#1

Wildtiere und Jagdausübung im Grenzstreifen

in Grenztruppen der DDR 17.07.2013 01:44
von Wossi EK 83 1 | 59 Beiträge

An verschiedenen Stellen im Forum DDR Grenze wurde schon über die Beobachtung von Schalenwild ( unfällen) während des Grenzdienstes berichtet.
Welche Schalenwildarten kamen im Grenzstreifen vor? Rotwild ? Schwarzwild ? Rehwild ? Muffelwild ? Fuchs, Dachs und Hase?
Sind im Grenzdienst mal Abwurfstangen vom Rothirsch bzw. Gehörne vom Rehbock gefunden worden?

Beim Bau der Grenzsicherungsanlagen sind sicher zahlreiche Wildtiere eingezäunt worden, die haben dann die Ruhe und Abgeschiedenheit auch bestimmt genossen.

Durften höhere Dienstgrade im Grenzstreifen die Jagd ausüben? Ich hatte zwar mehrfach den Zutritt zum Grenzstreifen im früheren Kreis Bad Salzungen, habe aber selbst nie jagdliche Einrichtungen ( Hochsitze, Kanzeln mit Dach ) dort gesehen. Okay, ich gebe zu, ich hatte mich natürlich vorrangig um meine Waldarbeiter und die forstlichen Aufgaben zu kümmern, Entdeckungstouren waren kaum möglich.

Eine Schußabgabe mit der Jagdwaffe wäre meiner Einschätzung nach nicht ganz unproblematisch gewesen, da hätte es bestimmt Irritationen/ Rückfragen gegeben.

In meiner früheren Oberförsterei Vacha ( mit Sitz am Holzausformungsplatz Dorndorf ) habe ich mehrfach kapitale Rehbocktrophäen, erlegt im Grenzstreifen, persönlich gesehen. Das waren dann schon fast sibirische Rekordböcke.

Bekannt ist, Trophäenträger brauchen genügend Äsung, Einstände und Ruhe. Letzteres hatten sie ja im Grenzstreifen genug.
Fuchs, Dachs, Hase und Marder sollten auch häufig zu sehen gewesen sein, ebenso Greifvögel.

Heute hat das " Grüne Band " ja naturschutzfachlich ( ornithologisch ) einen hohen ökologischen Wert.

Welche Wildbeobachtungen/ Wildbegegnungen hat es im Grenzdienst gegeben?
Ist auch mal ein Stück Wildbret in der Kompanieküche gelandet? Oder gab es dann Weihnachtsbraten für die eingesetzten Hunde?

Noch ein Paar Worte zur Jagdausübung im früheren Grenzkreis Bad Salzungen. Ich legte die Jagdprüfung 1986 im Rahmen meines Forststudiums erfolgreich ab, ab August 1986 war ich dann Jäger in der Jagdgesellschaft Stadtlengsfeld, Jagdgruppe Hohleborn. Als Gegenleistung wurde ich zeitgleich Helfer der VP und lief gelegentlich mit meinem ABV Nachtstreife in Bad Salzungen.

Ich persönlich konnte nur eine staatliche Waffe in Langenfeld bei meinem Jagdleiter ausleihen. Jeden Dienstag und Freitag war Waffenausgabe, am liebsten war mir natürlich eine Jagdwaffe ( Doppelflinte ) über das Wochenende. Dazu gab es jeweils 6 Schrotpatronen ( Kaliber 12 ) und Flintenlaufgeschosse ( Brenneke ).
Jeder abgegebene Schuß musste genau angegeben werden. An eine persönliche Jagdwaffe ( auf Antrag ) war damals gar nicht zu denken, aber Jagdkollegen haben es doch immer wieder versucht.

Wir hatten bis 1989 8 staatliche Jagdwaffen, darunter nur eine Kugelwaffe, waren aber im Jagdkollektiv insgesamt 15 Jäger.
So mancher ersehnter Jagdansitz bei Vollmond (= Schweinesonne ) und Schnee wurde dann leider nichts, so blieb dann mehr Zeit für Familie und Sport.

Waidmanns Heil sagt/ schreibt WOSSI EK 83 1

P.S. Die Weiber und die warmen Betten, die tun so manchem Bock das Leben retten!


ulei mendhausen hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#2

RE: Wildtiere und Jagdausübung im Grenzstreifen

in Grenztruppen der DDR 17.07.2013 10:31
von 80er | 565 Beiträge

Zitat von Wossi EK 83 1 im Beitrag #1
[...] am liebsten war mir natürlich eine Jagdwaffe ( Doppelflinte ) über das Wochenende. Dazu gab es jeweils 6 Schrotpatronen ( Kaliber 12 ) und Flintenlaufgeschosse ( Brenneke ).[...]

Frage auch an andere Jäger hier im Forum:

Dürfen FLG (z.B. Brenneke) grundsätzlich aus allen Flintenläufen verschossen werden, oder müssen die dafür geeigneten Läufe besonders gekennzeichnet sein?


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#3

RE: Wildtiere und Jagdausübung im Grenzstreifen

in Grenztruppen der DDR 17.07.2013 15:00
von Rotti | 83 Beiträge

Hallo Wossi,

zu Deinen Fragen einmal folgende kurze Antworten - nach 25 Jahren aus dem Gedächtniss - Gebiet Harz 2. Batallion

Welche Schalenwildarten kamen im Grenzstreifen vor?
Rotwild, Schwarzwild , Rehwild, Mufflon, Fuchs, Dachs habe ich gesehen. Hase und Luchs kann ich nur vermuten. Die waren kleiner und schnell weg, wenn wir kamen.

Sind im Grenzdienst mal Abwurfstangen vom Rothirsch bzw. Gehörne vom Rehbock gefunden worden?
Ja, öfter - regelmäßig. Eine Stange von einem Hirsch habe ich heute noch.


Durften höhere Dienstgrade im Grenzstreifen die Jagd ausüben?
Ja, des öfteren. Gerne die ganz hohen und damit auch deutlich älteren Herren. Inwieweit unsere direkten höheren Dienstgrade an den Jagden beteiligt waren, weiß ich nicht. Die Herren die ich gesehen habe, waren deutlich über unserer Regimentsebene.
Diese Herren schossen Ihr Wild direkt aus dem Geländewagen. An jagdliche Einrichtungen kann ich mich nicht erinnern. Im Bereich der Hundetrassen waren jedenfalls keine.

Eine Schußabgabe mit der Jagdwaffe wäre meiner Einschätzung nach nicht ganz unproblematisch gewesen, da hätte es bestimmt Irritationen/ Rückfragen gegeben.
Die Herren waren zur Jagd gemeldet. Insoweit waren die meisten Anwesenden über die Schüsse im Wald informiert. Leider wurden auch mal die Grenzer beschossen, was zu wilden Diskussionen über das Telefon geführt hat.

Bekannt ist, Trophäenträger brauchen genügend Äsung, Einstände und Ruhe. Letzteres hatten sie ja im Grenzstreifen genug.
Fuchs, Dachs, Hase und Marder sollten auch häufig zu sehen gewesen sein, ebenso Greifvögel.

Greifvögel waren sehr häufig. Das liegt aber nicht nur an der relativen Ruhe (Eulen etc.) Sondern auch am Nahrungsangebot im Harz und im Harzumland.

Welche Wildbeobachtungen/ Wildbegegnungen hat es im Grenzdienst gegeben?
siehe oben.

Ist auch mal ein Stück Wildbret in der Kompanieküche gelandet?
Lächerlich, wovon träumst Du Nachts? Das waren höhere Dienstgrade, so hoooch oben - Das waren führende Genossen die genossen, nicht die geführten Genossen.

Gruß
Rotti


zuletzt bearbeitet 17.07.2013 15:01 | nach oben springen

#4

RE: Wildtiere und Jagdausübung im Grenzstreifen

in Grenztruppen der DDR 17.07.2013 15:42
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

zur Erinnerung:

http://meike-wulf.homepage.t-online.de/h...der_pirsch.html

na denn:
Waidmanns Heil !!

vom Jobnomaden


u3644_Jobnomade.html
zuletzt bearbeitet 17.07.2013 15:46 | nach oben springen

#5

RE: Wildtiere und Jagdausübung im Grenzstreifen

in Grenztruppen der DDR 17.07.2013 19:36
von jecki09 | 422 Beiträge

Zitat von 80er im Beitrag #2
Zitat von Wossi EK 83 1 im Beitrag #1
[...] am liebsten war mir natürlich eine Jagdwaffe ( Doppelflinte ) über das Wochenende. Dazu gab es jeweils 6 Schrotpatronen ( Kaliber 12 ) und Flintenlaufgeschosse ( Brenneke ).[...]

Frage auch an andere Jäger hier im Forum:

Dürfen FLG (z.B. Brenneke) grundsätzlich aus allen Flintenläufen verschossen werden, oder müssen die dafür geeigneten Läufe besonders gekennzeichnet sein?



FLG können natürlich mit allen Läufen entsprechenden Kalibers verschossen werden. Mit sogenannten Schrotläufen können auch FLG verschossen werden.

Wäre ich länger in der GK im GR-1 geblieben und nicht in das GAR-40 gewechselt, wäre ich vermutlich auch Weidgenosse geworden. Bin ja mit der Jagd aufgewachsen.

WIMRE gab es bei uns im Abschmitt kein Rotwild. Einer unserer GAKl war Weidgenosse und ging mit Pistole und Jagdwaffe -freundwärts- auf Jagd. Manchmal war das auch seine dienstliche Streifentätikeit. - Perfekte Tarnung -


80er hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#6

RE: Wildtiere und Jagdausübung im Grenzstreifen

in Grenztruppen der DDR 17.07.2013 23:50
von 80er | 565 Beiträge

Zitat von jecki09 im Beitrag #5

WIMRE gab es bei uns im Abschmitt kein Rotwild. Einer unserer GAKl war Weidgenosse und ging mit Pistole und Jagdwaffe -freundwärts- auf Jagd. Manchmal war das auch seine dienstliche Streifentätikeit. - Perfekte Tarnung


So war es auch bei uns. Die GAK waren gleichzeitig Jäger. Ich habe sie deswegen beneidet, weil mein Eindruck war, dass sie dabei ziemliche Narrenfreiheit hatten, z.B. bzgl. der Abschusszahlen, der exclusiven Reviere im Schutzstreifen und der Verbindung von Hobby und Beruf! Bei letzterer war es für uns Aussenstehende tatsächlich nicht immer klar, wann es Pflicht und wann es Kür war.
Im Abschnitt unserer GK bekamen die GAK Reh- und Schwarzwild, Hasen und Wildenten vor die Flinte/Büchse.


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#7

RE: Wildtiere und Jagdausübung im Grenzstreifen

in Grenztruppen der DDR 18.07.2013 03:38
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von 80er im Beitrag #2
Zitat von Wossi EK 83 1 im Beitrag #1
[...] am liebsten war mir natürlich eine Jagdwaffe ( Doppelflinte ) über das Wochenende. Dazu gab es jeweils 6 Schrotpatronen ( Kaliber 12 ) und Flintenlaufgeschosse ( Brenneke ).[...]

Frage auch an andere Jäger hier im Forum:

Dürfen FLG (z.B. Brenneke) grundsätzlich aus allen Flintenläufen verschossen werden, oder müssen die dafür geeigneten Läufe besonders gekennzeichnet sein?



Grundsätzlich dürfen Brennecke oder die FLG, wie ich sie auch noch nutze, aus allen Flintenläufen verschossen werden. Allerdings mit einer Ausnahme und das sind Sabots (manchmal unterkalibrige Massivgeschosse in Führungsringen). Die dürfen nur aus Flintenläufen mit Zylinderbohrung (ohne Laufverengung/Würgebohrung an der Mündung) verschossen werden. Es gibt keine besondere Kennzeichnung dafür aber die betreffenden Sabotpatronen sind auf der Verpackung entsprechend gekennzeichnet.
Die Vergabe der gesellschaftlichen Waffen entschied ja der Jagdleiter. Ich habe meine Jagdprüfung 1985 absolviert. Da war ich noch bei GT, die Prüfung fand jedoch im heimatlichen Kreis statt.
Als Jungjäger erhielt ich lange Zeit nur eine Doppelflinte und dafür immer vier Schrotpatronen und vier FLG. Nach einem Jahr Jungspundzeit gab es auch mal den Drilling und dann noch drei Kugelpatronen dazu.
Ich habe die Jagd im heimatlichen Sachsen ausgeübt. Nicht im Grenzgebiet. Mit einer Einschränkung. Verletztes Wild habe ich gelegentlich mit dem Stilett und später aus Platzgründen dem Messer abgefangen.
Die Jagd im Grenzgebiet/Sperrzone war analog im Rest der DDR geregelt. Es gab eine Jagdgesellschaft und da waren neben Bauern, Arbeitern auch Polizisten, Abgestellte, auch vom Forst und eben auch Ortsgrößen Mitglied. Sowie manchmal AGT, wenn sie Berufssoldaten waren, eine Jagdprüfung absolviert hatten und im Ort wohnten. Mit eigenen Waffen war es wie woanders auch. Mann konnte eine beantragen und irgendwann nach 10, 15 Jahren war mann vielleicht drann und konnte eine kaufen. Dann meist eine kombinierte Waffe.
Die Jagd wurde gem. Einweisung durch den Jagdleiter ausgeübt. Eigentlich erfuhr die Kompanie, wenn ein Jäger draußen war aber oft wurde das auch einfach mal vergessen. Wenn es knallte, konnte man das meist recht gut zuordnen weil der Klang einer Jagdwaffe doch ganz anders ist als eine AK, eine Pistole oder eine Platzpatrone. Dann kam nach dem Schuß "schnell noch mal" der Anruf, dass das einer von unseren war...
Habe ich öfter so erlebt.
Eine "Lage" hat es deswegen nie gegeben.
Im Schutzstreifen fand die Jagd eingeschränkt statt. Im Bereich Brocken/Schierke erfolgte die Einweisung durch Hr. Winxxxx, der über einen Ausweis verfügte, demzufolge seine Begleitung nicht zu kontrollieren war. Es gab einige versteckte Ansitzleitern, die groß genug waren, um zwei Mann aufnehmen zu können. Keine Kanzeln. Meist nahe dem GSZ. Denn im Schutzstreifen hatte der Jäger immer Begleitung. Entweder Hr. Wixxxx selbst oder einen GAK. Das habe ich hin und wieder auch gemacht. Hier wußte der KGSi, dass ein Jäger draußen und wo ungefähr er war. Schüsse (es fiel ja eigentlich immer nur ein Schuß) wurden nachträglich über GMN oder Funk von der Begleitung gemeldet. Manchmal auch sehr spät, kam vor. Jäger im Schutzstreifen waren fast ausnahmslos hohe Offiziere der GT oder NVA.
Wir hatten alles Wild, was es in der Gegend eben gab. Rotwild bis an den Brocken hoch, Schwarzwild bis ungefähr 900 Meter, Rehwild und Mufflon bis etwa auf die gleiche Höhe. An Raubwild den Fuchs und schon seltener die Wildkatze sowie ganz selten den Luchs. Letztere wurden nicht bejagd wie auch der Waschbär zu meiner Zeit noch nicht.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


80er hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#8

RE: Wildtiere und Jagdausübung im Grenzstreifen

in Grenztruppen der DDR 18.07.2013 03:50
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Rotti im Beitrag #3
...Sind im Grenzdienst mal Abwurfstangen vom Rothirsch bzw. Gehörne vom Rehbock gefunden worden?[/i]
Ja, öfter - regelmäßig. Eine Stange von einem Hirsch habe ich heute noch.

....Ist auch mal ein Stück Wildbret in der Kompanieküche gelandet?
Lächerlich, wovon träumst Du Nachts? Das waren höhere Dienstgrade, so hoooch oben - Das waren führende Genossen die genossen, nicht die geführten Genossen.

