#81

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.11.2013 15:29
von furry | 3.580 Beiträge

Wenn ich bisher richtig verstanden habe, gab es die U-Haftanstalt in HSH und auch bei den jeweiligen Bezirksverwaltungen des MfS. Daneben gab es aber auch noch UHA des MdI.
Was war der entscheidende Faktor, warum ein Straftatverdächtiger in eine UHA des MfS oder des MdI einquartiert wurde?


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#82

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.11.2013 15:29
von Moskwitschka (gelöscht)
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Hier der letzte Jahresbericht des MfS mit hoffentlich allen und korrekten Zahlen aus dem Jahr 1988: http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Publik...publicationFile

Die Tätigkeit der Ermittlungsorgane im Jahre 1988 fand in einem Bericht ihren Niederschlag. Die "Einschätzung der Wirksamkeit der Untersuchungsarbeit und Leitungstätigkeit" wurde Ende Januar 1989 vom Leiter der Auswertungs- und Kontrollgruppe (AKG), dem wichtigsten Stabsorgan der Hauptabteilung Untersuchung (HA IX), Oberst Dr. Manfred Eschberger, dem Chef aller MfS-Ermittler, Generalmajor Fister, vorgelegt. In der vorliegenden Publikation ist er mit Kommentaren versehen vollständig dokumentiert.

http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Publik...948F41.2_cid344

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 07.11.2013 15:31 | nach oben springen

#83

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.11.2013 15:36
von Duck | 1.741 Beiträge

Zitat von furry im Beitrag #81
Wenn ich bisher richtig verstanden habe, gab es die U-Haftanstalt in HSH und auch bei den jeweiligen Bezirksverwaltungen des MfS. Daneben gab es aber auch noch UHA des MdI.
Was war der entscheidende Faktor, warum ein Straftatverdächtiger in eine UHA des MfS oder des MdI einquartiert wurde?


Zum Beispiel versuchte Republikflucht, oder Menschenhandel oder Anschläge auf Volkseigentum..da würde ich von ausgehen das das ein Fall für den MfS war.


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


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#84

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.11.2013 15:40
von Hans | 2.166 Beiträge

Hi.....
Im Prinzip ganz einfach, wer bearbeitet ? - dessen UHA . mit ganz wenigen Ausnahmen.
73 Hans


I´m just a truckle, but I don´t like to truckle. ( Prokop; Unterschenkel )
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#85

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.11.2013 15:42
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #82
Hier der letzte Jahresbericht des MfS mit hoffentlich allen und korrekten Zahlen aus dem Jahr 1988: http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Publik...publicationFile

Die Tätigkeit der Ermittlungsorgane im Jahre 1988 fand in einem Bericht ihren Niederschlag. Die "Einschätzung der Wirksamkeit der Untersuchungsarbeit und Leitungstätigkeit" wurde Ende Januar 1989 vom Leiter der Auswertungs- und Kontrollgruppe (AKG), dem wichtigsten Stabsorgan der Hauptabteilung Untersuchung (HA IX), Oberst Dr. Manfred Eschberger, dem Chef aller MfS-Ermittler, Generalmajor Fister, vorgelegt. In der vorliegenden Publikation ist er mit Kommentaren versehen vollständig dokumentiert.

http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Publik...948F41.2_cid344

LG von der grenzgaengerin


Na, da sehen die Zahlen doch schon ganz anders aus.
Danke für die Links.


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#86

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.11.2013 15:48
von Duck | 1.741 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #85
Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #82
Hier der letzte Jahresbericht des MfS mit hoffentlich allen und korrekten Zahlen aus dem Jahr 1988: http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Publik...publicationFile

Die Tätigkeit der Ermittlungsorgane im Jahre 1988 fand in einem Bericht ihren Niederschlag. Die "Einschätzung der Wirksamkeit der Untersuchungsarbeit und Leitungstätigkeit" wurde Ende Januar 1989 vom Leiter der Auswertungs- und Kontrollgruppe (AKG), dem wichtigsten Stabsorgan der Hauptabteilung Untersuchung (HA IX), Oberst Dr. Manfred Eschberger, dem Chef aller MfS-Ermittler, Generalmajor Fister, vorgelegt. In der vorliegenden Publikation ist er mit Kommentaren versehen vollständig dokumentiert.

