#141

RE: Englischuntericht unter Ulbricht verboten?

in Leben in der DDR 05.02.2014 21:54
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #123
Zitat von steffen52 im Beitrag #120
@DoreHolm, in diesen Punkt , was Du schreibst, hast Du recht! Ich gehe von meinen erlebten aus, Russisch war für mich ein Groll, war froh das ich so mit hängen und würgen die Prüfung in Russisch geschafft hatte! Bevor die Prüfung in der 10ten war, hieß es kannst auch Englisch mit machen. Was war meine ;Meinung, habe mit Russisch zu tun und nun auch noch Englisch, das fehlte mir gerade noch. Also habe ich es gelassen( leider)!Mein Vater( Staatsbürger-und Englischlehrer) sagte Junge du wirst es noch mal bereuen, wenn du das nicht machst. Was soll ich sagen er hatte verdammt recht! Aber zu dieser Zeit hatte ich halt andere Interessen, als mich noch länger als gemusst, auf die Schulbank zu setzen. Sind viele Dinge, wo man mal auf die Alten hören hätte sollen! Aber es ist ja Heute nicht anders, meine Kinder hören auch nicht auf die Ratschläge die ich ihnen gebe! Was soll es, da müssen sie halt selber durch, ist nun mal so im Leben zwischen Jung und Alt !
Grüsse Steffen52


Meinem Sohnemann habe ich auch mehr als einmal versucht klarzumachen, sein Englisch zu verbessern. Meine Argumente dazu: Wenn Du in einem Handwerksteam arbeitet und der Chef hat einen Auftrag im Ausland ergattert und Du fährst mit ein paar Kollegen hin, dann bist Du in diesem Team wer und wenn es mal eng wird, werden eher erst die anderen entlassen.
Dein Vater gleichzeitig Stabü- und Englischlehrer ? Mich würde nicht wundern, wenn es hier im Forum gleich wieder welche gibt, die darin einen Widerspruch sehen: Marxismus-Leninismus, die Klassiker, die Philosophen und natürlich die Politik der SED und gleichzeitig die Sprache des "Klassenfeindes" lehren ? Ne, aber mal Spaß beiseite. Ich kann mich dunkel daran erinnern, daß ich auch mal von einem sich 150%ig gebärdenden angemosert wurde, der tatsächlich der Meinung war, daß man die Sprache des Klassenfeindes nicht lernen sollte. Solche Leute wurden zum Glück, zumindest in meiner Erinnerung, von niemandem ernst genommen.



rot mark. @DoreHolm
wieso, Marx liegt doch auf einem Londoner Friedhof. Da muss man doch zumindest Englisch können


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#142

RE: Englischuntericht unter Ulbricht verboten?

in Leben in der DDR 05.02.2014 21:54
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von der glatte im Beitrag #140
Zitat von damals wars im Beitrag #101
Die Sorben sind so etwas wie die Indianer Deutschland.
So ne Art Folkloretruppe.

Selbst die Sorben sprechen kaum sorbisch,auf MDR kommen manchmal Sendungen auf sorbisch. So ne Art russisch auf sächsisch. nur grausam.
Die jungen Sorben wollen ganz normale Deutsche sein, keine Schaufensterpuppen.


Ich werde nun dazu nichts mehr schreiben, schon gar nicht wenn die sorbische Bevölkerung hier als "Indianer von Deutschland" bezeichnet werden dürfen.

Reiner


@der glatte, schon wieder wird eine Minderheit herab gesetzt, hatten wir das nicht schon mal!!!
Grüsse Steffen52


seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#143

RE: Englischuntericht unter Ulbricht verboten?

in Leben in der DDR 05.02.2014 22:05
von Boelleronkel (gelöscht)
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Zitat von steffen52 im Beitrag #142
Zitat von der glatte im Beitrag #140
Zitat von damals wars im Beitrag #101
Die Sorben sind so etwas wie die Indianer Deutschland.
So ne Art Folkloretruppe.

Selbst die Sorben sprechen kaum sorbisch,auf MDR kommen manchmal Sendungen auf sorbisch. So ne Art russisch auf sächsisch. nur grausam.
Die jungen Sorben wollen ganz normale Deutsche sein, keine Schaufensterpuppen.


Ich werde nun dazu nichts mehr schreiben, schon gar nicht wenn die sorbische Bevölkerung hier als "Indianer von Deutschland" bezeichnet werden dürfen.

Reiner


@der glatte, schon wieder wird eine Minderheit herab gesetzt, hatten wir das nicht schon mal!!!
Grüsse Steffen52


Das ist nicht gut so,aber wer sagt das?
Ungebildete Uffz.jabs ooch inne GT und das ist sehr freundlich ausgedrueckt...mit Verlaub
Uebrigens jibbet ja noch die "Forumswaechter"also die schlafen ja angeblich nie,ruhen eher ab und an.

Gruss BO


zuletzt bearbeitet 05.02.2014 22:05 | nach oben springen

#144

RE: Englischuntericht unter Ulbricht verboten?

in Leben in der DDR 05.02.2014 22:40
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #141
Zitat von DoreHolm im Beitrag #123
Zitat von steffen52 im Beitrag #120
@DoreHolm, in diesen Punkt , was Du schreibst, hast Du recht! Ich gehe von meinen erlebten aus, Russisch war für mich ein Groll, war froh das ich so mit hängen und würgen die Prüfung in Russisch geschafft hatte! Bevor die Prüfung in der 10ten war, hieß es kannst auch Englisch mit machen. Was war meine ;Meinung, habe mit Russisch zu tun und nun auch noch Englisch, das fehlte mir gerade noch. Also habe ich es gelassen( leider)!Mein Vater( Staatsbürger-und Englischlehrer) sagte Junge du wirst es noch mal bereuen, wenn du das nicht machst. Was soll ich sagen er hatte verdammt recht! Aber zu dieser Zeit hatte ich halt andere Interessen, als mich noch länger als gemusst, auf die Schulbank zu setzen. Sind viele Dinge, wo man mal auf die Alten hören hätte sollen! Aber es ist ja Heute nicht anders, meine Kinder hören auch nicht auf die Ratschläge die ich ihnen gebe! Was soll es, da müssen sie halt selber durch, ist nun mal so im Leben zwischen Jung und Alt !
Grüsse Steffen52


Meinem Sohnemann habe ich auch mehr als einmal versucht klarzumachen, sein Englisch zu verbessern. Meine Argumente dazu: Wenn Du in einem Handwerksteam arbeitet und der Chef hat einen Auftrag im Ausland ergattert und Du fährst mit ein paar Kollegen hin, dann bist Du in diesem Team wer und wenn es mal eng wird, werden eher erst die anderen entlassen.
Dein Vater gleichzeitig Stabü- und Englischlehrer ? Mich würde nicht wundern, wenn es hier im Forum gleich wieder welche gibt, die darin einen Widerspruch sehen: Marxismus-Leninismus, die Klassiker, die Philosophen und natürlich die Politik der SED und gleichzeitig die Sprache des "Klassenfeindes" lehren ? Ne, aber mal Spaß beiseite. Ich kann mich dunkel daran erinnern, daß ich auch mal von einem sich 150%ig gebärdenden angemosert wurde, der tatsächlich der Meinung war, daß man die Sprache des Klassenfeindes nicht lernen sollte. Solche Leute wurden zum Glück, zumindest in meiner Erinnerung, von niemandem ernst genommen.



rot mark. @DoreHolm
wieso, Marx liegt doch auf einem Londoner Friedhof. Da muss man doch zumindest Englisch können


Rot: Mensch, daß mir das damals nicht gleich als Gegenargument diesem Grün mark gegenüber eingefallen ist ?. Und der wirds wahrscheinlich nicht gewußt haben

Aber ähnliche Gründe, die deutsche Sprache nicht zu lernen, gab es ja nicht selten nach dem WK 2 in einigen von der Wehrmacht heimgesuchten Ländern. Ganz einfach jedes mal sehr kurzsichtig gedacht.



zuletzt bearbeitet 05.02.2014 22:43 | nach oben springen

#145

RE: Englischuntericht unter Ulbricht verboten?

in Leben in der DDR 06.02.2014 12:49
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #147
stringer,
bitte übersetze mal deinen Text


Bitte, zu konsultieren unter #134. Für das erste Mal habe ich den Google-Interpreter En - G ( D ) benutzt. Das ist sehr lustig, was da passiert.

Stringer49

PS. Aber vielleicht sollte ich in die Primary School zurückgehen ???


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#146

RE: Englischuntericht unter Ulbricht verboten?

in Leben in der DDR 06.02.2014 22:08
von eisenringtheo | 9.183 Beiträge

Zitat von Stringer49 im Beitrag #134
Guten Abend,

Etwas weiter vorn habe ich über DDR-Bücher für English geschrieben. Hier ein Zitat aus einem Lehrbuch für Erwachsene von Patrick Plant:

«Künert: What special interests did you have outside your studies?
Morris: My main interests were cultural and political. I was a member of a number of students’ clubs or societies—the Film Club, Jazz Club, English Society, and so on. I also played cricket and tennis occasionally. After 1959 most of my spare time was taken up with work for the student branch of the Communist Party.
[...]
Morris: I’m deputy headmaster of a comprehensive school in Coventry.
Künert: Is your wife a teacher, too?
Morris: Yes, she is. She teaches French and German at the same school. We got married in 1963 and spent our honeymoon in Dresden, by the way.
[...]

P M Plant. Everyday English. VEB Verlag Enzyklopädie Leipzig, 1983, 8th edition, p. 45

Leitmotiv : Gäste aus England (Mr Morris) in der DDR (Herr Künert )

Stringer49

(...)



Falls man die Sprache des Klassenfeindes versteht, ist man den feindlichen Einflüssen doch eher ausgesetzt und kann stärker negativ beeinflusst werden...
Es ist viel kultureller Schrott über den Ozean zu uns gekommen, z.B. 1966 die Ballade der "Royal Guardsmen" über den Hund Snoopy, der gegen den Roten Baron gekämpft hat. Sie war recht erfolgreich..



Snoopy Vs. The Red Baron
Achtung, jetzt wir singen zusammen die Geschichte über den
schweinsköpfigen Hund und den lieben Roten Baron.

After the turn of the century
In the clear blue skies over Germany
Came a roar and a thunder man had never heard
Like the screaming sound of the big war bird
Up in the sky, a man in a plane
Baron von Richthofen was his name
Eighty men tried, and eighty men died
Now they're buried together on the countryside

Ten, twenty, thirty, forty, fifty or more
The Bloody Red Baron was running up the score
Eighty men died trying to end that spree
Of the Bloody Red Baron of Germany

In the nick of time, a hero arose
A funny-looking dog with a big black nose
He flew into the sky to seek revenge
But the Baron shot him down; "Curses, foiled again!"

Ten, twenty, thirty, forty, fifty or more
The Bloody Red Baron was running up the score
Eighty men died trying to end that spree
Of the Bloody Red Baron of Germany

Now Snoopy swore he'd get that man
So he asked the Great Pumpkin for a new battle plan
He challenged the German to a real dog fight
While the Baron was laughing, he got him in his sight

The Bloody Red Baron was in a fix
He tried everything but he'd run out of tricks
Snoopy fired once and he fired twice
And that Bloody Red Baron went spinning out of sight

Ten, twenty, thirty, forty, fifty or more
The Bloody Red Baron was running up the score
Eighty men died trying to end that spree
Of the Bloody Red Baron of Germany

Well, ten, twenty, thirty, forty, fifty or more
The Bloody Red Baron was running up the score
Eighty men died trying to end that spree
Of the Bloody Red Baron of German

Theo


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#147

RE: Englischuntericht unter Ulbricht verboten?

in Leben in der DDR 07.02.2014 13:04
von bendix | 2.642 Beiträge

Habe mal einen neuen Thread aufgemacht,dort kann weiter über die Sorben ect. geschrieben werden.
Die Sorben und andere Nationale Minderheiten

Gruß bendix


Das Zufriedene ist leise,das Unzufriedene ist laut.
Gefreiter der Grenztruppen -1980 GAR 40 Oranienburg/Falkensee-GR 34 Groß-Glienicke 1981-1982
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#148

RE: Englischuntericht unter Ulbricht verboten?

in Leben in der DDR 07.02.2014 13:52
von Stringer49 | 700 Beiträge

Guten Tag,

Es gibt nun ein Thread zum Thema « Sorben und andere nationale Minderheiten. » Ich bin dafür sehr dankbar, denn das Thema erinnert an Wales ( Beispiel ).

Es wäre sehr angenehm, wenn wir über English-Unterricht in der DDR sprechen würden. Das interessiert mich sehr, logischerweise.

Vor einigen Jahren ( ich sollte nicht sagen wie viele Jahre, weil wir alle älter werden ...) las ich einen Artikel in der Wochenzeitschrift « Der Spiegel ». Ich habe den Artikel « I become Scheimi » im Internet gefunden :
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13689144.html

Ich möchte nicht glauben, was dort steht. Natürlich, das bemerke ich, wenn ein Deutscher English oder Französisch spricht ( das ist nichts Unangenehmes, das ist gut, weil er sich die Mühe macht in dieser Sprache zu kommunizieren ), aber ich fand (finde) diesen Artikel übertrieben. Die Lehrbücher der DDR waren, das ist sichtbar, ein wenig altmodisch und auch tendenziell, aber korrekt.

Vielen Dank für die Kommentare !

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#149

RE: Englischuntericht unter Ulbricht verboten?

in Leben in der DDR 07.02.2014 14:12
von diefenbaker | 585 Beiträge

Hallo Stringer,

bezogen auf das Erscheinungsjahr 1994 halte ich den Artikel « I become Schleimi » für realistisch.

Gruss Wolfgang



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#150

RE: Englischuntericht unter Ulbricht verboten?

in Leben in der DDR 07.02.2014 14:16
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #146

[...]

Falls man die Sprache des Klassenfeindes versteht, ist man den feindlichen Einflüssen doch eher ausgesetzt und kann stärker negativ beeinflusst werden...
Es ist viel kultureller Schrott über den Ozean zu uns gekommen, z.B. 1966 die Ballade der "Royal Guardsmen" über den Hund Snoopy, der gegen den Roten Baron gekämpft hat. Sie war recht erfolgreich..

[...]



Guten Tag, Eisenringtheo,

das ist unzweifelhaft wahr. Songs, die nicht gut waren in den Augen der Regierenden, gab es genügend. Auch wenn französische Künstler oft in der DDR waren (M Mathieu, G Becaud), ich bin sicher, dass Songs wie Nathalie oder Voyage, voyage von Desireless* nicht so geliebt wurden. Deswegen habe ich die Frage gestellt (thread zum Kino), ob der UK-Film Privilege in der DDR zu sehen war.

Vielleicht ist von Interesse, dass die Bücher von Penguin Books ( die Ausstellungs-Exemplare ) nach der Messe in Leipzig ( Jahre der DDR ) in die internationale Buchhandlung gegeben wurden ( die sollte in der Peters Strasse gewesen sein ). In Gesprächen sagten Leute, dass dort auch Penguin Books verkauft wurden, welche in deutscher Sprache in den DDR-Index eingetragen waren**...

Das ist auch ein interessantes Thema : Die Löcher im Netz der (Literatur-) Zensur.

Stringer49

*... au dessus des barbelés... Reisen « über Stacheldrähte » ist sicherlich sehr subversiv, oder ???
** In der DDR nicht erlaubt war auch das Buch Is Paris Burning von L Collins und D Lapierre, Pocket Books (N.Y.), 1965. Der Film von René Clément ist in der DDR auch nicht gezeigt worden. R Clément hat auch die « Schienenschlacht » ( Bataille du Rail ) gemacht. Dieser Film war in der DDR zu sehen.


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


eisenringtheo hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 07.02.2014 14:17 | nach oben springen

#151

RE: Englischuntericht unter Ulbricht verboten?

in Leben in der DDR 07.02.2014 14:18
von Grenzverletzerin | 1.182 Beiträge

Hallo Stringer,

ich habe heute noch das Lehrbuch 'Kurze englische Sprachlehre', ein kompaktes, übersichtliches Werk zur Grammatik. Das Büchlein 'Lernwortschatz Englisch' fand ich auch sehr hilfreich. Beides habe ich auch noch vom Russisch.
An eine Lesson kann ich mich noch erinnern: the lemon squeezer...da ging es wimre um einen Miethai...der symbolisch für den Kapitalismus stand.


Unter Chemikern funktioniert die Evolution noch: Dumme Experimentierer werden natürlicherweise und rasch eliminiert.

Stringer49 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#152

RE: Englischuntericht unter Ulbricht verboten?

in Leben in der DDR 07.02.2014 14:25
von Freienhagener | 3.879 Beiträge

Man ist in der DDR davon ausgegangen, daß das sozialistische Lager weiter wächst und damit die russische Sprache stetig an Bedeutung gewinnt.
Gleichzeitig nahm man aufgrund von Lenins Imperialismustheorie an, daß der Kapitalismus abstirbt. Demzufolge hätte das Englische an Bedeutung verloren.
Deshalb Russisch für Alle und Englisch nur eingeschränkt.
Eine ganz praktische Schlußfolgerung - wenn es so gekommen wäre.

Ich bin froh, Englischuntericht gehabt zu haben.
Das Russische habe ich vergessen. Das ist kein "Beinbruch": Russen reden international inzwischen auch Englisch.
Auf höchster Ebene bleiben sie selbstverständlich bei ihrer Muttersprache, aus Prestigegründen*. Aber da gibt es diese Ohrstöpsel, über die man das auf Deutsch usw. zugeflüstert bekommt.

* Wie alle anderen auch, außer man möchte Sprachkenntnisse demonstrieren und damit andere Völker für sich einnehmen.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 07.02.2014 14:29 | nach oben springen

#153

RE: Englischuntericht unter Ulbricht verboten?

in Leben in der DDR 07.02.2014 14:42
von eisenringtheo | 9.183 Beiträge

Wie sah es in der DDR eigentlich mit Sprachlabors aus? Ich empfand das immer als Stress. Zum einen war man Einzelkämpfer und konnte so kein Päuschen machen, weil man ja jederzeit vom Lehrer abgehört werden konnte. Der sich dann plötzlich meldete und die vergangenen paar Minuten kritisierte oder lobte und einem die gesprochenen Texte nochmals vorspielen konnte: Technik machts möglich...
Theo


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#154

RE: Englischuntericht unter Ulbricht verboten?

in Leben in der DDR 07.02.2014 14:50
von Freienhagener | 3.879 Beiträge

Hallo Theo,

das mag an Universitäten im Hauptfach (Anglistik) obligatorisch gewesen sein.

An den allgemeinbildenden Schule war sowas nicht verbreitet.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
Grenzverletzerin und eisenringtheo haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#155

RE: Englischuntericht unter Ulbricht verboten?

in Leben in der DDR 07.02.2014 14:53
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

@eisenringtheo

Ich fand die Sprachlabors, die es auch in der DDR gab, ätzend. Lieber habe ich mich blamiert und habe eine sofortige Rückmeldung über Fehler bekommen. Aber das ist wie vieles Ansichtssache.

Außerdem habe ich da immer Platzangst bekommen und das Gemurmel der anderen



http://de.wikipedia.org/wiki/Sprachlabor

LG von der Moskwitschka

@Freienhagener

Wir hatten auch in der Schule (1972) zwei Sprachlabors - eines für Russisch, eines für Englisch. Es war eine Spezialschule zur Vorbereitung auf das Russischlehrerstudium. Einige haben damals die Kombination Russisch/ Englisch gewählt, und haben dann ein Studium in der PH Potsdam aufgenommen. Die PH ist nach der Wende in der Uni Potsdam aufgegangen. Darauf aufbauend konnten in Potsdam englischsprachige Programme sehr schnell eingeführt werden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Universit%C...sdam#Geschichte

LG von der Moskwitschka


eisenringtheo und Stringer49 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 07.02.2014 15:02 | nach oben springen

#156

RE: Englischuntericht unter Ulbricht verboten?

in Leben in der DDR 07.02.2014 15:15
von Freienhagener | 3.879 Beiträge

Danke Moskwitschka für die Info.

An Spezialschulen ist das zu erwarten.
Es gab ja auch diese Spracholympiaden (und gibt es heute noch).


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
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#157

RE: Englischuntericht unter Ulbricht verboten?

in Leben in der DDR 07.02.2014 15:18
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Zitat von Stringer49 im Beitrag #148
Guten Tag,

Es gibt nun ein Thread zum Thema « Sorben und andere nationale Minderheiten. » Ich bin dafür sehr dankbar, denn das Thema erinnert an Wales ( Beispiel ).

Es wäre sehr angenehm, wenn wir über English-Unterricht in der DDR sprechen würden. Das interessiert mich sehr, logischerweise.

Vor einigen Jahren ( ich sollte nicht sagen wie viele Jahre, weil wir alle älter werden ...) las ich einen Artikel in der Wochenzeitschrift « Der Spiegel ». Ich habe den Artikel « I become Scheimi » im Internet gefunden :
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13689144.html

Ich möchte nicht glauben, was dort steht. Natürlich, das bemerke ich, wenn ein Deutscher English oder Französisch spricht ( das ist nichts Unangenehmes, das ist gut, weil er sich die Mühe macht in dieser Sprache zu kommunizieren ), aber ich fand (finde) diesen Artikel übertrieben. Die Lehrbücher der DDR waren, das ist sichtbar, ein wenig altmodisch und auch tendenziell, aber korrekt.

Vielen Dank für die Kommentare !
Stringer49


Grün: Also so richtig kann ich damit auch nicht mitgehen. Von meiner Englischlehrerin auf der VHS (70er Jahre) weiß ich, daß sie schon wegen ihrer Faches in UK war. Sooo schlechtwar es mit der englischsprachigen Literatur auch nicht bestellt. ich hatte mir damals z.B. einen Roman von Sir walter Scott gekauft und was den Morning Star betrifft, gehe ich davon aus, daß es völlig unwichtig ist, welcher Ideologie eine Zeitung anhaftet. Die Formulierungen, Vokabeln, Grammatik, Themen u.s.w. sind die Gleichen. Da halte ich eher einen klaren Mangel an erfahrenen Englischlehrern zu dieser Zeit für das Hauptproblem und mitunter die "Schnellbesohlung für Lehrer, die umschulen mußten.
Was das Sprechen der Schüler betrifft, wird es heute nicht so viel anders sein. Den Slang, die immer wieder gleichen Vokabel in den Jugendszene, aber keine zusammenhängenden Satz sagen können, ist auch heute zu finden und nicht nur im Osten. Mein Sohn schmiss auch mal mit englischen Worten um sich. Als ich ihn fragte, ob er weigentlich weiß, was das Wort eigentlich heißt, kam die Antwört "Nö, muß ich nicht wissen. Es reicht, wenn ich weiß wo ich es Gebrauche". Übrigens, das Wort "become" hatte mich auch schon genarrt und hatte es damals mit "bekommen" übersetzt. ich wurde von meiner Chefin freundlich darauf hingewiesen und seitdem sitzt es.



Stringer49 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#158

RE: Englischuntericht unter Ulbricht verboten?

in Leben in der DDR 07.02.2014 15:22
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Zitat von Grenzverletzerin im Beitrag #151
Hallo Stringer,

ich habe heute noch das Lehrbuch 'Kurze englische Sprachlehre', ein kompaktes, übersichtliches Werk zur Grammatik. Das Büchlein 'Lernwortschatz Englisch' fand ich auch sehr hilfreich. Beides habe ich auch noch vom Russisch.
An eine Lesson kann ich mich noch erinnern: the lemon squeezer...da ging es wimre um einen Miethai...der symbolisch für den Kapitalismus stand.


Daran erinnere ich mich auch noch. Hatte diesen Zusammenhang mal als Witz in meinem Englisch-Lehrbuch gelesen. Der lemon squeezer war dann eigentlich der rent collector (Steuereintreiber).



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#159

RE: Englischuntericht unter Ulbricht verboten?

in Leben in der DDR 07.02.2014 15:36
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Übrigens, nach der Rückgabe Hongkongs an die Chinesen wurden dort auch etliche Englisch-Schulen dichtgemacht, weil man glaubte, die Sprache der Kolonialherren brauchte man jetzt nicht mehr. Es wurde aber dann doch gemerkt, daß es ohne Englisch nicht geht wenn man international mitmischen will und die Fachliteratur zu den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und internationale Wirtschaft und Politik verstehen will. Als das klar war, gab es schon viele Schulen nicht mehr und mußten mühsam wieder aufgebaut werden. Das erzählte uns ein Mitarbeiter einer Konzernschwester, die dort schon lange ansässig ist und der uns Hongkong zeigte. Wir wurden gerade in Hongkong immer mal wieder gefragt, warum wir kein Russisch sprechen. Diese Sprache hat in dieser Region der Welt einen ganz anderen Stellenwert als hier in Westeuropa. Noch ein Sache wurde uns erzählt, bei der man eigentlich nur den Kopf über unsere Beamten in den Kultusministerien schütteln kann. Da beabsichtigt war, daß ich, bei gut gehenden Geschäften, mit Familie dort runter ziehen sollte und unser Sohn gerade 9 Jahre war, fragte ich, ob an der deutschen Schule in HK auch chinesisch unterrichtet wird. Wäre ja eigentlich logisch, auch Minimalkenntnisse der Landessprache zu beherrschen, dachte ich. Dort wird nach den Lehrplänen von Nordrh.-Westf. unterrichtet, so unser Kollege dort, und weil im Lehrprogramm von NRW kein Chinesch vorgesehen ist, wird auch in HK kein Chinesisch unterrichtet. Was soll man dazu sagen ? Da wiehert der Amtsschimmel.



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#160

RE: Englischuntericht unter Ulbricht verboten?

in Leben in der DDR 07.02.2014 16:27
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Ich hatte 3 Jahre Schulenglisch hinter mir, als sich im Sommer 1973 die Jugend der Welt in Berlin versammelte. Es hat zumindest gereicht um mit Wegbeschreibungen, Kaufverhandlungen am Bockurststand usw. zu helfen oder Auskünfte über die eigene Person zu geben. Aber auch einfachen Gesprächen zu folgen. Es wurde dabei viel gelacht und wenn es wirklich nicht mehr weiter ging - irgend jemand hatte immer ein Wörterbuch dabei. Und es waren damals nicht nur Engländer, die versuchten sich in englisch zu verständigen. Natürlich erreichte man auch sehr schnell Grenzen. Aber das war nicht tragisch und hat der Stimmung dieser Tage keinen Abbruch getan. Es war kein Druck dahinter, sondern einfach der Wunsch, den anderen zu verstehen, denn wann bekam man wieder solch eine Gelegenheit.

Wie wichtig diese einfachen Dinge sind, erlebte ich 20 Jahre später in Peking. Meine Tochter und ich machten die Stadt unsicher und schauten mal dort in ein Geschäft oder an jenem Stand auf einem Markt. Alleine einer Verkäuferin, die weder deutsch, noch englisch, noch russisch sprach begreiflich zu machen, dass man z.B. von den angeboteten Keksen nur kosten wollte, dauerte eine halbe Stunde. Man kann zwar nicht von einem Gespräch sprechen, dass sich damals entwickelte, aber es war eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

LG von der Moskwitschka


Stringer49 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 07.02.2014 16:28 | nach oben springen


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