#61

RE: Ein Sargnagel für die DDR

in DDR Staat und Regime 13.09.2013 22:22
von Graywolf1958 | 34 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #59
Zitat von Graywolf1958 im Beitrag #57
Zitat von DoreHolm im Beitrag #53
[quote=Gert|p288415][quote=DoreHolm|p288316][quote=schnatterinchen|p288310][quote=DoreHolm|p288246]


[quote]Graywolf:
Also ich glaube so einfach kann man die ganze Sache nicht abtun. Ich war betsimmt kein strammer Parteibonze. War aber bis kurz vor der Wende von der Richtigkeit der Grundidee überzeugt. Ohne Wenn und aber. Zum anderen das kam hier auch schon zum Ausdruck war ich Militär. Als Offizier habe ich einen Fahneneid und mit meiner Ernennung zum Leutnant ein Gelöbnis geschworen! Für mich waren das nicht nur irgendein gefasel... (Ich Erinnere mich an den Ausspruchs eines Feldmarschals der da sagte: "Offiziere Meutern nicht....") Ja und wie es nun Ausserhalb unserer Kasernen aussah erfuhr ich bis 1987 aus der Aktuellen Kamera. Erst mit mein Fernstudium an der TU Dresden bin ich mit Widersprüchen unserer Aergumentationen und der Wirklichkeit konfrontiert worden. Meine Reaktion darauf innerhalb unserer Parteiorganisation brachte mir eine "Strenge Rüge" ein. Die war das letzte Mittel vor den Ausschluß und der würde das Ende meiner Militärkarriere bedeuten. Ich war aber Offizier mit Leib und seele und konnte mir zum damaligen Zeitpunkt kein anderes Leben vorstellen! So habe ich einen Kübel Asche über mein Haupt ausgeschüttet und meine Meinung für mich behalten bzw. im engsten Freundeskreis dikutiert. Die Option zum Verlassen der DDR (und dazu hatte ich oft die Möglichkeit gehabt!) kam für mich nicht in Frage! Und ja Heute weis ich dass diese Haltung falsch und inkonsequennt war. Zu den Argument des Hemd- bzw. Schlipswechsler ... ich weiß nicht ob das immer so Einfach ist? Ich war 1990 so konsequent und habe unter anderen aus diesen Grund mein Dienst Quittiert. Ja und jetzt kann ich aus Gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten und muß von Harz IV leben. Wäre ich aber 1990 (als Gewerkschaftler könnte ich es) beim BGS geblieben wäre ich Heute Pensionär!!!!!!! Ich Denke jeder EURO hatt zwei Seiten.
Gruß Gray Wolf



Danke für deinen Beitrag! Obwohl ich die Nummer mit dem Fahneneid wohl nie verstehen werde. Spätestens wenn die Sache aus dem wie auch immer gearteten Ruder läuft, würde ich auf den Fahneneid pfeifen und ihn als nicht mehr existent ansehen. Ist aber nur meine Meinung.



Für mich war es nicht so, aber ich glaube das betrift alle Berufssoldaten egal in welcher Armee Sie dienten. Es ist ja auch nicht so das zum Ende der DDR alles mit ja und Amen abgenickt wurde. die Chinesische Lösung von Egon Krenz so gelobt, wäre mit der NVA 1989 nicht möglich gewesen. das hat der Einsatz um Leipzig gezeigt. Der Einsatz der Einheiten wurde nicht von Egon Krenz beendet wie er immer erzählt. Er ist abgebrochen worden weil Die Führung sich ihrer Offiziere bis hin in den Divisionsebenen nicht mehr sicher waren (Aussage vom Chef des Hauptstabes Genraloberst Strelitz) Es herrschte dort die Auffassung dass die NVA nicht zur Lösung innerer probleme zuständig sei. das führte dann letztendlich dazu das die Truppenteile wieder abgezogen wurden. Vieleicht hätten einige wie später in Moskau die Seiten gewechselt und dass Risoko wollte man im Stab nicht eingehen.



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#62

RE: Ein Sargnagel für die DDR

in DDR Staat und Regime 13.09.2013 23:09
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Graywolf1958 im Beitrag #61
Zitat von Schuddelkind im Beitrag #59
Zitat von Graywolf1958 im Beitrag #57
Zitat von DoreHolm im Beitrag #53
[quote=Gert|p288415][quote=DoreHolm|p288316][quote=schnatterinchen|p288310][quote=DoreHolm|p288246]


[quote]Graywolf:
Also ich glaube so einfach kann man die ganze Sache nicht abtun. Ich war betsimmt kein strammer Parteibonze. War aber bis kurz vor der Wende von der Richtigkeit der Grundidee überzeugt. Ohne Wenn und aber. Zum anderen das kam hier auch schon zum Ausdruck war ich Militär. Als Offizier habe ich einen Fahneneid und mit meiner Ernennung zum Leutnant ein Gelöbnis geschworen! Für mich waren das nicht nur irgendein gefasel... (Ich Erinnere mich an den Ausspruchs eines Feldmarschals der da sagte: "Offiziere Meutern nicht....") Ja und wie es nun Ausserhalb unserer Kasernen aussah erfuhr ich bis 1987 aus der Aktuellen Kamera. Erst mit mein Fernstudium an der TU Dresden bin ich mit Widersprüchen unserer Aergumentationen und der Wirklichkeit konfrontiert worden. Meine Reaktion darauf innerhalb unserer Parteiorganisation brachte mir eine "Strenge Rüge" ein. Die war das letzte Mittel vor den Ausschluß und der würde das Ende meiner Militärkarriere bedeuten. Ich war aber Offizier mit Leib und seele und konnte mir zum damaligen Zeitpunkt kein anderes Leben vorstellen! So habe ich einen Kübel Asche über mein Haupt ausgeschüttet und meine Meinung für mich behalten bzw. im engsten Freundeskreis dikutiert. Die Option zum Verlassen der DDR (und dazu hatte ich oft die Möglichkeit gehabt!) kam für mich nicht in Frage! Und ja Heute weis ich dass diese Haltung falsch und inkonsequennt war. Zu den Argument des Hemd- bzw. Schlipswechsler ... ich weiß nicht ob das immer so Einfach ist? Ich war 1990 so konsequent und habe unter anderen aus diesen Grund mein Dienst Quittiert. Ja und jetzt kann ich aus Gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten und muß von Harz IV leben. Wäre ich aber 1990 (als Gewerkschaftler könnte ich es) beim BGS geblieben wäre ich Heute Pensionär!!!!!!! Ich Denke jeder EURO hatt zwei Seiten.
Gruß Gray Wolf



Danke für deinen Beitrag! Obwohl ich die Nummer mit dem Fahneneid wohl nie verstehen werde. Spätestens wenn die Sache aus dem wie auch immer gearteten Ruder läuft, würde ich auf den Fahneneid pfeifen und ihn als nicht mehr existent ansehen. Ist aber nur meine Meinung.



