#181

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 14.10.2013 20:12
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

stimmt nicht ganz:

In Deutschland sind die Parteien gemäß § 10 Parteiengesetz verpflichtet, in ihrer Satzung
die zulässigen Ordnungsmaßnahmen (Parteistrafen)
die Gründe für Ordnungsmaßnahmen und
die zuständigen Organe (Parteischiedsgerichte) für die Festlegung von Ordnungsmaßnahmen
zu regeln.
Parteistrafen[Bearbeiten]
Als Parteistrafen werden vielfach vorgesehen:
die Erteilung einer Rüge,
die zeitweilige Aberkennung des Rechts zur Bekleidung von Parteiämtern und Funktionen
das zeitweilige Ruhen von Rechten aus der Mitgliedschaft
der Parteiausschluss.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#182

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 14.10.2013 20:17
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #180
Yepp @Nosti, der Humor vom exgakl ist irgendwie erfrischender und nicht so verletzend. Ansonsten mal zurück zum Thema, das System der Parteistrafen kannten meines Wissens nach nur stalinistisch geprägte Parteien. Heute kennt man bei DIE LINKE nur noch den Ausschluß, und die PKK ist jetzt die SK ...
die-linke.de/partei/dokumente/schiedsordnungderparteidielinke


Wir wollen uns doch nicht etwa auch noch über Deinen unterhalten? Oder?

Nostalgiker

PS.: ich deutete es Dir gegenüber bereits mal in grauer Vorzeit an, was Namenskürzel, besonders meiner, betrifft bin ich völlig humorlos.


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#183

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 14.10.2013 20:21
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Bei uns war die Strafe aber nicht vordringlich dazu da, zu büßen, so wie von Rainman schon beschrieben, sollte mit der Form von Selbstkritik der erzieherische Aspekt im Vordergrund stehen und nicht der restriktive, und das fand ich gut so.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#184

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 14.10.2013 21:32
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

Schlage vor, wie beenden das Thema!


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#185

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 14.10.2013 21:39
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Wie ihr meint, ich glaube nicht, dass noch Wesentliches offen geblieben ist, wir können es schließen. Wer noch Fragen hat, kann sich ja an die Autoren der jeweils interessierenden Beiträge direkt wenden.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#186

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 14.10.2013 22:13
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #185
Wer noch Fragen hat, kann sich ja an die Autoren der jeweils interessierenden Beiträge direkt wenden.


Und bekommt keine Antworten.

Mach ich übrigens genauso (nicht antworten), wenn mir Themen zu nahe gehen. Psychologen würden dazu Verdrängung sagen.

LG von der grenzgaengerin


Jobnomade hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#187

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 14.10.2013 22:40
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #170
Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #162
Mich hat eins gewundert. Das auf diese Aussage:

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #142
Die ganze Partei war eine Strafe.


? Stunden keine sachliche Reaktion kam. Das hat mich nachdenklich gemacht. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass Menschen mit Idealen, ihre ehemalige Partei für die sie zum Teil das letzte gegeben haben, eben diese Partei und damit viele Mitglieder so im Regen stehen lassen.

Daher meine "Provokation". Eben weil ich kein Mitglied der SED war und diese Partei nicht verteidigen kann, aber viele kenne, die jetzt im Grab rotieren würden.

LG von der grenzgaengerin



Da ich mich ein wenig von Deiner Frage angesprochen fühle @grenzgaengerin , meine Antwort dazu; GW62 hat ab und zu für meinen Geschmack gewaltige geistige Aussetzer; meist allerdings am späteren Abend; aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel ......
Wozu sich über so etwas aufregen? Ich weiß von wem es kommt .
Da Du nicht nur Userin im Forum bist sondern auch Mutter im realen Leben kannst Dich bestimmt noch an bestimmte Prinzipien im Umgang mit provozierenden Kindern erinnern. Einfach der Provokation keine Aufmerksamkeit widmen, denn durch eine Reaktion meinen sie das sie die damit gewünschte Aufmerksamkeit und Zuwendung; auch wenn sie negativ ist; bekommen und das Ende vom Lied, sie provozieren munter weiter, alle lassen Nerven und was bringt es?
Nichtachtung ärgert kleine Provokateure, Nörgler und stichelnde Zeitgenossen viel mehr; gell @Gert ? Da stimmst mir bestimmt zu.
Auch Dich ärgert es doch mehr wenn Deine sinnfreien Bemerkungen einfach verpuffen .....