http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Publik...948F41.2_cid344

LG von der grenzgaengerin


Na, da sehen die Zahlen doch schon ganz anders aus.
Danke für die Links.



das sehe ich auch so, danke GG


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


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#87

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.11.2013 15:48
von Moskwitschka (gelöscht)
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Und hier etwas zur Wiedereingliederung von Strafgeangenen nach der Amnestie vom 06.10.1972 für politische und kriminelle Straftäter
http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl?Chronik_1972

Ministerrat Geheime Verschlußsache B 2 – 277/73

Beschluß über den weiteren Einsatz von Strafgefangenen zur Arbeit

vom 16. August 1973


http://stasipfer.de.to/ministerratsbeschluss-1973.html

LG von der grenzgaengerin


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#88

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.11.2013 15:58
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von furry im Beitrag #81
Wenn ich bisher richtig verstanden habe, gab es die U-Haftanstalt in HSH und auch bei den jeweiligen Bezirksverwaltungen des MfS. Daneben gab es aber auch noch UHA des MdI.
Was war der entscheidende Faktor, warum ein Straftatverdächtiger in eine UHA des MfS oder des MdI einquartiert wurde?


@furry - anbei ein Foto der BV Schwerin, Demmlerplatz 1-2, so wie ich sie noch kennen gelernt habe.



Heute ist es wieder das Amtsgericht. Hinten an befand sich die U-Haft. Siehe auch hier http://www.flickr.com/photos/derknuth/76...in/photostream/ (ist nur ein Teil zu sehen).
Die U-Haft der BdVP Schwerin befand sich, wimre in der Graf-Schack-Allee am Burgsee in Schwerin.

Vierkrug


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#89

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.11.2013 17:01
von furry | 3.580 Beiträge

Gab es Fälle, in denen ein in einer MfS-UHA einsitzender Straftatverdächtiger nicht zu einer Haftstrafe verurteilt wurde?
Wenn ja, wie erfolgte die Wiedereingliederung und bekam er für den Fall eine Haftstrafentschädigung?


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
zuletzt bearbeitet 07.11.2013 17:02 | nach oben springen

#90

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.11.2013 17:14
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von furry im Beitrag #89
Gab es Fälle, in denen ein in einer MfS-UHA einsitzender Straftatverdächtiger nicht zu einer Haftstrafe verurteilt wurde?
Wenn ja, wie erfolgte die Wiedereingliederung und bekam er für den Fall eine Haftstrafentschädigung?


Ich kann mich noch daran erinnern, dass es im August 1968 bei einer Demo in der Wismarschen Straße in Schwerin zahlreiche Festnahmen / Verhaftungen gegeben hat und die Betreffenden zum Teil in die U-Haft der BV eingeliefert wurden. Einige wurden nach ein paar Tagen aus der U-Haft wieder entlassen und konnten die BV über den Haupteingang verlassen.
Inwieweit Entschädigungszahlungen getätigt wurden entzieht sich meiner Kenntnis. Die zuständigen HA waren die IX und die XIV. Ich war damals noch im BdL der BV tätig.

Vierkrug


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#91

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.11.2013 17:22
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von furry im Beitrag #89
Gab es Fälle, in denen ein in einer MfS-UHA einsitzender Straftatverdächtiger nicht zu einer Haftstrafe verurteilt wurde?
Wenn ja, wie erfolgte die Wiedereingliederung und bekam er für den Fall eine Haftstrafentschädigung?


Der Abschlußbereicht des MfS zu den Ereignissen rund um den Alexanderplatz 1977 ist ein gutes Beispiel:

Stasi-Untersuchungsbericht zu den Krawallen auf dem Alexanderplatz http://www.bstu.bund.de/DE/Presse/Themen...4946_list%253D2

LG von der grenzgaengerin


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zuletzt bearbeitet 07.11.2013 17:26 | nach oben springen

#92

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.11.2013 17:25
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #87
Und hier etwas zur Wiedereingliederung von Strafgeangenen nach der Amnestie vom 06.10.1972 für politische und kriminelle Straftäter
Ministerrat Geheime Verschlußsache B 2 – 277/73
Beschluß über den weiteren Einsatz von Strafgefangenen zur Arbeit
vom 16. August 1973

http://stasipfer.de.to/ministerratsbeschluss-1973.html
LG von der grenzgaengerin


Hallo,
ich frage mich warum das so geheim sein sollte?

1. Es wurde eine Amnestie durchgeführt.
2. Die Frage der Übeleitung vom Strafvollzug zum regulären Arbeitsleben, Eingliederung und Ruckfallquote wurde so wichtig genommen daß der Ministerat sich damit beschäftigt.
3. Amnestierte und Entlassende wollte man möglichst nicht konzentriert haben, deshalb diese nur begrenzt und zeitweilig in Wohnheimen.
4. Hinweis an die Betreibe daß allgemeine Arbeitsnormen AUCH für Gefangende gelten! Besondere Schinderei von daher nicht gefordert war.

Von daher lässt sich eine "Opferolle" meiner Meinung nach nicht herleiten.



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#93

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.11.2013 17:25
von Duck | 1.741 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #90
Zitat von furry im Beitrag #89
Gab es Fälle, in denen ein in einer MfS-UHA einsitzender Straftatverdächtiger nicht zu einer Haftstrafe verurteilt wurde?
Wenn ja, wie erfolgte die Wiedereingliederung und bekam er für den Fall eine Haftstrafentschädigung?


Ich kann mich noch daran erinnern, dass es im August 1968 bei einer Demo in der Wismarschen Straße in Schwerin zahlreiche Festnahmen / Verhaftungen gegeben hat und die Betreffenden zum Teil in die U-Haft der BV eingeliefert wurden. Einige wurden nach ein paar Tagen aus der U-Haft wieder entlassen und konnten die BV über den Haupteingang verlassen.
Inwieweit Entschädigungszahlungen getätigt wurden entzieht sich meiner Kenntnis. Die zuständigen HA waren die IX und die XIV. Ich war damals noch im BdL der BV tätig.

Vierkrug


August 1968? - Prager Frühling?


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


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#94

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.11.2013 17:25
von 94 | 10.792 Beiträge

Was mir noch so bissel im Kopf rumgeht, ab wann ist man ein 'Politischer'? Könnte da das Kriterium des Freikaufes gelten?
Dazu fand ich folgende Zahlen im Netz:

O-Ton:
289.000 Stasitäter, davon:
100.000 hauptamtliche Mitarbeiter
189.000 IMś (inoffizielle Mitarbeiter)

250.000 Stasihäftlinge, davon:
34.000 freigekaufte politische Häftlinge

Quelle: die-ddr-und-die-stasi.com

Das wären dann aber über 13½ Prozente, hmm, also keine 5%te nur. Oder wenn man sich die Zahlen aus der Quelle grenzgaengerin anschaut, da sind dann über die Hälfte allein nur 213er (im Jahre '88), wobei nicht jeder 213er ein 'Politischer' war.
Mann ist das kompliziert, wenn man so in Schubladen denkt.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 07.11.2013 17:28 | nach oben springen

#95

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.11.2013 17:26
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Duck im Beitrag #93
Zitat von Vierkrug im Beitrag #90
Zitat von furry im Beitrag #89
Gab es Fälle, in denen ein in einer MfS-UHA einsitzender Straftatverdächtiger nicht zu einer Haftstrafe verurteilt wurde?
Wenn ja, wie erfolgte die Wiedereingliederung und bekam er für den Fall eine Haftstrafentschädigung?


