#401

RE: wievieleTote gehen auf das Konto der Staatssicherheit?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.04.2014 20:17
von passport | 2.626 Beiträge

STASI-KILLER festgenommen

Der "GRÖßTE ERFOLG" des BKA

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-29410495.html

Jeder blamiert sich so gut wie kann


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#402

RE: wievieleTote gehen auf das Konto der Staatssicherheit?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.04.2014 20:23
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Da haste aber sicherlich richtig lange gesucht nach der alten Kamelle


zuletzt bearbeitet 22.04.2014 20:23 | nach oben springen

#403

RE: wievieleTote gehen auf das Konto der Staatssicherheit?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.04.2014 20:25
von Schuddelkind | 3.507 Beiträge

Hier mal ein nettes Beispiel, wie schnell ,am vom Saboteur und Agenten werden konnte.

"Am 20. Mai 1952 veröffentlichte die Zeitung "Volkswacht", das Organ der Bezirksleitung Gera der SED, einen Artikel unter der Überschrift: „'Gespenster' als Provokateure und Verbrecher entlarvt“. Darin wird unter anderem behauptet, dass Anfang 1951 in Ronneburg eine illegale Gruppe des „berüchtigten 'Bundes deutscher Jugend'“ (BdJ)1 gegründet worden sei. Dabei würde es sich um „Hilfstruppen des amerikanischen Geheimdienstes auf deutschem Boden“ handeln. Die beiden Anführer seinen ein Roland Liebold und ein Hans Lachheim gewesen. Liebold habe sich mehrmals mit dem Westberliner Pfandhausbesitzer Vogel getroffen und von ihm „Aufträge“ erhalten. Er habe ihn daraufhin unter anderem über die volkseigene Industrie Ronneburgs, die Stärke einer Einheit der Bereitschaftspolizei informiert sowie ihm „Namen fortschrittlicher Einwohner“ der Stadt übermittelt. Aber, das sollte noch lange nicht alles gewesen sein. Die Gruppe habe auch „Hetzschriften“ verbreitet und mit weißer Farbe staatsfeindliche Parolen an Mauern und Häuserwände geschmiert. Sie hätten Nazilieder gesungen und weiterhin die Einwohner beunruhigt und erschreckt, indem sich einige Mitglieder als Spukgestalten verkleideten und während der Dunkelheit auf Straßen und Gassen herumtollten. Damit waren jene Erscheinungen gemeint, über die Anfang der fünfziger Jahre gelegentlich in einzelnen Regionen gerüchteweise getuschelt wurde. Es handelte sich um die so genannten „Hüpfemänneln“ oder „Hüpfemänner“, die mitunter sogar Sprungfedern benutzt haben sollen und es zeitweilig zu einem sagenhaften Ruf brachten. Laut SED-Propagada sollen die Mitarbeiter des RIAS2 ihre Hände dabei im Spiel gehabt haben. Die Phantome hatten demnach nichts anderes im Sinn, als die Anweisungen dieses Hetzsenders auszuführen, die darin bestanden, die Bevölkerung zu verunsichern und somit den friedlichen Ausbau in der DDR zu sabotieren."
Den Rest der Geschichte gibt es hier: http://www.thueraz.de/forschung-bildung/...ronneburg.html


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#404

RE: wievieleTote gehen auf das Konto der Staatssicherheit?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.04.2014 20:25
von passport | 2.626 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #402
Da haste aber sicherlich richtig lange gesucht nach der alten Kamelle



Nö, ein Griff. Aber immer wieder lustig


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#405

RE: wievieleTote gehen auf das Konto der Staatssicherheit?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.04.2014 20:34
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von passport im Beitrag #404
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #402
Da haste aber sicherlich richtig lange gesucht nach der alten Kamelle



Nö, ein Griff. Aber immer wieder lustig


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Also du hast da praktisch einen griffbereiten Fundus


zuletzt bearbeitet 22.04.2014 20:36 | nach oben springen

#406

RE: wievieleTote gehen auf das Konto der Staatssicherheit?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.04.2014 20:36
von passport | 2.626 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #405
Zitat von passport im Beitrag #404
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #402
Da haste aber sicherlich richtig lange gesucht nach der alten Kamelle



Nö, ein Griff. Aber immer wieder lustig


passport


Also du hast da praktisch einen angelegten Fundus




Nönö, nur ein gutes Gedächtnis. Nach dem Motto : Da war doch mal was


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#407

RE: wievieleTote gehen auf das Konto der Staatssicherheit?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.04.2014 20:47
von andy | 1.198 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #375


Interessehalber, hast du Beispiele für Saboteure?



http://stasi.derwesten.de/files/disserta...olodtkowski.pdf


Ich stelle hier mal einen Link zu einer Doktotarbeit rein, in der sich die Verfasser mit der Vermeidung von Devisenverlusten und den Möglichkeiten der Beschaffung zusätzlicher Devisen für die DDR beschäftigen. Das Teil hat zwar über 200 Seiten, man muss aber nicht alles lesen, um Beispiele für Sabotage und ökonomischer Störtätigkeit gegen die DDR zu finden.

Einer der Verfasser ist - ihr wisst es schon, der gute alte big Alex

Die dargestellten Beispiele stammen aus den 60'er Jahren, in denen neben der Sabotage von Seiten des Westens noch eine feinere "ökonomische Klinge" gefochten wurde.
Für meine Begriffe resultierte daraus ein, aus meiner Sicht durchaus angemessenes noch verstärkteres Vorgehen des MfS gegen alles, was der DDR irgendwie Schaden zufügen konnte oder wollte und ganz erfolglos war die Firma dabei ja nicht.

