#1

Arbeitsbeginn

in DDR Zeiten 25.02.2014 00:04
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Was mich in der unmittelbaren Nach-Wende-Zeit irritiert hat, war, wie früh die DDR-Bürger doch ihre Arbeit aufnahmen:

Ich erinnere mich daran, dass mir einer unserer potentiellen Ost-Partner einen Termin beim Bürgermeister des Ortes vereinbart hat: Es ging vereinfacht gesagt um das Herauslösen des LKW-Bereichs aus dem VEB Kraftverkehr, zu dem ja auch noch Busse und andere Transportmittel gehörten, die für meinen Arbeitgeber, einem Logistik-Unternehmen, uninteressant waren.

Dass ich diesen Termin bekam, war völlig OK und auch notwendig: Aber: Um 07:00 h morgens!!! Das war die Uhrzeit, zu der ich im Normalfall erst aufgestanden bin, bestenfalls unterwegs im Hotel am Frühstückstisch saß. Aber eine zielorientierte Verhandlung um diese Tageszeit?? Im Westen waren Termine vor 09:00 h höchst verpönt, dort wäre niemand auf die Idee gekommen, einen Termin um 07:00 h zu vereinbaren. Zumal man zu diesem Zeitpunkt SEHR allein im Büro gewesen wäre.

Also bin ich um 05:30 h aufgestanden, habe versucht, meinen Kreislauf und mein Denkvermögen mit diversen Tassen Kaffee in Schwung zu bringen (frei nach dem Motto: "There is no life before the 2nd cup of coffee") und bin dann halbwegs wach zum Termin gefahren.

Aber Geschäftstermine vor dem Aufstehen? Nee, nicht mein Ding.


nach oben springen

#2

RE: Arbeitsbeginn

in DDR Zeiten 25.02.2014 00:14
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

7:00 Uhr ist aber schon sehr spät

Bei uns war Arbeitszeitbeginn 6:30 Uhr, wohlgemerkt im Büro! eines Industriebetriebes.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

nach oben springen

#3

RE: Arbeitsbeginn

in DDR Zeiten 25.02.2014 00:16
von Rainman2 | 5.759 Beiträge

Hallo Dandelion,

das Berufsleben in der DDR war in erster Linie nach den Familien oder Alleinerziehenden mit Kindern getaktet. Insofern war ein Arbeitsbeginn zwischen 07:00 und 08:00 Uhr durchaus normal. Bei den Grenztruppen war der Dienstbeginn 07:30 Uhr üblich. Mein extremster Fall damals: Im Autohof Ost begann die Arbeit bereits um 06:00 Uhr.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


nach oben springen

#4

RE: Arbeitsbeginn

in DDR Zeiten 25.02.2014 00:51
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Also Arbeitsbeginn auf der Werft---Frühschicht 05.00 Uhr bis 14.00 Uhr
Spätschicht 14.00 Uhr bis 23.00 Uhr
Nachtschicht 23.00 Uhr bis 05.00 Uhr
Überwiegend für den Produktionsbereich

Normalschicht 06.45 Uhr bis 16.00 Uhr

Die Arbeitszeiten enthielten 2 Pausenzeiten--1x 30 Minuten und 1x 45 Minuten---außer die Nachtschicht nur 1x 45 Minuten


nach oben springen

#5

RE: Arbeitsbeginn

in DDR Zeiten 25.02.2014 02:16
von schulzi | 1.757 Beiträge

6.00 Uhr war bei uns in der Schlosserei Arbeitsbeginn


nach oben springen

#6

RE: Arbeitsbeginn

in DDR Zeiten 25.02.2014 02:42
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Im Schichtdienst kann ich das ja absolut verstehen: 24 h : 3 ergibt nun mal 8 Stunden und ein Schichtwechsel um 06:00h, 14:00 h und 22:00 h ´war auch im Westen durchaus nomal. Aber im kaufmännischen Sektor?

