#41

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 10:50
von DoreHolm | 7.703 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #28
Zitat von DoreHolm im Beitrag #4
Vom DDR-System war ich zwar überzeugt, hatte aber nicht die Absicht, in die SED einzutreten und habe mich gestreubt, so lange es ging. Mein Vater wurde als staatlicher Leiter einer Firma deshalb schon einige Male gefragt, wie er denn seine Kinder erzogen hat, wenn die nicht in die SED eintreten wollen. Mein Hauptargument war immer: Wenn ich mit anderen über politische Dinge diskutiere, hat meine Stimme als Parteiloser mehr Gewicht als wenn jeder weiß, daß ich in der Parte bin und "eben so reden muß". In der GAK versuchte es mein Zugführer, aber ohne Erfolg. Erst in der GK war ich "weichgeklopft". Im Nachhinein vermute ich, daß ich bewußt so manche Schicht mit einem bestimmten Uffz auf Streife gelaufen bin, der mich entsprechend "überzeugt" hat. Eingebracht hat es mir zwei mal Sonderurlaub, um die Unterschriften für die Bürgschaft zu holen. Der Zugführer aus der GAK, der sich vergeblich bemüht hatte, war ein bischen sauer, daß er es nicht geschaft hatte, als ich ihn mal traf. Die haben also auch eine Art Zielvorgabe für die Werbung junger Genossen.
Übrigens, in der Zeit als ich BPO-Sekr. war, sagte mir eine kollegin, daß sie in die SED will. Habe das abgeblockt, weil mir ihre Gründe zu sehr zu nach Vorteilsberechnung rochen. Ich hatte auch meine "Zielvorgabe" der Werbung junger Kandidaten, die mich aber nicht interessiert hat. Wenn keiner da war, war eben keiner da.


@DoreHolm wenn du so widerwillig in die SED "geschleift" wurdest, warum hast du dann später noch zusätzlich Funktionen übernommen ? Klingt für mich nicht so überzeugend. Ich wäre dann eher auf dem Status " Mitläufer" stehen geblieben, wenn ich mich mal gedanklich auf deinen Stuhl setzen darf


Gertchen, wenn Du alles richtig gelesen hast, wirst Du bemerkt haben, daß ich durchaus überzeugt war. Ich sehe darin keinen prinzipiellen Widerspruch, von der grundsätzlichen Richtigkeit des gesellschaftlichen Weges überzeugt und trotzdem nicht in der SED zu sein. Als ich dann drin war, habe ich mich dann auch eingebracht und ich denke im nachhinein, daß ich auch ein kleines bischen was in der Firma bewegt habe, praktisch, also für die Firma und politisch, indem ich weitestgehend versucht habe, nicht hohle Phrasen zu klopfen sondern mit sachlichen Argumenten zu arbeiten. So war ich einige Jahre FDJ-Sekretär, neben den unumgänglichen Stunden des FDJ-Lehrjahres haben wir vor allem ein "frohes Jugendleben" entfaltet. Wanderungen, Radtouren, zwei mal mit dem Zelt im Harz. Da haben viele noch Jahre danach geschwärmt (bei mir hat das in meiner ersten Ehe fast zur Scheidung geführt. Ich hätt´s durchziehen sollen, aus heutiger Sicht). Daß ich auch ideologisch nicht ganz erfolglos war (habe Argumente immer versucht, an allgemein bekannten Tatsachen zu erklären), vermute ich daraus, daß so mancher, der mich zur Wende angegiftet hat, Jahre später ein ganz normaler Kollege war, mit dem man sich angenehm über Vergangenes unterhalten konnte und ich wenn ich später in die Firma kam und ein mich noch kennender Kollege/in kommt über den Hof: großes Hallo, wie gehts u.s.w. Eine Kollegin bei mir aus dem Labor, Christin, Eichsfeld, CDU-Mitglied, war dermaßen enttäusch von ihren Parteimitglieder, daß sie zeitweise sogar die PDS gewählt hatte, wie sie mir erzählte.



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#42

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 11:02
von Freienhagener | 3.869 Beiträge

Auch in diesem Zusammenhang wieder die Aussage, daß man mit Anfang 20 "nicht so schlau war".
Würde ein anderer das Demjenigen sagen, dann wär das eine Beleidigung.
Nein, ich sehe nach 10-12 Jahren Schule mit Pionierorganisation und FDJ und oft schon Armee genügend Lebenserfahrung, um sich ein eigenes Bild zu machen, unabhängig vom Offiziellen.
Dazu kommt, daß jede Jugend auch aufbegehrt und Vorhandenes in Frage stellt, insbesondere Vorschriften und Denkvorgaben - bis dahin, was man zu lieben und zu hassen hatte.
Wer hat nicht beizeiten gemerkt, daß man sich gehörig den Mund verbrennen konnte?
Auch wer nicht aufmüpfig war, kannte das. Offene Rede war immer schwierig - vorgegebene Rede schon bei den Pionieren üblich. Ich kann mir nicht vorstellen, daß jemand nicht so "schlau" war, das zu erkennen.
Eher hat man es mehr oder weniger akzeptiert - ich auch.

Deshalb bitte ich, meine Kritik als sachlich zu verstehen. Jedenfalls ist sie so gemeint.

