#161

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 12:38
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Also ich saß mal im Zug auf der Fahrt zur Hochschule. Im Nachbarabteil 4 Grenzer auf Urlaub, die nach Hause führen. Man kann nicht sagen, dass das stramme 100%ige waren, so wie sie sich unterhielten. Irgendwann kam dann das Gespräch auf das Thema Grenzverletzer. Da sagte der eine dann völlig emotionslos. Wegen so einem Arschloch nach Schwedt zu kommen sehe ich gar nicht ein, den lege ich lieber um. Da ist mir echt mulmig geworden und ich dachte, wenn die alle so drauf sind, dann riskierste echt Deinen Arsch, wennde der Grenze zu nahe kommst. Zum Glück waren nicht alle so drauf, wie ich selber mitbekommen habe, als ich im Grenzgebiet mal kartieren musste.

Gruß Kalubke



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zuletzt bearbeitet 25.06.2014 13:28 | nach oben springen

#162

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 12:49
von Udo | 1.258 Beiträge

Ich kann nur über meine Eindrücke in Zügen sprechen, die ich als Grenzer benutzte. Grenzer erzählten in Zugabteilen vielleicht etwas von zu Hause, der Verlobten und und und, aber nie über den Grenzdienst oder Ähnliches. Wir waren uns immer nicht sicher, dass da noch ein ungebetendes Ohr dabei sein konnte. Selbst zu Hause hat man dieses Thema vermieden.


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#163

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 13:22
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Meine Erfahrung war, dass z.T. unter den freiwilligen Grenzhelfern ziemlich scharfe Hunde waren. Von ihnen sind wir bei der Kartierung öfter mal angepisst worden, wenn denen irgendwas nicht koscher vorkam. Die Grenzer selber waren uns gegenüber immer korrekt. Einmal wurden wir von ihnen mitgenommen, weil in unseren Passierscheinen das Gebiet nicht eingetragen war, in dem wir uns aufgehalten haben. Das ging aber alles gesittet vonstatten. Überzogen hat nur einmal Abends in U-bach ein Buckel. Er sprang in Unterhosen auf die Straße, als er uns auf dem Weg zur Kneipe am Fenster gesehen hatte. Na ja und zwei feldmäßig angezogene Geologen kann man halt schon mal mit potenziellen Grenzverletzern verwechseln.

Gruß Kalubke



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#164

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 14:50
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

Niemand hat geschossen, keiner wollte schiessen, die wenigsten haben was gesehen.
Ich wundere mich


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#165

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 14:58
von Oss`n | 2.779 Beiträge

Zitat von ratata im Beitrag #64
@B208

Ich habe viele AGT persönlich kennengelernt und die Mehrzahl machte mir nicht den Eindruck eines schießwütigen Genossen .
Es gab aber auch einige wenige , die mit einem gewissen Stolz behauptet haben , ja ich hätte geschossen , es war meine Pflicht , habe einen Eid geschworen , es war Befehl . Ohne eine Lage vorauszusetzen haben sie gesagt , ich hätte geschossen und das sind die schwarzen Schafe , durch die heute die Masse der AGT den unrühmlichen Ruf des -schiesswütigen Grenzers- hat . Zu Unrecht in meinen Augen .

Leider , verstecken sich solche Leute in Foren , die für die Allgemeinheit nicht zugänglich sind . Hier haben sie auch viele gleichgesinnte , jubelnde Anhänger .
Schon als ich 69 an der Grenze war , wurde von den vielen Berlinern die hier dienten, die vielen Episoden von der Schützenschur ,den Schlägereinen mit den Grenzern ,dort erzählt .
In den Medien hier in Mitteldeutschland ,erfuhr man nichts . Eben nur über den Buschfunk , wurde darüber erzählt. Meine eigene Freundin sagte mit damals , erschießt du jemanden , brauchst du dich nie wieder blicken zu lassen .
Natürlich haben viele damals , als sie nach Haus fuhren , ihre Auszeichnungen nicht getragen . Wer bei der Übergabe des Urlaubscheines seine Auszeichnungen nicht trug , musste sie wieder anstecken .
Alle tausendtage Diener , durften ja in Zivil in Urlaub fahren . Angeschissen waren die Wehrpflichtigen . ratata



Das rote kann ich bestätigen.
Die meisten haben sich einfach nichts daraus gemacht.
Die Schützenschnur war außerdem nicht sehr beliebt bei "Nichtswissern" - um Pöbelein aus dem Weg zu gehen verweilte sie halt im Spind.
3 Eicheln für 3 GV

Das man Auszeichnungen tragen mußte....... - kann ich für mich nicht bestätigen. (keiner wollte Streß)

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#166

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 15:02
von Udo | 1.258 Beiträge

Die Schützenschnur durfte, wenn es in den Urlaub ging, nicht getragen werden. Beim Ausgang weiss ich das nicht mehr genau.
Alle anderen Auszeichnungen waren egal.


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#167

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 15:06
von Oss`n | 2.779 Beiträge

Zitat von Udo im Beitrag #166
Die Schützenschnur durfte[/rot[rot]], wenn es in den Urlaub ging, nicht getragen werden. Beim Ausgang weiss ich das nicht mehr genau.
Alle anderen Auszeichnungen waren egal.


Das würde einmal mehr beweisen, das überall andere Regeln galten.
Deshalb - nicht alles war überall gleich.
Nicht so oft schreiben - das hat es nie gegeben.

Hat es doch.

Oss`n


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#168

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 15:50
von Schuddelkind | 3.507 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #155

Andere Frage ist, wer hat sich darüber mit 18 / 19 Jahren ernsthaft Gedanken gemacht ?
Heute, mit Jahrzehnten Abstand, Lebenserfahrung und Reife, kann jeder gut daherreden.


Entschuldige bitte, das ich da noch mal nachharke. Ihr habt euch überhaupt keine Gedanken gemacht.........? Erschütternd!
Also ich musste mir schon als 17jähriger Gedanken machen, was ich eigentlich will. Mit Anfang 18 stand nämlich die Musterung ins Haus. Und ich musste mir überlegen, ob ich mit der Waffe in der Hand die bösen Kommunisten aufhalten will und mein "Vaterland" verteidigen will oder ob ich diesen ganzen Wahnsinn die rote Karte zeige und Kriegsdienstverweigerer werde. Und so einfach ging das Verweigern selbst bei uns nicht.


Intellektuelle spielen Telecaster
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#169

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 16:08
von B208 | 1.328 Beiträge

Zitat von Udo im Beitrag #145
@B208
Du hast nie nachts allein mit deinem Posten mitten im Wald gestanden, wo rings um dich rum Geräusche jeglicher Art auf dich einhämmern. Du bist nie vor dem "Rausfahren" darauf hingewiesen worden, dass ein Soldat von C&A, vollaufmunitioniert, wahrscheinlich Richtung Grenze unterwegs ist. Du hast nie eine A-Gruppe geschoben, die, wenn sie rausflog, schon auf den GV hingewiesen wurde. Du hast nie den Befehl erhalten, ein völlig zerfallenen Bauernhof , nachts, nach möglichen GV zu überprüfen.
Wenn Du das erlebt hättest, wüsstest Du, wie weit der Kupferbolzen .....
Und, Du hast nie die Ideologie erfahren, die dem Zoni zuteil wurde.
Das alles kommt wieder hoch, wenn man den Beitrag von HG liest.
Es gab keine schießwütigen Grenzer, es gab nur ne Menge Angst. Das ist die Kernaussage.


@Udo .
Die Kernaussage ist also ,

es gab keine schiesswütigen Grenzer , die Schüsse auf GV wurden nur aus Angst abgegeben !!!!

Ihr kennt also alle hunderttausende AGT die in den Jahrzehnten an der Grenze ihren Dienst taten und Ihr kennt Ihre Beweggründe . Aha . Alle Achtung .
Und es gab auch nur den Nachtdienst , tagsüber war die AGT in der Kaserne , sie verliessen die Unterkunft nur nach Sonnenuntergang bis kurz vor Sonnenaufgang . Kein AGT saß tagsüber behütet auf einem Betonbeobachtungsturm . Es wurde auch nur in der Nacht geschossen , nie am Tag bei gutem Wetter . Aha . Das ist also die Kernaussage .