@grenzgaengerin , es geht mir mitnichten darum hier irgendeine SED, KPdSU oder andere Kommunistische Partei zu verteidigen. Für was soll ich eine der Kader- und Funktionärsparteien welche irgendwann, jedenfalls was deren selbsternannte Führung betraf, in den Wahn verfielen durch ihre Auslegung des Marxchen Schriften und Lenins parteitheoretischen Auslassungen den Stein der Weisen in Form der unerschütterlichen, weil materialistisch-dialektischen Wahrheit gefunden zu haben und meinten damit aber jede selbst verzapften Fehler, Irrungen und Wirrungen dem Feind, wer auch immer das war, in die Schuhe schieben konnten. Denn merke; wer sein Wesen und sein "Wissen" auf einer materialistisch-dialektischen Weltanschauung aufbaut, als "Kollektiv" auftritt, kann sich nicht irren. Ein Irrtum schließt solch eine Haltung und Einstellung aus.
Schon der geringste Zweifel an dieser "einfachen Wahrheit" kann entweder nur durch Einflüsterungen des allgegenwärtigen Klassenfeindes kommen oder das man selbst sein überholtes, reaktionär-negatives bürgerliches Gedankengut noch nicht radikal abgelegt hat.

Der neue Mensch entsteht nicht von alleine, er muß geformt werden.
Eine interessante Metapher las ich dazu in einem Buch welches sich unter anderem mit dem großem Terror befasste.
Die Parteiführung sah sich als Gestalter und Gärtner des großen Gartens 'Neuer' und damit 'kollektiver Mensch'. Wie in jedem Garten gibt es neben den guten Pflanzen auch Unkraut und Unkraut muß ohne Erbarmen ausgemerzt werden, es hat im Garten des kollektiven, neuen Menschen nichts zu suchen .....

Solch eine Partei ist wahrlich nicht zu verteidigen, sich Gedanken über die Ursprungstheorie zu machen schon.
Da macht es sich S. Alexijewitsch, wurde hier im Thread bereits erwähnt, ein wenig zu einfach wenn sie meint das der Kommunismus leider eine chronische Krankheit sei, denn er müsse doch tot sein.

Marx schrieb:
„Der Kommunismus ist für uns nicht ein Zustand, der hergestellt werden soll, ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben [wird]. Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt. Die Bedingungen dieser Bewegung ergeben sich aus der jetzt bestehenden Voraussetzung.“ (MEW 3, S. 35)

zu der frühen, „voreiligen“ Form des Kommunismus, das kann in Bezug zum "Sozialismus" des 20.Jhd. gelesen werden>:
- Ausreichende Entwicklung der Produktivkräfte ist notwendig, „weil ohne sie nur er(der voreilige Kom./Soz.) Mangel verallgemeinert, also mit der Notdurft auch der Streit um das Notwendige wieder beginnen und die ganze alte Scheiße sich herstellen müßte...“ (MEW 3: 34-35)

Letzteres haben wir mehr oder minder bewußt erlebt und durch die allgegenwärtige Apologetik; eine entgegengesetzte Weltanschauungen zurückweisen oder in Mißkredit zu bringen wird damit auch unterschlagen das der Traum einer "sozial gerechte und freie Zukunftsgesellschaft " bereits seit dem 16. Jahrhundert in dieser Form von Sozialutopien existiert welche im Laufe der Zeit ihre Wandlungen durchfahren haben.
Heutzutage wird, dank umfassender medialer Beeinflussung, die 'sozial gerechte und freie Gesellschaft' mit der 'sozialen Marktwirtschaft' assoziiert wobei die Frage nach den Verwertungs- und Besitzmechanismen des akkumulierenden Kapitals völlig außen vor gelassen wird.
Wenn Kritik, dann höchstens mal am imaginären, internationalen und damit nicht fassbaren "Finanzkapital", dem "Heuschreckenkapitalismus" und Ausbeutung findet, wenn überhaupt, höchstens noch am Rande der 4. Welt statt. Wobei wir in der "ersten Welt" eifrig davon partizipieren.

Soweit die kleine Abschweifung.

Ich erwarte und setze auch nicht voraus das diese Überlegungen alle interessieren und/oder sie damit etwas anfangen können.
Aber was ich erwarte und auch einfordern kann ist der Fakt das sie sich, wenn es ihnen zu mühevoll erscheint sich damit zu beschäftigen, sich mit dussligen, albernen Bemerkungen, welche letztendlich nur ihre Unwissenheit herausstellen, etwas zurücknehmen.

Danke für's lesen.

Gruß
Nostalgiker


Auch wenn ich dich ansonsten sehr schätze, diese Aussage empfinde ich als eine Frechheit mir gegenüber die mich trifft und beleidigt.
Schade das auch gebildete Menschen meinen so agieren zu müssen.


Marder, Pit 59 und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 14.10.2013 22:48 | nach oben springen

#188

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 14.10.2013 23:59
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #170


Da ich mich ein wenig von Deiner Frage angesprochen fühle @grenzgaengerin , meine Antwort dazu; GW62 hat ab und zu für meinen Geschmack gewaltige geistige Aussetzer; meist allerdings am späteren Abend; aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel ......
Wozu sich über so etwas aufregen? Ich weiß von wem es kommt .
Da Du nicht nur Userin im Forum bist sondern auch Mutter im realen Leben kannst Dich bestimmt noch an bestimmte Prinzipien im Umgang mit provozierenden Kindern erinnern. Einfach der Provokation keine Aufmerksamkeit widmen, denn durch eine Reaktion meinen sie das sie die damit gewünschte Aufmerksamkeit und Zuwendung; auch wenn sie negativ ist; bekommen und das Ende vom Lied, sie provozieren munter weiter, alle lassen Nerven und was bringt es?
Nichtachtung ärgert kleine Provokateure, Nörgler und stichelnde Zeitgenossen viel mehr; gell @Gert ? Da stimmst mir bestimmt zu.
Auch Dich ärgert es doch mehr wenn Deine sinnfreien Bemerkungen einfach verpuffen .....



Jetzt, wo sich grenzwolf geäußert hat, nehme ich mir auch ein wenig mehr Zeit für eine Antwort.

1. Ich nehme hier in diesem Forum mehr oder weniger alle ernst. Ob sie nun Gert, grenzwolf, Feliks, Vierkrug, DoreHolm, linamax, Fritze oder wie auch immer heißen. Mag sein , dass es ein Fehler ist. Doch jeder einzelne bringt hier seine Erfahrungen und Meinungen ein. Und es sind meist immer die gleichen user. Warum tun sie das? Bestimmt nicht, um mich oder xyz zu ärgern, sondern um mit den anderen im Gespräch zu bleiben.

2. Hätte die Aussage von grenzwolf ein Politiker von der SPD im Zusammenhang mit Koalitionsverhandlungen gegen rot - rot - grün gemacht, hätte sich die gesamte Forumsmeute darauf gestürzt und ordentlich auseinander genommen. Ist grenzwolf weniger wert als ein öffentlicher Mensch - ein gewählter Volksvertreter, dass man sich mit seiner Meinung nicht sachlich auseinander setzt?

3. Und was meine Kinder betrifft. Da musste ich schmunzeln. Mich haben sie eigentlich nie provoziert. Eher habe ich sie provoziert. Ihre Grabenkämpfe untereinander habe ich bis zu einem bestimmten Punkt beobachtet und ausgehalten. Doch wenn da ein Grenze überschritten wurde, und das haben sie komischerweise immer selbst ganz schnell gemerkt, da haben sie schnell alle Fenster im Haus zu gemacht, damit kein Nachbar hört, wie ich austicke. Da haben sie auf einmal wieder alle zusammen gehalten.

In diesem Sinne

LG von der grenzgaengerin

EDIT Ergänzung: von der SPD


Gert und Jobnomade haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 15.10.2013 00:26 | nach oben springen

#189

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 16.10.2013 15:41
von student | 89 Beiträge