Gruß
Rotti





Nö, nö, manchmal doch.
Der KC der damaligen (bis 07/83) 2. GK Marholtzberg in Ilsenburg war ebenfalls Jäger. Er hatte eine Doppelflinte. Einiges, was er freundwärts des GSZ geschossen hat, ist auch in der dortigen Küche gelandet und wenn ein Reh an der 501 nur Lauftreffer erhalten hatte (das sah man erst beim zerwirken) landete der nicht getroffene Wildkörper nach dem Abfangen öfter in der Küche der GK.
Dem einen oder anderen Grenzer von dort ist mein Stilett in der Postenführertasche sicher noch "gut" in Erinnerung. Doch "es funktionierte" damit besser als mit dem sonst üblicherweise benutzten Hammer. Denn wir durften keinen Fangschuß anbringen. Grundsätzlich nicht.

Ich habe etliche Geweihstangen im Oberharz gefunden. Mehr als zu Hause. Die erfüllen nach wie vor ihren Dekorationszweck zu Hause, in Berlin oder der Jagdhütte.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


zuletzt bearbeitet 18.07.2013 03:51 | nach oben springen

#9

RE: Wildtiere und Jagdausübung im Grenzstreifen

in Grenztruppen der DDR 20.07.2013 18:53
von Heckenhaus | 5.129 Beiträge

Die Herren (Genossen) Offiziere sind mit Vorliebe in gewissen Abständen zur Jagd gefahren, und mit Hilfe der Suchscheinwerfer, die auf
den Fahrzeugen montiert waren, war es auch kein Problem, zum Erfolg zu gelangen.
Nur, gesehen haben wir davon nie etwas auf dem Teller.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#10

RE: Wildtiere und Jagdausübung im Grenzstreifen

in Grenztruppen der DDR 21.07.2013 12:36
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Habe einmal einen Textauszug aus der Elbgrenze(damals noch unter Rainer-Maria Rohloff) herübergeholt, werde ihn noch etwas ergänzen.

Erinnere ich mich an Zweedorf und Umgebung fällt mir außerhalb dieses Grenzdorfes viel Wald ein, ausgedehnte Waldgebiete, Mischwald mit befahrbaren Wegen und weniger guten Pfaden. Major H. unser Stabschef ein Mann über den ich schon mehrere Beiträge so Elbgrenze 7.11.08 eingestellt habe jagte oft in dieser Gegend, meistens gegen Mitternacht und so musste zum frühen Morgen sein erlegtes Wild geborgen werden.

Hatte der Hunde LO keine Zeit mussten die Pioniere ran. Denke ich an die Zentnerschweren Viecher, aber gut damals waren wir jung und nachdem sie auf der Pritsche lagen schafften wir sie nach Heidekrug in so eine Art Abdeckerei. Dort wurden die Hirsche, Wildschweine an den Hacken gehängt. Heute meine ich war es ein ganz guter Zusatzverdienst für den Major kann aber auch falsch damit liegen so das dieses Fleisch anschließend an Kindergärten, Betriebsgroßküchen evtl. die Elbewerft Boizenburg geliefert wurde, die Trophäe nahm er bestimmt mit nach Hause wie jeder Mann der Jagd.Textauszug Ende.

Dessen Fahrer erzählte immer, das er für Genosse Major den Suchscheinwerfer (siehe Vortext Heckenhaus) bedienen musste und Genosse Major dann nur noch mit seiner Suhler Jagdflinte losballern brauchte. Ich bin heute Zeitungsausträger, weiß das mein wirklich kräftiges und gutes Fernlicht das Wild wie fixiert(sie, so Rehe bleiben halt wie auf der Stelle stehen, schauen nach dem Licht).

Dann erzählte sein Fahrer noch in der Jungmänner-Stubenrunde, das Genosse Major "der alte Knacker "(war wohl damals so wie ich heute, so 59 Jährchen mittelalt) beim ausweiten der Viecher vor Ort immer so komische grunzende Geräusche abgab(passt eigentlich besser in unseren Männerfred) Wir jungen Kerle haben uns dann immer köstlich amüsiert weil wohl Frau Major im heimischen Bettchen irgendwie damit gemeint sein musste?

