#2661

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 03.12.2014 18:31
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #2659
Das DR-Zugabfertigungspersonal musste über den DR-Diensteingang in den Westteil des Bhf. Friedrichstraße und von dort mit der Nord-Südbahn bis zum Bahnhof Wollankstraße fahren, um zu ihrer Arbeitsstelle zu kommen.


Auf der Internetseite http://www.stadtschnellbahn-berlin.de/ba...hof.php?bhf=511 steht aber folgendes:

Die auf dem Bahnhof diensttuenden Mitarbeiter der Deutschen Reichsbahn sind Westberliner.

Oder bezieht sich dass von Dir beschriebene Prozedere auf die Zeit nach 1984, als die S-Bahn von der BVG übernommen worden war, der Bahnhog Wollankstraße aber weiterhin von der Reichsbahn betrieben wurde?

Gruss

icke



nach oben springen

#2662

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 03.12.2014 18:44
von eisenringtheo | 9.170 Beiträge

Zitat von icke46 im Beitrag #2661
(..)

Oder bezieht sich dass von Dir beschriebene Prozedere auf die Zeit nach 1984, als die S-Bahn von der BVG übernommen worden war, der Bahnhof Wollankstraße aber weiterhin von der Reichsbahn betrieben wurde?

Gruss

icke


Ja, es steht dort
Die BVG nahm (ebenfalls nach Sanierung der Nordbahnstrecke) am 1. Oktober 1984 den S-Bahnverkehr wieder bis nach Frohnau auf. Auf den Zügen saßen nun nur noch Westberliner BVG-Triebwagenführer. Da der S-Bahnhof aufgrund seiner geographischen Lage weiterhin zu Ostberlin zählte und damit im Verantwortungsbereich der DR, setzte diese hier nun Ostberliner Eisenbahner der Dienststelle Friedrichstraße ein. Sechs von ihnen waren ehemalige Triebwagenführer des aufgelassenen S-Bahnbetriebswerkes Nordbahnhof. Einer der Gründe hierfür war u.a. der vorhandene Besitz der zur Dienstreise benötigten Paßdokumente.
Theo


Kalubke hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#2663

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 03.12.2014 18:46
von Kalubke | 2.294 Beiträge

Ich meine die Zugabfertiger auf den Bahnhöfen der Westlinien, die im Osten lagen und vom Westen aus betreten werden konnten. Das war DR-Personal. Laut der Westberlinerin A. Damerow, waren es auch in der zweiten Hälfte der 80'er Ostberliner. Sie war mit einem von ihnen näher bekannt und traf sich ab und zu auf ein Käffchen in seiner Zugabfertigerbude auf dem Bhf.Wollankstraße. Ihr Buch ist wirklich lesenswert. Eine skurrile Ost/West-Geschichte.

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 03.12.2014 18:47 | nach oben springen

#2664

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 03.12.2014 18:52
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Bei der DR in West-Berlin gab es West-Berliner Reichsbahn-Angestellte und Ost-Berliner und "richtige" DDRler. (vom BW Magdeburg und Wittenberge z.B.) So freihändig ist es schwer zu sagen, ob die Aufsicht in Wollankstr. nun unbedingt aus Ost-Berlin oder West-Berlin kam. Nur DR darf man voraussetzen. Auf so einem besonderen Bahnhof würde ich jedenfalls jemanden geprüft Linientreuen erwarten.

Gleich östlich des Bahnhofs soll noch in den Achtzigern ein Flüchtling im Hinterhof nahe der Bahnböschung erschossen worden sein.

Zitat
In den Tagesmeldungen der Grenztruppen wurde der Vorfall so beschrieben:

Am 1.12.1984 3.18 Uhr,Festnahme des Schmidt,Michael Horst,geb 20.10.1964,wohnhaft :Schwanebeck,Beruf-Zimmermann
durch Gt der DDR,Postenführer Unteroffizier Udo W.Posten Soldat Uwe H.im Abschnitt 400m nordwestlich Wollankstrasse,Stadtbezirk Berlin Pankow mit Anwendung der Schusswaffe und Verletzung des Grenzverletzers.

Der Grenzverletzer bewegte sich aus Tichtung Schulzestrasse zur Hinterlandsicherungsmauer,überwand diese mittels
einer Holzleiter.Mit einer weiteren Holzleiter bewegte er sich weiter,überwand den Grenzsignalzaun,welcher auslöste
und bewegte sich weiter in Richtung Grenzmauer.