Ich kann mich noch daran erinnern, dass es im August 1968 bei einer Demo in der Wismarschen Straße in Schwerin zahlreiche Festnahmen / Verhaftungen gegeben hat und die Betreffenden zum Teil in die U-Haft der BV eingeliefert wurden. Einige wurden nach ein paar Tagen aus der U-Haft wieder entlassen und konnten die BV über den Haupteingang verlassen.
Inwieweit Entschädigungszahlungen getätigt wurden entzieht sich meiner Kenntnis. Die zuständigen HA waren die IX und die XIV. Ich war damals noch im BdL der BV tätig.

Vierkrug


August 1968? - Prager Frühling?


Ja


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#96

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.11.2013 17:29
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Bei bewiesener Unschuld könnte es einen Freispruch gegeben haben. Ein Ausweg war in dem Fall auch eine Absprache zwischen Verteidiger, Richter, Staatsanwaltschaft und Angeklagten. Das nannte sich z.B. "Verurteilung mit einem öffentlichen Tadel ohne Eintrag in das Strafregister". Da brauchte der Staat keine Haftentschädigung zu zahlen und der Angeklagte galt nicht als vorbestraft.


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#97

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.11.2013 17:31
von Duck | 1.741 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #96
Bei bewiesener Unschuld könnte es einen Freispruch gegeben haben. Ein Ausweg war in dem Fall auch eine Absprache zwischen Verteidiger, Richter, Staatsanwaltschaft und Angeklagten. Das nannte sich z.B. "Verurteilung mit einem öffentlichen Tadel ohne Eintrag in das Strafregister". Da brauchte der Staat keine Haftentschädigung zu zahlen und der Angeklagte galt nicht als vorbestraft.


Ich muss jetzt mal dumm fragen Eisenacher, gab es solche Absprachen auch schon zu DDR-Zeiten??


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


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#98

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.11.2013 17:36
von Alfred | 6.854 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #96
Bei bewiesener Unschuld könnte es einen Freispruch gegeben haben. Ein Ausweg war in dem Fall auch eine Absprache zwischen Verteidiger, Richter, Staatsanwaltschaft und Angeklagten. Das nannte sich z.B. "Verurteilung mit einem öffentlichen Tadel ohne Eintrag in das Strafregister". Da brauchte der Staat keine Haftentschädigung zu zahlen und der Angeklagte galt nicht als vorbestraft.


Wenn Mann / Frau unschuldig war, gab es auch keinen Tadel oder ähnliches.


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#99

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.11.2013 17:54
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Erst Ende der 90er Jahre wurde den Gefangenen fuer ihre Zwangsarbeit Geld gegeben,

Wann und wo warst Du im Gefängnis?

Gruß, Heiko


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#100

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.11.2013 18:00
von turtle | 6.961 Beiträge

Da ich faul bin kopiere ich Dir mal alte Beiträge von mir hier mit rein. Gruß Peter

Natürlich kann ich nur meine Beweggründe für eine Republikflucht schreiben., besser gesagt wie entstand meine negative Einstellung zur DDR. Nun ich denke da muss ich beim Elternhaus anfangen ,das eigentlich nicht diese Bezeichnung verdient . Ich stamme aus einen Ort bei Leipzig (inzwischen eingemeindet) wo nach dem Krieg sowj.Soldaten stationiert waren. Ständig hörte ich was die wieder geklaut hatten, oder welche Frau vergewaltigt wurde. Was vergewaltigt war wusste ich nicht es muss aber etwas schlimmes gewesen sein. In der Schule lernten wir das Lied Partisanen vom Amur. Doch mein Onkel erzählte das waren alles Verbrecher ,welche feige aus dem Hinterhalt angegriffen haben und gefangene deutsche Soldaten bevor sie erschossen wurden grausam gefoltert haben! Als im Dorf die Bauern enteignet wurden hörte ich auch nur negatives über die Kommunisten und des SED Regimes. Doch im Westen soll alles besser sein. Meine ablehnende Haltung zur DDR wurde also da bereits geprägt. Später kam ich in ein Kinderheim wo ich die Sozialistische Erziehung genießen sollte. Doch mit Zwang erreichten die das Gegenteil! Als auch noch ständig massiv auf mich eingeredet wurde ich soll Rinderzüchter werden (wir hatten eine Paten LPG)
lernte ich aus Protest Bäcker da dass der einzige Laden in dem Kaff war. Ich hatte einfach das Heim vor vollendete Tatsachen gestellt mit dem Lehrvertrag .Meine Mutter hatte mit unterschrieben somit war das Rechtskräftig. Meine Orientierung ging immer mehr in Richtung Westen!
Ich empfand immer mehr dass der Sozialismus nicht mein Ding ist. Ich hatte Sehnsucht nach der weiten Welt, Freiheit (welche ich darunter Verstand) Ich kam mir vor wie mit Maulkorb und Zwangsjacke. Paris, New York, Rom, auch Moskau, oder Samarkand das wollte ich sehen.
Doch in der DDR gab es nur eine Richtung, und das auch nicht für alle oder mit viel Glück! Mit der Mauer und den Ausbau der Grenze zur BRD sah ich die DDR nur noch als riesiges Gefängnis .Mir war immer mehr klar das ich meine Träume da nie verwirklichen kann.
Nach meiner Lehre versuchte ich daher die DDR illegal zu verlassen. Ich war aber zu blöd und wurde bereits im Sperrgebiet festgenommen. Ich wurde mit 18 Jahren zu 18 Monaten Zuchthaus verurteilt. Natürlich habe ich das nicht als gerecht empfunden! Nein meine Liebe zur DDR wurde dadurch nicht besser,. Nach der Haft wurde mir Arbeit im VEB Leipziger Eisen und Stahlwerk zugewiesen. Ich bekam einen Sonderausweis der mich negativ abstempelte . Reisen durfte ich mit diesem Ausweis nun noch weniger! Einmal pro Woche musste ich mich beim ABV melden. Jeder kriminelle Straftäter wurde nach der Haft besser behandelt ,wegen der Wiedereingliederung in die sozialistische Gesellschaft.! Meine Zukunft sah ich nun in der DDR noch mehr negativ. Von einem Ausreiseantrag war mir damals (1968) nichts bekannt.
Also versuchte ich erneut die Republikflucht welche mir auch gelang. Ich fuhr in Hamburg zur See ,sah die Welt und erfüllte meine Träume !
Nein bereut habe ich meine Flucht nie es ist mir auch zu keinem Zeitpunkt in den Sinn gekommen in die DDR zurückzukehren! Das war nun fast eine Lebensgeschichte doch zum besseren Verständnis wollte ich so weit ausholen. Wäre mein Elterhaus oder meine Erziehung eine andere gewesen vielleicht wäre mein Leben anders verlaufen. Doch ich denke auch dann hätte ich dem System in der DDR kritisch gegenübergestanden!

Wegen meiner Familie (Mutter, Bruder, Schwester) hatte ich eigentlich wegen der Stasi nicht so viel Angst. Sie konnten sich nicht verraten da sie absolut nichts gewusst haben ,das ich wieder abhauen möchte. Und nach meinem 1.Fluchtversuch wurden sie zwar vernommen, hatten aber so weit mir bekannt ist keinen großen Ärger.

Vor 2004 hatte ich Abneigung für das System in der DDR ,mit Hass möchte ich das aber nicht gleichsetzen. So etwas wie Hass empfand ich erst nach der Einsicht in meine Stasiunterlagen. Als ich erkannte wer mir alles geschadet hat und noch schlimmer wenn es ein guter Freund war. Da waren Unwahrheiten dabei ,was ich nie getan oder gesagt hatte. Ich konnte mich ja nie vereidigen. Hauptsache die Schmierfinken hatten was auf dem Papier.

Ja sicher der Pastor als Nachbar hat mich mit beeinflusst meinen Hass abzubauen , ich denke es war auch mit die Zeit die vergangen ist und das Alter macht nicht unbedingt weiser aber abgeklärter . Durch das Auseinandersetzen mit den vermeintlichen Gegnern von einst musste ich einiges von meiner Meinung revidieren.

Zuletzt noch einmal etwas aus der Haftzeit. Hatte ich so auch schon einmal geschrieben.

. Ich möchte nichts vom Hörensagen schreiben sondern nur was ich selber erlebt habe! Ich war über 6 Monate in der U-Haft in einer Einzelzelle. Ich hatte das Urteil nicht angenommen ,ging in Berufung . Natürlich hat das nichts gebracht also war ich weiter stur und beantragte Kassation! Das wurde aber abgelehnt somit war das Urteil 18 Monate rechtskräftig. Das alles hatte mir keine Sympathie eingebracht. Bei der Urteilsverkündung sagte der Oberrichter Ich müsste dankbar sein, das mich die Sicherheitsorgane der DDR vor diesen Schritt bewahrt haben“ (Republikflucht) . Nun hätte ich aber Gelegenheit darüber nachzudenken wie ich wieder ein vollwertiges Mitglied der Sozialistischen Gesellschaft werde! Na wie schon geschrieben ich hatte eine andere Ansicht! Nun zu den von mir Erlebten. Mir wurde Tagelang Schlaf entzogen, damit ich bei den Vernehmungen für sie Brauchbares aussage! Der oder die Vernehmer waren mal allein oder zu zweit.
Wenn ich dachte Ruhe und endlich schlafen wurde ich wieder aus dem Verwahrraum gezerrt, und die Vernehmung begann von vorn.
Das macht schon müde und mürbe. Doch ich konnte nichts brauchbares sagen ,nach 3 Tagen gaben sie auf. In dem Verwahrraum wurde das Bett welches an der Wand befestigt war hochgeschlossen ,nichts mit liegen! Ein Klappbrett zum sitzen und einen Klapptisch gab es aber! Pro Tag gab es 20 oder 30 ? Min. Hofgang. . Beim Ablauf aus den Zellen( Wir mussten immer bei der Meldung Verwahrraum sagen) und auf dem Hof ging es immer schön im Kreis herum. In dem Kreis waren Markierungen mit gewissen Abständen, welche eingehalten werden mussten. So war es nicht möglich etwas zuzustecken. Reden war natürlich verboten! Pro Tag durfte ich fünf Zigarette rauchen, eigenes Feuer durfte man nicht haben und mehr als fünf mal gab es kein Feuer . Mehrmals musste ich auf Transport, (Grotewohl Express) wohin erfuhr man erst wenn man da war. Ich war 3x wegen Sturheit ,oder nicht befolgen einer Anweisung in der Arrestzelle! Dort bekam ich jeden 3.Tag warmes Essen. Gibt es noch zu erwähnen pro Monat durfte ich 20 Zeilen schreiben, wurde natürlich kontrolliert. Wenn woanders Literatur erwähnt wird, ich bekam nie welche, warum auch immer. Besuch war auch einmal im Monat mit Antrag erlaubt (30 Min) War aber Scheiße, wenn meine Mutter angereist kam, war ich manchmal schon wieder auf Tournee. Gehört habe ich von Unrecht oder Misshandlungen in der Haft doch erlebt und bestätigen kann ich nur das von mir geschriebene! Vergessen kann ich nie! Doch den ersten Stein werde ich trotzdem nicht werfen, vielleicht haben die tatsächlich gedacht sie sprechen Recht, ansonsten müssten viele Ex-Juristen der DDR heute angeklagt werden oder ihre Zulassung entzogen werden! Das mit den Unrechtsurteilen hatten wir doch schon einmal vor der DDR ! Wie viele mussten sich damals für ihre Unrechtsurteile verantworten?
Na lassen wir das! Sie haben nach den für sie gültigem Recht und Gesetz gehandelt! Ob sie wenigstens manchmal ein schlechtes Gewissen hatten?
Zum Glück habe ich es beim zweiten Versuch geschafft in die BRD zu kommen.
Das meiste hier beschriebene betraf die U-Haft.


Die Zeit heilt viele Wunden. Narben bleiben dennoch, und manchmal schmerzen sie noch.





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Krepp, Lutze, 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 und Sperrbrecher haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 07.11.2013 18:03 | nach oben springen



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