Für mich war es nicht so, aber ich glaube das betrift alle Berufssoldaten egal in welcher Armee Sie dienten. Es ist ja auch nicht so das zum Ende der DDR alles mit ja und Amen abgenickt wurde. die Chinesische Lösung von Egon Krenz so gelobt, wäre mit der NVA 1989 nicht möglich gewesen. das hat der Einsatz um Leipzig gezeigt. Der Einsatz der Einheiten wurde nicht von Egon Krenz beendet wie er immer erzählt. Er ist abgebrochen worden weil Die Führung sich ihrer Offiziere bis hin in den Divisionsebenen nicht mehr sicher waren (Aussage vom Chef des Hauptstabes Genraloberst Strelitz) Es herrschte dort die Auffassung dass die NVA nicht zur Lösung innerer probleme zuständig sei. das führte dann letztendlich dazu das die Truppenteile wieder abgezogen wurden. Vieleicht hätten einige wie später in Moskau die Seiten gewechselt und dass Risoko wollte man im Stab nicht eingehen.


Ich kenne diesen General nicht aber wenn er das so gesagt hat, sage ich mal "chapeau", der Mann hatte ein Gewissen und Rückgrat, was man nicht von allen Offizieren der NVA sagen konnte.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#63

RE: Ein Sargnagel für die DDR

in DDR Staat und Regime 13.09.2013 23:45
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Der Strelitz war noch von der alten Garde. 1944 bis 1945 Unteroffizier in der Wehrmacht


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#64

RE: Ein Sargnagel für die DDR

in DDR Staat und Regime 14.09.2013 01:14
von Graywolf1958 | 34 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #63
Der Strelitz war noch von der alten Garde. 1944 bis 1945 Unteroffizier in der Wehrmacht



Ja und??? Jeder staat der sich in der Weltgeschichte gegründet hat, hat auf vorhandene Strukturen zurückgegriffen. Die NVA, die Bundeswehr, die Rote Armee, selbst die US Nordstaaten - Armee hat von CSA übernommen... Ich kann diese Auffassung nicht Nachvollziehen!! das ist so als will man das Rad neu erfinden obwohl schon sehr lange existiert. Viele ehemalige Offiziere der NVA haben nach 1990 in der Bundeswehr weiter gedient!!!! Einige Berufssoldaten sind nach der Wende zur Fremdenlegion gegangen usw. Jeder soll für sich entscheiden wo sein weg hinführt und ob bzw wie er ihn gehen will. Zum anderen muß ich sagen der alte Fritz hätte sich über den Drill in der NVA gefreut, vor allem deshalb, weil er nicht viel neues lernen müßte!
Gruß GW



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#65

RE: Ein Sargnagel für die DDR

in DDR Staat und Regime 14.09.2013 07:29
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Hast Du falsch interpretiert. Ich habe das mit der alten Garde in einem positiven Sinne gemeint.


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#66

RE: Ein Sargnagel für die DDR

in DDR Staat und Regime 14.09.2013 08:50
von Alfred | 6.854 Beiträge

Zitat von Graywolf1958 im Beitrag #61
Zitat von Schuddelkind im Beitrag #59
Zitat von Graywolf1958 im Beitrag #57
Zitat von DoreHolm im Beitrag #53
[quote=Gert|p288415][quote=DoreHolm|p288316][quote=schnatterinchen|p288310][quote=DoreHolm|p288246]


[quote]Graywolf:
Also ich glaube so einfach kann man die ganze Sache nicht abtun. Ich war betsimmt kein strammer Parteibonze. War aber bis kurz vor der Wende von der Richtigkeit der Grundidee überzeugt. Ohne Wenn und aber. Zum anderen das kam hier auch schon zum Ausdruck war ich Militär. Als Offizier habe ich einen Fahneneid und mit meiner Ernennung zum Leutnant ein Gelöbnis geschworen! Für mich waren das nicht nur irgendein gefasel... (Ich Erinnere mich an den Ausspruchs eines Feldmarschals der da sagte: "Offiziere Meutern nicht....") Ja und wie es nun Ausserhalb unserer Kasernen aussah erfuhr ich bis 1987 aus der Aktuellen Kamera. Erst mit mein Fernstudium an der TU Dresden bin ich mit Widersprüchen unserer Aergumentationen und der Wirklichkeit konfrontiert worden. Meine Reaktion darauf innerhalb unserer Parteiorganisation brachte mir eine "Strenge Rüge" ein. Die war das letzte Mittel vor den Ausschluß und der würde das Ende meiner Militärkarriere bedeuten. Ich war aber Offizier mit Leib und seele und konnte mir zum damaligen Zeitpunkt kein anderes Leben vorstellen! So habe ich einen Kübel Asche über mein Haupt ausgeschüttet und meine Meinung für mich behalten bzw. im engsten Freundeskreis dikutiert. Die Option zum Verlassen der DDR (und dazu hatte ich oft die Möglichkeit gehabt!) kam für mich nicht in Frage! Und ja Heute weis ich dass diese Haltung falsch und inkonsequennt war. Zu den Argument des Hemd- bzw. Schlipswechsler ... ich weiß nicht ob das immer so Einfach ist? Ich war 1990 so konsequent und habe unter anderen aus diesen Grund mein Dienst Quittiert. Ja und jetzt kann ich aus Gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten und muß von Harz IV leben. Wäre ich aber 1990 (als Gewerkschaftler könnte ich es) beim BGS geblieben wäre ich Heute Pensionär!!!!!!! Ich Denke jeder EURO hatt zwei Seiten.
Gruß Gray Wolf



Danke für deinen Beitrag! Obwohl ich die Nummer mit dem Fahneneid wohl nie verstehen werde. Spätestens wenn die Sache aus dem wie auch immer gearteten Ruder läuft, würde ich auf den Fahneneid pfeifen und ihn als nicht mehr existent ansehen. Ist aber nur meine Meinung.



. Der Einsatz der Einheiten wurde nicht von Egon Krenz beendet wie er immer erzählt. Er ist abgebrochen worden weil Die Führung sich ihrer Offiziere bis hin in den Divisionsebenen nicht mehr sicher waren (Aussage vom Chef des Hauptstabes Genraloberst Strelitz) Es herrschte dort die Auffassung dass die NVA nicht zur Lösung innerer probleme zuständig sei. das führte dann letztendlich dazu das die Truppenteile wieder abgezogen wurden. Vieleicht hätten einige wie später in Moskau die Seiten gewechselt und dass Risoko wollte man im Stab nicht eingehen.



Ein solche Äußerung von Streletz ist mir nicht bekannt. Da würde mich mal die Quelle interessieren.

Hier mal was zum nicht Einsatz der NVA . http://www.youtube.com/watch?v=eKXRxj9jnv4


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#67

RE: Ein Sargnagel für die DDR

in DDR Staat und Regime 14.09.2013 08:53
von schnatterinchen (gelöscht)
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #56
Zitat von damals wars im Beitrag #54
Zitat von DoreHolm im Beitrag #53


Rot: Das waren m.E. nicht selten diese Typen, die 1945 ihr braunes Hemdchen ausgezogen und den roten Schlips umgebunden, jeden "Abweichler rundgemacht haben und 1989/90 zum schwarzen Schlips griffen. Worte und Taten, wenn das keine weitestgehende Einheit war. konnte man das über kurz oder lang durchschauen. Das sind Leute, die ich damals verachtete und es auch heute noch so halte. Wenn ich aus irgendeinem Grund meine Meinung zurückhalten mußte, habe ich lieber erst mal garnichts gesagt als etwas von mir zu geben, von dem ich nicht überzeugt war. Das kann man Feigheit nennen, wenn man nicht in der Situation war oder aber auch taktisches Verhalten für den günstigeren Augenblick.


Höre ich hier eine versteckte Kritik an einem gerade verstorbenen Schriftsteller.
Aber hossa, den hat heute der Hubertusknabe im MDR kritiklos für sich vereinnahmt.
Meine Mutter kannte ihn schon zu seiner kommunistischen Zeit,sie war Biblothekarin in BUNA.




Den meinte ich sicher nicht direkt, aber wenn er so einer war, dann trifft es eben für ihn auch zu. Wer war denn das, daß in der H.K. sogar für seine Zwecke einspannen konnte ?




Der war eben genau nicht so einer dieser Abnicker und Ja Sager, auf die sich das SED System zu sehr gestützt hat . Der hat aus seiner jugendlichen Nazi-Vergangenheit auch nie einen Hehl gemacht und war später auch glühender Kommunist, bis sowjetische Panzer und die Stasi ihm diese Überzeugung austrieben.
Der hatte den Arsch in der Hose im Gegensatz zu manch anderen der Sache "treu ergebenen " Genossen und hat seine Meinung gesagt und wurde als Dank 7Jahre in Bautzen eingesperrt.
Da du @DoreHolm meine Unkenntnis über Abläufe in der SED angesprochen hast, kannst Du ja mal erklären wie bei Euch in den Grundorganisationen
eine Meinungsbildung herbeigeführt wurde .
Kam Eure Meinung nicht fertig ausformuliert von oben und Ihr durftet noch ein wenig zu dieser Meinung hin diskutieren?


Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#68

RE: Ein Sargnagel für die DDR

in DDR Staat und Regime 14.09.2013 11:03
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #67
Zitat von DoreHolm im Beitrag #56
Zitat von damals wars im Beitrag #54
Zitat von DoreHolm im Beitrag #53


Rot: Das waren m.E. nicht selten diese Typen, die 1945 ihr braunes Hemdchen ausgezogen und den roten Schlips umgebunden, jeden "Abweichler rundgemacht haben und 1989/90 zum schwarzen Schlips griffen. Worte und Taten, wenn das keine weitestgehende Einheit war. konnte man das über kurz oder lang durchschauen. Das sind Leute, die ich damals verachtete und es auch heute noch so halte. Wenn ich aus irgendeinem Grund meine Meinung zurückhalten mußte, habe ich lieber erst mal garnichts gesagt als etwas von mir zu geben, von dem ich nicht überzeugt war. Das kann man Feigheit nennen, wenn man nicht in der Situation war oder aber auch taktisches Verhalten für den günstigeren Augenblick.


Höre ich hier eine versteckte Kritik an einem gerade verstorbenen Schriftsteller.
Aber hossa, den hat heute der Hubertusknabe im MDR kritiklos für sich vereinnahmt.
Meine Mutter kannte ihn schon zu seiner kommunistischen Zeit,sie war Biblothekarin in BUNA.




Den meinte ich sicher nicht direkt, aber wenn er so einer war, dann trifft es eben für ihn auch zu. Wer war denn das, daß in der H.K. sogar für seine Zwecke einspannen konnte ?




Der war eben genau nicht so einer dieser Abnicker und Ja Sager, auf die sich das SED System zu sehr gestützt hat . Der hat aus seiner jugendlichen Nazi-Vergangenheit auch nie einen Hehl gemacht und war später auch glühender Kommunist, bis sowjetische Panzer und die Stasi ihm diese Überzeugung austrieben.
Der hatte den Arsch in der Hose im Gegensatz zu manch anderen der Sache "treu ergebenen " Genossen und hat seine Meinung gesagt und wurde als Dank 7Jahre in Bautzen eingesperrt.
Da du @DoreHolm meine Unkenntnis über Abläufe in der SED angesprochen hast, kannst Du ja mal erklären wie bei Euch in den Grundorganisationen
eine Meinungsbildung herbeigeführt wurde .
Kam Eure Meinung nicht fertig ausformuliert von oben und Ihr durftet noch ein wenig zu dieser Meinung hin diskutieren?


Rot: Das ist es eben, dieses Zerrbild über die SED und ihre Mitglieder im Allgemeinen und die Vorgänge in den BPOs im Besonderen.
Hier kann ich nur für mich und unsere BPO sprechen und ich weiß, auch aus Erzählungen meiner Frau bezüglich ihres Betriebes, daß woanders ein anderes Regime herrschte. Hatte es schon mehrfach betont, daß bei uns die ideologische Arbeit etwas liberaler lief als sicher woanders, insbesonder in den Großbetrieben, in denen BGLer und BPO-Sekretär hauptamtlich tätig waren, i.d.R.auch mit einjähriger Ausbildung auf einer Bezirksparteischule. Bei den Nebenamtlichen waren da oft nur die Kreisparteischulen als politische Qualifikation vorgesehen, wie bei mir. Die ging zwei Wochen.
Nun zu Deiner Frage: Natürlich wurden für die politischen Diskussionen in den Betrieben Schwerpunktthemen vorgegeben. In den Betrieben gab es das sog. Parteilehrjahr. Das war eine Schulung für alle SED-Mitglieder des Betriebes sowie für einige Nichtmitglieder in mittleren und höheren Leitungspositionen. Diese fand, wimre, ein mal monatlich statt und fand teils in, teils außerhalb der AZ statt. Da gab es thematische Vorgaben und auch Zielstellungen, was in diesen Veranstaltungen herausgearbeitet werden sollte. Die Themen bezogen sich zumeist auf aktuelle Entwicklungen nicht nur in der BRD, auch auf Beziehungen zur BRD sowie Weltpolitik. Hierbei auch keineswegs nur ideologische Themen, sondern auch Fragen zur Wirtschaft und Verteidigungspolitik. Die Vorbereitung dieser Veranstaltungen oblag mir, auch die Inhalte. Bei der Vorbereitung stützte ich mich vor allem auf Hintergrundinformationen aus diversen Publikationen, die zwar nicht geheim, aber eben nicht die allgegenwärtigen Tageszeitungen waren. Hier fand ich insbesondere die Wochenzeitschrift "Horizont" sowie das kleine Infoheftchen "Was und wie" sehr hilfreich, da diese nicht diese plumpen Propagandalosungen enthielten, sondern mehr mit Fakten arbeiteten. Ob Du es glaubst oder nicht, aber ich habe bevorzugt auch Äußerungen von Politikern und Berichte des Westfernsehens mit einfließen lassen oder wenn es meiner Mutter mal gelang, bei einem ihrer Westbesuche den "Spiegel" mitzubringen und ich habe keinen Hehl daraus gemacht, woher ich die Informationen hatte. Wie schon mal angedeutet: Ich konnte mir das leisten. An meinem Stuhl hat keiner gesägt und nichts wäre mir nach einigen Jahren dieser Funktion lieber gewesen, wenn sich ein Nachfolger gefunden hätte. Heißt nicht, daß es auch "Vorteile" in dieser Funktion gab. Überall dabei zu sein, mehr Hintergründe zu erfahren insb. über innerbetriebliche Vorgänge und aus den Gesprächen mit anderen BPO-Sekretären, zu Empfängen (zusammen mit dem BL und dem BGLer) eingealden zu sein (kaltes Buffet, interessante Gespräche) und nicht zuletzt einer der ca. 5 Männer zu sein, die bei den Frauentagsfeiern dabei waren. Aber das mal nur am Rande. Zum thematischen Ablauf der Schulungen. Mir war es zuwider, abgekaute Phrasen zu dreschen und so waren die Vorgaben von oben lediglich thematische Leitlinien. Wenn in anderen Betrieben von Genossen Phrasen gedroschen wurden (oder als solche aufgefasst wurden), zeigt das mir nur, daß diese nicht richtig im Stoff standen, unfähig eigene Gedanken zu formulieren und Zusammenhänge zwischen Vorgängen in der eigenen Firma und der gesamten Wirtschaft oder gar Weltwirtschaft zu erkennen und zu formulieren. Bei allen Schulungen habe ich versucht, betriebliche Vorgänge und die der Gesamtvolkswirtschaft als auch der internationalen Wirtschaft zu verbinden und Zusammenhänge und Abhängigkeiten aufzuzeigen. Hier war ich nicht Alleinunterhalter und es wurde diskutiert, auch kontrovers. Waren doch allen Beteiligten der Schulungen Arbeiter(wenn SED-Mitgleid), Meister, Verwaltungsmitarbeiter und Leiter in ein und demselben Betrieb, hatten ein Leben außerhalb des Betriebes und erlebten hautnah, was nicht gut lief. Da war es m.E. regelrecht kontraproduktiv, wenn ich, gegen meine eigenen Ansichten, versucht hätte, hier mit plumpen Phrasen zu kommen. Jeder wußte oder ahnte es zumindest, daß diese Selbstbeweihräucherung der Politik des ZK nicht den erlebten Realitäten an der Basis entsprach. Mir fällt da wieder das Buch des amerikanischen Historikers A.Port ein ("Die rätselhafte Stabilität der DDR"), in der er darlegte, daß u.a. auch die Rolle und die Handlungen der unteren politischen Ebenen beitrug, hier durch eine Art Vermittlerrolle und einen Ausgleich Überspitzungen durch Regierungsbeschlüsse denen die Spitze zu nehmen und die Umsetzungen in den Betrieben und Organisationen verträglich zu gestalten. Dafür von Oben angezählt zu werden, daß die "ideologische Arbeit in Deinem betrieb, Genosse L..." zu verbessern ist. Monatlich mußte ich einen Bericht an die übergeordnete Leitung, in diesem Fall die Stadtbezirksparteiorganisation EF-Nord, abfassen. Inhalt waren Erfüllungsstand der ökonomischen Vorgaben (Planerfüllung), Einschätzung der ideologischen Arbeit (Parteilehrjahr), Stimmungen und Meinungen der Genossen und Gesamtbeschäftigten. Sehr oft wurden hier von mir Versorgungsfragen aufgeführt (Waren, Wohnung u.a.), war halt meist immer dasselbe. Klar, waren Erfolgsmeldungen der BPO-Sekretäre in den übergeordneten Leitungen beliebter als Kritiken, denn diese wurden ja dann wieder weiter verdichtet im Bericht an die Bezirksleitung und weiter an´s ZK. Bei zu viel Kritik bestand in allen Ebenen die Gefahr, von oben wegen mangelhafter politisch-ideologischer Arbeit angezählt zu werden, selbst als politisch ungefestigt hingestellt zu werden und unliebsame Kontrollen im Bertrieb zu erdulden. Kam dann mal so einer von der Stadtbezirksleitung und spuckte große Töne, hörten sich die Mitglieder der BPO das an und dachten sich ihr Teil, denn von ihnen kam ja die Kritik erst. Gegen handfeste Argumente kam dieser Abgesandte (jede BPO hatte einen persönlichen "Betreuer", also zuständigen Mitarbeiter der Stadtbezirksleitung) kam dieser natürlich nicht an. Er konnte da nur noch zugeben, daß es Probleme gibt, an deren Lösung gearbeitet wird , alle Kraft dafür einzusetzen ist, die Weltwirtschaft hier dran schuld ist, die böse Hochzinspolitik der USA (gab es tatsächlich mal) und weiter bla bla bla.
So, das war mal "in aller Kürze" eine Einschätzung, wie es bei uns so lief. Ich hoffe, daß ich hier mal ein bischen reativieren konnte, denn es gab auch innerhalb der SED-Mitglieder ganz und gar nicht nur schwarz - weiß. Speziell die hauptamtlich in wirtschaftlichen und technischen Abteilungen des Betriebes tätigen Genossen unterschieden sich in ihren Ansichten oft sehr stark von denen, die schon lange nicht mehr in der Produktion gearbeitet hatten und nur ihre politische Arbeit hatten. Auch unter denen gab es wiederum Realisten und Dogmatiker, also ein weites Spektrum. Was allerding bei allengegeben war, die politische Grundeinstellung, daß eine sozialistische Gesellschaftsordnung die bessere, menschwürdigere Gesellschaftsordnung ist, für die auch zum Erreichen nicht selten persönliche Nachteile in kauf egnommen wurden (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel).

Noch zu Grün:. Dann hat er aber nicht nur seine Meinung gesagt, sondern sehr aktiv etwas getan. 7 Jahre geht m.E. keiner nach Bautzen für eine Meinungsäußerung, auch wenn sie radikal ist.



zuletzt bearbeitet 14.09.2013 11:05 | nach oben springen

#69

RE: Ein Sargnagel für die DDR

in DDR Staat und Regime 14.09.2013 11:17
von Moskwitschka (gelöscht)
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Hier die Erinnerungen eines Zeitzeugen zum Honecker - Besuch in Bonn:

Botschafter a. D. Karl Seidel (geb. 1930) arbeitete seit 1956 im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR und war seit 1970 der Leiter dessen Abteilung BRD. 1990 schied er noch vor der deutschen Vereinigung aus dem auswärtigen Dienst aus und arbeitet heute aktiv im Verband für internationale Politik und Völkerrecht e.V. (VIP) in Berlin mit.

Erinnern Sie sich noch daran, wie in der DDR die positive Entscheidung zum Honecker-Besuch zustande gekommen ist?

Die Entscheidung fiel im März 1987, und zwar ausschließlich durch Honecker ohne Konsultation mit dem SED-Politbüro und auch ohne Rücksprache mit Moskau. Konkreter Anlass war ein Gespräch Honeckers mit dem damaligen Kanzleramtsminister Wolfgang Schäuble, bei dem ich als Protokollant zugegen war. Schäuble hatte in diesem Gespräch »herzliche Grüße« von Bundeskanzler Kohl übermittelt. Kohl würde sich – so Schäuble – sehr freuen, wenn er Honecker entsprechend seiner Einladung in der Bundesrepublik begrüßen könnte. Nach diesem Gespräch traf Honecker dann seine Entscheidung für einen Besuch in der BRD und ließ ZK-Sekretär Günter Mittag einen Terminvorschlag übermitteln. Mittag traf Anfang April 1987 anlässlich seines Besuches der Hannover-Messe mit Kohl in Bonn zusammen, schlug ihm den 7. September 1987 als Besuchsbeginn vor und übergab zugleich eine Liste von »Fragen der weiteren bilateralen Beziehungen zwischen der DDR und der BRD«. Kohl akzeptierte Honeckers Terminvorschlag. Erstaunlich war, dass dieser nun festgelegte Termin trotz der ansonsten üblichen Geschwätzigkeit in Bonn bis in den Juli hinein geheim blieb. Zur konkreten Vorbereitung der Reise hat es dann ab Mai 1987 mehrere intensive Gespräche zwischen Wolfgang Schäuble und Alexander Schalck-Golodkowski gegeben. Anfang August besuchte dann DDR-Protokollchef Franz Jahsnowski mit einem Vorkommando die für den Besuch festgelegten Orte und stimmte mit den Vertretern der Bundesregierung sowie der Länder alle Einzelheiten ab.

Wie lautete Honeckers Fazit zu dieser Reise?

Die erste Auswertung wurde in der Politbürositzung am 15. September 1987 vorgenommen. Ich war nicht dabei, habe aber darüber später folgendes erfahren: Danach habe Honecker erklärt, er sei froh, wieder auf DDR-Boden zu sein. Man sei zum richtigen Zeitpunkt in Bonn gewesen, die Linie des Politbüros sei verwirklicht worden. Man habe den Schwerpunkt darauf gelegt, dass das Verhältnis zwischen beiden deutschen Staaten entscheidend für Sicherheit und Frieden in Europa sei. Nach Honeckers Bewertung gab es eine peinliche Lobpreisung der Rolle des SED-Generalsekretärs durch die Politbüromitglieder Mittag und Schabowski. Ein Nachdenken über die zukünftige Rolle der DDR und ihr Verhältnis zur BRD ist von dieser Beratung nicht ausgegangen.


http://www.vip-ev.de/text301.htm

LG von der grenzgaengerin


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#70

RE: Ein Sargnagel für die DDR

in DDR Staat und Regime 14.09.2013 13:27
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von 94 im Beitrag #31

Andere Frag, ist der Westen auch nur auf eine der Geraer Forderungen ansatzweise mal eingegangen?


Oh, wenn man die BStU und Herrn Mielke als Quelle akzeptiert, dann sah das ziemlich trübe aus. Wie auch damals das Wasser der Elbe? Hat doch die BRD von der DDR verlangt, daß man sich großzügig hinsichtlich der Nutzung und des Gewässerschutzes der Elbe verhält.

Referat [von Minister Mielke] auf der Kreisparteiaktivtagung zur Eröffnung des Parteilehrjahres und des FDJ-Studienjahres 1987/88 zu den "Aufgaben der Parteiorganisationen zur Erhöhung des Niveaus und der Wirksamkeit der ideologischen Arbeit im Kampf um die Stärkung des Sozialismus und die Sicherung des Friedens" (Manuskript) http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/DDRGes...168_list%253D16

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 14.09.2013 13:28 | nach oben springen

#71

RE: Ein Sargnagel für die DDR

in DDR Staat und Regime 14.09.2013 13:52
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #68
Zitat von schnatterinchen im Beitrag #67
Zitat von DoreHolm im Beitrag #56
Zitat von damals wars im Beitrag #54
Zitat von DoreHolm im Beitrag #53


Rot: Das waren m.E. nicht selten diese Typen, die 1945 ihr braunes Hemdchen ausgezogen und den roten Schlips umgebunden, jeden "Abweichler rundgemacht haben und 1989/90 zum schwarzen Schlips griffen. Worte und Taten, wenn das keine weitestgehende Einheit war. konnte man das über kurz oder lang durchschauen. Das sind Leute, die ich damals verachtete und es auch heute noch so halte. Wenn ich aus irgendeinem Grund meine Meinung zurückhalten mußte, habe ich lieber erst mal garnichts gesagt als etwas von mir zu geben, von dem ich nicht überzeugt war. Das kann man Feigheit nennen, wenn man nicht in der Situation war oder aber auch taktisches Verhalten für den günstigeren Augenblick.


Höre ich hier eine versteckte Kritik an einem gerade verstorbenen Schriftsteller.
Aber hossa, den hat heute der Hubertusknabe im MDR kritiklos für sich vereinnahmt.
Meine Mutter kannte ihn schon zu seiner kommunistischen Zeit,sie war Biblothekarin in BUNA.




Den meinte ich sicher nicht direkt, aber wenn er so einer war, dann trifft es eben für ihn auch zu. Wer war denn das, daß in der H.K. sogar für seine Zwecke einspannen konnte ?




Der war eben genau nicht so einer dieser Abnicker und Ja Sager, auf die sich das SED System zu sehr gestützt hat . Der hat aus seiner jugendlichen Nazi-Vergangenheit auch nie einen Hehl gemacht und war später auch glühender Kommunist, bis sowjetische Panzer und die Stasi ihm diese Überzeugung austrieben.
Der hatte den Arsch in der Hose im Gegensatz zu manch anderen der Sache "treu ergebenen " Genossen und hat seine Meinung gesagt und wurde als Dank 7Jahre in Bautzen eingesperrt.
Da du @DoreHolm meine Unkenntnis über Abläufe in der SED angesprochen hast, kannst Du ja mal erklären wie bei Euch in den Grundorganisationen
eine Meinungsbildung herbeigeführt wurde .
Kam Eure Meinung nicht fertig ausformuliert von oben und Ihr durftet noch ein wenig zu dieser Meinung hin diskutieren?


Rot: Das ist es eben, dieses Zerrbild über die SED und ihre Mitglieder im Allgemeinen und die Vorgänge in den BPOs im Besonderen.
Hier kann ich nur für mich und unsere BPO sprechen und ich weiß, auch aus Erzählungen meiner Frau bezüglich ihres Betriebes, daß woanders ein anderes Regime herrschte. Hatte es schon mehrfach betont, daß bei uns die ideologische Arbeit etwas liberaler lief als sicher woanders, insbesonder in den Großbetrieben, in denen BGLer und BPO-Sekretär hauptamtlich tätig waren, i.d.R.auch mit einjähriger Ausbildung auf einer Bezirksparteischule. Bei den Nebenamtlichen waren da oft nur die Kreisparteischulen als politische Qualifikation vorgesehen, wie bei mir. Die ging zwei Wochen.
Nun zu Deiner Frage: Natürlich wurden für die politischen Diskussionen in den Betrieben Schwerpunktthemen vorgegeben. In den Betrieben gab es das sog. Parteilehrjahr. Das war eine Schulung für alle SED-Mitglieder des Betriebes sowie für einige Nichtmitglieder in mittleren und höheren Leitungspositionen. Diese fand, wimre, ein mal monatlich statt und fand teils in, teils außerhalb der AZ statt. Da gab es thematische Vorgaben und auch Zielstellungen, was in diesen Veranstaltungen herausgearbeitet werden sollte. Die Themen bezogen sich zumeist auf aktuelle Entwicklungen nicht nur in der BRD, auch auf Beziehungen zur BRD sowie Weltpolitik. Hierbei auch keineswegs nur ideologische Themen, sondern auch Fragen zur Wirtschaft und Verteidigungspolitik. Die Vorbereitung dieser Veranstaltungen oblag mir, auch die Inhalte. Bei der Vorbereitung stützte ich mich vor allem auf Hintergrundinformationen aus diversen Publikationen, die zwar nicht geheim, aber eben nicht die allgegenwärtigen Tageszeitungen waren. Hier fand ich insbesondere die Wochenzeitschrift "Horizont" sowie das kleine Infoheftchen "Was und wie" sehr hilfreich, da diese nicht diese plumpen Propagandalosungen enthielten, sondern mehr mit Fakten arbeiteten. Ob Du es glaubst oder nicht, aber ich habe bevorzugt auch Äußerungen von Politikern und Berichte des Westfernsehens mit einfließen lassen oder wenn es meiner Mutter mal gelang, bei einem ihrer Westbesuche den "Spiegel" mitzubringen und ich habe keinen Hehl daraus gemacht, woher ich die Informationen hatte. Wie schon mal angedeutet: Ich konnte mir das leisten. An meinem Stuhl hat keiner gesägt und nichts wäre mir nach einigen Jahren dieser Funktion lieber gewesen, wenn sich ein Nachfolger gefunden hätte. Heißt nicht, daß es auch "Vorteile" in dieser Funktion gab. Überall dabei zu sein, mehr Hintergründe zu erfahren insb. über innerbetriebliche Vorgänge und aus den Gesprächen mit anderen BPO-Sekretären, zu Empfängen (zusammen mit dem BL und dem BGLer) eingealden zu sein (kaltes Buffet, interessante Gespräche) und nicht zuletzt einer der ca. 5 Männer zu sein, die bei den Frauentagsfeiern dabei waren. Aber das mal nur am Rande. Zum thematischen Ablauf der Schulungen. Mir war es zuwider, abgekaute Phrasen zu dreschen und so waren die Vorgaben von oben lediglich thematische Leitlinien. Wenn in anderen Betrieben von Genossen Phrasen gedroschen wurden (oder als solche aufgefasst wurden), zeigt das mir nur, daß diese nicht richtig im Stoff standen, unfähig eigene Gedanken zu formulieren und Zusammenhänge zwischen Vorgängen in der eigenen Firma und der gesamten Wirtschaft oder gar Weltwirtschaft zu erkennen und zu formulieren. Bei allen Schulungen habe ich versucht, betriebliche Vorgänge und die der Gesamtvolkswirtschaft als auch der internationalen Wirtschaft zu verbinden und Zusammenhänge und Abhängigkeiten aufzuzeigen. Hier war ich nicht Alleinunterhalter und es wurde diskutiert, auch kontrovers. Waren doch allen Beteiligten der Schulungen Arbeiter(wenn SED-Mitgleid), Meister, Verwaltungsmitarbeiter und Leiter in ein und demselben Betrieb, hatten ein Leben außerhalb des Betriebes und erlebten hautnah, was nicht gut lief. Da war es m.E. regelrecht kontraproduktiv, wenn ich, gegen meine eigenen Ansichten, versucht hätte, hier mit plumpen Phrasen zu kommen. Jeder wußte oder ahnte es zumindest, daß diese Selbstbeweihräucherung der Politik des ZK nicht den erlebten Realitäten an der Basis entsprach. Mir fällt da wieder das Buch des amerikanischen Historikers A.Port ein ("Die rätselhafte Stabilität der DDR"), in der er darlegte, daß u.a. auch die Rolle und die Handlungen der unteren politischen Ebenen beitrug, hier durch eine Art Vermittlerrolle und einen Ausgleich Überspitzungen durch Regierungsbeschlüsse denen die Spitze zu nehmen und die Umsetzungen in den Betrieben und Organisationen verträglich zu gestalten. Dafür von Oben angezählt zu werden, daß die "ideologische Arbeit in Deinem betrieb, Genosse L..." zu verbessern ist. Monatlich mußte ich einen Bericht an die übergeordnete Leitung, in diesem Fall die Stadtbezirksparteiorganisation EF-Nord, abfassen. Inhalt waren Erfüllungsstand der ökonomischen Vorgaben (Planerfüllung), Einschätzung der ideologischen Arbeit (Parteilehrjahr), Stimmungen und Meinungen der Genossen und Gesamtbeschäftigten. Sehr oft wurden hier von mir Versorgungsfragen aufgeführt (Waren, Wohnung u.a.), war halt meist immer dasselbe. Klar, waren Erfolgsmeldungen der BPO-Sekretäre in den übergeordneten Leitungen beliebter als Kritiken, denn diese wurden ja dann wieder weiter verdichtet im Bericht an die Bezirksleitung und weiter an´s ZK. Bei zu viel Kritik bestand in allen Ebenen die Gefahr, von oben wegen mangelhafter politisch-ideologischer Arbeit angezählt zu werden, selbst als politisch ungefestigt hingestellt zu werden und unliebsame Kontrollen im Bertrieb zu erdulden. Kam dann mal so einer von der Stadtbezirksleitung und spuckte große Töne, hörten sich die Mitglieder der BPO das an und dachten sich ihr Teil, denn von ihnen kam ja die Kritik erst. Gegen handfeste Argumente kam dieser Abgesandte (jede BPO hatte einen persönlichen "Betreuer", also zuständigen Mitarbeiter der Stadtbezirksleitung) kam dieser natürlich nicht an. Er konnte da nur noch zugeben, daß es Probleme gibt, an deren Lösung gearbeitet wird , alle Kraft dafür einzusetzen ist, die Weltwirtschaft hier dran schuld ist, die böse Hochzinspolitik der USA (gab es tatsächlich mal) und weiter bla bla bla.
So, das war mal "in aller Kürze" eine Einschätzung, wie es bei uns so lief. Ich hoffe, daß ich hier mal ein bischen reativieren konnte, denn es gab auch innerhalb der SED-Mitglieder ganz und gar nicht nur schwarz - weiß. Speziell die hauptamtlich in wirtschaftlichen und technischen Abteilungen des Betriebes tätigen Genossen unterschieden sich in ihren Ansichten oft sehr stark von denen, die schon lange nicht mehr in der Produktion gearbeitet hatten und nur ihre politische Arbeit hatten. Auch unter denen gab es wiederum Realisten und Dogmatiker, also ein weites Spektrum. Was allerding bei allengegeben war, die politische Grundeinstellung, daß eine sozialistische Gesellschaftsordnung die bessere, menschwürdigere Gesellschaftsordnung ist, für die auch zum Erreichen nicht selten persönliche Nachteile in kauf egnommen wurden (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel).

Noch zu Grün:. Dann hat er aber nicht nur seine Meinung gesagt, sondern sehr aktiv etwas getan. 7 Jahre geht m.E. keiner nach Bautzen für eine Meinungsäußerung, auch wenn sie radikal ist.



1953 bist du noch für ganz andere Dinge eingebuchtet worden, da reichte schon ein politischer Witz für 3 Jahre Bautzen.Die Urteile wurden in diesem Jahr doch nicht von Richtern ausgearbeitet sondern von der SED Bezirksleitung Der Richter war nur der Büttel, der das Urtiel vorlas.
Das waren doch alles abgekartete Spielchen einer Parteijustiz.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#72

RE: Ein Sargnagel für die DDR

in DDR Staat und Regime 14.09.2013 14:08
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Zitat von Gert im Beitrag #71

1953 bist du noch für ganz andere Dinge eingebuchtet worden, da reichte schon ein politischer Witz für 3 Jahre Bautzen.Die Urteile wurden in diesem Jahr doch nicht von Richtern ausgearbeitet sondern von der SED Bezirksleitung Der Richter war nur der Büttel, der das Urtiel vorlas.
Das waren doch alles abgekartete Spielchen einer Parteijustiz.



Ich kann leider nicht wie thomas 48 in einem anderen thread auf die Überschrift verweisen. Würde man sich auf die beziehen Ein Sargnagel für die DDR, dann könnte man hier alles in diesen thread reinpacken, was uns an Sargnägeln einfällt.

Doch unter der Überschrift folgte hier folgender Eingangsbeitrag:

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #1
Ziemlich genau vor 26 Jahren erfuhr Erich Honecker den größten Triumph seiner Karriere als Staatschef.
In Bonn wurde der rote Teppich für ihn ausgerollt und er lief unter klingendem Spiel der Bundeswehr die Ehrenformation ab.
Am Fahnenmast wehte die Flagge der DDR neben der der Bundesrepublik Deutschland.
Was für Honecker damals der größte Erfolg seiner Laufbahn war , war in Wirklichkeit ein weiterer Schritt zur deutschen Einheit und dem Untergang des SED Staates.
http://www.welt.de/kultur/history/articl...ieg-errang.html


LG von der grenzgaengerin

EDIT link zu dem thread von thomas 48 am schwarzen Brett gelöscht


zuletzt bearbeitet 14.09.2013 14:20 | nach oben springen

#73

RE: Ein Sargnagel für die DDR

in DDR Staat und Regime 14.09.2013 14:39
von Arnstädter | 266 Beiträge

Wer kann hier auf den Fotos schon sehen ,- wer was denkt! - Sieger oder verlierer? beides aus dem Jahre 1987
[[File:Eh&HK.jpg|none|auto]][[File:EH&FJS.jpg|none|auto]]

Angefügte Bilder:
Aufgrund eingeschränkter Benutzerrechte werden nur die Namen und (falls vorhanden) Vorschau-Grafiken der Dateianhänge angezeigt Jetzt anmelden!
Eh&HK.jpg
EH&FJS.jpg

das System funktioniert weil du funktionierst
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#74

RE: Ein Sargnagel für die DDR

in DDR Staat und Regime 14.09.2013 15:31
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #72
Zitat von Gert im Beitrag #71

1953 bist du noch für ganz andere Dinge eingebuchtet worden, da reichte schon ein politischer Witz für 3 Jahre Bautzen.Die Urteile wurden in diesem Jahr doch nicht von Richtern ausgearbeitet sondern von der SED Bezirksleitung Der Richter war nur der Büttel, der das Urtiel vorlas.
Das waren doch alles abgekartete Spielchen einer Parteijustiz.



Ich kann leider nicht wie thomas 48 in einem anderen thread auf die Überschrift verweisen. Würde man sich auf die beziehen Ein Sargnagel für die DDR, dann könnte man hier alles in diesen thread reinpacken, was uns an Sargnägeln einfällt.

Doch unter der Überschrift folgte hier folgender Eingangsbeitrag:

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #1
Ziemlich genau vor 26 Jahren erfuhr Erich Honecker den größten Triumph seiner Karriere als Staatschef.
In Bonn wurde der rote Teppich für ihn ausgerollt und er lief unter klingendem Spiel der Bundeswehr die Ehrenformation ab.
Am Fahnenmast wehte die Flagge der DDR neben der der Bundesrepublik Deutschland.
Was für Honecker damals der größte Erfolg seiner Laufbahn war , war in Wirklichkeit ein weiterer Schritt zur deutschen Einheit und dem Untergang des SED Staates.
http://www.welt.de/kultur/history/articl...ieg-errang.html


LG von der grenzgaengerin

EDIT link zu dem thread von thomas 48 am schwarzen Brett gelöscht






@grenzgaengerin die Vorgänge des 17.juni 53 waren ein wesentlicher Nagel in dem Erdbestattungsmöbel der DDR !


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
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Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
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#75

RE: Ein Sargnagel für die DDR

in DDR Staat und Regime 14.09.2013 15:42
von ABV | 4.202 Beiträge

Der größte Sargnadel war die Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte von Helsinki, im Jahre 1975, durch die DDR. Um auf der internationalen Bühne mitmischen zu können, ging die DDR Verpflichtungen ein, die sie nie und nimmer einhalten konnte. Was zur Folge hatte, dass sich die DDR immer wieder gefallen lassen musste, an Helsinki gemessen zu werden. Man könnte jetzt darüber spekulieren, ob es die DDR bei einer konsequenten Umsetzung der Beschlüsse von Helsinki noch geben würde? Oder ob sie vielleicht schon Ende der siebziger Jahre im geschichtlichen "Nirwana" versunken wäre.

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#76

RE: Ein Sargnagel für die DDR

in DDR Staat und Regime 14.09.2013 17:23
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Ich komme mir hier vor wie Staatsbürgerkunde-Unterricht vor 40 Jahren: Man muss das alles im Gesamtzusammenhang sehen - war eine beliebte Phrase, wenn man ein Thema abwürgen wollte oder ein bestimmtes Thema nicht vertiefen wollte. Und der beste Stabü-Lehrer ist Gert.

Haben alle keine Erinnerung an den Honecker - Besuch?

Oder Gert, bereitet es Dir heute noch Bauschmerzen, dass in Bonn die schwarz-rot-goldenen Fahnen mit dem Hammer, Zirkel und Ährenkranz im Spätsommerwind flatterten, dass Du ständig ausweichst?


http://www.n-tv.de/politik/Als-Bonn-die-...cle7150336.html

Vor Zorn hätte ich damals in die Tischkante beißen können. Du doch wahrscheinlich vor Wut auch, oder? Und damit Du mich nicht mißvestehst - "In die Tischkante beißen" wird meist benutzt in Verbindung mit "vor Wut - in die Tischkante beißen" und ist die Steigerung von "entnervt mit dem Kopf schütteln", wenn man eine Zeitspanne lang oder wiederholt von jemandem - ob mit Vorsatz oder ungewollt - mit ein und der selben Unzulänglichkeit gequält oder geärgert wurde/wird.

Und um bildlich weiter zu schreiben - Beide Fahnen wirken heute auf mich wie Leichentücher, die über die Probleme der Menschen in der DDR gelegt wurden. Und das war nicht nur die in diesem Zusammenhang immer wieder zitierte Reisefreiheit.

LG von der grenzgaengerin

EDIT Tippfehler


zuletzt bearbeitet 14.09.2013 18:13 | nach oben springen

#77

RE: Ein Sargnagel für die DDR

in DDR Staat und Regime 14.09.2013 17:34
von Lutze | 8.039 Beiträge

war die DDR-Fahne in der Bundesrepublik
nicht sogar verboten gewesen?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#78

RE: Ein Sargnagel für die DDR

in DDR Staat und Regime 14.09.2013 18:00
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #77
war die DDR-Fahne in der Bundesrepublik
nicht sogar verboten gewesen?
Lutze


Nein, Lutze. Das war sie ganz sicher nicht. Auch wenn die Bundesrepublik die DDR nicht als Staat anerkannte, gab es doch so etwas wie diplomatische Beziehung. Warum sollte die Bundesrepublik die offizielle Fahne der DDR denn verbieten?

Gruß Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#79

RE: Ein Sargnagel für die DDR

in DDR Staat und Regime 14.09.2013 18:09
von Kurt | 933 Beiträge

Die Nägel des Sarges der DDR waren in erster Linie wirtschaftlicher Natur. Honeckerbesuch hin, Helsinkiakte her....
Wenn die Wirtschaftskraft eines Landes so groß ist, daß die Menschen sich mit ihrem Lebensstandard zufrieden geben und sich wohlfühlen,
dann muß kein Staat der Welt um sein Überleben fürchten - es sei denn er wird militärisch angegriffen.
Siehe Singapur, Schweiz, Australien und die skandinavischen Länder, denn diese haben auch keine große Bevölkerung, und es geht ihnen gut.

Viele Grüße,

Kurt


DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#80

RE: Ein Sargnagel für die DDR

in DDR Staat und Regime 14.09.2013 18:12
von Lutze | 8.039 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #78
Zitat von Lutze im Beitrag #77
war die DDR-Fahne in der Bundesrepublik
nicht sogar verboten gewesen?
Lutze


Nein, Lutze. Das war sie ganz sicher nicht. Auch wenn die Bundesrepublik die DDR nicht als Staat anerkannte, gab es doch so etwas wie diplomatische Beziehung. Warum sollte die Bundesrepublik die offizielle Fahne der DDR denn verbieten?

Gruß Uwe


es gab eine Zeit,wo die DDR-Fahne in der Bundesrepublik
verboten war,
warum schreibe ich mir nicht die TV-Dokus auf,
bei einer Sportveranstaltung von DDR-Sportlern in der
Bundesrepublik wurde die DDR-Fahne entfernt
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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