#1

als Flüchtling zu Besuch

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.03.2014 14:00
von Lutze | 8.039 Beiträge

viele sind nach dem Mauerbau in die Bundesrepublik
und nach West-Berlin geflüchtet,
Anfang der 70ziger Jahre durften diese Flüchtlinge
straffrei zu Besuch in die DDR reisen,
den Sinn verstehe ich nicht,es waren aus DDR-Sicht Kriminelle,
warum durften diese Flüchtlinge in die DDR reisen,
wo andere wegen versuchter Republikflucht ihre Strafe absitzen mußten?
gruß Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#2

RE: als Flüchtling zu Besuch

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.03.2014 14:13
von turtle | 6.961 Beiträge

http://www.zeitklicks.de/top-menu/zeitst...000-haeftlinge/


Zum 23. Jahrestag der Staatsgründung beschloss der Staatsrat der DDR eine Amnestie für tausende von Häftlingen. Damit sollte, im Vorfeld des deutsch-deutschen Grundlagenvertrages, der gute Wille bekundet und eine friedliche Stimmung geschaffen werden.
Insgesamt wurden 32.000 Gefangene entlassen, darunter auch politische Häftlinge. Zum ersten Mal wurde offiziell zwischen kriminellen und politischen Gefangenen unterschieden. Politisch motivierte Taten wurden bis dahin genauso wie kriminelle Handlungen behandelt. Von den politischen Häftlingen wurden 2000 in die Bundesrepublik entlassen.
Auch Flüchtlinge, die bis Ende 1971 aus der DDR geflohen waren, wurden straffrei gestellt und zugleich aus der Staatsbürgerschaft der DDR entlassen. Dadurch war es solchen Flüchtlingen, die nun in der Bundesrepublik lebten, möglich, zu Besuchen in die DDR zu reisen.


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#3

RE: als Flüchtling zu Besuch

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.03.2014 14:39
von turtle | 6.961 Beiträge

Ich war einer der Betroffenen. Als ich von der Amnestie hörte erkundigte ich mich beim Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen. Die Antwort wenn ich die Genehmigung zur Einreise und Empfang eines Visums in die DDR bekomme, kann ich davon ausgehen das mir nichts passiert. Allerdings eine Garantie gibt es nicht.
Bei meiner 1.Einreise 1973 nach meiner Flucht (1968) hatte ich doch an der Grenze ein etwas mulmiges Gefühl. Die Passkontrolle kam mir wie eine Ewigkeit vor. Aber man wünschte mir eine gute Weiterreise.


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zuletzt bearbeitet 09.03.2014 14:43 | nach oben springen

#4

RE: als Flüchtling zu Besuch

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.03.2014 15:44
von RalphT | 878 Beiträge

Zitat
Bei meiner 1.Einreise 1973 nach meiner Flucht (1968) hatte ich doch an der Grenze ein etwas mulmiges Gefühl. Die Passkontrolle kam mir wie eine Ewigkeit vor. Aber man wünschte mir eine gute Weiterreise.



Ob die wussten, wen sie da vor sich hatten? Ich denke, bestimmt ja.


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#5

RE: als Flüchtling zu Besuch

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.03.2014 15:48
von damals wars | 12.192 Beiträge

Die Vereinbarung besagte, nach Egon Bahr, wer rein darf,darf auch wieder heraus. Schön das bestädigt zu bekommen.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#6

RE: als Flüchtling zu Besuch

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.03.2014 16:34
von Sperrbrecher | 1.657 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #2
Auch Flüchtlinge, die bis Ende 1971 aus der DDR geflohen waren, wurden straffrei gestellt und zugleich aus der Staatsbürgerschaft der DDR entlassen. Dadurch war es solchen Flüchtlingen, die nun in der Bundesrepublik lebten, möglich, zu Besuchen in die DDR zu reisen.

Da ich (republikflüchtig 1969) zu diesen Personenkreis gehörte und wieder ungestraft in die DDR besuchsweise einreisen durfte (und reichlich davon Gebrauch gemacht habe), würde mich mal interessieren, wodurch man erfuhr, dass man die "DDR"-Staatsangehörigkeit verloren hatte ?

