#1

Feindbild der Bundeswehr zu DDR-Zeiten

in DDR Zeiten 13.07.2013 13:13
von Ecki | 408 Beiträge

Meine lieben ehemaligen Soldaten der Bundeswehr zu DDR-Zeiten,

es war ja damals so, dass die NVA ein Feindbild hatte, in welchem die Bundeswehr ein integraler Bestandteil (huuuuch, das habe ich wieder einmal sehr schön formuliert ) war.

Wurde damals in der Bundeswehr auch so ein "Feindbild" vermittelt?

Liebe Grüße

Ecki


Gott sei Dank!


nach oben springen

#2

RE: Feindbild der Bundeswehr zu DDR-Zeiten

in DDR Zeiten 13.07.2013 15:30
von Wolle76 (gelöscht)
avatar

Meines Wissens nach wurde schon der Warschauer Pakt und die NVA als Gegner dargestellt.

Genaueres könnte hier ein paar andere User berichten.


nach oben springen

#3

RE: Feindbild der Bundeswehr zu DDR-Zeiten

in DDR Zeiten 10.12.2013 12:58
von ChristianAC | 71 Beiträge

Der Feind war immer Rot und er kam immer von Osten.

Die Frage an die Leitwölfe, (Zeit um 1988/89 rum) warum der Feind bei den Planspielen nicht mal aus Norden oder Süden kommen
könnte, löste tiefe Sinnkrisen bei den Leitwölfen aus


nach oben springen

#4

RE: Feindbild der Bundeswehr zu DDR-Zeiten

in DDR Zeiten 10.12.2013 13:29
von schnatterinchen (gelöscht)
avatar



Ich habe ein authentisches Bild vom Feind gefunden.


94 hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#5

RE: Feindbild der Bundeswehr zu DDR-Zeiten

in DDR Zeiten 10.12.2013 16:17
von Freienhagener | 3.856 Beiträge

Mein Eindruck:

Die im Westen haben uns mehr gefürchtet als umgekehrt.

Das lag sicherlich auch an der Darstellung im TV. Da waren wir präsenter und wurden "martialischer" gezeigt. Dazu die vorbereiteten Aussagen von Soldaten in der Richtung.

Dagegen war uns in der DDR bekannt, daß es beim Bund lockerer zuging, mit Feierabend und sogar bezahlten Überstunden, wenn ich recht informiert bin.
Dazu wurden die Leute möglichst in der Nähe stationiert, so daß das Zivilleben immer präsent war.
Im Westfernsehen kam die Bundeswehr kaum zu Wort, oder wie heute mit inneren Problemen.

Gruß

Micha


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
Küchenbulle 79 hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#6

RE: Feindbild der Bundeswehr zu DDR-Zeiten

in DDR Zeiten 10.12.2013 17:14
von coldwarrior67 | 143 Beiträge

Für uns und damit auch für mich war der Feind immer der Russe, der ja nicht weit von der CSSR Grenze stand. Das damit auch der Warschauer Pakt und die DDR gemeint war versteht sich von selbst.


nach oben springen

#7

RE: Feindbild der Bundeswehr zu DDR-Zeiten

in DDR Zeiten 10.12.2013 18:24
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Ich zitiere hier mal die Pusteblume

Zitat von Dandelion im Beitrag RE: Gewissenskonflikte beim Wechsel von NVA/Grenztruppen zum Klassenfeind ?
Ich habe mich gerade mal gefragt, wie sich die Zeit- und Berufssoldaten der Bundeswehr wohl verhalten hätten, wenn es genau "anders herum" gekommen wäre, wenn sich die alte BRD der DDR angeschlossen hätte.

Ich vermute, dass die meisten "Verteidigungsbeamten" (so eine Bezeichnung eines Z12) keine großen Probleme damit gehabt hätten, die eine Uniform aus.- und dafür die andere anzuziehen. Das mag auch mit der geringen oder besser nicht vorhandenen ideologischen "Erziehung" bei der BW zusammenhängen: Wenn ich mich recht erinnere, hatten wir während der Grundausbildung einmal pro Woche eine Stunde einer Art von "politischem Unterricht" beim Kompaniechef. Dort ging es aber nicht um einen "Klassenfeind" (das Wort war absolut verpönt), sondern mehr um Rechte und Pflichten eines Soldaten, Verhalten in der Öffentlichkeit (in Uniform) usw. Danach für den "Rest" der Dienstzeit nicht mehr. ch bitte um Nachsicht, wenn die Erinnerung nach mehr als 40 Jahren nicht mehr so ganz präsent ist.