Einräumen sollte ich allerdings, dass Verhandlungen mit unbestimmbaren Zeibedarf gerne auf 15:00 oder 16.00 h terminiert wurden: Open end. Und da konnte es durchaus mal 22:00 h oder später werden, bis man endlich sein Köfferchen schließen konnte.

Die längste Vehandlung, an der ich mal teilgenommen habe, ging bis morgens früh um 03:00 h, den Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden durchaus vergleichbar. Ausschlaggebend war der Wille aller Beteiligter, die Sache noch an diesem Tag (oder besser in dieser Nacht) zum Abschluss zu bringen.

Anschließend bin ich noch gute 200 km bis nach Hause gefahren: An sich völlig unveranwortlich. Ich kannte die Strecke zwar in- und auswendig, aber dennoch ist in dieser Nacht mehr die Routine als der klare Verstand gefahren. Aber ohne Zahnbürste oder Wäsche zum Wechseln noch in dieser Nacht und um diese Zeit ein Hotel zu suchen? Und ene halbe Stunde oder mehr daür zu verplempern? Nein, da bin ich lieber gefahren. Und zum Glück heil angekommen.


nach oben springen

#7

RE: Arbeitsbeginn

in DDR Zeiten 25.02.2014 03:07
von Major Tom | 851 Beiträge

Bau und Montagekombinat Ost in Potsdam, bei uns ging es wenn ich mich richtig erinnere um 6:20 Uhr los, Feierabend um 16 Uhr. Als wir Babelsberger in Schoenefeld eingesetzt wurden um dort das Simulatorgebaeude und das Buerogebaude zu bauen fuhr der Bus morgens um 5 Uhr in Babelsberg los, das hiess fuer mich jeden Tag um 4:15 Uhr aufstehen. Den besten Job hatte der Busfahrer. Morgens eine Std hin, den ganzen Tag frei und dann Abends eine Std. wieder zurueck. Heute wohl undenkbar... Als ich meinen ersten Job im Westen hatte rueckten die Akkordlaute erst nach dem Fruehstueck um 9:30 Uhr raus zur Baustelle und um 15 Uhr war immer Schluss, Freitags um 12. Da habe ich echt Baukloetzer gestaunt.


Man sollte den Kopf nicht hängen lassen wenn einem das Wasser bis zum Hals steht.
http://www.costarica-forum.net
http://directorios-costarica.com
http://www.link-team.net
nach oben springen

#8

RE: Arbeitsbeginn

in DDR Zeiten 25.02.2014 05:00
von furry | 3.569 Beiträge

In der Normalschicht betrug die wöchentliche Arbeitszeit in der DDR 43,75h, d.h. 8,75h am Tag. Dazu kamen zwei Pausen zu je 15 und 30 Minuten. Daraus ergab sich eine Gesamtzeit von 9,5 Stunden, die in meinem damaligen Betrieb in allen Bereichen (incl. Verwaltung) zwischen 6.45 Uhr und 16.15 Uhr zu leisten waren.
In Niedersachsen lief das dann etwas anders. In einem kleinen landwirtschaftlichen Versuchsbetrieb mit 5 Mitarbeitern begann die Woche am Montag um 4 Uhr, Dienstag 5 Uhr und die übrigen Tage 6 Uhr. Da wir als kleines eigenständiges Team unseren täglichen Ablauf selbst einteilen konnten, war im Sommer generell um 5 Uhr Dienstbeginn und 13 Uhr Dienstende, verbunden mit dem Vorteil, dass in der größten Hitze des Tages Ruhe in den Ställen herrschte und wir noch sehr viel von den schönen Sommertagen hatten.
Für intensiven, nächtlichen TV-Konsum waren diese Zeiten sicher weniger geeignet, uns war aber der lange arbeitsfreie Nachmittag wertvoller.
Dieser Rhythmus hat sich bei mir so stark eingebrannt, dass ich es immer noch nicht schaffe, länger als bis um 6 Uhr im Bett zu liegen.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
schulzi und werner haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#9

RE: Arbeitsbeginn

in DDR Zeiten 25.02.2014 09:16
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Ist die Wochenarbeitszeit in den Achtzigern nicht kontinuierlich gesenkt worden? Von 43,75h auf 42h und dann auf 40h, mir ist das so in Erinnerung.

Wobei die 43,75h vor Einführung der 5 Tage Arbeitswoche noch auf 6 Tage aufgeteilt wurden. Mo bis Frei volle Arbeitszeit und Sonnabends bis Mittag.
Als dann der Sonnabend, Mitte 1967?, Arbeitsfrei wurde fielen die am diesem Tag gearbeiteten Stunden nicht einfach weg, sie wurden an den anderen Wochentagen "herausgearbeitet". Es mußte also von Mo bis Frei länger gearbeitet werden.

Noch eine lustige Anekdote zum Arbeitszeitbeginn.

Anfang 1991 mußte ich im Rahmen einer Weiterbildung mit 2 Kolleginnen nach Köln. Es betraf nur uns Drei und wir sollten für drei Tage individuell geschult werden.
Aus welchen Gründen auch immer reisten wir getrennt an und da ich die ganze Sache angeschoben hatte meldete ich mich nach meiner Ankunft in Köln am späten Nachmittag in der Firma bei der für diese Schulung zuständigen Kollegin um den Termin für den anderen Tag auszumachen.
Ich schlug ihr um 9 Uhr vor, sie mir um 10 und wir einigten uns nach kurzer Begründung ihrerseits auf 10 Uhr.
Meine Kolleginnen waren noch nicht im Hotel, also hinterließ ich für sie an der Rezeption eine kurze Nachricht wann es am anderen Tag losgeht.

Als ich am späteren Abend ins Hotel zurückkehrte wurde ich von einer sichtlich irritierten Angestellten gefragt ob ich auch wie meine zwei Kolleginnen bereits um 5:30h Frühstücken möchte ...... Frühstück gab es ab 7h ......
Es stellte sich heraus, meine Kolleginnen hatten meine Nachricht nicht bekommen und wollten also nach gewohnter Manier in der Firma spätesten um 6:45h auf der Matte stehen, bereit für die Schulung.
Irgendwie gelang es mir sie davon zu Überzeugen das sie damit kein Glück haben würden und wir doch lieber zum Termin 10 Uhr dort erscheinen sollten.
So richtig haben sie es nicht eingesehen aber was sollten sie machen.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

nach oben springen

#10

RE: Arbeitsbeginn

in DDR Zeiten 25.02.2014 09:33
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von furry im Beitrag #8
r. Da wir als kleines eigenständiges Team unseren täglichen Ablauf selbst einteilen konnten, war im Sommer generell um 5 Uhr Dienstbeginn und 13 Uhr Dienstende
Für intensiven, nächtlichen TV-Konsum waren diese Zeiten sicher weniger geeignet, uns war aber der lange arbeitsfreie Nachmittag wertvoller.


Beneidenswert, solche Arbeitszeiten hätte ich auch gern gehabt. Mein Arbeitstag begann im Regelfall um 08:00 Uhr, wenn Dienstreisen anstanden gerne auch mal früher, abhängig von der Strecke oder den Flugverbindungen. Unter den Vielfliegern hatten die 06:00-h-Maschinen (vorher durfte wegen des Nachflugverbots nicht gestartet werden) einen Spitznamen: Das waren die "Red-Eye-Clipper", weil die (fast ausschließlich) Jungs dort mit vor Müdigkeit roten Augen saßen.

Offizieller Schluss war dann um 17:00 h, aber das habe ich so gut wie nie geschafft, vor 18:00 h habe ich selten das Büro verlassen: Im Logistik-Bereich gingen und gehen die Uhren immer noch anders. Aber richtig beklagt habe ich mich nie, von neidvollen Momenten mal abgesehen: Ich habe ordentlich verdient, hatte sehr viele Freiheiten und die Arbeitszeiten waren die Kehrseite der Medaille.

Neidisch wurde ich oft am Freitag: Meine Mittagspause lag in der Zeit zwischen 13:00 und 14:00 h und ich wohnte nah genug, um nach Hause zu fahren und dort zu essen. Auf dem Weg kam ich an einem großen Supermarkt vorbei und sah dort immer Familienväter mit ihren Frauen und teilweise auch Kindern, die die Wochenendeinkäufe erledigten. Die hatten Wochenende, hatten frei - und ich noch gute vier Stunden Arbeiszeit vor mir. Aber das waren nur kurze Momente, denn: Wer das Eine mag, muss das Andere mögen.


nach oben springen

#11

RE: Arbeitsbeginn

in DDR Zeiten 25.02.2014 09:33
von DoreHolm | 7.688 Beiträge

Ja, Arbeitsbeginn für Arbeiter und Angestellte Pünktlich 6.30 Uhr. Allerdings, gemeint war, 6.30 Uhr am Arbeitsplatz, aber da wurde sich erst mal umgezogen. Zu Feierabend genauso. 16.00 Uhr Feierabend, d.h. AP verlassen, aber da standen die Meisten schon gebügelt und geschniegelt hinter der Ecke und warteten auf das Klingelzeichen. Eine gleitende AZ kannten wir nicht. Da eine Prod.-Abteilung in drei-Schicht arbeitete, wäre das sowieso nicht möglich gewesen.
War für mich auch eine Umstellung, als ich ab 1990 in den Außendienst ging. Bei meinen ostdeutschen Kunden wie gewohnt, aber als ich dann auch für westd. Bundesländer zuständig war, brauchte ich i.d.R. nicht vor 9.00 Uhr vor der Tür zustehen. In den 90ern und auch noch kurz nach der Jahrtausenwende bin ich i.d.R. 7.00 Uhr im Hotel/Pension aufgestanden, 7.30 Frühstück und dann gegen 8.00 Uhr ab. Da ich oft noch etliche Kilometer zu fahren hatte, war es dann auch etwa 9.00 Uhr, als ich beim Kunden war. In den letzten Jahren, auch aus den Kenntnissen, wie ruhig es meine westdeutschen Kollegen angehen, habe ich das Aufstehen noch mal um eine halbe Stunde nach hinten verschoben, also erst 8.00 Uhr Frühstück. Allerdings, wie das bei Außendienstern meist so ist, erfolgte ein Teil der Büroarbeit dann abends im Hotel manchmal bis gegen 22.00 Uhr.



nach oben springen

#12

RE: Arbeitsbeginn

in DDR Zeiten 25.02.2014 09:46
von furry | 3.569 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #10
Zitat von furry im Beitrag #8
r. Da wir als kleines eigenständiges Team unseren täglichen Ablauf selbst einteilen konnten, war im Sommer generell um 5 Uhr Dienstbeginn und 13 Uhr Dienstende
Für intensiven, nächtlichen TV-Konsum waren diese Zeiten sicher weniger geeignet, uns war aber der lange arbeitsfreie Nachmittag wertvoller.


Beneidenswert, solche Arbeitszeiten hätte ich auch gern gehabt. Mein Arbeitstag begann im Regelfall um 08:00 Uhr, wenn Dienstreisen anstanden gerne auch mal früher, abhängig von der Strecke oder den Flugverbindungen.