Auch in meiner Stasi-Akte konnte ich keinen Hinweis darauf entdecken.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


zuletzt bearbeitet 09.03.2014 16:39 | nach oben springen

#7

RE: als Flüchtling zu Besuch

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.03.2014 13:59
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #6
Zitat von turtle im Beitrag #2
Auch Flüchtlinge, die bis Ende 1971 aus der DDR geflohen waren, wurden straffrei gestellt und zugleich aus der Staatsbürgerschaft der DDR entlassen. Dadurch war es solchen Flüchtlingen, die nun in der Bundesrepublik lebten, möglich, zu Besuchen in die DDR zu reisen.

Da ich (republikflüchtig 1969) zu diesen Personenkreis gehörte und wieder ungestraft in die DDR besuchsweise einreisen durfte (und reichlich davon Gebrauch gemacht habe), würde mich mal interessieren, wodurch man erfuhr, dass man die "DDR"-Staatsangehörigkeit verloren hatte ?

Auch in meiner Stasi-Akte konnte ich keinen Hinweis darauf entdecken.



Keine Wahlbenachrichtigung...?


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#8

RE: als Flüchtling zu Besuch

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.03.2014 14:46
von SET800 | 3.104 Beiträge

Hallo,
für welche Leute galt die Amnestie in der Praxis nicht? Für Überläufer wie Werner Stiller ooder wenn es geklappt hätte Teske wohl kaum.

Aber wo wurde der Schnitt unterhalb der "Großkalibrigen" gezogen? Was war mit Leuten die vor August 1961 z.B. nichtmilitärische Geheimnissträger waren in ziviler Vewaltung und Wirtschaft?

Hätten Kinder von den ganz "Großen" in der Praxis darauf vertrauen dürfen und können "wer rein darf darf auch raus"...

Gibt es inzwischen eröffnete Archive zu dem Komplex, aus Berlin-Hauptstadt und/oder Bonn?



zuletzt bearbeitet 10.03.2014 14:47 | nach oben springen

#9

RE: als Flüchtling zu Besuch

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.03.2014 14:46
von Gert | 12.356 Beiträge

ich gehöre auch zu diesem Kreis der Amnestierten. das war im Oktober 1972, ich seh heute noch den Köbke vor mir wie er in der ARD die Nachricht verlas, dass alle Flüchtlinge bis Stichtag 31.12.1971amnestiert sind und in die DDR ohne Strafe zu befürchten, einreisen können. Ich war genauso misstrauisch wie turtle und hab im selben Ministerium angerufen, bekam die selbe Antwort mit dem Zusatz, die Amnestie gilt nur für Flucht, wenn ich irgendein anderes kriminelles Delikt dort gemacht habe, müsste ich schon Problemen rechnen. Da ich nicht mal den Drahtzaun beschädigt hatte, konnte ich Weihnachten 1972 meine Eltern und Geschwister in Erfurt nach 7 1/2 Jahren wieder in die Arme schließen. Es war wunderbar. In dem Wohnhaus meiner Eltern wohnten Stasi Offizieren. Die fragten meine Mutter, wieso ich denn hier so auftauchen könne. Meine Mutter sagte ihnen ganz cool, da müsst ihr den Erich fragen.
In meiner Stasiakte war mit Datum November 1972 ein Vermerk, dass kein Haftbefehl mehr besteht aufgrund der vorausgegangenen Amnestie.
Die Ausbürgerung geschah als Sammelverfahren per Gesetz der DDR für alle Flüchtlinge vom 7.Oktober 1949 - 31.12.1972. Dieser Personenkreis wurde beansprucht als DDR Staatsangehörige, jedoch nur die nach dem 13.8.1961 Geflüchteten wurden vor der Amnestie und Sammelausbürgerung strafrechtlich verfolgt. So ist mir der Vorgang bekannt


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#10

RE: als Flüchtling zu Besuch

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.03.2014 14:50
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #9
ich gehöre auch zu diesem Kreis der Amnestierten. das war im Oktober 1972, ich seh heute noch den Köbke vor mir wie er in der ARD die Nachricht verlas, dass alle Flüchtlinge bis Stichtag 31.12.1971amnestiert sind und in die DDR ohne Strafe zu befürchten, einreisen können. Ich war genauso misstrauisch wie turtle und hab im selben Ministerium angerufen, bekam die selbe Antwort mit dem Zusatz, die Amnestie gilt nur für Flucht, wenn ich irgendein anderes kriminelles Delikt dort gemacht habe, müsste ich schon Problemen rechnen. Da ich nicht mal den Drahtzaun beschädigt hatte, konnte ich Weihnachten 1972 meine Eltern und Geschwister in Erfurt nach 7 1/2 Jahren wieder in die Arme schließen. Es war wunderbar. In dem Wohnhaus meiner Eltern wohnten Stasi Offizieren. Die fragten meine Mutter, wieso ich denn hier so auftauchen könne. Meine Mutter sagte ihnen ganz cool, da müsst ihr den Erich fragen.
In meiner Stasiakte war mit Datum November 1972 ein Vermerk, dass kein Haftbefehl mehr besteht aufgrund der vorausgegangenen Amnestie.
Die Ausbürgerung geschah als Sammelverfahren per Gesetz der DDR für alle Flüchtlinge vom 7.Oktober 1949 - 31.12.1972. Dieser Personenkreis wurde beansprucht als DDR Staatsangehörige, jedoch nur die nach dem 13.8.1961 Geflüchteten wurden vor der Amnestie und Sammelausbürgerung strafrechtlich verfolgt. So ist mir der Vorgang bekannt



P.S Nachtrag und Frage an PKE Leute hier, vor dem ersten Grenzübertritt an der Güst Wartha hatte ich mächtig Schiss, mehr als während der Flucht. Das Ganze wurde auch noch verstärkt durch eine irre lange Schlange, die vom Kontrollpunkt ( ungefähr beim Bahnhof Wartha) bis in die Ortsmitte Herleshausen reichte. Es dauert mehrere Stunden , bis wir an der Reihe waren. Haben die PKE Leute erkennen können, wen sie vor sich hatten, ich meine insbesondere die Tatsache dass ich einige Jahre zuvor illegal die DDR verlassen hatte ?


.
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Mahatma Gandhi
zuletzt bearbeitet 10.03.2014 14:51 | nach oben springen

#11

RE: als Flüchtling zu Besuch

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.03.2014 15:00
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #1
viele sind nach dem Mauerbau in die Bundesrepublik
und nach West-Berlin geflüchtet,
Anfang der 70ziger Jahre durften diese Flüchtlinge
straffrei zu Besuch in die DDR reisen,
den Sinn verstehe ich nicht,es waren aus DDR-Sicht Kriminelle,
warum durften diese Flüchtlinge in die DDR reisen,
wo andere wegen versuchter Republikflucht ihre Strafe absitzen muß
ten?
gruß Lutze



diese Frage ist einfach zu beantworten. Verhandlungen sind ein Geben und Nehmen. Die DDR ärgerte sich furchtbar über die Hallstein Doktrin, d.h jeder Staat der zur Bundesrepublik dipl. Beziehungen hatte, durfte dies nicht mit der DDR haben. Da die Bundesrepublik aus der Sicht vieler Länder der attraktivere deutsche Staat war, bedeutete das für die DDR "no Chance" mit anderen Staaten Botschafter auszutauschen.
Umgekehrt ärgerte sich die Bundesrepublik, dass die DDR Geflüchtete weiterhin als ihre Staatsbürger betrachtete.
Beide Parteien haben während der Verhandlungen zum Grundlagenvertrag diese jeweiligen Hindernisse fallen lassen und der Weg war frei, für die eh. DDR Bürger zu reisen und für die DDR dipl. Beziehung zu vielen neuen Staaten aufzunehmen.


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zuletzt bearbeitet 10.03.2014 15:01 | nach oben springen

#12

RE: als Flüchtling zu Besuch

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.03.2014 16:04
von damals wars | 12.192 Beiträge

Jetzt kommen sicher gleich die Beschwerden wegen dem Zwangsumtausch.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
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#13

RE: als Flüchtling zu Besuch

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.03.2014 17:11
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #12
Jetzt kommen sicher gleich die Beschwerden wegen dem Zwangsumtausch.



na ja Hartz IV Empfänger konnten sich den "Ausbeuterstaat" nicht leisten, da haste schon recht


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#14

RE: als Flüchtling zu Besuch

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.03.2014 17:19
von elster427 | 789 Beiträge

Schau in deine Akte. Ist da ein Fahndungsersuchen drin , wollte man wissen wan und wo du Einreist. Wenn nicht , dann warst du wohl uninteressant.
Jan


1981 - 1989 MfS BV Potsdam Abt, VI PKE Drewitz
1990 GT GR 44
zuletzt bearbeitet 10.03.2014 17:19 | nach oben springen

#15

RE: als Flüchtling zu Besuch

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.03.2014 17:24
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von elster427 im Beitrag #14
Schau in deine Akte. Ist da ein Fahndungsersuchen drin , wollte man wissen wan und wo du Einreist. Wenn nicht , dann warst du wohl uninteressant.
Jan



ich war uninteressant
danke für die Auskunft


.
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#16

RE: als Flüchtling zu Besuch

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.03.2014 17:58
von turtle | 6.961 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #8
Hallo,
für welche Leute galt die Amnestie in der Praxis nicht? Für Überläufer wie Werner Stiller ooder wenn es geklappt hätte Teske wohl kaum.

Aber wo wurde der Schnitt unterhalb der "Großkalibrigen" gezogen? Was war mit Leuten die vor August 1961 z.B. nichtmilitärische Geheimnissträger waren in ziviler Vewaltung und Wirtschaft?

Hätten Kinder von den ganz "Großen" in der Praxis darauf vertrauen dürfen und können "wer rein darf darf auch raus"...

Gibt es inzwischen eröffnete Archive zu dem Komplex, aus Berlin-Hauptstadt und/oder Bonn?



Aus Spiegel 1/ 1979


Auszug,

Das Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen hatte schon darauf hingewiesen, so etwa im "DDR-Handbuch" von 1975 unter dem Stichwort . Republikflucht". daß die DDR-Flüchtlingsamnestie von 1972 "sich lediglich auf das Delikt der Republikflucht" beziehe. "Taten" jedoch, so warnt das Handbuch. "die nach anderen gesetzlichen Bestimmungen mit Strafe bedroht sind und die vor, während oder nach der Flucht begangen wurden, werden von dem Strafverzicht nicht betroffen".


Lutze hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 10.03.2014 18:00 | nach oben springen

#17

RE: als Flüchtling zu Besuch

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.03.2014 18:12
von ehem. Hu | 466 Beiträge

Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #6

Da ich (republikflüchtig 1969) zu diesen Personenkreis gehörte und wieder ungestraft in die DDR besuchsweise einreisen durfte (und reichlich davon Gebrauch gemacht habe), würde mich mal interessieren, wodurch man erfuhr, dass man die "DDR"-Staatsangehörigkeit verloren hatte ?



Das geschah einfach durch die Mitteilung im Gesetzesblatt

1. Gesetz zur Regelung von Fragen zur Staatsbürgerschaft vom 16.10.1972
2. Verordnung zu Fragen der Staatsbürgerschaft der DDR vom 21.06.1982

beide sind textlich fast identisch, nur eben die unterschiedlichen Zeitpunkte der Geltung.

friedliche Grüße Andreas


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#18

RE: als Flüchtling zu Besuch

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.03.2014 19:10
von turtle | 6.961 Beiträge

Zitat von ehem. Hu im Beitrag #17
Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #6

Da ich (republikflüchtig 1969) zu diesen Personenkreis gehörte und wieder ungestraft in die DDR besuchsweise einreisen durfte (und reichlich davon Gebrauch gemacht habe), würde mich mal interessieren, wodurch man erfuhr, dass man die "DDR"-Staatsangehörigkeit verloren hatte ?



Das geschah einfach durch die Mitteilung im Gesetzesblatt

1. Gesetz zur Regelung von Fragen zur Staatsbürgerschaft vom 16.10.1972
2. Verordnung zu Fragen der Staatsbürgerschaft der DDR vom 21.06.1982

beide sind textlich fast identisch, nur eben die unterschiedlichen Zeitpunkte der Geltung.

friedliche Grüße Andreas




Ich kopiere es mal rein,
http://www.verfassungen.de/de/ddr/staatsbuergerschaft72.htm


Gesetz zur Regelung von Fragen der Staatsbürgerschaft
vom 16. Oktober 1972
§ 1. (1) Bürger der Deutschen Demokratischen Republik, die vor dem 1. Januar 1972 unter Verletzung der Gesetze des Arbeiter-und-Bauern-Staates die Deutsche Demokratische Republik verlassen und ihren Wohnsitz nicht wieder in der Deutschen Demokratischen Republik genommen haben, verlieren mit dem Inkrafttreten dieses Gesetzes die Staatsbürgerschaft der Deutschen Demokratischen Republik.
(2) Abkömmlinge der in Abs. 1 genannten Personen verlieren mit dem Inkrafttreten dieses Gesetzes die Staatsbürgerschaft der Deutschen Demokratischen Republik, soweit sie ohne Genehmigung der staatlichen Organe der Deutschen Demokratischen Republik ihren Wohnsitz außerhalb der Deutschen Demokratischen Republik haben.
§ 2. Eine strafrechtliche Verfolgung der in § 1 Abs. 1 des Gesetzes genannten Personen wegen ungenehmigten Verlassens der Deutschen Demokratischen Republik findet nicht statt.
§ 3. Der Ministerrat erläßt die zur Durchführung dieses: Gesetzes erforderlichen Rechtsvorschriften.
§ 4. (1) Das Gesetz tritt am 17. Oktober 1972 in Kraft.
(2) Entgegenstehende Rechtsvorschriften sind aufgehoben.
Das vorstehende, von der Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik am sechzehnten Oktober neunzehnhundertzweiundsiebzig beschlossene Gesetz wird hiermit verkündet.
Berlin, den sechzehnten Oktober neunzehnhundertzweiundsiebzig
Der Vorsitzende des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik
W. Ulbricht


Lutze und Sperrbrecher haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#19

RE: als Flüchtling zu Besuch

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.03.2014 19:47
von RalphT | 878 Beiträge

Moin @Gert und @turtle,

man "verabschiedet" sich aus der DDR. Nach Monaten oder Jahren der Flucht möchte man verständlicherweise seine Verwandten, Bekannten mal wiedersehen. Jetzt stellt sich die Frage: Einreisen riskieren oder lieber da bleiben wo man gerade ist. Eurer Reisedrang war anscheinend größer. Hattet Ihr auch einen Plan "B", falls das Ganze nach hinten losgeht oder frei nach dem Motto: Sekt oder Selters. Gab es ein Pro und Kontra einer Einreise. Habt Ihr die Gründe mit Verwandten, Bekannten aus dem Westen vorher diskutiert oder abgesprochen?


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#20

RE: als Flüchtling zu Besuch

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 10.03.2014 20:02
von turtle | 6.961 Beiträge

Zitat von RalphT im Beitrag #19
Moin @Gert und @turtle,

man "verabschiedet" sich aus der DDR. Nach Monaten oder Jahren der Flucht möchte man verständlicherweise seine Verwandten, Bekannten mal wiedersehen. Jetzt stellt sich die Frage: Einreisen riskieren oder lieber da bleiben wo man gerade ist. Eurer Reisedrang war anscheinend größer. Hattet Ihr auch einen Plan "B", falls das Ganze nach hinten losgeht oder frei nach dem Motto: Sekt oder Selters. Gab es ein Pro und Kontra einer Einreise. Habt Ihr die Gründe mit Verwandten, Bekannten aus dem Westen vorher diskutiert oder abgesprochen?


Bei mir war es wie bei meiner Flucht Sekt oder Selters,oder wie so oft ohne Risiko kein Gewinn.


zuletzt bearbeitet 10.03.2014 21:58 | nach oben springen



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