#1

Deutsche Sozialdemokratie 1989/1990- die ungenutzte Chance?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 06.04.2014 20:46
von Gelöschtes Mitglied
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Aus der Diskussion im Forum heraus möchte ich folgende These bezugnehmend auf die besondere politische Situation in der BRD/ der ehem. DDR in den Jahren 1989/1990 zur Diskussion stellen:

Ohne hier die näheren, bereits bekannten parteiinternen Umwälzungen innerhalb der damaligen SED-PDS tangieren zu wollen, bleibt folgende Frage offen:
Gab es historisch gesehen jemals die Chance, eine reformierte Arbeiterpartei der DDR ohne Dogma auf den Führungsanspruch in der Gesellschaft in eine gesamtdeutsche SPD einzugliedern?
Gab es Versuche, damals ehemalige SED-Mitglieder für eine gesamtdeutsche SPD zu gewinnen, oder
wie stark war eine Ablehnung ehem. SED-Mitglieder durch die SPD selbst?

Meine Frage ist damit begründet, dass ich mich einfach nicht mehr erinnern kann...

VG Klaus


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#2

RE: Deutsche Sozialdemokratie 1989/1990- die ungenutzte Chance?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 06.04.2014 21:12
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Hufklaus im Beitrag #1

Gab es Versuche, damals ehemalige SED-Mitglieder für eine gesamtdeutsche SPD zu gewinnen, oder
wie stark war eine Ablehnung ehem. SED-Mitglieder durch die SPD selbst?

VG Klaus


Zur Einstimmung

Die Sozialdemokratische Partei in der DDR (SDP, später SPD) war eine politische Partei, die in der Wendezeit in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) entstand. Sie wurde am 7. Oktober 1989 in Schwante bei Berlin gegründet und vereinigte sich am 26. September 1990 in Berlin mit der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD).

Hauptinitiatoren waren die evangelischen Theologen Martin Gutzeit und Markus Meckel, die die inhaltliche und organisatorische Vorarbeit leisteten. Im April 1989 wurde ein erster Entwurf für einen Gründungsaufruf verfasst, der am 26. August in der Berliner Golgathagemeinde vorgestellt wurde. Dieser Aufruf war von Gutzeit, Meckel, dem Studentenpfarrer Arndt Noack und dem Regisseur Ibrahim Böhme unterschrieben.

Auf der Gründungsversammlung der Partei im Pfarrhaus in Schwante nahmen zwischen 40 und 50 Personen teil, unter anderem Angelika Barbe, Ibrahim Böhme, Konrad Elmer, Martin Gutzeit, Stephan Hilsberg, Torsten Hilse, Thomas Krüger, Sabine Leger, Markus Meckel, Annemarie und Matthias Müller, Arndt Noack, Steffen Reiche und Reiner Rühle. Zum Ersten Sprecher der Partei wurde der Programmierer Stephan Hilsberg gewählt, Geschäftsführer wurde Ibrahim Böhme.

In der Zeit zwischen Oktober und Dezember 1989 wurden in verschiedenen Städten Regionalgruppen der SDP gegründet. Die SDP bekam zwei Sitze am Zentralen Runden Tisch der DDR. Ab dem 13. Januar 1990 führte die Partei nach einem Beschluss der 1. Delegiertenkonferenz in Berlin die Abkürzung SPD, was eine Hinwendung zur westdeutschen Sozialdemokratie verdeutlichte. In diese Zeit fällt die Gründung der Bezirks- und Regionalverbände der Partei. Am 29. Januar entsandte die SPD der DDR mit Walter Romberg einen Vertreter als Minister ohne Geschäftsbereich in die Regierung von Hans Modrow.

Der erste Parteitag vom 22. bis 25. Februar in Leipzig brachte zum einen die Wahl des ersten Parteivorstandes. Ibrahim Böhme wurde am 23. Februar zum Vorsitzenden gewählt. Weiterhin wurde auf diesem Parteitag das Grundsatzprogramm und ein Statut der SPD der DDR beschlossen. Schließlich ist diese Sitzung drei Wochen vor der Wahl zur Volkskammer am 18. März als eine Art Wahlparteitag zu werten. Auf dem gleichen Parteitag wurde am 24. Februar auch Willy Brandt zum Ehrenvorsitzenden der SPD der DDR gewählt.

Die Volkskammerwahl brachte eine Enttäuschung für die Sozialdemokraten. Statt wie erhofft mit einer absoluten Mehrheit zog die SPD mit 21,7 Prozent der Stimmen in das Parlament ein. Die besten Ergebnisse erreichte sie in den Bezirken Berlin (34,9 %), Potsdam (34,4 %) und Frankfurt (Oder) (31,9 %). Das weitaus schlechteste Ergebnis erzielten die Sozialdemokraten im Bezirk Dresden mit 9,7 %. Nach internen Debatten einigte man sich darauf, in Koalitionsverhandlungen mit den Wahlsiegern, der Allianz für Deutschland aus CDU, DSU und Demokratischem Aufbruch sowie dem Bund Freier Demokraten, einzutreten.

In die Zeit der Koalitionsverhandlungen fiel die Enttarnung des Vorsitzenden Ibrahim Böhme als langjähriger Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit durch das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Obwohl er alle Vorwürfe dementierte, trat er am 1. April von allen seinen Parteiämtern zurück, 1992 wurde er aus der SPD ausgeschlossen. Am 8. April wurde Markus Meckel zum Interims-Vorsitzenden der SPD der DDR bestimmt, bis auf einem Sonderparteitag in Halle (Saale) am 9. Juni Wolfgang Thierse zum Vorsitzenden gewählt wurde. Vom 12. April bis zum 20. August 1990 war die SPD der DDR an der Regierung des Christdemokraten Lothar de Maizière mit sechs Ministern beteiligt, die bekanntesten Namen waren dabei Markus Meckel (Äußeres), Regine Hildebrandt (Soziales) und Walter Romberg (Finanzen). Reinhard Höppner wurde Vizepräsident der Volkskammer.

Auf dem Parteitag am 26. September 1990 vereinigte sich die SPD der DDR mit der westdeutschen SPD.


http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemok...rtei_in_der_DDR

In meiner Erinnerung gab es eine klare Abgrenzung zur SED und ihren Mitgliedern. Von der SPD gab es in den frühen 90-ern immer wieder Versuche ehemalige SED - Mitglieder zu gewinnen.

Sehr reserviert

SPD-Strategen wollen die Reihen der ostdeutschen Sozialdemokraten durch ehemalige SED-Mitglieder stärken. Die Basis blockt ab.

Die wenigen, die bei der SPD anklopfen, finden entgegen den Empfehlungen aus Bonn keineswegs freundliche Aufnahme: Die Basis muckt dagegen auf, plötzlich mit früheren Befürwortern der Zwangsvereinigung von KPD und SPD gemeinsame Sache zu machen. Parteifunktionäre wie der Berlin-Pankower Kreisvorsitzende Hans-Peter Seitz, 49, sorgen sich bereits, daß frühere SED-Mitglieder vor ihrer Aufnahme in die SPD regelrechten "Verhören" unterworfen werden.

Die Aspiranten aus der einstigen Staatspartei werden zum Beispiel mit Fragen nach früheren Arbeitsstätten, Gründen für SED-Ein- und -Austritt oder Belobigungen und Auszeichnungen traktiert. "Wir sind da sehr reserviert", sagt Harms Riediger, 30, vom SPD-Kreisvorstand Berlin-Friedrichshain.

Vielerorts haben selbst harmlose SED-Mitläufer keine Chance. Im Sächsischen zum Beispiel weigern sich vor allem kleinere Ortsvereine, überhaupt ehemalige Mitglieder der SED aufzunehmen. Ingo Reitmann, 38, früher in der Leipziger Bürgerbewegung aktiv und nun SPD-Unterbezirksgeschäftsführer, hat dafür Verständnis: "Wir sind vor zwei Jahren unter Gefahren gegen die SED auf die Straße gegangen und wollen uns jetzt nicht mit diesen Leuten verbrüdern."

Auf "heftige Empörung", so Reitmann, seien an der Ost-SPD-Basis die vorsichtigen Avancen gestoßen, die SPD-Bundesgeschäftsführer Blessing den Ex-SED-Leuten gemacht hatte. Viele Sozialdemokraten können nicht vergessen, daß sie von den Kommunisten in der DDR zwangsfusioniert, schikaniert und in den vierziger und fünfziger Jahren zu Tausenden auch inhaftiert wurden.

Doch die schroffe Ablehnung einstiger SED-Mitläufer kommt meist nicht von früheren DDR-Oppositionellen. Die schärfsten Inquisitoren auf sozialdemokratischen Ortsvereinssitzungen sind, wie ostdeutsche SPD-Funktionäre wissen, überwiegend Mitglieder, die sich selbst mit dem alten Regime arrangiert hatten. Ein Ost-Berliner Genosse: "Da wird sicher auch viel an eigener Anpassung verdrängt."


http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13491898.html

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 06.04.2014 21:13 | nach oben springen

#3

RE: Deutsche Sozialdemokratie 1989/1990- die ungenutzte Chance?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 06.04.2014 21:21
von HG19801 | 1.613 Beiträge

Zur Wendezeit stand es durchaus zur Diskussion bisherige SED-Mitglieder in die SPD bzw. deren neugeborene Schwesterpartei SDP aufzunehmen und es geschah auch. Doch das politische Eisen war der sich zunehmend entsozialdemokratisierenden SPD zu heiß, um sich im Wendewirbel/Nachwendewirbel klar dieser Tatsache zu stellen.
Diese Unentschlossenheit und das sich später besonders unter Gerhard Schröder etablierende Bestreben, eine Partei der sogenannten politischen Mitte zu werden, wirkt in der SPD bis heute nach und zeichnet partiell dafür verantwortlich, dass diese Partei zunehmend in politischer Bedeutungslosigkeit verschwindet.


"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit,
aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." – Albert Einstein


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#4

RE: Deutsche Sozialdemokratie 1989/1990- die ungenutzte Chance?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 07.04.2014 15:15
von Gert | 12.354 Beiträge

wenn man an die Rolle der KPD bei der Zwangsvereinigung mit der SPD unter zu Hilfenahme des Katalysators Sowjetarmee denkt, kann ich die Bedenken der altgedienten SPD Genossen sehr gut verstehen. Es ging ja nicht nur um ideologische Differenzen. Einige SPD Genossen von 1946, die die Zwangsvereinigung verweigerten, wurden ja auch zur Nachschulung in die sowjetische Speziallager Buchenwald oder Sachsenhausen delegiert. Das ist nicht vergessen.


.
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Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
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#5

RE: Deutsche Sozialdemokratie 1989/1990- die ungenutzte Chance?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 07.04.2014 15:46
von damals wars | 12.143 Beiträge

Trotzdem waren in der PDS immer mehr ehemalge Sozialdemokraten als in der SPD (Ost).
Das waren die, die aus dem Fehler der Spaltung der Arbeiterparteien vor 33 gelernt hatten
und es mit der Einheit der Arbeiterklasse ernst meinten.
Der SPD hätte die sozialistische Intelligenz gut getan. Aber die CDU, die selbst SED- Bürgermeister schluckte,
fuhr die berühmten "rote Sockenkampagnen", zeigte auf die PDS und meinte die SPD.
Und die hatten zu wenige Leute mit Rückrat, die auf die CDU (ost) zeigten und eigene Denkfähigkeit nachwiesen.
Aber die SPD hatte sich in den Schützengräben des kalten Krieges so gut eingerichtet,
und die alten Feindbilder sind bis heute der einzige Kitt.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#6

RE: Deutsche Sozialdemokratie 1989/1990- die ungenutzte Chance?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 07.04.2014 16:14
von ABV | 4.202 Beiträge