Auch ich habe schon an der Grenze Angst gehab , weil wir , die Bereitschaftsgruppe ( A-Gruppe ) mit dem Hubschrauber an die Grenze geflogen wurden , weil Minuten vorher an der Grenze von AGT auf einen Menschen geschossen wurde und wir haben -vorgelegt- lagen uns gegenüber , Auge in Auge . G1 und Kalaschnikow .
Während der Entführung von Peter Lorenz haben wir den GSE bei der Passkontrolle im Interzonenzug ab Büchen in Ri. Hamburg unterstützt , da war ich 19 . Der GSE Beamte fand eine im DFB zur Fahndung ausgeschriebene Person . Festnahme (meine 1.). Im DFB waren keine Gründe angegeben . Ich musste mit dem ca 40 Jahre alten Mann und seinem Gepäck in das Dienstabteil . Er fing an in seinen Sachen zu kramen und suchte etwas . Unsere P1 war unterladen ( was sich später änderte ) ich bin in den Zuggang gegangen und habe meine Pistole durchgeladen , die anderen Fahrgäste gingen sofort in ihre Abteile vor Angst , Angst hatte ich auch da . ( ich habe ihn nicht erschossen ) .
Beim RAF Prozeß in Stuttgart haben wir ein Kfz überprüft , Antwort von der PEZ , KFZ stoppen , Insassen festnehmen , Vorsicht Schusswaffen !!!!
Da war man nicht frei von Angst . Auch die Insassen blieben am Leben .

Also Angst und Jugend als Rechtfertigungsgrund für den Schusswaffengebrauch zu benennen ist etwas dürftig und trifft sicherlich nicht auf JEDEN AGT zu .

B208


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zuletzt bearbeitet 25.06.2014 16:13 | nach oben springen

#170

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 16:16
von Heckenhaus | 5.127 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #168
Zitat von Heckenhaus im Beitrag #155

Andere Frage ist, wer hat sich darüber mit 18 / 19 Jahren ernsthaft Gedanken gemacht ?
Heute, mit Jahrzehnten Abstand, Lebenserfahrung und Reife, kann jeder gut daherreden.


Entschuldige bitte, das ich da noch mal nachharke. Ihr habt euch überhaupt keine Gedanken gemacht.........? Erschütternd!
Also ich musste mir schon als 17jähriger Gedanken machen, was ich eigentlich will. Mit Anfang 18 stand nämlich die Musterung ins Haus. Und ich musste mir überlegen, ob ich mit der Waffe in der Hand die bösen Kommunisten aufhalten will und mein "Vaterland" verteidigen will oder ob ich diesen ganzen Wahnsinn die rote Karte zeige und Kriegsdienstverweigerer werde. Und so einfach ging das Verweigern selbst bei uns nicht.



Du bist eine Generation später geboren, somit hast du ganz andere Erfahrungen aus deinem Leben bis zum Wehrdienst , auch eine andere Einstellung
zur ganzen Materie.
Als du geboren wurdest, war ich bereits erfaßt zum Wehrdienst oder kurz davor.
Für meine Generation stand nicht zur Diskussion, ob, sondern wann es zur NVA geht. Möglichst gleich nach der Lehrzeit war das Wunschziel,
damit man es hinter sich hat. Es war für die meisten der ganz normale Werdegang.
Du kannst nicht die Denkweisen in Ost und West vergleichen, selbst wenn du gegen das System warst, gab es für den Widerstand Grenzen.
Musterung ergab dann Mot-Schütze, und erst mit der Einberufung erfuhr ich dann : Grenztruppen.
Kriegsdiensverweigerer, das gab es so gut wie nicht, du warst lebenslang als Krimineller gebrandmarkt und relativ chancenlos im beruflichen
Fortkommen.
Wer wollte sich freiwillig seine sowieso schon beschränkten Zukunftchancen noch mehr eingrenzen ?
Soviel selbstlosen Verzicht gibt es nur selten.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#171

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 16:38
von B208 | 1.328 Beiträge

@Udo ,
der Postenführer Udo W...... hat am 1.Dezember 1984 in Berlin den GV Michael S.... mit Dauerfeuer von einem 150 Meter entfernten B-Turm in den Rücken geschossen .
Aus Angst ??

B208


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zuletzt bearbeitet 25.06.2014 16:53 | nach oben springen

#172

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 16:48
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Die ganze Sache ist m.E. ein komplexer Sachverhalt. Es ist unmöglich pauschal für alle zu sprechen. Die Bereitschaft zum Äußerten zu gehen lag erstmal am Charakter des Einzelnen, ob er z.B. Skrupel hatte oder nicht. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Verhalten der Vorgesetzten. Wenn das z.B. die absoluten Einpeitscher waren, dann war der Druck auf die einzelnen Grenzsoldaten noch größer. Ich hatte das Vergügen, so einen mal nach der Wende in einer Bürgerinitiative kennen zu lernen wo er sich als harmloser Bürger abgetarnt hatte. Er war m.E. in den 60'er Jahren als KC an der Berliner Grenze im Abschnitt Treptow eingesetzt. Plötzlich lief ein Prozess vor Gericht gegen ihn, weil er und darüber waren wir absolut entsetzt, einem Jugendlichen, der bereits an der Grenze gestellt war, nachträglich noch ins Bein geschossen hat. Noch später erfuhr ich, dass in diesem GA am PoP "Grenzknick Kiefholzstraße" auch in den 60'ern sogar zwei Kinder erschossen wurden. Einer der involvierten Soldaten gab vor Gericht an, dass sie von der Vorgesetztenseite her unter massivstem psychischem Druck standen. Ich bin mir fast sicher, dass es sich um ein und dieselbe Person handelt. Ich glaube diese Aspekte sollte man bei der Betrachtung nicht vernachlässigen. Eigentlich gehts um die konkreten Umstände des Einzelfalles. Nur dann kann man über die Motive des Einzelnen urteilen.

Gruß Kalubke



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#173

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 16:48
von B208 | 1.328 Beiträge

Ich finde es Ungerecht wenn alle AGT als schießwütige Grenzer bezeichnet werden , die grosse Masse war es nicht und wenn ich solche Pauschalverurteilungen höre , dann schalte ich mich ein und versuche das Bild zu korrigieren ! Ich habe viele AGT kennen und schätzen gelernt . Was ich aber für ganz grosse Scheiße halte , ist , die Schüsse zu verleugnen oder zu verharmlosen , das hilft der Sache nicht im Geringsten .

B208


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#174

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 17:41
von utkieker | 2.916 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #164
Niemand hat geschossen, keiner wollte schiessen, die wenigsten haben was gesehen.
Ich wundere mich

Hallo @thomas 48

mich wundert es nicht! Es ist eine Tatsache das weniger als 1% tatsächlich die Schusswaffe im Grenzdienst zum Einsatz gebracht haben. Ich möchte mal über eine kleine Episode berichten. Ich war im Grenzdienst mit meinen Posten zur Flankensicherung an der GüSt Salzwedel eingesetzt. Nach einer befohlenen Zeit hatte ich mich an einen bestimmten Postenpunkt zu melden. Dieser Postenpunkt war mir jedoch versperrt, eine Rotte Wildschweine hat den Zugang verbaut. Dies war das erste und einzige mal, wo ich wirklich ernsthaft über einen Schusswaffeneinsatz nachgedacht habe. Ich habe mich dann von einer anderen Sprechstelle gemeldet und dem Offizier in der Führungsstelle die Situation geschildert, dieser hat es mit Heiterkeit zu Kenntnis genommen.
Das Keiner schießen wollte ist wohl eher eine Schutzbehauptung, die ich nicht beweisen kann und letztlich auch nicht will. Möglicherweise hätte ich geschossen, ich will hier keine Lebenslüge auftischen aber schließlich und endlich war man froh, daß die Schusswaffe nicht eingesetzt werden mußte. Ich hatte (Gott sei Dank) nie eine Begegnung mit einen mutmaßlichen Grenzverletzer im Schutzstreifen, kann also auch keinen Einblick darüber geben, was da psychisch abläuft. Ich kann mir aber durchaus vorstellen wie so mancher Maulheld plötzlich ganz kleinlaut wird und in Schockstarre verfällt und der Jenige, der nie schießen wollte in Panik sein gesamtes Magazin leer ballert.
Ich war zweieinhalb Jahre am Kanten viel Routine und wenig Spektakuläres über was ich berichten könnte. Besondere Vorkommnisse wurden in der "aktuell politischen Information" (apI) abgehandelt. In den Abschnitten, in dem ich selber zum Einsatz kam gab es drei nennenswerte Ereignisse.
1. Festnahme eines britischen Staatsbürgers an der GüSt Salzwedel, welcher mit dem Fahrrad von West nach Ost fuhr.
2. Eine Fahnenflucht zweier Pionierkräfte mit Geiselnahme im Abschnitt 2 des 24. Grenzregimentes.
3. Ebenfalls im Abschnitt 2, Beschuss eines Postenpaares mit Gummigeschossen (vermutlich durch Neonazis?)
An keinen dieser Vorkommnisse war ich selber anwesend oder gar Augenzeuge.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
Damals87, Heckenhaus, thomas 48 und LO-Wahnsinn haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#175

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 18:30
von GZB1 | 3.286 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #172
Die ganze Sache ist m.E. ein komplexer Sachverhalt. Es ist unmöglich pauschal für alle zu sprechen. Die Bereitschaft zum Äußerten zu gehen lag erstmal am Charakter des Einzelnen, ob er z.B. Skrupel hatte oder nicht. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Verhalten der Vorgesetzten. Wenn das z.B. die absoluten Einpeitscher waren, dann war der Druck auf die einzelnen Grenzsoldaten noch größer. Ich hatte das Vergügen, so einen mal nach der Wende in einer Bürgerinitiative kennen zu lernen wo er sich als harmloser Bürger abgetarnt hatte. Er war m.E. in den 60'er Jahren als KC an der Berliner Grenze im Abschnitt Treptow eingesetzt. Plötzlich lief ein Prozess vor Gericht gegen ihn, weil er und darüber waren wir absolut entsetzt, einem Jugendlichen, der bereits an der Grenze gestellt war, nachträglich noch ins Bein geschossen hat. Noch später erfuhr ich, dass in diesem GA am PoP "Grenzknick Kiefholzstraße" auch in den 60'ern sogar zwei Kinder erschossen wurden. Einer der involvierten Soldaten gab vor Gericht an, dass sie von der Vorgesetztenseite her unter massivstem psychischem Druck standen. Ich bin mir fast sicher, dass es sich um ein und dieselbe Person handelt. Ich glaube diese Aspekte sollte man bei der Betrachtung nicht vernachlässigen. Eigentlich gehts um die konkreten Umstände des Einzelfalles. Nur dann kann man über die Motive des Einzelnen urteilen.

Gruß Kalubke


Würdest du das vor Gericht beschwören, oder kannst du dich da auch irren? Gibt es einen Nachweis darüber? Behauptungen sind schnell aufgestellt. Interessanterweise gab es im GR-37 mehrere KC, die ab und an auch wechselten.

Zum sehr traurigen Fall der beiden Kinder, bei dem ein Kind verstarb, sie waren am 14. März 1966 um 19.15 im Zwielicht leider nicht als solche zu erkennen.

PS: Ich muss mich korrigieren, leider verstarben beide Kinder. Ein sehr tragischer Fall, auch für die beteiligten Grenzer.


zuletzt bearbeitet 25.06.2014 19:25 | nach oben springen

#176

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 18:55
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von utkieker im Beitrag #174
Zitat von thomas 48 im Beitrag #164
Niemand hat geschossen, keiner wollte schiessen, die wenigsten haben was gesehen.
Ich wundere mich

Hallo @thomas 48

Das Keiner schießen wollte ist wohl eher eine Schutzbehauptung, die ich nicht beweisen kann und letztlich auch nicht will. Möglicherweise hätte ich geschossen, ich will hier keine Lebenslüge auftischen aber schließlich und endlich war man froh, daß die Schusswaffe nicht eingesetzt werden mußte. Ich hatte (Gott sei Dank) nie eine Begegnung mit einen mutmaßlichen Grenzverletzer im Schutzstreifen, kann also auch keinen Einblick darüber geben, was da psychisch abläuft. Ich kann mir aber durchaus vorstellen wie so mancher Maulheld plötzlich ganz kleinlaut wird und in Schockstarre verfällt und der Jenige, der nie schießen wollte in Panik sein gesamtes Magazin leer ballert.
Ich war zweieinhalb Jahre am Kanten viel Routine und wenig Spektakuläres über was ich berichten könnte. Besondere Vorkommnisse wurden in der "aktuell politischen Information" (apI) abgehandelt. Gruß Hartmut!


Instinktive hätte jeder dort an der Grenze so gehandelt . auch sollte daran gedacht werden , wie die damaligen Verhältnisse an der Grenze waren.
Ab Mauerbau 61 haben die Zustände sich bis 1990 enorm verändert .
ich kann immer noch nicht verstehen , wie viele Grenzer ihren Dienst versahen . Sie Grillten , schliefen und vertrieben sich allgemein locker ihre Zeit dort .
Jetzt stelle ich auch mal die Frage hier in den Raum .
Die Angaben der Durchsuchungskommissionen bei tödlichen Vorkommnissen an Soldaten der NVA , wurden sie nicht dahingehend entsprechend so recherchiert , das sie den ideologischen Kriterien der DDR entsprachen. ratata

http://www.bpb.de/lernen/unterrichten/14...tummen-schreien

Mir ist gut noch dieser Filmbericht der öffentlich im Internet zugänglich war , in Erinnerung . Leider wurde er von der BPB vereinnahmt .


zuletzt bearbeitet 25.06.2014 19:03 | nach oben springen

#177

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 19:26
von Freienhagener | 3.856 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #164
Niemand hat geschossen, keiner wollte schiessen, die wenigsten haben was gesehen.
Ich wundere mich


- Daß niemand geschossen hat behauptet keiner, weil das klar feststeht. Daß sich ein Schütze hier outet, darfst Du nicht erwarten.

- Zum Zweiten wurde meines Wissens schon beteuert, daß der Wille gemäß Vorschrift vorhanden war.

- Zum Dritten: Klar. Weil das (wie bereits gesagt) sehr selten war.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
GZB1 und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 25.06.2014 19:27 | nach oben springen

#178

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 19:32
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Freienhagener im Beitrag #177
Zitat von thomas 48 im Beitrag #164
Niemand hat geschossen, keiner wollte schiessen, die wenigsten haben was gesehen.
Ich wundere mich


- Daß niemand geschossen hat behauptet keiner, weil das klar feststeht. Daß sich ein Schütze hier outet, darfst Du nicht erwarten.

- Zum Zweiten wurde meines Wissens schon beteuert, daß der Wille gemäß Vorschrift vorhanden war.

- Zum Dritten: Weil das (wie bereits gesagt) sehr selten war



@Freienhagener, ist klar das sich kein Schütze hier dazu bekennt, aber er hat das Problem, ein Leben lang mit der Last zu leben und das ist bestimmt nicht einfach! Außer man ist auch heute noch überzeugt, das es richtig war! Diese Menschen kann man nur bedauern und hoffen das sie mit ihrem Gewissen mal ins reine kommen!
Grüsse steffen52


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#179

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 19:36
von Freienhagener | 3.856 Beiträge

Hallo Steffen,

mir ist das klar.
Ich habe die Frage von Thomas beantwortet, der sich über das Schweigen wundert.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 25.06.2014 19:37 | nach oben springen

#180

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 19:38
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Freienhagener im Beitrag #179
Hallo Steffen,

mir ist das klar.
Ich habe die Frage von Thomas beantwortet.

Habe nur noch meine Gedanken dazu gegeben!
Grüsse steffen52


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