#21

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 15:48
von Lutze | 8.034 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #18
Zitat von Lutze im Beitrag #15
auch nicht schlecht,
als Polit-Offizier bekommt man eine strenge Rüge,
wie fühlt man sich bei so einer Bestrafung?,
und im Zusammenhang mit einer Fahnenflucht
macht mich sehr neugierig
Lutze

Hallo Lutze,

es war meine zweite Parteistrafe in kurzer Zeit und ich muss Pitti recht geben, es war ein beschissenes Gefühl. Ich fühlte mich damals mit meinen 23 Jahren als kompletter Versager. Ich wusste auch nicht, wie das alles weitergehen sollte. Dass hinter meinem Rücken schon die Fäden gezogen wurden, um mich in meine Laufbahn als Kulturoffizier doch noch einsetzen zu können, wusste ich nicht.

Zu der angedrohten Fahnenflucht hatte ich mich schon mehrfach geäußert, aber nochmal die Kurzform: Ich hatte eines Morgens im Stress bei der Lagebesprechung gesagt: "Wenn das hier so weitergeht, frühstücke ich bald in Weimarschmieden". Das wurde als Androhung einer Fahnenflucht angesehen. Ansonsten: Es ging so weiter und ich habe mit Hilfe von Leuten aus dem Forum auch schon in Weimarschmieden gefrühstückt:
siehe Anlage in: Treffen der Stedtlinger mit Frühstück in Weimarschmieden (3)

ciao Rainman

das war sicherlich eines deiner besten Frühstücke,
man sitzt am Tisch,und denkt an die alten Zeiten nach,
das hat schon was
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#22

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 16:41
von Icke | 95 Beiträge

Das hat man wohl nur als länger dienender geschafft Soldaten wurden wohl nicht so einfach entlassen da gab es wohl eher andere Strafen.


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#23

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 20:13
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von Icke im Beitrag #22
Das hat man wohl nur als länger dienender geschafft Soldaten wurden wohl nicht so einfach entlassen da gab es wohl eher andere Strafen.

Hallo Icke,

wie schon geschrieben, auch ein Berufssoldat musste 18 Monate gedient haben. Gerade Offiziersschüler des ersten oder zweiten Lehrjahres mussten nach der Degradierung zum Soldaten noch die 18 Monate voll abdienen. Bestimmte Zeiten, z.B. das bereits in Uniform gemachte Berufspraktikum, wurden dabei meines Wissens nach nicht angerechnet.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#24

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 20:31
von damals wars | 12.171 Beiträge

Eine Degradierung eines Gefreiten zum Soldaten habe ich miterlebt, mit großem tamtam, der hatte auf nem Turm an der Waffe rumgespielt, ein Schuss hatte sich gelöst und fast den Posten getroffen. Der Posten wurde zum Schweigen verdonnert,aber wie das so ist, es kam raus.
Eine Degradierung eines Uffz. zum Soldaten erfolgte bei uns im Regiment. Der Uffz. schlief in allen Lebenslage ein, daher für die Grenze nicht mehr brauchbar. Er durfte abkohlen und heim ging es!


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#25

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 20.01.2014 19:36
von Boelleronkel (gelöscht)
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Zitat von Pitti53 im Beitrag #16
Zitat von Lutze im Beitrag #15
auch nicht schlecht,
als Polit-Offizier bekommt man eine strenge Rüge,
wie fühlt man sich bei so einer Bestrafung?,
und im Zusammenhang mit einer Fahnenflucht
macht mich sehr neugierig
Lutze


Wie soll man sich als Polit da fühlen?

Beschissen ist noch harmlos!!

Durfte es auch selbst erleben



Nicht falsch verstehn Polit...wir disskutieren darueber(also darüber)

Aus "Deinem Gefühl...war das gerechtfertigt?...hattest Du Einfluss auf die Wahl des Kandidaten...oder "siehst Du es als "Sippenhaft" oder aus Sicht damals... als gerechtfertigt...
Viele Fragen...und nicht persoenlich nehmen...ueberhauptnicht!
Oder ists wie heute...ich habe mit dem nie etwas zu tun gehabt,aber moralisch trage ich die Verantwortung....also "abwaerts"mit dem Dienstgrad...oder der Nichtbefoerderung....als es Zeit dafuer war...