Aber uns Major, der"alte Knacker", gejagt fünf Nächte hintereinander nach einem wohl anstrengenden Tagesdienst, der hatte es einfach drauf, der stand früh 8.00Uhr fit wie ein Turnschuh vorne an der Wache, also ich dachte immer, was für ein Kerl, irgendwie hatte mir der Mann als junger Kerl imponiert, so wie mein Schwiegervater der ähnlich gut drauf war.

Lebensläufer


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#11

RE: Wildtiere und Jagdausübung im Grenzstreifen

in Grenztruppen der DDR 24.07.2013 15:34
von LEGO | 487 Beiträge

Ich bin einmal - aus der Bereitschaft heraus - durch den OvD an die Grenze "gejagd" worden, weil dort durch Zivilisten "Schüsse gemeldet" worden waren.

Wie es sich vor Ort herausstellte, war es eine Jagdgesellschaft im DDR-Hinterland.

Offenbar hatte keine vorherige Information des BGS stattgefunden; war wohl auch nicht notwendig/erforderlich.


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#12

RE: Wildtiere und Jagdausübung im Grenzstreifen

in Grenztruppen der DDR 26.07.2013 14:40
von prignitzer | 281 Beiträge

Meines Wissens nach war das Gebiet um die Grenzkompanie Scharfenstein, am Fuße des Brockens, zu meiner Zeit 1970/71 Sonderjagdgebiet des Chefs der Grenztruppen. Da gaben sich ab Herbst (Brunftzeit des Rotwildes) die Generäle förmlich die Klinke in die Hand. Wir als Soldaten/Gefreite halfen dann öfter nach erfolgreicher Jagd die Strecke mit dem LO aus dem Grenzgebiet zu holen. Das betrifft sowohl Rotwild als auch Muffelwild. Erlegt wurden ausschließlich kapitale Trophäenträger. Dabei wurde in der Regel von Fahrzeugen und unter Verwendung schon damals unerlaubter optischer Hilfsmitteln geschossen. Für uns hatten diese Jagden aber auch einen positiven Aspekt. Die Reste der anschließenden Jagdessen (Schüsseltreiben) blieben dann immer auf dem Tisch und wurden für uns zur „Jagd“ freigegeben. Die Kontakte zu den Generälen sind mir in sehr positiver Erinnerung.


Grenzer von 11/69 bis 04/71 im GR 20 / 4. GK (Scharfenstein)


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#13

RE: Wildtiere und Jagdausübung im Grenzstreifen

in Grenztruppen der DDR 26.07.2013 15:57
von furry | 3.572 Beiträge

Zitat von prignitzer im Beitrag #12
Für uns hatten diese Jagden aber auch einen positiven Aspekt. Die Reste der anschließenden Jagdessen (Schüsseltreiben) blieben dann immer auf dem Tisch und wurden für uns zur „Jagd“ freigegeben. Die Kontakte zu den Generälen sind mir in sehr positiver Erinnerung.


Eine Kompanie als Resteverwerter und schon wird nichts weggeworfen, wie in einem anderen Thema behandelt.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#14

RE: Wildtiere und Jagdausübung im Grenzstreifen

in Grenztruppen der DDR 26.07.2013 20:57
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Der war gut Prignitzer:" Die Kontakte zu den Generälen sind mir in sehr positiver Erinnerung."

Denn genau Einer der vollgesoffnen Generale pinkelte mir einmal ans Vorderrad vom W50 LA/A, da war so ne Art Waldpicknik nach ausgiebiger Jagd mit Notstromer und Mannschaftszelt nahe Zweedorf an der Elbgrenze angesagt.

Diese wunderschöne Geschichte schrieb ich hier irgendwo schonmal. Ehe der seinen Pippimann wieder rein hatte hatte der Gefreite RMR ihn mit ner garstigen Wortwahl drauf hingewiesen, das er sich zum Pinkeln doch besser ne andere Ecke suchen soll nur sein Protest verhallte im Waldesdunkel...ich war schneller auf der Beifahrerseite raus siehe...da war keiner mehr zum strammstehen.