Die ersten 60 Seiten enthalten die Beispiele von Sabotage und ökonomischer Störtätigkeit mit einer Auflistung der daraus entstandenen ökonomischen Verluste für die DDR - der Rest ist aber auch sehr interessant.


andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
Damals87 und Schuddelkind haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 22.04.2014 20:54 | nach oben springen

#408

RE: wievieleTote gehen auf das Konto der Staatssicherheit?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.04.2014 21:51
von Schuddelkind | 3.507 Beiträge

Zitat von andy im Beitrag #407
Zitat von Schuddelkind im Beitrag #375


Interessehalber, hast du Beispiele für Saboteure?



http://stasi.derwesten.de/files/disserta...olodtkowski.pdf


Ich stelle hier mal einen Link zu einer Doktotarbeit rein, in der sich die Verfasser mit der Vermeidung von Devisenverlusten und den Möglichkeiten der Beschaffung zusätzlicher Devisen für die DDR beschäftigen. Das Teil hat zwar über 200 Seiten, man muss aber nicht alles lesen, um Beispiele für Sabotage und ökonomischer Störtätigkeit gegen die DDR zu finden.

Einer der Verfasser ist - ihr wisst es schon, der gute alte big Alex

Die dargestellten Beispiele stammen aus den 60'er Jahren, in denen neben der Sabotage von Seiten des Westens noch eine feinere "ökonomische Klinge" gefochten wurde.
Für meine Begriffe resultierte daraus ein, aus meiner Sicht durchaus angemessenes noch verstärkteres Vorgehen des MfS gegen alles, was der DDR irgendwie Schaden zufügen konnte oder wollte und ganz erfolglos war die Firma dabei ja nicht.

Die ersten 60 Seiten enthalten die Beispiele von Sabotage und ökonomischer Störtätigkeit mit einer Auflistung der daraus entstandenen ökonomischen Verluste für die DDR - der Rest ist aber auch sehr interessant.


andy


Danke Andy, ich werde das mal durchackern. ist aber viel "Kalte-Krieger-Deutsch" . Nur kurz zu dem benannten Beispiel Latinsky.
"So erklärte der Angeklagte Latinsky vor dem OG, daß er mit
seinen verbrecherischen Handlungen zur Schädigung der Volkswirtschaft
der DDR einen Beitrag zur Wiedervereinigung im
Sinne der imperialistischen Ordnung in Westdeutschland leisten
wollte."

Dagegen stelle ich mal das hier:
"Mit ihrem Urteil weckten die Hallenser Richter Erinnerungen an ein Verfahren, das 1967 vor dem Ersten Strafsenat des Obersten Gerichts in Ost-Berlin stattgefunden hatte. Damals beschuldigte die Generalstaatsanwaltschaft der DDR den Hamburger Fabrikanten Herbert Latinsky und den West-Berliner Industriekaufmann Hermann Hüttenrauch der Spionage und schweren Sabotage.

Den Kaufleuten wurde vorgeworfen, nach Absprache mit dem Bundesnachrichtendienst und dem US-Geheimdienst CIA unter anderem Pumpen mit "Störquellen" versehen und technische Dokumentationen zurückgehalten zu haben. Das Oberste Gericht verurteilte Latinsky zu lebenslanger, Hüttenrauch zu 15 Jahren Zuchthaus-Haft, ließ aber beide -- im Rahmen des mittlerweile üblichen zwischendeutschen Gefangenentransfers -- 1970 wieder frei.

Was die DDR-Justiz dazu bewogen hatte, gegen Latinsky und Hüttenrauch in aller Öffentlichkeit zu verhandeln, war vor allem die Absicht, DDR-Volk und -Management vor allzu engem Kontakt mit kapitalistischen Brüdern im Westen zu warnen.

So schrieb der damalige Oberrichter und Beisitzer des Ersten Strafsenats Friedrich Mühlberger nach dem Latinsky-Prozeß im Ost-Berliner Ökonomen-Fachblatt "Die Wirtschaft": "Es gab bei einigen Mitarbeitern eine sorglose Einstellung zu den 'biederen Geschäftsleuten' Hüttenrauch und Latinsky, und es kam dann vor, daß der 'Westdrall' das klare Erkennen der beispielsweise eingebauten Störquellen ... behinderte." Mühlbergers Forderung: "Ideologische Klarheit ist das Wichtigste."
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43345683.html

"Zumindest die propagandistische Nachbereitung der Wirtschaftsprozesse vor dem Obersten Gericht der DDR verlief nach Plan, beispielsweise nach dem Doppel-Prozess gegen die westdeutschen Geschäftsleute Hermann Hüttenrauch und Herbert F. Latinsky, denen ihre Handelstätigkeit mit der DDR als Spionage, Sabotage und Diversion im Auftrag der CIA beziehungsweise des BND zur Last gelegt wurde. Doch auch Geschäftspartner auf DDR-Seite gerieten ins Visier der Stasi und schließlich in Haft. In einem Brief des Generalstaatsanwalts Dr. Streit an den Vorsitzenden des Ministerrates Willi Stoph vom 24.10.1967 werden nicht nur die Anklagepunkte, der Prozessverlauf und das Strafmaß (15 Jahre Zuchthaus sowie Lebenslänglich) erläutert, sondern auch eine "Reihe von sehr wesentlichen Mängeln in der Arbeit dieser Außenhandelsorgane" festgestellt, die die »Schädlingstätigkeit« der beiden verurteilten Westdeutschen ermöglicht hatten.