Natürlich hatten wir auch dort Typen mit einer (vorsichtig ausgedrückt) national-konservativen Einstellung. Typen, die davon faselten, wie stolz sie doch seien, Deutschland dienen zu dürfen. Doch spätestens wenn sie mit dem Spruch "Süß und ehrenvoll ist es, für das Vaterland zu sterben" kamen, waren sie sehr allein. Und das während, aber noch viel mehr nach den Dienststunden. Diese Typen hätten vielleicht Gewissensbisse bekommen, wobei ich die Frage, ob die überhaupt so etwas wie ein Gewissen hatten, lieber nicht stelle.
.
Edit = Ergänzung


LG von der grenzgaengerin


nach oben springen

#8

RE: Feindbild der Bundeswehr zu DDR-Zeiten

in DDR Zeiten 10.12.2013 18:25
von ChristianAC | 71 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #5
Mein Eindruck:

Die im Westen haben uns mehr gefürchtet als umgekehrt.




Hmmmm also wir haben zu meiner BW Zeit (88-89) da gar nichts mehr gefürchtet. Jedem halbwegs Gebildeten war klar, dass da nichts
passieren konnte, denn ergal in welche Richtung da die Ideologien die Stossrichtung vorgegeben haben, hätte es den Untergang der
Welt bedeutet.
Es war auch jedem klar, dass bei einem Angriff ..... sagen wir mal von Ost nach West.....mehr als 50-60% der BW-Soldaten das Weite
gesucht und den eigenen Arsch als erstes gerettet hätten.

Zitat von Freienhagener im Beitrag #5


Das lag sicherlich auch an der Darstellung im TV. Da waren wir präsenter und wurden "martialischer" gezeigt. Dazu die vorbereiteten Aussagen von Soldaten in der Richtung.




Nein.....wie gesagt.....mit ein bischen Bildung war klar......TV.....ist TV....hat aber mit der Realität nix zu tun.
Natürlich war den Offizieren bei der Ausbildung der Rekruten Lehrmaterial an die Hand gegeben, was einer gewissen Doktrin unterlag, aber
allenfalls den geistig etwas einfach gestricken die Denkrichtung vorgeben konnte.

Ich erinner mich da noch an eine nette Anekdote aus meine Grundausbildung. Themengebiet Nurklearkrieg und das Verhalten des Soldaten.
Heinweis.....fast wörtlich. Wenn ihr am Horizont den Atompilz seht, dann werft euch den Gummiponcho über und ihr habt eine Chance das
zu Überleben.

Ich habe dem unterrichtenden Offizier noch im Unterricht gefragt, ob .... wenn er das wirklich ernst meinen würde.....er das gerne selber mal
ausprobieren möchte.

Er war im ersten Augenblich etwas irritiert und fragte, wie ich das meinen würde.

Naja....er würde mich nur ein kurzes Telefonat kosten und er könnte sich gerne einer netten Strahlenbelastung ausetzen und ausprobieren
ob der Gummiponcho das abhält.

Zu diesem Zeitpunkt war sein vorgegebenens Unterrichtskonzept sowieso schon über den Haufen geworfen, aber er fragte dann wieder nach
wie ich das meinen würde.

Ich habe ihn dann aufgeklärt. Ich habe meine Ausbildung in der Kernforschungsanlage Jülich, Institut für Kernphysik gemacht. Teil des Instituts
war der damals grösste Massenspektrograph Europas "Big Karl".
Zur Strahlzeit hatten wir eine Alphastrahlenleistung von ca. 1,5m in Beton. Alphastrahlen sind die kürzesten Strahlen.
Wenn er also meine, dass der Gummiponcho das abhalten würde, dann würden sich die Forscher in Jülich sich sicher glücklich schätzen würden,
dass sie jede Menge Gelder für die Abschirmung der Versuchsanlage einsparen könnten und mehr Geld für die eigentlich Forschung übrig wäre.
Der Aufwand der in Jülich getrieben wurde war ja ungleich höher.
Ich hielte es aber trotzdem für sehr sinnvoll, wenn man sich den Poncho überwerfen würde, denn nach der ersten Explosionswelle, käme dann ja
die Hitzewelle. Mit dem Poncho würde man dann ja direkt vakuumverschweist und würde dann in Hinblick auf die Überlebenden die Seuchen-
gefahr sehr abmildern.

