#641

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 04.03.2014 08:32
von Duck | 1.741 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #605
Zitat von 94 im Beitrag #604
Na toll, und der Rest stirbt dumm?



um jottes willen, dat kann ich nit verantworte. Du wirst sofort aufgeklärt. Also, der nette Käfig soll Randalierer davor schützen, sich an dem zerbrochenen Porzellan zu verletzen, wenn sie denn mal randalieren. Dieser Käfig soll auch nur in besonderen Zellen gestanden haben.
Nun wieder zur Tagesordnung: Helauuuu....




Dann lag ich ja garnicht so verkehrt mit meiner Annahme, das das Gitter vor Vandalismus schützen sollte.


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


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#642

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 04.03.2014 08:46
von Wolle76 (gelöscht)
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@Moskwitschka

Die wenigsten Besucher stellen Fragen, nicht nur da. Das kenne ich ja auch von meinen Touren.


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#643

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 04.03.2014 09:05
von Hans | 2.166 Beiträge

Morgen, Gemeinde…..
Schuddelkind ,Grenzverletzerin - erst mal Danke für den Bericht. Sozusagen Versprechen eingelöst. (Hab ja nie dran gezweifelt)
Ist es jetzt verfressen, wenn ich sage, so etwa das Ergebnis habe ich erwartet?
Also nur eine Bemerkung –und diese nur am Rande: Kein Häftling und auch sonst niemand wurde mit der Eisenbahn –mit dem Grotewohl-Express – nach Hohenschönhausen gebracht, weil – es gab in dem Gelände einfach keinen Gleisanschluss. Insofern hat der ausgestellte Wagen mit der Gedenkstätte HschH. nichts zu tun. Hatten wir ja schon mal, das Thema.
Schlussbemerkung: Anschließend im Georges gewesen?
Danke, Hans


I´m just a truckle, but I don´t like to truckle. ( Prokop; Unterschenkel )
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#644

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 04.03.2014 09:15
von Lutze | 8.034 Beiträge

Zitat von Hans im Beitrag #643
Morgen, Gemeinde…..
Schuddelkind ,Grenzverletzerin - erst mal Danke für den Bericht. Sozusagen Versprechen eingelöst. (Hab ja nie dran gezweifelt)
Ist es jetzt verfressen, wenn ich sage, so etwa das Ergebnis habe ich erwartet?
Also nur eine Bemerkung –und diese nur am Rande: Kein Häftling und auch sonst niemand wurde mit der Eisenbahn –mit dem Grotewohl-Express – nach Hohenschönhausen gebracht, weil – es gab in dem Gelände einfach keinen Gleisanschluss. Insofern hat der ausgestellte Wagen mit der Gedenkstätte HschH. nichts zu tun. Hatten wir ja schon mal, das Thema.
Schlussbemerkung: Anschließend im Georges gewesen?
Danke, Hans


da muß ich wiedersprechen,
und nach der Verurteilung?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#645

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 04.03.2014 09:23
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #644
Zitat von Hans im Beitrag #643
Morgen, Gemeinde…..
Schuddelkind ,Grenzverletzerin - erst mal Danke für den Bericht. Sozusagen Versprechen eingelöst. (Hab ja nie dran gezweifelt)
Ist es jetzt verfressen, wenn ich sage, so etwa das Ergebnis habe ich erwartet?
Also nur eine Bemerkung –und diese nur am Rande: Kein Häftling und auch sonst niemand wurde mit der Eisenbahn –mit dem Grotewohl-Express – nach Hohenschönhausen gebracht, weil – es gab in dem Gelände einfach keinen Gleisanschluss. Insofern hat der ausgestellte Wagen mit der Gedenkstätte HschH. nichts zu tun. Hatten wir ja schon mal, das Thema.
Schlussbemerkung: Anschließend im Georges gewesen?
Danke, Hans


da muß ich wiedersprechen,
und nach der Verurteilung?
Lutze


Nach der Verurteilung gab es auch keinen Gleisanschluss in HSH.

