#21

RE: Die Andersdenkenden in der DDR

in Leben in der DDR 19.09.2013 18:18
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #19
Zitat von turtle im Beitrag #17
Stellt Euch mal vor, man hätte mit den Andersdenkenden normal geredet, dessen Kritik zum Nachdenken aufgenommen. Zusammengearbeitet um einiges zu verbessern.Man tat es nicht ,im Gegenteil man behandelte sie wie Aussätzige ,und ließ sie die Macht des Staates spüren .Kritik kann konstruktiv sein. Kritik am System und der sozialistischen Politik wurde aber nicht geduldet. Ja hätte man nur , dann würde es die DDR vielleicht noch geben. Viele wollten doch nur eine bessere DDR. 1989 war allerdings nichts mehr zu retten. Viel früher war vernünftiges Nachdenken angesagt. Die Agonie der DDR muss doch bemerkt wurden sein.. Die alten Herren in Wandlitz mit ihrer Blind und Starrköpfigkeit waren doch nicht die Einzigen in Partei und MfS.



Turtle, ja Du hast recht. Man hätte reden sollen und es gab weißgott nicht wenige auch unter den SED-Mitgliedern, die schon lange wußten, zumindest auf ihrem Arbeitsgebiet in Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur u.a., daß etwas "faul ist im Staate Dänemark". Warum nicht aus der zweiten Reihe oder noch weiter darunter liegenden Reihen Forderungen nach einer Politikänderung offen geäußert wurden, darüber wurden hier auch schon mehrfach gemutmaßt und von einigen Usern auch am eigenen Beispiel dargelegt. Parteidisziplin, Angst um die Position, Kopf in den Sand stecken, Überzeugt sein für die richtige Sache einzutreten u. v. Gründe mehr. Was mich betrifft, habe ich mich auch erst 1988/89 in den Mitgliederversammlungen dafür ausgesprochen, mit den moderaten Kräften der Bürgerbewegung in´s Gespräch zu kommen. Warum nicht eher, kann ich auch sagen. Weil mir nämlich damals klar war, daß eine Lockerung und Erfüllung von zuerst kleineren Forderungen der Bürgerrechtler weitere Forderungen nach sich zieht und dann in einer bestimmten Phase Leute auf den Plan treten, denen es nicht mehr nur um mehr Demokratie, eine bessere DDR und einen gerechten Sozialismus (wie in der CSSR mit "menschlichem Antlitz") geht. Das war mir damals schon klar und das war auch der Grund, weshalb ich bei aller eigenen Unzufriedenheit die Bürgerrechtsbewegung nicht unterstützt habe, auch wenn ich mich mit einigen Forderungen einverstanden erklären konnte.
Das wäre damals 68 auch in der CSSR nach diesem Schema abgelaufen. Es wäre nicht beim Sozialismus mit menschlichem Antlitz geblieben und Dubcek wäre sehr bald von radikaleren Kräften abserviert worden. 1989 wurde mir erst klar, daß eine Entwicklung in dieser Richtung nicht mehr aufzuhalten ist und wir versuchen müssen, radikalere Kräfte nicht die Oberhand gewinnen zu lassen. Hat nicht geklappt, die Masse war von denen manipulierbar, auch mit ungewollter Hilfe durch das Politbüro mit seinen festgefressenen Denkweisen. Daß da auch andere Kräfte agierten, sah man spätestens dann, als diese entsprechenden Parteien beitraten. Spontan muß ich da an Vera Lengsfeld( ehem. Wollenberger) denken. Lest mal ihre Vita bei Wiki. Sehr interessant. Hat sich auch erst nach der Wende von GB aus auf den Weg in die DDR gemacht, als eigentlich schon die kritischen tage gelaufen waren. Jetzt ist sie in der CDU. Die wollte in den 80ern m.E. NIE etwas anderes als die Beseitungung der bisherigen Produktionsverhältnisse. Anders kann ich mir einen Eintritt in eine solche Partei nicht erklären.


@DoreHolm
weißt du es nicht besser oder schreibst du absichtlich etwas falsches über den Werdegang Vera L. nach der Wende?
Ich habe deinen Rat befolgt und in Wiki das Folgende gelesen.
Zitat Wiki:Im Januar 1988 wurde sie auf dem Weg zur Liebknecht-Luxemburg-Demonstration in Ost-Berlin verhaftet. Nach ihrer Untersuchungshaft in der zentralen Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen des MfS wurde sie vom Stadtbezirksgericht Lichtenberg wegen „versuchter Zusammenrottung“ zu sechs Monaten Haft verurteilt. Ihr Anwalt Wolfgang Schnur (damals Inoffizieller Mitarbeiter des MfS) erreichte, dass sie ihrer Abschiebung ins westliche Ausland zustimmte, statt ihre Haft abzusitzen. Sie ging für knapp zwei Jahre nach Cambridge in Großbritannien, wo sie am St. John’s College Philosophy of Religion studierte und einen Master-Studiengang abschloss. Am 9. November 1989, dem Tag des Mauerfalls, kehrte sie aus privaten Gründen in die DDR zurück.[

Also wenn ich die Wahl gehabt hätte HSH oder GB, ich hätte mich auch erst mal für GB entschieden. Und wenn man es genau betrachtet, haben die Stasioffiziere, die ihr diesen netten Vorschlag unterbreiteten, sich sicher auch nach DDR StgB strafbar gemacht. Das war eine handfeste Erpressung oder Nötigung. aber das führt schon wieder in OT, möchte auf jeden Fall erneute Bücherverbrennung vermeiden.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
utkieker hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#22

RE: Die Andersdenkenden in der DDR

in Leben in der DDR 19.09.2013 18:54
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Mir geht es nicht um die Arroganz der Macht. Auch nicht um "was wäre wenn".

Sondern um den Stempel, den sie aufgedrückt bekommen haben, der bis heute auf unterschiedliche Art und Weise wirkt. Für die einen hat es sie in der DDR nicht gegeben, weil ja keiner so blöd sein konnte und sich den Folgen ausgesetzt hat. Wenn man Dampf ablassen wollte, hatte man ja Maxe Baumann und die vesteckten Witze in seinen Schwänken. Für andere waren und sind es Feinde, die den Fall der DDR provoziert haben. Dann gibt es noch die, für die es Spinner sind, die mit ihren Bürgerrechten mächtig auf die Schnauze gefallen sind. Und wiederum andere leiten die Charakterisierung von denen ab, die in der Wendezeit im Mittelpunkt standen und danach nach der Macht gegriffen haben. Die beste Regung ist noch, dass sie von anderen milde belächelt werden.

Und jetzt eine kleine Provokation meinerseits: So kann man auch erfolgreich verdrängen, dass man in der DDR weggeschaut hat.

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 19.09.2013 18:55 | nach oben springen

#23

RE: Die Andersdenkenden in der DDR

in Leben in der DDR 19.09.2013 19:50
von DoreHolm | 7.694 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #21
Zitat von DoreHolm im Beitrag #19
Zitat von turtle im Beitrag #17
Stellt Euch mal vor, man hätte mit den Andersdenkenden normal geredet, dessen Kritik zum Nachdenken aufgenommen. Zusammengearbeitet um einiges zu verbessern.Man tat es nicht ,im Gegenteil man behandelte sie wie Aussätzige ,und ließ sie die Macht des Staates spüren .Kritik kann konstruktiv sein. Kritik am System und der sozialistischen Politik wurde aber nicht geduldet. Ja hätte man nur , dann würde es die DDR vielleicht noch geben. Viele wollten doch nur eine bessere DDR. 1989 war allerdings nichts mehr zu retten. Viel früher war vernünftiges Nachdenken angesagt. Die Agonie der DDR muss doch bemerkt wurden sein.. Die alten Herren in Wandlitz mit ihrer Blind und Starrköpfigkeit waren doch nicht die Einzigen in Partei und MfS.



Turtle, ja Du hast recht. Man hätte reden sollen und es gab weißgott nicht wenige auch unter den SED-Mitgliedern, die schon lange wußten, zumindest auf ihrem Arbeitsgebiet in Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur u.a., daß etwas "faul ist im Staate Dänemark". Warum nicht aus der zweiten Reihe oder noch weiter darunter liegenden Reihen Forderungen nach einer Politikänderung offen geäußert wurden, darüber wurden hier auch schon mehrfach gemutmaßt und von einigen Usern auch am eigenen Beispiel dargelegt. Parteidisziplin, Angst um die Position, Kopf in den Sand stecken, Überzeugt sein für die richtige Sache einzutreten u. v. Gründe mehr. Was mich betrifft, habe ich mich auch erst 1988/89 in den Mitgliederversammlungen dafür ausgesprochen, mit den moderaten Kräften der Bürgerbewegung in´s Gespräch zu kommen. Warum nicht eher, kann ich auch sagen. Weil mir nämlich damals klar war, daß eine Lockerung und Erfüllung von zuerst kleineren Forderungen der Bürgerrechtler weitere Forderungen nach sich zieht und dann in einer bestimmten Phase Leute auf den Plan treten, denen es nicht mehr nur um mehr Demokratie, eine bessere DDR und einen gerechten Sozialismus (wie in der CSSR mit "menschlichem Antlitz") geht. Das war mir damals schon klar und das war auch der Grund, weshalb ich bei aller eigenen Unzufriedenheit die Bürgerrechtsbewegung nicht unterstützt habe, auch wenn ich mich mit einigen Forderungen einverstanden erklären konnte.
Das wäre damals 68 auch in der CSSR nach diesem Schema abgelaufen. Es wäre nicht beim Sozialismus mit menschlichem Antlitz geblieben und Dubcek wäre sehr bald von radikaleren Kräften abserviert worden. 1989 wurde mir erst klar, daß eine Entwicklung in dieser Richtung nicht mehr aufzuhalten ist und wir versuchen müssen, radikalere Kräfte nicht die Oberhand gewinnen zu lassen. Hat nicht geklappt, die Masse war von denen manipulierbar, auch mit ungewollter Hilfe durch das Politbüro mit seinen festgefressenen Denkweisen. Daß da auch andere Kräfte agierten, sah man spätestens dann, als diese entsprechenden Parteien beitraten. Spontan muß ich da an Vera Lengsfeld( ehem. Wollenberger) denken. Lest mal ihre Vita bei Wiki. Sehr interessant. Hat sich auch erst nach der Wende von GB aus auf den Weg in die DDR gemacht, als eigentlich schon die kritischen tage gelaufen waren. Jetzt ist sie in der CDU. Die wollte in den 80ern m.E. NIE etwas anderes als die Beseitungung der bisherigen Produktionsverhältnisse. Anders kann ich mir einen Eintritt in eine solche Partei nicht erklären.


@DoreHolm
weißt du es nicht besser oder schreibst du absichtlich etwas falsches über den Werdegang Vera L. nach der Wende?
Ich habe deinen Rat befolgt und in Wiki das Folgende gelesen.
Zitat Wiki:Im Januar 1988 wurde sie auf dem Weg zur Liebknecht-Luxemburg-Demonstration in Ost-Berlin verhaftet. Nach ihrer Untersuchungshaft in der zentralen Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen des MfS wurde sie vom Stadtbezirksgericht Lichtenberg wegen „versuchter Zusammenrottung“ zu sechs Monaten Haft verurteilt. Ihr Anwalt Wolfgang Schnur (damals Inoffizieller Mitarbeiter des MfS) erreichte, dass sie ihrer Abschiebung ins westliche Ausland zustimmte, statt ihre Haft abzusitzen. Sie ging für knapp zwei Jahre nach Cambridge in Großbritannien, wo sie am St. John’s College Philosophy of Religion studierte und einen Master-Studiengang abschloss. Am 9. November 1989, dem Tag des Mauerfalls, kehrte sie aus privaten Gründen in die DDR zurück.[

Also wenn ich die Wahl gehabt hätte HSH oder GB, ich hätte mich auch erst mal für GB entschieden. Und wenn man es genau betrachtet, haben die Stasioffiziere, die ihr diesen netten Vorschlag unterbreiteten, sich sicher auch nach DDR StgB strafbar gemacht. Das war eine handfeste Erpressung oder Nötigung. aber das führt schon wieder in OT, möchte auf jeden Fall erneute Bücherverbrennung vermeiden.




Lieber Gert, mir ging es hier einzig um jene Kräfte, d.h. politische Parteien, zu denen sich V.L. hingezogen fühlte und die wohl ihrer Ansicht nach am ehesten ihre eigenen Ziele verfolgen. Und die sind im Entscheidungsfall allesamt nicht zuallererst auf des Wohl der unteren 90% unserer Bevölkerung gerichtet, auch wenn das mancher gern so sehen würde. Alles Andere drum herum, wie Du auch Wiki zitiertest, ist hier nur Beiwerk und nicht Kernaussage zum Thema.



zuletzt bearbeitet 19.09.2013 19:51 | nach oben springen

#24

RE: Die Andersdenkenden in der DDR

in Leben in der DDR 19.09.2013 19:51
von Lutze | 8.034 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #22
Mir geht es nicht um die Arroganz der Macht. Auch nicht um "was wäre wenn".

Sondern um den Stempel, den sie aufgedrückt bekommen haben, der bis heute auf unterschiedliche Art und Weise wirkt. Für die einen hat es sie in der DDR nicht gegeben, weil ja keiner so blöd sein konnte und sich den Folgen ausgesetzt hat. Wenn man Dampf ablassen wollte, hatte man ja Maxe Baumann und die vesteckten Witze in seinen Schwänken. Für andere waren und sind es Feinde, die den Fall der DDR provoziert haben. Dann gibt es noch die, für die es Spinner sind, die mit ihren Bürgerrechten mächtig auf die Schnauze gefallen sind. Und wiederum andere leiten die Charakterisierung von denen ab, die in der Wendezeit im Mittelpunkt standen und danach nach der Macht gegriffen haben. Die beste Regung ist noch, dass sie von anderen milde belächelt werden.

Und jetzt eine kleine Provokation meinerseits: So kann man auch erfolgreich verdrängen, dass man in der DDR weggeschaut hat.

LG von der grenzgaengerin




du schreibst was von milde belächelt,
eine Gegenfrage stelle ich mal,
die Leute mit dem SED-Abzeichen habe ich milde belächelt,
wer trug dieses Abzeichen mit Stolz,
und wer hat es lieber zu Hause gelassen
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#25

RE: Die Andersdenkenden in der DDR

in Leben in der DDR 19.09.2013 20:04
von DoreHolm | 7.694 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #24
Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #22
Mir geht es nicht um die Arroganz der Macht. Auch nicht um "was wäre wenn".

Sondern um den Stempel, den sie aufgedrückt bekommen haben, der bis heute auf unterschiedliche Art und Weise wirkt. Für die einen hat es sie in der DDR nicht gegeben, weil ja keiner so blöd sein konnte und sich den Folgen ausgesetzt hat. Wenn man Dampf ablassen wollte, hatte man ja Maxe Baumann und die vesteckten Witze in seinen Schwänken. Für andere waren und sind es Feinde, die den Fall der DDR provoziert haben. Dann gibt es noch die, für die es Spinner sind, die mit ihren Bürgerrechten mächtig auf die Schnauze gefallen sind. Und wiederum andere leiten die Charakterisierung von denen ab, die in der Wendezeit im Mittelpunkt standen und danach nach der Macht gegriffen haben. Die beste Regung ist noch, dass sie von anderen milde belächelt werden.

Und jetzt eine kleine Provokation meinerseits: So kann man auch erfolgreich verdrängen, dass man in der DDR weggeschaut hat.

LG von der grenzgaengerin




du schreibst was von milde belächelt,
eine Gegenfrage stelle ich mal,
die Leute mit dem SED-Abzeichen habe ich milde belächelt,
wer trug dieses Abzeichen mit Stolz,
und wer hat es lieber zu Hause gelassen

Lutze


Lutze, ich sage es unumwunden. Auch wenn ich von der Richtigkeit dieser Eigentumsform Sozialismus überzeugt war, mich dafür in mannigfaltiger Art und Weise engagiert habe, aber das Abzeichen habe ich nicht getragen, wenn es nicht notwendig war. Zu betrieblichen Feierlichkeiten, der Wahlveranstaltung der BPO, Empfängen u.s.w., dann ja. Das hat mit Stolz oder nicht Stolz nichts zu tun. Wenn Du nun zurückschaust, wie viele, die das "Bonbon" möglichst noch an die Badehosen festtackerten, um ihre "unverbrüchliche Treue und Verbundenheit zur Partei der Arbeiterklasse" möglichst überall zu dokumentieren, haben zur Wende ihren Hals um 180° gedreht ? Nein, das Tragen oder nicht Tragen des "Bonbon" war nicht unbedingt Ausdruck ihrer Überzeugung.



Lutze, Jobnomade und Küchenbulle 79 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#26

RE: Die Andersdenkenden in der DDR

in Leben in der DDR 19.09.2013 23:48
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #23
Zitat von Gert im Beitrag #21
Zitat von DoreHolm im Beitrag #19
Zitat von turtle im Beitrag #17
Stellt Euch mal vor, man hätte mit den Andersdenkenden normal geredet, dessen Kritik zum Nachdenken aufgenommen. Zusammengearbeitet um einiges zu verbessern.Man tat es nicht ,im Gegenteil man behandelte sie wie Aussätzige ,und ließ sie die Macht des Staates spüren .Kritik kann konstruktiv sein. Kritik am System und der sozialistischen Politik wurde aber nicht geduldet. Ja hätte man nur , dann würde es die DDR vielleicht noch geben. Viele wollten doch nur eine bessere DDR. 1989 war allerdings nichts mehr zu retten. Viel früher war vernünftiges Nachdenken angesagt. Die Agonie der DDR muss doch bemerkt wurden sein.. Die alten Herren in Wandlitz mit ihrer Blind und Starrköpfigkeit waren doch nicht die Einzigen in Partei und MfS.



Turtle, ja Du hast recht. Man hätte reden sollen und es gab weißgott nicht wenige auch unter den SED-Mitgliedern, die schon lange wußten, zumindest auf ihrem Arbeitsgebiet in Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur u.a., daß etwas "faul ist im Staate Dänemark". Warum nicht aus der zweiten Reihe oder noch weiter darunter liegenden Reihen Forderungen nach einer Politikänderung offen geäußert wurden, darüber wurden hier auch schon mehrfach gemutmaßt und von einigen Usern auch am eigenen Beispiel dargelegt. Parteidisziplin, Angst um die Position, Kopf in den Sand stecken, Überzeugt sein für die richtige Sache einzutreten u. v. Gründe mehr. Was mich betrifft, habe ich mich auch erst 1988/89 in den Mitgliederversammlungen dafür ausgesprochen, mit den moderaten Kräften der Bürgerbewegung in´s Gespräch zu kommen. Warum nicht eher, kann ich auch sagen. Weil mir nämlich damals klar war, daß eine Lockerung und Erfüllung von zuerst kleineren Forderungen der Bürgerrechtler weitere Forderungen nach sich zieht und dann in einer bestimmten Phase Leute auf den Plan treten, denen es nicht mehr nur um mehr Demokratie, eine bessere DDR und einen gerechten Sozialismus (wie in der CSSR mit "menschlichem Antlitz") geht. Das war mir damals schon klar und das war auch der Grund, weshalb ich bei aller eigenen Unzufriedenheit die Bürgerrechtsbewegung nicht unterstützt habe, auch wenn ich mich mit einigen Forderungen einverstanden erklären konnte.
Das wäre damals 68 auch in der CSSR nach diesem Schema abgelaufen. Es wäre nicht beim Sozialismus mit menschlichem Antlitz geblieben und Dubcek wäre sehr bald von radikaleren Kräften abserviert worden. 1989 wurde mir erst klar, daß eine Entwicklung in dieser Richtung nicht mehr aufzuhalten ist und wir versuchen müssen, radikalere Kräfte nicht die Oberhand gewinnen zu lassen. Hat nicht geklappt, die Masse war von denen manipulierbar, auch mit ungewollter Hilfe durch das Politbüro mit seinen festgefressenen Denkweisen. Daß da auch andere Kräfte agierten, sah man spätestens dann, als diese entsprechenden Parteien beitraten. Spontan muß ich da an Vera Lengsfeld( ehem. Wollenberger) denken. Lest mal ihre Vita bei Wiki. Sehr interessant. Hat sich auch erst nach der Wende von GB aus auf den Weg in die DDR gemacht, als eigentlich schon die kritischen tage gelaufen waren. Jetzt ist sie in der CDU. Die wollte in den 80ern m.E. NIE etwas anderes als die Beseitungung der bisherigen Produktionsverhältnisse. Anders kann ich mir einen Eintritt in eine solche Partei nicht erklären.


@DoreHolm
weißt du es nicht besser oder schreibst du absichtlich etwas falsches über den Werdegang Vera L. nach der Wende?
Ich habe deinen Rat befolgt und in Wiki das Folgende gelesen.
Zitat Wiki:Im Januar 1988 wurde sie auf dem Weg zur Liebknecht-Luxemburg-Demonstration in Ost-Berlin verhaftet. Nach ihrer Untersuchungshaft in der zentralen Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen des MfS wurde sie vom Stadtbezirksgericht Lichtenberg wegen „versuchter Zusammenrottung“ zu sechs Monaten Haft verurteilt. Ihr Anwalt Wolfgang Schnur (damals Inoffizieller Mitarbeiter des MfS) erreichte, dass sie ihrer Abschiebung ins westliche Ausland zustimmte, statt ihre Haft abzusitzen. Sie ging für knapp zwei Jahre nach Cambridge in Großbritannien, wo sie am St. John’s College Philosophy of Religion studierte und einen Master-Studiengang abschloss. Am 9. November 1989, dem Tag des Mauerfalls, kehrte sie aus privaten Gründen in die DDR zurück.[

Also wenn ich die Wahl gehabt hätte HSH oder GB, ich hätte mich auch erst mal für GB entschieden. Und wenn man es genau betrachtet, haben die Stasioffiziere, die ihr diesen netten Vorschlag unterbreiteten, sich sicher auch nach DDR StgB strafbar gemacht. Das war eine handfeste Erpressung oder Nötigung. aber das führt schon wieder in OT, möchte auf jeden Fall erneute Bücherverbrennung vermeiden.




Lieber Gert, mir ging es hier einzig um jene Kräfte, d.h. politische Parteien, zu denen sich V.L. hingezogen fühlte und die wohl ihrer Ansicht nach am ehesten ihre eigenen Ziele verfolgen. Und die sind im Entscheidungsfall allesamt nicht zuallererst auf des Wohl der unteren 90% unserer Bevölkerung gerichtet, auch wenn das mancher gern so sehen würde. Alles Andere drum herum, wie Du auch Wiki zitiertest, ist hier nur Beiwerk und nicht Kernaussage zum Thema.



OK ich sehe ein, dass du mit Fakten nicht zu überzeugen bist ( übrigens auch eine Erfahrung, die ich mit deinen früheren Parteigenossen auch hatte ) also lassen wir das mit solchen Diskussionen.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#27

RE: Die Andersdenkenden in der DDR

in Leben in der DDR 20.09.2013 09:41
von DoreHolm | 7.694 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #26
Zitat von DoreHolm im Beitrag #23
Zitat von Gert im Beitrag #21
Zitat von DoreHolm im Beitrag #19
Zitat von turtle im Beitrag #17
Stellt Euch mal vor, man hätte mit den Andersdenkenden normal geredet, dessen Kritik zum Nachdenken aufgenommen. Zusammengearbeitet um einiges zu verbessern.Man tat es nicht ,im Gegenteil man behandelte sie wie Aussätzige ,und ließ sie die Macht des Staates spüren .Kritik kann konstruktiv sein. Kritik am System und der sozialistischen Politik wurde aber nicht geduldet. Ja hätte man nur , dann würde es die DDR vielleicht noch geben. Viele wollten doch nur eine bessere DDR. 1989 war allerdings nichts mehr zu retten. Viel früher war vernünftiges Nachdenken angesagt. Die Agonie der DDR muss doch bemerkt wurden sein.. Die alten Herren in Wandlitz mit ihrer Blind und Starrköpfigkeit waren doch nicht die Einzigen in Partei und MfS.



Turtle, ja Du hast recht. Man hätte reden sollen und es gab weißgott nicht wenige auch unter den SED-Mitgliedern, die schon lange wußten, zumindest auf ihrem Arbeitsgebiet in Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur u.a., daß etwas "faul ist im Staate Dänemark". Warum nicht aus der zweiten Reihe oder noch weiter darunter liegenden Reihen Forderungen nach einer Politikänderung offen geäußert wurden, darüber wurden hier auch schon mehrfach gemutmaßt und von einigen Usern auch am eigenen Beispiel dargelegt. Parteidisziplin, Angst um die Position, Kopf in den Sand stecken, Überzeugt sein für die richtige Sache einzutreten u. v. Gründe mehr. Was mich betrifft, habe ich mich auch erst 1988/89 in den Mitgliederversammlungen dafür ausgesprochen, mit den moderaten Kräften der Bürgerbewegung in´s Gespräch zu kommen. Warum nicht eher, kann ich auch sagen. Weil mir nämlich damals klar war, daß eine Lockerung und Erfüllung von zuerst kleineren Forderungen der Bürgerrechtler weitere Forderungen nach sich zieht und dann in einer bestimmten Phase Leute auf den Plan treten, denen es nicht mehr nur um mehr Demokratie, eine bessere DDR und einen gerechten Sozialismus (wie in der CSSR mit "menschlichem Antlitz") geht. Das war mir damals schon klar und das war auch der Grund, weshalb ich bei aller eigenen Unzufriedenheit die Bürgerrechtsbewegung nicht unterstützt habe, auch wenn ich mich mit einigen Forderungen einverstanden erklären konnte.
Das wäre damals 68 auch in der CSSR nach diesem Schema abgelaufen. Es wäre nicht beim Sozialismus mit menschlichem Antlitz geblieben und Dubcek wäre sehr bald von radikaleren Kräften abserviert worden. 1989 wurde mir erst klar, daß eine Entwicklung in dieser Richtung nicht mehr aufzuhalten ist und wir versuchen müssen, radikalere Kräfte nicht die Oberhand gewinnen zu lassen. Hat nicht geklappt, die Masse war von denen manipulierbar, auch mit ungewollter Hilfe durch das Politbüro mit seinen festgefressenen Denkweisen. Daß da auch andere Kräfte agierten, sah man spätestens dann, als diese entsprechenden Parteien beitraten. Spontan muß ich da an Vera Lengsfeld( ehem. Wollenberger) denken. Lest mal ihre Vita bei Wiki. Sehr interessant. Hat sich auch erst nach der Wende von GB aus auf den Weg in die DDR gemacht, als eigentlich schon die kritischen tage gelaufen waren. Jetzt ist sie in der CDU. Die wollte in den 80ern m.E. NIE etwas anderes als die Beseitungung der bisherigen Produktionsverhältnisse. Anders kann ich mir einen Eintritt in eine solche Partei nicht erklären.


@DoreHolm
weißt du es nicht besser oder schreibst du absichtlich etwas falsches über den Werdegang Vera L. nach der Wende?
Ich habe deinen Rat befolgt und in Wiki das Folgende gelesen.
Zitat Wiki:Im Januar 1988 wurde sie auf dem Weg zur Liebknecht-Luxemburg-Demonstration in Ost-Berlin verhaftet. Nach ihrer Untersuchungshaft in der zentralen Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen des MfS wurde sie vom Stadtbezirksgericht Lichtenberg wegen „versuchter Zusammenrottung“ zu sechs Monaten Haft verurteilt. Ihr Anwalt Wolfgang Schnur (damals Inoffizieller Mitarbeiter des MfS) erreichte, dass sie ihrer Abschiebung ins westliche Ausland zustimmte, statt ihre Haft abzusitzen. Sie ging für knapp zwei Jahre nach Cambridge in Großbritannien, wo sie am St. John’s College Philosophy of Religion studierte und einen Master-Studiengang abschloss. Am 9. November 1989, dem Tag des Mauerfalls, kehrte sie aus privaten Gründen in die DDR zurück.[

Also wenn ich die Wahl gehabt hätte HSH oder GB, ich hätte mich auch erst mal für GB entschieden. Und wenn man es genau betrachtet, haben die Stasioffiziere, die ihr diesen netten Vorschlag unterbreiteten, sich sicher auch nach DDR StgB strafbar gemacht. Das war eine handfeste Erpressung oder Nötigung. aber das führt schon wieder in OT, möchte auf jeden Fall erneute Bücherverbrennung vermeiden.




Lieber Gert, mir ging es hier einzig um jene Kräfte, d.h. politische Parteien, zu denen sich V.L. hingezogen fühlte und die wohl ihrer Ansicht nach am ehesten ihre eigenen Ziele verfolgen. Und die sind im Entscheidungsfall allesamt nicht zuallererst auf des Wohl der unteren 90% unserer Bevölkerung gerichtet, auch wenn das mancher gern so sehen würde. Alles Andere drum herum, wie Du auch Wiki zitiertest, ist hier nur Beiwerk und nicht Kernaussage zum Thema.



OK ich sehe ein, dass du mit Fakten nicht zu überzeugen bist ( übrigens auch eine Erfahrung, die ich mit deinen früheren Parteigenossen auch hatte ) also lassen wir das mit solchen Diskussionen.




Grün: Das wird wohl auf gegenseitiger Einschätzung beruhen. Bei Dir sind es noch meine früheren Parteigenossen, bei mir sind es andere Gleichgesinnte. auf Deiner Seite.
Gut, lassen wir es damit bewenden.



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#28

RE: Die Andersdenkenden in der DDR

in Leben in der DDR 20.09.2013 11:18
von ddr-bürger (gelöscht)
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Wo fängt "Andersdenkender" an?

1 - Fängt das an bei Kritik an Auswirkungen der staatl. bzw. gesell. Leitung?
2 - Fängt das an bei Kritik am Staat selber und der gesell. Grundlagen?
3 - Fängt das an bei Bestrebungen den Staat zu beseitigen?

Zu 1
Ja, solche Kritik gab es oft. Ich war schon zu DDR Zeiten gegen diese ausufernde Subventionspolitik und vieler wirtschaftlicher Verwerfungen. Aus diesen Gründen habe ich schon im Jahr 1987 eine berufliche "Umorientierung" für mich vorgeneommen.

Deswegen war ich kein "Andersdenkender", ich war ein kritischer DDR Bürger trotz der "Differenzen" mit einer Bindung zu dem Staat.

In diesem Bereich ist mit den Menschen zu viel "Schindluder" getrieben worden.

Zu 2. und 3.

Zu diesen Kreisen habe ich mich immer distanziert....


4.Zug 4.Kompanie GAR-40, thomas 48, DoreHolm, Küchenbulle 79 und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#29

RE: Die Andersdenkenden in der DDR

in Leben in der DDR 20.09.2013 11:27
von Moskwitschka (gelöscht)
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Eine gute Diskussionsgrundlage, @ddr-bürger

Ich würde aber Staat und gesellschaftliche Grundlagen trennen. Denn gerade das war bei vielen die Gratwanderung.

Und wo würdest Du die Kritik an den Kollegen einordnen, die sich in den Betrieben "selbst bedient haben" und z.B tonnenweise Kies u.ä. zum Häuslebau auf die eigene Scholle gekarrt haben? Kritik am staatlichen Leiter, der nicht eingreift?

LG von der grenzgaengerin

EDIT


zuletzt bearbeitet 20.09.2013 11:54 | nach oben springen

#30

RE: Die Andersdenkenden in der DDR

in Leben in der DDR 20.09.2013 12:28
von Grenzgänger (gelöscht)
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[quote=grenzgaengerin|p289999]......z.B tonnenweise Kies u.ä. zum Häuslebau auf die eigene Scholle gekarrt haben? Kritik am staatlichen Leiter, der nicht eingreift?

LG von der grenzgaengerin/quote]


...wird schwierig, wenn man "seinen" Kies gerade in der Vorwoche abgefasst hat- und der Chef auch bloss auf die Fuhre zu seiner Datsche wartet..

Siggi


zu ddr- bürgers dritter These noch:
Waren denn "Andersdenkende", die die DDR beseitigen wollten, irgendwie öffentlich wahrnehmbar ?
So, dass man sich überhaupt distanzieren konnte..?

Ich habe sehr viel Gemecker am Frühstückstisch im Kollektiv und sonstwo gehört (und mich auch "rege an der Diskussion beteiligt")- aber nie hörte ich "dieser Staat muss abgeschafft werden" !
War ich nur am falschen Ort ?

Siggi


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#31

RE: Die Andersdenkenden in der DDR

in Leben in der DDR 20.09.2013 13:04
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Ich war damals in dem sehr aufgeschlossenem Bezirk Dresden. Die "Selbsbedienungsmentalität" einiger unserer Funktionäre stank selbst uns in der SED- Kreisleitung an. Wenn sich der 1. Kreissekretär mal so nebenbei eine Datsche in den Garten stellen ließ vom örtlichen Baubetrieb und andererseits Bauvorhaben unrealisiert blieben, hat das natürlich für Unmut gesorgt und viele von uns fanden das nicht in Ordnung. Es gab aber auch andere, die versucht haben, dem ein Einhalt zu gebieten. Unser Vorbild damals war unser damaliger 1. Bezirkssekretär, Hans Modrow, der selbst bescheiden in einer stinknormalen Neubauwohnung in der Pfotenhauer Straße wohnte. Unter seiner Führung war ein frischer Wind zu spüren, nur leider reichten seine Kräfte auch nicht für alles aus. Wenn wir damals gewusst hätten, wie die da oben einige so in Saus und Braus gelebt haben, dann hätte es sicher mehr Entrüstung und Aufruhr gegeben.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


zuletzt bearbeitet 20.09.2013 13:06 | nach oben springen

#32

RE: Die Andersdenkenden in der DDR

in Leben in der DDR 20.09.2013 13:31
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Wenn ich ehrlich bin hat mich der Saus und Braus der "oberen 10.000" in der DDR nicht interessiert. Sondern eher deren Wahrnehmung der restlichen 16.990.000 DDR - Bürger.

Und sich hinter denen zu verstecken "die haben es ja genauso gemacht" rechtfertigt noch lange nicht seine eigene "Sause" zu "organisieren". Und um Fragen zuvor zu kommen: Ja mein Mann hat auch einmal an der 96 mit einem Pfund gewedelt und einen W50 mit Kies umgeleitet. Ich "Gutmensch" oder "Andersdenkmensch" war ziemlich sauer.

LG von der grenzgaengerin


4.Zug 4.Kompanie GAR-40 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#33

RE: Die Andersdenkenden in der DDR

in Leben in der DDR 20.09.2013 13:37
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #32


"Andersdenkmensch"

LG von der grenzgaengerin





Der Begriff gefällt mir!
Habe davon genug live erlebt.....

seaman


seaman


zuletzt bearbeitet 20.09.2013 13:42 | nach oben springen

#34

RE: Die Andersdenkenden in der DDR

in Leben in der DDR 20.09.2013 13:46
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Zitat von seaman im Beitrag #33

Der Begriff gefällt mir!
Habe davon genug live erlebt.....

seaman



Erzähl mal

LG von der grenzgaengerin


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#35

RE: Die Andersdenkenden in der DDR

in Leben in der DDR 20.09.2013 13:56
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

@Gert

Habe Deinen Beitrag mit großer Aufmerksamkeit gelesen. Bei uns war das Denken genau so und das wurde von der Leitung auch schamlos ausgenutzt, jede Kritik nützt dem Gegner war das Argument. Tatsache ist aber wirklich, und das kann keiner leugnen, der Westen hat alles unternommen, um jegliche Kritik aus den eigenen Reihen für sich zu benutzen, um diese "Randnotiz der Geschichte" endlich auszuradieren. Aber davon will heute niemand etwas mehr wissen. Natürlich haben wir uns mit unserem Handeln selbst abgeschafft. Aber was mich heute so entsetzlich stört ist, dass unser missglücktes Experiment mit dem Sozialismus immer wieder angeführt wird, um die Idee von einer besseren Welt ad absurdum zu führen. Und nicht vergessen werden darf, dass unser Tun und Handeln seit 1917 massiv vom Westen torpediert wurde, aber das will niemand wahr haben. Ich weiß nicht, wer hier im Forum die Cocom- Liste kennt, ohne vorher gegoogelt zu haben. Ich jedenfalls glaube immer noch an eine bessere Welt ohne Kriege, Ausbeutung, Krankheit und Hunger und Elend. Eines ist mir aber bewusst geworden, mit dem heutigen Menschen geht das noch nicht, die Evolution muss den Menschen erst noch hervorbringen, der aus freiem Willen seine eigenen Interessen unter die der Gesellschaft zu stellen bereit ist.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


Gert und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#36

RE: Die Andersdenkenden in der DDR

in Leben in der DDR 20.09.2013 14:23
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #34
Zitat von seaman im Beitrag #33

Der Begriff gefällt mir!
Habe davon genug live erlebt.....

seaman



Erzähl mal

LG von der grenzgaengerin




Habe das wohl schon irgendwo hier mal niedergeschrieben.......
Deshalb nur nochmal Kurzform/Stichpunkte zu DDR-Bürgern "Andersdenkmensch":

Habe diese "Andersdenkmenschen" erlebt in HH als die Mauer fiel.

-Als Menschen,die sich wie Affen mit Bananen füttern liessen....

-Trabbis,mit heruntergekurbelten Fenstern zielgerichtet vor den Supermärkten parkend,in die man wie in Briefkästen,Schokolade und andere"Spenden" einwarf....

-Trabbis,die mit entsprechenden Plakaten und einsitzenden "DDR-Widerstandskämpfern" als Selbstanbieter vor den Geheimdiensten postierten...

- DDR-Bürger die mit Kind und Kegel sich mit betrügerischer Absicht Begrüssungsgeld erschleichen wollten....

-DDR-Bürger die anrückten und alles aus ihrer Familientraditon für ein Appel und Ei verscherbelten,Briefmarken,Silberbesteck,WKII-Alben von Familienangehörigen,Ess-und Kaffeservices,historische Bücher bis Meissener Porzellan....

-Aus den Parkbuchten der Freudenmeilen (St.Pauli,St.Georg) stöhnte es aus den Wartburgkombis in den Dialekten der befreiten Regionen,von sächsisch bis thüringisch.Knackige FDJ-lerinnen,die am 7.Oktober 89 noch irgendwo defilierend an irgendwelchen Ehrentribünen am 7.Oktober ihre unverbrüchliche Treue.....

-Na ja,dann noch der Kompaniechef mit seinem Polit,die den Aktenkoffer mit GVS u.ä.Unterlagen an den Mann bringen wollten und mussten....

-Die erste Welle von gescheiterten Existenzen aus der DDR,vorbestraft,arbeitsscheu und versoffen,die erstmal das Bild des Lebens von DDR-Bürgern,speziell und im allgemeinen,den überwiegend(DDR betreffend) unwissenden Bundesbürgern verklickerten.....

Ich lass es einfach mehr aufzulisten.

Hoffe,die "Andersdenkmenschen" unterstellen mir jetzt nicht ich wäre ein Ewiggestriger.
Habe lediglich zu einer bestimmten Klientel ehemaliger DDR-Bürger eine spezielle Sicht.
Menschen in anderen historischen Situationen hatten mehr Ehre im Leib.
Für die Leute,die den Staat DDR ehrlich reformieren wollten,waren dies Typen kontraproduktiv.

seaman


thomas 48 und passport haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 20.09.2013 14:41 | nach oben springen

#37

RE: Die Andersdenkenden in der DDR

in Leben in der DDR 20.09.2013 14:42
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Jochen,

ein ähnliches Bild bekamen wir von den ersten sogenannten Aufbauhelfern und noch schlimmer von den Goldgräbern und Glücksrittern, die mit ihren Flohmärkten u.a. ihren Ramsch unter die Leute brachten u.v.a.m.

Ich glaube, da haben wir uns gegenseitig nix vorzuwerfen, Abschaum gab und gibt es in jeder Gesellschaft.

Grenzgaengerin, ich war auch ein "Andersdenkender", nur habe ich versucht, von innen heraus etwas zu verändern, zu bewirken, indem ich aktiv mitgemacht habe. Meine Überlegung war, dagegen zu sein, führt über kurz oder lang wieder in eine Gesellschaft von Ausbeutung mit arm und reich, wie es ja dann auch gekommen ist. Lieber dafür sein und einen eigenen Beitrag leisten, um die vorhandenen Mißstände und Verwerfungen zu beseitigen. Leider war es schon zu spät, als ich alt genug dafür war.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#38

RE: Die Andersdenkenden in der DDR

in Leben in der DDR 20.09.2013 14:59
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #35
@Gert
Ich weiß nicht, wer hier im Forum die Cocom- Liste kennt, ohne vorher gegoogelt zu haben.


Hallo, die sehe ich als geringeres Problem. Ein RGW der es schafft Überschallbomber zu bauen, Mondsonden mit Rückkehrmodul technolgisch beherrscht, ein Wirtschaftsraum mit 500+ Mio Menschen, der sollte technologisch ALLE Produkte auf die Reihe bringen.

Der Wirtschaftsraum NATO-JAPAN-EU mit 1,5 MRD hatte für ALLES, wirklich alles mehr als eine industrielle Quelle.

Z.B Mikorprozessoren in den 80er-Jahren, Zilog, Intel, Motorola, AMD, 4 fabs für 1,5 MRD Menschen, dann sollte eine für 500 Mio auch alles technologisch-rationell drauf haben, das gilt auch für Werkzeugmaschinen, Farbfilme ( Fuji, Agfa, Kodak ), Atemgeräte für Feuerwehren ( Auer und Dräger ) usw. usw. Farbefernsehen PAL und SECAM-Parallelentwicklung, Audiokassete, Phillips UND Telefunken ( DC ). Kuglelgaer, NiCd-Akkus, Industriechemiklalien, Einspritzpumpen, Industriesteuerungen, für alles mehrfache entwickelnde und produzierende Anbieter! Meßmaschinen von Zeiss Oberkochen, Leica und Olympus! Wanderfeldrähren sowohl aus Ulm als auch den USA!

Also an Losgröße oder Entwicklungsaufwand konnte es nicht liegen wenn der "Westen" alles sich 3- 5-fach leistete, inkl. Werbekriege noch als schwarzes Loch für Arbeitsleistung.



zuletzt bearbeitet 20.09.2013 15:08 | nach oben springen

#39

RE: Die Andersdenkenden in der DDR

in Leben in der DDR 20.09.2013 15:15
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Ohne eine internationale Arbeitsteilung auf wissenschftlich- technischem Gebiet hätte das keine westliche Region für sich alleine vermocht, weder Amerika, noch Japan oder Westeuropa. Das ist aber nur ein Aspekt. Zwei weitere wären auch noch zu nennen.

1. Der zweite Weltkrieg hat Osteuropa weitaus verheerender getroffen als die westliche Welt
2. Der Osten hat keine dritte Welt zur Ausbeutung zur Verfügung gehabt und wollte das auch nicht


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


Damals87 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#40

RE: Die Andersdenkenden in der DDR

in Leben in der DDR 20.09.2013 15:16
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #37

Grenzgaengerin, ich war auch ein "Andersdenkender", nur habe ich versucht, von innen heraus etwas zu verändern, zu bewirken, indem ich aktiv mitgemacht habe. Meine Überlegung war, dagegen zu sein, führt über kurz oder lang wieder in eine Gesellschaft von Ausbeutung mit arm und reich, wie es ja dann auch gekommen ist. Lieber dafür sein und einen eigenen Beitrag leisten, um die vorhandenen Mißstände und Verwerfungen zu beseitigen. Leider war es schon zu spät, als ich alt genug dafür war.


Und schon wird wieder Kritik mit dagegen sein auf eine Stufe gestellt.

LG von der grenzgaengerin


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