Ende vom Lied war, dass ich und noch ein paar andere die so die eine oder andere kritische Frage gestellt hatten, vorläufig vom Unterricht
befreit wurden.


Zitat von Freienhagener im Beitrag #5

Dagegen war uns in der DDR bekannt, daß es beim Bund lockerer zuging, mit Feierabend und sogar bezahlten Überstunden, wenn ich recht informiert bin.
Dazu wurden die Leute möglichst in der Nähe stationiert, so daß das Zivilleben immer präsent war.



Das traf aber nicht auf den einfachen Soldaten zu.

Die geänderte Dienstzeitregelung, die bei Überstunden eine 1:1 Freizeitausgleichsregelung vorsah, kam erst MItte '89. Voirher gabs da für
Übungen eher so gut wie nichts als Ausgleich. Geld schon mal gar nicht.

Auch das mit der heimatnahen Stationierung stimmt so nicht unbedingt, denn der Begriff "Nato-Rallye" am Freitag bzw. Sonntag kam auch nicht
von ungefähr.
Abgesehen von den Fahrgemeinschaften, die dann mit Bleifuss quer durch die Republik bretterten gab es auch bei der Bahn darauf abgestimmt
Linien, die den Transport ermöglichten.

Zitat von Freienhagener im Beitrag #5

Im Westfernsehen kam die Bundeswehr kaum zu Wort, oder wie heute mit inneren Problemen.



Das lag daran, dass die Bundeswehr an sich in der Bevölkerung keinen all zu guten Ruf hatte, denn sie wurde sehr mit ausuferndem Alkoholgenuss in Verbindung gebracht.

Allerdings ist man gerne zum Bund gegangen und hat sich verpflichtet, wenn man nach der Schule noch kein konkretes Berufziel vor Augen
hatte, denn es bedeutete einen geregelten Tagesablauf und über die Zeit erstmal gesichtertes Geld. Darüber hinaus waren die Möglichkeiten
einer Berufsausbildung oder eines Studiums über die Bundeswehr auch nicht die Schlechtesten.

Es gab nen schönen Witz, der eigentlich die festgefahrene Situation zwischen den Blöcken sehr gut widerspiegelte.

Geht um das Gespräch eines Bundeswehrgenerals mit seinem Gegenstück auf russicher Seite.

BW: Sag mal.....warum kommt überfallt ihr uns nicht einfach am Wochenende. Da ist doch kaum einer in den Kasernen da. Ihr könntet uns
einfach überrollen.

Russe: Ja....wissen wir.....haben wir ja auch schon mindestens ein Dutzend mal probiert. Klappt aber nicht, da bei uns die Soldaten am Wochenende alle besoffen sind.


Küchenbulle 79 und KAMÜ haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#9

RE: Feindbild der Bundeswehr zu DDR-Zeitenese

in DDR Zeiten 10.12.2013 18:30
von Marder | 1.413 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #5
Mein Eindruck:

Die im Westen haben uns mehr gefürchtet als umgekehrt.

Das lag sicherlich auch an der Darstellung im TV. Da waren wir präsenter und wurden "martialischer" gezeigt. Dazu die vorbereiteten Aussagen von Soldaten in der Richtung.

Dagegen war uns in der DDR bekannt, daß es beim Bund lockerer zuging, mit Feierabend und sogar bezahlten Überstunden, wenn ich recht informiert bin.
Dazu wurden die Leute möglichst in der Nähe stationiert, so daß das Zivilleben immer präsent war.
Im Westfernsehen kam die Bundeswehr kaum zu Wort, oder wie heute mit inneren Problemen.

Gruß

Micha


Nee gefürchtet hat man sich nicht. Ansonsten hätten sich die Kasernen nicht jeden Abend und zum Wochenende geleert.

Dann mal zum "Feindbild". Ich hatte hier schon mehrfach geschrieben, dass das Wort Feind bei der BW anders als bei der NVA
verpönt war. natürlich habe auch welche vom Feind geredet, was ich nie geduldet habe.
Es gab einen Gegner , der sich logischerweise aus den beiden Lagern NATO und Warschauer Pakt rekrutierte.
Dieser Gegner war in der einschlägigen Literatur zur Ausbildung erfasst, mit seinen Waffen und Fahr- bzw. Flugzeugen ( Bei der Marine natürlich auch mit seinen Wasserfahrzeugen)
Dies Tatsache führte zu einer Lagebeurteilung, die für die Truppen der BW und auch der Nato dazu führte, dass man sich normalerweise nicht akut bedroht gefühlt hat ( Das mag beim WP anders gewesen sein).
Eine wirkliche Bedrohungseinschätzung hätte sich aus Konfliktsituationen ergeben und wäre dann neu beurteilt worden mit evtl. Heraufsetzung der Gefechtsbereitschaft.
Die ständigen Gefechtsbereitschaft des Warschauer Paktes ist für mich eine sagen wir mal Paranoia, die sich nur aufrecht erhalten lässt wenn ich den Personen ein ständiges Bedrohungsbild ( Feind) liefere. Das hätte man der BW nicht wirklich ohne die entsprechende Agitation vermitteln können.
Daher als Fazit. Es gab eine verhältnismäßig genaue Gegnerbeschreibung um entsprechend vorbereitet zu sein, aber kein ausgesprochenes FEINDBILD.
MfG Marder
PS. Ist länger geworden als ich vorhatte.


Er wirft den Kopf zurück und spricht: "Wohin ich blicke, Lump und Wicht!" Doch in den Spiegel blickt er nicht.
Ein kluger Mann macht nicht alle Fehler selber. Er lässt auch anderen eine Chance.
Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung.
Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null - und das nennen sie ihren Standpunkt.

Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten.
Pit 59, exgakl und CASI haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#10

RE: Feindbild der Bundeswehr zu DDR-Zeiten

in DDR Zeiten 10.12.2013 18:52
von ChristianAC | 71 Beiträge

Noch so eine kleine Anekdote aus der Zeit, denn 88/89 hatte das Ost-West-Zusammenleben schon streckenweise skurile Züge.

Einmal im Jahr gab es in Nimwegen die sogenannten "vier-dagse". Ein Volkslauf über 4x 40km an dem auch alle europäischen Armeen teilnahmen.
Bei der Bundeswehr waren das Reservistengruppen, die dafür extra vorher ins Trainingslager nach Ehra-Lessin bei Wolfsburg zogen.
Ich hab 1989 als LKW-Fahrer Transportunterstützung gefahren. (nach neuer Dienstzeitregelung.....13 Tage weg von der Kaserne = 13 Tage Dienstausgleich. GEIL....was hab ich mich drum gerissen diese Tour zu fahren Besser konnte man das Ausgleichskonto nicht füllen.)

Die Resevisten waren da noch irgendwie anders gestrickt, als wir einfachen Soldaten damals. Das durfte ich erfahren, als ich mal unseren
Busfahrer begleitet und die Jungs nach einem Trainingsmarsch irgendwo abgeholt habe.
Die haben nicht einfach so mal die 40km abregissen....nein nein.....
Da wurde im im Zugrahmen maschiert.....im Gleichschritt....die Knifte über der Schulter, schön mit Daumen am Lederriemen.
Vorne in der Mitte eine Fahnenträger mit riesiger Deutschlandfahne und ein Lied auf den Lippen.
Das war so die erste skurile Szene.
Die zweite gabs dann in Nimwegen.
Dort lagen alle Armeegruppen in einem gemeinsamen Lager.
Die deutschen.......voll durchorganisiert.....mit Wache laufen rund um die Uhr und Wecken um 0400.
Kein Wunder, wenn ich jetzt von den Norwegern den Spruch "Ordnung muss sein" an den Kopf geworfen bekomme.

1989 waren auch das erste mal die Russen dabei. Die sah man aber nicht als Feind an, sondern eher......der Russe....das unbekannte Wesen,
die da selbst nicht so ganz wussten was sie dazwischen sollten. Man wusste nicht so recht was man miteinander anfangen sollte.

Dazu muss man aber auch das Lager an sich vor Augen haben.

Uns Deutsche hab ich ja oben schon beschrieben.....Ordnung muss sein.