Es war nicht der komplette Durchblick erforderlich. Den hatten tatsächlich nur Wenige.
Abgesehen vom Politischen hat man auch als Nichtmitglied mitbekommen, daß die Partei sogar das Privatleben der Mitglieder reglementierte.
Nicht nur, daß die Versammlungen Freizeit einschränkten. Selbst um Eheprobleme kümmerte sich die Partei und versuchte Beziehungen außerhalb zu verbieten. Moral hin oder her: Solche privaten Dinge gehören nicht in die Runde und in die Beschlüsse von Parteigruppen.

Auf der anderen Seite war der Einfluß und der Gestaltungsspielraum der einfachen Mitglieder gering.

SED-Mitglieder haben derartiges berichtet und ich sehe keinen Grund, das zu bezweifeln.

Jedenfalls haben ich Anwerbungsversuchen widerstanden.

Gruß
Micha


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
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zuletzt bearbeitet 08.02.2014 11:03 | nach oben springen

#43

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 11:49
von Gert | 12.356 Beiträge

eben keiner da. [/quote]

@DoreHolm wenn du so widerwillig in die SED "geschleift" wurdest, warum hast du dann später noch zusätzlich Funktionen übernommen ? Klingt für mich nicht so überzeugend. Ich wäre dann eher auf dem Status " Mitläufer" stehen geblieben, wenn ich mich mal gedanklich auf deinen Stuhl setzen darf[/quote]

Gertchen, wenn Du alles richtig gelesen hast, wirst Du bemerkt haben, daß ich durchaus überzeugt war. Ich sehe darin keinen prinzipiellen Widerspruch, von der grundsätzlichen Richtigkeit des gesellschaftlichen Weges überzeugt und trotzdem nicht in der SED zu sein. Als ich dann drin war, habe ich mich dann auch eingebracht und ich denke im nachhinein, daß ich auch ein kleines bischen was in der Firma bewegt habe, praktisch, also für die Firma und politisch, indem ich weitestgehend versucht habe, nicht hohle Phrasen zu klopfen sondern mit sachlichen Argumenten zu arbeiten. So war ich einige Jahre FDJ-Sekretär, neben den unumgänglichen Stunden des FDJ-Lehrjahres haben wir vor allem ein "frohes Jugendleben" entfaltet. Wanderungen, Radtouren, zwei mal mit dem Zelt im Harz. Da haben viele noch Jahre danach geschwärmt (bei mir hat das in meiner ersten Ehe fast zur Scheidung geführt. Ich hätt´s durchziehen sollen, aus heutiger Sicht). Daß ich auch ideologisch nicht ganz erfolglos war (habe Argumente immer versucht, an allgemein bekannten Tatsachen zu erklären), vermute ich daraus, daß so mancher, der mich zur Wende angegiftet hat, Jahre später ein ganz normaler Kollege war, mit dem man sich angenehm über Vergangenes unterhalten konnte und ich wenn ich später in die Firma kam und ein mich noch kennender Kollege/in kommt über den Hof: großes Hallo, wie gehts u.s.w. Eine Kollegin bei mir aus dem Labor, Christin, Eichsfeld, CDU-Mitglied, war dermaßen enttäusch von ihren Parteimitglieder, daß sie zeitweise sogar die PDS gewählt hatte, wie sie mir erzählte.
[/quote]

Zitat



OK, wir haben einen sehr unterschiedlichen familiären Hintergrund. Daher werden wir bei unterschiedlichen Weltanschauungen bleiben.
Meine Eltern haben die Politik der SED sehr kritisch verfolgt und das auch uns als Kindern erklärt. So bin ich aufgewachsen mit ständigen Existenzängsten, dass mein Vater seine Arbeitsgrundlage als selbständiger Handwerksmeister verliert, weil er in den 50 ern von ständigen Schikanen wie Sondersteuer, zeitweise Entzug der Lebensmittelkarten usw. berichtete.
Wenn ich es mir genau überlege, war der 17.Juni 53 kein guter Tage für uns. Warum, danach lockerte die SED ihre schikanöse Politik vorübergehend und meine Eltern blieben mit uns da. Hätte man die harte Politik gegen Selbständige beibehalten, wäre meine ganze Familie vor der Mauer weg gewesen. Nach dem Mauerbau ging die alte Tour weiter und 1974 haben sei seinen Handwerksbetrieb eliminiert. Meine Eltern haben es sehr bereut, vor allem als sie sahen welch erfolgreichen Weg ich hier eingeschlagen hatte. Das zur Politik dieser Partei, die für mich keine Partei war, die die Interessen ihrer Bürger vertrat.
Noch etwas in eigener Sache. Deine joviale, herablassende Art , mich mit Gertchen anzureden gefällt mir nicht. Ich empfinde das als respektlos und von einer Überheblichkeit, wie sie einem jüngeren gegenüber einem Älteren nicht zusteht.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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zuletzt bearbeitet 08.02.2014 11:49 | nach oben springen

#44

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 12:35
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #20
Zitat von Hackel39 im Beitrag #16
Die Beitragslisten waren zudem für jeden Genossen einsehbar und es wurde im Bahnbetriebswerk monatlich in bar kassiert.
Grundsätzlich wurde der Parteibeitrag in bar entrichtet. Dabei durfte jeder Kandidat und jedes Mitglied selber auf dieser Liste unterschreiben, während der Kassierer der GO im Parteibuch (oder der Kandidatenkarte www.flickr.com/photos/realbilly/347805222) mit GO-Stempel und Unterschrift gegenzeichnete.



