#441

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 25.11.2013 18:50
von Hans | 2.166 Beiträge

DANKE !!!!!!!
Und - Ich sehs ganz deutlich, die NS-S-Bahn ist drauf !
73 Hans


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#442

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 25.11.2013 18:55
von der glatte | 1.356 Beiträge

Genau, aber wenn man sieht was für ein Streckennetz es einmal gab. Und dazu die Menge von Klein- und Schmalspurbahnen.

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


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#443

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 25.11.2013 18:55
von eisenringtheo | 9.171 Beiträge

Zitat von der glatte im Beitrag #434
Habe da noch etwas herausgekramt, was für Euch auch interessant sein könnte. Stammt aus einem DR-Plan von 1957. Berlin noch vereint mit einer Demarkationslinie.

Gruß Reiner



Quelle: "Urlaub, Erholung, Genesung", 1957, FDGB, Tribüne-Verlag.


Das ist nicht die Demarkationsgrenze, sondern die Stadtgrenze von Gross Berlin. Das hiess damals offiziell auch so

http://www.turus.net/fotostrecke/gesells...r-sbz-7808.html

http://www.bundesarchiv.de/oeffentlichke...index-6.html.de
Pläne sind problematisch. Sie müssen nicht nur geographisch, sondern auch politisch korrekt sein. Als die BRD und die DDR sich in den 60er Jahren gegenseitig nicht anerkannten, war es aus Sicht der DDR erforderlich, eine eigene, politische korrekte Karte herauszugeben.
http://www.drehscheibe-foren.de/foren/re...498405,page=all
http://www.drehscheibe-foren.de/foren/file.php?17,file=82456
Theo


der glatte, Hans und Harzwanderer haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#444

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 25.11.2013 18:58
von der glatte | 1.356 Beiträge

Ist ja nur ein Ausschnitt aus der großen Karte. Dort steht es dann aber so drauf in den Erklärungen. Eventuell ein Fehler von damals. Auch die auf der Karte verwendete Bezeichnung/Abkürzung "DBR" für die Bundesrepublik war mir bisher unbekannt.

Gruß Reiner


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#445

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 25.11.2013 19:03
von Hans | 2.166 Beiträge

Na- ganz einfach- mal wieder in eine der vielen,vielen Deutsch-Deutschen Sprachregelungsfallen reingetappt.
Da hat der Theo -als neutraler Schweizer- allerdinge richtig aufgepasst. Lob nach der Schweitz.
73 Hans
Edit : DBR war so bis 60er anfang" Mode". H


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zuletzt bearbeitet 25.11.2013 19:04 | nach oben springen

#446

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 25.11.2013 19:09
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zitat von der glatte im Beitrag #444
Auch die auf der Karte verwendete Bezeichnung/Abkürzung "DBR" für die Bundesrepublik war mir bisher unbekannt.

Gruß Reiner


Das hatten wir, glaube ich, an anderer Stelle hier im Forum schon einmal: DBR für "Deutsche Bundesrepublik". Das machte ja auch, politisch gesehen, Sinn, schliesslich betrachtete sich die DDR damals auch als einen Teil eines Gesamt-Deutschland. Da war es nicht hinnehmbar, dass die eine Seite sich einfach zu Deutschland erklärte, während man womöglich DDR als "Der Doofe Rest" interpretiert hätte.

Deshalb also eine Deutsche Bundesrepublik und eine Deutsche Demokratische Republik - nach einem Zusammenschluss wäre dann ein Name mit Deutschland drin korrekt gewesen.

Gruss

icke



Hans, Harzwanderer und eisenringtheo haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#447

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 28.11.2013 20:14
von Hans | 2.166 Beiträge

Abend, Gemeinde, wie Pastor Holm immer sagte….
Also mal wieder hinab in die Tiefen der Geisterbahnhöfe und –in diesem Fall, der Geschichte .

Fast unbekannt ist ein Stück Geschichte vom Bhf. Friedrichstraße, bei dem es um den Bombenanschlag auf der Nord-Süd-S-Bahn 1943 geht. Eine polnische Widerstandsorganisation Namens Zagra-Linu der polnischen Exilregierung verübte um 1943 mehrere Bombenanschläge auf Berliner Bahnhöfe. Im eingestellten Text, erster und zweiter Satz, geht es um den Bahnhof Friedrichstraße. Vielleicht kann ja auch jemand den Text- er ist etwas länger als hier gezeigt, übersetzen.( Q: Na Zagra-Lina)


Q: Buchbeschr. Zu M. Braun 75 Jahre EB im Untergrund
Man sieht schon, offensichtlich herrscht auch bei den Fachautoren etwas Verwirrung, Hr. Braun schreibt im Beispiel von der Nord-Süd-S-Bahn, nennt aber die Zahlen von der U-Bahn. Aber vielleicht bekommen wir das besser hin.
Das einzige, was ich quasi aus eigener Sicht hinzufügen kann, ist der genaue Ort, an dem die Bombe versteckt war. Bahnsteig D – in Richtung Unter den Linden, unter der Bank vor dem Gepäckfahrstuhl, (heute der „große“ Fahrstuhl). Also- weiß noch jemand was dazu?
73 Hans


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zuletzt bearbeitet 28.11.2013 20:33 | nach oben springen

#448

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 07.12.2013 15:19
von Hans | 2.166 Beiträge

Mahlzeit, Gemeinde....
Die Frage bzw. mein "Versprechen aus #431 - wieviele DDR-EB arbeiteten den so in WB ? hab ich ja noch nicht beantwortet.
Also-Mittlerweile war "Rentnertreffen und Kaffetrinken" und ich hab meine Lieblingschrista gefragt:
Selbstverständlich ist die Zahl, die jetzt kommt, nichts absolutes, sondern nur ein Richtwert.
Auf der Dienstauftragsstelle in Fri. lagen unmittelbar vor der Übergabe der S-Bahn an die BVG ca. 700 "grüne Karten" . Da waren aber nicht nur EB , die in WB arbeiteten dabei, und es wurden auch nicht alle an jedem Tag ausgegeben, so das man wohl von rund 500- plus/minus X in WB arbeitenden EB ausgehen kann.
Bei 4600 WB-Eisenbahnern ( Rund) halte ich das für eine realistische Zahl.
Die interresante Frage, wie viele warens danach ?- Kann ich nur mit : Es waren weniger beantworten. Die "Kutscher" fielen da ja schon mal weg.
Aber genaue Zahlen ? Ne, wußte keiner mehr. Meine Lieblingschrista ist leider Anfang 84 ins Büro gewechselt.
Aber man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben, manchmal tauchen ja neue Quellen auf.
73 Hans


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zuletzt bearbeitet 07.12.2013 15:20 | nach oben springen

#449

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 07.12.2013 15:56
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Die täglichen, alliierten (hier US-) Militärschnellzüge zwischen Berlin-Lichterfelde-West und Bremerhaven Kaiserhafen bzw. Frankfurt/Main Ost (mit Postwagen der Deutschen Bundespost) wurden ab Mitte der achtziger Jahre von 132ern des BW Magdeburg gezogen, mit Magdeburger Personalen. Vorher waren es 118.5 des BW Grunewald.


zuletzt bearbeitet 07.12.2013 15:59 | nach oben springen

#450

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 12.12.2013 17:49
von Hans | 2.166 Beiträge

Spazieren unter der Erde - Zwischen FRU und POU
Vor einiger Zeit bekam ich ein nicht abzulehnendes Angebot von einem „Mitpufferküsser“ und „auch Eisenbahnfreund“, an einer Begehung im Tunnel der Nord Süd-S-Bahn teilzunehmen. Logischerweise-angenommen und mitgelaufen. Wer die Strecke kennt- eines der interessantesten Berliner Verkehrsbauwerke. Da auf diesem Streckenabschnitt ja einige Veränderungen anstehen (S 21) hab ich mir also den „Urzustand“ noch mal angesehen und festgestellt, dass mittlerweile etliches Umgebaut ,verbessert ,modernisiert wurde.
Also mal sehr erfreulich.
Daher hab ich mich mal aufgerafft, den Zustand als“ Geisterbahn“ zu beschreiben, mit ein paar kleinen Einwürfen zum „Jetzt“. Wenn man-also der Eisenbahnfreund oder der Interessierte Mitbürger ein wenig Glück hat, kann er ja –wenn das Tunnellicht eingeschaltet ist, relativ viel von der Strecke sehen, wenn er weiß, wo was ist.
Begeben wir uns also unter die Erde Berlins, oder richtiger-unter das Pflaster. Wenn man den den Bahnhof Friedrichstraße in Richtung Unter den Linden –jetzt Brandenburger Tor-eine der „Tollsten“ Umbenennungen Berlins, verlässt, fällt erst mal auf, das der „Ausfahrtschlauch“ verdammt lang ist und die Strecke gleich dahinter in einer recht engen Kurve mündet. Hat natürlich seinen Grund- der für den „Schlauch“ ist, das dort ein Hotel, das „Continental“ in der Neustätischen Kirchstraße unterfahren wurde, d.h. die Strecke wurde gebaut, ohne das Hotel abzutragen, dieses wurde auf eine „Abfangkonstruktion“ gestellt, welche man heute noch bewundern kann-von unten! Diese Technik wurde beim Bau der Nord-Süd-S-Bahn mehrfach angewandt und m.M. nach ein schönes Beispiel für den Spruch „Auch die Alten haben gedacht“. Die Unterfahrung gleich neben dem Brandenburger Tor zwischen dem linken Torhaus und dem Blücherpalais wurde auch so gemacht. Die engen Kurven haben allerdings –so unschön sie sind-einen ganz konkreten Grund. Man hat nämlich die Strecke in“ Berliner Bauweise“ erstellt, also von oben. Und das heißt ja-immer die Straßen entlang. Unter dem Titel „Die Reichsbahn unterfährt Berlin“ gibt es im Net dazu einen Film. Da zu Geisterbahn-Zeiten diese Strecke dem WB-Netz zugeschlagen war, und außerdem Tunnel wohl immer „Urban Legend“ hervorbringen, gibt es natürlich die tollsten Geschichten und Storys über diese S-Bahn Strecke. Die unausrottbarste ist das Ding mit dem „Führerbahnhof“ , dem tollen Gang oder Tunnel zur Neuen Reichskanzlei bzw. der Geheimgang zwischen der damaligen US-Botschaft-neben dem Brandenburger Tor, links, und der Göbbels-Villa durch die S-Bahn Schächte, und ähnliche in den verschiedensten Ausführungen. Das einzige, winzige Stückchen Wahrheit an dem ganzen ist ein Noteinstieg (,Ecke Voss/H.Göhring-Straße-damals-jetzt natürlich nicht!), der 1944 gebuddelt wurde-heute der Notausstieg 14 am Streckenkilometer 3,405.Alles andere-einfach nicht da. Eine andere Geschichte-diese aus DDR-Zeiten, erzählt von einem geheimen Zugang auf dem Parkplatz vor der US-Botschaft in der Glinkastraße, hm- da ist ein Notausstieg, der 8er , aber was da geheim gewesen sein soll, keine Ahnung. Er war übrigens von beiden Seiten, unten und oben verrammelt. Bewacht: Na ja, die Trapo machte jede Nacht eine „Schachtkontrolle“-übrigens nicht nur da, sondern alle Schächte. Es gibt aber auch Legenden, die wahr sind. Beispielsweise –Man kann (Konnte –mittlerweile nicht mehr) an einigen Stellen sehen, wie hoch das Wasser nach der Sprengung des Landwehrkanals im Tunnel stand. Stimmt. Also ich hätte eine bestimmte Stelle im Bf. Potsdamer mit einem Rahmen versehen und unter Glas gesetzt. Als Denkmal-sonst haben wir doch auch alle möglichen. Und die Story- im einigen Signalkästen steht noch heute das Wasser hat einen richtigen Hintergrund. Allerdings-nicht in den Signalkästen-das wäre ein Wunder- aber in den Linsen der Signale hat sich an einigen wenigen tatsächlich das Wasser gehalten. Eine davon ist im S-Bahn-Museum zu bewundern.
Wenn man den Bahnhof ULU durchquert hat, kommt man auf dem Weg zum Potsdamer Platz an dem wohl beeindrucktesten Bauteil der Strecke entlang: Dem Hängeboden. Die „Heutigen“ sagen Heuboden-na ja weiß keiner mehr, was ein Hängeboden ist. Ursache für dieses Bauwerk, auf dem Abstellplatz für 4 Vollzüge also 32 S-Bahn-Wagen ist, plus nötige Weichen usw., ist die Umplanerei unter Adolf. Ursprünglich sollte der Streckenteil anders aussehen, dann sollte eine weitere Strecke „ausgefädelt“ werden-fast wie jetzt die S-21, und und. Da stehen also diese 4 Züge auf einem Bauwerk über der eigentlichen Strecke, aber nicht genau über den Gleisen, sondern diese laufen links und rechts davon. Also-ein Riesenteil, das unten den gleichen Hohlraum-leer- noch einmal hat. Dort hatte sich zeitweise ein netter, kleiner See gebildet, der immer mal größer oder kleiner wurde. Ursache war eindringendes Grund- und Regenwasser. Entgegen weitverbreiteter Meinung-die S-Bahn ist dort nicht durchs Wasser gefahren, sie fuhr links und rechts davon.
Damit man sich die Größe mal vorstellen kann, der Hängeboden geht hinter dem Potsdamer Platz los und reicht fast bis ans Brandenburger Tor.
Zu Geisterbahnzeiten wurde das alles von zwei Trapojanern bewacht- dem Postenpaar von ULU. Und- da wir uns ja im Grenzerforum befinden- Die vorhandenen Schächte –Notausstiege- hatten eine Alarmanlage. Mit Ausnahme des schon erwähnten 8er Schachts waren sie nicht, wie oft geschrieben zugeschweißt, sondern verschlossen. Schlüssel hatte die Trapo, bei Schächten in Nähe der durch GT besetzten Bf. auch die GT. Das Postenpaar von Ulu konnte also ganz schön „Wandern“ und hatte so auch immer ausreichend Bewegung.
Soviel erst mal für heute.
73 Hans


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GZB1, Kurt, CASI, Grete85, Harzwanderer und der glatte haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 12.12.2013 18:04 | nach oben springen

#451

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 16.12.2013 11:14
von Hans | 2.166 Beiträge

Mahlzeit, Gemeinde..... Hier also "der zweite Teil" -Friedrichstraße-Nordbahnhof
Spazieren unter dem Pflaster von Berlin – nach der anderen Seite.
Schon mal auf dem Bstg. D von Friedrichstraße gestanden? Und vielleicht den komischen Eindruck gehabt, das der Bahnsteig schief ist? Das Gefühl täuscht nicht- der Bahnsteig hat tatsächlich ein Gefälle –in Richtung POU-, und das ist technisch notwendig. Gleich nach dem Bahnsteigende geht’s (in Ri. Nordbahnhof)„Hoch“ über die U-Bahn der Linie C, heute U6, und dann sofort runter, um die Spree zu unterfahren .Diese Achterbahn war bei der Erbauung des Nord-Süd-S-Bahntunnels notwendig, denn er kam sozusagen zuletzt-die anderen waren schon da. Technisch interessant und auch –für WK II –Endkampffans sozusagen wissenswert sind die beiden Wehrkammern, links und rechts der Spree, an der Oberfläche zwischen Plank- und Geschw.Scholl-Straße. Diese Wehrkammern sind nämlich nicht, wie oft und gern angenommen, Falltore-wie auf der U-Bahn verbreitet, sondern dort werden eisenbeschlagene Balken über eine technische Konstruktion sozusagen heruntergeworfen-zweireihig- und der Zwischenraum wird mit einer Lehmmischung verfüllt. Es ist also nicht möglich, dort Fluttore zu schließen und wieder zu öffnen. Die Fluchtgeschichten aus „Endkampf um Berlin“ und einige Darstellungen der Überflutung können also nicht auf der S-Bahn stattgefunden haben, sondern nur auf der U-Bahn- dort ist das nämlich möglich. Übrigens- diese Wehrkammern dienen nicht dazu, einen Wassereinbruch zu verhindern und „dahinter lustig weiterzufahren“, sondern sie ermöglichen das Abpumpen des eingedrungenen Wassers, sozusagen „Abschnittsweise“. Leider –mussten sie das ja schon mal. In dem Zusammenhang- Leerpumpen des überfluteten S-Bahn Tunnels, stellte sich übrigens heraus, das genau zwischen den beiden Wehrkammern ein „zusätzliches“ Wasserloch“ im s-Bahn-Tunnel vorhanden war- nicht nur das Sprengloch Landwehrkanal- nein, unter der zerstörten Ebertbrücke befand sich eine weitere Wassereintrittsstelle. Die Brücke wurde durch Bombentreffer zerstört, ein Pfeiler rammte sich in das Tunnelbauwerk, und als man diesen dann sprengte, verursachte man zwei Löcher in der Tunneldecke. Die „Flickstelle“ ist noch heute zu sehen-aber keine Sorge-unsere Altvorderen haben gut gearbeitet. Die beiden Wehrkammern sind übrigens gleichzeitig Notausstiege, um nach „oben“ zu kommen, muss man allerdings drei Etagen hoch steigen-über Eisenstiegen. Eine davon war zu Geisterbahnzeiten geschlossen, d.h. zu, die andere verschlossen. Merkwürdiger Weise war die geschlossene Wehrkammer zweimal das Ziel von 213ern, (ca.77 und 85) die versuchten, an dieser Stelle in den S-Bahntunnel zu gelangen. Über die vorhandenen Alarmanlagen hab ich mich ja schon ausgelassen, der Erfolg war also „bescheiden“. Und im Nachhinein muss ich wohl ganz ehrlich sagen-durch die andere Wehrkammer hätte es klappen können, jedenfalls der 85er Versuch. Also mal wieder das alte Lied von der Ortskenntnis. Wandern wir also ein wenig weiter und erreichen den Bahnhof Oranienburger Straße. Wenn man sich ORU heute ansieht, sieht man fast den Originalzustand, nur der zweite Ausgang ist nach dem Brand auf Anhalter Bhf. wegen Brandschutz dazugekommen (der mit dem Fahrstuhl). Ein Blick in den Aufsichtsraum-moderne Möbel-wegvorstellen, und schon sieht man quasi in meine Postenbude. Übrigens- die in einer Ausstellung in der Oranienburger Straße gezeigten „Originalplakate“-auf dem Bahnhof 1989 Gerettetet!!! und jetzt ab und zu durchs Netz geisternd, sind ein Fake -weiß der Kuckuck woher, aber nicht von ORU- da haben keine Plakate überlebt. Als ich 73 ankam, waren noch zwei relativ kleine Plakate vorhanden, aber auch bei Trapos gab es Jäger und Sammler. Für Architekturfans- der Bahnhof ist durch Richard Brademann entworfen worden und, von der Gestaltung her der „Neuen Sachlichkeit“ zuzuordnen. Er liegt genau unter der Kreuzung Oranienburger-Tucholsky Straße-im Straßenzug der Tucholsky Str. Beim Bauen gab es allerdings zwei Probleme. Zum einen konnte man nicht so, wie Üblich Rammträger setzen, weil die Tucholsky Str. zu schmal war-die Straße hieß damals übrigens Artellerie- str. , und daher wurde der Boden chemisch verfestigt, ein damals neues, hochmodernes Verfahren. Zum Zweiten waren an dieser Stelle, der Kreuzung, nicht nur die üblichen Einrichtungen wie Strom, Wasser, Gas, und Abwasserleitungen im Boden, nein, auch die Leitungen des Rohrpostamtes liefen dort entlang und alles musste recht aufwändig verlegt werden.
Spazieren wir also weiter in Richtung Nordbahnhof. Auf diesem Streckenabschnitt müssten wir,zu Geisterbahnhof-Zeiten, also über eine Trittbrettanlage laufen. Vorher nicht erwähnt?-Richtig, vorher war keine vorhanden-also von POU bis ORU. Das ist nichts anderes, als eine Holzplatte, die auf Federn gelagert ist, ca. 8 m Lang und quer durch den Tunnel. Ein Stückchen „Rampe zum hochlaufen hat sie auch noch auf beiden Seiten. Wenn man drauf tritt, wird ein Signal-auf Nordbahnhof in diesem Fall, ausgelöst. Über die Stromschiene balancieren ist nicht, da ist dieses „Brettchen“ auch drauf, auf der Abdeckung natürlich. Wer gut ist, kann natürlich über die Schiene balancieren, es geht. Im Dunkeln mit ‘nem Zug im Rücken usw. allerdings nicht so einfach. Kurz vor dem Nordbahnhof findet man auf der rechten Seite eine recht umfangreiche Kabeleinführung, dort steht das Unterwerk, welches die S-Bahn mit Fahrstom versorgt. Das Unterwerk steht allerdings Oben-über dem S-Bahn Tunnel. Ein Gang führt vom Unterwerk in dem Tunnel. Dort fand 1963 übrigens der Versuch einer größeren Gruppe statt, mittels der S-Bahn nach WB zu gelangen. Gescheitert ist der Fluchtversuch letztlich durch einen abgebrochenen Schlüssel, offensichtlich hat man das Schloss der letzten Tür zum Tunnel ausgetauscht. Übrigens-dieser Fluchtversuch fällt bei mir in die „Kategorie professioneller Respekt“. Eine umfangreichere Darstellung davon kann man in Kiebert: Die Berliner Nordsüd-S-Bahn…. finden.
Nun muss nur noch das Reichsbahnämterhaus unterquert werden, und man ist am Bahnhof Nordbahnhof angekommen. Auch um dieses Gebäude ranken sich so die Gerüchte. Diese gehen so von Riesenbunker unter dem Ämterhaus bis zum Geheimzugang für Stasi bzw. Trapo usw. Wieso die Reichsbahnbaubehörde unter Adolf einen Geheimzugang für…usw. gebaut haben soll, weiß ich nicht, und bei dem Bunker handelt es sich um eine –nachträglich eingebaute-Luftschutzeinrichtung aus WK II, welche in die Kellerräume eingebaut wurde – einen Luftschutzkeller also. Richtig an der ganzen Gerüchteküche ist, dass es vom Keller des Ämterhauses aus einen Zugang zum S-Bahn-Tunnel gibt, und dieser ist gleich bei Errichtung von Tunnel und Ämterhaus angelegt worden. Auf der offiziellen „Tunnelkarte“ der DR von 36 ist er mit drauf. Sozusagen als Dienstzugang.
Den Zustand und die Sicherungseinrichtungen von Nordbahnhof beschreib ich ein andermal-das ist recht umfangreich. Ach so-Bewachung von der ganzen Einrichtung – Das Postenpaar auf ORU.
Bis neulich.
73 Hans


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Harzwanderer, der glatte, exgakl und MHL-er haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#452

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 16.12.2013 15:21
von Wolle76 (gelöscht)
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Hallo Hans,

Danke mal wieder für den Bericht. 2 Sachen hinzugelernt. Die Brücke hat einen Namen und sie gibt es seit 1992 erst wieder. Zur Sprengung Ebertbrücke schreibt wikipedia das die Russen die Trümmer wegsprengen mußten um die Spree wieder befahrbar zu machen. DADURCH wäre der Tunnel beschädigt worden.

Weißt Du (aus dem Stehgreif) irgendwelche Literatur wo man das genauer nachlesen kann ? In meiner Literatur zum Thema Endkampf Berlin habe ich dazu noch nichts gelesen.
Ansonsten ist zu den Wehrkammern zu sagen das Fri (Linie C) das wehrschott eine weiterkommen versperrte und damit die Ausbruchsgruppen gezwungen waren über A: Weidendammer Brücke; B(die cleveren) über Schlütersteg oder C: NS Tunnel Ri Stettiner Bahnhof zu kommen.


Hans hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#453

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 16.12.2013 15:46
von Hans | 2.166 Beiträge

Hi,Wolle...
Wiki muß gar nicht so unrecht haben, Das Loch bzw. die Löcher wurden erst beim Abpumpen des Wassers entdeckt. Danach mußte man sogar einen "Extra" Lehmdamm errichten, mit einem extra dafür geschaffenen Loch, um die Stelle dicht zu bekommen. Der dafür verantwortliche war ein Reichsbahnrat Kerger, welcher die Arbeiten leitete. In der "Deutschen Bauzeitung" -"Neue Deutsche Bauzeitung" hat er einen Bericht über die Instandsetzung geschrieben. Ausgabe ?. Ach so, der Pfeiler , der steckte nach einem Bombentreffer in der Decke, als man ihn wegsprengte,-Schiffaht- war das Loch da. Ob es vorher schon in "Mengen" einen Wasserzulauf gab, ist unklar. Und wer gesprengt- logo ,die Russen, sonst konnte keiner um die Zeit....., na ja, hätte ich auch klarer schreiben können. Meine Quelle: Einer meiner Ex-Kollegen vom Bhf. der seit 1943 ständig -bis zur Rente- auf dem Bhf.arbeitete und ein großer Historienfreak war. Zur not hab ich noch ein paar Fotos von der Aktion-im Papierhaufen - aber.... kennst Du ja.
73 Hans


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#454

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 16.12.2013 18:02
von Hans | 2.166 Beiträge

Abend, Gemeinde.....
Nun hat der Wolfram mich dazu gebracht, nochmal wegen der Ebertbrücke zu graben. Also : Zusatzinfo- der Brückenname hat nichts mit den Politikern zu tun, sondern mit einem Fabrikanten. Über die Zerstörung der Brücke streiten sich die Götter, einmal "Bombe" einmal "Träger durch SS gesprengt"-einseitig. Beim Rest " Wie kams zu dem Loch" sind sich die Autoren dann einig-der in den Tunnel gerammte Träger usw. , Was unklar ist- war er nun schon vor der Freisprengung durch die Russen da ?-oder durch die Freisprengung ?
Auf jeden Fall waren es zwei Löcher in der Tunneldecke, ansonsten.......
Na ja-Histori-Fans : Streitet euch, oder nicht.Ach so : Quellen: u.a. Braun : Nordsüd-S-Bahn,75 J. Eisenbahn im Untergrund und Kiebert: Die Berliner Nordsüd-S-Bahn.
73 Hans


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#455

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 16.12.2013 19:33
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

An den See am Potsdamer Platz unten kann ich mich auch gut erinnern. Da stand 40 Jahre Wasser drin. Direkt neben einer elektrifizierten Eisenbahnstrecke und ihren Stromschienen. Unglaublich. Ist aber nie eingefroren, wenn ich mich richtig entsinne.


zuletzt bearbeitet 16.12.2013 19:33 | nach oben springen

#456

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 16.12.2013 20:00
von Hans | 2.166 Beiträge

Abend, Gemeinde.....
Hi, Hotte- ja der See. Komischerweise schwankte die Wasserhöhe in dem Ding mit den Jahreszeiten. Der See dehnte sich dann aus-dort ist etwas Gefälle.Offensichtlich muß sich dort eine Art Sohlenbruch befunden haben, zumindest in der Nähe. Übrigens-Mit den Gleisen stand das Wasser vom See nicht in verbindung, das "Unterteil" vom Hängeboden hatte -und hat -eine eigene Wanne. So in den frühen 80ern hat die DR mal versucht, leerzupumpen, aber erfolglos. Kam eben genug Wasser nach, stieg aber nie über einen bestimmten Pegel. Und- entgegen jeder Erwartung, das Wasser war sauber.
O.K. getrunken hab ichs nicht, aber als mal einer reingetreten war, reichte es, die Hose zu trocknen.
Ach so- Minusgrade hatten wir auf der NS-Bahn nie, daher auch kein einfrieren.
73 Hans
Edit. Ergänzung


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zuletzt bearbeitet 16.12.2013 20:09 | nach oben springen

#457

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 25.12.2013 10:27
von furry | 3.576 Beiträge

Zwar völlig OT, aber angehangener Beitrag zeigt die Trapo in Aktion.
http://www.eisenbahnforumvogtland.de/t97...del-Teil-B.html


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
Hans hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#458

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 25.12.2013 10:50
von Hans | 2.166 Beiträge

Morgen, Gemeinde.......
Oh ja-wenn man es nicht wüßte, das der Felix die Bilder nachgebaut hat - Man könnt fast an " Echt" glauben. Besonders bemerkenswert m.M. nach-er hat die "Verräterischen Ecken" im BW schön "weggelassen".
Danke- GUT- !
73 Hans


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#459

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 31.12.2013 17:10
von Hans | 2.166 Beiträge

Abend, Gemeinde, wie Pastor Holm immer sagte......
Pflichtschuldigst noch dieses Jahr : Bemerkungen zum Nordbahnhof !
Es gibt wahrlich schönere und spektakulärere Bahnhöfe in Berlin - aber wohl nur wenige mit so viel "verschwundener Geschichte" wie der Nordbahnhof. Eröffnet 1841 als "Stettiner Bahnhof" verkehrten von hier die Fernzüge in Richtung Stettin, nach Danzig und Stralsund. Zwischen 1876 und 1903 erfolgte die Errichtung eines pompösen Empfangsgebäudes für den Fernbahnhof, wie es Tradition war, in der guten, alten Zeit. Ab 1897 wurde der Stettiner Bahnhof auch in den örtlichen Nahverkehr eingebunden, wofür ein weiteres, kleineres Empfangsgebäude-der Vorortbahnhof- errichtet wurde. Dieses steht heute noch und legt Zeugnis von der beeindruckenden Vergangenheit des Areals ab.
In den 1930er Jahren wurde der Nord-Süd-Tunnel erbaut, die unterirdische S-Bahn-Strecke, welche vom Nordbahnhof bis zum Anhalter Bahnhof die Berliner Innenstadt unterquert. Zusammen mit dem Tunnel entstand der unterirdische S-Bahnhof, der als einziger Teil der gesamten Anlage noch bis heute in Betrieb ist.
Nach 1952 wurde der Stettiner Bahnhof von der DR in "Nordbahnhof" umgewidmet. Der stark kriegsgeschädigte Kopfbahnhof, welcher aufgrund des Streckenverlaufs über die Westsektoren auch seine Bedeutung verlor, wurde Ende der 1950er Jahre abgerissen. Der S-Bahnhof Nordbahnhof wurde nach dem Bau der Berliner Mauer zu einem Geisterbahnhof, den die S-Bahnen ohne Halt durchfuhren.( Bis hierher ein leicht ergänztes Zitat ) Mehr nicht ? Da war doch noch was? Genau, im Nordbahnhof setzten bis 1984 die S-Bahnzüge der DR auf der Nord-Süd S-Bahn ein, dort war ihr Bw. Und aus diesem Grunde war der Nordbahnhof nicht nur ein zu durchfahrender Geisterbahnhof, sondern eine Güst. Natürlich reiste dort niemand ein oder aus, aber da der größte Teil der DR-Bedarfsgüter, vom Ersatzteil bis zum Putzlappen, über den Nordbahnhof lief, erfolgte dort die Zollmäßige Abfertigung. Und da die S-Bahnen dort einsetzten, also ihren Betrieb aufnahmen, mussten die TFZ-Führer ja auch abgefertigt werden-durch die PKE. Bis 1984 war es so, dass die „Besatzung“ von NOU aus- je nach Tageszeit 1-2 Zöllnern, 1-3 PKEern und zwei GTern bestand, welche sich auf den Bahnsteigen die anfallende Arbeit „teilten“. Im Unterschied zu den anderen durch die GT bewachten Bahnhöfen waren die Posten dort nicht in einem Postenstand am Bstg.-Ende untergebracht, sondern auf den Bahnsteigen. Die Aufgaben beschränkten sich also nicht auf das „nur bewachen“ eines –recht umfangreichen –Bahnhofes, sondern hatten mehr mit der Kontrolle der S-Bahn-Züge beim Ein-und Aussetzen zu tun. Die oft vermutete Schleusung über den Nordbahnhof- „Agentenschleuse und so“ , gehört m.M. nach allerdings in den Bereich Märchen, genauso wie die Agententreppe im Reichsbahnämterhaus. Gewiss-den Zugang gab es, und gibt es noch, aber das war`s. Warum? Die Tür war nicht zu öffnen, und so eingerostet, das es ein Blinder mit dem Krückstock gesehen hätte, wenn das Ding mal bewegt worden wäre.
Der damalige Dienstzugang ist heute noch zu „bewundern“, wenn man in der Mittelpassage, in der Ausstellung, steht, ist dort eine unscheinbare Blechtür –die anderen sind aus Holz- zu sehen,( leider immer zu)-beige gestrichen- dort ging’s rein. Den „Urzustand“ kann der aufmerksame Beobachter mit Hilfe der Ausstellungsfotos und – den „kleinen farblichen Unterschieden“ der Fliesen- recht gut nachvollziehen. (Q: RBD-Bln-Arch.) mit einem kleinen Fehler-den Notausgang gibts nicht.
Gegen 1981 konnte der durchfahrende Reisende dann einen Maschendrahtzaun links und rechts der Mittelgleise, nicht über die volle Länge der Bstg., bewundern. Es gibt einen MoPo-Artikel drüber, der von Fluchtverhinderung spricht. Na, da irrte der Verfasser, ein Zaun, der auf beiden Seiten offen ist, ist dazu wohl weniger geeignet. Er diente dazu, die Ein-und Aussetzkontrolle durchführen zu können, ohne beworfen zu werder, die Züge fuhren ja recht dicht dran vorbei, und da klapperte schon mal was aus dem Zug, und- weiterer Grund- der Zaun verhinderte das Aussteigen an bestimmten Stellen-während der Kontrolle- falls doch mal einer „vergessen haben sollte“, aus den Zug zu steigen. Das ist tatsächlich passiert, so blöd wie es Klingt. Ich hatte z.B. mal einen „älteren, aber leicht besoffenen Herren“ samt Hut und Regenschirm, der sich – es war auf Oranienburger Straße- bei mir bitterlich beklagte, dass seine S-Bahn auf Anhalter Bhf. nicht halten wollte. Also ist er abgesprungen. Er hatte Glück, die S-Bahn fuhr langsam.
Bis zum 9.Januar 84 ging der beschriebene Ablauf dann so weiter, und der Nordbahnhof war bei der Trapo ein beliebtes „Ausflugsziel“ bei der nächtlichen Schachtkontrolle, kein Wunder, es ist eben angenehmer, wenn man am „Ausflugsziel“ ein paar Leute zum Quatschen, rumsitzen, eventuell Kaffetrinken hat. Letzteres hatte eine Zeitlang Kultstatus.
Am 09.01. 84 übernahm die BVG dann die S-Bahn, und im Nord-Süd-Tunnel drehte sich erst mal kein Rad mehr. PKE und Zoll „räumten“ den Nordbahnhof, und die GT wollte auch weg. Begründung war, dass es ja jetzt kein Grenzgebiet mehr war, die Grenze ist ja erst an der Liesenbrücke. Also –das ist ja eine Trapo-Aufgabe. Nach längeren, intensiven Verhandlungen kam die Trapo dann aber nicht, sondern die GT machten weiter, wurden aber, wie auf allen anderen Bahnhöfen, in einen Postenstand gesperrt. Über die weitere Sicherung des Bahnhofes wurde dann viel geplant, aber zur Ausführung kamen diese tollen Pläne nicht, weil die BVG zum 1.Mai (?) den Verkehr im Tunnel wieder aufnahm, ursprünglich war das erst später vorgesehen. Lediglich die Stellwerkseinrichtung wurde „Festgelegt“, das Stellwerk also auf „Durchleitbetrieb“ gestellt. Von den vorhandenen drei Tunnelausfahrten wurde eine, die vom „Aufstellgleis“ mit einem Gittertor verschlossen. Die beiden anderen Tunnelmünder behielten ihre Trittbretter, eine elektronische Sicherung erfolgte, entgegen anderer Behauptungen, nicht. Das hatte allerdings einen ganz konkreten Grund: Die auf der U-Bahn –Bernauer Straße eingesetzte Lichtschrankentechnik funktionierte im N-S-Bahn-Tunnel nämlich nicht , Ursache waren die höheren Spannungen und Stromstärken der S-Bahn. Rollgitter ließen sich auf der NS-Bahn sowieso nicht einbauen, da der Oberlichtraum zu klein war- also auf deutsch –kein Platz. Da zum gleichen Zeitpunkt das SBw Nordbahnhof aufgelöst wurde, kam es auch dort zu einem „Umbau“ der Grenzsicherungsanlagen, am besten zu sehen-von der S-Bahn aus- war, das der HSiZ dann genau vor dem Stellwerk NOA war.
Sozusagen Schlussbemerkung: Wenn man schon mal in der Nähe des Nordbahnhofes ist, sollte man sich die Ausstellung im Zwischengeschoß ansehen- o.k. nichts aufregendes- aber im Unterschied zu anderen Ausstellungen zum gleichen Thema: Kein Disney-Land!
Und – Abschluss Tipp: Das Gebäude des Stettiner Vorortbahnhofes- des späteren S-Bw- steht noch, wurde liebevoll restauriert und beherbergt jetzt eine Gaststätte, „ Zwei Buddhas“. Nicht nur für Asia-Fans zu empfehlen, es gibt auch europäische Speisen. Wenn man sich in die Nische rechts von den Buddhas setzt, sitzt man faktisch in meinen Dienstraum, na, zumindest an der Stelle, wo er mal war.(Q. :2 Buddahs)
Viel Spaß.
73 Hans


I´m just a truckle, but I don´t like to truckle. ( Prokop; Unterschenkel )
der glatte und MHL-er haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#460

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 02.01.2014 19:11
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Hans im Beitrag #297
Hi, Gemeinde……
Ein Thema drückt mir noch die Seele , ganz am Anfang dieses Treath wurde es mal angesprochen, aber irgendwie kamen wir davon ab.
Die Notausstiegschächte und der Katastrophenfall.[...] Schächte: Alle zugeschweißt, vermauert, betoniert….. Stimmt nicht. [...] Bis neulich 73 Hans


Deine Erläuterungen sind sehr interessant. Sie widersprechen aber etwas dem, was ein Obersleutnat Günter BRÜCKE in dem Band « Geisterbahnhöfe » von Heinz KNOBLOCH (« Stadtmitte umsteigen », ein für die DDR erstaunliches Buch; weckt gefährliche Neugierden ) zu Prtokoll gegeben hat, p. 82

«Der Bahnhof Unter den Linden ist ja ähnlich dem Potsdamer Platz oberirdisch geschleift worden. Es war kein einziger Eingang mehr zu erkennen. War denn damit die notwendige Sicherheit im Havariefalle gegeben, funktionierten denn die Notausstiege noch?

Mit den Notausgängen war das auch so eine Sache. Die waren von Anfang an alle verplombt, aber später wurden sie eben auch zugeschweißt. Sie waren somit weder von innen noch von außen zu öffnen. Das heißt, im Havariefall, etwa bei einem Feuer, waren alle auf die eine Tür angewiesen, die in jedem Bahnhof belassen wurde. Und beim Bahnhof Unter den Linden war's ja nun ganz schlimm. Denn da hatte man alles geschleift, bis auf diese eine Luke unter dem Postenhäuschen, die- nur über eine schmale Leiter zu erreichen war. Da hätte man auf jeden Fall Probleme bekommen.»

Für mich ist es befremdlich, dass ein hoher Militär etwas sagt, was ihm zur Last gelegt werden kann. Das Buch ist 1992 das erste Mal aufgelegt worden. Damals waren die Ressentiments gegenüber den Militärs von den Grenztruppen noch sehr stark.

Deine Darlegungen scheinen mir glaubhaft, denn die DDR riskierte sicherlich nicht negative Schlagzeilen im Falle einer Katastrophe. Die Medien in der DDR haben von der Katastrophe im King's Cross geschrieben*.

Ich möchte Deine Sichtweise gern zitieren**, so :
«Hans (username),. Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn. In Leben an der Berliner Mauer October 14 2013, from Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn (15); 02/01/2014, 17:53.» Im Text verweise ich darauf, dass Du Polizeioffizier der Transport-Polizei der DDR warst.

Danke für eine Antwort / Kommentar.
Stringer49


------------------------------------------- notes -----------------------------------------
* HAUPT Klaus : Betonwände barsten in King's Cross. Bislang schwerste Brandkatastrophe in Londoner U-Bahn / Ursachen noch ungeklärt. In: Neues Deutschland, Ausgabe B: no 273, 20.11.1987, p. 5
** APA style, scheint mir die korrekteste Form der Zitation zu sein


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


Hans hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 02.01.2014 19:12 | nach oben springen


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