Der Grenzverletzer wurde beim Überwinden der Hinterlandsicherungsmauer durch den 200m entfernten auf einem B Turm
eingesetzten Grenzposten festgestellt.Es erfolgte Anruf und Warnschuss,worauf der Grenzverletzer sein Tempo erhöhte,
darauf wurde gezieltes Feuer geschossen.
Nach leisten der ersten Hilfe erfolgte der Abtransport des Grenzverletzters 04.11 Uhr zum VP-Krankenhaus.

Gegner: Seit 03.40 Uhr wurde eine Streife der WB-Polizei,1 Streife des Grenzzolldienstes und 2 Angehörige der französichen Armee auf dem Podest gegenüber dem Handlungsort festgestellt.



Einer von Vielen, der Tod des Michael Schmidt


zuletzt bearbeitet 03.12.2014 18:57 | nach oben springen

#2665

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 03.12.2014 21:13
von Kalubke | 2.294 Beiträge

Ja, von dem Fluchtversuch war im Buch von A. Damerow auch die Rede. Sie war Ohrenzeugin, hat die Schüsse gehört, als sie sich in der Wohnung ihres Kommilitonen in der Wollankstraße 100 aufhielt. Das ist das Haus auf Westberliner Seite, direkt gegenüber dem B-Turm, der auf dem schon zu Ostberlin gehörenden Grundstück Nr.101 stand. Vor dem südlichen Brückenwiderlager der S-Bahnüberführung wurde dann ein Mahnkreuz aufgestellt, was aber nach der Wende verschwand. Da stand noch "UNBEKANNT, erschossen 1.12.84" drauf. Sie schrieb, dass er sich bereits auf dem Bahndamm befand, nach dem er beide Grenzmauern überwunden hat. Laut GT-Meldung hat er sich noch zwischen den Mauern befunden. Schwer zu sagen wie es wirklich war. Die Frage ist wo der Podest gegenüber dem Handlungsort gewesen sein soll. Da war der Bahndamm und auf beiden Seiten Gebäudefronten. Die S-Bahnunterführung Wollankstraße war komplett zugemauert und zwar genau vor der von @Hans erwähnten Blechtür. Ich lese gerade 400 m NW Wollankstraße, dass muss schon an der Wilhelm-Kuhr Straße gewesen sein, dort wo die Grenze einen Knick macht und von da ab die Bahnanlagen auf Westberliner Gebiet verlaufen. Dann hat der Podest vielleicht an der Hugo-Heimann Brücke, da wo die Nordbahnstraße über die Panke geht, gestanden. Dort läuft auch der Bahndamm aus und die Gleise verlaufen ebenerdig.

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 03.12.2014 21:27 | nach oben springen

#2666

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 03.12.2014 22:32
von der glatte | 1.356 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #2660
Zitat von der glatte im Beitrag #2657

...

Ich will ja nicht meckern, aber Quellenangaben zu den Fotos (Urheber) wären hier schon angebracht. Gibt ja immer wieder Ärger damit und kann teuer werden.
..
Gruß Reiner


Lieber Reiner,

die Farbfotos sind meine eigenen. Die SW-Bilder stammen von der website "Denkmallandschaften Berliner Mauer" und sind Aufnahmen einer Fotodukumentation des KGT. Das KGT wird als Körperschaft wohl kaum noch existieren und irgendwelche Urheberrechte geltend machen. Die Fotos sind von Steuergeldern der ehem. DDR-Bürger bezahlt und somit Allgemeingut. Kennt Ihr das höchste Lob des Berliners? "Da kann man nicht meckern!"

Gruß Kalubke



War doch kein Meckern von mir, nur als Hinweis gedacht! Ist ja nun geklärt.

Ja die s/w Fotos geistern schon überall herum aber wenn es nun nach Deiner Meinung "Allgemeingut" geworden ist.

Wenn es nicht mehr der Urheber ist, dann gibt es aber sicherlich einen Inhaber der die Rechte am Bild besitzt. Oder steht auf der genannten Internetseite, dass dort alle Fotos "Frei" sind? Wohl eher nicht. Stelle Dir das mit den Rechten nicht so leicht vor. Gehe da lieber auf Nummer sicher.

