#1

DDR-Unterhändler Wolfgang Vogel gestorben

in Leben in der DDR 22.08.2008 21:21
von Angelo | 12.397 Beiträge
Der frühere DDR-Unterhändler und Ost-Berliner Rechtsanwalt Wolfgang Vogel ist tot. Nach Angaben seiner Frau Helga starb er am Donnerstag im Alter von 82 Jahren am Schliersee in Oberbayern, wo das Ehepaar seit Jahren lebte. Vogel erlag den Folgen einer längeren schweren Krankheit.

Seit den späten 50er-Jahren war Vogel Kontaktmann zwischen der Bonner Bundesregierung und der SED-Führung in Ost-Berlin, als diese in der Zeit des Kalten Krieges noch keine offiziellen Kontakte pflegten. Der Jurist erwarb sich den Ruf eines Spezialisten für diskrete Aufträge - auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs wurde er geachtet und hofiert. Über sich selbst und sein Wirken als Makler zwischen Ost und West sagte Vogel einst: "Meine Wege waren nicht weiß und nicht schwarz. Sie mussten grau sein - anders ging es nicht. Ich wollte Anwalt der Menschen zwischen den Fronten sein."

Erich Honecker machte ihn zum "persönlichen Beauftragten des SED-Generalsekretärs und Staatsratsvorsitzenden in humanitären Angelegenheiten". Mit Vogels Hilfe kehrten insgesamt rund 150 in Gefangenschaft geratene Spione aus 23 Ländern heim. Darunter waren so prominente Namen wie Kanzleramtsspion Günter Guillaume.
Austausch auf der Glienicker Brücke

1962 organisierte Vogel den Austausch des amerikanischen U2-Spionagefliegers Francis Gary Powers gegen den in den USA verurteilten Sowjetagenten Rudolf Abel auf der Glienicker Brücke zwischen Berlin und Potsdam. Als der Anwalt am 11. Februar 1986 in seinem goldfarbenen Mercedes erneut auf der Brücke vorfuhr, wurden 25 Westspione gegen vier Häftlinge aus den USA ausgetauscht.
Familienzusammenführungen und Freikauf von Häftlingen

Seit 1964 vermittelte Vogel den Freikauf von 33.755 Häftlingen der DDR durch die Bundesregierung. Außerdem ermöglichte er, dass im Rahmen der Familienzusammenführung 215.019 Menschen, vor allem Kinder die DDR verlassen durften. Die Bundesregierung blätterte dafür im Lauf der Jahre insgesamt mehr als 3,5 Milliarden von der DDR dringend benötigter harter Westmark hin. Auch für Vogel selbst sollen dabei Honorare in Millionenhöhe abgefallen sein.


Nach dem Mauerfall geriet der Anwalt selbst in die Mühlen der Justiz. In Ermittlungsverfahren wurde er mit immer neuen Vorwürfen konfrontiert - von Erpressung ausreisewilliger DDR-Bürger bis Steuerhinterziehung über Meineid und Urkundenfälschung. 1992 musste Vogel einräumen, als IM in den 50er-Jahren mit dem Ministerium für Staatssicherheit zusammengearbeitet zu haben. Von dem Vorwurf der Erpressung ausreisewilliger DDR-Bürger wurde er 1998 vom Bundesgerichtshof freigesprochen. Rechtskräftig verurteilt wurde er wegen Meineides und Urkundenfälschung.

Sonne hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 22.08.2008 21:21 | nach oben springen

#2

RE: DDR-Unterhändler Wolfgang Vogel gestorben

in Leben in der DDR 28.07.2014 20:51
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Angelo im Beitrag #1
Der frühere DDR-Unterhändler und Ost-Berliner Rechtsanwalt Wolfgang Vogel ist tot. Nach Angaben seiner Frau Helga starb er am Donnerstag im Alter von 82 Jahren am Schliersee in Oberbayern, wo das Ehepaar seit Jahren lebte. Vogel erlag den Folgen einer längeren schweren Krankheit.

Seit den späten 50er-Jahren war Vogel Kontaktmann zwischen der Bonner Bundesregierung und der SED-Führung in Ost-Berlin, als diese in der Zeit des Kalten Krieges noch keine offiziellen Kontakte pflegten. Der Jurist erwarb sich den Ruf eines Spezialisten für diskrete Aufträge - auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs wurde er geachtet und hofiert. Über sich selbst und sein Wirken als Makler zwischen Ost und West sagte Vogel einst: "Meine Wege waren nicht weiß und nicht schwarz. Sie mussten grau sein - anders ging es nicht. Ich wollte Anwalt der Menschen zwischen den Fronten sein."

Erich Honecker machte ihn zum "persönlichen Beauftragten des SED-Generalsekretärs und Staatsratsvorsitzenden in humanitären Angelegenheiten". Mit Vogels Hilfe kehrten insgesamt rund 150 in Gefangenschaft geratene Spione aus 23 Ländern heim. Darunter waren so prominente Namen wie Kanzleramtsspion Günter Guillaume.
Austausch auf der Glienicker Brücke

1962 organisierte Vogel den Austausch des amerikanischen U2-Spionagefliegers Francis Gary Powers gegen den in den USA verurteilten Sowjetagenten Rudolf Abel auf der Glienicker Brücke zwischen Berlin und Potsdam. Als der Anwalt am 11. Februar 1986 in seinem goldfarbenen Mercedes erneut auf der Brücke vorfuhr, wurden 25 Westspione gegen vier Häftlinge aus den USA ausgetauscht.
Familienzusammenführungen und Freikauf von Häftlingen

Seit 1964 vermittelte Vogel den Freikauf von 33.755 Häftlingen der DDR durch die Bundesregierung. Außerdem ermöglichte er, dass im Rahmen der Familienzusammenführung 215.019 Menschen, vor allem Kinder die DDR verlassen durften. Die Bundesregierung blätterte dafür im Lauf der Jahre insgesamt mehr als 3,5 Milliarden von der DDR dringend benötigter harter Westmark hin. Auch für Vogel selbst sollen dabei Honorare in Millionenhöhe abgefallen sein.


Nach dem Mauerfall geriet der Anwalt selbst in die Mühlen der Justiz. In Ermittlungsverfahren wurde er mit immer neuen Vorwürfen konfrontiert - von Erpressung ausreisewilliger DDR-Bürger bis Steuerhinterziehung über Meineid und Urkundenfälschung. 1992 musste Vogel einräumen, als IM in den 50er-Jahren mit dem Ministerium für Staatssicherheit zusammengearbeitet zu haben. Von dem Vorwurf der Erpressung ausreisewilliger DDR-Bürger wurde er 1998 vom Bundesgerichtshof freigesprochen. Rechtskräftig verurteilt wurde er wegen Meineides und Urkundenfälschung.

Hallo!
Anwalt Vogel,hat viel für den Austausch von Agenten, sowie den Freikauf von Gefangenen getan.Für diese Dienstleistungen hat er kräftig abkassiert.Ohne Zusammenarbeit mit dem MfS und der Regierung wäre dies nicht möglich gewesen.
Gruß rei


seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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