Guten Tag,

Ich bin erstaunt wegen der altertümlichen Marke (Thaelmann) links (neben dem Bild des Kandidaten). Dieses Design erinnert an die deutschen Briefmarken nach dem Krieg. Wenn ich bedenke, dass die Mitgliedspässe von Zeit zu Zeit umgetauscht wurden, dann muss das viel Geld gekostet haben. Diese kleinen Bücher sind so produziert worden wie die alten Reisepässe der DDR, also so wie ein Buch.

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


zuletzt bearbeitet 08.02.2014 12:49 | nach oben springen

#45

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 13:02
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #20
Grundsätzlich wurde der Parteibeitrag in bar entrichtet. Dabei durfte jeder Kandidat und jedes Mitglied selber auf dieser Liste unterschreiben, während der Kassierer der GO im Parteibuch (oder der Kandidatenkarte www.flickr.com/photos/realbilly/347805222) mit GO-Stempel und Unterschrift gegenzeichnete.



Bei diesem "grundsätzlich" muss ich einen kleinen Einspruch erheben.
Bei langfristigen Auslandskadern(NSW) der DDR wurde der Beitrag vom Lohnkonto abgebucht.
Ähnlich wie der Wehrpass beim WKK hinterlegt werden musste, ist das Parteidokument von der zuständigen GO bzw.übergeordneten Parteileitung eingezogen und beitragsmässig betreut worden.Beide Dokumente durften nicht in das westliche Ausland verbracht werden.

seaman


zuletzt bearbeitet 08.02.2014 13:03 | nach oben springen

#46

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 13:06
von Lutze | 8.039 Beiträge

für eure Antworten möchte ich mich bedanken,
eine Frage habe ich noch dazu,
als SED-Mitglied bekam man auch das SED-Abzeichen,
hat einer dieses Abzeichen mal verloren?,
gab es gleich Ersatz?,
ich habe drei verschiedene Ausführungen davon,
das eine Abzeichen ist mit einem Gewinde versehen
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#47

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 13:41
von KARNAK | 1.694 Beiträge

Wenn ich ehrlich bin,es kam über die Jahre immer weniger in Mode das Abzeichen überhaupt zu tragen.Die es trugen waren entweder hauptamtliche Parteiarbeiter aus entsprechenden Parteibehörden oder "alte Kämpfer",die so RICHTIG zur Sache standen,EIGENTLICH musste man gerade vor denen den Hut ziehen,ob ihrer Standhaftigkeit.Beim Mfs war das Tragen des Abzeichens völlig unüblich,es wurde sogar davon abgeraten,wenn man bei diesem Hinweis auch gewisse ideologische Bauchschmerzen gehabt haben dürfte,es war für eine optimale Dienstdurchführung aber eben irgendwie"hinderlich"
Das mit dem Gewinde dürfte die älteste Variante sein,der Gewindestab wurde durch den Stoff gestoßen und von hinten wurde eine Scheibe aufgeschraubt.
Übrigens wurde das Abzeichen irgendwann verkleinert.Mein Vater kam irgendwann von einer Sitzung und regte sich maßlos darüber auf,dass das mit Materialeinsparungen begründet wurde.


"Das Unglück ist,dass jeder denkt, der Andere ist wie er,und dabei übersieht, dass es auch anständige Menschen gibt."
zuletzt bearbeitet 08.02.2014 13:51 | nach oben springen

#48

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 14:38
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Ich finde eines kommt hier zu kurz. Familiäre Einflüsse bei einer Entscheidung für oder gegen eine Mitgliedschaft mögen eine Rolle gespielt haben. Auch die Motivation um den beruflichen Werdegang voranzutreiben oder in der Gesellschaft etwas zu bewirken. Doch auch politische oder gesellschaftliche Ereignisse oder auch Höhepunkte können solch eine Entscheidung beeinflusst haben in die SED einzutreten oder es auch nicht zu tun.

Mein Großvater, geboren um die Jahrhundertwende, war seit frühester Jugend Sozialdemokrat. Als es 1946 zur Vereinigung von KPD und SPD kam ist er in der neuentstandenen SED geblieben. Seine Motivation damals – nur so könne er Einfluss nehmen, dass sozialdemokratischer Werte nicht den Bach runter gehen. Mein Vater war zu der Zeit in der FDJ aktiv. Für ihn war es fasst zwangsläufig und ohne Druck 1950, kurz nach der Gründung der DDR, Mitglied der SED zu werden, wollte er doch aktiv am Aufbau diesen neuen Staates mit tun.

Meinem Großvater, der sich bis zu seinem Tode regelmäßig mit seinen ehemaligen sozialdemokratischen Genossen zum Stammtisch traf, kamen 1953 erste Zweifel. Erst recht als eine seiner Töchter 1955 die DDR verließ. All diese Ereignisse hat mein Vater nicht unmittelbar mitbekommen, denn er hielt sich zu der Zeit zum Studium in der Sowjetunion auf. Als er dann zurück kam startete er beruflich durch. Wenn mein Großvater seine Zweifel äußerte, dann reagierte der jüngere – Ach Vater – im Sinne: Das verstehst du nicht und wurde belächelt.

Irgendwann kam ich ins Spiel und wurde größer und verständiger. Ich war stolzer Pionier und der Stolz meines Vaters. Ich weiß nicht warum, aber ich bin der SED und ihren Mitgliedern schon damals sehr nahe gekommen. Als 10-jährige durfte ich z.B Walter Ulbricht bei einem seiner Besuche in Moskau auf dem Flughafen mit einem großen Nelkenstrauß begrüßen. Es war für mich eine Enttäuschung. Ich fand ihn so von Angesicht zu Angesicht, und wenn es nur wenige Minuten waren, unsympathisch. Außerdem hätte er dicke Wurstfinger soll ich gesagt haben. Als meinem Großvater die Geschichte erzählt wurde, soll er gesagt haben – Siehste, selbst dem Kind ist der Mann nicht geheuer. Mein Vater wiederum – Man Vater, sie ist eben ein Kind.

Mein nächstes Erlebnis, dass sich mir tief eingeprägt hat, war die Bezirksdelegiertenkonferenz der SED in Berlin 1971. Ich war fast 14, noch Pionier und durfte dort die Grußbotschaft der Pionierorganisation überbringen. Besser verlesen, denn der Text war von der Bezirksleitung der FDJ von Berlin geschrieben und bei einem leisen Einspruch – so sei es aber nicht bei uns in der Schule – sagte die mich betreuende Mitarbeiterin, ich spräche für alle Berliner Pioniere. Was sollte ich da sagen, ich hatte keine Erfahrung von anderen Schulen. Aber ab da wusste ich, wie Reden entstehen.

Bald darauf wurde ich FDJ – lerin und habe mich relativ schnell zurück gezogen, als ich merkte, wie der Großteil nur nachplapperte, was andere gesagt haben. Oder manche erst garnichts sagten. Ein leises Aufbäumen gab es 1975, als ich überlegte, doch in die SED einzutreten. Aus jugendlichem Überschwang, vielleicht doch was bewegen zu können. Es war vor dem IX. Parteitag, als es eine große Initiative gab, wo auch Schüler für die Partei gewonnen werden sollten. Mein Antrag wurde garnicht erst entgegen genommen, weil die zwei neuen Mitglieder in unserer "Mädchenschule" Jungen sein sollten. Einer von beiden wurde später Mitarbeiter des MfS. Ich dachte damals nur – von wegen Frauen und Gleichberechtigung – selbst da war schon Karriereplanung angesagt.

Als ich mit meinem Vater darüber sprach, sagte es nur seinen üblichen Spruch – Kind, das verstehst Du nicht. Und ab da, begann ich mich zu reiben, erst mit meinem Vater, dann mit meiner FDJ – Gruppe. Aber nicht über die SED, sondern über das, was mir im sozialistischen Alltag meiner Meinung nach schief lief.

Später erzählte mir mein Vater, dass ich ihn damals mehr als einmal zum Nachdenken gebracht habe. Auch weil er ziemlich weit weg vom Alltag war, da er beruflich sehr eingespannt war. Auf die Frage, warum er mir damals nicht den Rücken gestärkt hat, sagte er - ich wäre los gerannt und hätte wahrscheinlich „ne Revolution“ angezettelt. Er wollte mich nur beschützen. Erst viel später hat er mir erzählt, dass auch er Zweifel gehabt hätte, er aber keine Alternative gesehen hat.

Meine Frage daher: Welche politischen oder gesellschaftlichen Ereignisse haben euch zum Eintritt in die SED bewogen, oder abgehalten. Sind euch danach auch irgendwann Zweifel gekommen? Mit wem habt ihr darüber gesprochen?

@Gert Ich würde nicht wagen jemanden sein Handeln als "nicht heldenhaft" zu werten. Helden waren wir alle nicht.

LG von der Moskwitschka


Lutze hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 08.02.2014 14:58 | nach oben springen

#49

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 14:53
von KARNAK | 1.694 Beiträge

Gibt es eigentlich irgendwo eine glaubhafte Statistik wie viele ECHTE Angehörige der AK Mitglied der SED waren?Sagen wir mal 1985.Ich befürchte nämlich fast,die Zahl wäre sehr ernüchternd.Es war doch einfach so,wenn Du in der DDR etwas erreichen wolltest,Karriere machen wolltest,einen bestimmten Weg in bestimmten Einrichtungen des Landes einschlagen wolltest musstest Du einfach in die SED.Viele,sehr viele haben das einfach getan,es hat sie weltanschaulich nicht umgebracht,war für sie keine "Todsünde","peinlich" war es ihnen allzuoft aber schon,deswegen kam das flächendeckende Tragen des Abzeichens mehr und mehr aus der Mode,wurde nicht mit der Mitgliedschaft hausieren gegangen."Glühende Kommunisten"waren die Wenigsten.Und die "Werber"für die Partei der AK,allzuoft waren sie in "Zugzwang",von ihnen wurden"Erfolgsmeldungen"erwartet,da zählte die statistische Zahl,wurde nicht viel hinter fragt,Selbst die Frage der Kandidatenzeit und die Bürgen,wurden dem Kandidaten ohne große Probleme auch gestellt,waren doch nur eine Formfrage.


"Das Unglück ist,dass jeder denkt, der Andere ist wie er,und dabei übersieht, dass es auch anständige Menschen gibt."
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#50

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 15:35
von DoreHolm | 7.703 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #42
Auch in diesem Zusammenhang wieder die Aussage, daß man mit Anfang 20 "nicht so schlau war".
Würde ein anderer das Demjenigen sagen, dann wär das eine Beleidigung.
Nein, ich sehe nach 10-12 Jahren Schule mit Pionierorganisation und FDJ und oft schon Armee genügend Lebenserfahrung, um sich ein eigenes Bild zu machen, unabhängig vom Offiziellen.
Dazu kommt, daß jede Jugend auch aufbegehrt und Vorhandenes in Frage stellt, insbesondere Vorschriften und Denkvorgaben - bis dahin, was man zu lieben und zu hassen hatte.
Wer hat nicht beizeiten gemerkt, daß man sich gehörig den Mund verbrennen konnte?
Auch wer nicht aufmüpfig war, kannte das. Offene Rede war immer schwierig - vorgegebene Rede schon bei den Pionieren üblich. Ich kann mir nicht vorstellen, daß jemand nicht so "schlau" war, das zu erkennen.
Eher hat man es mehr oder weniger akzeptiert - ich auch.

Deshalb bitte ich, meine Kritik als sachlich zu verstehen. Jedenfalls ist sie so gemeint.

Es war nicht der komplette Durchblick erforderlich. Den hatten tatsächlich nur Wenige.
Abgesehen vom Politischen hat man auch als Nichtmitglied mitbekommen, daß die Partei sogar das Privatleben der Mitglieder reglementierte.
Nicht nur, daß die Versammlungen Freizeit einschränkten. Selbst um Eheprobleme kümmerte sich die Partei und versuchte Beziehungen außerhalb zu verbieten. Moral hin oder her: Solche privaten Dinge gehören nicht in die Runde und in die Beschlüsse von Parteigruppen.

Auf der anderen Seite war der Einfluß und der Gestaltungsspielraum der einfachen Mitglieder gering.

SED-Mitglieder haben derartiges berichtet und ich sehe keinen Grund, das zu bezweifeln.

Jedenfalls haben ich Anwerbungsversuchen widerstanden.
GrußMicha


Grün: Der Grund war weniger, daß ein Genosse sich einer/einem Anderen hingezogen fühlte, sondern daß zwei Partner gleichzeitig existierten. Wenn eine Ehe nicht mehr ging, sollte ein Strich darunter gezogen werden, Scheidung und dann die Andere/der Andere. Wir hatten einen, unser Schlosser, ich glaube 5 Kinder oder mehr, aber fremdgehen. Mit dem mußten wir auch ein Gespräch führen, daß er sich mal entscheiden soll, ob die Alte oder die Neue, weil der ganze Betrieb schon über ihn quatschte, so nach der Art, seht, das will ein Genosse sein, die Kinder zu Hause und die Frau und der geht fremd. Bei permanentem Ignorieren dieser Forderung des Klar Schiff machen hätte es im Endeffekt zum Ausschluss führen können.
Es wurde immer gesprochen von "Einheit und Reinheit der Partei", womit m.E. speziell das moralische Verhalten gemeint war, natürlich Kriminalität sowieso und so einer flog raus. Von einem genossen wurde eine Vorbildwirkung auch im privaten Bereich gefordert und Parteilose waren mitunter schnell bei der Hand mit Verurteilung von Genossen für Dinge, die sie für sich selbst als ganz normal oder Kavaliersdelikte hielten. Sowar das eben.
Meinen vor-vorherigen PS habe ich in der Leitungssitzung zur Rede gestellt, nachdem nach der Frauentagsfeier massiv von Frauen die Forderung an mich gestellt wurde, hier was zu machen. Er muß sich zur Frauentagsfeier unmöglich verhalten haben und wenn auch nur die Hälfte stimmen würde, was mir die Kolleginnen erzählten, reichte das schon. Ich hatte es vor einiger Zeit schon mal geschrieben, glaube ich. Es wurde von ihm dann festgelegt, daß ich dann eben mitfahre. Mir war´s recht, die Kolleginnen hats gefreut, einen guten und aktiven Tänzer zu haben, der auch noch charmant sein konnte (). Jeder Tanz getanzt und nie zwei mal mit der Gleichen, war meine Devise, weil die Damen sehr genau beobachten, wer mit wem wie tanzt und wie oft, um sich dann am nächsten Tag die Mäuler zu zerreißen (warum hat der nicht mit mir soo getanzt und nur einmal ?).
Aus moralischen Gründen (Fremdgehen) wurde auch unser Direktor damals vom MfS zu uns versetzt und eben als Dir. eingesetzt.
Unser Leiter der Stadtbezirksleitung formulierte das Problem des Fremdgehens unter Genossen mal so:" Wo ein Genosse ist, da ist die Partei - wo ein Genosse und eine Genossin ist, da ist die Hurerei". Ich geb´s zu, ich gehörte auch zu "denen". Ergab sich eben so, ohne daß ich darauf angelegt hatte. War aber noch während meiner ersten Ehe, deshalb kann ich es hier offenbaren.



zuletzt bearbeitet 08.02.2014 15:35 | nach oben springen

#51

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 15:36
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #45
Zitat von 94 im Beitrag #20
Grundsätzlich wurde der Parteibeitrag in bar entrichtet. Dabei durfte jeder Kandidat und jedes Mitglied selber auf dieser Liste unterschreiben, während der Kassierer der GO im Parteibuch (oder der Kandidatenkarte www.flickr.com/photos/realbilly/347805222) mit GO-Stempel und Unterschrift gegenzeichnete.



