#541

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.12.2013 21:39
von Schuddelkind | 3.516 Beiträge

Zitat von Hans im Beitrag #540
Abend, Gemeinde…..
Abend, Schuddel,
Na , das ist doch zumindest der Versuch, mal eine vernünftige Definition von „Politische Straftaten“ zu bringen. Aber , wie das mit der Juristerei so ist,- nicht ganz so einfach.
§212 – Widerstand -kann nur dann unter die Überschrift „Politisch“ fallen, wenn´s durch den Täter auch so gemeint ist. Ansonsten ist der Autofahrer, der wegen rotfahren angehalten wird und aus was weiß ich für Gründen eine Prügelei mit dem Polizisten anfängt ein Politischer. (soweit an den Haaren herbeigezogen ist das gar nicht, vergleichbares selbst erlebt)
§224 hat da auch so seine Tücken,-Tragen einer Uniform , um andere Straftaten zu erleichtern oder zu ermöglichen- Rentner-Tricks und so als Beispiel, fällt da auch drunter.(224/2)
Na es gibt wohl noch mehr dazu, aber versuch doch bitte mal einer, eine halbwegs gute Definition von „Politische Straftat“ zu finden. Viel Spaß beim suchen.
73 Hans



Na, dann ackern wir mal den untenstehenden Link ab.

Die Möglichkeiten einer systematischen quantitativen Analyse der politischen Strafgefangenen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der DDR des Zeitraum 1945-1989 werden ausgelotet. In Form zahlreicher Tabellen wird eine erste wissenschaftliche Quellenbasis geliefert. Der Begriff des 'politischen Gefangenen' in den alten Bundesländern und der DDR wird definiert und operationalisiert. Die 'politischen Straftaten', 'politischen Täter' und 'politischen Strafgefangenen' werden statistisch beschrieben. Als historische Höhepunkte in der politischen Strafverfolgung werden der Volksaufstand 1953, der Mauerbau 1961 und der Einmarsch in die CSSR 1968 genannt. Weitere Aspekte sind die politischen Gefangenen nach dem Wirtschaftsstrafrecht, im Militärbereich, die Amnestien, die Verurteilungen nach den Strafparagraphen 213 (ungesetzlicher Grenzübertritt) und 249 (asoziales Verhalten), die Ermittlungsergebnisse des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit und die psychiatrische Behandlung im Strafvollzug der DDR. Insgesamt wird die Zahl der potentiellen Strafgefangenen mit politischem Einschlag auf 170.000 bis 280.000 geschätzt. Darin sind die Internierten und die Verurteilten der Sowjetischem Militärtribunale nicht enthalten


Daraus mal kurz dass: "Man registrierte offiziell nur „kriminelle Täter“. Nach entsprechenden Paragraphen
von Gesetzen und Verordnungen verurteilte Strafgefangene verbüßten
in Strafvollzugsanstalten ihre Freiheitsstrafe, die ihnen nach Auffassung der
DDR-Justiz zurecht zugesprochen worden war. Erst durch eine zusätzliche Bewertung
eines Deliktes kann dieses Delikt zu einem politischen Delikt erklärt
werden. So schreibt Friedrich Wolff: »Es gibt in der Justizstatistik keine Kategorie
politisches Strafverfahren. Dies kann auch nicht anders sein, weil jedes
Strafverfahren, unabhängig von der Natur des Delikts ein politisches Strafverfahren
sein kann. Ein Mord kann ein politischer Mord sein, und demzufolge
kann auch der Mordprozeß ein politischer Prozeß sein.«13 Jedoch sucht man bei
Wolff vergeblich nach einem objektiven Kriterium, woran man einen politischen
Prozeß, ein politisches Gerichtsurteil und einen politischen Häftling erkennen
kann.
In der SBZ/DDR wurde von der politischen Führung Kriminalität ausschließlich
aus der gesellschaftlichen Entwicklung erklärt. Im Prinzip ist nach
erfolgreicher Umerziehung (»Überbau«) und wirtschaftlicher Umgestaltung
(»Basis«) die Kriminalität auf eine nur noch residuale Größenordnung beschränkt.
Damit tragen fast alle Delikte (Diebstahl, Mord, Terror etc.) „politischen“
Charakter. Diese Definition ist nicht operabel für eine statistische Auswertung.
Es war der SED jedoch klar, daß es im engeren Sinne „politische“
Häftlinge gab."

Es lohnt sich, mal den ganzen Link anzuschauen: http://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/ha....pdf?sequence=1


Intellektuelle spielen Telecaster
zuletzt bearbeitet 07.12.2013 21:39 | nach oben springen

#542

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.12.2013 21:50
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Eigentlich einfach die Definition des politischen Gefangenen.
Falls ein Staat Gesetze schafft die die Wahrnehmung dieser allgemein gültigen Rechte http://www.amnesty.de/umleitung/1899/deu07/001 kriminalisiert, sind alle die aufgrund dieser Gesetze in Haft kommen politische Gefangene.


zuletzt bearbeitet 07.12.2013 22:21 | nach oben springen

#543

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.12.2013 22:26
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #542
Eigentlich einfach.
Falls ein Staat Gesetze schafft die die Wahrnehmung dieser allgemein gültigen Rechte http://www.amnesty.de/umleitung/1899/deu07/001 kriminalisiert, sind alle die aufgrund dieser Gesetze in Haft kommen politische Gefangene.


Hallo,
Menschenrechtsdeklaration, schön für das Philosophiesemar:

Artikel 2

Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.

Ein Kind agnostischer oder christlicher Eltern wird in Deutschland geschützt, an Kindern von Juden oder Moslems darf rumgeschnippelt werden!


Artikel 3 Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person. Und was ist mit Wehrflicht, junge Männer in den Tod schicken?

Artikel 13 2. Jeder hat das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen und in sein Land zurückzukehren.

In welchem Land gilt das für Wehrpflichtige die "einberufen" wurden?



zuletzt bearbeitet 07.12.2013 22:26 | nach oben springen

#544

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.12.2013 22:43
von Schuddelkind | 3.516 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #543



Artikel 3 Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person. Und was ist mit Wehrflicht, junge Männer in den Tod schicken?








Schon mitbekommen, das es in der BRD keine Wehrpflicht mehr gibt?? Ergo schicken die sich selbst in den Tod........


Intellektuelle spielen Telecaster
nach oben springen

#545

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 07.12.2013 23:39
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von SET800 im Beitrag #543
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #542
Eigentlich einfach.
Falls ein Staat Gesetze schafft die die Wahrnehmung dieser allgemein gültigen Rechte http://www.amnesty.de/umleitung/1899/deu07/001 kriminalisiert, sind alle die aufgrund dieser Gesetze in Haft kommen politische Gefangene.


Hallo,
Menschenrechtsdeklaration, schön für das Philosophiesemar:


Artikel 2

Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.

Ein Kind agnostischer oder christlicher Eltern wird in Deutschland geschützt, an Kindern von Juden oder Moslems darf rumgeschnippelt werden!


Artikel 3 Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person. Und was ist mit Wehrflicht, junge Männer in den Tod schicken?

Artikel 13 2. Jeder hat das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen und in sein Land zurückzukehren.

In welchem Land gilt das für Wehrpflichtige die "einberufen" wurden?




Meinst du?
Ist halt auch ein Menschenrecht die Meinungsfreiheit.


zuletzt bearbeitet 08.12.2013 08:55 | nach oben springen

#546

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 08.12.2013 00:31
von damals wars | 12.190 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #544
Zitat von SET800 im Beitrag #543



Artikel 3 Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person. Und was ist mit Wehrflicht, junge Männer in den Tod schicken?








Schon mitbekommen, das es in der BRD keine Wehrpflicht mehr gibt?? Ergo schicken die sich selbst in den Tod........


die gehen auf eigenem Befehl?


