#1

Der Anfang vom Ende: HEUTE, ...vor 20 Jahren

in Das Ende der DDR 03.08.2009 09:50
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Liebe Kollegen,

die jetzt beginnende Zeit bietet sich an, an Ereignisse zu erinnern, die genau vor 20 Jahren unser Land bewegten...
Sehr interessant sind die Diskussionen, wann denn das Ende der DDR wirklich begonnen hat. Manche gehen bis das Jahr 1971 zu den Beschlüssen des VIII. Parteitags der SED.
Den Beginn der "heiße Phase" datiere ich jedenfalls auf die Massenflucht von DDR-Bürgern in die Botschaften der Bundesrepublik. Warum passierte das ausgerechnet 1989? Und nicht schon z.B. 1986?

Die Botschaftsbesetzungen von Prag, Budapest und Warschau setzten (verbunden mit der hartnäckigen Weigerung der DDR-Führung, Reformen zuzulassen) im Bewußtsein vieler DDR-Bürger eine Lawine in Gang.

Gerade die unglaubliche Masse von jungen DDR-Bürgern in Budapest war beeindruckend. Gerade nach Budapest reisten nämlich viele DDR-Bürger, die ein wenig "frische Lift" und westliches Flair schnuppern wollten. Budapest war schon seit den 70ger Jahren das "Paris des Ostens". Westliche Werbung, Mc Donalds + Coca Cola. Strassemusikanten und Künstler auf dem Strassenpflaster in der "Vaci Utca". Nirgendwo wäre ein Polizist zu sehen gewesen, der diese allabendliche Atmosphäre des Amüsements und der Fröhlichkeit jäh unterbrochen hätte....

Für mich kein Wunder, daß ausgerechnet in Budapest der Hauptansturm auf die bundesdeutschen Vertretungen einsetzte. Der Botschaftsansturm von Budapest. Und die Öffnung der ungarisch-österreichischen Grenze setzten eine Lawine in Gang.

Die Haltung der ungarischen Regierung war in dieser Frage vorbildlich. Ich denke u.a. an die Erklärungen von Gyula Horn....Was mich verwunderte: die DDR ließ ihre Bürger (die bereits ein Visum für Ungarn hatten) trotz plötzlich "offener Grenzen" in den kommenden Wochen weiterhin touristisch nach Ungarn reisen. Wie kam das?

Ein ununterbrochener Reisestrom von Trabi´s und Wartburgs über Österreich nach Deutschland (West) war die Folge. Im August 1989 floß dieser Strom über die Grenzübergänge nach Passau in die Auffanglager. ARD und ZDF vermeldeten wöchentlich die steigenden Zahlen von DDR-Bürgern, die über Ungarn ins Bundesgebiet kamen....

So begann das Ende der DDR...


zuletzt bearbeitet 03.08.2009 09:53 | nach oben springen

#2

RE: Der Anfang vom Ende: HEUTE, ...vor 20 Jahren

in Das Ende der DDR 03.08.2009 09:53
von Angelo | 12.396 Beiträge

19. Januar 1989
Vor dem Thomas-Münzer-Komitee vertritt Erich Honecker die Auffassung, dass die Mauer "in fünfzig oder auch in hundert Jahren noch bestehen" werde.
6. Februar 1989
Beim Versuch, die Berliner Mauer von Ost nach West zu überwinden wird der 20jährige Chris Gueffroy von DDR-Grenzsoldaten erschossen (letztes Maueropfer).
3. April 1989
Der Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze wird ausgesetzt.
2. Mai 1989
Die Volksrepublik Ungarn beginnt mit dem Abbau der Grenzbefestigungen nach Österreich.
7. Mai 1989
Bürgerrechtler beanstanden bei den DDR-Kommunalwahlen massive Wahlfälschungen.
8. Juni 1989
In einer Stellungnahme bewertet die Volkskammer der DDR das Massaker auf dem Pekinger "Platz des himmlischen Friedens" am 4. Juni als "Niederschlagung einer Konterrevolution".
ab Juli
DDR-Bürger flüchten über Ungarn nach Österreich oder suchen Zuflucht in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in Ostberlin und in den bundesdeutschen Botschaften in Budapest und Prag.
8. August 1989
In Ostberlin muss die Ständige Vertretung der Bundesrepublik wegen Überfüllung vorübergehend geschlossen werden.
10./11. September 1989
Ungarn lässt (ohne Absprache mit Ostberlin) alle Fluchtwilligen aus der DDR in den Westen ausreisen. Bis Ende September kommen über 25.000 Übersiedler auf diesem Weg in die Bundesrepublik.
19. September 1989
"Neues Forum" beantragt als erste DDR-Oppositionsgruppe die offizielle Zulassung als Vereinung (am 20. September als "staatsfeindlich" abgelehnt).


zuletzt bearbeitet 03.08.2009 09:56 | nach oben springen

#3

RE: Der Anfang vom Ende: HEUTE, ...vor 20 Jahren

in Das Ende der DDR 03.08.2009 10:15
von FSK-Veteran (gelöscht)
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In Antwort auf:

Um mal aus eigenen Erlebnissen zu plaudern, vor 20 Jahren:

Wir waren im August 89 in Budapest. Und trafen aus heiterem Himmel auf der Donaupromenade plötzlich einen Bekannten, der abhauen wollte. Wir diskutierten die Lage. Und ich habe ihm geraten, in die deutsche Botschaft zu gehen. Das ging so weit, daß wir ein Taxi nahmen und uns in die Straße fahren ließen. Wir gingen an der Botschaft vorbei. Sondierten die Lage. Plötzlich für mich ein Schock! Gegenüber der deutschen Botschaft stand die Rumänische! Und wir flogen über DDR-Schönefeld zurück nach Berlin. Ein paar Fotos. Eine schnelle Übermittlung. Und die hätten uns evtl. abgefangen...
Ich hatte selten so´n Schiß, als wir über Schönfeld zurückflogen. Aber nichts passierte...