"Gemeinsam mit dem Obersten Gericht und dem Untersuchungsorgan des Ministeriums für Staatssicherheit wurde die Strafsache gegen Hüttenrauch und Latinsky in folgenden Richtungen ausgewertet [...] b) in den betroffenen Betrieben mit dem Ziel, die Zusammenhänge und Hintergründe derartiger Verbrechen aufzudecken, die Wachsamkeit zu erhöhen und im entsprechenden Zusammenwirken mit den Außenhandelsunternehmen solche Anschläge rechtzeitig zu erkennen und zu verhindern; c) vor interessierten Bevölkerungskreisen, um das System der feindlichen Anschläge zu entlarven, die Wachsamkeit zu erhöhen, das sozialistische Bewusstsein zu fördern und die Verteidigungsbereitschaft unserer Bürger zu verstärken."

Die Augenbinde der Justitia ist rot: konstruierte Anklagen und feststehende Urteilssprüche

Die Anklagepunkte waren meist die gleichen: Sabotage, Spionage, Menschenhandel und ideologische Diversion. Doch die Anklageverlesung im Prozess gegen Hüttenrauch und Latinsky macht bereits deutlich, worum es wirklich ging: Auf den ersten 20 Seiten spielen zunächst langatmig der "westdeutsche Imperialismus", "die aggressive Politik der USA und des Bonner Staates" sowie die "kapitalistischen Machtverhältnisse" die Hauptrolle, bis dann – immer noch ideologisch gefärbt – die eigentlichen Anklagepunkte vorgebracht werden. Die Angeklagten, die zuweilen unter Drogeneinfluss gefügig gemacht wurden, mussten in der Untersuchungshaft ihre Aussagen und Geständnisse nach Diktat aufschreiben und unterzeichnen. Diese Aussagen wurden ihnen im Prozessverlauf immer wieder vorgehalten, sobald sie natürlicherweise auf die kunstvoll konstruierten Anklagepunkte reagierten und sich gegen die geballte ideologische und politische Macht im Gerichtssaal zu wehren suchten.
http://suite101.de/article/politische-st...oeplitz-a93240


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#409

RE: wievieleTote gehen auf das Konto der Staatssicherheit?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.04.2014 22:17
von 94 | 10.792 Beiträge

Etwas leichter zugänglich, aber trotzdem noch 'kaltkriegerlich' genug ist das Thema auch in 'Befehdet seit dem ersten Tag' von E.Heinrich und K.Ullrich zu erlesen ...
www.zvab.com/buch-suchen/titel/befehdet/...einrich-Ullrich

Hier beschreibt @ABV die Wirkung dieses Sachbuches recht anschaulich ...
Das süße Gift der Diktatur


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#410

RE: wievieleTote gehen auf das Konto der Staatssicherheit?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.04.2014 22:30
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Mein Vater berichtet in seinen Memoieren auch von einem Fall in seinem Kombinat, in den er wegen seiner Funktion zwar eingebunden war, von den Akteuren (Kombinatsleiter u.a. Verantwortlichen) außen vor gelassen wurde, da er diese Spielchen nicht mitmachte. Da ging es um Bestechung, also bestimmte Maschinen zu kaufen an Stelle die vom Wettbewerber. Ich kann mich auch selbst noch daran erinnern, da das Gesprächsthema in der Familie war und ich schon alt genug war, um den Sachverhalt zu begreifen. Wenn ich Zeit habe, lese ich das noch mal nach. Das war zwar keine gezielte Aktion seitens westdeutscher Politik, nichtsdestotrotz war es aber trotzdem ein wirtschaftlicher Schaden für die DDR und das MfS war deshalb damit befasst.



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#411

RE: wievieleTote gehen auf das Konto der Staatssicherheit?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 22.04.2014 23:14
von passport | 2.626 Beiträge

" Die Angeklagten, die zuweilen unter Drogeneinfluss gefügig gemacht wurden, mussten in der Untersuchungshaft ihre Aussagen und Geständnisse nach Diktat aufschreiben und unterzeichnen."


Waren nach 1990 alles Helden !

Die Krankenakten der UHA sind vollständig vorhanden. Komisch, behauptet wurde viel, bewiesen nichts.

Da gab es Anfang 1990 noch so einen psychiatrischen (An oder Un)Fall eines bekannten sächsichen Politiker der nach Höheren strebte !

Wer erinnert sich noch an Heinz Eggert ?

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13680437.html


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zuletzt bearbeitet 22.04.2014 23:15 | nach oben springen

#412

RE: wievieleTote gehen auf das Konto der Staatssicherheit?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 23.04.2014 00:10
von turtle | 6.961 Beiträge

Sabotage gegen die DDR habe ich bei Google eingegeben. Da wird man reichlich fündig. Ist sehr interessant da mal zu lesen.

Erinnere noch als die Kampagne gegen "Westsender" von Radio oder Fernsehen war. Der ist vom Krieg noch nicht geheilt der Ochsenkopf und Rias peilt. Propaganda egal von wem, verfehlt nie ganz ihre Wirkung.


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#413

RE: wievieleTote gehen auf das Konto der Staatssicherheit?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 23.04.2014 00:15
von andy | 1.198 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #408

Danke Andy, ich werde das mal durchackern. ist aber viel "Kalte-Krieger-Deutsch" . Nur kurz zu dem benannten Beispiel Latinsky.
"So erklärte der Angeklagte Latinsky vor dem OG, daß er mit
seinen verbrecherischen Handlungen zur Schädigung der Volkswirtschaft
der DDR einen Beitrag zur Wiedervereinigung im
Sinne der imperialistischen Ordnung in Westdeutschland leisten
wollte."

Dagegen stelle ich mal das hier:
"Mit ihrem Urteil weckten die Hallenser Richter Erinnerungen an ein Verfahren, das 1967 vor dem Ersten Strafsenat des Obersten Gerichts in Ost-Berlin stattgefunden hatte. Damals beschuldigte die Generalstaatsanwaltschaft der DDR den Hamburger Fabrikanten Herbert Latinsky und den West-Berliner Industriekaufmann Hermann Hüttenrauch der Spionage und schweren Sabotage.