Ich kann mich an einen ehemaligen Lehrer erinnern, der bis Ende 1989 Mitglied der SED war und unmittelbar nach der Wiedervereinigung in die SED eintrat. Inhaltlich konnten sich ganz sicher viele ehemalige SED-Mitglieder mit den Zielen der SPD identifizieren. Warum auch nicht? Schließlich ist die SPD eine alte Arbeiterpartei! Und eine sozialistische dazu! Wobei es mir heute so vorkommt, dass zwischen den von der SED propagierten Sozialismus und dem Sozialismus a la SPD, Welten lagen.
1987 gab es erste vorsichtige Annäherungen zwischen der SED und der SPD. In meiner damaligen Dienstgruppe wurde gewitzelt, " dass es bald ausgewählte West-Zeitungen an den Kiosken zu kaufen gibt". Worauf der Parteisekretär mit einem derben " Ihr habt wohl eine Meise?", reagierte.
Annäherung ja, Zusammenarbeit auf verschiedenen ebenen ja, aber mehr nicht! Argumentiert wurde die weiter bestehende Abgrenzung zur SPD, mit dem angeblichen, zumindest teilweisen Verrat an den Zielen der einstigen SPD-Gründer. Wer da wohl wen oder was verraten hatte, zeigte sich kurze Zeit später auf deutliche Art und Weise.
Hatte die Sozialdemokratie eine Chance in der Nachwendezeit? Hm, in Teilen schon. Andererseits war der Begriff Sozialismus durch die SED derart verhunzt worden, dass er keine zunächst kaum eine Chance hatte.
Außer vielleicht in Brandenburg. Aber auch dort ging es weniger um politische Ziele und Inhalte. Die SPD verdankte ihren Erfolg den "Zugpferden" Manfred Stolpe und Mathias Platzeck.

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#7

RE: Deutsche Sozialdemokratie 1989/1990- die ungenutzte Chance?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 07.04.2014 16:24
von schnatterinchen (gelöscht)
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.....das hoffentlich unvergessene SPD "Zugpferd" in Brandenburg war meiner Meinung nach Regine Hildebrandt.
Am 26.04. hätte sie Geburtstag .


damals wars, grenzgänger81, 94 und schulzi haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 07.04.2014 16:29 | nach oben springen

#8

RE: Deutsche Sozialdemokratie 1989/1990- die ungenutzte Chance?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 07.04.2014 18:13
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #7
.....das hoffentlich unvergessene SPD "Zugpferd" in Brandenburg war meiner Meinung nach Regine Hildebrandt.
Am 26.04. hätte sie Geburtstag .


Ja, natürlich! Regine Hildebrandt war eine tolle Politikerin, die sich noch für die Belange des Volkes einsetzte. Vergessen wird sie ihn Brandenburg so bald ganz sicher nicht.

Gruß Uwe


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katerjohn, Arnstädter und damals wars haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#9

RE: Deutsche Sozialdemokratie 1989/1990- die ungenutzte Chance?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 07.04.2014 21:29
von DoreHolm | 7.692 Beiträge

Sich als SPD gegen die Aufnahme von ehemaligen SED-Mitgliedern zu sperren, hielt ich schon lange als Fehler. Allerdings war die SPD zur Wendezeit eine andere SPD als heute. Sie hat sich deutlich dem bürgerlichen Lager zugewandt ebenso wie die Grünen. Die SPD ignorierte die Tatsache, daß sich die SED auch aus ehemaligen SPD-Mitgliedern zusammensetzt, egal ob diese nur gezwungenermaßen, aus Fehlen anderer Alternativen oder auch Überzeugung SED-Mitglieder wurden. Wobei ich davon ausgehe, daß ein SPD-Mitglied nicht gezwungen werden konnte, Mitglied einer gemeinsamen Partei zu werden. Für wen das nicht mit der Überzeugung vereinbar war, konnte auch vor der Vereinigung austreten. So sehe ich das. Mit der Vereinigung wurde automatisch auch sozialdemokratisches Gedankengut übernommen, oder will hier einer behaupten, daß die in einer gemeinsamen Einheitspartei aufgegangenen SPD-Mitglieder mit dem Empfang des neuen Mitgliedsbuches ihren sozialdemokratischen Ideen abgeschworen hätten ? Das eine Machtübernahme Hitlers hätte vermieden werden können, wenn sich diese beiden Arbeiterparteien beizeiten in ihren Aktivitäten koordiniert hätten, dürfte heute kaum noch angezweifelt werden, aber stattdessen wurde viel Energie darauf verschwendet, das Trennende hervorzuheben und die Ideologien und Dogmen über die Pragmatik zu stellen.

Nachtrag: Es hat seinen Grund, weshalb die konservativen Parteien mit ihrer Polemik mit allen Mitteln versuchen, Koalitionen von Parteien links von der CDU/CSU u. FDP zu verhindern.



zuletzt bearbeitet 07.04.2014 21:32 | nach oben springen

#10

RE: Deutsche Sozialdemokratie 1989/1990- die ungenutzte Chance?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 07.04.2014 21:40
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Sehr gute Frage in diesem Thread.

Meines Erachtens nach hat die (West)-SPD damals einen RIESENFEHLER gemacht, sich die DDR-Mittelschicht nicht wieder selbst richtig zu erschließen. Die SPD wäre die ideale Ost-Partei gewesen, kompetent, glaubwürdig und sozial zugleich, sie hatte ja eine große Historie und die SDP gab es ja im Osten sogar auch schon. Die Wessi-Parteiführung hat das leider verschlafen, hatte eben nicht das historische Format.

Und Kohl hat die SED ganz gezielt nicht etwa verboten oder so, sondern die sogar weiter an Wahlen teilnehmen lassen. Damit hat er die alte DDR-Elite im vereinten Deutschland zum weiter Mitmachen gebracht, statt dass die alles sabotieren. Den "Buhmann" musste alleine die Stasi abgeben, die eigentlich "nur" Befehlsempfänger der SED war.

Beides zusammen lässt die SPD bis heute alt aussehen. Sie hat es eigentlich nicht verdient. Aber ihren Fehler hat die SPD bis heute auch nicht korrigiert.


DoreHolm, schulzi und Hans haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 07.04.2014 21:41 | nach oben springen

#11

RE: Deutsche Sozialdemokratie 1989/1990- die ungenutzte Chance?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 07.04.2014 21:48
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Harzwanderer im Beitrag #10
Sehr gute Frage in diesem Thread.

Meines Erachtens nach hat die (West)-SPD damals einen RIESENFEHLER gemacht, sich die DDR-Mittelschicht nicht wieder selbst richtig zu erschließen. Die SPD wäre die ideale Ost-Partei gewesen, kompetent, glaubwürdig und sozial zugleich, sie hatte ja eine große Historie und die SDP gab es ja im Osten sogar auch schon. Die Wessi-Parteiführung hat das leider verschlafen, hatte eben nicht das historische Format.

Und Kohl hat die SED ganz gezielt nicht etwa verboten oder so, sondern die sogar weiter an Wahlen teilnehmen lassen. Damit hat er die alte DDR-Elite im vereinten Deutschland zum weiter Mitmachen gebracht, statt dass die alles sabotieren. Den "Buhmann" musste alleine die Stasi abgeben, die eigentlich "nur" Befehlsempfänger der SED war.

Beides zusammen lässt die SPD bis heute alt aussehen. Sie hat es eigentlich nicht verdient. Aber ihren Fehler hat die SPD bis heute auch nicht korrigiert.


Zumal heutzutage nicht wenige frustrierte linke Gruppierungen sich in irgendwelchen Protesten vereinzel ungehört outen...

VG Klaus


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#12

RE: Deutsche Sozialdemokratie 1989/1990- die ungenutzte Chance?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 07.04.2014 21:58
von DoreHolm | 7.692 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #10
Sehr gute Frage in diesem Thread.

Meines Erachtens nach hat die (West)-SPD damals einen RIESENFEHLER gemacht, sich die DDR-Mittelschicht nicht wieder selbst richtig zu erschließen. Die SPD wäre die ideale Ost-Partei gewesen, kompetent, glaubwürdig und sozial zugleich, sie hatte ja eine große Historie und die SDP gab es ja im Osten sogar auch schon. Die Wessi-Parteiführung hat das leider verschlafen, hatte eben nicht das historische Format.

Und Kohl hat die SED ganz gezielt nicht etwa verboten oder so, sondern die sogar weiter an Wahlen teilnehmen lassen. Damit hat er die alte DDR-Elite im vereinten Deutschland zum weiter Mitmachen gebracht, statt dass die alles sabotieren. Den "Buhmann" musste alleine die Stasi abgeben, die eigentlich "nur" Befehlsempfänger der SED war.

Beides zusammen lässt die SPD bis heute alt aussehen. Sie hat es eigentlich nicht verdient. Aber ihren Fehler hat die SPD bis heute auch nicht korrigiert.


Grün: Das ist m.E. das Ur-Dilemma der Linken (ich meine hier alle linken Bewegungen), diese Zerstrittenheit. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Damals haben sich die Nazis gefreut, heute freuen sich die Konservativen, wenn sich SPD und Linke gegenseitig beharken anstatt pragmatisch gemeinsamn zu handeln wo es gemeinsame Hauptinteressen gibt. Als solche würde ich vor allem den ganzen Komplex von sozialer Gerechtigkeit, nachhaltigem Wirtschaften und Friedenssicherung sehen.



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#13

RE: Deutsche Sozialdemokratie 1989/1990- die ungenutzte Chance?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 08.04.2014 13:49
von Arnstädter | 266 Beiträge

zu Beitrag 8

Regina Hildebrandt,eine Frau die es sicher mit der heutigen Politprominenz aufnehmen hätte können.
Sie kam immer audentisch ?(hoffentlich richtig geschrieben) rüber,die belange des kleinen DDR-bürgers mit
den Annehmlichkeiten des Westen zu vergleichen und zu verbessern aber auch Kritik für beide Seiten .

Eine taffe Frau eben gewesen aus Brandenburg.-Damals wars ! :(


das System funktioniert weil du funktionierst
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#14

RE: Deutsche Sozialdemokratie 1989/1990- die ungenutzte Chance?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 08.04.2014 14:29
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #6
Schließlich ist die SPD eine alte Arbeiterpartei! Und eine sozialistische dazu!


Der Witz war gut.

Vermutlich bauen wir schon unter der Führung der Genossin Merkel die klassenlose Gesellschaft auf.

Aber mal ernsthaft: Die SPD ist nach eigener Definition seit 1959 (Godesberger Programm) keine sozialistische Partei mehr. Und wenn man sich mit der Historie der Partei befasst, geschah die Abkehr schon einige Jahrzehnte früher.

Gruss

icke



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#15

RE: Deutsche Sozialdemokratie 1989/1990- die ungenutzte Chance?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 08.04.2014 14:46
von damals wars | 12.143 Beiträge

Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#16

RE: Deutsche Sozialdemokratie 1989/1990- die ungenutzte Chance?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 08.04.2014 15:10
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Harzwanderer im Beitrag #10
Sehr gute Frage in diesem Thread.

Meines Erachtens nach hat die (West)-SPD damals einen RIESENFEHLER gemacht, sich die DDR-Mittelschicht nicht wieder selbst richtig zu erschließen. Die SPD wäre die ideale Ost-Partei gewesen, kompetent, glaubwürdig und sozial zugleich, sie hatte ja eine große Historie und die SDP gab es ja im Osten sogar auch schon. Die Wessi-Parteiführung hat das leider verschlafen, hatte eben nicht das historische Format.

Und Kohl hat die SED ganz gezielt nicht etwa verboten oder so, sondern die sogar weiter an Wahlen teilnehmen lassen. Damit hat er die alte DDR-Elite im vereinten Deutschland zum weiter Mitmachen gebracht, statt dass die alles sabotieren. Den "Buhmann" musste alleine die Stasi abgeben, die eigentlich "nur" Befehlsempfänger der SED war.

Beides zusammen lässt die SPD bis heute alt aussehen. Sie hat es eigentlich nicht verdient. Aber ihren Fehler hat die SPD bis heute auch nicht korrigiert.



jetzt stehe ich aber total auf der Leitung: wer war denn die DDR-Mittelschicht??
.


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#17

RE: Deutsche Sozialdemokratie 1989/1990- die ungenutzte Chance?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 08.04.2014 18:39
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Die Facharbeiter, Handwerker und LPG-Leute. So ungefähr die Wartburg- und Trabi-Fahrer. Jedenfalls kein Mazda-, Citroen- und Volvo-Publikum.


zuletzt bearbeitet 08.04.2014 18:40 | nach oben springen



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