Der Ami....ja...so wie man sich Ronald Reagen im Western vorstellt. Cowboy-Hut, Sporen an den Stiefel, die blinkende 45er rechts und Links im
Holster und......ganz wichtig.....das eigene Diner und nen Pizza-Hut-Wagen dabei.

Die Schotten die haben jeden Abend im Hauptzelt ihre Dudelsack und Trommelshow abgezogen.

Im Hauptzelt gab es dann auch noch jeden Abend den Wettkampf wer es denn schafft die eigene Flagge in den First zu hängen. Die unten
Stehenden waren natürlich nicht müde denjenigen der dabei war in den First zu klettern mit Dosen zu bewerfen, damit er abstürzen sollte.
Die Dosen war nicht unbedingt leer, sondern hatten jedweden Füllgrad bis voll und verschlossen.
Wenn die Stimmung dann irgendwann überkochte wurde das Zelt von der amerikanischen und britischen Militärpolizei dann geräumt.
Gut wenn man von den Holländern rechtzeitig gewarnt wurde und sich in Sicherheit bringen konnte, denn zimperlich war die Militärpolizei nicht.

Und zwischen all diesem Trubel.....die Russen, die nicht so recht wussten was sie da sollten. Genauso wenig wie wir "Westler" nicht wussten
wie wir uns verhalten sollten, denn jahrelag war uns ja eingetrichtert worden, dass wir ja Todfeinde sind........oder etwa doch nicht ??
So ganz passte das ganze .....sonst so einfach gestrickte Feindbild......überhaupt nicht mehr.


glasi, Küchenbulle 79, KAMÜ und CASI haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#11

RE: Feindbild der Bundeswehr zu DDR-Zeiten

in DDR Zeiten 10.12.2013 18:59
von ChristianAC | 71 Beiträge

Das organisierte Planungschaos der Nimwegen-Tour beschreibe ich besser gar nicht erst, sonst verliert das Wort "Klassenfeind" aus östlicher Sicht
völlig seine Bedeutung.


nach oben springen

#12

RE: Feindbild der Bundeswehr zu DDR-Zeiten

in DDR Zeiten 10.12.2013 19:09
von glasi | 2.815 Beiträge

Zitat von ChristianAC im Beitrag #3
Der Feind war immer Rot und er kam immer von Osten.

Die Frage an die Leitwölfe, (Zeit um 1988/89 rum) warum der Feind bei den Planspielen nicht mal aus Norden oder Süden kommen
könnte, löste tiefe Sinnkrisen bei den Leitwölfen aus

Rotland gegen Blauland.



nach oben springen

#13

RE: Feindbild der Bundeswehr zu DDR-Zeiten

in DDR Zeiten 10.12.2013 19:26
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Wenn wir ehemaligen NVA -Soldaten über unser Feindbild berichten , dann kommen meistens gleich Erklärungen aus tiefsten politischen Überzeugungen
Feind Nummer 1 waren die Armeen ,welche den Kapitalismus ihres Landes zu verteidigen hatten .
Feind Nummer 2 war das Wetter zu den unterschiedlichen Jahreszeiten.
Interessant mal etwas mehr aus der BW zu erfahren .Nicht jeder von uns hier hat eine schlechte Meinung über Eure Dienstzeit .
Wie gut sich beide ehemaligen Gegner verstehen , sieht man hier vom jährlichen Reservistenlauf in Helmstedt . MfG ratata


zuletzt bearbeitet 10.12.2013 19:30 | nach oben springen

#14

RE: Feindbild der Bundeswehr zu DDR-Zeiten

in DDR Zeiten 10.12.2013 19:34
von Alfred | 6.841 Beiträge

Was zur Gefechtsbereitschaft.

Ab Seite 37

http://books.google.de/books?id=B51ll7Z7...Lautsch&f=false


nach oben springen

#15

RE: Feindbild der Bundeswehr zu DDR-Zeitenese

in DDR Zeiten 10.12.2013 19:34
von glasi | 2.815 Beiträge

Zitat von Marder im Beitrag #9
Zitat von Freienhagener im Beitrag #5
Mein Eindruck:

Die im Westen haben uns mehr gefürchtet als umgekehrt.

