#161

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 29.08.2013 13:13
von Gelöschtes Mitglied
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@Nomex - danke für die Bildergalerie. Da kommen wieder alte Erinnerungen hoch. Das ich als gebürtiger Norddeutscher einmal so eine Beziehung und Bindung zum Bergbau entwickeln würde, hätte ich nie gedacht. Ich möchte diese Zeit niemals missen. Unvergessen dabei auch die Einfahrten in die polnischen Gruben von Moszcenica und Boryna - bis vor in den Querstreb, wo die Schremmaschinen die Steinkohle aus dem Flöz frästen. Die größte Teufe war bei mir über 800 Meter. Und viele andere schöne und erlebnisreiche Stunden, die man nie vergißt.

Dein vorhergehenden Beitrag rief auch bei mir weitere Erinnerungen wach. U.a. der Fanfarenzug. Hoyerswerda war ja schon bekannt mit seinem Fanfarenzug und uns im Kombinat stach das ein wenig in der Nase. Ihr seid wirklich gut gewesen und man war stolz auf euch. Zum Hoyerswerd´schen Fanfarenzug hatte man nicht diese Bindung. Hoyerswerdas Verantwortliche, liehen sich aber oftmals das Bergmannsblasorchester Schwarze Pumpe für bestimmte Anlässe aus.
Dazu habe ich auch noch eine Episode aus dem Jahr 1979 - Nationales Jugendfestival vom 1. - 3. Juni 1979 in Berlin.
Der Kohle-und Energiebezirk Cottbus zeigt auch äußerlich Präsenz, denn die Teilnehmer trugen Blauhemd und Bergmannsehrenkleid. Auch die 500 FDJ-ler aus dem Stammbetrieb. Bei den Temperaturen damals nicht angenehm mit Präsent 20-Kleidung.
Die Pump´sche Delegation war in einer Schule in Berlin-Weißensee untergebracht und präsentierte sich auch mit ihrem Programm am Weißensee. Zu der Abendveranstaltung im Kulturhaus Weißensee fuhr bereits am Vormittag eine Abordnung unter Leitung des GD nach Berlin. Erst in die Unterbringung und anschließend an den Weißensee. Ich hoffte auch meinen Bruder kurz zu treffen, der in Berlin-Weißensee wohnt. Aber der war mit dem FDJ-Block des MfS auch unterwegs.
In der Parkanalage des Weißensee hatte das Bergmannsblasorchester seinen großen Nachmittagauftritt und nahm dann auch an der Abendveranstaltung im Kulturhaus teil. Es wurde ein schöner kultureller Abend, der auch bei den Gastgebern, den anwesenden Bürgern von Berlin-Weißensee große Resonanz fand.
Wie üblich, wenn Bergleute eine Feier beenden, wurde vom Orchester das Steigerlied angespielt. Alle Pump´schen erhoben sich zur Verwunderung der anwesenden Berliner schlagartig von ihren Plätzen und stimmten aus vollster Brust mit ein. Den damaligen stellv. Vorsitzenden des KV IG Bergbau / Energie, Vikto St. hielt es nun auch nicht mehr. Er nahm dem Dirigenten den Taktstock ab und übernahm somit das Orchester und sang mit voller Innbrunst mit.
Anschließend gab es stürmischen Applaus von den Berlinern, denn so etwas hatten sie noch nicht erlebt. Das war Pumpe, eine verschworene Gemeinschaft, wo bergmännischer Geist und bergmännische Solidarität, immer mit vorne an standen.

Glück auf !
Vierkrug


Nomex und Kurt haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#162

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 29.08.2013 13:18
von Lutze | 8.034 Beiträge

viele haben durch das Braunkohlewerk ihre Heimat verloren,
darüber wird wenig geschrieben
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#163

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 29.08.2013 13:58
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Lutze im Beitrag #162
viele haben durch das Braunkohlewerk ihre Heimat verloren,
darüber wird wenig geschrieben
Lutze


Na dann untersetze mal Deine Behauptung und benenne Beispiele !!! Oder willst Du nur den Gedankenaustausch stören ???
BKW´s - Braunkohlenwerke gab es sehr viele in der damaligen DDR.

Vierkrug


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zuletzt bearbeitet 29.08.2013 14:11 | nach oben springen

#164

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 29.08.2013 14:20
von Lutze | 8.034 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #163
Zitat von Lutze im Beitrag #162
viele haben durch das Braunkohlewerk ihre Heimat verloren,
darüber wird wenig geschrieben
Lutze


Na dann untersetze mal Deine Behauptung und benenne Beispiele !!! Oder willst Du nur den Gedankenaustausch stören ???
BKW´s - Braunkohlenwerke gab es sehr viele in der damlaigen DDR.

Vierkrug

im Vorfeld möchte ich mich für deine Beiträge bedanken,
es mussten viele Leute umziehen,du hast dort gearbeitet,
viele haben ihre Heimat durch den Braunkohleabbau verlohren,
an diese Menschen denke ich,du vielleicht auch?
Lutze


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wer nicht kämpft hat schon verloren
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#165

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 29.08.2013 14:37
von Nomex | 254 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #162
viele haben durch das Braunkohlewerk ihre Heimat verloren,
darüber wird wenig geschrieben
Lutze


Was ist den die Heimat? Ein Begriff http://de.wikipedia.org/wiki/Heimat der viel zu Vielschichtig, Umfassend und Unscharf ist um ihn in einer Argumentation zu verwenden. Daher wird es auch von den Kohlegegnern so gern verwendet bzw. gebetsmühlenartig wiederholt.

Ein "Ort angewendet, in den ein Mensch hineingeboren wird und in dem die frühesten Sozialisationserlebnisse stattfinden". Wenn wir diesem Zweig der Definition mal folgen und uns dann fragen: Wer unter uns und in unserer Familie lebt den noch an genau dem Ort? Ich denke die wenigsten. Wieso ist die Heimat dann so wichtig? Ist sie heute noch so wie sie war als sie für mich, meine Sozialisation wichtig war? Wohl in den wenigsten Fällen.

Oder meinst du etwa Leute wie @Vierkrug der aus seinem schönen Norddeutschland vertrieben wurde um hier Arbeit zu finden. Die Menge derer ist sicher beträchtlich, ich denke um ein vielfaches größer als die der Einwohner umgesiedelter Dörfer zusammen.

Darüber wird wenig geschrieben? Nun ich denke ich habe dazu aus der Sicht eines Betroffenen schon ein paar Ausführungen gemacht.

Was ist für mich Heimat.

Meine Heimat ist eindeutig die Lausitz. Mit ihrer Schönheit wie den endlosen Kiefernwäldern, den Heideflächen, dem Spreewald und vielem anderen. Aber auch mit ihren Narben und Unzulänglichkeiten. Dabei fällt mir gerade ein Lied der hier sehr bekannten Band SIX ein.



Das ist die Heimat die ich über alles liebe und die mich immer wieder prägt. Diese Heimat kann ich nicht verlieren. Ich wäre nur sehr traurig wenn sie wieder in der Bedeutungslosigkeit versinken würde.

Umziehen mussten die Menschen schon immer, sei es nun wegen der Kohle oder wegen der Arbeit. Wie viele Dörfer würde es heute noch geben wenn es Braunkohlenbergbau und Energieerzeugung nicht gegeben hätte? Was wird hier bleiben wenn es die Kohle so wie heute mal nicht mehr gibt?

Schöne Grüße Nomex


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Günther Zieschong: "Mir hätten das System erst mal leasen solln...."
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#166

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 29.08.2013 14:58
von Lutze | 8.034 Beiträge

die Leute hatten keine Heimat in den Braunkohlegebieten,
die Leute tuen mir leid,die umsiedeln mußten
Lutze


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#167

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 29.08.2013 15:13
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Lutze im Beitrag #164
Zitat von Vierkrug im Beitrag #163
Zitat von Lutze im Beitrag #162
viele haben durch das Braunkohlewerk ihre Heimat verloren,
darüber wird wenig geschrieben
Lutze


Na dann untersetze mal Deine Behauptung und benenne Beispiele !!! Oder willst Du nur den Gedankenaustausch stören ???
BKW´s - Braunkohlenwerke gab es sehr viele in der damlaigen DDR.

Vierkrug

im Vorfeld möchte ich mich für deine Beiträge bedanken,
es mussten viele Leute umziehen,du hast dort gearbeitet,
viele haben ihre Heimat durch den Braunkohleabbau verlohren,
an diese Menschen denke ich,du vielleicht auch?
Lutze


@Lutze - vielleicht solltest Du Dir einmal die Überschrift zum Thread durchlesen - es geht hier vordergründig um das Braunkohlenveredelungskombinat Schwarze Pumpe, dass Arbeitsstätte für über 56.000 Menschen in den Kombinatsbetrieben - Braunkohlenveredlung Espenhain/Böhlen, der Großgaserei in Magdenburg, der Steinkohlenkokerei "August Bebel" Zwickau, PKM Anlagenbau Leipzig, Verbundnetz Gas (VNG) Boehlitz-Ehrenberg, dem Ferngasleitungsbau (FGLB) Leipzig-Engelsdorf, Braunkohlenveredlung Lauchhammer, dem Brennstoffinstitut in Freiberg und nicht zuletzt dem Stammbetrieb in Schwarze Pumpe war. Allein für 16.000 Beschäftigte im Stammbetrieb Schwarze Pumpe, die überwiegend in Hoyerswerda wohnten und lebten. Hoyerswerda war ein Schmelztiegel, wo aus unterschiedlichen Gegenden der DDR die Menschen in die Kohle-und Energiewirtschaft kamen. Dementsprechend vielfältig waren auch die Dialekte, die in der Stadt gesprochen wurden.
Wegen Schwarze Pumpe haben Menschen aus anderen Motiven ihr bisheriges Wohnumfeld oder auch ihre bisherige Heimat aufgegeben.

Mußte eine Ortschaft dem Kohleabbau weichen, so ab es dafür die sogenannte Bergbauersatzleistung. Sie berücksichtigte meist die Bedürfnisse der Menschen, die davon betroffen waren. Gelang zu DDR-Zeiten nicht immer.
@Nomex wird es aus eigenem Erleben bestätigen, wie sein ursprünglicher Wohnort vorher ausgesehen hat und was für ein Schmuckstück Kausche heute geworden ist. Ich habe meinem Schwiegersohn (einen im Westen Deutschlands Geborenen )im vergangenem Jahr Kausche gezeigt - er hat nur gestaunt und war der Annahme, dass es sich um Mittel aus dem Solidarfonds dabei gehandelt habe. Ich verneinte es und verwies auf Bergbauersatzleistungen.
@Lutze versuche mal nicht hier einiges zu dramatisieren. Wenn Du uns, @Nomex, @eclipse1983 und meiner Wenigkeit keinen Glauben schenkst, so fahre nach Kausche, Hornow u.a. anderen Orten mit Bergbauersatzleistungen und befrage die Menschen, ob sie wieder zurück wollen in ihr Ursprüngliches. Schaue Dir das Geschaffene an und bilde Dir dann Deine eigene Meinung. Versuche bitte nicht etwas an den Haaren herbeizuziehen, wofür es keinen Anlaß gibt. Ich werde dann darauf keinesfalls mehr antworten. Von solcher Art der Meinungsaustausches halte ich nichts, weil es nichts bringt.

Glück auf !
Vierkrug


Nomex, eclipse1983, Kurt, passport, furry und Wahlhausener haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 29.08.2013 15:52 | nach oben springen

#168

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 29.08.2013 15:17
von Nomex | 254 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #166
die Leute hatten keine Heimat in den Braunkohlegebieten,
die Leute tuen mir leid,die umsiedeln mußten
Lutze


Das musst du mir jetzt mal näher erklären. Viel Leute ziehen um wegen Arbeit , wegen Liebe, wegen Bock auf andere Landschaft, wegen was weiß der Geier. Wohnst du im Haus deiner Frau oder sie in deinem? Wer hat die Heimat verloren? Warum sind nun ausgerechnet die Bergbaubetroffenen so bemitleidenswert?

Gruß Nomex


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Günther Zieschong: "Mir hätten das System erst mal leasen solln...."
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#169

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 29.08.2013 15:27
von Lutze | 8.034 Beiträge

Zitat von Nomex im Beitrag #168
Zitat von Lutze im Beitrag #166
die Leute hatten keine Heimat in den Braunkohlegebieten,
die Leute tuen mir leid,die umsiedeln mußten
Lutze


Das musst du mir jetzt mal näher erklären. Viel Leute ziehen um wegen Arbeit , wegen Liebe, wegen Bock auf andere Landschaft, wegen was weiß der Geier. Wohnst du im Haus deiner Frau oder sie in deinem? Wer hat die Heimat verloren? Warum sind nun ausgerechnet die Bergbaubetroffenen so bemitleidenswert?

Gruß Nomex




kann ja auch die Gegenfrage stellen,
ich wohne in einem Reihenhaus,und dann wegen der Braunkohle wegziehen?,
ich würde das nicht so einfach hinnehmen,oder du?
Lutze


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wer nicht kämpft hat schon verloren
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#170

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 29.08.2013 15:29
von Grenzgänger (gelöscht)
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Lutze,
verbindest du eigene Erlebnisse mit dem Umsiedlungsthema oder ist das nur gefühlt ? (was auch nichts schlechtes ist, aber in gewisser Weise auch gefährlich..)

Ich bin im Geiseltal großgeworden, wohnte dort von 1960 bis (offiziell) 78, falls du die Gegend nicht kennst, google mal unter Geiseltalsee...
War jedenfalls ein gigantischer Kohlenpott spätestens von Anfang des 20. Jahrhunderts an.
Das dumme war nur, dass dort wie an einer Perlenschnur die Orte übergangslos entlang der Geisel aufgereiht waren... unter allen lag ergiebigste Kohle !

Insgesamt sind dort seit den 20er Jahren, hauptsächlich aber in den 50er / 60er Jahren 16 Orte mit insgesamt ca. 12 500 Einwohnern abgebaggert und die Einwohner umgesiedelt worden.
Die meisten der Betroffenen hatten ihre Arbeit "in der Kohle", die genannten Orte bestanden zu einem seht großen Teil aus heruntergekommenen Bruchbuden, die meisten Umgesiedelten haben eine Neubauwohnung in den eigens errichteten Siedlungen in Braunsbedra und Merseburg- Süd bekommen.
Kannst du die vorstellen, was das für die Menschen bedeutet hat ?

Nee, nicht Wut und Trauer über die verlorene Heimat, sondern Riesenfreude über die ferngeheizte Wohnung mit Warmwasser "aus Wand"... und immer noch gabs die Arbeit in der Kohle.

Ich selbst habe als Kind und Jugendlicher noch miterlebt, wie die Stadt Mücheln selbst angeknabbert worden ist (die Ortsteile Möckerling, Zorbau, Zöbigker)- das war schon hart, wenn du siehst, wie die Bagger praktisch in der Stadt stehen..

Übrigens, die Planungen für den jetzigen Geiseltalsee begannen schon in den 20er Jahren.. gab damals schon weitsichtige Menschen..

Heutzutage ist das mit den Umsiedlungen mMn noch angenehmer.. heute gibts noch den berühmten "Zucker in den Ar... geblasen"..
(wird sicher gleich heftigen Widerspruch geben ?)
Es ist zum Geschäft geworden.. ich denke, dass etliche "Heimatliebende" gar nicht so böse über den Verlust derselben sind... VATTENFALL tut jedenfalls alles, um weiterschürfen zu können (das "Schwarze Gold").

Und das ist gut so- denn wie sähe die Lausitz aus, wenn hier nie Kohle gefördert worden wäre oder eben plötzlich nicht mehr gefördert werden würde ?

Ich habs vor paar Tagen erst im Erik Neutsch- Thema geschrieben: "Heimat ist überall"...

Oder wie es der hochverehrte Klaus "Renft" Jentzsch zu seiner Zeit im Westen gesagt hat: "Heimat ? Das ist dort, wo die Rechnungen ankommen"

Siggi


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#171

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 29.08.2013 15:34
von icke46 | 2.593 Beiträge

Das Orte dem Kohlenabbau bzw. dem Stauseebau weichen mussten, ist aber kein DDR-Spezifikum. Das bekannteste Beispiel in den
alten Ländern ist wohl Garzweiler http://de.wikipedia.org/wiki/Garzweiler .

So gesehen passt die Frage von Lutze irgendwie nicht so richtig in diesen Thread - oder man müsste in dem Zusammenhang noch Threads zu Garzweiler, Okerstausee etc. eröffnen.

Gruss

icke



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#172

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 29.08.2013 15:49
von Gelöschtes Mitglied
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Eigentlich wollte ich noch etwas über bergmännische Tradition und bergmännisches Brauchtum schreiben, bevor die Querschläger wieder einmal einschlugen.
Arschleder, Weiberarsch, Mettenschicht u.a. Begriffe sind unmittelbar mit dem Bergbau verbunden, wie auch Weißkaue und Schwarzkaue. Mein Arschleder mit der Symbolik des Gaskombinates und der Unterschrift aller Fach- und Stabsdirektoren erhielt ich zu einem Jahresabschluß im Turmzimmer des Schlosses Reinsberg aus den Händen des GD. Zuvor mußte ich auch wie ein Lehrling darüber springen. Klappte damals noch ganz gut. Anschließend wurde es dann ordentlich eingeweicht.

Steigerbarte, Grubenlampe - auch Symbole des Bergbaues. Überreicht anläßlich der Ernennungen von Dr. G.Sch., Dr. U.Sch. und meiner Wenigkeit zu Obersteiger des polnischen Bergbaus in der Kapelle des Salzbergwerkes von Wieliczka bei Krakow. Ein erhabener Moment, nicht nur durch das Umfeld, auch durch die in ihren Ehrenkleidern anwesenden polnischen Bergleute. Zeremonie ähnlich wie beim Schlag zum Ritter. Nur mit einer anderen Besonderheit - der Segnung durch den Erzbischof von Krakow. Es war das erste Mal, dass ich die kleine Hostie und den Schluck Wein zu mir nahm.
Die Feier fand dann am Abend in einem der zahlreichen Studentenkeller in Krakow - wimre unweit der berühmten Tuchhallen statt. Es Floss reichlich Bergmannstrunk.
Und dann kam die "Rache" des Professors wegen Reinsberg. Wir mußten zu dritt auf der kleinen Bühne nach den Klängen von Modern Talking vortanzen. Es muß ein Anblick für die Bergbaugötter gewesen sein. Jedenfalls tobte die Menge unterhalb der Bühne, wie wir uns dort oben schafften. Anschließend wurde dann der Flüssigkeitsverlust sehr schnell wieder ausgeglichen.
Bei der Rückkehr nach Schwarze Pumpe, gab ich dann den Reisebericht und die restlichen Reisegelder in der Reisestelle ab und wollte dann ganz schnell verschwinden. Klappte nicht, denn der Leiter der Reisestelle verlangte noch eine Erklärung über die Sonderausgaben im Studentenkeller von Krakow. So wurde die ganze Episode noch einmal brühwarm erzählt und machte dann in den Folgestunden die Runde innerhalb der Generaldirektion. Beim Mittagessen grinste mich der Direktor für Ökonomie, Dr. K.-H. T. ganz verschmitzt an und bemerkte nur, hat es Dich in Krakow jetzt auch erwischt. Wir waren also nicht die Ersten, die die Zeremonie im Studentenkeller erlebt hatten. An die Ernennung erinnere ich mich immer wieder gern, der gesamte Rahmen passte irgendwie zusammen. Anbei ein Foto von der Kapelle - man kann es nur erahnen, wenn dort Hunderte von Bergleuten anwesend sind - die Akustik tat ihr Übriges.



Vierkrug


Damals87, Kurt, Nomex und passport haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 29.08.2013 16:08 | nach oben springen

#173

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 29.08.2013 16:12
von Nomex | 254 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #169

kann ja auch die Gegenfrage stellen,
ich wohne in einem Reihenhaus,und dann wegen der Braunkohle wegziehen?,
ich würde das nicht so einfach hinnehmen,oder du?
Lutze


Okay ich bin dann mal vor die Tür gegangen und habe auf die Schnelle ein paar Bilder gemacht.

Das ist Kausche heute:
Forum_IMG_2558
Forum_IMG_2559
Forum_IMG_2561
Forum_IMG_2562
Forum_IMG_2563


Warum soll ich da nicht hinziehen? Die Alternative waren Backsteinbauten aus der Kaiserzeit mit Kachelofen und WC über den Hof.
Kausche hatte immer schon einen hohen Anteil an Mietwohnungen, daher ist es nicht verwunderlich das der Wohnraum hier gefragt ist wie nirgends in der Gegend.

Gruß Nomex


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Günther Zieschong: "Mir hätten das System erst mal leasen solln...."
Kurt hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#174

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 29.08.2013 16:43
von Lutze | 8.034 Beiträge

eine Frage hab ich noch dazu,
seit ihr glücklich mit dem Umzug gewesen?
Lutze


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#175

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 29.08.2013 16:52
von Nomex | 254 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #174
eine Frage hab ich noch dazu,
seit ihr glücklich mit dem Umzug gewesen?
Lutze


Ich persönlich JA, ich kenne auch Viele den geht es genau so. Es gibt auch negative Meinungen weil irgendwas ist ja immer. Alle glücklich machen ist so oder so eine Kunst die niemand kann. Es wird im Leben immer Situationen geben mit denen du nicht glücklich bist. Dann hilft nur noch die Einsicht in die Notwendigkeit.

Gruß Nomex


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Günther Zieschong: "Mir hätten das System erst mal leasen solln...."
Lutze hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#176

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 29.08.2013 18:28
von Gelöschtes Mitglied
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@Grenzgänger - Geiseltal war das Stichwort. Mußte zugleich an Helge Häger denken, die einzige Generaldirektorin in der Kohle-und Energiewirtschaft der DDR. Generaldirektorin des BKK Bitterfeld - respektvoll nur "die eiserne Lady von Bitterfeld" genannt. Eine Frau mit hoher Fach- und Sachkompetenz und einem sagenhaftem Durchsetzungsvermögen. Einige biographische Angaben zur Helge Häger

Geboren in Zabenstedt (Krs. Hettstedt); Vater Bergmann; Grundschule; 1952 – 55 Lehre u. Arbeit als Betriebsschlosser im Lehrkombinat Mücheln; 1955 – 58 Studium an der Berg-Ingenieurschule Senftenberg, Ing. für Kohleveredelung; 1962 Mitglied der SED; 1958/59 Assistent in Brikettfabriken, 1959 – 63 Ltr. der Techn. Kontrollorg. (TKO) im VEB Braunkohlenwerk "Gustav Sobottka" Röblingen, 1963 – 68 TKO-Ltr. der VVB Braunkohle Halle; 1968 – 71 Direktor für Absatz u. Bilanzierung des VEB Braunkohlenkombinat Geiseltal; 1975 – 80 Kombinatsdirektor im Braunkohlenkombinat Geiseltal, ab 1980 GD des VEB Braunkohlekombinat Bitterfeld; 1981 – 89 Mitglied der SED-BL Halle, 1981 – 90 Abgeordnete der Volkskammer.

Ihre nachgeordneten Leiter sprachen von ihr mit Ehrfurcht und zugleich Hochachtung. Ich habe sie bei zwei Leipziger Seminaren und einigen anderen Beratungen erlebt - Respekt.

Vierkrug


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#177

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 29.08.2013 18:58
von Grenzgänger (gelöscht)
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OT:
H. Häger ist mir als Begriff "nicht ungeläufig"- habe aber jetzt kein Bild der "guten Taten" vor Augen
Den vormaligen Direktor des BKW Mücheln (W. Kohl) kannte ich besser... war mit seinem Sohn L. in einer Klasse und deshalb auch öfters bei ihm zuhause.
War für mich als Proletenkind schon eine andere Welt, so mit Haushälterin in der Villa, L. bekam jeden Morgen von ihr eine Schokoladensuppe serviert, weißer Mossi 408 in der Garage...
Aber abgehoben war niemand aus der Familie.. und Neid habe ich zumindest nicht verspürt.

Kennst du das Geiseltal näher, Vierkrug ?
Ich meine... wer vom "Lehrkombinat" schreibt- der legendären Zuckerpipe !

Siggi


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#178

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 29.08.2013 19:54
von Gelöschtes Mitglied
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@Grenzgänger - nein ich kenne Geiseltal nicht näher. Habe eine bzw. zwei Befahrungen mal mitgemacht wimre. Ansonsten waren unsere Anlagen - UGS Bad Lauchstädt / Teutschental ja nicht allzu weit entfernt.
Ich war 1985 mit dem Direktor für Technik des BKK Bitterfeld, Prof. Dr. Bilkenroth jun. im Weiterbildungslehrgang für leitende Kader am ISW (Institut für sozialistische Wirtschaftsführung) der Bergakademie (umgangssprachlich bei uns nur das "Rote Kloster" genannt). War mal eine willkommene Abwechslung für uns - raus aus dem betrieblichem Alltagstreß. Nebenbei in Freiberg ein wenig in alte Studentenkneipen - nicht nur Brauhaus, Tivoli, Erbse usw.. Eine ganz illustere Truppe, denn dazu gehörte noch der Direktor für Technik des BVL Lauchhammer, Hans R., wie auch der Direktor für Ökonomie des Instituts für Energetik Leipzig. Die Löwen auf dem Freiberger Obermarkt waren auf dem Rückweg vor uns nicht sicher.

Vierkrug


zuletzt bearbeitet 29.08.2013 19:55 | nach oben springen

#179

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 29.08.2013 20:03
von DoreHolm | 7.695 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #178
@Grenzgänger - nein ich kenne Geiseltal nicht näher. Habe eine bzw. zwei Befahrungen mal mitgemacht wimre. Ansonsten waren unsere Anlagen - UGS Bad Lauchstädt / Teutschental ja nicht allzu weit entfernt.
Ich war 1985 mit dem Direktor für Technik des BKK Bitterfeld, Prof. Dr. Bilkenroth jun. im Weiterbildungslehrgang für leitende Kader am ISW (Institut für sozialistische Wirtschaftsführung) der Bergakademie (umgangssprachlich bei uns nur das "Rote Kloster" genannt). War mal eine willkommene Abwechslung für uns - raus aus dem betrieblichem Alltagstreß. Nebenbei in Freiberg ein wenig in alte Studentenkneipen - nicht nur Brauhaus, Tivoli, Erbse usw.. Eine ganz illustere Truppe, denn dazu gehörte noch der Direktor für Technik des BVL Lauchhammer, Hans R., wie auch der Direktor für Ökonomie des Instituts für Energetik Leipzig. Die Löwen auf dem Freiberger Obermarkt waren auf dem Rückweg vor uns nicht sicher.

Vierkrug


Kennst Du die "Ofenblase" ? Eine kleine Kneipe in einer Seitengasse vom Erb´schen Tor talwärts. Das Löwenreiten war verboten, wenn ich richtig informiert bin, also nicht erwischen lassen. Das muß schon für die alten Studenten aus dem 19.Jahrhundert ein Gaudi gewesen sein. Kenne FG recht gut, da meine Ex von dort stammt.



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#180

RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute

in Leben in der DDR 29.08.2013 21:01
von Gelöschtes Mitglied
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@DoreHolm - die "Ofenblase", da fallen mir alle meine Sünden ein.
Das Löwenreiten war verboten, aber gerade deswegen wurde es vollzogen, um dann diese Ordnungswidrigkeit von der VP auch schriftlich bestätigt zu bekommen. Irgendwann muß es dem VPKA Freiberg zu blöd gewesen sein, dort einen Posten zu positionieren und es wurde, wie ich erfahren habe dann zum Schluß auch kein Ordnungswidrigkeitengeld mehr kassiert und kein Beleg mehr dafür ausgehändigt.
Wenn wir mal ganz brav waren, dann gingen wir ins Cafe Hartmann und benahmen uns so, wie man es von den Kursanten seitens der
Institutsleitung erwartete.

Vierkrug


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