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


Kalubke hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#2667

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 03.12.2014 22:48
von der glatte | 1.356 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #2663
Ich meine die Zugabfertiger auf den Bahnhöfen der Westlinien, die im Osten lagen und vom Westen aus betreten werden konnten. Das war DR-Personal. Laut der Westberlinerin A. Damerow, waren es auch in der zweiten Hälfte der 80'er Ostberliner. Sie war mit einem von ihnen näher bekannt und traf sich ab und zu auf ein Käffchen in seiner Zugabfertigerbude auf dem Bhf.Wollankstraße. Ihr Buch ist wirklich lesenswert. Eine skurrile Ost/West-Geschichte.

Gruß Kalubke


Also ein Bahnhof mit Agentenschleuse, scharf bewacht ohnehin, öfters soll dort einer erschossen worden sein, gut durchleuchtete Bedienstete, natürlich 120% ig SED überzeugt und dann Sonntagsnachmittags-Kaffeekränzchen in der Zugabfertigungsbude der Reichsbahn mit einer Westberlinerin?

Mein Urteil: FILMREIF

Lese doch einmal was Du darüber hier schon selbst geschrieben hast? Und das passt nun alles so zusammen? Aber bitte ist Deine Meinung dazu.

Ich glaube Dir gern, dass die Westberlinerin eine lesenswerte und unterhaltsame Geschichte erzählt hat. Mehr aber nicht!

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


nach oben springen

#2668

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 03.12.2014 23:12
von der glatte | 1.356 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #2664
Bei der DR in West-Berlin gab es West-Berliner Reichsbahn-Angestellte und Ost-Berliner und "richtige" DDRler. (vom BW Magdeburg und Wittenberge z.B.) So freihändig ist es schwer zu sagen, ob die Aufsicht in Wollankstr. nun unbedingt aus Ost-Berlin oder West-Berlin kam. Nur DR darf man voraussetzen. Auf so einem besonderen Bahnhof würde ich jedenfalls jemanden geprüft Linientreuen erwarten.

Gleich östlich des Bahnhofs soll noch in den Achtzigern ein Flüchtling im Hinterhof nahe der Bahnböschung erschossen worden sein.

Zitat
In den Tagesmeldungen der Grenztruppen wurde der Vorfall so beschrieben:

Am 1.12.1984 3.18 Uhr,Festnahme des Schmidt,Michael Horst,geb 20.10.1964,wohnhaft :Schwanebeck,Beruf-Zimmermann
durch Gt der DDR,Postenführer Unteroffizier Udo W.Posten Soldat Uwe H.im Abschnitt 400m nordwestlich Wollankstrasse,Stadtbezirk Berlin Pankow mit Anwendung der Schusswaffe und Verletzung des Grenzverletzers.

Der Grenzverletzer bewegte sich aus Tichtung Schulzestrasse zur Hinterlandsicherungsmauer,überwand diese mittels
einer Holzleiter.Mit einer weiteren Holzleiter bewegte er sich weiter,überwand den Grenzsignalzaun,welcher auslöste
und bewegte sich weiter in Richtung Grenzmauer.

Der Grenzverletzer wurde beim Überwinden der Hinterlandsicherungsmauer durch den 200m entfernten auf einem B Turm
eingesetzten Grenzposten festgestellt.Es erfolgte Anruf und Warnschuss,worauf der Grenzverletzer sein Tempo erhöhte,
darauf wurde gezieltes Feuer geschossen.
Nach leisten der ersten Hilfe erfolgte der Abtransport des Grenzverletzters 04.11 Uhr zum VP-Krankenhaus.

Gegner: Seit 03.40 Uhr wurde eine Streife der WB-Polizei,1 Streife des Grenzzolldienstes und 2 Angehörige der französichen Armee auf dem Podest gegenüber dem Handlungsort festgestellt.


Einer von Vielen, der Tod des Michael Schmidt



lila Doch kann man. In der Vereinbarung zu Durchführung des S-Bahnverkehrs in Berlin (West) vom 30. Dezember 1983.

Zum Text der Vereinbarung gab es fünf Protokollvermerke, mündliche Erklärungen und die zu den Protokollen genommenen gegenseitigen Mitteilungen.
Dort heißt es:

Gegenseitige Mitteilungen / Nr. 9

Für den Fall der Wiedereröffnung der Bahnhöfe Friedrichstraße (unten) und Wollankstraße wird die Reichsbahn den Betrieb dort selbst führen.


Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


nach oben springen

#2669

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 03.12.2014 23:13
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Zitat
Mein Urteil: FILMREIF



Der Bahnhof war meistens menschenleer. Die S-Bahn-Züge fuhren oft nur mit einem einzigen Fahrgast, mir. Dass die da Kaffee getrunken haben, glaube ich gern. Dass es dort so absurd war ist nicht unsere Schuld, aber so war es nun mal.


zuletzt bearbeitet 03.12.2014 23:14 | nach oben springen

#2670

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 03.12.2014 23:19
von der glatte | 1.356 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #2669

Zitat
Mein Urteil: FILMREIF


Der Bahnhof war meistens menschenleer. Die S-Bahn-Züge fuhren oft nur mit einem einzigen Fahrgast, mir. Dass die da Kaffee getrunken haben, glaube ich gern. Dass es dort so absurd war ist nicht unsere Schuld, aber so war es nun mal.



Meinst Du nicht, dass gerade dieser Bahnhof und das Personal besonders beobachtet wurde? Meinst Du die Grenzer hätten geschlafen? Nee, das passt doch nicht zusammen. Der Kaffeetrinker mit der Westberlinerin hätte sicherlich nicht sehr lange seinen Dienst gemacht. Außerdem hätte man ja auch die Westberlinerin festnehmen können? Die Frau war ja ständig in Gefahr! Stand ja auch vor dem Bahnhof auf der Westseite geschrieben.

Keiner spricht hier von Schuld!

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


zuletzt bearbeitet 03.12.2014 23:21 | nach oben springen

#2671

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 03.12.2014 23:21
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Für Westler war der Bahnhof öffentlich zugänglich. Da ging man normal rein und raus, man überschritt am Bürgersteig nur die Sektorengrenze. Da aber alles "vor" der Mauer "im Westen" lag, hatte man dort als Westler für die Grenztruppen noch keine große Bedeutung.

Das weiße Schild zeigt die Grenze an.


Erst hinter dem Viadukt war der richtige Todestreifen mit allem drum und dran, parallel zu den Schienen. Nach Osten war alles abgeschottet. Bis auf die legendäre Blechtür.

Ganz links noch das Bahnhofsdach. Grenze ist schon auf. (1990):


EK82I hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 03.12.2014 23:42 | nach oben springen

#2672

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 03.12.2014 23:27
von der glatte | 1.356 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #2671
Für Westler war der Bahnhof öffentlich zugänglich. Da ging man normal rein und raus, man überschritt am Bürgersteig nur die Sektorengrenze. Da aber alles "vor" der Mauer "im Westen" lag, hatte man dort als Westler für die Grenztruppen noch keine große Bedeutung.



Vor der Mauer im Westen war Osten? Musst Du mir etwas näher erklären. Nee, nee, schon klar was Du meinst.

Der Bahnhof war im Ostteil der Stadt und da hatte der Bahnhof keine große Bedeutung? Da wurden ja schon angebliche Tunnel gebaut, auch das war der DDR egal, lag ja vor der Mauer im Westen? Du der Bahnhof wurde mit Sicherheit besser überwacht, als wir beide glauben.

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


nach oben springen

#2673

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 03.12.2014 23:31
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Dass dieser Ort beobachtet wurde, glaube ich gern. Man hat ja manchmal auch so ein Gefühl, "etwas ist hier faul". Das hatte man da auf jeden Fall.


nach oben springen

#2674

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 03.12.2014 23:36
von der glatte | 1.356 Beiträge

Übrigens, wie man ja auch auf den Fotos sehen kann, liegt der Bahnhof ja in keiner Senke, sondern ist gut aus dem Osten zu sehen.

Das Kaffeekränzchen wäre wohl gleich aufgefallen. Aber eventuell finden sich noch einige Fotos zum Kaffeeklatsch der Westberlinerin mit dem 120%igen von der DR. Ich denke die Kameras waren überall?

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


nach oben springen

#2675

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 03.12.2014 23:41
von der glatte | 1.356 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #2673
Dass dieser Ort beobachtet wurde, glaube ich gern. Man hat ja manchmal auch so ein Gefühl, "etwas ist hier faul". Das hatte man da auf jeden Fall.


lila

lag bestimmt am Geruch, der Osten war ja nicht weit und bei Nordostwind. Viele schreiben ja heute schon vom typischen Kellergeruch in Ostberlin. Naja auf dem Bahnhof duftete es ja wenigstens nach frischen Kaffee, den die Westberlinerin gespendet hatte.

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


nach oben springen

#2676

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 03.12.2014 23:44
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Also man hat seinerzeit schonmal einen Kaffee getrunken, auch gelangweilte Aufsichten, so derartig aufregend scheint mir die Behauptung wirklich nicht zu sein. Die S-Bahn in West-Berlin war, jedenfalls zu DR-Zeiten vor der BVG, ein wirklich gemütlicher Verein.


nach oben springen

#2677

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 04.12.2014 00:11
von Kalubke | 2.294 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #2671
Für Westler war der Bahnhof öffentlich zugänglich. Da ging man normal rein und raus, man überschritt am Bürgersteig nur die Sektorengrenze. Da aber alles "vor" der Mauer "im Westen" lag, hatte man dort als Westler für die Grenztruppen noch keine große Bedeutung.

Das weiße Schild zeigt die Grenze an.


Erst hinter dem Viadukt war der richtige Todestreifen mit allem drum und dran, parallel zu den Schienen. Nach Osten war alles abgeschottet. Bis auf die legendäre Blechtür.

Ganz links noch das Bahnhofsdach. Grenze ist schon auf. (1990):




OK, dann trennte also nicht der Bordsten die Welten, sonderm die Türschwelle zum Eingang in die Vorhalle. So genau war das auf der TK 5 nicht zu erkennen. Ham se aber schön blau gestrichen die Bahnhofsfenster, eigentlich genau wie heute. Sah auf jeden Fall besser aus als mancher Bahnhof im Osten damals. Dagegen war die Wollankstraße ein richtiger "Schaufensterbahnhof". Oder war das schon zu Zeiten nach der Übernahme durch die BVG?

Zum Thema Bürgersteig vor dem Bahnhof gab A. Damerow eine amüsante Anekdote zum Besten: Im Winter wenn Schnee lag, kam erst die BSR und streute Splitt. Dann haben die Reichsbahner alles wieder weggekratzt und für Ostberlin typisch rotbraune Asche draufgestreut. Dann kam die BSR und die Sache lief wieder umgekehrt. Ein zäher Abwehrkampf im deutsch/deutschen Winterdienst. Auch interessant und im Bild 1 erkennbar, dass die DR sich ne müde Westmark damit verdient hat, dass Plakatierfirmen ihre Werbeplakate an der schon zum Osten gehörenden Klinkermauer des Viaduktes anbringen durften. Vielleicht hat es hier auch wochenlange zähe Verhandlungen gegeben.

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 04.12.2014 00:20 | nach oben springen

#2678

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 04.12.2014 00:34
von Kalubke | 2.294 Beiträge

Zitat von der glatte im Beitrag #2674
Übrigens, wie man ja auch auf den Fotos sehen kann, liegt der Bahnhof ja in keiner Senke, sondern ist gut aus dem Osten zu sehen.

Das Kaffeekränzchen wäre wohl gleich aufgefallen. Aber eventuell finden sich noch einige Fotos zum Kaffeeklatsch der Westberlinerin mit dem 120%igen von der DR. Ich denke die Kameras waren überall?

Gruß Reiner


Ich weiß nicht, ob die Grenzer den Job hatten, das DR-Personal auf dem Bahnsteig mit zu bewachen. Glaube ich eher nicht. Und über die DR-Dienstvorschriften werden sie nicht im Detail Bescheid gewußt haben. Ich glaube die älteren Bahner, die Berlin noch aus Zeiten vor der Mauer kannten waren da bestimmt cooler. Ganz im Gegenteil, Damerow schrieb, dass es unter den DR-Bediensteten möglicherwise auch IMV gegeben hat, welche die eigentlich verbotenen Pauseneinkaufsausflüge in den Westen für Kurieraktivitäten nutzen. Sie selbst hat mal beobachtet, wie einer aus dem Bahnhofseingang kam und auf der gegenüberliegenden Seite der Nordbahnstraße am Rand eines Papierkorbes nach einem Belegungszeichen getastet hat. Anschließend verschwand er in einer Seitenstraße (wahrscheinlich die Kattegattstraße) in einem Lotto- oder Zigarettenladen. Dort fand dann die Materialübergabe statt, das er auf dem Rückweg mit in den Osten nahm. Am Bhf. Friedrichstraße hat er das dann sicher an den eigentlichen Adressaten ausgehändigt. Wo das MfS selbst aktiv war hat es sicher dafür gesorgt, dass da im Niemandsland entsprechende Voraussetzungen geschaffen wurden. Selbst wenn die so aussahen, dass die DR-Schaffner dort relative Narrenfreiheit hatten. Wenn man ihr Buch liest, dann hat man nicht den Eindrück, dass das alles aus den Fingern gesogen ist. Immerhin hatte sie durch unglückliche Verstrickungen Ärger mit mehreren Geheimdiensten. Wie gasagt lesen lohnt sich, will nicht zuviel verraten.

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 04.12.2014 00:41 | nach oben springen

#2679

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 04.12.2014 00:39
von der glatte | 1.356 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #2677
Zitat von Harzwanderer im Beitrag #2671
Für Westler war der Bahnhof öffentlich zugänglich. Da ging man normal rein und raus, man überschritt am Bürgersteig nur die Sektorengrenze. Da aber alles "vor" der Mauer "im Westen" lag, hatte man dort als Westler für die Grenztruppen noch keine große Bedeutung.

Das weiße Schild zeigt die Grenze an.


Erst hinter dem Viadukt war der richtige Todestreifen mit allem drum und dran, parallel zu den Schienen. Nach Osten war alles abgeschottet. Bis auf die legendäre Blechtür.

Ganz links noch das Bahnhofsdach. Grenze ist schon auf. (1990):




OK, dann trennte also nicht der Bordsten die Welten, sonderm die Türschwelle zum Eingang in die Vorhalle. So genau war das auf der TK 5 nicht zu erkennen. Ham se aber schön blau gestrichen die Bahnhofsfenster, eigentlich genau wie heute. Sah auf jeden Fall besser aus als mancher Bahnhof im Osten damals. Dagegen war die Wollankstraße ein richtiger "Schaufensterbahnhof". Oder war das schon zu Zeiten nach der Übernahme durch die BVG?

Zum Thema Bürgersteig vor dem Bahnhof gab A. Damerow eine amüsante Anekdote zum Besten: Im Winter wenn Schnee lag, kam erst die BSR und streute Splitt. Dann haben die Reichsbahner alles wieder weggekratzt und für Ostberlin typisch rotbraune Asche draufgestreut. Dann kam die BSR und die Sache lief wieder umgekehrt. Ein zäher Abwehrkampf im deutsch/deutschen Winterdienst. Auch interessant und im Bild 1 erkennbar, dass die DR sich ne müde Westmark damit verdient hat, dass Plakatierfirmen ihre Werbeplakate an der schon zum Osten gehörenden Klinkermauer des Viaduktes anbringen durften. Vielleicht hat es hier auch wochenlange zähe Verhandlungen gegeben.

Gruß Kalubke


lila Bemerkst Du nicht das es hier einen Korken gibt?
Oben stellst Du noch klar oder räumst ein, dass nicht der Bordstein sondern die Türschwelle, was ja auch richtig ist, die "Welten" trennte. Und dann tischst Du hier wieder eine Geschichte der Dame Damerow auf und erzählst uns vom Streit der DR und BSR um das Streugut auf einem noch vorher klaren Westgehweg. Was hatten dort die Leute der DR im Westen zu schaffen? Mit Verlaub, aber die Dame scheint da etwas schräg rüberzukommen.

Auch wenn bald Weihnachten ist und bei aller Liebe. N8

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


nach oben springen

#2680

RE: Geisterbahnhöfe in der Berliner S- und U-Bahn

in Leben an der Berliner Mauer 04.12.2014 00:48
von der glatte | 1.356 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #2678
Zitat von der glatte im Beitrag #2674
Übrigens, wie man ja auch auf den Fotos sehen kann, liegt der Bahnhof ja in keiner Senke, sondern ist gut aus dem Osten zu sehen.

Das Kaffeekränzchen wäre wohl gleich aufgefallen. Aber eventuell finden sich noch einige Fotos zum Kaffeeklatsch der Westberlinerin mit dem 120%igen von der DR. Ich denke die Kameras waren überall?

Gruß Reiner


Ich weiß nicht, ob die Grenzer den Job hatten, das DR-Personal auf dem Bahnsteig mit zu bewachen. Glaube ich eher nicht. Und über die DR-Dienstvorschriften werden sie nicht im Detail Bescheid gewußt haben. Ich glaube die älteren Bahner, die Berlin noch aus Zeiten vor der Mauer kannten waren da bestimmt cooler. Ganz im Gegenteil, Damerow schrieb, dass es unter den DR-Bediensteten möglicherwise auch IMV gegeben hat, welche die eigentlich verbotenen Pauseneinkaufsausflüge in den Westen für Kurieraktivitäten nutzen. Sie selbst hat mal beobachtet, wie einer aus dem Bahnhofseingang kam und auf der gegenüberliegenden Seite der Nordbahnstraße am Rand eines Papierkorbes nach einem Belegungszeichen getastet hat. Anschließend verschwand er in einer Seitenstraße (wahrscheinlich die Kattegattstraße) in einem Lotto- oder Zigarettenladen. Dort fand dann die Materialübergabe statt, das er auf dem Rückweg mit in den Osten nahm. Am Bhf. Friedrichstraße hat er das dann sicher an den eigentlichen Adressaten ausgehändigt. Wo das MfS selbst aktiv war hat es sicher dafür gesorgt, dass da im Niemandsland entsprechende Voraussetzungen geschaffen wurden. Selbst wenn die so aussahen, dass die DR-Schaffner dort relative Narrenfreiheit hatten. Wenn man ihr Buch liest, dann hat man nicht den Eindrück, dass das alles aus den Fingern gesogen ist. Immerhin hatte sie durch unglückliche Verstrickungen Ärger mit mehreren Geheimdiensten. Wie gasagt lesen lohnt sich, will nicht zuviel verraten.

Gruß Kalubke



Oh Gott, die Dame wird mir ja richtig sympatisch. Na, lesen werde ich das Buch. Ich schaue mich da einmal um, wo man es bekommen kann, das ist mir das Geld schon wert.

Anschließend werde ich es hier öffentlich verschenken. Versprochen.

Gruß und nochmals N8 von Reiner


ACRITER ET FIDELITER


nach oben springen


Ähnliche Themen Antworten/Neu Letzter Beitrag⁄Zugriffe
Eigene vorübergehende Festnahme in der S-Bahn (bei Potsdam)
Erstellt im Forum Mein Leben als DDR Grenzsoldat von Cambrino
11 26.07.2016 00:40goto
von StabsfeldKoenig • Zugriffe: 1524
"Salut, Roter Oktober!" oder: Wie man preiswert nach Berlin kam
Erstellt im Forum Leben in der DDR von Thüringerin
33 29.12.2014 18:50goto
von Freienhagener • Zugriffe: 1889
Brandanschlage auf Bahnanlagen in Berlin
Erstellt im Forum Themen vom Tage von GZB1
50 05.11.2011 08:34goto
von Stabsfähnrich • Zugriffe: 3156
Frage zum Transitverkehr per Bahn und zum Tagesaufenthalt in Berlin (Ost)
Erstellt im Forum Fragen und Antworten zur Berliner Mauer von mabebi0608
25 23.10.2013 16:59goto
von West_Tourist • Zugriffe: 5690
Die S-Bahn-Fahrkarte in die Freiheit
Erstellt im Forum Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer von Angelo
3 30.08.2010 08:51goto
von Zaunkönig • Zugriffe: 3710
Berliner Geisterbahnhof S-Bahnhof Potsdamer Platz - November 1989
Erstellt im Forum Leben an der Berliner Mauer von Angelo
14 04.02.2014 20:13goto
von rei • Zugriffe: 5320
Eine Fahrt mit der Berliner U-Bahn durch die Geisterbahnhöfe von Ost berlin
Erstellt im Forum Videos und Filme der ehemaligen Innerdeutschen Grenze von Angelo
29 22.09.2011 15:57goto
von StabsfeldKoenig • Zugriffe: 22408
Eine Fahrt mit der West-Berliner S-Bahn entlang der Mauer 1990 Teil 2
Erstellt im Forum Videos und Filme der ehemaligen Innerdeutschen Grenze von Angelo
3 27.04.2009 08:40goto
von Grete85 • Zugriffe: 3891

Besucher
1 Mitglied und 21 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: loryglory
Besucherzähler
Heute waren 368 Gäste und 24 Mitglieder, gestern 3611 Gäste und 206 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14366 Themen und 557712 Beiträge.

Heute waren 24 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen