.
Oftmals ging es zuerst zum Parteisekretär des Betriebes/des Kreises.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#23

RE: Wenn nichts mehr half, machte man eine Eingabe

in Leben in der DDR 30.06.2014 19:50
von hundemuchtel 88 0,5 | 2.493 Beiträge

Zitat von Rostocker im Beitrag #4
Ich habe zweimal eine Eingabe am Staatsratsvorsitzenden gemacht,das war 1988.Es ging um mein Wohnungsproblem. Nach der ersten ,durfte ich dann mit der Frau--beim Rat der Gemeinde erscheinen. Wo der Bürgermeister anwesend war und eine nette Dame vom Rat des Kreises.Man erläuterte uns,das wir den Werdegang der Eingabe doch einhalten sollten und man sich unser Problem annehmen würde.Nach 3 bis 4 Monate lag immer noch kein Ergebnis auf den Tisch, also 2. Eingabe.
Und siehe da--es dauerte keinen Monat und das Problem war zu, Zufriedenheit gelöst.
Aber hinterher hab ich mich doch etwas geärgert--den meine WG mit noch 2 Damen um Mitte der 20 er war vorbei.



Rot: genauso war es bei uns auch, vom Rat des Kreise versuchten sie die Eingaben zu entschärfen, man sollte sie zurückziehen, mit der Verpflichtung ihrerseits sich vorrangig um unser Problem zu kümmern.... War alles nur Hinhaltetaktik, wirklich hatten sie gar keinen Wohnraum.
Bis ich dann eine Werkwohnung in meinem Betrieb beantragt habe unter Androhung, in den Betrieb meiner Frau zu wechseln, denn der Betriebsleiter wollte mich abwerben..und da wäre auch ne Wohnung drin gewesen, jedoch auf dem Werkgelände (Abenteuerspielplatz für die Kinder),
nach der Androhung bekamen wir innerhalb von 3 Wochen eine Ausbauwohnung!!! Es hatte funktioniert! Ausgebaut mit Kumpels und nach 2 Monaten Bezugsfertig! Sämtliches Material von meinem Betrieb, wie Fliesen, neue Türen, Dauerbrandöfen, Spanplatten für Fussboden usw.

Heute habe ich den Eindruck, daß ich ein kleiner Erpresser war, damals war ich einfach nur froh ne eigene Bude für meine Familie zu haben.

gruß h.


zuletzt bearbeitet 30.06.2014 19:50 | nach oben springen

#24

RE: Wenn nichts mehr half, machte man eine Eingabe

in Leben in der DDR 30.06.2014 20:21
von stutz | 568 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #19
Das stimmt. Man hat die Eingabe zu mindest bearbeitet, so meine Erfahrung.
Die Eingabe ist dann auf jeden Fall beantwortet worden und nicht immer ist einem zugunsten entschieden worden. : Zitat Stutz





1990 sollte ein neuer Tagebau eröffnet, unser Ort devastiert werden und 1992 schon gänzlich überbaggert sein.
Vorausgegangen waren Verhandlungen über eine "angemessene Entschädigung" der einzelnen Grundstücke.
Wir hatten uns in der nahen Kreisstadt nach einem Anwesen umgesehen, auch etwas gefunden und machten nun in der neuen Umgebung grosse Pläne. Unter anderem wollte ich die Heizung, wenn schon denn schon, auf Gas umstellen. Über meinen Antrag wurde abschlägig entschieden, mit der Begründung, daß Gasheizungen....blablabla....nur an verdiente Mitbürger oder auch alte Kämpfer des Wiederstandes gegen die Nazis genemigt werden. Das hat mich bewogen eine Eingabe zu machen, in der ich sinngemäss beschrieben habe, daß ich und meine Familie zwar nicht die geforderten Kriterien erfülle aber doch ein gewisses Anrecht geltent mache, weil ich mit der Preisgabe von Haus, Hof, Wirtschaftsflächen und Heimat sicherstelle, daß in der Republik nicht die Lichter ausgehen. Was folgte,war ein steiler steiniger Weg zum Erfolg.


"Mein Volk, dem ich angehöre und das ich liebe, ist das deutsche Volk;
und meine Nation, die ich mit großen Stolz verehre, ist die deutsche Nation.
Eine ritterliche, stolze und harte Nation." ( Ernst Thälmann )
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#25

RE: Wenn nichts mehr half, machte man eine Eingabe

in Leben in der DDR 08.07.2014 07:00
von Gelöschtes Mitglied
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Mein Vater hat lt. seiner Aussage insgesamt 3 Eingaben an "Erich" geschrieben, eine für die 2-, eine für die 3-, und später eine für die 4-Raumwohnung. Jedesmal haben wir dann nach einer gewissen Zeit eine größere Wohnung bekommen.

Vielleicht können hier noch mehr über ihre Erfahrungen damit berichten. So wie ich mir das Verfahren aktuell vorstelle halte ich es nicht für sonderlich fair oder rechtsstaatlich, da eine Abhilfe ja immer eine willkürliche Entscheidung war? Das stelle ich mir ungerechter vor als ein geregeltes Verfahren an das sich alle zu halten haben, so nach dem Motto der am lautesten schimpft bekommt was er will. Wurde das auch so Empfunden oder wie hat man das damals als DDR Bürger gesehen?


zuletzt bearbeitet 08.07.2014 07:01 | nach oben springen

#26

RE: Wenn nichts mehr half, machte man eine Eingabe

in Leben in der DDR 08.07.2014 08:06
von Kalubke | 2.299 Beiträge

Zitat von Staatsfeind im Beitrag #25

Das stelle ich mir ungerechter vor als ein geregeltes Verfahren an das sich alle zu halten haben, so nach dem Motto der am lautesten schimpft bekommt was er will. Wurde das auch so Empfunden oder wie hat man das damals als DDR Bürger gesehen?


DDR, dass war absolute Mangelwirtschaft auf allen Ebenen. Und den, der nach 10 Jahren Wartezeit auf ein Telefon eine Eingabe machte, weil er die Schnauze voll hatte, kann man beim besten Willen nicht als Vorteilsnehmer per Eingabe bezeichnen. Über eine Eingabe an eine noch größere Wohnung zu kommen, da hat Dein Vater echt Glück gehabt, das war nicht alltäglich. Mich haben sie ausgelacht in der KWV damals, als ich nach dem Studium zu Hause raus wollte.

Trotz aller rechtsstaalichen Regelungen von heute, funktioniert das von Dir zitierte Prinzip leider immer noch in vielen Bereichen, gerade in der Politik. Da gehts aber im Gegensatz zur DDR damals um handfeste Vorteile, Sonderrechte und Privilegien. Über wen hat sich denn vor einigen Jahren auf wundersame Weise der "Rettungsschirm" aufgespannt? Wer bekam denn plötzlich die Steuergeschenke in Form von Abwrackprämien und Mehrwertsteuerermäßigungen? Sicherlich nicht diejenigen, die leiden ohne zu klagen.

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 08.07.2014 08:09 | nach oben springen

#27

RE: Wenn nichts mehr half, machte man eine Eingabe

in Leben in der DDR 08.07.2014 08:33
von Gelöschtes Mitglied
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Wohnungen waren wohl immer so ein Thema. Nach meiner Geburt wohnte mein Vater noch in seinem Kinderzimmer und ich mit meiner Mutter in ihren Kinderzimmer in dem auch noch mein Onkel wohnte der Schicht arbeiten musste. Als ich ein Jahr alt war haben meine Eltern dann geheiratet und dann wohnten wir zu dritt in einer 1 Raumwohnung, dann kam irgendwann die 2 Raumwohnung und als meine Schwester auf der Welt war gab es dann später die 3 Raumwohnung. Erst 1989 haben wir dann die 4 Raumwohnung bekommen in der wir eine Zeitlang wohnten.

Kann man sich heute gar nicht richtig vorstellen, mir war ja mit einem Kind die 60qm 3 Raumwohnung schon zu eng. Jetzt mit dem zweiten ist es eine 110qm 4 Raumwohnung. Ist ja heute alles kein Problem mehr, Wohnungen gibt es massenhaft nur das Geld dafür muss da sein. Ich finde die Berichte immer spannend, obwohl ich ja selbst noch in der DDR geboren wurde hören sich die meisten an wie Erzählungen aus einer anderen Welt. Gut das es solche Foren gibt.


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#28

RE: Wenn nichts mehr half, machte man eine Eingabe

in Leben in der DDR 08.07.2014 10:49
von Rostocker | 7.726 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #26
Zitat von Staatsfeind im Beitrag #25

Das stelle ich mir ungerechter vor als ein geregeltes Verfahren an das sich alle zu halten haben, so nach dem Motto der am lautesten schimpft bekommt was er will. Wurde das auch so Empfunden oder wie hat man das damals als DDR Bürger gesehen?


DDR, dass war absolute Mangelwirtschaft auf allen Ebenen. Und den, der nach 10 Jahren Wartezeit auf ein Telefon eine Eingabe machte, weil er die Schnauze voll hatte, kann man beim besten Willen nicht als Vorteilsnehmer per Eingabe bezeichnen. Über eine Eingabe an eine noch größere Wohnung zu kommen, da hat Dein Vater echt Glück gehabt, das war nicht alltäglich. Mich haben sie ausgelacht in der KWV damals, als ich nach dem Studium zu Hause raus wollte.

Trotz aller rechtsstaalichen Regelungen von heute, funktioniert das von Dir zitierte Prinzip leider immer noch in vielen Bereichen, gerade in der Politik. Da gehts aber im Gegensatz zur DDR damals um handfeste Vorteile, Sonderrechte und Privilegien. Über wen hat sich denn vor einigen Jahren auf wundersame Weise der "Rettungsschirm" aufgespannt? Wer bekam denn plötzlich die Steuergeschenke in Form von Abwrackprämien und Mehrwertsteuerermäßigungen? Sicherlich nicht diejenigen, die leiden ohne zu klagen.

Gruß Kalubke



Also ich vermute mal--über Hartz4 Empfängern, Langzeitarbeitslosen, Familien die mit Kindern an der Armutsgrenze leben, da wird es wohl kein Rettungsschirm gegeben haben und wird es in langer Zukunft auch nicht geben.


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#29

RE: Wenn nichts mehr half, machte man eine Eingabe

in Leben in der DDR 08.07.2014 16:54
von KID | 234 Beiträge

Hatte damals schnell die Erfahrung gemacht, dass Eingaben (wenn richtig geschrieben) einiges erreichen konnten. Ich hatte als HGL-Vorsitzender viel mit der KWV ("Ruinen schaffen ohne Waffen!") zu tun, und konnte sehr oft diese marode Behoerde nur mittels Eingaben wach ruetteln. Ja, das System sah anders in der Wirklichkeit aus, doch ohne zu kaempfen geht man im Kapitalismus auch schnell unter.

Eingaben (sowie Kunden- und Gaestebuecher) waren fuer mich als Parteiloser ein wichtiges Werkzeug. Statt unaufhoerlich zu meckern, machte ich mich an die fuer mich und andere wichtige Aufgaben (Dachreparaturen, Abfallbeseitigung, gefaehrliche Baustellen, usw.) In der Regel wurde viel durch solches Engagement erreicht, aber nicht immer. Schmieren und Beziehung war nicht immer an der Tagesordnung. Dass muss gesagt werden.

Gruss aus dem nassen Ohio,

Jens


Damals87 und Kurt haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 08.07.2014 16:55 | nach oben springen



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