Gruss BO


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#26

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 20.01.2014 20:06
von zweedi04 | 375 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #24

Eine Degradierung eines Uffz. zum Soldaten erfolgte bei uns im Regiment. Der Uffz. schlief in allen Lebenslage ein, daher für die Grenze nicht mehr brauchbar. Er durfte abkohlen und heim ging es!


Genau so einen Fall hatten wir an der Uffz-Schule in Perleberg. Ein Uffz-Schüler (Verpflichtung 10 Jahre) schlief in allen Lebenslagen. Auch im Unterricht fiel er einfach so ins "Koma" und schnarchte dabei sogar. Er kohlte ab und wurde als Dienstuntauglich entlassen. Am letzten Tag zeigte er uns den dicken Daumen und lachte kräftig.

Eine unehrenhafte Entlassung aus meiner aktiven Zeit ist mir noch bekannt. Ein verheirateter Feldwebel (Stellv. Zugführer), hatte ein Verhältnis mit der Frau des Polit´s der GK. Nannte sich unmoralisches Verhalten. Parteistrafe, Degradierung zum ? und Entlassung aus dem aktiven Dienst.


Lebenskunst ist - "Im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen"
zuletzt bearbeitet 20.01.2014 20:13 | nach oben springen

#27

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 20.01.2014 20:50
von Boelleronkel (gelöscht)
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Zitat von Batrachos im Beitrag #1
Hallo @all,

Welche Dienstvergehen mußte man sich zu Schulde kommen lassen,
um unehrenhaft bei den GT entlassen bzw entpflichtet zu werden?
Die Frage richtet sich auch an ehemalige Angehörige der NVA un DVP.
Sind Euch Fälle bekannt, wo ehemalige Angehörige mit voller Absicht Dienstvergehen begangen haben,
nur um aus den Dienst auszuscheiden,weil es keine andere Möglichkeit als diese gab?
Wenn ja,welche Dienstvergehen waren das?

MfG Batrachos



Das schlimmste was einer "Fuehrungsriege"passieren konnte... Fahnenflucht...dann wurde es sehr hart....
Die Leuts kamen mit anderen Schulterstuecken wieder,als mit denen,die man vorher von den Personen kannte....
Aber man fragte nicht nach dem vermeintlichen Grund!(zu viele Geruechte)
Es hatte die Person eben "erwischt"...warum auch immer...fuer Gespraeche kannte man sich zu wenig

Gruss BO


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#28

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 20.01.2014 23:55
von Icke | 95 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #23
Zitat von Icke im Beitrag #22
Das hat man wohl nur als länger dienender geschafft Soldaten wurden wohl nicht so einfach entlassen da gab es wohl eher andere Strafen.

Hallo Icke,

wie schon geschrieben, auch ein Berufssoldat musste 18 Monate gedient haben. Gerade Offiziersschüler des ersten oder zweiten Lehrjahres mussten nach der Degradierung zum Soldaten noch die 18 Monate voll abdienen. Bestimmte Zeiten, z.B. das bereits in Uniform gemachte Berufspraktikum, wurden dabei meines Wissens nach nicht angerechnet.

ciao Rainman


Also gab es keine Möglichkeit vor den 18 Monaten entlassen zu werden? Da wären wohl nur Verbrechen infrage gekommen und dann sind die 18 Monate noch die bessere Variante.


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#29

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 21.01.2014 08:23
von ABV | 4.202 Beiträge

Doch es gab Möglichkeiten! Ich kann mich an einen Soldaten erinnern, der keine Kopfbedeckung tragen konnte. Weil ihm dann sofort der Schädel brummte. Das ist kein Witz! Im Gegenteil: er konnte sogar eine ärztliche Bescheinigung für dieses medizinische Phänomen vorweisen! Nach einigem Hickhack wurde der Soldat, noch im ersten Diensthalbjahr, "Dauerdienstunfähig" geschrieben und entlassen.
Ich habe nie erfahren, ob der Soldat tatsächlich an einer seltenen Krankheit litt, oder einfach nur verdammt clever war.

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#30

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 21.01.2014 09:01
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Hallo ABV,

ja, gesundheitliche Gründe gingen, aber da musste wirklich Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen. Wir hatten einen Soldaten in der offiziellen Grenzdienststärke der Kompanie, für den folgende Einschränkungen galten: Nicht länger als 15 Minuten stehen, nicht schwerer als 5 Kilogramm heben oder tragen, kein Einsatz mit Waffe. Er musste tatsächlich seine volle Zeit abdienen. Wir haben ihn in der Küche eingesetzt und mussten ihn permanent im Grenzdienst ersetzen.

Aber, @Icke , an den 18 Monaten ging nichts vorbei. Selbst eine Straftat hätte daran nichts geändert, denn dann wäre der betreffende entweder als Arrestant oder sogar als Militärstrafgefangener nach Schwedt gegangen. Nach dem Arrest hätte er in jedem Fall nachdienen müssen. Für einen Militärstrafgefangenen war mir die Regelung nicht bekannt, hatten wir auch nicht in dem Zeitbereich. Nach einer Verbüßung der Zeit als Militärstrafgefangener konnte aber ein Berufssoldat durchaus wieder in seine ursprüngliche Position und seinen ursprünglichen Dienstgrad eingesetzt werden. Das hing von der Art des Vergehens ab. Beispielsweise bei einem schuldhaft verursachten Unfall war das durchaus möglich.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#31

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 21.01.2014 09:15
von chantre | 425 Beiträge

Das hat zwar jetzt nicht unbedingt etwas mit "Unehrenhaft entlassen" zu tun, aber der unbedingte Zwang zum Grundwehrdienst war nicht immer gegeben. Ich selbst habe keinen GWD geleistet. Ich wurde im Okober 1970 als Anwärter bei der Transportpolizei für den Streifeneinzeldienst eingestellt und war auch nicht bei einer Einsatzkompanie im Ersatzdienst.


Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger. Kurt Tucholsky
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#32

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 21.01.2014 09:15
von S51 | 3.733 Beiträge

Im Herbst 1982 hat in Glöwen ein Unteroffiziersschüler noch in der ersten Woche eine Entpflichtung durchgesetzt. Er war dort allerdings wirklich falsch, weil körperlich dem Dienst in keinster Weise gewachsen. Schon der erste Frühsport endete für ihn wegen Herzproblemen im Med-Punkt. Er hat die Uniform ausgezogen und war irgendwie plötzlich "weg".
Im Herbst 1985 hat ein Unteroffizier im Bereich des GR 20, 2. GB kurz vor seiner Entlassung seine Freundin schwer verprügelt. Aus persönlichen Gründen. Er wurde beim Abschlussappell zum Soldaten degradiert weil er (wenn ich das noch richtig in Erinnerung habe) das sozialistische Soldatenbild schwer geschädigt hatte und in Unehren entlassen. Von einer strafrechlichen Verfolgung allerdings ist mir nichts bekannt.
Dies war allerdings eher eine Ausnahme. Normalerweise führten Dienstvergehen und sonstige unerfreuliche Ereignisse zu Versetzungen.
1987 hat sich in Berlin-Lichtenberg ein damaliger Hauptmann der VP neben seiner Ehefrau auch eine Geliebte zugelegt. Anders, als wohl sonst so üblich sehr offen. Vor die Wahl gestellt entschied er sich für ein Ausscheiden aus dem Dienst. Dies war aber keine unehrenhafte Entlassung! Fachlich konnte und hat man ihm nichts vorgeworfen, nur die "mangelnde Vorbildwirkung" halt.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


zuletzt bearbeitet 21.01.2014 09:15 | nach oben springen

#33

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 21.01.2014 09:25
von Hansteiner | 1.414 Beiträge

ja, gesundheitliche Gründe gingen, aber da musste wirklich Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen. Wir hatten einen Soldaten in der offiziellen Grenzdienststärke der Kompanie, für den folgende Einschränkungen galten: Nicht länger als 15 Minuten stehen, nicht schwerer als 5 Kilogramm heben oder tragen, kein Einsatz mit Waffe. Er musste tatsächlich seine volle Zeit abdienen. Wir haben ihn in der Küche eingesetzt und mussten ihn permanent im Grenzdienst ersetzen.

So einen hatten wir auch auf der GK. Er hatte mehr Befreiungen wie manche Haare auf dem Kopf ! Aber genützt hat es ihm nichts.
Auch er musste über die "vollen Runden" !

VG H.



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#34

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 21.01.2014 09:30
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von chantre im Beitrag #31
Das hat zwar jetzt nicht unbedingt etwas mit "Unehrenhaft entlassen" zu tun, aber der unbedingte Zwang zum Grundwehrdienst war nicht immer gegeben. Ich selbst habe keinen GWD geleistet. Ich wurde im Okober 1970 als Anwärter bei der Transportpolizei für den Streifeneinzeldienst eingestellt und war auch nicht bei einer Einsatzkompanie im Ersatzdienst.


Bis zum Anfang der siebziger Jahre war das noch möglich. Wenn man bei der VP oder in einem anderen " Bewaffneten Organ" den Dienst aufnahm. Später musste jeder der zur VP wollte, zuvor seine achtzehn Monate GWD ableisten.

Gruß Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#35

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 21.01.2014 10:14
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Zitat von S51 im Beitrag #32
Im Herbst 1982 hat in Glöwen ein Unteroffiziersschüler noch in der ersten Woche eine Entpflichtung durchgesetzt. Er war dort allerdings wirklich falsch, weil körperlich dem Dienst in keinster Weise gewachsen. Schon der erste Frühsport endete für ihn wegen Herzproblemen im Med-Punkt. Er hat die Uniform ausgezogen und war irgendwie plötzlich "weg".
Im Herbst 1985 hat ein Unteroffizier im Bereich des GR 20, 2. GB kurz vor seiner Entlassung seine Freundin schwer verprügelt. Aus persönlichen Gründen. Er wurde beim Abschlussappell zum Soldaten degradiert weil er (wenn ich das noch richtig in Erinnerung habe) das sozialistische Soldatenbild schwer geschädigt hatte und in Unehren entlassen. Von einer strafrechlichen Verfolgung allerdings ist mir nichts bekannt.
Dies war allerdings eher eine Ausnahme. Normalerweise führten Dienstvergehen und sonstige unerfreuliche Ereignisse zu Versetzungen.
1987 hat sich in Berlin-Lichtenberg ein damaliger Hauptmann der VP neben seiner Ehefrau auch eine Geliebte zugelegt. Anders, als wohl sonst so üblich sehr offen. Vor die Wahl gestellt entschied er sich für ein Ausscheiden aus dem Dienst. Dies war aber keine unehrenhafte Entlassung! Fachlich konnte und hat man ihm nichts vorgeworfen, nur die "mangelnde Vorbildwirkung" halt.


Vor der Vereidigung konnte man jederzeit seine Entpflichtung abgeben. In der Mehrzahl der Fälle wurden diese Uffz.-Schüler aber nicht entlassen , sondern haben dann normal ihren GWD abgedient. Nach 10 Entpflichtungen allein in meiner Kompanie, drohte man mir mit Militärstaatsanwalt und einem Verfahren wegen Wehrkraftzersetzung, falls sich noch einer entpflichten sollte. Das alles nur, weil ich so hilfsbereit war und die Entpflichtungsgesuche fuer ein paar Kollegen formuliert hatte.


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#36

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 21.01.2014 10:14
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von S51 im Beitrag #32
...1987 hat sich in Berlin-Lichtenberg ein damaliger Hauptmann der VP neben seiner Ehefrau auch eine Geliebte zugelegt. Anders, als wohl sonst so üblich sehr offen. Vor die Wahl gestellt entschied er sich für ein Ausscheiden aus dem Dienst. Dies war aber keine unehrenhafte Entlassung! Fachlich konnte und hat man ihm nichts vorgeworfen, nur die "mangelnde Vorbildwirkung" halt.

Hallo S51,

ich glaube, das Problem bei dieser Diskussion liegt schon ein wenig bei der Frage: Ab wann war eine Entlassung "unehrenhaft"? Da wir, zumindest mal für mich als alten Berufsoffizier gesprochen, es als unsere Ehre ansahen, die 25 Jahre "durchzuhalten", war jede Entlassung, Entpflichtung o.ä.m. davor eigentlich unehrenhaft, zumal wenn sie mit einer Degradierung einherging. Aber sei es, ich glaube hier wird es schwierig, Erbsen zu zählen. Und: Wurden wir am Ende nicht alle ein bisschen unehrenhaft entlassen?


ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


jecki09 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 21.01.2014 10:15 | nach oben springen

#37

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 21.01.2014 10:19
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Ich denke mal das es sehr viele junge Menschen gab die sich zu einer längeren Dienstzeit verpflichtet hatten ,aber dann eben mit der Berufswahl nicht so zufrieden waren. Aus dieser Situation heraus zukommen, ohne Folgeprobleme war in der NVA nicht so einfach. Da gab es schon einen ganzen Anteil Frustierter. Die Schönmalerei und Versprechungen auf dem Wehrkreiskommando und die Realität klafften schon oft auseinander.


GilbertWolzow hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#38

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 21.01.2014 11:09
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #37
Ich denke mal das es sehr viele junge Menschen gab die sich zu einer längeren Dienstzeit verpflichtet hatten ,aber dann eben mit der Berufswahl nicht so zufrieden waren. Aus dieser Situation heraus zukommen, ohne Folgeprobleme war in der NVA nicht so einfach. Da gab es schon einen ganzen Anteil Frustierter. Die Schönmalerei und Versprechungen auf dem Wehrkreiskommando und die Realität klafften schon oft auseinander.

Genau das war ein großes Problem, Eisenacher,

wenn man dann noch diesen ganzen Idealen hinterherrannte, konnte man schon schnell übersehen, dass man eigentlich gar nicht zu dem Beruf passte. Aber es wurden dann eher die Selbstzweifel genährt, als eine für die Person passende Lösung gesucht. Es wurde eher erwartet, dass man sich selbst dem Beruf anpasst, als den Beruf an sich selbst. Der Begriff "Kapitulantenhaftes Verhalten" zeigte ja schon ganz klar die Richtung an, in die eine Überzeugungsarbeit laufen sollte. Ab einem bestimmten Punkt brauchte man dann schon mehr Mut, aufzuhören, als dabei zu bleiben.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
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Eisenacher hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#39

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 21.01.2014 11:11
von DoreHolm | 7.697 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #29
Doch es gab Möglichkeiten! Ich kann mich an einen Soldaten erinnern, der keine Kopfbedeckung tragen konnte. Weil ihm dann sofort der Schädel brummte. Das ist kein Witz! Im Gegenteil: er konnte sogar eine ärztliche Bescheinigung für dieses medizinische Phänomen vorweisen! Nach einigem Hickhack wurde der Soldat, noch im ersten Diensthalbjahr, "Dauerdienstunfähig" geschrieben und entlassen.
Ich habe nie erfahren, ob der Soldat tatsächlich an einer seltenen Krankheit litt, oder einfach nur verdammt clever war.

Gruß an alle
Uwe


Genau der gleiche Fall (wird doch wohl nicht Derselbe gewesen sein) hat sich in unserer Ausbildungskompanie zugetragen, der Schweren Kompanie in Hohenneuendorf der GR 38, Herbst 66.



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#40

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 21.01.2014 11:55
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #36
Zitat von S51 im Beitrag #32
...1987 hat sich in Berlin-Lichtenberg ein damaliger Hauptmann der VP neben seiner Ehefrau auch eine Geliebte zugelegt. Anders, als wohl sonst so üblich sehr offen. Vor die Wahl gestellt entschied er sich für ein Ausscheiden aus dem Dienst. Dies war aber keine unehrenhafte Entlassung! Fachlich konnte und hat man ihm nichts vorgeworfen, nur die "mangelnde Vorbildwirkung" halt.

Hallo S51,

ich glaube, das Problem bei dieser Diskussion liegt schon ein wenig bei der Frage: Ab wann war eine Entlassung "unehrenhaft"? Da wir, zumindest mal für mich als alten Berufsoffizier gesprochen, es als unsere Ehre ansahen, die 25 Jahre "durchzuhalten", war jede Entlassung, Entpflichtung o.ä.m. davor eigentlich unehrenhaft, zumal wenn sie mit einer Degradierung einherging. Aber sei es, ich glaube hier wird es schwierig, Erbsen zu zählen. Und: Wurden wir am Ende nicht alle ein bisschen unehrenhaft entlassen?


ciao Rainman


rot:
Ich finde: nein, Klaus-Peter...
Oder bist Du degradiert worden ?
Ich nehme an, dass in Deinem Wehrdienstausweis als letzter Dienstgrad "Hauptmann" steht so wie in meinem "Leutnant".
Nur - man könnte es so formulieren: "die Geschäftsgrundlage ist entfallen". Was will die Bundeswehr mit so viel Offizieren "aus fremden Heeren" anfangen ?? Wo wir schon so sang- und klanglos als Feind verschwunden sind und damit bereits der Bundeswehr die Geschäftsgrundlage durcheinandergebracht haben...
Und inzwischen sind wir ohnehin nur noch müde, alte Krieger, die hier von längst vergangenen Schlachten erzählen....

Gruss Hartmut


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