Budapest in jenen Tagen. Überall junge DDR-Bürger die erklärten, nicht zurückfahren zu wollen. Die mit abgelaufenen Visa überlegten, wie sie in Budapest am besten vorgehen könnten. Die Grenzen wurden erst im September offz. geöffnet. Die Leute wußten nicht, was sie nun genau machen werden. Nur eines wußten sie genau: keinesfalls zurück in die DDR.

Der Freund hat es übrigens tatsächlich geschafft. Die deutsche Botschaft (west) komplimentierte ihn wieder hinaus und riet ihm (lt. seinen Aussagen) über die Grenze sein Glück zu versuchen. Er hätte gute Chancen, daß das gut gehen wird! Über diesen Ratschlag eines Bonner Offiziellen habe ich nicht schlecht gestaunt! Unser Bekannter ist (gegen meinen Rat) aus der Botschaft hinaus. Ist zu Fuß nach Österreich, als die Grenzen noch nicht offz. geöffnet waren.

Er hat es tatsächlich geschafft...

Die Chronik vermeldet zu diesen (auch für mich) aufregenden Tagen:

In Antwort auf:
27. Juni 1989

Massenflucht von DDR-Bürgern

Am 27. Juni 1989 zerschneiden die Außenminister von Ungarn und Österreich in einem gemeinsamen symbolischen Akt den Stacheldraht an der ungarisch-österreichischen Grenze. Am 19. August 1989 findet dort das Paneuropäische Picknick statt. In einem symbolischen Akt wird das Grenztor für drei Stunden geöffnet. Mehr als 600 DDR-Bürger nutzen die Gelegenheit zur Flucht über die Grenze. Trotz des bestehenden Schießbefehls greifen die ungarischen Grenzsoldaten nicht ein. Hunderte DDR-Bürger suchen in diesem Sommer Zuflucht in den westdeutschen Vertretungen in Prag, Budapest, Warschau und Ost-Berlin.

Als Ungarn am 11. September die Grenze für DDR-Bürger öffnet, reisen binnen drei Tagen 15.000 Ostdeutsche über Österreich in die Bundesrepublik.



Quelle:
http://www.stiftung-aufarbeitung.de/20_Jahre/chronik.php


zuletzt bearbeitet 03.08.2009 10:30 | nach oben springen

#4

RE: Der Anfang vom Ende: HEUTE, ...vor 20 Jahren

in Das Ende der DDR 03.08.2009 10:46
von josy95 | 4.915 Beiträge

Hatte es ja in einem Beitrag hier im Forum schon einmal niedergeschrieben.

Meiner Einschätzung nach wurde spätestens Anfang der 70- er der Grundstein für den Niedergang der DDR (unbewußt) und in der typischen, selbstverherrlichenden Art und Weise (Unfehlbarkeit der stalinistisch geprägten SED- Ideologie) gelegt.
Die Zeichen der weltpolitischen Entwicklungen wurden durch die Betonköpfe der SED- Führungsriege systematisch ignoriert.
Der letzte Ausschlag war der Abschwur auf die selbst in der UdSSR unter Gorbatschow eingeführte Perestroika, zu gut deutsch wohl "Erneuerung" übersetzt.
Die desaströse Lage der DDR- Wirtschaft, die Abhängigkeit von Krediten aus dem s. g. NSW und nicht zu vergessen, die ständig steigende Unzufriedenheit der DDR- Bürger, der aufkommende Mut vieler DDR- Bürger taten ihr übriges!
Auch erwähnenswert: Der steigende Einfluß des Westfernsehens durch die sich neben ARD, ZDF und "dritten" Programmen etablierenden Sender wie RTL, SAT 1 ect. .
Anmerkung:
Wie das bekannt wurde, das man diese Sender auch über terristische Atennen in vielen DDR- Gegenden relativ problemlos empfangen konnte, war doch das ohnehin manchmal knappe Atennenmaterial gerade für den UHF- Bereich noch mehr Mangelware...
...die findigen DDR- Bürger natürlich sofort und zum Leidwesen manchen VEB- Chefs voller Erfindergeist Tatendrang!
...in jedem VEB- Betrieb wurde doch heimlich (aber unheimlich!)alles mögliche, was sich als Atenne nutzen konnte zusammgebastelt...!

josy95


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zuletzt bearbeitet 03.08.2009 10:50 | nach oben springen

#5

RE: Der Anfang vom Ende: HEUTE, ...vor 20 Jahren

in Das Ende der DDR 03.08.2009 11:06
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Was jetzt den August 1989 betrifft:

...das irre für mich war ja, daß das alles so junge Leute waren. Wenn man sich genau die Bilder der DDR-Bürger in Budapest anguckt. Und die Bilder Derjenigen, die in den Budaer Bergen in Zelten untergebracht kampierten: da war ja kaum einer über 40! Und eher wenige einer über 30! Das waren junge Leute. Und junge Familien....

Das waren Leute, die Deutschland nie anders wahrgenommen hatten, als ein geteiltes Land: 2 deutsche Staaten. Das waren Leute, die in der DDR aufgewachsen waren. Geformt durch das DDR-Bildungssystem.

Und ausgerechnet die erklärten in Budapest felsenfest sinngemäß:
"...wir wissen zwar nicht, wie es für uns weitergeht. Aber DDR? NEIN DANKE!"

Nie vergessen werden ich das Bild von 2 Mädchen im Reisebus nach Grenzöffnung von Budapest ins Bundesgebiet. Interview des Fernsehens (sinngemäß):

Frage: "Wo kommen Sie her?"

Antwort: "Aus Ostberlin."

Frage :"...und wo wollen Sie hin?"

Antw.: (lachend): ...nach Westberlin!
(noch mehr Lachen! und weitere Erklärung:)

"....eigentlich sind das ja nur 10 Minuten mit der S-Bahn. Aber leider hat man uns gezwungen, diesen kleinen Umweg zu nehmen..."

2 Mädchen. Mitte 20 vielleicht....:
Was man in dieser Zeit so in Budapest getroffen hat: oft ganz offene, tolle Leute....


zuletzt bearbeitet 03.08.2009 11:09 | nach oben springen

#6

RE: Der Anfang vom Ende: HEUTE, ...vor 20 Jahren

in Das Ende der DDR 03.08.2009 11:15
von josy95 | 4.915 Beiträge

[quote="FSK-Veteran"]Was jetzt den August 1989 betrifft:

...das irre für mich war ja, daß das alles so junge Leute waren. Wenn man sich genau die Bilder der DDR-Bürger in Budapest anguckt. Und die Bilder Derjenigen, die in den Budaer Bergen in Zelten untergebracht kampierten: da war ja kaum einer über 40! Und eher wenige einer über 30! Das waren junge Leute. Und junge Familien....

Das waren Leute, die Deutschland nie anders wahrgenommen hatten, als ein geteiltes Land: 2 deutsche Staaten. Das waren Leute, die in der DDR aufgewachsen waren. Geformt durch das DDR-Bildungssystem.

Und ausgerechnet die erklärten in Budapest felsenfest sinngemäß:
"...wir wissen zwar nicht, wie es für uns weitergeht. Aber DDR? NEIN DANKE!"

Hallo FSK- Veteran,

für mich gibt es da nur eine Erklärung:

Gerade die Jugend ist doch immer eher spontaner, kritischer und voller Elan und Entdeckerlust.

Das wissen wir beide und die (meißten) anderen doch auch gut genug aus unserer Sturm- und Drang Zeit.

Wird man älter, gibt man sich doch leider mit vielen Dingen eher zufrieden und läßt es so, und sei es noch so "beschissen" wie wie es ist. Auch spielt da die Macht der Gewohnheit eine nicht ungewichtige Rolle.

Umsonst heißt es ja auch nicht, in (Kindern) und der Jugend liegt die Zukunft einer jeden Gesellschaft.
Ein besonders aktuelles und heikles Thema im Gesamtdeutschland Anno 2009!

josy95


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zuletzt bearbeitet 03.08.2009 11:17 | nach oben springen

#7

RE: Der Anfang vom Ende: HEUTE, ...vor 20 Jahren

in Das Ende der DDR 03.08.2009 11:51
von FSK-Veteran (gelöscht)
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@josy95:

Stimmt! Trotzdem hätte ich geglaubt, daß "Rotlichtbestrahlung" von Geburt an ein etwas anderes Verhalten hervorbringt, als haargenau die gleichen Muster ihrer Altvorderen, die in den Augusttagen 1961 bis zum 13.8. die DDR in Massen verlassen haben.

Ich denke mal, die Ankündigung der ungarischen Grenztruppen spielte eine Rolle, daß Grenzsperrgebiet mit dem 1.8.1989 aufzuheben und keinen der Aufgegriffenen mehr zu inhaftieren....

In Antwort auf:
01. August 1989

Vor 20 Jahren: Ungarn hebt Sperrzone an der Grenze auf

Signal zur Massenflucht von DDR-Bürgern

Im ungarischen Grenzstädtchen Kőszeg empfängt Oberst Balazs Novaky, stellvertretender Kommandeur der Grenzwache, am 1. August 1989 Journalisten aus aller Welt zu einer Pressekonferenz. In den letzten drei Monaten habe Ungarn 117 von 280 Kilometern der Grenzsperranlagen zu Österreich abgebaut, sagt er den Reportern. Bis spätestens 1991 solle die ungarisch-österreichische Grenze so aussehen wie andere westeuropäische Staatsgrenzen auch. "Mit Wirkung vom heutigen Tag wird hier das Grenzsperrgebiet aufgehoben", so Novaky. Gemeint ist damit jener Streifen von fünf bis 15 Kilometern vor dem eigentlichen Grenzzaun, wo in der Regel die meisten Fluchtversuche scheitern. "Alle Menschen, die wir beim illegalen Grenzübertritt aufgreifen, werden von nun an nicht mehr in ungarische Gefängnisse überführt", sagt Novaky. "Sie bekommen nur einen Stempel in ihren Pass. Dann werden sie zurückgeschickt in ihre Heimat."


Quelle:
http://www.wdr.de/themen/kultur/stichtag/2009/08/01.jhtml


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#8

RE: Der Anfang vom Ende: HEUTE, ...vor 20 Jahren

in Das Ende der DDR 03.08.2009 12:30
von josy95 | 4.915 Beiträge

[quote="FSK-Veteran"]@josy95:

Stimmt! Trotzdem hätte ich geglaubt, daß "Rotlichtbestrahlung" von Geburt an ein etwas anderes Verhalten hervorbringt, als haargenau die gleichen Muster ihrer Altvorderen, die in den Augusttagen 1961 bis zum 13.8. die DDR in Massen verlassen haben.

Ich denke mal, die Ankündigung der ungarischen Grenztruppen spielte eine Rolle, daß Grenzsperrgebiet mit dem 1.8.1989 aufzuheben und keinen der Aufgegriffenen mehr zu inhaftieren....

[quote]01. August 1989

Vor 20 Jahren: Ungarn hebt Sperrzone an der Grenze auf

Signal zur Massenflucht von DDR-Bürgern

Da ist eines zum anderen gekommen. Natürlich, wenn eine Gefahr geringer wird, mag es nun sein das man diese Gefahr subjektiv oder auch objektiv gut einschätzen kann, wird der Mensch nun mal mutiger. Und schon allein der Umstand, an der ungarisch- östereichischen Grenze nicht mehr inhaftiert oder gar "rückgeführt in die DDR" zu werden hat bei vielen den Damm der Angst brechen lassen.

Das einzigste, wo ich auch heute noch nicht viel Verständnis für aufbringen kann, diesen, trotzdem immer noch mit gewissen Risiken und Ungewissen behafteten Schritt mit Klein- und Kleinstkindern zu tun...!

Was Rotlichtbestrahlung anbelangt, hat das auch was mit (Allgemein-) Bildung zu tun. Und da muß ich nun mal sagen, die war in der ehem. DDR gut und konnte sich an/ mit heutigen Standards allemal messen! Ob es nun der eine oder andere nicht wahr haben will - es ist so, wie es ist.
Behaupten könnte man heute auch in Blick auf noch existierende Diktaturen, das es für die DDR kontraproduktiv war, ihr Volk so gut zu bilden. Das sind Tatsachen. Man glaubte aber wohl eher an den durchdringenden Rotlichteinfluß auf die Massen - ein Trugschluß wie soviele andere.

Es hatte auch im erheblichem Maße was mit Einfluß der Westmedien, dem Reiseverkehr, eben dem Besuch und den "Mitbringseln von Drüben" was zu tun. Die Zweifel an der SED- Ideologie wurden doch immer größer, selbst bei Parteikadern, die selbst und heimlich über Strohmänner Westkontakte zu Hauf pflegten.


josy95


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zuletzt bearbeitet 03.08.2009 12:35 | nach oben springen

#9

RE: Der Anfang vom Ende: HEUTE, ...vor 20 Jahren

in Das Ende der DDR 03.08.2009 13:06
von FSK-Veteran (gelöscht)
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@josy95:
Die gute Bildung von DDR-Schülern zeigte sich allein schon daran, daß die Kinder von DDR-Flüchtlingen im Stoff oft wesentlich weiter waren, wenn sie schließlich an die Schulen in der Bundesrepublik kamen. Und sich im Unterricht nicht selten langweilten.

Den Einfluß der Westmedien halte ich beim Thema "Botschaftsflüchtlinge Budapest" am Anfang eher für gering. Die Zahl der Zufluchtssuchenden schwoll automatisch an. Nach meiner Erinnerung gab es erst ein großes Medieninteresse und eine intensivere Berichtersattung, als keine Maus mehr in die Botschaft der Bundesrepublik in Budapest ´reinpasste und (unter Duldungs-Garantie der ungarischen Regierung) von der Caritas betreute Zelt-Lager (auf kirchlichem Gelände) aufgebaut werden konnten.

Durch die dann intensivierte Berichterstattung über die DDR-Bürger in Budapest (Interviews usw) brach eine zusätzliche Lawine los.
Die späteren, eindrucksvollen Bilder der massenhaften Ausreise von oft sehr jungen, sympathischen DDR-Bürgern über Österreich/Ungarn führten dann schließlich zu:

-Aktivitäten Derjenigen, die eigentlich auch raus wollten. Jedoch bisher "Angst vor dem Schritt" hatten

-Protesten der DDR-Bürger, die im Land bleiben wollten. Aber angesichts der Bilder uind Entwicklungen jetzt nicht mehr bereit waren, den Mund zu halten...


zuletzt bearbeitet 03.08.2009 13:19 | nach oben springen

#10

RE: Der Anfang vom Ende: HEUTE, ...vor 20 Jahren

in Das Ende der DDR 03.08.2009 16:43
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Zitat von josy95
Es hatte auch im erheblichem Maße was mit Einfluß der Westmedien, dem Reiseverkehr, eben dem Besuch und den "Mitbringseln von Drüben" was zu tun.


Ich habe da jetzt noch etwas entdeckt. Ich denke mal, diese Bilder hier von Ende Juni 1989:



...haben viele DDR-Bürger auf der Stelle veranlasst, sofort einen Antrag für eine Reise nach Ungarn zu stellen...


zuletzt bearbeitet 03.08.2009 16:47 | nach oben springen

#11

RE: Der Anfang vom Ende: HEUTE, ...vor 20 Jahren

in Das Ende der DDR 07.08.2009 09:46
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Heute, vor 20 Jahren:

AUSGANGSLAGE:

Im Juni 89 hatten österreichische und ungarische Offizielle den Grenzzaun pressewirksam durchschnitten. Die Ungarn waren damit beschäftigt, den Grenzsicherungszaun zu Österreich abzubauen. Eine Rolle spielte auch, daß man einfach keine Lust (und kein Geld) hatte, für die DDR einen neuen Signalzaun errichten zu lassen. Der Alte war marode und mußte dringend erneuert werden. Ungarn durften ab Anfang 1988 frei in den Westen reisen. Die DDR wurde besänftigt, daß man nun vertärkt im Vorfeld Flüchtlinge abfangen werde.

Die deutsche Botschaft (West) in Budapest quoll über vor DDR-Flüchtlingen. Zeltlager waren mit stiller Billigung der ungarischen Behörden auf einem Budapester Kirchengelände von der Charitsas Ungarn für DDR-Flüchtlinge errichtet worden, deren Visum abgelaufen war und die keinesfalls mehr zurück in die DDR wollten. Überall in der Budapester Innanstadt: junge Leute aus der DDR, die bei Mc Donalds und in Cafe´s aufgeregt diskutierten wann und wo man am besten nach Österreich fliehen kann. Diese Leute machten sich in Gruppen auf zur Grenze an die Stellen, wo es angeblich schon keine befestigten Grenzanlagen mehr geben soll...

Die Krise der DDR kommt in ihre "heisse Phase"....

Die Chronik dieser Tage:

In Antwort auf:
Montag, 7. August 1989
[Aktuelles]
Rechtsanwalt Vogel teilt dem Bonner Ministerium für innerdeutsche Angelegenheiten mit, dass er Botschaftsflüchtlingen Straffreiheit nur bei Rückkehr in die DDR zusagen könne -
ohne Zusicherung der Ausreise. ( : das wird die DDR-Bürger in Ungarn aber beeindruckt: und einsichtig gestimmt haben..)

Die Leipziger Oppositionellen Werner Horn und Steffen Weigel werden verhaftet, weil sie zum 13. August eine Demonstration anmelden und auf dem Markt eine Mauer errichten wollten. ()

[Veröffentlichungen]
Der Spiegel
Da Budapest im Juni der UNO-Flüchtlingskonvention beigetreten ist und immer mehr Flüchtlinge ungarischer Abstammung aus Rumänien kommen (bisher 17.000), will Ungarn ein Büro des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge auf seinem Gebiet zulassen. Dann aber könnte es DDR-Flüchtlinge schwerlich noch zurückschicken, ohne seine gegenüber der UNO eingegangenen Verpflichtungen zu verletzen.
Einer möglichen drastischen Einschränkung des DDR-Reiseverkehrs mit Ungarn durch Ost-Berlin sieht Budapest relativ gelassen entgegen: Ungarn, das in diesem Jahr einen gewaltigen Touristenboom erlebt, kann auf die Billig-Urlauber aus der DDR, deren Ost-Mark nicht gefragt sind, leicht verzichten.

Dienstag, 8. August 1989
[Aktuelles]
Die Ständige Vertretung der BRD in der DDR in der Ostberliner Hannoverschen Straße wird wegen Überfüllung geschlossen.

Das Durchgangslager Gießen für DDR-Flüchtlinge, die über Ungarn in die Bundesrepublik gekommen sind, ist mit 2.000 Belegungen überlastet. Neuankömmlinge ziehen in Turnhallen und Wohncontainer.

[Veröffentlichungen]
Neues Deutschland
Seit einigen Tagen führen bundesdeutsche Medien eine lautstarke Kampagne um einige DDR-Bürger, denen in der BRD-Botschaft in Budapest widerrechtlich Aufenthalt gewährt wird, und die auf illegalen Wegen in die BRD gelangen wollen. Die Wahrnehmung sogenannter Obhutspflichten gegenüber Bürgern anderer Staaten durch die BRD ist eine typische großdeutsche Anmaßung, die aufs Schärfste zurückgewiesen werden muss.

Berliner Zeitung
Der Leiter des ungarischen Reisebüros hat gegenüber Journalisten verleumderische Behauptungen westlicher Medien und Politiker über Einschränkungen im Touristenverkehr zwischen der DDR und Ungarn zurückgewiesen.

Mittwoch, 9. August 1989

[Aktuelles]
Die Bundesregierung bezeichnet die Situation der 200 Ausreisewilligen in der bundesdeutschen Botschaft in Budapest als "ernst, aber im Griff". Intern wird eine Schließung erwogen.

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Horst Ehmke appelliert an die DDR-Bürger, die sich in die Ständige BRD-Vertretung in Ost-Berlin begeben haben, diese zu verlassen
und sich mit der zugesicherten Straffreiheit zufrieden zu geben. (...typisch SPD! )

[Veröffentlichungen]
Frankfurter Allgemeine Zeitung
9 Uhr: Um diese Zeit öffnet für gewöhnlich die Rechtsabteilung der Ständigen Vertretung ihre Pforten. Heute passiert gar nichts: Das schwere Eisengitter bleibt heruntergelassen. Auch alle anderen Tore und Zufahrten sind verrammelt und verriegelt.
Dafür fahren zwei Lastwagen der Deutschen Post vor. Monteure machen sich an einem Verteilerkasten und unter einem Verteilerdeckel auf dem Bürgersteig zu schaffen. Zwei Stunden lang sind dann sämtliche Telefonleitungen in der Vertretung lahmgelegt.
9.45 Uhr: Der britische Botschafter fährt vor. Er will sich über die Lage informieren. Für den Nachmittag ist die französische Botschafterin angesagt. Der Botschafter wird eingelassen, das Fahrzeug nicht. Das weitgeöffnete Tor könnte die Wartenden zu Verzweiflungstaten verführen.

Die Tageszeitung
Rund 500 DDR-Bürger kommen täglich im Notaufnahmelager Gießen an, etwa 130 wollen die bundesdeutsche Vertretung in Ost-Berlin nur noch gen Westen verlassen. So hoch sind die Zahlen, dass die Bonner Regierung einen Sogeffekt befürchtet und deshalb eine Nachrichtensperre über den gesamten Vorgang verhängt hat. Sogar die österreichischen Behörden konnte sie überreden, nicht mehr bekanntzugeben, wieviele Flüchtlinge jeden Tag aus dem benachbarten Ungarn eintreffen.
Staatssekretär Priesnitz bringt die Bonner Ängste ungeschickt deutlich auf den Punkt: "Die Menschen sollen möglichst bleiben, wo sie sind, damit die Wiedervereinigung nicht in der Bundesrepublik stattfinden muss."
An diesen Rat wollen sich viele DDRler ganz offensichtlich nicht halten.


Quelle:
http://www.berlinstreet.de/geschichte/we...nik/ddr01.shtml


zuletzt bearbeitet 07.08.2009 10:17 | nach oben springen

#12

RE: Der Anfang vom Ende: HEUTE, ...vor 20 Jahren

in Das Ende der DDR 07.08.2009 11:23
von josy95 | 4.915 Beiträge

Hier mal eine Auflistung von Daten, die ich in eigenen Unterlagen recherchiert hab, die mir selber teilweise aber gar nicht mehr so bekannt waren!

20.01.1984: 6 DDR- Bürger ersuchen die USA-Botschaft in Ost- Berlin um Asyl, sie dürfen 2 Tage später ausreisen.

24.01.1984: 12 DDR- Bürger, die in die ständige Vertretung Bonns in Ost- Berlin geflüchtet sind, dürfen ausreisen.

27.06.1984: 55 DDR- Bürger fliehen in die ständige Vertretung; sie wird vorübergehend geschlossen.

11.03.1985: Michail Gorbatschow wird Generalsekretär der KPdSU, damit Beginn seiner Reformpolitik Perestroika und Glasnost (Umgestaltung und (Offenheit).

06.- 09.06.1987: Bei einem Open- Air- Konzertes vor dem Reichstag in West- Berlin kommt es auf Ost- Berliner Seite zu Zusammenstößen zwischen hauptsächlich Jugendlichen, die die Absperrungen niederreißen, "Weg mit der Mauer" und "Gorbi, Gorbi" rufen, und der Polizei.

April 1988: Der Druck von Antragstellern auf Ausreise aus der DDR wird größer. Ende 1987 lagen 112 000 Anträge vor. Erich Honecker weist an, die Zahl der Genehmigungen von 1000 auf 2000 bis 3000 im Monat zu erhöhen.

15.01.1989: Unterzeichnung des KSZE- Folgeabkommens in Wien; die DDR verpflichtet sich, das Recht eines jeden auf Ausreise aus jedem Land, darunter aus seinem eigenen und auf Rückkehr in sein Land uneingeschränkt gesetzlich zu garantieren.

17.04.1989: Polens Gewerkschaft "Solidarnosc" wird offiziell zugelassen.

02.05.1989: Ungarn beginnt mit dem Abbau des Stacheldrahtzaunes zu Östreich.

07. 05.1989: Unabhängige Bürgergruppen in der DDR prangern offiziell die SED der Fälschung der letzten Kommunalwahl an .

12.06.1989: Der Beitritt Ungarns zur Genfer Flüchtlingskonvention wird wirksam; es ist demnach untersagt, Flüchtlinge in den Staat zurückzuschicken, aus dem sie geflohen sind.

15.06.1989: Erste DDR- Bürger suchen Zuflucht in der ständigen Vertretung in Ost- Berlin sowie in den Bonner Botschaften in Budapest und Prag.

08.08.1989: Die ständige Vertretung der BRD in Ost- Berlin wird geschlossen, sie ist von 130 DDR- Bürgern besetzt.

13.08.1989: Die Bonner Botschaft in Budapest, in der sich 180 DDR- Bürger aufhalten, wird auch geschlossen.

19.08.1989: 1. "Paneuropäisches Picknick" bei Sopron an der ungarisch- östereichischen Grenze, 700 DDR- Bürger fliehen.

22.08.1989: Die Bonner Botschaft in Prag, in die 140 DDR- Bürger geflohen sind, wird ebenfalls geschlossen.

24.08.1989: Alle Botschaftsflüchtlinge in Budapest dürfen ausreisen.

31.08.1989: Ungarns Außenminister Gyula Horn kündigt in Ost- Berlin an, alle willigen DDR- Bürger ab 11. September ausreisen zu lassen, falls sie bis dahin nicht durch eine Ausreisezusage der DDR- Regierung zur Rückkehr in die DDR bewogen worden sind. Die DDR lehnt das ab. 3000 DDR- Bürger gelangen allein im August über die "grüne Grenze" in den Westen.

08.09.1980: Alle DDR- Bürger verlassen nach Zusicherungen von DDR- Rechtsanwalt Wolfgang Vogel die ständige Vertretung in Ost- Berlin.

10.09.1989: Ungarn öffnet die Grenze nach Östreich; ca. 15000 DDR- Bürger gelangen so innerhalb von drei Tagen in den Westen (Östereich/ BRD)

20.09.1989: Die Bonner Botschaft in Warschau wird geschlossen.

24.09.1989: Die Bonner Botschaft in Prag wird zum Fluchtpunkt für DDR- Bürger, weil die CSSR in Abstimmung mit der DDR- Regierung die Kontrollen an der Grenze zu Ungarn verschärft hat.

30.09.1989/ 01.10.1989: Bundesaußenminister Hans Diedrich Genscher und Kanzleramtsminister Rudolf Seiters verkünden in der Bonner Botschaft in Prag die Ausreiseerlaubnis für die rund 6000 DDR- Flüchtlinge, sie und die 633 DDR- Bürger aus der Botschaft in Warschau und aus Unterkünften der "Solidarnosc" werden in Sonderzügen in die Bundesrepublik verbracht.

03.10.1989: Die DDR schließt faktisch ihre letzten, offenen Außengrenzen auch zu den s. g. "Bruderstaaten", indem sie den visafreien Reiseverkehr in die CSSR "aussetzt".

04.10.1989: Weitere ca. 7000 DDR- Bürger, die die Prager Botschaft besetzt haben, dürfen ausreisen. In der Nacht, als DDR- Bürger am Hauptbahnhof Dresden auf den Zug springen wollen, kommt es zu einer Straßenschlacht u. a. in der Umgebung des Dresdener Hauptbahnhofes und der Gleisanlagen, die der Sonderzug passiert.

07.10.1989: Staatsfeierlichkeiten am 40. Jahrestag der DDR. Am Abend demonstrieren vorwiegend Jugendliche u. a. vor dem Palast der Republik. An diesem und an folgendem Abend kommt es zu schweren Zusammstößen mit der Volkspolizei und zu Massenverhaftungen. Westliche Medien (Fernseh) werden massiv durch DDR- Sicherheitsorgane an der Berichterstattung gehindert. Es kommt zu internationalen Beschwerden/ Protesten gegenüber der DDR- Partei- und Staatsführung..

17./18.10.1989: Erich Honecker wird gestürzt und tritt zurück. Egon Krenz wird sein Nachfolger als neuer SED- Generalsekretär.

19.10.1989: Die DDR kündigt ein neues Reisegesetz an.

27.10.1989 Durch die DDR- Regierung wird eine Amnestie für alle Flüchtlinge und Teilnehmern an Demos verkündet.

03.11.1989: 4500 DDR- Bürger erhalten die Genehmigung zur direkten Ausreise aus der CSSR in die BRD.

04.11.1989: Die Ereignisse beginnen sich zu überschlagen. Ca. eine halbe Millionen Menschen demonstrieren in Ost- Berlin.

06.11.1989: Es wird durch die DDR- Regierung ein Reisegesetzentwurf veröffentlicht der sofort neue Proteste hervorbringt.

07.11.1989. Die Regierung unter Ministerpräsident Willi Stoph tritt geschlossen zurück.

08.11.1989: Das Politbüro der SED tritt ebenfalls geschlossen zurück. Über 40 000 DDR- Bürger sind in den vergangenen Tagen über die CSSSR in die Bundesrepublik ausgereist.

09.11.1989: Die Mauer fällt in der Nacht zuerst in Ost- Berlin. Anlaß ist eine heute immer noch umstrittende Aussage zur Ausreise aus der DDR durch das ehem. Politbüromitglied Günter Schabowski auf einer am selben Abend in Ost- Berlin stattfindenden Pressekonferenz.

10.11.1989: Mein Sohn Oliver wird 3 Jahre alt! Jetzt brauch ich ein Taschentuch...
Am Abend/ Nacht nach dem Kindergeburtstag betrete ich erstmals über die eilig im Eckertal bei Stapelburg geöffnete Grenze mit vielen anderen Stapelburgern, Ilsenburgern und noch weiter her angereisten bundesrepublikanisches Gebiet...


Euer josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 07.08.2009 11:24 | nach oben springen

#13

RE: Der Anfang vom Ende: HEUTE, ...vor 20 Jahren

in Das Ende der DDR 07.08.2009 13:15
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Hallo josy95,

sehr ineterssant, die Übersicht! Ich habe vor, hier möglichst Tag-genau Einzelheiten einzustellen, die heute nach 20 Jahren ansonsten längst untergangen zu sein scheinen...

Wer weiß denn heute noch, daß sich genau vor 20 Jahren der olle SPD-Ehmke erlaubt hat, allen (die sich an VoPo und Stasi vorbei in die Botschaft gerettet haben) einfach mal zu empfehlen, unverrichteter Dinge wieder in die DDR zurückzukehren?

Wer kann sich erinnern, daß der bundesdeutsche CDU(?!)Staatsekretär Priesnitz dem Teil der Deutschen, die die Kriegsfolgen am schlimmsten auszubaden haben, anscheinend ohne Bedenken offen ins Gesicht sagt: "Bleibt doch möglichst bitte dort, wo Ihr seid..."

Ein HOCH!! auf alle Deutschen, die sich von diesem Quatsch nicht beeindrucken ließen. Sondern sich genommen haben, was ihnen zusteht!
Ihre Bürger- und Menschenrechte!

Allen ein schönes Wochenende!


zuletzt bearbeitet 07.08.2009 13:29 | nach oben springen

#14

RE: Der Anfang vom Ende: HEUTE, ...vor 20 Jahren

in Das Ende der DDR 07.08.2009 14:28
von josy95 | 4.915 Beiträge

[quote="josy95"]

10.11.1989: Mein Sohn Oliver wird 3 Jahre alt! Jetzt brauch ich ein Taschentuch...
Am Abend/ Nacht nach dem Kindergeburtstag betrete ich erstmals über die eilig im Eckertal bei Stapelburg geöffnete Grenze mit vielen anderen Stapelburgern, Ilsenburgern und noch weiter her angereisten bundesrepublikanisches Gebiet...

Nachtrag:
03.12.1989: Ein Sonntag bei wunderschönen Wetter!
Ilsenburg: In den frühen Mittagsstunden wird der Brocken, bisher neben der "Sicherung" durch den s. g. Schutzstreifen und Mauer auch militärisches Sperrgebiet u. a. der Sowjetarmee trotz Warnungen durch den massiven Druck einer Menschenmenge "geöffnet" bzw. die Öffnung erzwungen.
Die Organisation dieser Demonstration in Form einer Wanderung lag hauptsächlich in der Hand der ehem. Ilsenburger Betriebssportorganisation (BSG) "Stahl". Hier wurde über die lokalen Medien in Ost- und Westharz zu einem Sternmarsch aufgerufen. Treffpunkt war 08:00 Uhr der Ilseburger Marktplatz, von dem auch immer der traditionsreiche Brockenlauf bis 1961 und dann wieder ab 08. September 1990 startete/ gestartet wird. Die Initatoren waren in erster Linie Mitglieder des heutigen Brockenlaufvereins und andere Sportfreunde, die die Wiederauflage des seit 1927 nur durch Krieg und erste Nachkriegsjahre) unterbrochenen Laufes nie aus den Augen verloren hatten.

Die Nachricht sprach sich wie ein Lauffeuer herum, so das in den späten Nachmittagsstunden, wo die Frauen, Männer und Kinder der "ersten Stunde" schon längst wieder auf dem Rückweg waren, immer noch Massen von Menschen aus allen Himmelsrichtungen unaufhörlich zum Brocken strömten!


Wir waren dabei! Meine Kinder 3 und 1 1/2 Jahre im Tragegestell. Einer der unvergessensten und schönsten Augenblicke in meinem Leben und al eingefleischter Harzer, den ich nie vergessen werde!

Nun ist auch der Brocken wieder ein freier Berg!


Euer josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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#15

RE: Der Anfang vom Ende: HEUTE, ...vor 20 Jahren

in Das Ende der DDR 07.08.2009 14:40
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Gratuliere, josy95!!

Wir sind auch in den ersten Jahren nach der Öffnung zum Brocken. Recht bald, als die Eisenbahn wieder fuhr. Vielleicht hast Du uns ja gefahren? Wir wohnten im Hotel ("Schwan" oder "Weisser Schwan") direkt am Marktplatz von Wernigerode. Unterm Dach, Zimmer noch im DDR-Stil...

Nach Braunlage, Wurmberg und "Gruselblick" mit Fernrohr in den Osten in früheren Tagen, wollten wir jetzt auch endlich mal auf den Brocken!