Bei diesem "grundsätzlich" muss ich einen kleinen Einspruch erheben.
Bei langfristigen Auslandskadern(NSW) der DDR wurde der Beitrag vom Lohnkonto abgebucht.
Ähnlich wie der Wehrpass beim WKK hinterlegt werden musste, ist das Parteidokument von der zuständigen GO bzw.übergeordneten Parteileitung eingezogen und beitragsmässig betreut worden.Beide Dokumente durften nicht in das westliche Ausland verbracht werden.

seaman




@seaman ich habe meinen Wehrpass ins NSW mitgenommen und in Oberursel hinterlegt . Habe ich da etwas falsch gemacht?

Hatte aber den Vorteil dass ich nicht zum Bund musste ( war ja schon Gedienter)


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#52

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 15:39
von damals wars | 12.183 Beiträge

Musste man den Parteiausweis auch abgeben?


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#53

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 15:39
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #48
Ich finde eines kommt hier zu kurz. Familiäre Einflüsse bei einer Entscheidung für oder gegen eine Mitgliedschaft mögen eine Rolle gespielt haben. Auch die Motivation um den beruflichen Werdegang voranzutreiben oder in der Gesellschaft etwas zu bewirken. Doch auch politische oder gesellschaftliche Ereignisse oder auch Höhepunkte können solch eine Entscheidung beeinflusst haben in die SED einzutreten oder es auch nicht zu tun.

Mein Großvater, geboren um die Jahrhundertwende, war seit frühester Jugend Sozialdemokrat. Als es 1946 zur Vereinigung von KPD und SPD kam ist er in der neuentstandenen SED geblieben. Seine Motivation damals – nur so könne er Einfluss nehmen, dass sozialdemokratischer Werte nicht den Bach runter gehen. Mein Vater war zu der Zeit in der FDJ aktiv. Für ihn war es fasst zwangsläufig und ohne Druck 1950, kurz nach der Gründung der DDR, Mitglied der SED zu werden, wollte er doch aktiv am Aufbau diesen neuen Staates mit tun.

Meinem Großvater, der sich bis zu seinem Tode regelmäßig mit seinen ehemaligen sozialdemokratischen Genossen zum Stammtisch traf, kamen 1953 erste Zweifel. Erst recht als eine seiner Töchter 1955 die DDR verließ. All diese Ereignisse hat mein Vater nicht unmittelbar mitbekommen, denn er hielt sich zu der Zeit zum Studium in der Sowjetunion auf. Als er dann zurück kam startete er beruflich durch. Wenn mein Großvater seine Zweifel äußerte, dann reagierte der jüngere – Ach Vater – im Sinne: Das verstehst du nicht und wurde belächelt.

Irgendwann kam ich ins Spiel und wurde größer und verständiger. Ich war stolzer Pionier und der Stolz meines Vaters. Ich weiß nicht warum, aber ich bin der SED und ihren Mitgliedern schon damals sehr nahe gekommen. Als 10-jährige durfte ich z.B Walter Ulbricht bei einem seiner Besuche in Moskau auf dem Flughafen mit einem großen Nelkenstrauß begrüßen. Es war für mich eine Enttäuschung. Ich fand ihn so von Angesicht zu Angesicht, und wenn es nur wenige Minuten waren, unsympathisch. Außerdem hätte er dicke Wurstfinger soll ich gesagt haben. Als meinem Großvater die Geschichte erzählt wurde, soll er gesagt haben – Siehste, selbst dem Kind ist der Mann nicht geheuer. Mein Vater wiederum – Man Vater, sie ist eben ein Kind.

Mein nächstes Erlebnis, dass sich mir tief eingeprägt hat, war die Bezirksdelegiertenkonferenz der SED in Berlin 1971. Ich war fast 14, noch Pionier und durfte dort die Grußbotschaft der Pionierorganisation überbringen. Besser verlesen, denn der Text war von der Bezirksleitung der FDJ von Berlin geschrieben und bei einem leisen Einspruch – so sei es aber nicht bei uns in der Schule – sagte die mich betreuende Mitarbeiterin, ich spräche für alle Berliner Pioniere. Was sollte ich da sagen, ich hatte keine Erfahrung von anderen Schulen. Aber ab da wusste ich, wie Reden entstehen.

Bald darauf wurde ich FDJ – lerin und habe mich relativ schnell zurück gezogen, als ich merkte, wie der Großteil nur nachplapperte, was andere gesagt haben. Oder manche erst garnichts sagten. Ein leises Aufbäumen gab es 1975, als ich überlegte, doch in die SED einzutreten. Aus jugendlichem Überschwang, vielleicht doch was bewegen zu können. Es war vor dem IX. Parteitag, als es eine große Initiative gab, wo auch Schüler für die Partei gewonnen werden sollten. Mein Antrag wurde garnicht erst entgegen genommen, weil die zwei neuen Mitglieder in unserer "Mädchenschule" Jungen sein sollten. Einer von beiden wurde später Mitarbeiter des MfS. Ich dachte damals nur – von wegen Frauen und Gleichberechtigung – selbst da war schon Karriereplanung angesagt.

Als ich mit meinem Vater darüber sprach, sagte es nur seinen üblichen Spruch – Kind, das verstehst Du nicht. Und ab da, begann ich mich zu reiben, erst mit meinem Vater, dann mit meiner FDJ – Gruppe. Aber nicht über die SED, sondern über das, was mir im sozialistischen Alltag meiner Meinung nach schief lief.

Später erzählte mir mein Vater, dass ich ihn damals mehr als einmal zum Nachdenken gebracht habe. Auch weil er ziemlich weit weg vom Alltag war, da er beruflich sehr eingespannt war. Auf die Frage, warum er mir damals nicht den Rücken gestärkt hat, sagte er - ich wäre los gerannt und hätte wahrscheinlich „ne Revolution“ angezettelt. Er wollte mich nur beschützen. Erst viel später hat er mir erzählt, dass auch er Zweifel gehabt hätte, er aber keine Alternative gesehen hat.

Meine Frage daher: Welche politischen oder gesellschaftlichen Ereignisse haben euch zum Eintritt in die SED bewogen, oder abgehalten. Sind euch danach auch irgendwann Zweifel gekommen? Mit wem habt ihr darüber gesprochen?

@Gert Ich würde nicht wagen jemanden sein Handeln als "nicht heldenhaft" zu werten. Helden waren wir alle nicht.

LG von der Moskwitschka



herzallerliebste Moskauerin, ich habe den ganzen Thread durchforstet, das habe ich aber nicht gesagt, war jemand anderes . Ich wasche meine Hände in Unschuld


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#54

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 15:40
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #51
Zitat von seaman im Beitrag #45
Zitat von 94 im Beitrag #20
Grundsätzlich wurde der Parteibeitrag in bar entrichtet. Dabei durfte jeder Kandidat und jedes Mitglied selber auf dieser Liste unterschreiben, während der Kassierer der GO im Parteibuch (oder der Kandidatenkarte www.flickr.com/photos/realbilly/347805222) mit GO-Stempel und Unterschrift gegenzeichnete.



Bei diesem "grundsätzlich" muss ich einen kleinen Einspruch erheben.
Bei langfristigen Auslandskadern(NSW) der DDR wurde der Beitrag vom Lohnkonto abgebucht.
Ähnlich wie der Wehrpass beim WKK hinterlegt werden musste, ist das Parteidokument von der zuständigen GO bzw.übergeordneten Parteileitung eingezogen und beitragsmässig betreut worden.Beide Dokumente durften nicht in das westliche Ausland verbracht werden.

seaman




@seaman ich habe meinen Wehrpass ins NSW mitgenommen und in Oberursel hinterlegt . Habe ich da etwas falsch gemacht?

Hatte aber den Vorteil dass ich nicht zum Bund musste ( war ja schon Gedienter)


Gert,wo und wie Du was gemacht hast interessiert mich bei diesem Thema weniger.
Das habe ich auch hier nicht zu bewerten.

seaman


zuletzt bearbeitet 08.02.2014 15:41 | nach oben springen

#55

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 15:41
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #54
Zitat von Gert im Beitrag #51
Zitat von seaman im Beitrag #45
Zitat von 94 im Beitrag #20
Grundsätzlich wurde der Parteibeitrag in bar entrichtet. Dabei durfte jeder Kandidat und jedes Mitglied selber auf dieser Liste unterschreiben, während der Kassierer der GO im Parteibuch (oder der Kandidatenkarte www.flickr.com/photos/realbilly/347805222) mit GO-Stempel und Unterschrift gegenzeichnete.



Bei diesem "grundsätzlich" muss ich einen kleinen Einspruch erheben.
Bei langfristigen Auslandskadern(NSW) der DDR wurde der Beitrag vom Lohnkonto abgebucht.
Ähnlich wie der Wehrpass beim WKK hinterlegt werden musste, ist das Parteidokument von der zuständigen GO bzw.übergeordneten Parteileitung eingezogen und beitragsmässig betreut worden.Beide Dokumente durften nicht in das westliche Ausland verbracht werden.

seaman




@seaman ich habe meinen Wehrpass ins NSW mitgenommen und in Oberursel hinterlegt . Habe ich da etwas falsch gemacht?

Hatte aber den Vorteil dass ich nicht zum Bund musste ( war ja schon Gedienter)


Gert,wo und wie Du was gemacht hast interessiert mich weniger.
Das habe ich auch hier nicht zu bewerten.

seaman




.. war auch eher als spassige Einlage gedacht, musst nicht so gallig reagieren.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#56

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 15:47
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Gert im Beitrag #53

herzallerliebste Moskauerin, ich habe den ganzen Thread durchforstet, das habe ich aber nicht gesagt, war jemand anderes . Ich wasche meine Hände in Unschuld




Ich würde ja jetzt am liebsten "Liebstes Gertchen" schreiben und mich entschuldigen Aber das darf ich ja nicht

Hast aber Recht. Tut mir leid. @Gert Bei dieser Kleinigkeit fällt es mir auch nicht schwer.

LG von der Moskwitschka

EDIT


Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 08.02.2014 15:49 | nach oben springen

#57

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 15:48
von schulzi | 1.762 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #46
für eure Antworten möchte ich mich bedanken,
eine Frage habe ich noch dazu,
als SED-Mitglied bekam man auch das SED-Abzeichen,
hat einer dieses Abzeichen mal verloren?,
gab es gleich Ersatz?,
ich habe drei verschiedene Ausführungen davon,
das eine Abzeichen ist mit einem Gewinde versehen
Lutze

Wen Du dein Parteiabzeichen verloren hattest kommtest dir in der Parteileitung deiner GO für eine Mark der DDR ein neues kaufen.Die Varianten der Abzeichen waren so wie Du geschrieben hast und es war jeden selbstüberlassen welche er trug.Bei uns in der GO gab es bei der Aufnahme noch das Manifest dazu


Lutze hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#58

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 15:52
von Gelöschtes Mitglied
avatar

@Moskwitscha, habe Deine Frage gelesen und möchte mal aus meinen Erlebten, was dazu schreiben. Ich hatte mit der Frage, Eintritt in die SED, eigentlich auch so meine Gewissensprobleme! Mein Elternhaus, von seitens meines Vaters,war für die große Sache des Sozialismus und so wollte er auch mich erziehen. Meine Mutter sah diese Dinge etwas anders, deshalb wurde ich natürlich 2 Gleisig erzogen. Mein Vater kam aus den Krieg und wollte voll durch starten, er ging zur Polizei und verhaftete Schieber und klein Kriminelle, er stand auch dazu, doch leider wurde bekannt das er in englischer Kriegsgefangenschaft war und da war es mit der Polizei vor bei! Das erzählte er mir und das machte mich schon als Jugendlichen stutzig und wir hatten darüber viele Auseinandersetzungen. Doch er sagte das war so und hielt zur Stange! Dann kam die Zeiten wo man auf den Tanzsaal ging und sich Radio Luxemburg rein zog, schon hatte ich mit ihm das nächste Problem, weißt du wie die Texte übersetzt heißen( er war Englischlehrer und Staatsbürgerkundenlehrer, darüber schrieb ich schon mal)er sagte es mir und was das für ein Hirnloser Text sei. Was mich nicht interessierte, sondern nur die Musik. Es ging weiter in der Schule, hatte mir mit viel Mühe und Umwegen ein Paar Jeans(Levis) besorgt und eine Plastetüte mit HB Werbung darauf, Tüte musste ich umstülpen , so das nur noch das innere weiße zu sehen war und nach Hause die Hose wechseln. Was kam der Direktor rief meinen Vater an und dann ging es los. Als Sohn eines Lehres und Parteigenossen, das kann doch nicht sein! Nun kannst Du Dir ja vorstellen was da so alles ablief! Nun hatte ich natürlich mit den Genossen der SED ein Problem b.z.w. mit dem System und das zog sich so durch mein Leben in der DDR. Auch auf der Arbeit lies ich die Genossen Werber abblitzen, zum Kummer meines Vaters( ich muss ab und zu noch lächeln, wen ich daran denke, wie oft ich Sonntags allein in der Küche essen mußte, weil ich mich wieder mit meinen Vater politisch angelegt hatte, denn er lies keine andere Meinung gelten).
Dazu kam noch das ich in der Verwandschaft einen hochrangigen MfS Offizier hatten, der es beinahe geschafft hatte meine Hochzeit platzen zu lassen(Mein Verlobte hatte Westverwandschaft und die sollten an der Feier mit teilnehmen, haben dann 2 mal gefeiert, einmal mit der buckligen Verwandschaft und dann mit den Wessis)! Schlimm war für mich auch das der Herr Genosse Offizier einen Erzeuger hatte, der nach dem Krieg in der Westzone
blieb und als er verstorben war, seinen leiblichen Sohn ein kleines D-Mark Vermögen hinterließ . Mit ablehnen was nix, sondern plötzlich war meiner Frau ihre Westverwandschaft gut genug, um die Summe auf ihr Konto zu nehmen und immer wen von seiner Seite etwas gebraucht wurde mussten sie über Genex in die DDR schicken ,zu Dritte, also zu uns! Gönnerhaft viel auch mal ein Stück Lux Seife für uns ab! Es gibt noch mehr Dinge die mich von dem Eintritt in die SED abgehalten haben, auch wen ich oft dazu getränkt wurde! Soviel zu diesem Thema von meiner Seite!
Grüsse Steffen52


seaman, Lutze, furry und DoreHolm haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#59

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 16:03
von Freienhagener | 3.869 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #50


Grün: Der Grund war weniger, daß ein Genosse sich einer/einem Anderen hingezogen fühlte, sondern daß zwei Partner gleichzeitig existierten. Wenn eine Ehe nicht mehr ging, sollte ein Strich darunter gezogen werden, Scheidung und dann die Andere/der Andere. Wir hatten einen, unser Schlosser, ich glaube 5 Kinder oder mehr, aber fremdgehen. Mit dem mußten wir auch ein Gespräch führen, daß er sich mal entscheiden soll, ob die Alte oder die Neue, weil der ganze Betrieb schon über ihn quatschte, so nach der Art, seht, das will ein Genosse sein, die Kinder zu Hause und die Frau und der geht fremd. Bei permanentem Ignorieren dieser Forderung des Klar Schiff machen hätte es im Endeffekt zum Ausschluss führen können. usw............


Genau sowas meinte ich.
Meinetwegen verwerflich, aber trotzdem Privatsache. Freunde und Kollegen finde ich in Ordung, um ins Gewissen zu reden - nicht aber ein Pranger der Parteigruppe mit Weisung, das abzustellen.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 08.02.2014 16:04 | nach oben springen

#60

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 16:05
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #56
Zitat von Gert im Beitrag #53

herzallerliebste Moskauerin, ich habe den ganzen Thread durchforstet, das habe ich aber nicht gesagt, war jemand anderes . Ich wasche meine Hände in Unschuld




Ich würde ja jetzt am liebsten "Liebstes Gertchen" schreiben und mich entschuldigen Aber das darf ich ja nicht

Hast aber Recht. Tut mir leid. @Gert Bei dieser Kleinigkeit fällt es mir auch nicht schwer.

LG von der Moskwitschka

EDIT



korrekt, zu solch einem alten S... passt diese entzückende Endung nicht mehr.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
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Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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