Natürlich ist da viel "Kalte-Krieger-Deutsch" drin, die Diss ist von 1971 - da war der Krieg gaaaanz kalt.

Wenn wir uns aber auf die Fakten konzentrieren und die Ideologie und deren Umsetzung in Gerichtsverfahren in der DDR weglassen bleibt eines Fakt:

Es wurde von westdeutscher Seite versucht, die DDR ökonomisch zu schwächen - ich glaube, auf diese Tatsache können wir uns einigen.

Wie soll ein junger Staat, dessen Hohheitsgebiet im Krieg zerstört wurde, der kaum über natürliche Ressourten verfügt und dann auch noch regelrecht ausgeplündert (Reparationen) wird auf solche Angriffe reagieren?

Natürlich greift er sich jeden, den er kriegen und dem er die entsprechenden Untaten nachweisen kann.
Diese Form der Gegenwehr im damaligen kalten Krieg halte ich für vollkommen legitim

Die politische Motivation der Urteile stehen auf einem anderen Blatt, aber auch das hat was mit dem Selbsterhaltungstrieb des jungen Staates DDR zu tun.

Die DDR hatte keinen Marshall-Plan und musste finanziell fast ganz allein zurechtkommen - sich in dieser Situation vor der Übervorteilung von westlicher Seite zu schützen - will man der DDR das heute wirklich ernsthaft vorwerfen?

Wie auch immer durch die DDR-Organe aufgedeckte Wirtschaftsdelikte politisch zu beurteilen sind, sie führten in der Regel zu einem ökonomischen Nachteil für die DDR - damit waren sie aus Sicht der DDR ein Verbrechen und dann waren die Schuldigen in Form des Staates der BRD auch schnell gefunden - ob sie wirklich schuldig waren spielte keine Rolle, schließlich wollten (oder hatten) sie (die BRD) es ja auch nicht verhindert.

Ich bin fest davon überzeugt, dass die umfassende Wahrheit über die deutsch - deutsche Geschichte erst dann herauskommen wird, wenn auch der zweite Teil des heute gemeintschaftlichen Archives "Deutschland (DDR) nach 1945-1990" (oder wie es auch immer heisst) freigegeben wird.

Im Kampf der Systeme war die amerikanisierte Bundesrepublik in meinen Augen bestimmt nicht der Saubermann in der Auseinandersetzung der politischen Systeme. Die DDR war's natürlich auch nicht - wie sollte sie auch?

andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
DoreHolm, Damals87 und hexenmeister67 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#414

RE: wievieleTote gehen auf das Konto der Staatssicherheit?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 23.04.2014 02:01
von frank | 1.753 Beiträge

Zitat von ek40 im Beitrag #385
Zitat von frank im Beitrag #383
quote=ABV|p348808]@frank: im Interesse einer vernünftigen Diskussion möchte ich dich dringend um mehr Sachlichkeit bitten! Auch wenn du dich noch so sehr ärgerst.
An alle: Das Problem in diesem Thema liegt meiner Meinung darin, dass niemand in der Lage ist die Fragen nach den " Toten auf dem Konto des MfS" wirklich zu beantworten. Wie auch? Das können höchstwahrscheinlich nur sehr wenige. Und die sind nicht hier im Forum. Ich fürchte, dass sie ihr Insiderwissen eines Tages mit ins Grab nehmen werden. Während sich die Nachwelt weiter in den Haaren liegt.
Ein weiteres grundsätzliches Problem in dieser Diskussion sehe ich in den oftmals ganz sicher unbewusst vorgetragenen pauschalen Anschuldigungen gegen das MfS. Logisch, dass sich dann alle ehemaligen MfS-Mitarbeiter angesprochen fühlen. Logisch und menschlich verständlich, dass nicht jeder jeden Tag in der Lage ist, darauf sachlich zu reagieren.
Warum sollte jemand der während seines Dienstes Politiker beschützte oder Reisepässe kontrollierte, sich für Dinge verantworten von denen er damals nicht einmal die leiseste Ahung hatte?
Genauso kann man aber auch fragen, warum ein MfS-Mitarbeiter, der sich während der Dienstzeit nichts hat zu Schulden kommen lassen, etwaige Sauereien noch heute verteidigt? Denn das Sauereien passiert sind, steht doch außer jedem Zweifel!
Und jetzt noch einmal zu @frank:
Du hattest ja die Verantwortung von GT, VP und ABV angesprochen: Abgesehen davon, dass ein ABV gleichzeitig VP-Angehöriger war, kann ich dir sagen, dass es schon immer meine Meinung war, dass das MfS nicht das einzige Staatsorgan der DDR war. Egal ob Zoll, Armee, Polizei und MfS, wir waren alle Diener ein und des selben Herren. Und zwar der SED!
Ich war als die DDR unterging noch sehr, stand erst am Anfang meiner beruflichen Karriere. Aber so viel habe ich schon mitbekommen: das Verhältnis zwischen VP und MfS war in der Praxis weitaus enger und vertrauter, als man es seit den "Wendetagen" der Öffentlichkeit erfolgreich vorgaukelte. Es gibt noch viele Dinge, die der Aufarbeitung harren.
Die beinahe ausschließliche Fixierung auf das MfS und die von vielen Verantwortlichen reflexartig vorgetragene Ausrede " was sollte ich denn anderes machen, dass hat die Staatssicherheit so angewiesen", hat zu einer teilweise verzerrten Darstellung der Wirklichkeit geführt. Da kann ich deine Verärgerung darüber voll verstehen!
Obwohl man das nicht wirklich miteinander vergleichen kann: aber manchmal erinnert mich dieses Verhalten an Aussagen ehemaliger Wehrmachtsoffiziere nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Anstatt sich zu eigener Verantwortung zu bekennen, zeigte man mit Fingern auf die SS. " Seht her, da stehen die Bösen. Wir aber sind die Saubermänner".
Obwohl die "Saubermänner" genügend Dreck am Stecken hatten.

Gruß an alle
und noch einen schönen Ostermontag
Uwe


stimme ja deinem betrag im grossen und ganzem zu .
habe in meinen beiträgen immer erwähnt : wer sich damals einer straftat schuldig gemacht hat, muss auch die konsequenzen dafür tragen.
mir ist schon bewusst das in der heutigen medienlandschaft das ehemalige mfs nicht den besten stand hat ,aber man sollte doch ein bischen
weniger pauschalisieren ?
man könnte auch so eine standpauke anderen usern mal halten , die immer mit ausgestrecktem finger auf gewisse gruppen deuten und sie verleumderischer weise als verbrecher schergen und nazis , direkt oder indirekt , betiteln ??
wer behauptet das mfs wäre eine verbrecherorganisation gewesen hat nicht nur keinerlei ahnung sondern bezichtigt damit alle dort damals dienenden,
dieser straftat.
hiergegen werde ich immer mein veto einlegen ob es manchen passt oder nicht .
ich war weder damals noch heute kein verbrecher und habe weder damals noch heute kein dreck am stecken .




Aha,also warst Du nach eigenem Bekunden doch einer........?
Teutsche Sprache,schwere Sprache......[/quote]

nun , vielleicht hätte ich es ebenso wie du farblich markieren sollen damit es auch jeder versteht , sorry mein Fehler .
deutsche Rechtschreibung und Grammatik :1 , zwischen den Zeilen lesen :5 setzen .
wir sind hier nicht mehr in der schule , die Themen sind zu ernst um durch solche Ablenkungsmanöver die rein gar nichts mit dem Thema zu tun haben , sich schulterklopfen von anderen Usern zu erschleimen .



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#415

RE: wievieleTote gehen auf das Konto der Staatssicherheit?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 23.04.2014 02:42
von frank | 1.753 Beiträge

Zitat von B208 im Beitrag #384
@frank
wenn wir die bösewichter und schergen der ehemaligen ddr waren und heute noch sind , die das volk damals geknebelt haben , sollte man auch die jenigen nicht vergessen die jenen staat gewollt oder nicht an den grenzen verteidigt haben ?(gt ,vopos ,abv, ect.) ?
es gibt bestimmt viele hier die um ausreden nicht verlegen sind???


Hast Du Informationen wieviele Objekte der Grenztruppen Ende '89 Anfang '90 von Bürgern der DDR gestürmt und besetzt wurden und wenn ja , warum ?

Oder wer von den zu der Zeit diensttuenden Angehörigen der Grenztruppe kann davon berichten , dass seine Grenzkompanie von Bürgern der DDR besetzt wurde ?


es gab auch westliche Geheimdienste oder ?
dreimal darfst du raten wohin man sein Fokus und das der Bevölkerung lenkt , bestimmt dahin wovon dieser am meisten profitieren kann .
würde jeder Geheimdienst dieser Welt bei Auflösung eines seiner Kontrahenten genauso machen .
zu ddr -Zeiten waren das nun mal die kds ,bvs und die zentrale in der ruschestrasse und nicht das was man ja sowieso schon kannte : irgendeine grenzkompanie .
ist bestimmt nicht das was du dir auf deine frage erhofft hast , man muss auch mal mit etwas weniger zufrieden sein , denn mehr wird es zumindest von mir nicht geben ( punkt ).



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#416

RE: wievieleTote gehen auf das Konto der Staatssicherheit?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 23.04.2014 06:22
von Schuddelkind | 3.507 Beiträge

Zitat von andy im Beitrag #413


Natürlich ist da viel "Kalte-Krieger-Deutsch" drin, die Diss ist von 1971 - da war der Krieg gaaaanz kalt.

Wenn wir uns aber auf die Fakten konzentrieren und die Ideologie und deren Umsetzung in Gerichtsverfahren in der DDR weglassen bleibt eines Fakt:

Es wurde von westdeutscher Seite versucht, die DDR ökonomisch zu schwächen - ich glaube, auf diese Tatsache können wir uns einigen.

Wie soll ein junger Staat, dessen Hohheitsgebiet im Krieg zerstört wurde, der kaum über natürliche Ressourten verfügt und dann auch noch regelrecht ausgeplündert (Reparationen) wird auf solche Angriffe reagieren?

Natürlich greift er sich jeden, den er kriegen und dem er die entsprechenden Untaten nachweisen kann.
Diese Form der Gegenwehr im damaligen kalten Krieg halte ich für vollkommen legitim

Die politische Motivation der Urteile stehen auf einem anderen Blatt, aber auch das hat was mit dem Selbsterhaltungstrieb des jungen Staates DDR zu tun.

Die DDR hatte keinen Marshall-Plan und musste finanziell fast ganz allein zurechtkommen - sich in dieser Situation vor der Übervorteilung von westlicher Seite zu schützen - will man der DDR das heute wirklich ernsthaft vorwerfen?

Wie auch immer durch die DDR-Organe aufgedeckte Wirtschaftsdelikte politisch zu beurteilen sind, sie führten in der Regel zu einem ökonomischen Nachteil für die DDR - damit waren sie aus Sicht der DDR ein Verbrechen und dann waren die Schuldigen in Form des Staates der BRD auch schnell gefunden - ob sie wirklich schuldig waren spielte keine Rolle, schließlich wollten (oder hatten) sie (die BRD) es ja auch nicht verhindert.

Ich bin fest davon überzeugt, dass die umfassende Wahrheit über die deutsch - deutsche Geschichte erst dann herauskommen wird, wenn auch der zweite Teil des heute gemeintschaftlichen Archives "Deutschland (DDR) nach 1945-1990" (oder wie es auch immer heisst) freigegeben wird.

Im Kampf der Systeme war die amerikanisierte Bundesrepublik in meinen Augen bestimmt nicht der Saubermann in der Auseinandersetzung der politischen Systeme. Die DDR war's natürlich auch nicht - wie sollte sie auch?

andy


Andy, ich glaube wir stimmen in dem Punkt überein, dass man alles, was kurz nach dem Krieg bis in die 50/60er Jahre passierte, unter den Gesichtspunkten des Kampfes der Systeme sehen muss. Allerdings fällt es mir manchmal schwer, die Wahrheit hinter all der Propaganda in Ost und West zu entdecken. Geschenkt haben sich beide Seiten damals nichts. Völlig richtig ist, das die DDR einen weitaus schwierigeren Start hatte! Des Pudels Kern liegt für mich aber darin, dass die DDR sich relativ früh als eigenständiger Staat sah, während die BRD dies immer kategorisch abgelehnt hat und auf Wiedervereinigung, natürlich in ihrem Sinne, programmiert war. Das konnte natürlich von der SED-Führung nur in dem Sinne interpretiert werden, das ihr Staat liquidiert werden sollte. Dazu wurde alles herangezogen und notfalls auch verbogen, was diese These stützen konnte. Ich bin in diesem Zusammenhang über den in der Dissertation genannten Forschungsbeirat und den "Grauen Plan" gestolpert. Ehrlich gesagt, war mir die Existenz eines solchen völlig unbekannt. Soll mal einer sagen, das Forum bildet nicht ! Die Geschichte erscheint mir wichtig, da die Sache gern als These herhalten muss, die BRD hätte von Anbeginn die Liquidation der DDR mit allen Mitteln im Auge gehabt. Ich werde heute Abend mal was dazu schreiben, aber erst mal muss ich ein bischen im kapitalistischen Sklavensystem anschaffen gehen . Bis denne,
LG Schuddel


Intellektuelle spielen Telecaster
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#417

RE: wievieleTote gehen auf das Konto der Staatssicherheit?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 23.04.2014 17:02
von RudiEK89 | 1.949 Beiträge

Zitat von passport im Beitrag #411
" Die Angeklagten, die zuweilen unter Drogeneinfluss gefügig gemacht wurden, mussten in der Untersuchungshaft ihre Aussagen und Geständnisse nach Diktat aufschreiben und unterzeichnen."


Waren nach 1990 alles Helden !

Die Krankenakten der UHA sind vollständig vorhanden. Komisch, behauptet wurde viel, bewiesen nichts.

Da gab es Anfang 1990 noch so einen psychiatrischen (An oder Un)Fall eines bekannten sächsichen Politiker der nach Höheren strebte !

Wer erinnert sich noch an Heinz Eggert ?

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13680437.html


passport


Das war mein zweiter Innenminister in Sachsen. Er löster Peter Michael Distel ab. Eigentlich war er gut drauf, hat sich um die Belange der "Kleinen" gekümmert und die "Großen"
zusammen gestaucht. Für mich fiel er einem Rufmord zum Opfer, weil er für die "Kleinen" unterstützte.

Andreas


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#418

RE: wievieleTote gehen auf das Konto der Staatssicherheit?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 23.04.2014 19:07
von ABV | 4.202 Beiträge

Heinz Eggert, so hieß der frühere Innenminister, fungierte ab Mai 1990 als Landrat von Zittau. Bereits in dieser Zeit machte sich der ehemalige Pfarrer eine Menge Feinde. Der Beiname " Pfarrer Gnadenlos" kam nicht von ungefähr. Als eines seiner ersten Amtshandlungen entließ Eggert alle Abteilungsleiter des Landratsamtes, das kurz zuvor noch " Rat des Kreises" hieß. Die entlassenen Abteilungsleiter klagten sich gerichtlich wieder in den Dienst zurück, wurden jedoch am Tage ihrer Rückkehr von Eggert sofort wieder des Amtes verwiesen.
Man kann sich darüber streiten, ob und in wie weit solch eine rigorose Handlungsweise überhaupt gerechtfertigt war. Zumal hier eine pauschale Verurteilung des gesamten Führungspersonals der Zittauer Kreisverwaltung, ohne Prüfung des Einzelfalls, erfolgte.
Später, als Innenminister, soll sich Eggert übrigens weit weniger rigoros verhalten haben. Meines Wissens nach stolperte er über eine Affäre:

Am 19. Juni 1995 ließ er sich auf eigenen Wunsch beurlauben, nachdem männliche Mitarbeiter Vorwürfe wegen sexueller Belästigung erhoben hatten. Eggert wies alle Vorwürfe zurück, beantragte eine Untersuchung und erstattete später selbst Anzeige, die aber von der Staatsanwaltschaft nicht weiter verfolgt wurde, da kein begründeter Anfangsverdacht vorlag. Er konnte jedoch nicht verhindern, dass dieser Vorfall ein großes Medienecho fand und Gerüchte über eine angebliche Bisexualität verbreitet wurden.[8] Schließlich trat Eggert am 10. Juli 1995[3] als Innenminister zurück, legte seine Parteiämter nieder, behielt aber sein Mandat im Landtag.

Aus der CDU wurden auch Stimmen laut, gegen Eggert sei aus den eigenen Reihen eine gezielte Kampagne inszeniert worden, um den Seiteneinsteiger ins politische Abseits zu befördern. Im August 1995 erklärte Kurt Biedenkopf vor der CDU-Landtagsfraktion, Eggert sei „Opfer einer infamen Intrige ehemaliger Mitarbeiter“ gewesen.[9] Eggert selbst hält es für eine ursprünglich persönliche Aktion, die politisch genutzt wurde.[10][5]


Quelle. Wikipedia

Gruß Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


RudiEK89 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#419

RE: wievieleTote gehen auf das Konto der Staatssicherheit?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 23.04.2014 20:42
von Schuddelkind | 3.507 Beiträge

Um den Faden wieder aufzunehmen.........
In der Dissertation heißt es: "Die vom Forschungsbeirat ausgearbeiteten
Analysen zur Struktur und zur Entwicklung der Volkswirtschaft
der DDR, sind zugleich Basismaterial für die imperialistischen
Geheimdienste, für die Bonner staatlichen Organe
und für feindliche Organisationen und Einrichtungen sowie Leitungen
von Konzernen und Wirtschaftsunternehmen zur Organisierung
und Durchführung einer zielgerichteten wirtschaftlichen
Störtätigkeit gegen die Volkswirtschaft der DDR. Mittels der
wirtschaftlichen Störtätigkeit soll die im "Grauen Plan" entwickelte
Konzeption zur Liquidierung der DDR und die Annexion
vorbereitet werden."

Ich habe nun nach Quellen über den Forschungsbeirat gesucht und bin auf dies hier gestoßen, wobei man der Linken nicht unterstellen kann, sie wären reaktionäre Kräfte. Ich versuche den Text kurz zu halten, was aber schwierig ist.

Was war der Forschungsbeirat?
"Auf Erlass des "Ministeriums für gesamtdeutsche Fragen" wurde am 24. März 1952 in Bonn der Forschungsbeirat für Fragen der Wiedervereinigung Deutschlands konstituiert. Er erhielt den Status eines der Bundesregierung zur Seite gestellten selbständigen Organs. Der Forschungsbeirat setzte sich aus Wissenschaftlern und "Fachkennern der sowjetzonalen Verhältnisse" zusammen, wie es in den Presseverlautbarungen hieß. Er wurde durch Vertreter der Bundestagsparteien - außer der KPD -, der Wirtschaft, der Gewerkschaften und einige Bundestagsabgeordnete ergänzt. Zugleich entstand ein "interministerieller Ausschuss für gesamtdeutsche Fragen". Zur Spezifik der Aufgaben der beiden Gremien hieß es im "Gründungsprotokoll": "Während der Forschungsbeirat mit Sitz in Berlin die Aufgabe habe, für das Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen sowie die einzelnen Fachressorts Gutachten, Stellungnahmen und Pläne über wirtschaftliche Maßnahmen nach der Wiedervereinigung auszuarbeiten, diene der interministerielle Ausschuss der Koordinierung der von den einzelnen Ressorts erarbeiteten Maßnahmen. [Geheimes Protokoll der Staatsekretär-Besprechung vom 21.4.1952, in: INFORMATIONEN über die imperialistische Ostforschung, Berlin 1965, H. 4, S. 45.] "

Worum ging es?

"1953 legte der Forschungsbeirat seinen Ersten Tätigkeitsbericht vor, der schon deutlich zu erkennen gab, worum es dem Forschungsbeirat nach dem "Tag X", dem Tag der Wiedervereinigung, ging:

1. Es müsste "in einer großen Anzahl von Fällen der sofortige Ersatz der bisherigen Betriebsleitungen erfolgen". Die "neuen Betriebsleitungen" sollten aus solchen Personen bestehen, gegen deren "politische Zuverlässigkeit" [Ebenda, S. 24 f.] keine Bedenken bestünden. Die Auswahl sei von den zuständigen Ministerien vorzunehmen. In solchen volkseigenen Betrieben, wo eine sofortige oder baldige Reprivatisierung möglich sei, sollten die ehemaligen Eigentümer mit der Leitung beauftragt werden.

2. Die Bodenreform sollte "nicht unter dem Gesichtspunkt einer Restauration der alten Eigentumsverhältnisse revidiert werden". [Ebenda, S. 21 f.]

3. Liquidierung des staatlichen Handels. Private Händler sollten "ihre Tätigkeit im Rahmen ihrer Zulassung sofort aufnehmen." [Ebenda, S. 22.]

Zur Förderung der vorgesehenen Reprivatisierung sah der Forschungsbeirat gezielte wirtschaftliche Maßnahmen vor: eine besondere Belieferung mit Rohstoffen, Subventionen, besondere Verkehrstarife, Steuererleichterungen und Sonderkredite. Der "Telegraf" spekulierte mit einem "konzentrierten Einsatz" von zunächst einer Milliarde DM. [Telegraf, Berlin, 11.8.1953.] Erhofft wurde davon ein "schockartiger Aufstieg". [Ebenda, S. 22.]

Ganz wichtig erscheint mir dieses:
" Wir sehen also, dass es dem Forschungsbeirat mit seinem Sofortprogramm des Jahres 1953 hauptsächlich darum ging, auf dem Territorium der DDR die Besitz- und Machtstrukturen der Bundesrepublik durchzusetzen. Um dies möglichst sicher erreichen zu können, war er bereit, taktische Konzessionen zu machen. Diese bestanden vor allem in der Anerkennung der Bodenreform, dem Verzicht auf eine schlagartige Reprivatisierung der VEB, der Gewährung bestimmter sozialer Zugeständnisse und einer Berücksichtigung der Stimmung der Bevölkerung. Dem Forschungsbeirat war klar, dass es für den vorgesehenen Vorgang kein geschichtliches Beispiel gab, auf das als Vorbild zurückgegriffen werden konnte. Er warnte davor, nach der Wiedervereinigung "chaotische Zustände" entstehen zu lassen, weshalb auch auf eine "Ent-SED-isierung" zu verzichten sei. Die Warnung vor einem Chaos wurde immer wieder mit Befürchtungen verbunden, dass dadurch die gesellschaftlichen Verhältnisse der Bundesrepublik erschüttert werden könnten. Bestrafungen von DDR-Bürgern sollten nur bei Vorliegen krimineller Handlungen erfolgen. Der Eindruck einer "Kolonisierung vom Westen" müsse vermieden werden. Als größte Gefahr sah der Forschungsbeirat das Entstehen einer Massenarbeitslosigkeit an. Da die Wirtschaft in der Umbauphase vor dem Konkurrenzdruck aus dem Westen geschützt werden musste, warnte der Forschungsbeirat vor der sofortigen Übernahme der westdeutschen D-Mark.