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#16

RE: Der Anfang vom Ende: HEUTE, ...vor 20 Jahren

in Das Ende der DDR 07.08.2009 15:02
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von FSK-Veteran
Gratuliere, josy95!!

Wir sind auch in den ersten Jahren nach der Öffnung zum Brocken. Recht bald, als die Eisenbahn wieder fuhr. Vielleicht hast Du uns ja gefahren? Wir wohnten im Hotel ("Schwan" oder "Weisser Schwan") direkt am Marktplatz von Wernigerode. Unterm Dach, Zimmer noch im DDR-Stil...

Nach Braunlage, Wurmberg und "Gruselblick" mit Fernrohr in den Osten in früheren Tagen, wollten wir jetzt auch endlich mal auf den Brocken!



Das war (und ist) das Hotel "Weißer Hirsch", direkt am Markt gegenüber dem historischen Rathaus...,

Du bist mir schon so ein Berliner Spree- Schwänchen...

Wie schon mal niedergeschrieben, das erste mal war ich am 03. Juni 1991 mit einem Bauzug (der Erste!!!) auf dem Brocken, gibt`s noch eine Ansichtskarte von. Offiziell wurde die Brockenbahn am 03.09.1991 nach erfolgter Sanierung wieder eröffnet, bis etwa November gab`s nur offiziellen Sonderreiseverkehr. Der planmäßige Verkehr wurde dann mit dem Sommerfahrplan im April 1992 wieder aufgenommen. Mit dem Unterschied, das man zum Winter, wie bis 1961 üblich, den Verkehr über Winter nicht mehr aussetzte/ einstellte.

Da fällt mir noch ein, die Tage fragte ein User nach nder Einstellung des Brockenverkehrs im Zuge des Mauerbaues, wollt ich noch beantworten, hab ich vergessen:

Auf der Brockenbahn fuhr der letzte planmäßige Reisezug am 12.08.1961. Der erste Zug am 13.08.1961 wurde im Bahnhof Schierke von "bewaffneten Organen der DDR" an der Weiterfahrt gehindert (analog wie Berlin).

Bis dahin (12.08.61) brauchten alle Fahrgäste zwar einen gesonderten Passierschein, der war aber relativ leicht sowohl für Einheimische als auch Urlauber zu bekommen.

Nach dem 13.08.61 fanden bis 1986 nur noch Materialtransporte (Güterzüge) statt. Im Spätherbst 1986 die (vorerst) letzte Fahrt. Eine leer fahrende Lokomotive, die im ersten Schnee vom Brocken noch dort stehende Güterwagen abholte. 1987 nahm man den Verkehr auf Grund erheblicher Oberbaumängel und fehlender Gleisbaukapatzitäten, besonders im Streckenbereich ab Bahnübergang an der oberen Brockenstraße (km 15,78), die s. g. "Brockenspirale" bis Einfahrt Bahnhof Brocken (km 18,60) nicht wieder auf.

Schönes Wochenende!
und ätsch, josy95 macht jetzt 3 Wochen URLAUB!

josy95


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#17

RE: Der Anfang vom Ende: HEUTE, ...vor 20 Jahren

in Das Ende der DDR 07.08.2009 15:02
von dein1945 (gelöscht)
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[quote="josy95"]

Nun ist auch der Brocken wieder ein freier Berg!


Hallo josy95,
diesen Augenblick wirst Du wohl nie vergessen, genau wie ich den 30.09.1989, meine Mutter hatte Geburtstag. Wie schon geschrieben, habe eines deiner Dampfrösser benutzt um 1987 auf den Brocken zu kommen, es war ein riesen Erlebnis, da wir ihn ja nur von der anderen Seite sehen konnten, ohne auf den Brocken zu kommen. Gewohnt haben wir im Hotel Blocksberg in Silstedt,
Gruß aus Berlin und halte die alten "96" immer unter Dampf


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#18

RE: Der Anfang vom Ende: HEUTE, ...vor 20 Jahren

in Das Ende der DDR 07.08.2009 15:06
von dein1945 (gelöscht)
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[quote="josy95"]
und ätsch, josy95 macht jetzt 3 Wochen URLAUB!

habe ich leider erst jetzt gelesen, schönen Urlaub und viel Sonne,
wünscht aus Berlin Achim


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#19

RE: Der Anfang vom Ende: HEUTE, ...vor 20 Jahren

in Das Ende der DDR 07.08.2009 15:08
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von dein1945
[quote="josy95"]

Nun ist auch der Brocken wieder ein freier Berg!


Hallo josy95,
diesen Augenblick wirst Du wohl nie vergessen, genau wie ich den 30.09.1989, meine Mutter hatte Geburtstag. Wie schon geschrieben, habe eines deiner Dampfrösser benutzt um 1987 auf den Brocken zu kommen, es war ein riesen Erlebnis, da wir ihn ja nur von der anderen Seite sehen konnten, ohne auf den Brocken zu kommen. Gewohnt haben wir im Hotel Blocksberg in Silstedt,
Gruß aus Berlin und halte die alten "96" immer unter Dampf



Hallo dein1945, Du bist mir wohl auch so ein "Spree- Schwänchen"! Da mußte Dich aber mit den Jahreszahlen etwas vertan haben!

...nichts für ungut, kommt in unserem Alter schon einmal vor...!

Josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

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#20

RE: Der Anfang vom Ende: HEUTE, ...vor 20 Jahren

in Das Ende der DDR 07.08.2009 15:12
von dein1945 (gelöscht)
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[quote="josy95"][quote="dein1945"][quote="josy95"]

Hallo dein1945, Du bist mir wohl auch so ein "Spree- Schwänchen"! Da mußte Dich aber mit den Jahreszahlen etwas vertan haben!

...nichts für ungut, kommt in unserem Alter schon einmal vor...!

mit 64 schon etwas KALK in der Birne,
1997-1997-1997 OK ich habs


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