Das lag sicherlich auch an der Darstellung im TV. Da waren wir präsenter und wurden "martialischer" gezeigt. Dazu die vorbereiteten Aussagen von Soldaten in der Richtung.

Dagegen war uns in der DDR bekannt, daß es beim Bund lockerer zuging, mit Feierabend und sogar bezahlten Überstunden, wenn ich recht informiert bin.
Dazu wurden die Leute möglichst in der Nähe stationiert, so daß das Zivilleben immer präsent war.
Im Westfernsehen kam die Bundeswehr kaum zu Wort, oder wie heute mit inneren Problemen.

Gruß

Micha


Nee gefürchtet hat man sich nicht. Ansonsten hätten sich die Kasernen nicht jeden Abend und zum Wochenende geleert.

Dann mal zum "Feindbild". Ich hatte hier schon mehrfach geschrieben, dass das Wort Feind bei der BW anders als bei der NVA
verpönt war. natürlich habe auch welche vom Feind geredet, was ich nie geduldet habe.
Es gab einen Gegner , der sich logischerweise aus den beiden Lagern NATO und Warschauer Pakt rekrutierte.
Dieser Gegner war in der einschlägigen Literatur zur Ausbildung erfasst, mit seinen Waffen und Fahr- bzw. Flugzeugen ( Bei der Marine natürlich auch mit seinen Wasserfahrzeugen)
Dies Tatsache führte zu einer Lagebeurteilung, die für die Truppen der BW und auch der Nato dazu führte, dass man sich normalerweise nicht akut bedroht gefühlt hat ( Das mag beim WP anders gewesen sein).
Eine wirkliche Bedrohungseinschätzung hätte sich aus Konfliktsituationen ergeben und wäre dann neu beurteilt worden mit evtl. Heraufsetzung der Gefechtsbereitschaft.
Die ständigen Gefechtsbereitschaft des Warschauer Paktes ist für mich eine sagen wir mal Paranoia, die sich nur aufrecht erhalten lässt wenn ich den Personen ein ständiges Bedrohungsbild ( Feind) liefere. Das hätte man der BW nicht wirklich ohne die entsprechende Agitation vermitteln können.
Daher als Fazit. Es gab eine verhältnismäßig genaue Gegnerbeschreibung um entsprechend vorbereitet zu sein, aber kein ausgesprochenes FEINDBILD.
MfG Marder
PS. Ist länger geworden als ich vorhatte.


Klar gab es ein Feindbild. Sonst hätte es nicht schon 10 Jahre nach Ende des 2 Weltkrieges die BW gegeben. Ich bin mir auch sicher hätte es keine Atomwaffen gegeben dann wäre der Osten marschiert.



nach oben springen

#16

RE: Feindbild der Bundeswehr zu DDR-Zeiten

in DDR Zeiten 10.12.2013 19:40
von RalphT | 874 Beiträge

Da ich ja nun aktiv von 1984 bis 1992 bei der Bw war, kann ich auch etwas dazu beitragen. Ein direktes Feinbild (rot, Osten, Russe, etc.) wurde uns nicht direkt vermittelt. In den Planspielen und den praktischen Spielchen im Gelände gab es immer einen "Feind" und der wohnte meist im A-Dorf oder B-Dorf. Nun war natürlich jedem von uns klar, dass der Feind nicht aus dem Dom-Rep, Schweiz oder aus Spanien kam. Und jeder von uns wusste auch, wo exakt die Grenzen zu den "Anderen" war. Und wenn man das Planspielchen Panzerkrieg o.ä. durchgenommen wurde, dann waren auch schon öfters die Bundesländer Niedersachen, Hessen und Bayern im Gespräch. Es war schon klar, dass die Angriffswellen schon aus dem Osten kam.
Aber wie gesagt, direkt wurde der Feind selten direkt benannt.
Damals gab es auch keine Begriffe, wie Taliban, Heiliger Krieg, Afghanistan usw. Das ist heute ganz anders. In der aktiven Bw-Zeit fielen auch öfters die Begriffe Hilfslieferungen per Transall. War auch damals schon ein Thema für uns.

Das einzige woran ich mich erinnern kann ist, dass man uns vor den bösen Männern in Berlin-Ost, wohnhaft in der Normannenstraße gewarnt hatte. Das war mal eine direkte Ansprache vom MAD.

Tja und heute braucht die Bw kaum noch Kampfjets. Der Feind ist nicht mehr da. Er ist heute woanders. Er ist heute unter uns. Viel schlimmer.


nach oben springen

#17

RE: Feindbild der Bundeswehr zu DDR-Zeitenese

in DDR Zeiten 10.12.2013 19:48
von Marder | 1.413 Beiträge

@ Glasi.Na dann hast du meine Ausführungen nicht verstanden.
Das es nach 1945 ein Bedrohungspotential zu beiden Seiten Ost West gab, hat nichts mit einem Feindbild zu tuen. Das sich aus diesem Potential Armeen rekrutieren ist normal, da ja die Verteidigung laut Völkerrecht durchaus legitim ist. Jetzt kommt es darauf an wie man seine Armee diszipliniert und ausrichtet. Mit einem dogmatischem Feindbild mit ständiger Gefechtsbereitschaft oder mit der Ausbildung den Gegener zu kennen, ihn aber nicht 24b Stunden lang hinter jedem Gebüsch zu vermuten. ( Letzteres ist eine Metapher oder Übertreibung).
Wenn du FEINDbild hattest haben deine Vorgesetzten und evtl. auch familiäres Umfeld dazu beigetragen. Als Vorgesetzter hatte man aber ausdrücklich den Auftrag, genau dieses nicht zu vermitteln. Damit hätten sich deine Vorgesetzten entgegen ihrer Ausbildung verhalten. Dies gilt zumindest für die zuständigen Offiziere.
Denen hätte ich bei Kenntnisnahme die Hammelbeine lang gezogen.
MfG Marder
Ps, Ich hasse meine langen Ausführungen. ich muss es irgendwie kürzer hinbekommen


Er wirft den Kopf zurück und spricht: "Wohin ich blicke, Lump und Wicht!" Doch in den Spiegel blickt er nicht.
Ein kluger Mann macht nicht alle Fehler selber. Er lässt auch anderen eine Chance.
Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung.
Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null - und das nennen sie ihren Standpunkt.

Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten.
glasi und Küchenbulle 79 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 10.12.2013 19:50 | nach oben springen

#18

RE: Feindbild der Bundeswehr zu DDR-Zeitenese

in DDR Zeiten 10.12.2013 19:49
von ChristianAC | 71 Beiträge

Na ja....aber in der Feindansprache mal von Blauland und der Stossrichtung gen Osten zu reden, konnte einem
dann schon mal ein Einzelgespräch mit 3 Offizieren in der Grundausbildung einbringen.

Die explizite Nachfrage, warum der Feind immer Rot und aus Osten kam führten dann eher zu einem Diskussions-Notstand.

Na ja.....ich muss dazu sagen.....als ich zum Bund ging hatte ich nicht nur Abi, sondern auch die 3 Jahre Ausbildung
in der KFA Jülich incl. Tchernobyl hinter mir.

Da war der Charakter nicht mehr so einfach formbar wie bei einem frischen unbedarftem Schulabgänger.


nach oben springen

#19

RE: Feindbild der Bundeswehr zu DDR-Zeitenese

in DDR Zeiten 10.12.2013 19:52
von Küchenbulle 79 | 533 Beiträge

Zitat von glasi im Beitrag #15
Zitat von Marder im Beitrag #9
Zitat von Freienhagener im Beitrag #5
Mein Eindruck:

Die im Westen haben uns mehr gefürchtet als umgekehrt.

Das lag sicherlich auch an der Darstellung im TV. Da waren wir präsenter und wurden "martialischer" gezeigt. Dazu die vorbereiteten Aussagen von Soldaten in der Richtung.

Dagegen war uns in der DDR bekannt, daß es beim Bund lockerer zuging, mit Feierabend und sogar bezahlten Überstunden, wenn ich recht informiert bin.
Dazu wurden die Leute möglichst in der Nähe stationiert, so daß das Zivilleben immer präsent war.
Im Westfernsehen kam die Bundeswehr kaum zu Wort, oder wie heute mit inneren Problemen.

Gruß

Micha


Nee gefürchtet hat man sich nicht. Ansonsten hätten sich die Kasernen nicht jeden Abend und zum Wochenende geleert.

Dann mal zum "Feindbild". Ich hatte hier schon mehrfach geschrieben, dass das Wort Feind bei der BW anders als bei der NVA
verpönt war. natürlich habe auch welche vom Feind geredet, was ich nie geduldet habe.
Es gab einen Gegner , der sich logischerweise aus den beiden Lagern NATO und Warschauer Pakt rekrutierte.
Dieser Gegner war in der einschlägigen Literatur zur Ausbildung erfasst, mit seinen Waffen und Fahr- bzw. Flugzeugen ( Bei der Marine natürlich auch mit seinen Wasserfahrzeugen)
Dies Tatsache führte zu einer Lagebeurteilung, die für die Truppen der BW und auch der Nato dazu führte, dass man sich normalerweise nicht akut bedroht gefühlt hat ( Das mag beim WP anders gewesen sein).
Eine wirkliche Bedrohungseinschätzung hätte sich aus Konfliktsituationen ergeben und wäre dann neu beurteilt worden mit evtl. Heraufsetzung der Gefechtsbereitschaft.
Die ständigen Gefechtsbereitschaft des Warschauer Paktes ist für mich eine sagen wir mal Paranoia, die sich nur aufrecht erhalten lässt wenn ich den Personen ein ständiges Bedrohungsbild ( Feind) liefere. Das hätte man der BW nicht wirklich ohne die entsprechende Agitation vermitteln können.
Daher als Fazit. Es gab eine verhältnismäßig genaue Gegnerbeschreibung um entsprechend vorbereitet zu sein, aber kein ausgesprochenes FEINDBILD.
MfG Marder
PS. Ist länger geworden als ich vorhatte.


Klar gab es ein Feindbild. Sonst hätte es nicht schon 10 Jahre nach Ende des 2 Weltkrieges die BW gegeben. Ich bin mir auch sicher hätte es keine Atomwaffen gegeben dann wäre der Osten marschiert.


Der Osten ist jedes Jahr marschiert ,am 1.Mai.Aber nicht Richtung Westen!


nach oben springen

#20

RE: Feindbild der Bundeswehr zu DDR-Zeiten

in DDR Zeiten 10.12.2013 19:54
von SCORN | 1.456 Beiträge

Ich hatte das Glück in einer ehemaligen NVA-Einheit zu dienen welche recht oft Gelgenheit hatte unseren Gegenüber bei der Bundeswehr und seine Gewohnheiten etwas genauer zu analysieren. Ja es war exakt unsere Aufgabe! Das vom Polituntericht vermittelte Bild von der Bundeswehr konnten wir so nicht erkennen. Die Männer der Bundeswehr waren uns gegenüber recht entspannt und gelassen und versuchten auch mal freundlich zu sein! Frustrierend für uns war dass unser "Gegner" Freitags Mittags von der Bildfäche verschwunden war. Erst seit Mitte der 80iger blieb dann auch ein "Aufpasser" oder Bewacher in unmittelbarer Nähe von uns!

Alles in allem machten sie zwar einen an uns interessierten Eindruck aber keinsfalls gaben sie uns das Gefühl wir seien die "Feinde"!

SCORN


Marder und Küchenbulle 79 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 10.12.2013 19:57 | nach oben springen


Ähnliche Themen Antworten/Neu Letzter Beitrag⁄Zugriffe
Bundeswehr baut gigantische Kampfstadt in der Heide
Erstellt im Forum Themen vom Tage von
46 16.07.2012 07:44goto
von Polter • Zugriffe: 2540
Maulkorb für die Bundeswehr - Inspekteure
Erstellt im Forum Themen vom Tage von Polter
2 13.02.2012 09:54goto
von Wolle76 • Zugriffe: 330
lustiges Gespräch zwischen einem älteren Gedienten bei den GT mit jungen Leuten von der Bundeswehr
Erstellt im Forum Grenztruppen der DDR von Thomas-Porta
10 06.04.2011 10:27goto
von GZB1 • Zugriffe: 2229
Bundeswehr plant Werbekampagne bei "Bild"
Erstellt im Forum Themen vom Tage von xxxx
4 24.02.2011 11:53goto
von GZB1 • Zugriffe: 609

Besucher
5 Mitglieder und 38 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: loryglory
Besucherzähler
Heute waren 130 Gäste und 23 Mitglieder, gestern 3810 Gäste und 192 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14363 Themen und 557439 Beiträge.

Heute waren 23 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen