#81

RE: Nicht ohne Skepsis

in Das Ende der DDR 18.09.2013 14:18
von passport | 2.628 Beiträge

Zitat von berlin3321 im Beitrag #75

Zitat
Und ein durchwinken hab ich persönlich nie erlebt


Moin,

ich auch nicht.

Ich hatte mal ein tolles Erlebnis, da gab es für "nichts" ´nen Anschiss und eine "Kontrolle" bei der Ausreise Transit, die hatte es aber in sich.

Vielleicht kann Passport oder Alfred oder ein damals Verantwortlicher etwas dazu sagen?

Doch der Reihe nach: Ich kam spät Abends/ Nachts an der Güst Horst an, Transit aus Berlin mit PKW.

So 50 m vor der Güst stand ein Posten, GT? Der wies wimre in die Spuren ein.

Unmittelbar vor dem Posten stand eine Ampel, die auf Rot stand, der Posten draußen vor dem Kabuff. Ich hatte nun die Frechheit, nicht am Haltestrich stehen zu bleiben sondern rollte bis direkt zum Posten heran.

Der Anschiss erfolgte sofort, ich weiß es noch wörtlich und das nach über 30 Jahren. "Ham Se die rote Ampel nich gesehn?" Ich: Doch, aber ich dachte, da hier ja nichts los ist (ich war das einzige Fzg dort) rolle ich gleich zu ihnen vor. Der Posten." Das ham Se aber nur gedacht. Fahrn Se mal da vor das Tor." (ca. 5 m rechts davor)

Nach ca. 30 min gab es die Pässe zurück mit der Anweisung der Spur. In der Zwischenzeit kamen 3 andere Fzge, der Posten stand fast nur vor seinem Kabuff, kam ab und zu die 5 Schritte bis zu meinem Auto heran, sah in die Heckscheibe, ging zurück. Ob telefoniert wurde konnte ich nicht sehen.

In der Güst dauerte es dann extrem lange, dass Fzg wurde sehr genau angesehen, ich wurde sehr genau angesehen. Schließlich gab es die Pässe zurück und ich durfte ausreisen.

1 h für einen Sch****, eigentlich für nichts. Klar, es war nicht korrekt aber genau das war immer der Punkt. Die Damen und Herren waren in meinen Augen überkorrekt. Mit etwas Augenmaß hätte man darüber hinweg sehen können da keine böse Absicht dahinter steckte. Ein Verhalten mit Augenmaß hätte viel zu Entspannung beitragen können. Es fehlte den Herrschaften die Eigenschaft: Mensch sein.

Ganz anders habe ich es in der Güst Zarrentin erlebt, ich führte einen Privattransport mit Anhänger im Transit nach Berlin durch. Hatte ´nen Warenbegleitschein dabei, in Gudow vom Zoll abgestempelt. Nach der Passkontrolle dann der Zoll, sehr nett, auch da weiß ich noch jedes Wort weil es eben völlig anders lief. Man konnte sich mit dem Zöllner unterhalten, er war nicht unterkühlt sondern Mensch.

Diese letzte Situation war wie die andere prägend und ist mir deshalb so im Gedächtnis geblieben. Auch im Transit LKW lief es entspannter, so mein Eindruck.

Das galt jedoch nicht für die Sheriff´s bei Kontrollen auf der Transitstrecke, die waren immer übergenau und Korinthenkackerisch. Hat denen ja auch viel Geld gebracht.

Wie Uwe oder auch RudiEK mal schrieb: Mensch bleiben. Das vermisste man und das führte zu der Angst, die manche hatten.

Mfg Berlin

Esit: Rechtschreibung





Im allgemeinen bedeutet eine rote Ampel - Stop. Daran hat sich nun mal jeder Verkehrsteilnehmer, auch jetzt, daran zu halten. Ich glaube man wird heute mit Punkten und 4 Wochen Fahrverbot bestraft.

Wie der Zustand und die Lage auf der Güst Horst sich damals darstelle, weiß ich nicht. Kann also nur die Abfertigungsmodalitäten von Marienborn schildern. Alle Fahrspuren waren mit Ampeln ausgestattet. Die geöffneten Spuren signalisierten das durch die Ampelschaltung "Grün". Daher war es für die Ein oder Ausreisenden einfach die geöffnete Spur anzufahren. Die nicht geöffneten Spuren waren durch Gittertore gesperrt und die Ampel waren auf "Rot" gestellt. Auch die entsprechenden Spuren an der VKE oder VKA waren Grün bzw. Rot geschaltet und die Fahrbahn war durch weiße Linien gekennzeichnet. Nichts besonderes oder schikanöses. Wer einmal schon über den Brenner gefahren ist kennt sich in den Spuren und Ampeln aus und weiss was ich meine. Verstehe bis heute nicht das Personen dort Probleme hatten. Dazu kamen große und überformatige Hinweisschilder mit sehr großen Buchstaben (weiss auf blauen Grund). Für jede Person gut lesbar. Hatte mehrmals mit einen LKW-Fahrer Kontakt der in Marienborn alle Reisekategorien bereist hat. Diese Person sagte zu mir, er hätte niemals Probleme beim Zoll und der Passkontrolle gehabt. Seine Meinung war, wenn die Dokumente in Ordnung waren, die Frachtpapiere ordentlich ausgestellt und der LKW den Bestimmungen zur Einreise oder Transit entsprachen, gab es keine Probleme. Nur eins sollte man sich verkneifen, dumme oder freche Bemerkungen über den Kontrollierenden in seiner Gegenwart kund zu tun. Das kam damals nicht gut an und heute auch nicht !


passport


4.Zug 4.Kompanie GAR-40 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 18.09.2013 18:03 | nach oben springen

#82

RE: Nicht ohne Skepsis

in Das Ende der DDR 18.09.2013 14:36
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Wir Ossis waren damals keine Brüder und Schwestern, erst recht nicht die, die von Berufs wegen zu kontrollieren hatten, wir waren bemitleidenswerte Menschen zweiter Klasse und unsere Vorschriften waren Willkürvorschriften und hatten allemals nur empfehlenden Charakter.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#83

RE: Nicht ohne Skepsis

in Das Ende der DDR 18.09.2013 18:50
von Schuddelkind | 3.507 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #76
Zitat von Schuddelkind im Beitrag #74
Zitat von passport im Beitrag #71
@Geschichtsforscher Ich nehme hier mal Stellung zu Deiner Aussage über Grenzkontrollen

Entsprechend verhielten sich die DDR-Grenzorgane, wenn es zu Begegnungen mit westdeutschen Polizeibeamten im Grenzverkehr kam. Außer abweisenden Mienen, feindseligen Gesten und schikanösen Kontrollen blieb da nicht viel. Und sobald die DDR-Grenztruppen erkannt hatten, dass es sich bei den privat Einreisenden um westdeutsche Polizeibeamte handelte, waren die Schikanen regelmäßig deutlich verschärft worden. Ganz offensichtlich hat keiner der Grenzer gedacht, dass er sich jemals für sein Verhalten werde rechtfertigen müssen. Für kollegiale Gefühle war angesichts all dessen kein Raum

Da ich auf einen der größten Grenzübergänge 15 Jahre in allen Abfertigungsbereichen gearbeitet habe finde ich diese Aussage persönlich als nicht zutreffend. Es ist natürlich immer kompliziert Meinungen von Millionen Reisenden den einigen Tausend Passkontrolleuren gegenüber zu stellen. Egal ob es sich um einreisende normale Bürger(Innen), Polizeibeamte oder Bu-We Angehörige handelte, alle wurden gleich höflich abgefertigt. Abfertigung erfolgte entsprechend der PKO und der OTA. Äusserungen oder Handlungen zum Nachteil Reisender waren lt. Dienstanweisungen untersagt. Ich weiß jetzt nicht wann dieser Beitrag verfasst wurde. Aber DDR-Grenztruppen hatten nichts mit der Grenzabfertigung zu tun. Wie sollten den die "Schikanen" der Passkontrolle funktioniert haben ? Wenn die entsprechenden Reisedokumente bei der Grenzabfertigung vorlagen gab es auch keine Probleme. Das 2. Kontrollorgan war der Zoll. Hier im PKW-Bereich arbeiteten in der Regel erfahrene Zöllner. Ein Zöllner hatte weitreichende Rechte.
Der Zöllner konnte Personen-. Waren- und Transportmittelkontrollen durchführen, ohne das eine richterliche Anordnung vorlag. Der Zöllner entschied wie er die Zollkontrolle durchführte. Hier entschieden Ausbildung, Fachwissen und der sogenannte "richtige Riecher" die Durchführung der Zollkontrolle.
Natürlich möchte man als Reisender schnell und unkompliziert die Grenze passieren. Aber jeder Staat hat nun mal Sicherheitsanforderungen und Sicherheitsinteressen. Es ist natürlich keine angenehme Angelegenheit seine gut verstauten Reiseutensilien aus dem PKW heraus zu holen und zu öffnen. Hier entschied das gute Gespür der Zoll-Mitarbeiter über die Reihenfolge der Kontrollhandlungen. Wenn man Glück hatte, wurde man einfach durchgewunken. Die Berufsgruppe des Reisenden spielte dabei keine Rolle. Im Gegenteil, den Passkontrolleuren und Zöllner war bekannt das es sich bei den Polizeibeamten um gut ausgebildete Fachleute mit entsprechender Bindung und Treue zum BRD-System handelte. Hier als Kontrolleur eigenständig Maßnahmen durchzuführen die kontrovers zu den entsprechenden Befehlen und Weisungen standen hätte man unweigerlich bei Bekanntwerden Dieser Disziplinarmaßnahmen in Kauf nehmen müssen.

Fragen der Grenzfahndung und des Maßnahmekataloges der HA VI des MfS klammere ich hier mal aus. Das würde den Rahmen des Threads sprengen.


Verwandtenbesuche im Westen wurden äußerst restriktiv gehandhabt und waren angesichts drohender Republikflucht im Laufe der Zeit zunehmend seltener geworden.

Auch hier unterliegst Du einen Irrtum. Habe hier Zahlen aus einen anderen Thread eingefügt:


von Alfred
"Des Weiteren war eine deutliche Verbesserung im innerdeutschen Reiseverkehr zu verzeichnen. Gab es 1984 1,5 Millionen Reisen von Rentnern aus der DDR in die Bundesrepublik, steigerte sich die Zahl 1985 auf 1,6 Millionen, 1986 auf 1,7 Millionen und 1987 schließlich auf 3,8 Millionen Reisen. Die Zahl der Reisen in dringenden Familienangelegenheiten stieg von 61.000 (1984) und 66.000 (1985) auf 244.000 im Jahr 1986 und schließlich auf 1,2 Millionen 1987
."


wünsche Dir bei deiner Arbeit viel Erfolg !

Gruß

passport


Naja Passport, aus deiner Sicht mag das ja alles stimmen. Aber du musst dich mal in die Situation eines Westdeutschen hineindenken, der die Grenze passierte. Schon das ganze Zenario wirkte äußerst bedrohlich. Das kannte man von anderen Grenzen so nicht (außer vielleicht von Jugoslawien). Und als "höflich" hat man die Grenzkontrolle in den wenigsten Fällen erlebt. Oft genügte ein falsches Wort und der Grenzer spielte HB-Männchen. Besonders unentspannt waren die Frauen. Die waren immer besonders "höflich". Schon bei der Passkontrolle hatte man durch den Blick des Kontrolleurs den Eindruck, man würde auf einer Fahndungsliste stehen. Das ist zwar alles sehr subjektiv, aber so haben das die meisten Westdeutschen empfunden. Als Langhaariger hatte ich zwar auch viel "Spaß", wenn ich die Grenze von Holland nach Deutschland überschritten habe, aber im Vergleich zu einer DDR-Grenzkontrolle war das ein Fliegenschiß. Und ein durchwinken hab ich persönlich nie erlebt. Übrigens konnten Schikanen im Hinterland erst richtig lustig werden........


Junge,
mach jetzt nicht einen Einreisehelden Richtung "Deutschland OST" aus Dir....
Was verstehst Du unter bedrohlich?
Welche anderen Grenzen in Europa von damals hast Du als Vergleich?
36 h Einreise nach Albanien?

seaman-
der tatsächlich auf einer Fahndungsliste stand....
Wer soviel Grenzen und oft (Land-Luft-und See) passierte wie ich,kann sich ein Urteil erlauben.....


Aber sonst geht`s noch.......


Intellektuelle spielen Telecaster
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#84

RE: Nicht ohne Skepsis

in Das Ende der DDR 18.09.2013 18:55
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Die Polizei in der DDR war halt eine Polizei, braucht jedes Gemeinwesen.
Schlimmer waren oft diese Hilfssheriffs mit ihren Armbinden, bei dem für unseren Wohnbereich damals als Helfer agierenden traf der Spruch zu "Gebe einem Dummen etwas Macht..."


Hapedi hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#85

RE: Nicht ohne Skepsis

in Das Ende der DDR 18.09.2013 19:17
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Der Spruch geht anders:
"gib dem Spatzen eine Funktion und er wird zum Adler!"


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#86

RE: Nicht ohne Skepsis

in Das Ende der DDR 18.09.2013 19:19
von berlin3321 | 2.515 Beiträge

Jo, Grenzwolf, dass sind heute zumeist die Politessen, in HH die Hilfssheriffs.

Mfg Berlin.


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#87

RE: Nicht ohne Skepsis

in Das Ende der DDR 18.09.2013 19:23
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Kenne ich so. Hat mein ehemaliger Chef, technischer Direktor, mal gesagt: Ein fauler Dummer ist harmlos. Ein fleißiger Dummer, ich ergänze: "und noch mit Macht ausgestattet", kann ganze Volkswirtschaften ruinieren.



Küchenbulle 79 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 18.09.2013 19:23 | nach oben springen

#88

RE: Nicht ohne Skepsis

in Das Ende der DDR 18.09.2013 19:27
von berlin3321 | 2.515 Beiträge

Zitat
Im allgemeinen bedeutet eine rote Ampel - Stop. Daran hat sich nun mal jeder Verkehrsteilnehmer, auch jetzt, daran zu halten. Ich glaube man wird heute mit Punkten und 4 Wochen Fahrverbot bestraft.



Sehe ich im Normalfall ganz genauso. Ich hatte auf dem Brenner und auch danach in Zarrentin nie wieder ein Problem.

Horst war klein, eng. Die rote Ampel machte erstens keinen Sinn, da alles frei. Zweitens, sie stand genau vor dem Posten, der Haltestrich war aber 5 m vor dem Posten. Gehalten habe ich, nur 4 m zu spät und dafür gab´s den Anpfiff.

Man hätte andere Worte wählen können und alles wäre gut. Ist ja nicht so das ich uneinsichtig wäre und war.

Du wirst mir sicher zustimmen, dass es einen Unterschied gibt, nach dem Motto:Wie sag´ ich´s meinem Kinde.........und wie wir hier festgestellt haben, kamen die bewaffneten Organe selten "gut weg".

Selbst Uwe gibt es zu das da nicht immer alles optimal lief.

Mfg Berlin

Edit: Rechtschreibung


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
zuletzt bearbeitet 19.09.2013 19:16 | nach oben springen

#89

RE: Nicht ohne Skepsis

in Das Ende der DDR 18.09.2013 20:02
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Geschichtsforscher im Beitrag #1
Hallo zusammen,

die Debatte um meinen Beitrag „Nicht ohne Skepsis“ scheint ja nun allmählich abzuklingen. Ich will daher versuchen, ein erstes Fazit zu ziehen:
Es ist ganz offensichtlich so, dass hinsichtlich des Geschehens an der innerdeutschen Grenze Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung weit auseinanderklaffen. Der eine meint, er habe seinen Dienst korrekt versehen, und der andere hat eben dies für bedrohlich und schikanös gehalten. Natürlich auch deshalb, weil er sich über den ungewöhnlichen Aufenthalt ohnehin geärgert hat.

Hinzu kommt, dass es hier um millionenfache Einzelfälle geht, die sich nicht auf eine Faustformel bringen lassen, ohne dass man unscharf wird. Es gab halt nicht nur Schwarz und Weiß – wie immer im Leben.

Im kollektiven Gedächtnis der Westdeutschen sind die negativen Erfahrungen mit den Grenzorganen der DDR tief verankert, weil sie für überflüssig gehalten wurden und sich von dem Geschehen an anderen Grenzen deutlich unterschieden. Das heißt nicht, dass immer nur schikaniert wurde, aber eben auch.

Hinzu kommen Fotos wie das von Peter Fechter, einem Achtzehnjährigen, der im August 1962 tödlich getroffen von einem Volkspolizisten fortgetragen wird, nachdem er zuvor bei einem Fluchtversuch, von mehreren Schüssen ohne Vorwarnung getroffen, im Todesstreifen gelegen und nach Hilfe gerufen hatte, wobei Hunderte beiderseits der Grenze ohnmächtig zusehen mussten. Solche Bilder prägen sich ein. Und wenn dann die greise Margot Honecker nach einem gescheiterten Leben in Chile verlautbart, es sei ja niemand gezwungen worden abzuhauen, dann ist das nur noch zynisch.

Ich will das alles nicht mehr aufwärmen. Aber wir müssen feststellen, dass 25 Jahre nicht ausreichen, um die Dinge wirklich zu verarbeiten. Wir müssen sie ansprechen, und das ist in dankenswerter Weise auch hier im Forum geschehen. Zu einer einhelligen Auffassung werden wir nicht kommen, aber wir haben es wenigstens versucht. Dabei unterscheiden wir uns von der zähflüssigen und vielfach auch unbefriedigenden Aufarbeitung des NS-Systems, wobei ich, das will ich ausdrücklich betonen, weit davon entfernt bin, Vergleiche zwischen dem NS-Staat und der DDR zu ziehen. Das NS-Regime ist in seiner verbrecherischen Grundhaltung einmalig in der Geschichte der Menschheit. Der industrielle Massenmord ist nicht einmal vergleichbar mit den Untaten eines Pol Pot oder afrikanischer Despoten. Dies mit der DDR zu vergleichen, hieße, die Geschichte gröblich und in gänzlich unzulässiger Weise zu verfälschen.

Aber die DDR war halt auch ein Unrechtsstaat, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Das gilt im juristischen Sinne, und es ist auch von vielen Menschen so empfunden worden. Entschuldigung, wenn ich jetzt etwas oberlehrerhaft werde:

Der Rechtsstaat hat drei Kernelemente: den Gesetzmäßigkeitsgrundsatz, die Gewährleistung der Grundrechte und die Gewaltenteilung. In der DDR hingegen galt der absolute Führungsanspruch der Einheitspartei SED (Art. 1 der Verfassung), und Grundrechte galten nur in einem begrenzten Sinne. So waren z. B. das Recht auf Opposition, die Freizügigkeit und die Pressefreiheit, drei Wesensbestandteile des demokratischen Rechtsstaats, stark eingeschränkt.

Ich bin mir bewusst, dass ich damit ein neues Fass aufmache. Aber zu dem, was wir in den letzten Tagen im Forum lesen mussten, gehört es untrennbar dazu. Auch wenn es einige der User nicht wahrhaben wollen. Gleichwohl: Ich bedanke mich für alle Beiträge.
Mit Gruß, Geschichtsforscher





Gelöscht wegen Beleidigung!

@Alfred: betrachte das bitte als Verwarnung! Das ist nicht der Stil, in dem man hier gewöhnlich diskutiert!

ABV
Administrator


Geschichtsforscher und Backe haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 18.09.2013 20:07 | nach oben springen

#90

RE: Nicht ohne Skepsis

in Das Ende der DDR 18.09.2013 20:08
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #2
Zitat von Geschichtsforscher im Beitrag #1
Hallo zusammen,

die Debatte um meinen Beitrag „Nicht ohne Skepsis“ scheint ja nun allmählich abzuklingen. Ich will daher versuchen, ein erstes Fazit zu ziehen:
Es ist ganz offensichtlich so, dass hinsichtlich des Geschehens an der innerdeutschen Grenze Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung weit auseinanderklaffen. Der eine meint, er habe seinen Dienst korrekt versehen, und der andere hat eben dies für bedrohlich und schikanös gehalten. Natürlich auch deshalb, weil er sich über den ungewöhnlichen Aufenthalt ohnehin geärgert hat.

Hinzu kommt, dass es hier um millionenfache Einzelfälle geht, die sich nicht auf eine Faustformel bringen lassen, ohne dass man unscharf wird. Es gab halt nicht nur Schwarz und Weiß – wie immer im Leben.

Im kollektiven Gedächtnis der Westdeutschen sind die negativen Erfahrungen mit den Grenzorganen der DDR tief verankert, weil sie für überflüssig gehalten wurden und sich von dem Geschehen an anderen Grenzen deutlich unterschieden. Das heißt nicht, dass immer nur schikaniert wurde, aber eben auch.

Hinzu kommen Fotos wie das von Peter Fechter, einem Achtzehnjährigen, der im August 1962 tödlich getroffen von einem Volkspolizisten fortgetragen wird, nachdem er zuvor bei einem Fluchtversuch, von mehreren Schüssen ohne Vorwarnung getroffen, im Todesstreifen gelegen und nach Hilfe gerufen hatte, wobei Hunderte beiderseits der Grenze ohnmächtig zusehen mussten. Solche Bilder prägen sich ein. Und wenn dann die greise Margot Honecker nach einem gescheiterten Leben in Chile verlautbart, es sei ja niemand gezwungen worden abzuhauen, dann ist das nur noch zynisch.

Ich will das alles nicht mehr aufwärmen. Aber wir müssen feststellen, dass 25 Jahre nicht ausreichen, um die Dinge wirklich zu verarbeiten. Wir müssen sie ansprechen, und das ist in dankenswerter Weise auch hier im Forum geschehen. Zu einer einhelligen Auffassung werden wir nicht kommen, aber wir haben es wenigstens versucht. Dabei unterscheiden wir uns von der zähflüssigen und vielfach auch unbefriedigenden Aufarbeitung des NS-Systems, wobei ich, das will ich ausdrücklich betonen, weit davon entfernt bin, Vergleiche zwischen dem NS-Staat und der DDR zu ziehen. Das NS-Regime ist in seiner verbrecherischen Grundhaltung einmalig in der Geschichte der Menschheit. Der industrielle Massenmord ist nicht einmal vergleichbar mit den Untaten eines Pol Pot oder afrikanischer Despoten. Dies mit der DDR zu vergleichen, hieße, die Geschichte gröblich und in gänzlich unzulässiger Weise zu verfälschen.

Aber die DDR war halt auch ein Unrechtsstaat, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Das gilt im juristischen Sinne, und es ist auch von vielen Menschen so empfunden worden. Entschuldigung, wenn ich jetzt etwas oberlehrerhaft werde:

Der Rechtsstaat hat drei Kernelemente: den Gesetzmäßigkeitsgrundsatz, die Gewährleistung der Grundrechte und die Gewaltenteilung. In der DDR hingegen galt der absolute Führungsanspruch der Einheitspartei SED (Art. 1 der Verfassung), und Grundrechte galten nur in einem begrenzten Sinne. So waren z. B. das Recht auf Opposition, die Freizügigkeit und die Pressefreiheit, drei Wesensbestandteile des demokratischen Rechtsstaats, stark eingeschränkt.

Ich bin mir bewusst, dass ich damit ein neues Fass aufmache. Aber zu dem, was wir in den letzten Tagen im Forum lesen mussten, gehört es untrennbar dazu. Auch wenn es einige der User nicht wahrhaben wollen. Gleichwohl: Ich bedanke mich für alle Beiträge.
Mit Gruß, Geschichtsforscher





Gelöscht wegen Beleidigung!

@Alfred: betrachte das bitte als Verwarnung! Das ist nicht der Stil, in dem man hier gewöhnlich diskutiert!

ABV
Administrator



Sehe ich nicht ein.

Ich habe nur geschrieben, dass Frau Honecker vielleicht noch besser drauf ist als der Autor von diesen Beitrag. und dabei bleibe ich. Wer gibt dem Autor das recht Frau Honecker so einzustufen ?

Weiterhin hatte ich festgestellt, dass der Autor auch nur 3 Jahre jünger als Frau Honecker ist. Und laut Profil entspricht dies ja den Tatsachen.


zuletzt bearbeitet 18.09.2013 20:11 | nach oben springen

#91

RE: Nicht ohne Skepsis

in Das Ende der DDR 18.09.2013 20:11
von Schuddelkind | 3.507 Beiträge

@ ABV Danke!


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#92

RE: Nicht ohne Skepsis

in Das Ende der DDR 18.09.2013 20:12
von ABV | 4.202 Beiträge

1. Die Äußerung über Frau Honecker fällt unter die allgemeine Meinungsfreiheit
2. Dein Ausfall gegen den User Geschichtsforscher verstößt gegen die allgemeinen Höflichkeitsregeln und auch gegen die Regeln dieses Forums
3. Treibe es nicht auf die Spitze, ich bin heute nicht gut drauf!

Gruß Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#93

RE: Nicht ohne Skepsis

in Das Ende der DDR 18.09.2013 20:14
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #5
1. Die Äußerung über Frau Honecker fällt unter die allgemeine Meinungsfreiheit
2. Dein Ausfall gegen den User Geschichtsforscher verstößt gegen die allgemeinen Höflichkeitsregeln und auch gegen die Regeln dieses Forums
3. Treibe es nicht auf die Spitze, ich bin heute nicht gut drauf!

Gruß Uwe



Wird jetzt mit zwei Ellen gemessen. Ich glaube kaum, das Geschichtsforscher Frau Honecker einschätzen kann

Ich sehe auch keinen Verstoß gegen die Regeln. Ich habe ja keine Feststellungen getroffen.


zuletzt bearbeitet 18.09.2013 20:16 | nach oben springen

#94

RE: Nicht ohne Skepsis

in Das Ende der DDR 18.09.2013 20:24
von ABV | 4.202 Beiträge

@Alfred: ich sage es dir jetzt zum letzten Mal: dein Tonfall gegenüber dem Geschichtsforscher war absolut daneben. Es steht dir jederzeit frei, mit ihm über Frau Honecker zu diskutieren. Aber bitte sachlich!

Und jetzt zurück zum Thema!

Gruß Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


Schuddelkind hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#95

RE: Nicht ohne Skepsis

in Das Ende der DDR 18.09.2013 20:25
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #7
@Alfred: ich sage es dir jetzt zum letzten Mal: dein Tonfall gegenüber dem Geschichtsforscher war absolut daneben. Es steht dir jederzeit frei, mit ihm über Frau Honecker zu diskutieren. Aber bitte sachlich!

Und jetzt zurück zum Thema!

Gruß Uwe



Wie Du dies siehst ist mir egal.


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#96

RE: Nicht ohne Skepsis

in Das Ende der DDR 18.09.2013 20:32
von Lutze | 8.032 Beiträge

vielleicht weiß @Allfred mehr über Frau Honnecker?,
dann berichtet er darüber,wäre doch interessant,
und wir haben neue Erkenntnisse hier im Forum
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#97

RE: Nicht ohne Skepsis

in Das Ende der DDR 18.09.2013 20:33
von Schuddelkind | 3.507 Beiträge

@ Geschichtsforscher Schöne Zusammenfassung. Und schade, dass es so ist, wie es ist. Aber auf der einen Seite steht Überzeugung, auf der anderen emotionales Empfinden. Leider wird die westdeutsche Sicht auf die Grenze immer ein bischen "abgekanzelt". Damit muss man wohl leben....


Intellektuelle spielen Telecaster
Geschichtsforscher hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#98

RE: Nicht ohne Skepsis

in Das Ende der DDR 18.09.2013 20:34
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #9
vielleicht weiß @Allfred mehr über Frau Honnecker?,
dann berichtet er darüber,wäre doch interessant,
und wir haben neue Erkenntnisse hier im Forum
Lutze



Lutze,

es gibt hier einige im Forum die einen guten Kontakt zu Frau Honecker haben.

Man muss jedoch nicht alles im Forum ausbreiten.


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#99

RE: Nicht ohne Skepsis

in Das Ende der DDR 18.09.2013 20:34
von Schuddelkind | 3.507 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #9
vielleicht weiß @Allfred mehr über Frau Honnecker?,
dann berichtet er darüber,wäre doch interessant,
und wir haben neue Erkenntnisse hier im Forum
Lutze

Wenn es in einem neuen Thread ist, warum nicht?


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#100

RE: Nicht ohne Skepsis

in Das Ende der DDR 18.09.2013 20:39
von ABV | 4.202 Beiträge

Genau, hier geht es um das vom Geschichtsforscher eingestellte Thema. Alfred, wenn du über Frau Honecker diskutieren willst, eröffne bitte einen neuen Thread.

Gruß Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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