Ehrlich gesagt, im Hinblick auf die erfolgte Wiedervereinigung, bin ich beindruckt von der Weitsichtigkeit der damaligen Akteure. Man hätte das zur Wendezeit wieder ausbuddeln müssen!

Wie ging es weiter?
"Nach den Maßnahmen der DDR vom 13. August 1961 setzte der Forschungsbeirat hinter seine Arbeit erstmals ein Fragezeichen. Im Februar 1962 gipfelte die Frage von Johann Baptist Gradl, Vorsitzender des Forschungsbeirates, darin, ob es noch einen "realen Sinn hätte", wenn heute "für eine Illusion" geforscht und geplant würde. [Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung, Bonn, Nr.30, vom 13.2.1962, S.258.]Aber erst im Zuge der Entspannungspolitik in der ersten Hälfte der 70er Jahre stellte der Forschungsbeirat 1974/75 sang- und klanglos seine anachronistisch gewordene Arbeit ein. "

Auch nett,,,,,,,,,,
"Auch Helmut Kohl hatte den Bundesbürgern die Bezahlung der Kosten der Einheit aus der Portokasse versprochen. Heute wissen alle, dass das eine Lüge war. Über zwei Jahrzehnte nach der Herstellung der deutschen Einheit werden die Deutschen in West und Ost noch immer mit einer Sondersteuer, dem Solidaritätszuschlag, belastet, auch weil Kohl die Warnungen des Forschungsbeirates missachtet hatte. Den Ostdeutschen wurde eine langandauernde Massenarbeitslosigkeit zugemutet, die heute allerdings durch statistische Kosmetik mühsam zu kaschieren versucht wird. Die Angleichung der Löhne und Renten verschob die politische Klasse auf den Sankt-Nimmerleins-Tag. "

Schlussbetrachtung:
"Der Forschungsbeirat war 1952 gegründet worden, um von der Spaltungspolitik der Regierung Konrad Adenauers abzulenken. Am 10. März 1952 hatte die sowjetische Regierung in einer Note die Wiedervereinigung Deutschlands auf dem Wege freier Wahlen angeboten und in weiteren Noten alle vom Westen gewünschten Modifizierungen akzeptiert. Damals ging es der Regierung Adenauer aber um die Westintegration der Bundesrepublik durch den Generalvertrag und den Beitritt zur Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG).

Dass das eine Entscheidung gegen die Wiedervereinigung war, sollte vor den Deutschen in Ost und West verschleiert werden. Der Forschungsbeirat hatte die Illusion zu nähren, in Bonn werde eine Wiedervereinigungspolitik betrieben. Keineswegs war der Forschungsbeirat ein "Planungsstab für eine Aggression", der "graue Pläne" für den "Tag X" ausarbeitete, wie damals in der DDR behauptet wurde. Gleichwohl trugen seine Ausarbeitungen und ihre umfangreiche propagandistische Nutzung in den 50er- und 60er Jahren zweifellos einen dezidiert antikommunistischen Charakter."


Zusammengenommen kann ich die in der Dissertation dargelegten "Tatsachen" über den Forschungsbeirat nur als aller tiefste Propaganda vor dem Hintergrund zweier Systeme, die sich bis auf's Messer bekämpften, abtun.
Quelle: http://www.die-linke.de/partei/zusammens...-deutschlands/


Intellektuelle spielen Telecaster
zuletzt bearbeitet 23.04.2014 20:44 | nach oben springen

#420

RE: wievieleTote gehen auf das Konto der Staatssicherheit?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 23.04.2014 21:04
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Ähnlich Pläne muß es auch in der DDR gegeben haben. Mein Vater erzählte mir einmal, daß es da Diskussionen gab, wie die privatwirtschaftlichen Betriebe, zumindest die Großbetriebe, personell geleitet werden könnten und daß dafür nicht genug fähige Leitungskader zur Verfügung standen. War zwar alles auch sehr spekulativ, aber Ende der 50er/Anfang der 60er gab es tatsächlich noch Vorstellungen und den Glauben daran, daß der Kapitalismus mittelfristig abgewirtschaftet hat. Zur Wende war es ja kein eigentliches Problem für die BRD mit einem Mehrfachen der Bevölkerung, mehr oder auch weniger geeignete und fähige Fachleute in unsere Betriebe und Institutionen zu schicken. Für die personell wesentlich kleinere DDR wäre das in großem Stiel schier nicht möglich gewesen.

Schuddel, warum soll das allertiefste Propagande gewesen sein, was Prof. Prokop schrieb ? Ich denke schon, daß seine Forschungsergebnisse im Wesentlichen der Realität entsprechen. Ich kann da keine Hetze, weder von drüben noch von hier entdecken, nur eine nüchterne Betrachtung undn Tatsachendarstellung von beiden Seiten.



zuletzt bearbeitet 23.04.2014 21:08 | nach oben springen


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