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
nach oben springen

#547

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 08.12.2013 07:50
von Vogtländer (gelöscht)
avatar

Ja,bei Eignung ja,aber Wehrpflicht ist schon ein ganze Stück AUSGESETZT.


nach oben springen

#548

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 08.12.2013 08:35
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #544

Schon mitbekommen, das es in der BRD keine Wehrpflicht mehr gibt?? Ergo schicken die sich selbst in den Tod........


Hallo,
ist mir bekannt, gab es aber länger als die DDR bestand. Und es ist historische Tatsache daß in den Jahren denen die einschränkenden Aussreiseregeln der DDR existitierten unsere verbündeten "Musterdemokratien" und Freiheitsdeklarierer Republik Frankreich und die USA ihre Söhne in tödliche Kriege schickten, Algerien und Vietnam seien genannt. Und das für wirtschaftliche Interessen der Machteleite, nicht in einen Verteidigungskrieg. Und nach dem Ende der DDR die USA und GB in den 2.Lügenkrieg am Golf gegen den Irak.



Rostocker hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 08.12.2013 08:36 | nach oben springen

#549

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 08.12.2013 09:37
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Zitat von SET800 im Beitrag #543

Menschenrechtsdeklaration, schön für das Philosophiesemar:



Nicht nur:

Mit dem Beitritt zur UNO 1973 haben die Bundesrepublik und die DDR die Menschenrechtscharta, die übrigens ihren Ursprung im 6. Jh. v. Chr. hat, anerkannt:


http://www.hdg.de/lemo/objekte/pict/Kont...eUNO/index.html
(leider nur die Urkunde der Bundesrepublik)

Ziel der DDR war primär den außenpolitischen Spielraum zu erweitern. Was ja damit auch gelungen ist. Und es ist für mich in der Erinnerung schon ein Wendepunkt gewesen, denn viele DDR- Bürger haben diesen Schritt begrüßt. Nicht weil die DDR auf dem politischen Parkett jetzt mit allen Walzer tanzen konnte und die außenwirtschaftlichen Beziehungen ein Schub bekommen konnten, sondern weil eben diese Menschenrechtsdeklaration anerkannt worden ist, auf die sich jeder Bürger berufen konnte und einige es auch taten.

Dadurch entstand auch ein innenpolitischer Druck auf die DDR, die in den Folgejahren auch entsprechend reagierte - wie mit der Novellierung des Strafvollzuggesetzes 1977 ?, um nur ein Beispiel zu nennen.

Und somit wären wir wieder in Hohenschönhausen.

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 08.12.2013 09:58 | nach oben springen

#550

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 08.12.2013 10:01
von Rostocker | 7.726 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #546
Zitat von Schuddelkind im Beitrag #544
Zitat von SET800 im Beitrag #543



Artikel 3 Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person. Und was ist mit Wehrflicht, junge Männer in den Tod schicken?








Schon mitbekommen, das es in der BRD keine Wehrpflicht mehr gibt?? Ergo schicken die sich selbst in den Tod........


die gehen auf eigenem Befehl?



Und wie nennt man sowas? Wenn jemand freiwillig in einen Krieg geht,für mehr Geld und eigene Vorteile. Aber ein Vorteil hat es was, wenn es keine Wehrpflicht mehr gibt. Man braucht niemanden eine Träne nachweinen,wenn derjenige den A....hoch gerissen hat. Denn jeder muss dann mit sich selber ins reine kommen, ob er der Lüge von der Verteidigung Deutschlands tausende Kilometer weg der Heimat glauben schenkt.


nach oben springen

#551

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 08.12.2013 10:19
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Auch als es die Wehrpflicht in D. noch gab wurde wohl kein Wehrpflichtiger gezwungen an Kriegseinsätzen teilzunehmen, wie geschrieben zumindest in Deutschland.


zuletzt bearbeitet 08.12.2013 10:20 | nach oben springen

#552

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 08.12.2013 10:33
von Rostocker | 7.726 Beiträge

[quote=Grenzwolf62|p312436]Auch als es die Wehrpflicht in D. noch gab wurde wohl kein Wehrpflichtiger gezwungen an Kriegseinsätzen teilzunehmen, wie geschrieben zumindest in Deutschland.
[/quo

Ist ja auch Richtig Grenzwolf. Deshalb muss jeder das mit sich selber und seiner Familie entscheiden was er tut--so lange Kriegseinsätze freiwillig sind. Es ist nur ebend bedauerlich,das ein Land was schon 2 Weltkriege von Zaune gebrochen hat,sich mit großer Begeisterung wie im Namen der Politiker--wieder an Kriege beteildigt


Udo und Kimble haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#553

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 08.12.2013 10:52
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

War voran gegangende Wehrdienstverweigerung in der DDR straferschwerend bei der Untersuchung bzw. Verurteilung wegen versuchter und gescheiterter Republikflucht?

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 08.12.2013 11:04 | nach oben springen

#554

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 08.12.2013 11:29
von turtle | 6.961 Beiträge

Zu meiner Haftzeit 1964 traf ich noch Wehrdienstverweigerer . In der Regel gehörten sie zu den Zeugen Jehovas. Ein Zeuge davon hatte vorher versucht die DDR illegal zu verlassen. Seine Strafe war nicht höher als der normale Durchschnitt für versuchte Republikflucht.
Ich glaube ab 1965 gab es nur noch Totalverweigerer im Knast.


nach oben springen

#555

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 08.12.2013 12:25
von Kimble | 397 Beiträge

Mit der Wehrpflicht sind wir ja nun schon ein ganzes Stück OT. Nagut, dann auch meine Meinung dazu.

Die vorgebrachte Argumentation, in der BRD wurde Verweigerung der W. ja auch bestraft,
ist ungeeignet um damit eine gewisse Rechtsstaatlichkeit der DDR abzuleiten.

Wer in der späteren BRD den Wehrdienst aus verschiedenen Gründen ablehnte, hatte viele legale Möglichkeiten.
Als Zivi zum Beispiel. Für mich allerdings hatte dieser Ersatzdienst durchaus auch was von Strafarbeit und Ausbeutung.
Egal wie man es auch versucht diesen Dienst als gesellschaftlich wertvoll darzustellen. Er verdrängte echte Vollzeitkräfte.

Oder wenn man es nun gar nicht wollte, konnte man rechtzeitig vor der Einberufung nach Westberlin gehen.
Mit diesem Ausweg hatten sich viele Fälle ganz von selbst erledigt. Dem Staat war das sicher auch ein Dorn im Auge.
Andererseits brauchte er sich so nicht mit Menschen anlegen, die sowieso kein Gewinn für die Armee gewesen wären.
In diesem Beispiel hatte der kalte Krieg und Westberlin auch wieder seine gute Seiten für den Verweigerer West.

In der DDR dagegen hat man sich durch die Art und Weise, wie man mit Wehrdienstverweigerern umgegangen ist,
mit aller sozialistischer Konsequenz aber unnötigerweise wieder einige Feinde mehr geschaffen.

Merkt ihr was ?
Zum November 1989 ist nicht zufällig oder wegen einer massenhaften Heißhungerattacke auf Bananen gekommen.
---


Kannten Sie die DDR ? "Ja, flüchtig"
nach oben springen

#556

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 08.12.2013 12:44
von ABV | 4.202 Beiträge

Da muss ich dir recht geben@Kimble! Die einzige Alternative den Dienst an der Waffe, nicht den Wehrdienst an sich, in der DDR zu verweigern, war der Dienst als "Spatensoldat".
Es gehörte meines Erachtens eine Menge dazu, sich zum " Waffenlosen Wehrdienst" zu bekennen! Wobei noch nicht einmal feststand, dass der Bewerber, aus diesen oder jenen Gründen, nicht doch bei der "normalen Truppe" landete. Weil er seine Beweggründe nicht "glaubhaft darlegen" konnte.
Nun kenne ich keinen "Spatensoldaten" persönlich. Aus der vorhandenen Literatur lässt sich jedoch entnehmen, dass der Dienst " ohne Waffe" nicht auch gleichzeitig vor Drill und Schikanen schütze. Eher scheint wohl das Gegenteil der Fall gewesen zu sein.
Ein richtiger Wehrersatzdienst, so wie in der Bundesrepublik bis vor kurzem üblich, wäre bessere, vor allem menschlichere Lösung gewesen.

Gruß Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


nach oben springen

#557

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 08.12.2013 13:00
von Telamon | 129 Beiträge

Richtig Uwe, es gehörte sehr viel Mut dazu.
Ich war, als Wachsoldat im Stab Luftstreitkräfte in Strausberg. Ich hätte den Mut nicht gehabt zu verweigern.
Ich bin trotz meiner Vorstrafe von 1969 zur Wachkompanie gekommen, schon komisch.
Ich stand nicht nur am Tor sondern bin auch alleine Nachts mit Vollausrüstung durch den Wald gelascht um das Objekt zu bewachen.
Darum kann ich mir auch in viele Probleme der Grenzer reinversetzten.



ABV hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#558

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 08.12.2013 13:22
von Anja-Andrea | 902 Beiträge

Ich habe im Knast mehrfach Totalverweigerer kennengelernt, alle waren durch die Bank weg Zeugen Jehovas. Ich habe ihre Einstellung schon etwas bewundert das man für seine Überzeugung 2 Jahre in den Knast geht, statt 18 Monate zur Armee. Denn für Wehrdienstverweigerung gab es 2 Jahre Haft, zumindest hatten alle die ich kannte dieses Strafmaß und das haben die auch bis zum letzten Tag abgesessen.

Andreas


http://kaube-blog.de/


zuletzt bearbeitet 08.12.2013 13:22 | nach oben springen

#559

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 08.12.2013 13:41
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Ameisenferdinand im Beitrag #558
Ich habe im Knast mehrfach Totalverweigerer kennengelernt, alle waren durch die Bank weg Zeugen Jehovas. Ich habe ihre Einstellung schon etwas bewundert das man für seine Überzeugung 2 Jahre in den Knast geht, statt 18 Monate zur Armee. Denn für Wehrdienstverweigerung gab es 2 Jahre Haft, zumindest hatten alle die ich kannte dieses Strafmaß und das haben die auch bis zum letzten Tag abgesessen.

Andreas


Klingt jetzt vielleicht ein wenig pathetisch. Zumal ich absolut kein " gläubiger" Mensch bin. Aber kann es sein, dass diese Totalverweigerer ihren Mut aus eben diesem Glauben schöpften? Für mich wäre das eine Erklärung. Warum sonst sollte jemand solche Härten auf sich nehmen? Denn die zwei Jahre Knast dürften, im Vergleich zum Wehrdienst, keine Verbesserung gewesen sein.
Ich kann heute nur sagen, Hut ab vor solchen Menschen! Mir hätte dazu der Mut gefehlt. Wobei ich auch sagen muss, dass ich auch gar nicht "verweigern" wollte. Aber das steht auf einem anderen Blatt.

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


94 hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#560

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 08.12.2013 14:20
von thomas 48 | 3.574 Beiträge

Ich habe damals den Dienst mit der Waffe verweigert und wollte zum Spaten.
einen Totalverweigerer war Herr Lieske, Betriebsratsvorsitzender vom Opelwerk Eisenach, seine Frau war viele Jahre Bürgermeisterin unserer Stadt.
Beide sind Zeugen.
Mein damaliges Schreiben mit Begründung fand ich in meiner Akte.


nach oben springen



Besucher
16 Mitglieder und 36 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Oderfischer
Besucherzähler
Heute waren 554 Gäste und 42 Mitglieder, gestern 3936 Gäste und 179 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14372 Themen und 558390 Beiträge.

Heute waren 42 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen