#1

Übernahme von Angehörigen der ehemaligen Volkspolizei nach der Wiedervereinigung

in Das Ende der DDR 23.11.2013 20:01
von ABV | 4.202 Beiträge

@80er hatte in einem anderen Thread die Frage nach den Kriterien bei der Übernahme ehemaliger Volkspolizisten in den Bundesdienst bzw in die Polizeien der neuen Bundesländer, gefragt.
Ich kann da nur für Brandenburg sprechen. Dort lief es folgendermaßen ab.
- Zunächst wurden, ab dem 03. Oktober, Schlag 00:00 Uhr, alle Volkspolizisten übernommen, die zu diesem Zeitpunkt das fünfzigste Lebensjahr noch nicht vollendet hatten. Zu den zunächst übernommenen gehörten auch die bereits vom "RundenTisch", im Februar / März 1990, in die VP übernommenen, ehemaligen Hauptamtlichen MfS-Mitarbeiter.

Der "Generation Fünfzig Plus" wurde Ende August, im Rahmen einer eilig einberufenen Dienstversammlung, ziemlich kalt das bevorstehende Ende ihrer beruflichen Karriere in der Polizei mitgeteilt.
So etwas wünscht keiner: einfach so zum alten Eisen geworfen zu werden. Viele waren gezwungen, sich noch einmal beruflich umzuorientieren. Einige, wie der Stadt-ABV von Seelow, schlugen sich bis zum offiziellen Rentenalter, mit dem morgendlichen Austragen von Zeitungen durchs Leben. Andere verkauften Versicherungen oder fingen beim Wachschutz an.
Ok, aber darum geht es ja in diesem Thread nicht.

Für alle anderen begann ab dem 03. Oktober 1990 eine Zeit voller Unsicherheiten. De facto waren wir Angehörige der Landespolizei Brandenburg. Obwohl niemand so richtig etwas mit diesem Begriff anfangen konnte. Im ersten Moment änderte sich zunächst nicht viel. Aus dem VPKA wurde ein PKA. Ein Polizeikreisamt. Übergangsweise, weil es diese Dienststellenbezeichnung in der Bundesrepublik eigentlich nicht gibt.

Ab dem 03. Oktober 1990 verloren die "Ordnungsgeldblöcke" ihre Gültigkeit. Bis neue, gültige Blöcke, angeschafft wurden, konnten die Polizisten lediglich "Du, Du machen". Wodurch sich das Chaos der Übergangszeit noch zusätzlich verschärfte.

Die Uniformen blieben noch die alten. Mit einer winzigen Veränderung: an den Mützen wurden künftig, statt den Emblemen der DDR, schwarz-rot-goldene Kokarden getragen. Schon am 02. Oktober 1990 wurden von den Streifenwagen die Buchstaben V O L K S entfernt.

Ende Dezember 1990 wurden Fragebögen ausgefüllt. Jeder Polizist musste wahrheitsgemäß Fragen zu seiner Vergangenheit beantworten. Diese Fragebögen wurden von der so genannten "Bischofskonferenz" ausgewertet. In Folge der abgegebenen Selbstauskünfte, wurden die ersten Ex-Volkspolizisten aus dem Dienst entfernt. In der Fragebogenaktion ging es unter anderem um eine eventuelle frühere haupt oder "nebenamtliche" Tätigkeit für das MfS /AfNS, Parteizugehörigkeit, erhaltene Auszeichnungen, eventuelle Teilnahme an den Ereignissen am 07. und 08. Oktober 1989, oder sonstige Menschenrechtsverletzungen. Zur Überprüfung der Angaben, wurde für jeden Polizisten eine Anfrage bei der Gauck-Behörde gestellt. Entgegen anderslautender Gerüchte auch in Brandenburg! Und auch in Brandenburg wurden Polizisten nach Vorlage des Überprüfungsergebnisses, im Falle eines Falles, aus dem Dienst entfernt.

Wenn ich mich recht erinnere, wurden die übernommenen Polizeikräfte nicht nur von der Gauck-Behörde, sondern auch seitens der "Zentralen Erfassungsstelle Salzgitter" unter die Lupe genommen.

Ende 1991 begannen in Brandenburg die ersten Verbeamtungen auf Probe. Die Einstufung ins Eingangsamt erfolgte abhängig nach den geleisteten Dienstjahren. Wobei Dienstjahre bei den Grenztruppen oder beim MfS, keine Berücksichtigung fanden.

Wer weniger als fünf Dienstjahre vorweisen konnte, wurde zum " Polizeimeister/Kriminalmeister zur Anstellung" ernannt. Ab fünf Dienstjahren erfolgte die Einstufung als "Polizeiobermeister/ Kriminalobermeister zur Anstellung" und ab fünfzehn Dienstjahren die zum" Polizeihauptmeister/ Kriminalhauptmeister zur Anstellung".
So lief das im "Mittleren Dienst". Ehemalige Offiziere konnten sich für einen Posten im "gehobenen Dienst" (Laufbahngruppe Kommissar bis Erster Polizei / Kriminalhauptkommissar. Wer in der ehemaligen VP einen Rang in der Laufbahngruppe vom Major bis zum Oberst bekleidet, konnte sich auf einen Posten im "Höheren Dienst", Laufbahngruppe Polizeirat /Kriminalrat bis zum Polizeidirektor/ Kriminaldirektor bewerben.
Viele ehemalige Offiziere liessen sich in den "Mittleren Dienst" zurückstufen. Es kam sogar vor, dass ehemalige Polizeiräte plötzlich zum Hauptmeister mutierten.

Die Überprüfungen der Polizei dauerten bis 1996 an. In deren Folge wurden meines Wissens 500 oder 600 Polizisten aus dem Dienst entfernt.

Wie sah es eigentlich in anderen Bundesländern / Bundesgrenzschutz oder Zoll aus?
Wie sind eure Erfahrungen?

Gruß Uwe


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#2

RE: Übernahme von Angehörigen der ehemaligen Volkspolizei nach der Wiedervereinigung

in Das Ende der DDR 23.11.2013 20:23
von Lutze | 8.039 Beiträge

eine Frage hätte ich dazu,
wer zum MfS gehörte kanntest du bestimmt,
was wurde aus diesen Leuten?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#3

RE: Übernahme von Angehörigen der ehemaligen Volkspolizei nach der Wiedervereinigung

in Das Ende der DDR 23.11.2013 21:17
von ABV | 4.202 Beiträge

Ein großer Teil der damals übernommenen MfS-Mitarbeiter sind heute Polizeibeamte.


Gruß Uwe


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zuletzt bearbeitet 23.11.2013 21:18 | nach oben springen

#4

RE: Übernahme von Angehörigen der ehemaligen Volkspolizei nach der Wiedervereinigung

in Das Ende der DDR 23.11.2013 21:28
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

Wobei die letzten entlassenen Polizeibeamten in Sachsen über die Rosenholz Datei gestolpert sind.
Auf meiner Dienststelle im Jahr 2007.


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#5

RE: Übernahme von Angehörigen der ehemaligen Volkspolizei nach der Wiedervereinigung

in Das Ende der DDR 23.11.2013 21:46
von ABV | 4.202 Beiträge

Ups. Damit dürften die Kollegen wohl kaum noch gerechnet haben. Wer in der Rosenholzdatei stand, war aber schon ein besonderes Kaliber.

Gruß Uwe


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#6

RE: Übernahme von Angehörigen der ehemaligen Volkspolizei nach der Wiedervereinigung

in Das Ende der DDR 23.11.2013 21:51
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

Ich habe mich selbst nie mit der Rosenholzdatei beschäftigt. Aber der Kollege war Hauptkommissar und hat mit der Übergabe dieser Dateien an die BRD sicher nicht gerechnet.


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#7

RE: Übernahme von Angehörigen der ehemaligen Volkspolizei nach der Wiedervereinigung

in Das Ende der DDR 23.11.2013 21:57
von ABV | 4.202 Beiträge

In den Rosenholzdateien standen ja die "IM" der HVA. Ja, das dürfte wohl ein Schock gewesen sein. Erst hieß es, dass die Akten der HVA komplett vernichtet wurden. Und dann übergeben die Amis wider Erwarten die Dateien.

Gruß Uwe


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#8

RE: Übernahme von Angehörigen der ehemaligen Volkspolizei nach der Wiedervereinigung

in Das Ende der DDR 23.11.2013 22:00
von 80er | 572 Beiträge

@ A B V
Erst einmal vielen Dank für deinen ausführliche Erstbeitrag zur Themeneröffnung!

Ende Dezember 1990 wurden Fragebögen ausgefüllt. Jeder Polizist musste wahrheitsgemäß Fragen zu seiner Vergangenheit beantworten. Diese Fragebögen wurden von der so genannten "Bischofskonferenz" ausgewertet. In Folge der abgegebenen Selbstauskünfte, wurden die ersten Ex-Volkspolizisten aus dem Dienst entfernt. In der Fragebogenaktion ging es unter anderem um eine eventuelle frühere haupt oder "nebenamtliche" Tätigkeit für das MfS /AfNS, Parteizugehörigkeit, erhaltene Auszeichnungen, eventuelle Teilnahme an den Ereignissen am 07. und 08. Oktober 1989, oder sonstige Menschenrechtsverletzungen. Zur Überprüfung der Angaben, wurde für jeden Polizisten eine Anfrage bei der Gauck-Behörde gestellt. Entgegen anderslautender Gerüchte auch in Brandenburg! Und auch in Brandenburg wurden Polizisten nach Vorlage des Überprüfungsergebnisses, im Falle eines Falles, aus dem Dienst entfernt.


Interessant in diesem Zusammenhang wären für mich diese Fragebögen im Detail. Wurde da anhand eines Punktesystems am Ende entschieden, wer für die neue FDGO am wenigsten vorbelastet war? War z.B. die Mitgliedschaft in der SED da eher ein Minuskriterium? Ich stelle mir die Entscheidung der zuständigen Stellen für und gegen eine Kandidatur/Übernahme ziemlich schwierig vor.


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#9

RE: Übernahme von Angehörigen der ehemaligen Volkspolizei nach der Wiedervereinigung

in Das Ende der DDR 23.11.2013 22:21
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

Zitat von 80er im Beitrag #8
@ A B V
Erst einmal vielen Dank für deinen ausführliche Erstbeitrag zur Themeneröffnung!

Ende Dezember 1990 wurden Fragebögen ausgefüllt. Jeder Polizist musste wahrheitsgemäß Fragen zu seiner Vergangenheit beantworten. Diese Fragebögen wurden von der so genannten "Bischofskonferenz" ausgewertet. In Folge der abgegebenen Selbstauskünfte, wurden die ersten Ex-Volkspolizisten aus dem Dienst entfernt. In der Fragebogenaktion ging es unter anderem um eine eventuelle frühere haupt oder "nebenamtliche" Tätigkeit für das MfS /AfNS, Parteizugehörigkeit, erhaltene Auszeichnungen, eventuelle Teilnahme an den Ereignissen am 07. und 08. Oktober 1989, oder sonstige Menschenrechtsverletzungen. Zur Überprüfung der Angaben, wurde für jeden Polizisten eine Anfrage bei der Gauck-Behörde gestellt. Entgegen anderslautender Gerüchte auch in Brandenburg! Und auch in Brandenburg wurden Polizisten nach Vorlage des Überprüfungsergebnisses, im Falle eines Falles, aus dem Dienst entfernt.


Interessant in diesem Zusammenhang wären für mich diese Fragebögen im Detail. Wurde da anhand eines Punktesystems am Ende entschieden, wer für die neue FDGO am wenigsten vorbelastet war? War z.B. die Mitgliedschaft in der SED da eher ein Minuskriterium? Ich stelle mir die Entscheidung der zuständigen Stellen für und gegen eine Kandidatur/Übernahme ziemlich schwierig vor.


Ich antworte mal auf deine Frage, wie es in Sachsen war.
Die Mitgliedschaft in der SED war kein Problem. Auch die Angehörigen der Grenztruppen wurden übernommen.
Das Augenmerk wurde auf hauptamtliche und inoffizielle Mitarbeiter des MfS gelegt.
Diese wurden meines Wissens nach, nicht verbeamtet.
Ausnahmen gab es bei ehem. Politoffizieren der NVA. Diese wurden nicht verbeamtet aber versahen ihren Dienst bis zum 65. Lebensjahr und gingen dann in Rente.
Ich selbst hatte Mitte der 90iger Jahre ein Gespräch mit Beamten des Verfassungsschutzes. Man fragte mich z.B. wie
ich mit meiner politischen Einstellung in der DDR (GT. und Parteizugehörigkeit) heute in der BRD zurecht komme.
War einfach nur lächerlich.

Andreas


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#10

RE: Übernahme von Angehörigen der ehemaligen Volkspolizei nach der Wiedervereinigung

in Das Ende der DDR 23.11.2013 22:22
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von ABV im Beitrag #3
Ein großer Teil der damals übernommenen MfS-Mitarbeiter sind heute Polizeibeamte.


Gruß Uwe


Meine jetzige Frau musste zu DDR-Zeiten raus aus ihrem Job bei Vater DDR und als sie dann 92 wieder einen Eid auf den neuen Staat ablegen durfte wurde sie aber vorab kräftig durchgegaukt weil 5 Jahre Rat des Kreises Abt. Finanzen, mit MfS in der Vita wäre da nichts gegangen.
Einem ehemaligen Vorgesetztem von ihr wurde gekündigt und der war nur IM.


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zuletzt bearbeitet 23.11.2013 23:11 | nach oben springen

#11

RE: Übernahme von Angehörigen der ehemaligen Volkspolizei nach der Wiedervereinigung

in Das Ende der DDR 23.11.2013 22:48
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von 80er im Beitrag #8
@ A B V
Erst einmal vielen Dank für deinen ausführliche Erstbeitrag zur Themeneröffnung!

Ende Dezember 1990 wurden Fragebögen ausgefüllt. Jeder Polizist musste wahrheitsgemäß Fragen zu seiner Vergangenheit beantworten. Diese Fragebögen wurden von der so genannten "Bischofskonferenz" ausgewertet. In Folge der abgegebenen Selbstauskünfte, wurden die ersten Ex-Volkspolizisten aus dem Dienst entfernt. In der Fragebogenaktion ging es unter anderem um eine eventuelle frühere haupt oder "nebenamtliche" Tätigkeit für das MfS /AfNS, Parteizugehörigkeit, erhaltene Auszeichnungen, eventuelle Teilnahme an den Ereignissen am 07. und 08. Oktober 1989, oder sonstige Menschenrechtsverletzungen. Zur Überprüfung der Angaben, wurde für jeden Polizisten eine Anfrage bei der Gauck-Behörde gestellt. Entgegen anderslautender Gerüchte auch in Brandenburg! Und auch in Brandenburg wurden Polizisten nach Vorlage des Überprüfungsergebnisses, im Falle eines Falles, aus dem Dienst entfernt.


Interessant in diesem Zusammenhang wären für mich diese Fragebögen im Detail. Wurde da anhand eines Punktesystems am Ende entschieden, wer für die neue FDGO am wenigsten vorbelastet war? War z.B. die Mitgliedschaft in der SED da eher ein Minuskriterium? Ich stelle mir die Entscheidung der zuständigen Stellen für und gegen eine Kandidatur/Übernahme ziemlich schwierig vor.



