#281

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 06.02.2014 20:52
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

Zitat von andyman im Beitrag #280
Zitat von RudiEK89 im Beitrag #279
Und was war mit den Urlaubsgesprächen nach dem KU oder VKU, die der Zugführer oder Stellv. geführt hat?


Wie ich schon sagte,zwanglos war es nicht.LGandyman

So war das nicht gemeint, ich habe jeden "Mist" den mir der aus dem Urlaub zurückgekehrte aufgeschrieben


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#282

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 06.02.2014 20:59
von andyman | 1.875 Beiträge

[qu

Zitat von RudiEK89 im Beitrag #281
ote=andyman|p330126]
Zitat von RudiEK89 im Beitrag #279
Und was war mit den Urlaubsgesprächen nach dem KU oder VKU, die der Zugführer oder Stellv. geführt hat?


Wie ich schon sagte,zwanglos war es nicht.LGandyman

So war das nicht gemeint, ich habe jeden "Mist" den mir der aus dem Urlaub zurückgekehrte aufgeschrieben [/quote]

Okay. Gespräch kann man das nicht nennen,es kam mir wie ein Ausfragen vor,was es u.U. auch war,ohne jetzt ein Pauschalverdacht zu unterstellen.LGandyman


Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius
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#283

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 06.02.2014 21:25
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Hallo zusammen,

wir driften jetzt ein wenig von der Aufarbeitung weg, aber da der Befehl 44 durchaus eine der Sachen ist, die man aufarbeiten kann/darf/soll/muss, halte ich nochmal kurz mit.

Die von mir zitierte Frage war als letzte Frage in der Erstaussprache zu stellen. Die Erstaussprache wurde von einem Offizier oder vom Parteisekretär durchgeführt. Sie war laut Befehl 44 zu dokumentieren und zwar in den Unterlagen zum Befehl 44.

Ebenfalls über die Zeit war zu dokumentieren:
- Eine Beobachtung mindestens alle 14 Tage
- Eine Einschätzung bzw. ein Gesprächsergebnis mindestens einmal monatlich
- besondere Ereignisse und Aussprachen (u.a. die Urlaubsaussprache)

Einmal monatlich hatte jeder Vorgesetzte ab Zugführer aufwärts einen Bericht zum Befehl 44 an seinen Vorgesetzten zu geben. Auch der Kompaniechef meldete an seinen Bataillonskommandeur. Das konnte man auch nicht mal schleifen lassen, denn auf irgendeiner Ebene interessierte sich immer jemand dafür. Bei der Meldung des Befehls 44 in der Kompanie war in der Regel auch der zuständige Offizier der Verwaltung 2000 dabei, der auch Zugriff auf diese Unterlagen hatte. Dabei wurde auch immer mal wieder die Qualität der Führung des Befehls 44 geprüft. Das hatte zur Folge, dass am Tag vor der Meldung durch die Zugführer bei mir die Klinke am Dienstzimmer nicht kalt wurde. Ich hatte als Polit keine direkte Aufgabe zur Führung von Unterlagen im Rahmen des Befehls 44. Aber ich hatte allen Vorgesetzten im Rahmen dieses Befehl zuarbeiten zu liefern. Politschulung, Gesellschaftliche Arbeit, Gespräche, Beobachtungen - alles wurde gern genommen, damit nicht zu wenig in den Unterlagen stand. Besonders gefragt waren meine Einschätzungen zum Politunterricht.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#284

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 07.02.2014 11:28
von Heckenhaus | 5.130 Beiträge

Zitat von RudiEK89 im Beitrag #279
Und was war mit den Urlaubsgesprächen nach dem KU oder VKU, die der Zugführer oder Stellv. geführt hat?

Wenn wir (1969/70) aus irgend einem Urlaub zurückkamen, war das Erste im Führungspunkt : "Gen. Dienstgrad, sie sind um xxx Uhr zum Dienst eingeteilt."
Das bedeutete meist, gegen 20 Uhr wieder im Objekt, spätestens um 22 Uhr zur Schicht.
Da gabs kein Rumgelaber, der normale Alltag lief wieder an.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#285

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 07.02.2014 12:29
von furry | 3.574 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #284
]
Wenn wir (1969/70) aus irgend einem Urlaub zurückkamen, war das Erste im Führungspunkt : "Gen. Dienstgrad, sie sind um xxx Uhr zum Dienst eingeteilt."
Das bedeutete meist, gegen 20 Uhr wieder im Objekt, spätestens um 22 Uhr zur Schicht.
Da gabs kein Rumgelaber, der normale Alltag lief wieder an.



Frage: Wurde man an seinem letzten Urlaubstag zum Dienst eingeteilt?
Bei z.B. VKU (Fr./Sa./So.) ging der Urlaub bis Sonntag 24 Uhr, egal ob man früher in der Kaserne ankam.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#286

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 07.02.2014 13:53
von Heckenhaus | 5.130 Beiträge

Zitat von furry im Beitrag #285
Zitat von Heckenhaus im Beitrag #284
]
Wenn wir (1969/70) aus irgend einem Urlaub zurückkamen, war das Erste im Führungspunkt : "Gen. Dienstgrad, sie sind um xxx Uhr zum Dienst eingeteilt."
Das bedeutete meist, gegen 20 Uhr wieder im Objekt, spätestens um 22 Uhr zur Schicht.
Da gabs kein Rumgelaber, der normale Alltag lief wieder an.



Frage: Wurde man an seinem letzten Urlaubstag zum Dienst eingeteilt?
Bei z.B. VKU (Fr./Sa./So.) ging der Urlaub bis Sonntag 24 Uhr, egal ob man früher in der Kaserne ankam.


VKU begann bei uns im Normalfall Freitag früh, 8 Uhr, unmittelbar nach einer Schicht. Ende VKU dann am Montag, 18 Uhr, vor der Schicht.
Da aber die DR von Berlin nach Plauen selten pünktlich war, mußte man mit Bescheinigung über die Verspätung vom jeweiligen Ankunftsbahnhof
dann sehen, auf welchem Wege man es schafft, irgendwie und irgendwann in Juchhöh anzukommen.

Das konnte bedeuten, mit der "Ferkeltaxe" Richtung Gutenfürst bis Reuth, dann zu Fuß zum KP 5 km, anrufen und abholen lassen,
oder per Anhalter mit dem Zollbus, der nach Hirschberg fuhr, bis Dobareuth und dann laufen, oder auch mit dem Film-Trabbi, der die Filme zu den
Einheiten brachte, direkt ins Objekt.
Und ab zum Dienst, Hauptsache war, man hat seine Schichten zahlenmäßig, und das wurde bei Urlaubern schon mit berücksichtigt im Dienstplan.

Pünktlich war selten jemand zurück, wenn er weite Reisewege hatte, und wenn dann noch in Zwickau oder Lichtentanne umgestiegen werden mußte, oje.
.


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.
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— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
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#287

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 07.02.2014 17:57
von 94 | 10.792 Beiträge

Um 4:15 Uhr fuhr der Bus nach Gerstungen, Urlauber machten vorher noch regulär eine Nachtschicht 19-03. Oder wenn der Nachtaufzug gerade eine 22-06 war, dann gabs eine Streife, meist 0-4. In Gerstungen ging dann so gegen 5.00 der Zug nach Eisennach. Spätestens dort waren die meisten Grenzer in zivil umgezogen.
Zurück gings dann übernacht, viele nutzten den D450, so gegen halb drei in der Früh in Eisenach. Und dort auf JEDEN Fall raus! Zwar fuhr der Zug weiter über Gerstungen nach Frankfurt und hielt sogar auch in Gerstungen, ABER ... na jedenfalls raus und bis 5.30 irgendwie die Zeit totschlagen. Genug Zeit erstmal für die GWDler und UaZen um wieder in die Unform zu schlüpfen. Vielleicht stand ja auch schon der Zug nach Gerstungen bereit (wimre Gleis 3 ?) und war im Winter auch schon an die Dampfwärmeversorgung angeschlossen. Und je nach Lust und Laune der Schotterspione und Alkoholisierungsgrad der Grenzer gabs dann bissel Streß oder auch nicht. Oder auch mal ein Kaffee bei den Trapoisten, war aber eher die Ausnahme. Meist waren's Schotterspione. Der Urlaub endete offiziell 6.30 Uhr. Oder doch schon um sechs? Na jedenfalls kurz nachdem der Bus aus Gerstungen an der Kaserne hielt. Meist gings dann regulär zu einer 9-17 oder 12-20 raus. Ungefähr ein Drittel aller Urlauber ließen sich noch ein Dienstfrei an den Urlaub dranhängen, waren dann so gegen 16.00 zurück und gleich auf Wache. Wache war ja kein Grenzdienst und so konnte auch das Urlaubsgespräch in aller Ruhe geführt werden. Dafür aber dann (fast) kein Ausgang bis zum nächsten Urlaub, so ließ sich gut die 2. AGruppe und der Suchposten planen.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#288

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 08.02.2014 10:59
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

94,
was war ein Schotterspion?


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#289

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 08.02.2014 11:08
von Hans | 2.166 Beiträge

Mahlzeit, Gemeinde...
Hi, Thomas ------------ Guckst Du Rechts------------ Da ist einer.-----------
73 Hans


I´m just a truckle, but I don´t like to truckle. ( Prokop; Unterschenkel )
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#290

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 08.02.2014 11:49
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Zitat von Hans im Beitrag #289
Mahlzeit, Gemeinde...
Hi, Thomas ------------ Guckst Du Rechts------------ Da ist einer.-----------
73 Hans

Hallo Hans,

ich gebe mal kurz Unterstützung. Falls Du irgendwann mal Deinen Avatar änderst oder löschst, versteht den Post kein Mensch mehr!
Also nochmal die aktuelle Version zum Zeitpunkt des Posts:



So, nu isses verstetigt und die Jungen Pioniere hängen in hundert Jahren bei ihrem Forschungsprojekt in der Arbeitsgemeinschaft "105. Jahrestag des Forums DDR-Grenze" nicht so in der Luft!

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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zuletzt bearbeitet 08.02.2014 11:50 | nach oben springen

#291

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 08.02.2014 18:35
von 94 | 10.792 Beiträge

Na und das Bild sollte auch noch ordentlich verschlagwortet werden, was ich hiermit mal tun werden will ...

Schotterspion ... eine etwas despektierliche Bezeichnung eines Mitarbeiters des VEB Schwellenschutz.
Die offizielle Bezeichnung lautete 'Schutzpolizist der Transportpolizei', hier mal der Beitrag aus der Fernsehreihe 'Berufe im Bild'


Danke @StFä für's Einstellen


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#292

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 08.02.2014 19:02
von diegrenzgängerin | 65 Beiträge

Kein Mensch,
kann sich aussuchen, in welchem Land, in welchem politischen System oder bei welchen Eltern er geboren wird. Aber er kann sich unter machbaren Bedingungen aussuchen, was er aus seinem Leben macht und ob er es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, sein gelebtes Leben und das, was noch übrig davon ist. Für Menschen, die unter Kriegsbedingungen leben oder auf der Flucht sind, unfreiwillig, sind die Bedingungen nicht gegeben, denn es geht nur um das Überleben. 1989 hatten beide deutsche Staaten eine Chance, ihre Geschichte gemeinsam aufzuarbeiten. Diese wurde, meiner Meinung nach vertan. Das ist nichts Neues. Es fand kein gemeinsames Lernen, keine gemeinsame Aufarbeitung der jüngsten Geschichte mit all den Dramen, den Toten, den Vertreibungen statt. Eine Versöhnung wäre möglich gewesen, leider wurden neue Gräben aufgetan. Ich bin froh darüber, dass ich mich sehr intensiv mit diesem Thema beschäftigte und es weiterhin tue. Meine kleine Stadt, in der ich geboren wurde, scheint nach meinen Recherchen und die waren sehr intensiv, nichts mit dem 3. Reich zu tun gehabt zu haben. Weil man es nicht haben will. Und so geht das immer weiter. Die Aufarbeitung der DDR fand für mich überwiegend als eine Inszenierung von :Jagt, die Stasischweine und die die mit ihnen gemein waren !" Ebenso, aber sehr inkonsequent wurde die Abrechnung mit dem 3. Reich in der DDR gehandhabt.. Wenn man keinen Mann massakrieren konnte, dann wurden den Frauen die Köpfe kahl rasiert, Frauen die es mit ostdeutschen "Fremdarbeitern" trieben vor dem Ende des Krieges, oder Französinnen, die mit deutschen Besatzern eine Beziehung hatten. nach dem Kriegsende. "Wann, wird man je verstehen, ach wird man je verstehen?", ist ein Song von Peet Sieger, der kürzlich starb, Marlene D. hat diesen Song berühmt gemacht. Die Frage, die darin steckt, ist meine Frage, wenn es um Aufarbeitung geht. Wann ist endlich Schluss damit, dass junge, unerfahrene Menschen (mein Vater war 19) alles vergessen müssen, was sie an Liebe und Gerechtigkeit erfuhren, um dem grausamen Befehl zu folgen - Töte-!!
Als Mutter eines Sohnes, hat man schlechte Karten, die wollen es selber wissen, so meine Erfahrung. Das mag in Ordnung sein, aber nicht dann, wenn Menschen, es könnte mein Sohn sein , in ihrer Seele zerstört werden.
Dann habe ich mich umsonst bemüht und alles geht so weiter
Das macht so traurig


seaman, ABV und Anja-Andrea haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 08.02.2014 19:09 | nach oben springen

#293

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.03.2014 02:10
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von Rüganer im Beitrag #88
Zitat von DoreHolm im Beitrag #83
Zitat von RudiEK89 im Beitrag #80
Der #49 kann es nun wirklich nicht gewesen sein.
Ich verstehe die ganze Aufregung in diesem Tread nicht?




Rot: Vielleicht ist der Beitrag #42 von Gert gemeint. Insbesondere der untere Abschnit: "Wer war also hierfür verantwortlich ? ...bis: ....ohne Ausnahme SED-Mitglieder". Das ist für mich wieder so ein undifferenzierter Rundumschlag, den man in die Tonne treten kann, weil absolut nicht zutreffend. Er ignoriert, daß es eine Menge SED-Mitglieder gab, denen der ganz oben verzapfte Mist durchaus bewust war und die versuchten, da an der Basi stehend, unter diesen Rahmenbedingungen das Beste für die Gesellschaft daraus zu machen. Nicht für den Machterhalt der Politbüromitglieder oder ähnlicher Größen, sondern ganz schlicht und einfach für das Funktionieren ihres Betriebes, für ihre Kollegen, für den Zusammenhalt ihrer Brigaden und was sonst noch für eine funktionierende Gesellschaft wichtig ist. Allerdings das alles, und das ist ihr eigentliches "Verbrechen", unter dem Vorzeichen einer weitestgehend in gesellschaftlichem Eigentum der PM befindlichen Gesellschaft. Und dafür, für einen solchen Einsatz und dieser Motivation, muß sich hier niemand schämen und schon gar nicht rechtfertigen müssen.



Ich glaube, wir hatten schon einmal dieses Argument: Wo ein Genosse ist, ist die Partei. Wer mit solchen Sprüchen operiert hat, wer dann auch noch dieser Partei die absolute führende Rolle zuordnete, wohlgemerkt durch sich selbst, nicht etwa durch die Bevölkerung ( denn die machte schon lange dies, was man von ihr verlangte und mitunter auch schon im vorauseilenden Gehorsam), wer dann noch sang: Die Partei hat immer recht, ja der muss nun heute doch nicht so tun, als wäre die Masse der Mitglieder im Widerstand gewesen, immer die Faust in der Tasche geballt.
Es mag Polemik sein, wenn @Gert schreibt, dass alle Mitglieder der SED Schuldige sind, aber in der Wahrnehmung derjenigen, die damals nicht in der dieser Partei waren, hat keiner dieser Parteimitglieder öffentlich dagegen geputscht. Dies mag intern ja anders gewesen sein.
Und DoreHolm für das Funktionieren der Betriebe haben in der Mehrzahl Nichtparteimitglieder geknobelt, gekämpft und geschuftet, denn so viele von Euch Parteimitgliedern es auch gegeben haben mag, wir anderen waren in der Überzahl. Also dies musst Du nun nicht als tolle Leistung der Parteiarbeiter hervorheben.
Nein, nein, in die Tonne muss man Gerts Aussage nicht, er liegt zumindest nicht so doll falsch.


Gab es nicht Mitglieder in der SED,die nicht daran glaubten? Nur weil Sie beruflich weiter kommen wollten,sind sie eingetreten.


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#294

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.03.2014 06:49
von ABV | 4.202 Beiträge

Die Aufarbeitung krankt meines Erachtens daran, dass beinahe alle hinterher zu den " Guten" gehören wollen. Die immer schon heimlich dagegen waren und schon immer das schlimme Ende haben kommen sehen. Und eigentlich nur mitgemacht hatten, weil sie von irgend jemanden mit irgend etwas gezwungen wurden. Den Quark kann man sowohl auf die Aufarbeitung der Nazi-Diktatur als als auch auf die der DDR anwenden.
Im Prinzip ergibt sich für die breite Masse stets das selbe Fazit: " Schuld hatten immer nur die anderen. Man selbst jedoch nie."
Wer dann trotzdem offen und ehrlich zu seiner Vergangenheit steht und gar noch öffentlich Irrtümer oder Fehlleistungen in der Vergangenheit einräumt, wird von eben dieser breiten ( verlogenen) Masse angegangen, verhöhnt und in Ecken gestellt, in welche der Angegriffene überhaupt nicht gehört.
Was die SED-Mitglieder betrifft: Selbstverständlich waren nicht alle " 100 % Kommunisten". Gründe in die Einheitspartei einzutreten gab es viele. Aber ist es nicht schizophren, wenn sich heute beispielsweise ein langjähriges SED-Mitglied vor die Brust klopft und bekundet, " diese Partei und deren Ziele schon immer abgelehnt zu haben"?
Ist es nicht ebenso schizophren, wenn solch einem Menschen sogar noch Beifall geklatscht wird? Statt ihn darauf hinzuweisen, dass man charakterlich schon ziemlich mies drauf sein muss, um in eine eigentlich "verhasste" Partei einzutreten. Um eines bloßen Vorteils willen.
Auch solche Mitglieder haben die SED und damit die DDR unterstützt. Nach außen hin war ihre angebliche oder tatsächliche Ablehnung der Öffentlichkeit in der Regel nicht erkennbar. Viel mehr galten sie diesen oder jenem sogar als Vorbilder. Und als Motiv, selbst in die SED einzutreten. Mit der Maßgabe wenn auch ein XY in der SED ist, dann kann diese Partei doch nicht so schlecht sein.
Ergo:
Aufarbeitung funktioniert nur, wenn sich jeder seiner eigenen Rolle stellt. Ohne wenn und aber und mit dem Finger auf den " viel schlimmeren Nachbarn zu zeigen".
Aber dafür müsste man die Menschheit, zumindest jedoch die Deutschen, völlig neu erfinden. Fürchte ich jedenfalls!

Viele Grüße an alle aus dem schönen Oderland
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


Anja-Andrea hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#295

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.03.2014 12:33
von Lutze | 8.034 Beiträge

ein Schlecht-Mensch war ich,vielleicht auch noch heute,
etwas gegen die DDR-Politik zu unternehmen,
die wenigsten haben ihren Mund aufgemacht,
gemeckert haben viele,
nur nicht nach außen tragen,
da hatten die wenigsten die passende Hose für ihren Hintern an
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#296

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.03.2014 12:45
von Heckenhaus | 5.130 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #295
ein Schlecht-Mensch war ich,vielleicht auch noch heute,
etwas gegen die DDR-Politik zu unternehmen,
die wenigsten haben ihren Mund aufgemacht,
gemeckert haben viele,
nur nicht nach außen tragen,
da hatten die wenigsten die passende Hose für ihren Hintern an
Lutze

Du magst ja teilweise Recht haben, aber hatte man die passende Hose damals erst gefunden, wenn man wegen unerwünschter
Äußerungen in der Öffentlichkeit abgeholt wurde ?
Ich glaube, viele haben ihre Verantwortung für die Familie in den Vordergrund gestellt, ehe sie zu kritische Äußerungen laut
und öffentlich geäußert haben.
Das hat nichts mit passender Hose zu tun.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
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#297

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.03.2014 12:50
von ABV | 4.202 Beiträge

Richtig @Heckenhaus Dazu kam auch die Frage, ob sich das " Maulaufreissen" überhaupt lohnt? Wer rennt schon gerne gegen eine Wand? Noch dazu im vollen Bewusstsein, dass dort eine Wand steht.

Gruß Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#298

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.03.2014 12:56
von Lutze | 8.034 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #297
Richtig @Heckenhaus Dazu kam auch die Frage, ob sich das " Maulaufreissen" überhaupt lohnt? Wer rennt schon gerne gegen eine Wand? Noch dazu im vollen Bewusstsein, dass dort eine Wand steht.

Gruß Uwe

falsch @ABV,
bei den Montags-Demos in Leipzig
waren viele Familien mit ihren Kindern dort
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#299

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.03.2014 13:10
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

@ABV Gegen den Strom zu schwimmen kostet immer mehr Kraft, als sich treiben zu lassen. Manchmal tut es auch weh. Doch was sind diese Schmerzen gegen das Gefühl, sich selbst treu geblieben zu sein? Das ist übrigens heute nicht anders als vor 30 oder 40 Jahren.

@Lutze Im September/ Oktober 1989 sah die Welt schon anders aus. In einem großen Strom von Menschen fühlt man sich automatisch sicherer. Ich selbst habe in den Jahren davor, spätstens als ich Mutter war, immer sehr genau überlegt was ich tue. Auch mit der Konsequenz, in den Augen anderer als als "feige" zu gelten.

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 29.03.2014 13:12 | nach oben springen

#300

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.03.2014 13:20
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #298
Zitat von ABV im Beitrag #297
Richtig @Heckenhaus Dazu kam auch die Frage, ob sich das " Maulaufreissen" überhaupt lohnt? Wer rennt schon gerne gegen eine Wand? Noch dazu im vollen Bewusstsein, dass dort eine Wand steht.

Gruß Uwe

falsch @ABV,
bei den Montags-Demos in Leipzig
waren viele Familien mit ihren Kindern dort
Lutze

Und was wollten deiner Meinung nach die Kinder dort @Lutze?


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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