Das vollgesoffene Generalmenschenkind verpisste sich dann wieder....vor sich hin brabbelnd zum weiteren Jagdbesäufnis.

Lebensläufer


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#15

RE: Wildtiere und Jagdausübung im Grenzstreifen

in Grenztruppen der DDR 29.07.2013 20:41
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von LEGO im Beitrag #11
Ich bin einmal - aus der Bereitschaft heraus - durch den OvD an die Grenze "gejagd" worden, weil dort durch Zivilisten "Schüsse gemeldet" worden waren.

Wie es sich vor Ort herausstellte, war es eine Jagdgesellschaft im DDR-Hinterland.

Offenbar hatte keine vorherige Information des BGS stattgefunden; war wohl auch nicht notwendig/erforderlich.


Meines Wissens hat es nie eine Information des BGS oder GZD über eine Jagdausübung in der DDR gegeben. Zumindest nicht zwischen 07/83 und 10/85 im Bereich Schierke/Brocken/Scharfenstein. Das hätte sowieso keiner geglaubt.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#16

RE: Wildtiere und Jagdausübung im Grenzstreifen

in Grenztruppen der DDR 29.07.2013 20:49
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #9
Die Herren (Genossen) Offiziere sind mit Vorliebe in gewissen Abständen zur Jagd gefahren, und mit Hilfe der Suchscheinwerfer, die auf
den Fahrzeugen montiert waren, war es auch kein Problem, zum Erfolg zu gelangen.
Nur, gesehen haben wir davon nie etwas auf dem Teller.





Habe ich so nie erlebt. Das waren immer Ansitzjagden. Spät Nachmittags oder sehr früh raus, 3 bis 6 Stunden Ansitz und dann wieder rein. Den Jäger im "Batzenheim Elend" abgeliefert und selbst zurück in die Kompanie.
Auch die Einweisungen durch Wi.... verliefen ähnlich mit Ausnahme einiger Ansitzdrückjagden von Bä... im Bereich Scharfenstein. Die jedoch waren bei Tageslicht.
Das Anleuchten mit Scheinwerfer hätte praktisch den Nachteil, dass man den Wildkörper schlecht erkennen kann und auf das Haupt wird mangels Kugelfang nur äußerst selten geschossen. Beim Trophäenträger sowieso nicht. So könnte man das Wild auch kaum "ansprechen" (beurteilen) und ein Fehlabschuß war auch damals äußerst unangenehm (Jäger sind untereinander ja auch sowas von nicht neidisch...).
Auf dem Teller:
Wild muss einige Zeit in der Kühlzelle hängen. Nichts mit sofortiger Zubereitung. Reh- und Rotwild war nach 24 Stunden zerwirkt, bei Wildschweinen wußte (ist auch heute so) man erst nach mindestens drei Tagen, ob der Tierarzt das Stück nun freigab oder nicht. Vorher kam da nichts auf irgendeinen Tisch...


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


Schmiernippel hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 29.07.2013 20:52 | nach oben springen

#17

RE: Wildtiere und Jagdausübung im Grenzstreifen

in Grenztruppen der DDR 29.07.2013 22:04
von Anja-Andrea | 902 Beiträge

Mein Vater war ja Offizier der Grenztruppen, und nebenher auch Jäger. Sein Jagdgebiet war das Grenzgebiet im Raum Dahrendorf. Er hatte auch als einer der wenigen Jäger in der DDR eine eigene Waffe, soweit ich mich erinnern kann eine Bockbüchsflinte Merkel mit Zielfernrohr. Kaliber des Kugellaufes war meiner Meinung nach 7x65R, Schrotlauf weiß ich nicht. Er hatte immer Tschechische Munition. Die Schrotmunition war Schönebecker, ich glaub "Horrido"
Geschossen hat er vor allem Rehe und Wildschweine. ER hat auch mal einen Zwölfender Hirsch erlegt, das weiß ich noch genau, da Hirsche dort eigentlich nicht im Revier waren.

Andreas


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