Schau dir mal den Spiegel-Artikel an: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13503242.html

Da findest du einige Antworten.

Gruß Uwe


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#12

RE: Übernahme von Angehörigen der ehemaligen Volkspolizei nach der Wiedervereinigung

in Das Ende der DDR 23.11.2013 22:57
von polsam | 575 Beiträge

Also die Zeit zwischen Oktober 1990 bis zum Abschluß der ersten Arbeitsverträge war schon eine recht turbulente Zeit.
Viele ehemalige Kollegen haben von sich aus das Dienstverhältnis beendet. Ihnen wird wohl klar gewesen sein, dass eine Weiterbeschäftigung in der neuen Polizei nicht möglich sein wird. Das betraf viele Kollegen der VK-Gruppe Transit aber auch ander Dienstbereiche.
Wobei nicht alle mit dem MfS zusammen gearbeitet habe. So sind die beiden Fahrerlaubnisprüfer zur DEKRA gewechselt.
Die Frauen des Bereiches Personenzulassung / Kfz-Zulassung sind bei der Stadtverwaltung untergekommen, ebenso viele der Frauen vom Pass,-Meldewesen. Aber auch dort hat es dann im Laufe der Zeit Entlassungen gegeben weil die Überprüfung der Gauck-Behörde etwas zu Tage gebracht hat.
Die ersten Arbeitsverträge wurden ca. 10/91 abgeschlossen.
Meiner lautete noch "als vollbeschäftigter Angestellter auf unbestimmte Zeit".
In dieser Zeit mussten auch die Fragebögen für die Überprüfung durch den Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatsdsicherheitsdienstes ausgefüllt werden.
Hinzu kam ein Attest des polizeiärztlichen Dienstes zur Übernahme in das Beamtenverhältnis.
Ende 11/91 erfolgte dann die Berufung in das Beamtenverhältnis auf Probe.
Im August 93 dann die nächste Bestätigung der Stasibehörde, dass Nichts gefunden wurde.
Im April 1994 erfolgte dann die Berufung in das Beamtenverhältnis.
Dazwischen lagen diverse Anpassungsfortbildungen. Teilweise in der Dienststelle aber auch Lehrgänge in der ehemaligen BdVP.
Jüngere Kollegen die eingestellt wurden oder aber noch keine Ausbildung in der DVP hatten wurden für ein halbes Jahr nach Wuppertal delegiert.
Die letzten Kollegen die bei uns "gegaugt" wurden war so Mitte 2006.
In der Zeit 91 bis 94 habe ich immer mitbekommen, wenn ein Kollege gehen musste.
Ich war zu dieser Zeit Sachbearbeiter für Kfz.,Waffen und Gerät.
Da kam dann nur die Kurze Mitteilung, dass der Kollege xyz nicht mehr befugt ist eine Waffe zu führen und die Schlüssel für das Waffenfach einzuziehen sind.
Oft war es auch so, dass das Waffenfach auf Anordnung geleert wurde und dem Kollegen erst dann die Mitteilung gemacht wurde.

Zu meinem 40. Dienstjubiläum hat mich mein Dienststellenleiter gefragt was ich den so empfinde, da ich ja 20 Jahre Volkspolizei und 20 Jahre demokratische Polizei erlebt habe.
Ich habe ihm geantwortet, dass es bei der Polizeiarbeit auf der Straße aus meiner Sicht keine großen Unterschiede gibt, nur dass es heute so ist, dass jeder Polizeibeamte alles können muss.
Mir war es aber früher lieber einen Arbeitsunwilligen zur Abteilung Inneres zu bringen als heute bei einem Arbeitslosen die Zwangsräumung abzusichern.
Da hat mich mein Herr Rat aber angesehen.


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#13

RE: Übernahme von Angehörigen der ehemaligen Volkspolizei nach der Wiedervereinigung

in Das Ende der DDR 23.11.2013 23:27
von ABV | 4.202 Beiträge

Im Bereich der ehemaligen BdVP Frankfurt (Oder) fallen mir zwei Offiziere ein, die sofort nach der Wiedervereinigung kündigten und als Experten anderswo Karriere machten. Einer wurde ein Verkehrsunfallgutachter bei der DEKRA, der andere zog eine floriernde Sicherheitsfirma auf. Bei der im Laufe der Jahre etliche entlassene Kollegen unterkamen.
Ich kenne auch drei Kollegen, die erst in die Wirtschaft gingen und dann " mit hängenden Ohren" wieder zurück zur Polizei kamen.

Gruß Uwe


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#14

RE: Übernahme von Angehörigen der ehemaligen Volkspolizei nach der Wiedervereinigung

in Das Ende der DDR 23.11.2013 23:56
von polsam | 575 Beiträge

Von der Führungsriege habe ich wenig mitbekommen.
Der Polit war plötzlich in der StVA, der Parteisekretär hat einen auf Pressefutzi bei einer regionalen Zewitung gemacht, der vLeiter des VPKA war unmittelbar vor der Wende zur StVA gewechselt.

Der Leiter Verkehrspolizei war plötzlich Fahrlehrer.
Der Kfz-Offizier hat es vorgezogen sich bei einem Bestattungsunternehmen zu verdingen.
Der Schirrmeister hat mit seiner Frau das Vertriebssystem von amway gestärkt.
Der Letzte war auch der Einzige, der zu mir gesagt hat, dass er nach der Auswertung der Fragebögen keine Chance bei der neuen Polizei gehabt hätte.
Er hat dann nach den Töpfen auch einen ordentlichen Job bekommen.
Der Herr Kfz-Ingenieur hat seine ehemaligen Kollegen nicht einmal mehr gekannt. Bei der Bestattung eines IPA-Freundes war es ihm peinlich, dass man ihn gekannt hat.


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zuletzt bearbeitet 24.11.2013 00:09 | nach oben springen

#15

RE: Übernahme von Angehörigen der ehemaligen Volkspolizei nach der Wiedervereinigung

in Das Ende der DDR 24.11.2013 00:31
von ABV | 4.202 Beiträge

Wenn bei uns jemand entlassen wurde, wurde für ihm seitens des Wachenleiters noch eine Abschiedsfeier organisiert. Dort floss dann der Alkohol in Strömen. Und, wem wundert es, auch Tränen. Der nun mehr ehemalige Kollege bekam zum Abschied noch ein Geschenk. Das ganze hatte etwas von einer Trauerfeier. Ich habe nie begriffen, warum sich das die Betroffenen angetan haben.

Gruß Uwe


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#16

RE: Übernahme von Angehörigen der ehemaligen Volkspolizei nach der Wiedervereinigung

in Das Ende der DDR 24.11.2013 00:56
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Was mich mal interessieren würde, ist ein Vergleich der Anzahl der Polizeibeamten 1989 und heute. Hat da jemand Zahlen? Der subjektive Eindruck ist ja ,das es da große Unterschiede gibt.


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#17

RE: Übernahme von Angehörigen der ehemaligen Volkspolizei nach der Wiedervereinigung

in Das Ende der DDR 24.11.2013 01:03
von frank | 1.753 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #1
@80er hatte in einem anderen Thread die Frage nach den Kriterien bei der Übernahme ehemaliger Volkspolizisten in den Bundesdienst bzw in die Polizeien der neuen Bundesländer, gefragt.
Ich kann da nur für Brandenburg sprechen. Dort lief es folgendermaßen ab.
- Zunächst wurden, ab dem 03. Oktober, Schlag 00:00 Uhr, alle Volkspolizisten übernommen, die zu diesem Zeitpunkt das fünfzigste Lebensjahr noch nicht vollendet hatten. Zu den zunächst übernommenen gehörten auch die bereits vom "RundenTisch", im Februar / März 1990, in die VP übernommenen, ehemaligen Hauptamtlichen MfS-Mitarbeiter.
Der "Generation Fünfzig Plus" wurde Ende August, im Rahmen einer eilig einberufenen Dienstversammlung, ziemlich kalt das bevorstehende Ende ihrer beruflichen Karriere in der Polizei mitgeteilt.
So etwas wünscht keiner: einfach so zum alten Eisen geworfen zu werden. Viele waren gezwungen, sich noch einmal beruflich umzuorientieren. Einige, wie der Stadt-ABV von Seelow, schlugen sich bis zum offiziellen Rentenalter, mit dem morgendlichen Austragen von Zeitungen durchs Leben. Andere verkauften Versicherungen oder fingen beim Wachschutz an.
Ok, aber darum geht es ja in diesem Thread nicht.

Für alle anderen begann ab dem 03. Oktober 1990 eine Zeit voller Unsicherheiten. De facto waren wir Angehörige der Landespolizei Brandenburg. Obwohl niemand so richtig etwas mit diesem Begriff anfangen konnte. Im ersten Moment änderte sich zunächst nicht viel. Aus dem VPKA wurde ein PKA. Ein Polizeikreisamt. Übergangsweise, weil es diese Dienststellenbezeichnung in der Bundesrepublik eigentlich nicht gibt.

Ab dem 03. Oktober 1990 verloren die "Ordnungsgeldblöcke" ihre Gültigkeit. Bis neue, gültige Blöcke, angeschafft wurden, konnten die Polizisten lediglich "Du, Du machen". Wodurch sich das Chaos der Übergangszeit noch zusätzlich verschärfte.

Die Uniformen blieben noch die alten. Mit einer winzigen Veränderung: an den Mützen wurden künftig, statt den Emblemen der DDR, schwarz-rot-goldene Kokarden getragen. Schon am 02. Oktober 1990 wurden von den Streifenwagen die Buchstaben V O L K S entfernt.

Ende Dezember 1990 wurden Fragebögen ausgefüllt. Jeder Polizist musste wahrheitsgemäß Fragen zu seiner Vergangenheit beantworten. Diese Fragebögen wurden von der so genannten "Bischofskonferenz" ausgewertet. In Folge der abgegebenen Selbstauskünfte, wurden die ersten Ex-Volkspolizisten aus dem Dienst entfernt. In der Fragebogenaktion ging es unter anderem um eine eventuelle frühere haupt oder "nebenamtliche" Tätigkeit für das MfS /AfNS, Parteizugehörigkeit, erhaltene Auszeichnungen, eventuelle Teilnahme an den Ereignissen am 07. und 08. Oktober 1989, oder sonstige Menschenrechtsverletzungen. Zur Überprüfung der Angaben, wurde für jeden Polizisten eine Anfrage bei der Gauck-Behörde gestellt. Entgegen anderslautender Gerüchte auch in Brandenburg! Und auch in Brandenburg wurden Polizisten nach Vorlage des Überprüfungsergebnisses, im Falle eines Falles, aus dem Dienst entfernt.

Wenn ich mich recht erinnere, wurden die übernommenen Polizeikräfte nicht nur von der Gauck-Behörde, sondern auch seitens der "Zentralen Erfassungsstelle Salzgitter" unter die Lupe genommen.

Ende 1991 begannen in Brandenburg die ersten Verbeamtungen auf Probe. Die Einstufung ins Eingangsamt erfolgte abhängig nach den geleisteten Dienstjahren. Wobei Dienstjahre bei den Grenztruppen oder beim MfS, keine Berücksichtigung fanden.

Wer weniger als fünf Dienstjahre vorweisen konnte, wurde zum " Polizeimeister/Kriminalmeister zur Anstellung" ernannt. Ab fünf Dienstjahren erfolgte die Einstufung als "Polizeiobermeister/ Kriminalobermeister zur Anstellung" und ab fünfzehn Dienstjahren die zum" Polizeihauptmeister/ Kriminalhauptmeister zur Anstellung".
So lief das im "Mittleren Dienst". Ehemalige Offiziere konnten sich für einen Posten im "gehobenen Dienst" (Laufbahngruppe Kommissar bis Erster Polizei / Kriminalhauptkommissar. Wer in der ehemaligen VP einen Rang in der Laufbahngruppe vom Major bis zum Oberst bekleidet, konnte sich auf einen Posten im "Höheren Dienst", Laufbahngruppe Polizeirat /Kriminalrat bis zum Polizeidirektor/ Kriminaldirektor bewerben.
Viele ehemalige Offiziere liessen sich in den "Mittleren Dienst" zurückstufen. Es kam sogar vor, dass ehemalige Polizeiräte plötzlich zum Hauptmeister mutierten.

Die Überprüfungen der Polizei dauerten bis 1996 an. In deren Folge wurden meines Wissens 500 oder 600 Polizisten aus dem Dienst entfernt.

Wie sah es eigentlich in anderen Bundesländern / Bundesgrenzschutz oder Zoll aus?
Wie sind eure Erfahrungen?

Gruß Uwe




dja , wenn man nach der wende verteufelt wird und durch den 'runden tisch' nicht mehr arbeiten darf in sachen sicherheit ,muß man
sich nicht wundern , wenn man in einigen sachen zurückrudern muß um zb.: die sicherheit des französischen präsidenten zu gewährleisten , oder überhaupt die sicherheit !!!
ein paar anweisungen sind da wohl aus bonn schon gekommen um die sicherheit der gäste deutschlands zu gewährleisten !!
null ahnung kombiniert mit unwissen in sachen sicherheit machte für mich damals den 'runden tisch' aus !!
ein 'eckiger' wäre vielleicht besser gewesen für diese 'pfosten' !!!



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#18

RE: Übernahme von Angehörigen der ehemaligen Volkspolizei nach der Wiedervereinigung

in Das Ende der DDR 24.11.2013 01:07
von ABV | 4.202 Beiträge

Belastbare Zahlen habe ich da jetzt momentan nicht parat. Ich kann dir aber sagen, wie die Besetzung des VPKA Seelow nach 17:00 Uhr aussah:
ODH / GODH
1 Hausposten
2 an manchen Tagen bzw Nächten nur ein Schutzpolizist
1 Verkehrspolizist als Unfallbereitschaft ( der sich Zuhause aufhielt)
1 Kriminaldenst ( der ebenfalls Zuhause auf Einsätze wartete)

Dazu kamen im Kreisgebiet noch die Abschnittsbevollmächtigten. Wobei ein ABV für durchschnittlich fünf Orte verantwortlich war.

Heute sind ein bis zwei Funkstreifenbesatzung für das ca. eintausend Quadratkilometer große Gebiet des Polizeireviers Seelow zuständig.

Gruß Uwe


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zuletzt bearbeitet 24.11.2013 01:07 | nach oben springen

#19

RE: Übernahme von Angehörigen der ehemaligen Volkspolizei nach der Wiedervereinigung

in Das Ende der DDR 24.11.2013 01:07
von frank | 1.753 Beiträge

[quote=Eisenacher|p308778]Was mich mal interessieren würde, ist ein Vergleich der Anzahl der Polizeibeamten 1989 und heute. Hat da jemand Zahlen? Der subjektive Eindruck ist ja ,das es da große Unterschiede gibt. [/quote]

warum???



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#20

RE: Übernahme von Angehörigen der ehemaligen Volkspolizei nach der Wiedervereinigung

in Das Ende der DDR 24.11.2013 01:27
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Während ich in der DDR regelmässig von Volkspolizisten einer Routiner-Ausweiskontrolle unterzogen wurde und ich auch mehrmals jährlich in eine Verkehrskontrolle geriet, gab es das im Westen nur sehr selten und nur bei einem Anlass.


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