Ich weiß auch nicht, was an der Aussage von Grenzwolf falsch sein soll. Im Gegenteil, es sind ja oft die kurzen und spontan prägnanten Aussagen, die den Kern enthalten. Es ging bei diesem Thema ja nicht um eine Idee, die es zu verteidigen oder zu kritisieren gilt, sondern darum, daß diese Partei ein Mittel war, Menschen zu disziplinieren, zu demütigen und gleichzuschalten. Und insofern war sie eine Strafe, sowohl für ihre Mitglieder, die die entwürdigenden Verhältnisse in diesem "Kampfbund" ertragen mußten, als auch für die Nichtmitglieder, weil diese Partei rechtlich abgesichert dem Urteil des gesunden Menschenverstandes und der kritischen Vernunft entzogen war. Weiter nichts. Richtigerweise verweist der Nostalgiker darauf, was Marx und Engels zum "verfrühten Kommunismus" sagten, merkt aber nicht, daß er damit die Aussage vom Grenzwolf unterstreicht. Denn die Partei war auch noch dafür verantwortlich, daß eine über (fast) alle zu Unrecht verhängte Strafe, der Mangelsozialismus, so lange Bestand haben konnte. Dixi.


Jobnomade und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#190

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 16.10.2013 16:30
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Zitat von student im Beitrag #189
... Es ging bei diesem Thema ja nicht um eine Idee, die es zu verteidigen oder zu kritisieren gilt, sondern darum, daß diese Partei ein Mittel war, Menschen zu disziplinieren, zu demütigen und gleichzuschalten. Und insofern war sie eine Strafe, sowohl für ihre Mitglieder, die die entwürdigenden Verhältnisse in diesem "Kampfbund" ertragen mußten, als auch für die Nichtmitglieder, weil diese Partei rechtlich abgesichert dem Urteil des gesunden Menschenverstandes und der kritischen Vernunft entzogen war. ...

Hallo Student,

so unterschiedlich sind die Auffassung sowohl über das Thema selbst auch über die Partei. Ich habe damals diese Partei und die Mitgliedschaft darin nicht als Strafe erlebt. Natürlich, es gab Momente, in denen man hätte fluchen oder schreien können. Ich habe das allerdings nie der Partei zugeschrieben, sondern den Menschen, die mich umgaben. Ich hatte zu unterschiedliches in dieser Partei erlebt und hatte keine wirkliche Erfahrung, wie es an ihrer Spitze tatsächlich aussah. Es gab die knallharten Dogmatiker, die selbst die kleinste Äußerung zum Politikum machten. Es gab aber auch Menschen, die mich in ihrer Haltung beeindruckten. Offen gesagt mal zwei Beispiele von vielen: Meine Mutter und der Erste Kreissekretär von Bad Salzungen. Beide habe ich erlebt, wie sie offen gegen Missstände aufgetreten sind, wie sie auch ihre Zugehörigkeit zur Partei nutzten, um nicht nur verbal Position zu beziehen. Sie beeinflussten nicht über Ideologeme, sondern über ihr Tun oder ihr Vorbild. Meine Naivität der damaligen Zeit ist auch solchen Erfahrungen zuzuschreiben. Das waren für mich die Genossen, das war für mich die Partei. Und das war zugleich die rosarote Brille, durch die ich hinter den anderen Erscheinungen immer nur konkrete Menschen, nicht aber das Gesamtsystem sah.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


schulzi hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 16.10.2013 16:30 | nach oben springen

#191

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 16.10.2013 17:29
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Nachdem ich mich Grenzwolf's Statement angeschlossen habe war mir klar, was einige Forumsmitglieder, die ich sehr schätze, über mich dachten:
"Nestbeschmutzer". Ich war auch 16 Jahre Mitglied der SED.

Ein paar erklärende Worte möchte ich noch anfügen.
Ich wollte die Diskussion nicht mit Polemik stören oder abwürgen, es tut mir leid, dass das vielleicht so angekommen ist.
Grenzwolf's Statement ist meine Bilanz, die ich am 3.Oktober 89 nach 16 Jahren Parteimitgliedschaft leider ziehen musste.
Als junger Student trat ich ein, auch wenn es ein "Schubs" durch andere brauchte. Die folgenden 10 Jahre habe ich mich mit Leidenschaft und Überzeugung eingebracht - auch meine Zeit des Wehrdienstes bei den Grenztruppen war dabei.
Die Ernüchterung setzte bei mir ein, als mich 1983 ein Technischer Direktor und Genosse an eine neue Arbeitsstelle mit Versprechungen köderte, die nicht im entferntesten haltbar waren. Und die im Ergebnis einige meiner Lebensträume platzen liessen. Meine Familie blieb hierbei auf der Strecke - Details lasse ich hier aus, einige haben es sicher schon mal gelesen.
Den Preis war ich nicht mehr bereit zu zahlen, bei aller Überzeugung. Manche Kritik formulierte ich ab diesem Zeitpunkt etwas deutlicher - und eckte natürlich dabei an. Ja, ich hatte auch in diesen Jahren Genossen, die ich schätzte und die mich schätzten. Aber auch andere durfte ich kennenlernen.
Der Grund meines Austritts am 3.Oktober 89 war die drohende "chinesische Lösung" in der DDR, die ich nicht mehr bereit war mit zu tragen. In diesen Tagen empfand ich die SED-Mitglidschaft wirklich als persönliche Stafe.

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
zuletzt bearbeitet 16.10.2013 17:31 | nach oben springen

#192

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 16.10.2013 17:39
von DoreHolm | 7.692 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #190
Zitat von student im Beitrag #189
... Es ging bei diesem Thema ja nicht um eine Idee, die es zu verteidigen oder zu kritisieren gilt, sondern darum, daß diese Partei ein Mittel war, Menschen zu disziplinieren, zu demütigen und gleichzuschalten. Und insofern war sie eine Strafe, sowohl für ihre Mitglieder, die die entwürdigenden Verhältnisse in diesem "Kampfbund" ertragen mußten, als auch für die Nichtmitglieder, weil diese Partei rechtlich abgesichert dem Urteil des gesunden Menschenverstandes und der kritischen Vernunft entzogen war. ...

Hallo Student,

so unterschiedlich sind die Auffassung sowohl über das Thema selbst auch über die Partei. Ich habe damals diese Partei und die Mitgliedschaft darin nicht als Strafe erlebt. Natürlich, es gab Momente, in denen man hätte fluchen oder schreien können. Ich habe das allerdings nie der Partei zugeschrieben, sondern den Menschen, die mich umgaben. Ich hatte zu unterschiedliches in dieser Partei erlebt und hatte keine wirkliche Erfahrung, wie es an ihrer Spitze tatsächlich aussah. Es gab die knallharten Dogmatiker, die selbst die kleinste Äußerung zum Politikum machten. Es gab aber auch Menschen, die mich in ihrer Haltung beeindruckten. Offen gesagt mal zwei Beispiele von vielen: Meine Mutter und der Erste Kreissekretär von Bad Salzungen. Beide habe ich erlebt, wie sie offen gegen Missstände aufgetreten sind, wie sie auch ihre Zugehörigkeit zur Partei nutzten, um nicht nur verbal Position zu beziehen. Sie beeinflussten nicht über Ideologeme, sondern über ihr Tun oder ihr Vorbild. Meine Naivität der damaligen Zeit ist auch solchen Erfahrungen zuzuschreiben. Das waren für mich die Genossen, das war für mich die Partei. Und das war zugleich die rosarote Brille, durch die ich hinter den anderen Erscheinungen immer nur konkrete Menschen, nicht aber das Gesamtsystem sah.

ciao Rainman


Grün: Konkrete Personen, die diese Idee durch ihr Handeln, ihr Reden, ihr Benehmen, in Mißkredit brachten. Mit Gesamtsystem, kommt darauf an, wie Du das meinst. Wenn unter Gesamtsystem u.a. auch das Dogma von der allein die Wahrheit gepachteten Partei und daher für sich reklamierte deshalb auch allein zur Führung des Volkes befähigt zu sein, stimme ich Dir zu. Solch ein System ist falsch. Allerdings hatte ich stets, also auch zu Beginn meiner bewußten politischen Aktivitäten, hinter jedem mir widersinnig, schädlich oder inhumanen erscheinendem Vorgang auch wieder den/die einzelne/en Menschen gesehen, die hier schlecht waren und nie das System, weil ich das System als Solches nicht in Zweifel gezogen habe. Dazu war das Anliegen der sozialistischen Idee zu gut, um hier gegen ein System anzutreten. Auch das dieses System, wie oben geschrieben, zum Dogma erhoben wurde, lag einzig an der ideologischen und charakterlichen Einstellung derer, die da die Macht hatten. Die haben m.E. des System mißbraucht oder mißinterpretiert. Wie schon mal, muß ich hier wieder Parallelen zum Christentum ziehen. Das ist auch nur so gut, obwohl von den Ursprüngen her gut gedacht, wie es die darin handelnden Akteure zulassen.



zuletzt bearbeitet 16.10.2013 17:44 | nach oben springen

#193

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 16.10.2013 17:49
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Zitat von DoreHolm im Beitrag #192

Wie schon mal, muß ich hier wider Parallelen zum Christentum ziehen. Das ist auch nur so gut, obwohl von den Ursprüngen her gut gedacht, wie es die darin handelnden Akteure zulassen.


Das ist jetzt womöglich OT, doch mich wundert immer wieder, dass das Christentum oder die Kirche oder der Glaube allgmein als Vergleich herangezogen wird. Und dann oftmals auch von ehemaligen Genossen. Für mich hinkt der Vergleich in mehreren Beziehungen.

Obwohl mir beim Lesen Deines Beitrages spontan die Reformation eingefallen ist.

LG von der grenzgaengerin


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#194

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 16.10.2013 18:30
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Es gibt wohl einige Gemeinsamkeiten zwischen Kommunistischen Idealen und dem Christentum. Schließlich sind es fundamentale Christliche Werte, auf denen die Idee des Kommunismus aufbaut. Und gut zum Thema, sind doch einige ethische Werte in den 10 Geboten enthalten, deren Verletzung Parteistrafen nach sich zogen.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#195

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 16.10.2013 18:36
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@grenzgaengerin , da wir uns wie es scheint doch etwas von der Ursprungsfrage wegbewegt haben möchte ich kurz auf Deine Frage in #193 eingehen.

Du mußt Dich nicht wundern es ist so.
Stark verkürzt:
Das Christentum verspricht als Heilslehre demjenigen der nach den Geboten im diesseitigem Jammertal der menschlichen Existenz lebt im Jenseits die Erlösung von all seinen Leiden und ein ewiges Leben in Freude, Glück, Liebe und in dem es ihm an nichts mangelt.
Der Ort der Wohlseeligkeit im Jenseits ist Paradies genannt .....
Der Marxismus/Leninismus verspricht als Heilslehre demjenigen der nach dessen Geboten und dem Primat der gesellschaftlichen Interessen über die des "privaten Glücks" im diesseitigen Jammertal der menschlichen Existenz lebt in nicht allzuferner Zukunft im Diesseits; entweder noch für ihn aber garantiert für nachfolgende Generationen; die Befreiung von all seinen Leiden und ein Leben in Freude, Glück, Liebe und in dem es ihm an nichts mangelt.
Der Ort der Wohlseeligkeit im Diesseits ist Kommunismus genannt ......

Mit anderen Worten die eine Heilslehre wurde durch eine Andere ersetzt und "Glaube" war/ist in Beiden durchaus legitim.
Die zentrale "Heilserwartung" wurde vom Jenseits ins Diesseits transformiert wo sie sich in einer nicht näher bestimmten Zukunft materialisieren wird.

Nicht ohne Grund gab es unter Parteimitgliedern, jedenfalls ist sie mir noch so bekannt, die Redewendung wenn es um einen Genossen ging welcher aus ideologischen Gründen einer Parteierziehungsmaßnahme oder Strafe; sic! unterzogen wurde; "der Genosse ist vom Glauben abgefallen....."

Was die Rituale und die Aufbauorganisation der Partei betrifft, da zeigen sich verblüffende Parallelen zu sogenannte Geheimbünden wie sie besonders in der Frühzeit der Aufklärung Verbreitung fanden ......
Nicht allzu verwunderlich, waren doch nachweisbar gerade einige der Theoretiker der 'Partei neuen Typus' Mitglieder in solchen Bünden .....

----------------------------------------------------------

@Grenzwolf62 , nachdem ich hier einige Erklärungen zu Deiner Äußerung gelesen habe möchte ich Dir sagen das ich Deine Bemerkung ziemlich falsch verstanden habe. Ich bezog sie auf die Mitglieder und deshalb reagierte ich so harsch.
Möchte mich für meine Aussage Dich betreffend bei Dir entschuldigen.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

4.Zug 4.Kompanie GAR-40 und exgakl haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#196

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 16.10.2013 18:50
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Nostalgiker, treffender hätte ich das mit dem Glauben auch nicht darstellen können, zumal der Marxsche Spruch, Religion ist Opium für das Volk ect. angeführt wurde, Kirche und was dazu gehört bei uns zu stigmatisieren. Bis zur Wende hatte ich einige Probleme mit Glaube, Seele, Religion und Kirche. Dank meiner ehemaligen Lebenspartnerin, Historikerin, und eigenem intensiven Lesen und Nachdenken konnte ich das einigermaßen erhellen. Ich bin Deiner Meinung, an den Kommunismus haben wir geglaubt. Religion und Kirche sind institutionalisierter Glaube wie auch unsere Partei das war. Zum Thema Seele habe ich lange gegrübelt, aber auch dafür eine für mich vernünftige Erklärung gefunden. Für mich ist die menschliche Seele, die ja bekanntlich nicht vergeht, das gesellschaftliche Bewusstsein, dessen Bestandteil jedes Individuum ist. Gern diskutiere ich hier weiter über dieses Thema, da es mich interessiert.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#197

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 16.10.2013 18:54
von student | 89 Beiträge

Der berühmte "subjektive Faktor". Auf das "System" haben sich immer wieder solche Leute berufen, die eine angebliche Alternativlosigkeit für ihr Handeln reklamieren wollten, und in manchen Fällen hat man ja wirklich nur die Wahl, ob man weiter existieren will -im Extremfall physisch-, oder ob man die Rolle des tragischen Helden vorzieht. Ich glaube, wir alle haben diese Ambivalenz in unseren praktischen Erfahrungen. Auch ich kenne z.B. Leute, die im MfS gearbeitet haben, und denen ich auch und gerade heute noch mit Achtung begegnen kann. Aber deswegen wird mir niemand dieses "Organ" schönreden können, völlig unabhängig davon, wie meine konkreten Erfahrungen damit waren. Bei vielen gibt es einen erheblichen Unterschied im Auftreten zu der Zeit, als sie Vertreter der Macht waren und dem heutigen, wo sie einfach normale Menschen sind. Und die schlimmsten sind die, die wirklich zur damaligen Zeit Charakterschweine waren und heute treuherzig meinen: "Wir konnten ja alle nicht anders..."
Bei mir gingen die unterschiedlichen Ansichten quer durch Familie und Ehe, aber ich habe die Begeisterung und das Engagement z.B. meiner Frau niemals mit einer bedingungslosen Bejahung aller Erscheinungen durch sie gleichgesetzt. Und umgekehrt hat sie denen einen Vogel gezeigt, die ihr damals eine schnelle und unproblematische Ehescheidung in Aussicht gestellt haben, falls sie sich von einem "Träger der politisch-ideologischen Diversion" und auch in manch anderer Hinsicht unsicheren Kantonisten trennen wolle. Man kann ein "System" nie als die bloße Summe all derer ansehen, die ihm angehörten. Und doch sind diejenigen, die aus der allgemeinen Tendenz herausfallen, nur statistische Ausreißer ohne Einfluß auf das Gesamtbild. Man läßt sie ja in der Statistik nicht ohne Grund einfach weg. Für uns bleiben sie bedeutsam, eben weil ihr Verhalten untypisch war und sie uns näher waren als die vielen anderen. Ich will niemandem zu nahe treten, aber oft waren sie die "nützlichen Idioten", mit denen die Partei weit unten Punkte machen konnte und ein Bild von sich vermittelte, das mit der Realität nichts zu tun hatte. Und ich weiß nicht, wie oft ich damals gehört habe: "Der und der ist ganz sympathisch, obwohl er in der Partei ist..."


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#198

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 16.10.2013 18:57
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #194
... Und gut zum Thema, sind doch einige ethische Werte in den 10 Geboten enthalten, deren Verletzung Parteistrafen nach sich zogen.
Na das 8. Gebot war's sicher nicht?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#199

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 16.10.2013 19:04
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

welches meinst, Diebstahl- oder Falschzeugnisverbot?


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#200

RE: Was war eine Parteistrafe?

in DDR Staat und Regime 16.10.2013 19:13
von 94 | 10.792 Beiträge

Ich habe keine Lust, mit Dir darüber in diesem Thread zu simpeln, aber hier mal ein Link, vielleicht kannst'es ja nachvollziehe ...
http://kath-zdw.ch/maria/gebote.html#Das...0Gebot%20Gottes


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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