@Dandelion , jetzt mach ich Dich noch neidischer. Mein Weg zum Arbeitsplatz betrug nur 150 Meter. Als Leiter dieses Betriebes unterlag ich der Residenzpflicht und musste ein Einfamiliendiensthaus beziehen, das ich aber später gekauft habe.
Trotz dieser angenehmen Dienstzeiten war man immer im Dienst. Erkrankte am Wochenende ein Mitarbeiter, was sehr selten vorkam, musste sich der Chef in die Sielen werfen.
Aber alles in allem ließ es sich sehr gut arbeiten, wenn einem nicht ständig jemand auf den Hacken steht und besserwisserisch in ihm unbekannte Abläufe eingreifen will.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
nach oben springen

#13

RE: Arbeitsbeginn

in DDR Zeiten 25.02.2014 10:00
von Heckenhaus | 5.127 Beiträge

Arbeitsbeginn bei uns damals (Bau) um 7 Uhr, im Sommer gern freiwillig bereits um 6:30 Uhr, Feierabend dann um 16 bzw. 15:30 Uhr.
Hatte den Vorteil, der Tag war noch lange nicht zu Ende.
Ich hätte nie einen Job haben mögen , der erst um 18 Uhr oder noch später endet, 5 Tage die Woche ein Sklave des Jobs, ein unerträglicher
Gedanke.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
zuletzt bearbeitet 25.02.2014 10:00 | nach oben springen

#14

RE: Arbeitsbeginn

in DDR Zeiten 25.02.2014 10:18
von küche69 | 428 Beiträge

Also bei uns ging es 06.30 Uhr los und wenn mal Samstag gearbeitet werden musste war es 07.00 Uhr ausreichend. In der Grenzkompanie war 06.00 Uhr morgens Dienstbeginn, ansonsten spät 17.00 Uhr (Küche), aber man war ja immer verfügbar und es mussten ja auch andere anliegenden Arbeiten erledigt werden, es ging ja nicht nur ums Essenkochen.

Grüsse von Küche69

-----------------
'Wer nicht mit beiden Augen sieht, wird nie die ganze Wahrheit sehen!'



nach oben springen

#15

RE: Arbeitsbeginn

in DDR Zeiten 25.02.2014 11:30
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von furry im Beitrag #12

Trotz dieser angenehmen Dienstzeiten war man immer im Dienst. Erkrankte am Wochenende ein Mitarbeiter, was sehr selten vorkam, musste sich der Chef in die Sielen werfen.


Am Wochenende habe ich nur selten gearbeitet, das war mir einfach heilig. Eine Ausnahme gab es allerdings - und das gleich an 6 Wochenenden nacheinander: Wir haben damals im Rahmen eines Outsourcing-Projekts die Logistik-Abteilungen eines bedeutenden Herstellers von Heinzungsanlagen übernommen und im Rahmen eines joint-venture in eine gemeinsame Geselschaft überführt. Aus einer Vielzahl von Gründen herrschte am Anfang Chaos pur und ich war von morgens bis abends vollauf damit beschäftigt, Brände zu löschen, dafür zu sorgen, dass aus Schwierigkeiten keine echten Probleme wurden.

Meine Aufgabe bestand aber auch darin, den gesamten Transportbereich mit über 70 eigenen LKW neu zu strukturieren und nach professionellen Gesichtspunkten neu zu organisieren. Für diese konzeptionellen Arbeiten brauchte ich Zeit - und Ruhe. In der Woche ein Ding der Unmöglichkeit. Also blieb nur das Wochende. Beginnend mit einer Lernphase, in der ich den Ist-Zustand und die Abläufe analysiert habe und danach aus den gewonnenen Erkenntnissen heraus ein Soll-Konzept entwickeln konnte.

Am Ende dieser 6 Wochen ohne einen Tag Pause war ich platt wie eine Flunder, diese Zeit möchte ich für Geld und gute Worte nicht noch einmal erleben. Aber es hat sich gelohnt: Die Maßnahmen griffen und langsam, aber sicher kehrte Ruhe ein. Und damit auch weider eine halbwegs normale Arbeitsbelastung.


nach oben springen

#16

RE: Arbeitsbeginn

in DDR Zeiten 25.02.2014 11:58
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #13

Ich hätte nie einen Job haben mögen , der erst um 18 Uhr oder noch später endet, 5 Tage die Woche ein Sklave des Jobs, ein unerträglicher Gedanke.


Ach, @Heckenhaus , also so schlimm habe ich das damals gar nicht empfunden: Zum Einen war ich "unchristliche" Arbeitszeiten gewohnt. Im Transport- und Logistikbereich herrschen von je her andere Gesetze und viele meiner Bekannten haben mit ähnlichem Unverständnis reagiert, wenn ich über meine Arbeitszeiten berichtet habe. Entscheidend war, dass mir der Job sehr viel Spaß gemacht hat. Man hatte auf der einen Seite zwar reichlich Verantwortung, auf der anderen Seite aber auch die notwendigen Kompetenzen und Entscheidungsfreiheiten. Ich konnte aus eigenen Erfahrungen heraus gewonnene Ideen und Konzepte umsetzen, ohne dass mir mein Vorgesetzter dazwischengefunkt hat. Den habe ich meist nur ein- oder zweimal im Monat gesehen und dann war es eher ein gemütliches Kaffeetrinken als alles andere. Und nicht vergessen werden darf, dass auch das "Schmerzensgeld" mehr als recht ordentlich war.

Und auch meine damalige Frau hatte sich an diese langen Abwesenheiten nicht nur gewöhnt, sie hat sie akzeptiert. Am Anfang war sie fassungslos: Sie stammt aus einer Beamtenfamilie und Überstunden und noch dazu unbezahlte waren für sie ein absolutes Fremdwort. Als sie aber sah, dass dieser Einsatz auch Früchte zeigte, änderte sich das. Zumal ihr ein müder, aber zufriedener "Spätheimkehrer" lieber war als jemand, der zwar um 16:00 h zu Hause ist und mit seinem Job hadert.

Eine Kehrseite hatte die Medaille allerdings: Von den ersten Lebensjahren meines Sohnes habe ich kaum etwas mitbekommen. Wenn ich ging, schlief er noch und wenn ich nach Hause kam, war er schon wieder im Bett oder kurz davor. Das war der Preis, den ich zahlen musste, aber auch akzeptiert habe.

Würde ich mich heute nochmals so entscheiden? Ich glaube ja. Man verbringt einen Großteil seines Lebens am Arbeitsplatz und wenn ich dort unzufrieden gewesen wäre, hätte das mit Gewissheit auch Auswirkungen auf mein Privatleben gehabt. Aber zum Glück stellt sich die Frage nicht.


nach oben springen

#17

RE: Arbeitsbeginn

in DDR Zeiten 25.02.2014 12:03
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Noch mal zu Arbeitszeit---Als ich 87 im zweiten Betrieb anfing, war ich viel auf Montage. War ne schöne Zeit,meist fingen wir mit der Arbeit so gegen 8.00 Uhr an, die sich dann auch so hin zog bis manchmal 20.00 Uhr. Natürlich arbeiteten wir dadurch die Zeit rein,um früher abzureisen. Das geschah beim Einbau von Rangier und Bremstechnik auf den Rangierbahnhöfen.
Nach der Wende hatten wir dann einen Auftrag, Signalanlagen in den alten Bundesländern von Süd nach Nord zu modernisieren. War auch klasse--manchmal am Tag, in 2 bis 3 Städten oder kleinere Orte gearbeitet. Wir hatten einen Turnus, von Montag bis Montag und dann eine Woche frei. Natürlich galt auch da der 12 bis 13 Stunden Tag und wenn die vorgegebene Leistung für die Woche im Sack war, wurde ebend ein Kulturtag eingelegt. Warum sollte man auch über seine vorgegebene Leistung hinaus arbeiten. Und für wem.


nach oben springen

#18

RE: Arbeitsbeginn

in DDR Zeiten 25.02.2014 12:20
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von Rostocker im Beitrag #17
Natürlich galt auch da der 12 bis 13 Stunden Tag und wenn die vorgegebene Leistung für die Woche im Sack war, wurde ebend ein Kulturtag eingelegt. Warum sollte man auch über seine vorgegebene Leistung hinaus arbeiten. Und für wem.


Das kann ich nachvollziehen: Ohne Anreiz kein Einsatz - jedenfalls kein außergewöhnlicher. Bei mir war es aber so, dass ich am Gewinn des von mir verantworteten Bereichs beteiligt war und dann sieht die Welt schon etwas anders aus: Jedes Jahr im Mai oder Juni, wenn die Vorjahresbilanz stand, gab es einen hocherfreulichen Scheck. Natürlich nicht vergleichbar mit den Boni, die mancher Bänker heute bekommt, aber doch genug, um sich mal etwas Außergewöhnliches leisten zu können. Und so etwas motiviert durchaus, glaub mir.


nach oben springen

#19

RE: Arbeitsbeginn

in DDR Zeiten 25.02.2014 12:22
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Zitat von Rainman2 im Beitrag #3
Hallo Dandelion,

das Berufsleben in der DDR war in erster Linie nach den Familien oder Alleinerziehenden mit Kindern getaktet. Insofern war ein Arbeitsbeginn zwischen 07:00 und 08:00 Uhr durchaus normal. Bei den Grenztruppen war der Dienstbeginn 07:30 Uhr üblich. Mein extremster Fall damals: Im Autohof Ost begann die Arbeit bereits um 06:00 Uhr.

ciao Rainman


Mein lieber @Rainman2

als Mutter von 3 Kindern in der DDR und später von 4, fand ich die Gleitarbeitszeit mit Kernarbeitszeit von 9 - 15 Uhr viel entspannter, als morgens kurz nach 7 Uhr mit bösen Blicken empfangen zu werden, weil die Kinder nach dem Wecken um 5 Uhr noch nicht immer funktioniert haben und man mal wieder 5 Minuten zu spät war.

Aber wahrschlich hatte ich als der "Produktion zugeführte" die Aufmerksamkeit aller.

LG von der Moskwitschka


nach oben springen

#20

RE: Arbeitsbeginn

in DDR Zeiten 25.02.2014 12:29
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #18
Zitat von Rostocker im Beitrag #17
Natürlich galt auch da der 12 bis 13 Stunden Tag und wenn die vorgegebene Leistung für die Woche im Sack war, wurde ebend ein Kulturtag eingelegt. Warum sollte man auch über seine vorgegebene Leistung hinaus arbeiten. Und für wem.


Das kann ich nachvollziehen: Ohne Anreiz kein Einsatz - jedenfalls kein außergewöhnlicher. Bei mir war es aber so, dass ich am Gewinn des von mir verantworteten Bereichs beteiligt war und dann sieht die Welt schon etwas anders aus: Jedes Jahr im Mai oder Juni, wenn die Vorjahresbilanz stand, gab es einen hocherfreulichen Scheck. Natürlich nicht vergleichbar mit den Boni, die mancher Bänker heute bekommt, aber doch genug, um sich mal etwas Außergewöhnliches leisten zu können. Und so etwas motiviert durchaus, glaub mir.



Dem stimme ich Dir zu.
Bei uns gab es nur den Stundenlohn,die Erschwernisse, die Auslöse und die Unterkunft wurde bezahlt. Naja die Fahrzeuge stellte der Betrieb, was natürlich mächtig ausgenutzt wurde.


nach oben springen


Besucher
15 Mitglieder und 60 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: loryglory
Besucherzähler
Heute waren 1570 Gäste und 140 Mitglieder, gestern 3810 Gäste und 192 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14365 Themen und 557529 Beiträge.

Heute waren 140 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen