#1881

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 13.08.2014 23:34
von Wolle76 (gelöscht)
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http://www.tagesspiegel.de/mediacenter/f...l/10329270.html

Der Tagesspiegel schließt sich mit einer Fotoserie an und typisch Tagesspiegel Schmierfinken schreiben sie nur wieder Müll. Zitat Bildunterschrift " Dies ist der Bunker im "Geisterbahnhof" U-Bahn-Voltairestraße. Da er direkt neben dem Bahnhof Klosterstraße gebaut wurde, ist er nie in Betrieb gegangen..."

Für die nichteinheimischen: Klosterstraße ist Linie A (heutige U2) und Voltairestr soltte für die Linie D (heutige U8) sein. Auch wenn sie in Parallelstr liegen sind es 2 verschiedene paar Schuhe.


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#1882

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.08.2014 08:59
von Hans | 2.166 Beiträge

Morgen, Gemeinde,......
Ein Glück, das ich meine Lobesrede auf P.Neumann und die Berliner Zeitung schon vor ein paar Tagen abgelassen habe. Ansonsten hätte die keiner bemerkt. @Wolle76 , Du hast ja so recht ! Es jammert den Hund samt der Hütte, wenn man sich die Fotoserie im Tagesspiegel anschaut. Entweder die lieben Journalisten haben sich massiv verscheißern lassen , oder nicht recherchiert, oder beides. Die Fotoserie zeigt den Weg Alex -Kehranlage-Klostertunnel-Waisentunnel bis unter die Spree -genau bis zum Schacht unmittelbar davor. (In den Eingestellten Waisentunnelplan hat dieser Schacht die Nr. 15 W)) Wer Lust hat, mal vergleichen. Bei dieser Untertagewanderung sind die lieben Tunnelwanderer gar nicht bis an die Geisterlinie ( D oder U8 ) herangekommen. Und dann wird der Schacht 15 W - ein Klappschütz (!) als das "Tor" bezeichnet, das Dieter Wend bei seiner Flucht geöffnet hat, um seine Familie .....usw. Mein Gott - hatte der BVG-Mensch da den Müll abgelassen und die lieben Journalisten habens kritiklos übernommen ? ( Ja, ich weiß, das wird bei der Tunneltour der BVG so erzählt, selbst schon erlebt ) Ein wenig hinschauen hätte genügt, dann weiß man, das die Geschichte dort nicht so gelaufen seien kann. Bekanntlich hat D.W. ja seine Familie "Über das Schütz" -mit Notleiter hoch - in der Wehrkammer warten- andere Seite über die Schütztreppe wieder runter usw. geholt. Das geht an dem 15W nicht, weil -alles nicht da. Wers noch nicht gelesen hat : Nr.# 407.Oder auf den Berliner Verkehrsseiten.
Soviel zur Presse. -Übrigens - wenn jemand die Tunnelführung mitmachen will - bisauf das Stückchen Alex entspricht die Bildserie dieser Tour, sie geht auf Bhf.Klosterstraße los. Den 14 Schacht - den"Ort des Ereignisses" bekommt man aber nicht zu sehen, weil -dort befindet man sich an der Einmündung des Waisentunnels in die Linie U8, also im Verkehr !
Und zu Lutzes Frage : Ich weiß nicht, welchen "Dokfilm" Du gesehen hast. Es gibt da noch eine Möglichkeit. Ging es da um die Berühmt-berüchtigten Müller-Brüder ? (Autor war wohl Herr Knopp ?) Wenn ja - Das ist eine Story, über die es mehrere wiedersprechende Meinungen, aber kaum Material gibt, eben nur Behauptungen. Und die in sich vor Wiedersprüchen wimmelt.( Irgendwo hab ich mal gefragt, ob da einer noch ne Quelle hat.) Wenn ja - ich glaub die Story nicht - weil -geht so einfach nicht.
73, Hans


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#1883

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.08.2014 10:25
von Hans | 2.166 Beiträge

Morgen, Gemeinde,.....
Bleibt ja noch der Beitrag in der "BZ". -Übrigens-für nicht-Berliner - BZ und Berliner Zeitung sind zwei unterschiedliche !
Nach 300 Metern: An der Decke ein riesiges schwarzes Tor. Die Luft wird immer feuchter und kühler. „Jetzt sind wir unter der Spree“, erklärt Gorell. Falls Wasser durch die Decke läuft, verschließt das Tor das Tunnelstück, verhindert eine Flutung.

„Genau hier verlief die Grenze zwischen Ost und West. Zu DDR-Zeiten war das Tor immer geschlossen und wurde von der Grenzpolizei bewacht.“ Züge fuhren keine mehr.
(Zit. BZ)
Da wirft sich doch die Frage auf - Hat der Herr Gorell (?) von der BVG geschlampt bei seiner Erzählung , oder haben ihn die Journalisten nur "falsch verstanden"- oder beides ? Die Nummer mit der roten Lampe - also dem Gleissperrsignal klärt sich ja in dem Fimschnipsel . (Falsch verstanden)
Der Rest - also das Zitat - sehr schwach für die BVG - für den BVG-Sprecher. Für einen "Fachkundigen"-sollte er doch sein - Müll. Also - Wir sind hier unter der Spree- und da ist ein Schütz, das Überflutung verhindert. Toll.-Unter der Spree? - Ich dachte immer, Schütze sind vor und hinter der Gewässerunterfahrung, genau drunter wären sie ja sinnlos.
Ach , und da verlief die Grenze - im Waisentunnel ? -also nach der Ortsangabe in Ri. Jb , Spreeunterfahrung ? Toll. Aber eben falsch in jeder Hinsicht. Sowohl in Hinsicht Staatsgrenze , die war ganz wo anders, sowie im Sinne -dort war die Linie D (U8) , welche von der BVG (West) befahren wurde.Diese war ja bekanntlich kurz hinter dem Bhf.Jannowitzbrücke in Ri. H.Heine-Straße. Mal ganz davon abgesehen davon, das es das falsche Schütz im Bezug auf D.Wend war.
Ach und das Schütz wurde von der Grenzpolizei bewacht ? -Nun sage mal keiner, das konnte der doch nicht wissen - seine eigenen Leute kamen doch jeden Tag vorbei, haben die ihn alle angelogen ? Übrigens - das Fallschütz, vor dem Herr Gorell diese Erklärung abgab - war nicht geschlossen zu Geisterbahnzeiten, mit Grund übrigens. Dort , im Kloster/Waisentunnel, standen die "Stromwagen" - sozusagen die "Überführungs-U-Bahnen", mit denen U-Bahn-Züge von der Linie A nach Friedrichsfelde überführt wurden. Zumindest wurde das Gleis zum rangieren selbiger genutzt.
Irgendwie ärgert mich gewaltig, das die BVG-Öffentlichkeitsarbeit - die ja wirklich im allgemeinen besser ist als z.B. die der DB, hier so eine Graupe auf die Menschheit losgelassen hat. Fachmann ! -Toll !
Bitte jetzt nicht sagen, "Der Hans freut sich über gefundene,"anzuprangernde" Fehler" - manchmal frag ich mich nämlich, ob die BVG das von ihr getragene U-Bahn-Museum selbst zur Kenntnis nimmt. Herr Gorell jedenfalls- offensichtlich- nicht.Ärgerlich.
73, Hans


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zuletzt bearbeitet 14.08.2014 10:26 | nach oben springen

#1884

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.08.2014 12:22
von eisenringtheo | 9.180 Beiträge

Zitat von Hans im Beitrag #1882
(...)
Und zu Lutzes Frage : Ich weiß nicht, welchen "Dokfilm" Du gesehen hast. Es gibt da noch eine Möglichkeit. Ging es da um die Berühmt-berüchtigten Müller-Brüder? (Autor war wohl Herr Knopp ?) Wenn ja - Das ist eine Story, über die es mehrere widersprechende Meinungen, aber kaum Material gibt, eben nur Behauptungen. Und die in sich vor Wiedersprüchen wimmelt.( Irgendwo hab ich mal gefragt, ob da einer noch ne Quelle hat.) Wenn ja - ich glaub die Story nicht - weil -geht so einfach nicht.
73, Hans

Ich auch nicht. Der Zug soll im Februar 1962 gekapert worden sein. Das einzige Indiz der sichere Bericht der Westberliner Schutzpolizei und der zeitliche Zusammenhang:
Am 17.2.1962 baute ein Arbeitskommando der Ostberliner BVG in unmittelbarer Nähe des U-Bhf. Walter-Ulbricht-Stadion – Gleis in Richtung Reinickendorfer Str. – eine Fahrsperre und ein Schienentrennstück ein. Hierdurch kann die Weiterfahrt eines Zuges in Richtung West-Berlin unterbrochen werden.
Die gleichen Einbauten erfolgten am 22.2.1962 südlich des U-Bhf. Heinrich-Heine-Straße
.
http://www.chronik-der-mauer.de/index.ph...nical/year/1962
Angesichts des relativ kurzen Abstandes zum Beginn des Mauerbaus halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass man damals noch einen Weg in den Untergrund nehmen konnte und die Aktion dann so rasch abgelaufen ist, dass die Verhinderung der Flucht trotz vermutlich ausgelöstem Alarm nicht mehr möglich war. Ein ähnliches Problem, nämlich die fehlende direkte Eingriffsmöglichkeit der Sicherungskräfte in den Betriebsablauf wurde ja auch bei Harry Deterlings Flucht durch Polizei und MfS erkannt und rasch behoben.
Theo


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#1885

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.08.2014 12:31
von Kalubke | 2.299 Beiträge

zu #1883:

Typisch für die heutige schnelllebige Zeit! Journalismus nach dem Motto:"Einer schreibt vom andern ab, zum selber denken ist die Zeit zu knapp!"

Ist aber in anderen Bereichen genau so: Der Allgemeinarzt z.B. hat auch nur noch ca. 5 Minuten Zeit für die Diagnose. Und dafür zahlt man Unsummen in die Krankenkasse ein.

Inhalte der Zeitungsthemen und Patienten sind schon seit langem zur unwichtigen Nebensache verkommen. Es dreht sich nur noch um die Macher selbst. Scheint aber nur wenige zu stören.


Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 14.08.2014 12:33 | nach oben springen

#1886

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.08.2014 12:38
von Hans | 2.166 Beiträge

Hi, Theo,
Ja- aber -wie immer.
Die ominöse U-Bahn-Kaperung soll aber - der Beschreibung in dem "Dok-Film nach- auf der Linie D stattgefunden haben. " Zit. : Einen Schacht in einem Nebentunnel aufgebrochen ..... -Nebentunnel gibts auf der C- Linie nicht. O.k. würde sich dann mit H.H. decken.Es gibt noch ne Menge anderer Merkwürdikeiten in dem Filmchen. Übrigens - Schienentrennstück und Gleissperre - etwas doppelt gemoppelt - aber bitte. Definitiv : 1973 bei meinem "Aufschlagen" in Fri. nicht vorhanden.Eine Eingriffsmöglichkeit für den U-Bahn-Verkehr - also verhindern der Weiterfahrt- war doch locker mit einem einfachen,popligen Kurzschließer möglich. Der gehörte zur Normausstattung jedes U-Bahnhofes.
73, Hans


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#1887

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.08.2014 12:51
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #1885
zu #1883:

Typisch für die heutige schnelllebige Zeit! Journalismus nach dem Motto:"Einer schreibt vom andern ab, zum selber denken ist die Zeit zu knapp!"

[...]

Gruß Kalubke


Guten Tag,

es ist schlimmer. Ein Journalist heute schreibt für den Markt. Das heisst, die Befindlichkeit des Lesers sollte wichtiger sein als die Story selbst. Einfache Geister sollten nicht verwirrt werden, denn Nachdenken tut weh.

Auf dem Computer wird dann die Story angepasst, an die Bilder, die gemacht wurden, und an eine simple lineare Chronik. Geschichte ist selten linear, das ist aber zu kompliziert. Menschen, welche zu viel nachdenken, werden krank oder gefährlich für die Politik. Eine Novlangue ist das beste Mittel dagegen, das wussten auch die Jungen im Z.K. der S.E.D. schon...

Stringer49

PS. Ich weiss nicht, ob man in D. die Retro-Kriminalgeschichten von Philip Kerr kennt. Ich bin sehr «begeistert» wenn ich lese, wie Kerr die Geschichte sieht... 1942: Grenzkontrolle im Zug Berlin nach Prag in Bad Schandau...


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#1888

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.08.2014 13:01
von eisenringtheo | 9.180 Beiträge

Ja wenn man tiefer schürft. Vermutlich brauchte es viel Glück, damit eine Flucht gelingt. Beispiel "Harry Deterling"
(...)Lokführer Deterling begrüsst den ihm zugeteilten Heizer. Diesen Mann kennt er nur flüchtig und kann ihn nicht einschätzen. Kurzentschlossen sagt er deshalb: "Der Dienstplan wurde geändert. Du hast heute frei. Mach dir einen schönen Abend mit deiner Familie." Der Heizer lässt die Kohlenschaufel fallen und steigt von der Lok.(...)
https://www.christoph-links-verlag.de/in...FTOKEN=92222480
S. 10ff.
Theo


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#1889

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.08.2014 13:19
von Hans | 2.166 Beiträge

Hi,
Na , jetzt wirds Breit mit dem Thema.
Deterling - hatte nach den eigenen Aussagen von D. selbst und von Lichi, seinem Heizer, einen Stammheizer, eben Lichi. Sie waren ein "Stamm-Pärchen" auf der Maschine. Ob man da einen "fremden Heizer reinschiebt ? Unüblich. Und - die Einteilung macht der Lokleiter, das ein Lokführer einen eingeteilten Heizer mal so einfach frei gibt - zumindest sehr unüblich. Übrigens - Deterlings Aktion war ins kleinste vorgeplant- Hatten wir ja schon- Also - wieder mal "Kunst" -dramatisches Element- im Buch ? Soll ja vorkommen.Auch in "Faszination Freiheit".
Und zu Stringer - ja- Philip Kerr ist zu haben auf Deutsch. Definitiv seine Krimis, die in Berlin, 1930-36 (?) spielen. Einen oder zwei hat meine Regierung -großer Krimifan -im Regal.
Ansonsten-bis heute abend- Arbeit ruft.
73, Hans


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#1890

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.08.2014 14:47
von eisenringtheo | 9.180 Beiträge

Zitat von Hans im Beitrag #1889
Hi,
Na , jetzt wirds Breit mit dem Thema.
Deterling - hatte nach den eigenen Aussagen von D. selbst und von Lichi, seinem Heizer, einen Stammheizer, eben Lichi. Sie waren ein "Stamm-Pärchen" auf der Maschine. Ob man da einen "fremden Heizer reinschiebt ? Unüblich. (...)
73, Hans

Doch das war wohl so. Deterling traute man offenbar doch nicht so ganz. Es war ein anderer Heizer eingeteilt
ab Minute 9:35.

Harry Deterling sagte, sein Heizer hätte so eine Lok noch nie geheizt und er würde gerne mal fahren (was möglicherweise gelogen war?) Zwei Heizer brauche es nicht, und er, der zugeteilte Heizer müsste einfach zu Schichtende wieder auftauchen, aber pünktlich, damit es nicht auffalle.
Das Video ist auch sonst interessant, weil technische Details geschildert werden.
Theo


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zuletzt bearbeitet 14.08.2014 14:47 | nach oben springen

#1891

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.08.2014 18:45
von Hans | 2.166 Beiträge

Danke, Theo. Den hatte ich noch nicht.
Und offensichtlich war Deterling nicht nur ein Ass an Bremse und Regler.
73, Hans


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zuletzt bearbeitet 14.08.2014 18:47 | nach oben springen

#1892

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.08.2014 19:28
von eisenringtheo | 9.180 Beiträge

Zitat von Hans im Beitrag #1891
Danke, Theo. Den hatte ich noch nicht.
Und offensichtlich war Deterling nicht nur ein Ass an Bremse und Regler.
73, Hans

Aber das war er in der Tat!! Sein geschicktes Bremsverhalten bis nach Falkenkrug bewirkte für jedermann merkbar den Eindruck eines technischen Defektes (an der Luftpumpe), so dass dieser wohl jeder Fahrdienstleiter bis nach Albrechtshof zur Kenntnis nahm. Als sich der Zugführer in Falkenkrug noch erkundigte, ob man eine Ersatzlok brauche, schlug man mit dem Hammer auf die Leitung, Deterling betätigte die Pumpe und man hörte es zischen: so würde man es schon noch bis zur Endstation schaffen und würde dort reparieren. So ging die Fahrt weiter. Deterlings Schwager im Zug betätigte vor Albrechtshof die Notbremse, um noch die letzte Luft aus dem Bremssystem zu kriegen. So fuhr man mit der atemberaubenden Geschwindigkeit von 40km/h durch die abzweigenden Weichen - genau gemäss Buchfahrplan - in Albrechtshof ein, aber der Zug hielt nicht an. Bremsversagen oder nicht? Deterling fuhr mit Gegendampf, was diesen Eindruck verstärken konnte.
Erst nach Ausfahrt aus dem Bahnhof beschleunigte Deterling. Die Überraschung, dass der Zug nicht mehr hält, muss für die Grenzorgane ziemlich gross gewesen sein.
Im Film Durchbruch Lok 234 fuhr der Zug sehr schnell und die Grenzer schossen. Beides war nicht der Fall.
Theo


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#1893

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.08.2014 19:38
von Hans | 2.166 Beiträge

Hi,
Und das m.M. nach schwirigste "Stück" hat Deterling gar nicht so explizit erwähnt. Das Erschöpfen der Bremse mit Absicht ist echt schwer. Aber wir hatten uns ja schon mal drüber verständigt, Deterling fällt bei mir in die Kategorie "Respekt".
73 , Hans


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#1894

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.08.2014 20:28
von StabsfeldKoenig | 2.654 Beiträge

Soweit mir bekannt, war die Bremse nicht erschöpft, sondern durch Abschalten und Entlüften der Bremsen in den Wagen und schließen der Luftleitung hinter der Lok unbrauchbar gemacht worden. Dies war ein grober Verstoß gegen die Fahrdienstvorschrift, da ein Zug eine durchgehende (Druckluft)-Bremse haben muß, die auch bei einer Zugtrennung beide Teile des Zuges selbständig zum Halten bringt. Wäre eine Kupplung im Zug gebrochen, wären entweder die abgerissenen Wagen auf den nur mit der Lokbremse gestoppten vorderen Zugteil wieder aufgelaufen oder im Falle des Befahrens einer Steigung zurückgerollt und frontal mit einem Folgezug zusammengestoßen. Darüber hinaus hätte hinter Albrechtshof die Gefahr eines Frontalzusammenstoßes mit einem Gegenzug bestanden. Auch, wenn lt. Fahrplan zu dieser zeit kein Zug kommen sollte, hat ein Lokführer keinen Einblick, ob ein Sonderzug oder verspäteter bzw. umgeleiteter Zug unerwartet verkehrt.
Das Verhalten des Lokführer erfüllt den Straftatbestand des gefährlichen Eingriffs in den Eisenbahnbetrieb (jeweils wegen der unbrauchbar gemachten Bremse und des Überfahren des Ausfahrsignals Albrechtshof), sowie wegen versuchten Totschlages in ungekannter Zahl von Fällen (wegen eines möglichen Unfalles). Es wurde mind. ein Bahnübergang bei offener Schranke überfahren.
Also, alles in allem, ein hochkrimineller Akt und keine Heldentat! Das es keine Toten oder Schwerverletzten gegeben hat, war nur pures Glück.
Wie würden wir heute über diese Geschichte sprechen, wenn es einen Frontalzusammenstoß mit ca. 20-50 Toten gegeben hätte oder die Lok einen Bus "Auf die Hörner genommen" hätte?



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#1895

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.08.2014 20:37
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Und erst die Republikflucht! Ein Volksfeind, der den Bonner Ultras in die Hände spielte mit seinem von langer Hand vorbereiteten Anschlag gegen die sozialistische Ordnung.

Hast Du den Film oben gesehen? Wieviel Gedanken der sich gemacht hat? Mit Notsignal für den Bahnübergang und allen Schikanen?


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#1896

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.08.2014 20:53
von Hans | 2.166 Beiträge

Na, Moment --- wir haben das ja schon mal durchgekaut.
Was die Verstöße gegen zahlreiche Betriebsvorschriften der DR betrifft - die ja bekanntlich nicht von der DDR erlassen wurden, sondern noch aus DR-G. Zeiten stammten, hat der Stabsfeld recht. Also ab - "Kupplungsbruch" . Natürlich hat Deterling da alle ihm möglichen Vorsichtsmaßnamen ergriffen - ändert aber nichts. Das einzig positive daran ist - es ist nicht passiert. Wie sagte Theo so schön - es gehört eine Menge Glück dazu.
Und zu dem Bremsen durch Lufthahn schließen/ entlüften - Da vergisst Du die Bremsprobe- das muß dem blindesten Zugführer/Schaffner usw. auffallen.Und wenn es Bremsprobleme gibt - erster Blick der Zugführers geht zu den Lufthähnen Lok/erster Wagen.
73 , Hans


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#1897

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.08.2014 21:36
von Vogtländer (gelöscht)
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@StabsfeldKoenig:
Es ist auch kriminell,was man heute auf deutschen Straßen an rollenden Zeitbomben und auf deutschen Schienesträngen an Rollschrott rumfahren lässt!


zuletzt bearbeitet 14.08.2014 21:37 | nach oben springen

#1898

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 14.08.2014 21:52
von eisenringtheo | 9.180 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #1894
Soweit mir bekannt, war die Bremse nicht erschöpft, sondern durch Abschalten und Entlüften der Bremsen in den Wagen und schließen der Luftleitung hinter der Lok unbrauchbar gemacht worden. (...)?

Gut haben wir Experten! Bei Minute 10.30 erklärt Deterling, was er genau gemacht hat.

Hildebrand Knorr-Bremse
Als Laie weiss ich jetzt, ob man bei diesen Bremsen nicht einfach die Zuluft abschalten kann und diese dann einfach langsam erschöpfen kann. Und ob man mit so manipulierten Bremsen am Abgangshof den Zugfüher täuschen kann, der die Bremsprobe durchführt. Denn fest steht, dass Deterling den Personenzug an mehreren Banhöfen anhalten musste.
OT: Zugskollosion Zürich Oerlikon, 24. Oktober 2003, infolge Bremsversagen
http://www.sust.admin.ch/pdfs/BS/pdf/4020368.pdf
Theo


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#1899

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 15.08.2014 00:27
von Kalubke | 2.299 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #1892
...Bremsverhalten bis nach Falkenkrug .... Als sich der Zugführer in Falkenkrug noch erkundigte ...
Theo


kleine unbedeutende Anmerkung: Ich glaube, Du hast aus zwei Stationen auf der Strecke eine gemacht. Es gibt dort auf der Strecke Nauen-Spandau vor Albrechtshof die Bahnhöfe Finkenkrug und Falkensee (siehe S-Bahn Netzplan in #1726 auf Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn (87)).

Gruß Kalubke



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zuletzt bearbeitet 15.08.2014 22:37 | nach oben springen

#1900

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 15.08.2014 11:12
von Stringer49 | 700 Beiträge

Guten Tag,

vielen Dank an alle für die Erklärungen und den link (@eisenringtheo) zum Fluchtzug in Albrechtshof. Wir, meine Gattin und ich, haben diesen Film gestern betrachtet. Ich habe ihr etwas übersetzt, ich habe auch nicht alle Berliner Sprachelemente verstanden. Nachdem sie gehört hatte, dass die DDR den Lokomotivführer und seine Familie kidnappen wollte, war sie so zornig wie bei unserem Besuch in der Bernauer Strasse. Für einige Zeit sollte ich jetzt nicht mehr laut von der DDR sprechen...

Wir vergessen eben leicht, dass damals eine kalter Krieg war und beide Seiten Methoden benutzten, welche nicht aus einem Jungfrauen-Kloster stammten...

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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zuletzt bearbeitet 15.08.2014 11:13 | nach oben springen


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