#1

Wie haben Patrouillen gearbeitet - Wer reagiert auf Alarm ?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.01.2014 12:19
von H-K | 61 Beiträge

Wie viele Grenzsoldaten würde eine Grenzabschnitt bei Tag-und Nacht patrouillieren. Haben Sie eine Route absolvieren und anderen Patrouillen oder Aufenthalt an einem Ort.

Wenn der GSZ oder GSSZ II ausgelöst wurde hat der Füst nur senden die A-Gruppe, oder warnen alle Patrouillen im Grenzabschnitt ?

Wenn andere Patrouillen geschickt wurden, wie wurden sie alarmiert. ?


zuletzt bearbeitet 17.01.2014 12:46 | nach oben springen

#2

RE: Wie haben Patrouillen gearbeitet - Wer reagiert auf Alarm ?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.01.2014 17:23
von PF75 | 3.292 Beiträge

Es kam auf die Länge des Abschnitts an,bei uns im Abschnitt waren meistens 4 stationäre Posten (mit Führungsstelle) und eine mobile Streife im Einsatz.
Waren Arbeiten im Abschnitt angesagt kamen noch 1-2 Postenpaare dazu.
Bei auslösung vom GSZ wurden alle informiert,weil man ja nicht wußte in welche richtung der GV (falls wirklich einer da war ) sich bewegt.
A-Gruppe wurde zu meiner Zeit nochper Telefon( ? )aus der jeweiligen GK angefordert oder bei besonderen Ereignissen wurde vom Batt./Reg. ganze kompanien in den Abschnitt beordert,was aber sehr selten geschah.


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#3

RE: Wie haben Patrouillen gearbeitet - Wer reagiert auf Alarm ?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.01.2014 19:41
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Hallo H-K,

der Begriff des Patrouillierens ist hier nur teilweise zutreffend. Die Posten im Abschnitt konnten verschiedene Aufgaben erhalten:
- Sicherungsposten zur Sicherung eines Abschnitts (das wäre dann das klassische Patrouillieren, was Du meinst)
- Sicherungsposten auf "ständig" (meint ständige Erreichbarkeit über das GMN - der Posten musste also an einem Punkt bleiben)
- Sicherungsposten zur Absicherung eines bestimmten Punktes oder eines bestimmten Ereignisses (Arbeiten im Abschnitt oder Veranstaltungen auf dem Gebiet der BRD)
- Beobachtungsposten (stationär z.B. auf einem B-Turm)
- Horchposten (selten, aber möglich, ebenfalls stationär)

Diese Postenarten wurden während des Dienstes durch den Kommandeur Grenzsicherung (KGSi) befohlen. Die Posten meldeten sich in der Regel alle 90 Minuten bei der Führungsstelle über das Grenzmeldenetz. Dann erfolgte der neue Befehl für die nächste Phase. Für einige Posten waren bestimmte Sicherungsarten von vornherein im Befehl für den Grenzdienst vorgegeben. Bei anderen entschied der KGSi selbständig. Von diesen Posten befanden sich in einem Abschnitt von 10-15 km (durchschnittlicher Abschnitt einer Kompanie) ca. 2 - 6 Posten, bestehend aus Postenführer und Posten. Dazu kamen noch die reinen "Patrouillen" - die Grenzstreifen. Eine Grenzstreife hatte konkret vorgegebene Aufgaben. Morgens war der 6-Meter-Kontrollstreifen einmal komplett abzulaufen und auf Spuren zu kontrollieren. Nachmittags war der 2-Meter-Kontrollstreifen einmal komplett abzulaufen und zu kontrollieren. Weitere Grenzstreifen wurden im Nachtaufzug oder im Rahmen der Staffelung der Kräfte im Hinterland eingesetzt. Die unbeliebteste Form der Grenzstreife war die mit den Vorgesetzten, die dann auch versuchten, unaufmerksame Posten "aufzuklatschen", oder offiziell "den Posten mangelnde Wachsamkeit nachzuweisen".

All diesen Posten war aber eines gemeinsam: Wenn sie ein besonderes Ereignis feststellten, hatten sie sich zum nächsten Punkt zu begeben, von dem aus sie die Führungsstelle erreichen konnten und ihre Beobachtung zu melden: Auslösung Signalgeräte, Abschuss von Leuchtmunition, Minendetonationen, Schüsse, Anschlagen von Hunden oder auch Signal vom Grenzsignalzaun, wenn dieser mit akustischem Signal ausgestattet war. Von dieser Meldepflicht war ein Posten nur befreit, wenn er unmittelbar zur Verhinderung eines Grenzdurchbruchs handelte (Grundsatz: Erst handeln, dann melden). Entsprechend der Meldungen organisierte der KGSi den Posteneinsatz neu (Abriegelung, Kontrolle eines Kontrollstreifens, Kontrolle der Minenanlage).

Wenn der KGSi auf der Führungsstelle das Signal über die Auslösung des Grenzsignalzaunes oder der Minenanlage erhielt, alarmierte er in der Regel zuerst die Alarmgruppe, je nachdem, ob sie im Objekt oder aufder Führungsstelle untergebracht war, und versuchte danach, seine Posten zu erreichen (Ruf über Grenzmeldenetz, den nur Posten auf "ständig" oder Beobachtungsposten empfangen konnten; Abschuss von Handleuchtzeichen; Funk, wenn er vorhanden war und funktionierte). Mit diesen Posten (also Minimum die Alarmgruppe mit 2 Posten) wurde die erste Abriegelung aufgebaut. Dann wurde eine Grenzstreife in Marsch gesetzt, die den entsprechenden Ort der Auslösung untersuchen sollte. Konnte die Lage nicht geklärt werden, wurde durch weitere Alarmgruppen, den Alarmzug oder gar die ganze Kompanie die Abriegelung immer weiter ausgebaut. Eine ganze Kompanie konnte mit maximal 20 Posten ca. 4-5 km des Abschnitts abriegeln, also maximal ein Drittel. Jeder dieser Posten bezog einen bestimmten Postenpunkt auf Höhe des Kolonnenweges und hatte zu beobachten.

Tja, soviel erst mal zum Allgemeinen. Wenn Du noch Fragen hast, genier Dich nicht!

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


jecki09, H-K und hslauch haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#4

RE: Wie haben Patrouillen gearbeitet - Wer reagiert auf Alarm ?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.01.2014 20:33
von H-K | 61 Beiträge

Vielen Dank für erklären, dass Rainman :)

So wie viele GT würde während einer Schicht oben und unten die K6 Kontrollstreifen patrouillieren?


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#5

RE: Wie haben Patrouillen gearbeitet - Wer reagiert auf Alarm ?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.01.2014 20:48
von DoreHolm | 7.692 Beiträge

H-K, die Patroulien, Postendichte, Staffelung u.s.w. waren einmal abhängig von der Zeit (60er, 70er oder 80er Jahre) und auch abhängig von den geographischen Gegebenheite sehr unterschiedlich. Gehe also nicht davon aus, daß ein hier geschilderter Fall allgemeingültig für die ganze Zeit von 1961 bis 1989 und die gesamte Grenze gültig und zutreffend war. Auch war es abhängig, ob Kompaniesicherung oder Bataillionssicherung bestand.
Bei uns (1967/68, Berlin-Hennigsdorf) war es wiederum etwas anders.



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#6

RE: Wie haben Patrouillen gearbeitet - Wer reagiert auf Alarm ?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.01.2014 20:55
von damals wars | 12.143 Beiträge

Der Grenzabschnitt (Berlin) war zweigeteilt, einmal in dem Bereich des Stellvertretenden Zugführer ( mit Pappe) und des Gruppenführers (mit MZ). Zu Beginn und zum Ende der Schicht wurde jeweils gemeinsam mit der Ablösung der KS kontrolliert. Zwischendurch nach den Festlegungen des Zugführers. Im Alarmfall wies einen der Zugführer den Postenpunkt zu.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#7

RE: Wie haben Patrouillen gearbeitet - Wer reagiert auf Alarm ?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.01.2014 21:12
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Zweigeteilt, maximal bei der Einweisung/"Kontrolle" der GP auf den Postenpunkten (rote und Flankenposten; und die restlichen besetzten PoP),
ansonsten Bewegung im Abschnitt durch die mot. Kräfte.


zuletzt bearbeitet 17.01.2014 21:17 | nach oben springen



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