Der Transport war dann Sache des MdI, nicht des MfS.


passport hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 04.03.2014 09:24 | nach oben springen

#646

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 04.03.2014 09:25
von Hans | 2.166 Beiträge

Ach , Lutze...
Es ist mir doch völlig klar, das Du ein Interesse am Grotewohl-Express hast - ist ja logisch.
Aber hier gehts eben um HschH. , nicht um "danach".
Und da war das Ding eben nie - außer nachdem man den Wagen über die Mauer gehoben hat, 2005 (!)
73 Hans


I´m just a truckle, but I don´t like to truckle. ( Prokop; Unterschenkel )
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#647

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 04.03.2014 10:30
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Lutze im Beitrag #623
konnte dieser Zeitzeuge auch den Grothewohl-Waggon erklären?,
habt ihr ihn mal von innen betrachtet?,
mal nachgedacht,18 Stunden damit unterwegs zu sein?,
und im Sommer?,wie oft standen wir auf ein Abstellgleis?,
über eine Käfigzelle macht man sich lustig,
im Nachhinein,und wer es nicht persöhnlich kannte,
kann man vieles runterspielen
Lutze



Lutze, es tut mir von Herzen Leid, was du erleben musstest.
.


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#648

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 04.03.2014 10:46
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Grenzverletzerin im Beitrag #636
Nun, wenn wir dann schonemal beim Erbsenzählen sind, ich benutzte nicht das Wort 'direkt'. Ich wollte dem Lutze nur sagen, dass unser ZZ mit dem KFZ gebracht wurde und vermutlich deshalb nichts über den Waggon erzählte.

Ich möchte auch betonen, dass es mir völlig fern liegt, mich über ZZs oder dort ehemalige Inhaftierte lustig zu machen. Mich ärgert die Art der Aufbereitung. Es soll nichts runterspielt werden aber Übertreibungen sind ebenfalls fehl am Platze.

Was die Beiträge vom 'Pioniereisenbahner' betrifft, kann ich dir 94er, nur zustimmen!!





Ich möchte gerne unsere Besucher in HSH fragen: glaubt ihr, dass eure Eindrücke und Einschätzungen grundsätzlich durch die Person des jeweiligen ZZ geprägt wurden?
Also haltet ihr es für möglich, dass ein anderer ZZ (andere Art der Führung, andere Biografie etc.) eure Eindrücke verändert hätten?

Und: kann man einerseits denen, die in HSH einsaßen und andererseits denen, die dort arbeiteten - gleichermaßen gerecht werden?
Oder ist man immer in einer Art "Parteilichkeit" befangen?
.


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#649

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 04.03.2014 11:16
von Grenzverletzerin | 1.182 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #648
Zitat von Grenzverletzerin im Beitrag #636
Nun, wenn wir dann schonemal beim Erbsenzählen sind, ich benutzte nicht das Wort 'direkt'. Ich wollte dem Lutze nur sagen, dass unser ZZ mit dem KFZ gebracht wurde und vermutlich deshalb nichts über den Waggon erzählte.

Ich möchte auch betonen, dass es mir völlig fern liegt, mich über ZZs oder dort ehemalige Inhaftierte lustig zu machen. Mich ärgert die Art der Aufbereitung. Es soll nichts runterspielt werden aber Übertreibungen sind ebenfalls fehl am Platze.

Was die Beiträge vom 'Pioniereisenbahner' betrifft, kann ich dir 94er, nur zustimmen!!





Ich möchte gerne unsere Besucher in HSH fragen: glaubt ihr, dass eure Eindrücke und Einschätzungen grundsätzlich durch die Person des jeweiligen ZZ geprägt wurden?
Also haltet ihr es für möglich, dass ein anderer ZZ (andere Art der Führung, andere Biografie etc.) eure Eindrücke verändert hätten?

Und: kann man einerseits denen, die in HSH einsaßen und andererseits denen, die dort arbeiteten - gleichermaßen gerecht werden?
Oder ist man immer in einer Art "Parteilichkeit" befangen?
.


Ehrlich gesagt Barbara, ich kann es dir nicht wirklich beantworten.
Einerseits ist so eine Führung natürlich durch den ZZ geprägt. Die aufgestellten Stelen und Tafeln konnten wir gar nicht lesen, da er das Tempo bestimmte. Anderseits hatte ich das Gefühl, dass es von der Leitung Vorgaben gibt, was den Besuchern unbedingt und mit welcher Gewichtung erzählt werden soll.

Zu deiner zweiten Frage. In Bautzen hat man es ganz gut hinbekommen. Die Ausstellung ist dort eher nüchtern aber informativ, lässt dir dadurch aber den Raum selbst abwägen zu können. In HSH kommen durch den ZZ natürlich Emotionen ins Spiel - und die kann er - wenn er will - auch zu einer bestimmten Parteilichkeit lenken. Ich habe auch die anderen Besucher beobachtet und konnte die Wirkung feststellen.


Unter Chemikern funktioniert die Evolution noch: Dumme Experimentierer werden natürlicherweise und rasch eliminiert.

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#650

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 04.03.2014 11:24
von SET800 | 3.104 Beiträge

Hallo,
mein Eindruck ist man schlägt den Sack ( Hohenschönhausen und Staatssicherheit ) und meint den Esel ( Gesetze der DDR ).
Gemeint sind diese zwei Straftatsbereiche nach DDR-Rechtsordnung:

1. Planung, Vorbereitung, Unterstützung und Versuch der Durchführung von illegalen Grenzübertritten.
2. Verbreitung von negativer den Staat herabsetzender oder beleidigender Propaganda.

Ergänzend ist daß diese Straftatsbereiche Offizialdelikt waren und auch die Bürger der DDR strafbewehrt verpflichtet
waren entsprechende Beobachtungen den zuständigen Organen mitzuteilen. Entsprechende strafbewehrte Pflichten
bei anderen Delikten gibt es auch nach BRD-StGB.

Das kann man als 150%-SEDler weise und richtig finden oder aus anderen Gründen total ablehnen, man sollte aber bedenken daß
das der Rahmen für Handlungen in Hohenschönhausen war.

Die Frage ist ob innerhalb dieser Vorgaben an Strafbarkeit Hohenschönhausen rechtsstaatlich einwandfrei arbeitete.



zuletzt bearbeitet 04.03.2014 11:25 | nach oben springen

#651

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 04.03.2014 11:50
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #648



Ich möchte gerne unsere Besucher in HSH fragen: glaubt ihr, dass eure Eindrücke und Einschätzungen grundsätzlich durch die Person des jeweiligen ZZ geprägt wurden?
Also haltet ihr es für möglich, dass ein anderer ZZ (andere Art der Führung, andere Biografie etc.) eure Eindrücke verändert hätten? ...

.



Ich habe HSH vor ca. 2 Jahren besucht und habe es fast genau wie Schuddel und die GV'in erlebt. Wir haben in diesem Forum ja auch noch weitere Erlebnisberichte von HSH-Besuchern und für mich kristallisiert sich da schon so etwas wie ein vorliegendes Drehbuch, an das sich die ZZ offensichtlich zu halten haben, heraus.
Nach meiner Auffassung dient HSH in erster Linie dazu, das Untersuchungsgefängnis des MfS in seiner unsäglichen Grausamkeit und Menschenverachtung darzustellen und ich kann mir nicht vorstellen, dass Herr Knabe da irgend etwas dem Zufall überlässt.

Ich habe weder in HSH eingesessen noch habe ich dort gearbeitet, kann also aus eigenem Erleben nix erzählen.
In den Schilderungen "meines" damaligen ZZ wie auch in denen des ZZ von Schuddel und GV'in sind mir einige Dinge aufgefallen, die ich mir mit meiner MfS-Erfahrung so nicht vorstellen kann.
Herr Schulze (ZZ, verlinkte Seite mit Interview des ZZ) wurde nach seiner Festnahme durch den Zoll nach Mitternacht durch MfS-MA (in schwarzen Lederjacken) "übernommen", die den Zöllenern "barsch" mitteilten, dass sie jetzt übernehmen würden. Der Zoll war in der DDR ein Organ des Zusammenwirkens und dieses Film-Klischee (Jetzt übernehmen wir) passt nicht so richtig in die von mir erlebte Zusammenarbeit mit den anderen Sicheheitsorganen der DDR, allerdings bedient die Schilderung das nach der Wende in der Öffentlichkeit vom MfS gezeichnete Bild. Leider bin ich nie in den Besitz einer der besagten schwarzen Lederjacken gekommen, das Kontingent dieser Jacken hat wohl nur für die Untersuchungsabteilung gereicht.
Vom Zoll ging es dann mit dem MfS-Lada in ein konspiratves Objekt. Nun besteht eine wesentliche Eigenschaft konspirativer Objekte darin, dass dessen Lage eben absolut geheim ist. Hier wurde es, zumindest teilweise dekonspiriert. Auch wenn es dunkel war, konnte der "Deliquent" im Licht der Scheinwerfer Namen von passierten Ortschaften wahrnehmen und wer die Strecke von Babelsberg nach Mittenwalde kennt weiss, dass man dahin nicht nur durch den Wald fährt. Im Übrigen wurde die "korrekte" Anreise zum konspirativen Objekt in dem Tatsachenbuch "Verheizt und Vergessen" von Hans Sieberer als Ex CIA-Agent nachvollziehbar beschrieben.

Eine frappierende Übereinstimmung mit meinem Erleben während meines Besuches in HSH habe ich in den Schilderungen der Grenzverletzerin gefunden. Es betrifft die Frage nach den Veränderungen der Verhältnisse in der UHA nach der Übernahme durch das MfS, die der ZZ ja mit einem zögerlichem "Ja" beantwortet hat.
Woher hat der ZZ dieses Wissen? Erlebt kann er beide Zustände ja wohl kaum haben, also kann er für die Zeit vor seinem Aufenthalt in HSH ja wohl kaum als ZZ durchgehen. Meine damalige Frage an "meinen" ZZ beantwortete dieser mit der Behauptung, dass alles dokumentiert und bewiesen wäre und ich bräuchte nur im Netz danach zu suchen.
Das habe ich dann auch getan - ZZ, z.B. der Wasserfolter konnte ich aber leider nicht finden und authentische Zeugenaussagen Betroffener auch nicht. Ich frage mich heute noch, warum?

Noch ein Wort zur Schilderung des Ablaufes der Zollkontrolle durch Herrn Schulze.
Bei ihm hat man lt. seiner Schilderung zuerst das Auto zerlegt und dann sein Sakko kontrolliert.

Ich war von Januar bis Juni 1990 selbst beim Zoll und habe mehrere Lehrgänge beim DD-Zoll besucht. In meinem Aufzeichnungsbuch habe ich damals unter der Überschrift "Zollkontrolle" deren Ablauf wie folgt notiert: Aufforderung zur Erklärung mitgeführter zollrelevanter Gegenstände, Lerrung der Taschen der Kleidungsstücke, Kontrolle (Vorführung) des Reisegepäcks, Kontrolle des Kfz.

Bei Herrn Schulze hat man zuerst das Auto zerlegt und dann das Sakko kontrolliert - das müssen dann wohl Anfänger gewesen sein, die zufällig einen inkompetenten Vorgesetzten hatten.


andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
zuletzt bearbeitet 04.03.2014 12:19 | nach oben springen

#652

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 04.03.2014 11:53
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Grenzverletzerin im Beitrag #649
Zitat von Barbara im Beitrag #648
Zitat von Grenzverletzerin im Beitrag #636
Nun, wenn wir dann schonemal beim Erbsenzählen sind, ich benutzte nicht das Wort 'direkt'. Ich wollte dem Lutze nur sagen, dass unser ZZ mit dem KFZ gebracht wurde und vermutlich deshalb nichts über den Waggon erzählte.

Ich möchte auch betonen, dass es mir völlig fern liegt, mich über ZZs oder dort ehemalige Inhaftierte lustig zu machen. Mich ärgert die Art der Aufbereitung. Es soll nichts runterspielt werden aber Übertreibungen sind ebenfalls fehl am Platze.

Was die Beiträge vom 'Pioniereisenbahner' betrifft, kann ich dir 94er, nur zustimmen!!





Ich möchte gerne unsere Besucher in HSH fragen: glaubt ihr, dass eure Eindrücke und Einschätzungen grundsätzlich durch die Person des jeweiligen ZZ geprägt wurden?
Also haltet ihr es für möglich, dass ein anderer ZZ (andere Art der Führung, andere Biografie etc.) eure Eindrücke verändert hätten?

Und: kann man einerseits denen, die in HSH einsaßen und andererseits denen, die dort arbeiteten - gleichermaßen gerecht werden?
Oder ist man immer in einer Art "Parteilichkeit" befangen?
.


Ehrlich gesagt Barbara, ich kann es dir nicht wirklich beantworten.
Einerseits ist so eine Führung natürlich durch den ZZ geprägt. Die aufgestellten Stelen und Tafeln konnten wir gar nicht lesen, da er das Tempo bestimmte. Anderseits hatte ich das Gefühl, dass es von der Leitung Vorgaben gibt, was den Besuchern unbedingt und mit welcher Gewichtung erzählt werden soll.

Zu deiner zweiten Frage. In Bautzen hat man es ganz gut hinbekommen. Die Ausstellung ist dort eher nüchtern aber informativ, lässt dir dadurch aber den Raum selbst abwägen zu können. In HSH kommen durch den ZZ natürlich Emotionen ins Spiel - und die kann er - wenn er will - auch zu einer bestimmten Parteilichkeit lenken. Ich habe auch die anderen Besucher beobachtet und konnte die Wirkung feststellen.





Ich danke dir Andrea.

fett:
ich glaube, das würde mich stören, nicht so sehr seine persönliche Sicht/Geschichte, denn was soll er anderes haben.

Wäre es u.U. besser, wenn Nicht-Betroffene durch eine solche Gedenkstätte führen würden? Und das Konzept - neben dem faktischen Begehen der Gebäude - mehr dem Gespräch (Fragen/Antworten) - mit Zeitzeugen - dienen würde?
Aber vielleicht gibt es das ja dort auch als Angebot.
.


Grenzverletzerin hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#653

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 04.03.2014 11:57
von Wolle76 (gelöscht)
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@Barbara,

Es gibt Führungen durch Zeitzeugen sowie durch Referenten. Ansonsten das Konzept der Gedenkstätte und damit der Führungen ist ein heißes Thema.

Achso, zum Lesen der Tafeln. Es ist ein schwerer Spagat bei einer Führung d.h. geführten Tour im Gegensatz zu einem Museum, den Leuten auch etwas Zeit zu geben sich umzuschauen eventuell etwas zu lesen.

Je mehr es davon gibt um so schwieriger wird das.


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#654

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 04.03.2014 12:12
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von andy im Beitrag #651

Nach meiner Auffassung dient HSH in erster Linie dazu, das Untersuchungsgefängnis des MfS in seiner unsäglichen Grausamkeit und Menschenverachtung darzustellen und ich kann mir nicht vorstellen, dass Herr Knabe da irgend etwas dem Zufall überlässt.
andy


Hallo,
und die Frage ist und bleibt, stimmt das oder nur eine Unterstellung?



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#655

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 04.03.2014 12:16
von Barbara (gelöscht)
avatar

Zitat von SET800 im Beitrag #650
Hallo,
mein Eindruck ist man schlägt den Sack ( Hohenschönhausen und Staatssicherheit ) und meint den Esel ( Gesetze der DDR ).
Gemeint sind diese zwei Straftatsbereiche nach DDR-Rechtsordnung:

1. Planung, Vorbereitung, Unterstützung und Versuch der Durchführung von illegalen Grenzübertritten.
2. Verbreitung von negativer den Staat herabsetzender oder beleidigender Propaganda.

Ergänzend ist daß diese Straftatsbereiche Offizialdelikt waren und auch die Bürger der DDR strafbewehrt verpflichtet
waren entsprechende Beobachtungen den zuständigen Organen mitzuteilen. Entsprechende strafbewehrte Pflichten
bei anderen Delikten gibt es auch nach BRD-StGB.

Das kann man als 150%-SEDler weise und richtig finden oder aus anderen Gründen total ablehnen, man sollte aber bedenken daß
das der Rahmen für Handlungen in Hohenschönhausen war.

Die Frage ist ob innerhalb dieser Vorgaben an Strafbarkeit Hohenschönhausen rechtsstaatlich einwandfrei arbeitete.



Diskutieren wir hier auf der Ebene "Staatsbürger" und "Staat" oder auf der Ebene "Mensch"?
Dass die DDR ein Strafgesetzbuch hatte, wissen wir doch. Die Frage ist doch, welche Konsequenzen hatte das Strafgesetzbuch für alle Beteiligten: für die, die dadurch sanktioniert wurden und für die, die die Sanktionierung auszuführen hatten. Was hat es "mit ihnen gemacht"?
.


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#656

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 04.03.2014 12:19
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von andy im Beitrag #651
Zitat von Barbara im Beitrag #648



Ich möchte gerne unsere Besucher in HSH fragen: glaubt ihr, dass eure Eindrücke und Einschätzungen grundsätzlich durch die Person des jeweiligen ZZ geprägt wurden?
Also haltet ihr es für möglich, dass ein anderer ZZ (andere Art der Führung, andere Biografie etc.) eure Eindrücke verändert hätten? ...

.



Ich habe HSH vor ca. 2 Jahren besucht und habe es fast genau wie Schuddel und die GV'in erlebt. Wir haben in diesem Forum ja auch noch weitere Erlebnisberichte von HSH-Besuchern und für mich kristallisiert sich da schon so etwas wie ein vorliegendes Drehbuch, an das sich die ZZ offensichtlich zu halten haben, heraus.
Nach meiner Auffassung dient HSH in erster Linie dazu, das Untersuchungsgefängnis des MfS in seiner unsäglichen Grausamkeit und Menschenverachtung darzustellen und ich kann mir nicht vorstellen, dass Herr Knabe da irgend etwas dem Zufall überlässt.

Ich habe weder in HSH eingesessen noch habe ich dort gearbeitet, kann also aus eigenem Erleben nix erzählen.
In den Schilderungen "meines" damaligen ZZ wie auch in denen des ZZ von Schuddel und GV'in sind mir einige Dinge aufgefallen, die ich mir mit meiner MfS-Erfahrung so nicht vorstellen kann.
Herr Schulze (ZZ, verlinkte Seite mit Interview des ZZ) wurde nach seiner Festnahme durch den Zoll nach Mitternacht durch MfS-MA (in schwarzen Lederjacken) "übernommen", die den Zöllenern "barsch" mitteilten, dass sie jetzt übernehmen würden. Der Zoll war in der DDR ein Organ des Zusammenwirkens und dieses Film-Klischee (Jetzt übernehmen wir) passt nicht so richtig in die von mir erlebte Zusammenarbeit mit den anderen Sicheheitsorganen der DDR, allerdings bedient die Schilderung das nach der Wende in der Öffentlichkeit vom MfS gezeichnete Bild. Leider bin ich nie in den Besitz einer der besagten schwarzen Lederjacken gekommen, das Kontingent dieser Jacken hat wohl nur für die Untersuchungsabteilung gereicht.
Vom Zoll ging es dann mit dem MfS-Lada in ein konspiratves Objekt. Nun besteht eine wesentliche Eigenschaft konspirativer Objekte darin, dass dessen Lage eben absolut geheim ist. Hier wurde es, zumindest teilweise dekonspiriert. Auch wenn es dunkel war, konnte der "Deliquent" im Licht der Scheinwerfer Namen von passierten Ortschaften wahrnehmen und wer die Strecke von Babelsberg nach Mittenwalde kennt weiss, dass man dahin nicht nur durch den Wald fährt. Im Übrigen wurde die "korrekte" Anreise zum konspirativen Objekt in dem Tatsachenbuch "Verheizt und Vergessen" von Hans Sieberer als Ex CIA-Agent nachvollziehbar beschrieben.

Eine frappierende Übereinstimmung mit meinem Erleben während meines Besuches in HSH habe ich in den Schilderungen der Grenzverletzerin gefunden. Es betrifft die Frage nach den Veränderungen der Verhältnisse in der UHA nach der Übernahme durch das MfS, die der ZZ ja mit einem zögerlichem "Ja" beantwortet hat.
Woher hat der ZZ dieses Wissen? Erlebt kann er beide Zustände ja wohl kaum haben, also kann er für die Zeit vor seinem Aufenthalt in HSH ja wohl kaum als ZZ durchgehen. Meine damalige Frage an "meinen" ZZ beantwortete dieser mit der Behauptung, dass alles dokumentiert und bewiesen wäre und ich bräuchte nur im Netz danach zu suchen.
Das habe ich dann auch getan - ZZ, z.B. der Wasserfolte konnte ich aber leider nicht finden und authentische Zeugenaussagen Betroffener auch nicht. Ich frage mich heute noch, warum?


andy




Andy, glaubst du, dass es auch nur annähernd möglich ist, in diesen Kontexten Objektivität herzustellen?
Das ist keine rhetorische Frage.
.


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#657

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 04.03.2014 12:19
von 80er | 570 Beiträge

[quote=SET800|p337678]
[...]
Zwar mit Jagd auf Orangen, manche Ersatzteile und gute Schuhe, aber ohne Angst vor Entlassungen, Mieterhöhungen, Banker-Gangster, Drückerkollonen,wenig Räuberei, mit Zugang auf Kultur, Breitensport usw.
[...]


Nur mal so zur Richtigstellung:

Die Wortschöpfung und die sie erklärende Betätigung sind bundesdeutsche Erfindungen. Einen Breitensport hat es mWn zu Gunsten der alleinigen Förderung von Olympiakadern für Propagandazwecke in der DDR nie gegeben!


zuletzt bearbeitet 04.03.2014 12:20 | nach oben springen

#658

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 04.03.2014 12:40
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von 80er im Beitrag #657
... Einen Breitensport hat es mWn zu Gunsten der alleinigen Förderung von Olympiakadern für Propagandazwecke in der DDR nie gegeben!



Ich bin Jahrgang 61 und in einer mecklenburgischen Kleinstadt (unter 10000 EW) groß geworden. Als Kind/Jugendlicher war ich in folgenden Vereinen: Armeesportgemeindschaft Vorwärts Grabow (Fussball), Empor Grabow (Fussball), Boxverein Grabow, SG Dynamo Ludwigslust/Sektionn Grabow (Judo).
Mein Bruder war im Schwimmsportverein Grabow und in der Sektion Leichtathletik von Empor Grabow.

Wir waren weder Olympioniken noch Leistungssportler. Aus heutiger Sicht finde ich das schon ein erstaunliches Angebot für eine Kleinstadt. Ich hätte auch noch tauchen gehen können, in einer Nachbarstadt mit dem Fallschirm abspringen oder eine Segelfliegersschule besuchen können.


andy


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#659

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 04.03.2014 12:41
von SET800 | 3.104 Beiträge

Hallo,
keine Schwimmbäder ( Badeanstaltsteicheiche wie Elend, Gernrode usw.) , keinen Dorffußball, keine "unteren" Spielklassen, keine Leichtathletikgruppen und -wettkämpfe auf Kreisebene.
Wanderer auf dem Rennsteig, Rudern und Segeljollen auf der Müritz, das gab es alles nicht?
Im Handel keine Germina-Langlauf-Schier? Markierte Loipen auch für Urlauber in Oberhof und Oberwiesenthal?
Ich weis von Dörfern in denen sich die Frauen zu Gymnastik trafen.
Und Klettern im Elbsandsteinsgebirge ist auch Sport, auch ohne GST wurde das gemacht.

Und war nicht "Motorsport" auch privater Breitensport? Schleizer Dreiecksrennen?



zuletzt bearbeitet 04.03.2014 12:45 | nach oben springen

#660

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 04.03.2014 12:45
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #654
Zitat von andy im Beitrag #651

Nach meiner Auffassung dient HSH in erster Linie dazu, das Untersuchungsgefängnis des MfS in seiner unsäglichen Grausamkeit und Menschenverachtung darzustellen und ich kann mir nicht vorstellen, dass Herr Knabe da irgend etwas dem Zufall überlässt.
andy


Hallo,
und die Frage ist und bleibt, stimmt das oder nur eine Unterstellung?



Weil ich es nicht beweisen kann, habe ich es ausdrücklich als meine persönliche Auffassung gekennzeichnet.


andy


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