#1

Die Beziehungen zwischen der DDR und der VR China

in DDR Staat und Regime 02.07.2013 17:10
von Marienborn89 | 862 Beiträge

Wie sah die Beziehung zwischen der DDR und der VR China nach dem chinesisch-sowjetischen Zerwürfnis aus?

Gab es nennenswerte ideologische Auseinandersetzungen mit diesem Thema in den Medien oder im Schulunterricht der DDR?

Gab es wirtschaftliche Beziehungen? Gab es Bildungsaustasuch (Studenten etc.)?


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#2

RE: Die Beziehungen zwischen der DDR und der VR China

in DDR Staat und Regime 02.07.2013 17:19
von Alfred | 6.841 Beiträge

Hallo,

es gab da immer gewisse Schwankungen in den Beziehungen zur VR China.

Aber auch im militärischen Bereich gab es verschiedenste Kontakte.


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#3

RE: Die Beziehungen zwischen der DDR und der VR China

in DDR Staat und Regime 02.07.2013 18:29
von turtle | 6.961 Beiträge

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#4

RE: Die Beziehungen zwischen der DDR und der VR China

in DDR Staat und Regime 02.07.2013 19:20
von Uleu | 528 Beiträge

Mitte der 80 iger zumindestens gab es wieder Studentenaustausch, kurzfristige Sprachraktika am Fremdspracheninstitut Beijing. Der auf Alfreds Foto abgedeckt ist, ist auch dort gewesen, er könnte mehr darüber sagen.


" Die geheime Aufklärung ist ein Dienst, der nur Herren vorbehalten ist " ( Oberst Nicolai, Leiter der dt. Militäraufklärung im 1. WK )
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#5

RE: Die Beziehungen zwischen der DDR und der VR China

in DDR Staat und Regime 02.07.2013 20:10
von turtle | 6.961 Beiträge

Bin kein Experte, aber Briefmarkensammler. An den DDR Briefmarken kann man auch erkennen welche politische Großwetterlage war. Nach der Gründung der Volksrepublik müssen die Beziehungen besonders gut gewesen sein. 1951 gab es diese Briefmarken
Erinnere mich an meine Kindheit da lernte ich noch in der Schule das Lied vom großen Führer,
China ist jung,
Osten erglüht,
Rote Sonne grüßt Mao tse tung.

Später wurde es ruhiger. Ich denke die Beziehungen der DDR zu China hing auch mit zusammen wie gerade die Beziehung der Sowjetunion zu China war. Da gab es doch einige Grenzauseinandersetzungen. Sich offen auf die Seite von China stellen wagte man bestimmt nicht.
Sicherlich haben wir hier User mit besseren Wissen. Wollte trotzdem meine Einschätzung als Laie schreiben. Lerne gern hinzu sollte ich so falsch liegen.


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#6

RE: Die Beziehungen zwischen der DDR und der VR China

in DDR Staat und Regime 02.07.2013 20:50
von Schmiernippel | 244 Beiträge

turtle, du hast mir aus der Seele gesprochen. Ich sehe das auch so. Gab es da nicht auch diese Schriftstellerin Alex Wedding, die eine Zeit lang in China gelebt hat und vor allem Kinderbücher über dieses Land geschrieben hat, z.B. "Das eiseren Büffelchen"? Wurde auch in der Schule vor 1960 behandelt. Dann wurde es ruhiger um China.
Gruß schmiernippel



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#7

RE: Die Beziehungen zwischen der DDR und der VR China

in DDR Staat und Regime 02.07.2013 21:14
von passport | 2.629 Beiträge

Hier ein interessantes Buch zu diesem Thema. Oberst Biermann war NVA-Aufklärer, Gehilfe des Militärattache in der VR China und danach Militärattache in Belgien. In seinen Buch gibt er interessante Einblicke über das Leben in China und über das Wirken der Militärattaches der DDR und anderer Nationen. Interessant seine Darstellung über den Krieg Vietnam-China 1979.




passport


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#8

RE: Die Beziehungen zwischen der DDR und der VR China

in DDR Staat und Regime 02.07.2013 21:34
von Kurt | 933 Beiträge

Als es zwischen der VR China und Vietnam zu bewaffneten Auseinandersetzungen kam, hat man uns in der Schule erzählt, daß in China eine verbrecherische Clique an der Macht ist, welche unter dem kommunistischen Deckmantel seine Macht ausdehnen will.
Dazu mußte ich als Agitator dann eine Wandzeitung anfertigen und fand im Neuen Deutschland sogar ein Foto vor, welches einen abgeschossenen T55 zeigte, dessen Turm neben der Wanne lag. Das Foto kam gleich in die Mitte der Wandzeitung...
Ansonsten wurde die VR China genausowenig "zu uns gehörig" auf den Schulatlanten dargestellt, wie Albanien und Jugoslawien.


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#9

RE: Die Beziehungen zwischen der DDR und der VR China

in DDR Staat und Regime 02.07.2013 21:52
von seaman | 3.487 Beiträge

Na ja,
die Zeit mit Mao war damals in China schon recht gewöhnungsbedürftig für einen Europäer,egal aus welchem politischen Lager er kam.
Für uns,die dieses Land als Bruderstaat mal vermittelt bekamen,war Asien schon andersartig von der Kultur am Anfang,Maos China war aber garnicht vermittelbar.Eine Mao-Bibel bzw.ähnliches Material in die DDR einführen eine Todsünde.
Sehe heute noch die Gruppen Chinesen mit grauen Anzügen und asiatisch ins Gesicht gestanztem Lächeln vor mir.
Der Handel lief mit China wohl immer und ich habe ausserhalb dieser Epoche die Chinesen immer als ein sehr gastfreundliches und interessantes Volk kennengelernt.Nicht nur in Hongkong.
Der ganze Maokult und Auswirkungen wurde dann noch von Albanien getoppt.Es ist unbeschreiblich was da damals ablief.Es war schon ein Horror,wenn es nach Durres oder Vlora ging.

seaman

Dann gab es da noch Radio Tirana in deutscher Sprache....


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zuletzt bearbeitet 02.07.2013 22:13 | nach oben springen

#10

RE: Die Beziehungen zwischen der DDR und der VR China

in DDR Staat und Regime 02.07.2013 22:02
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Kurt im Beitrag #8
Als es zwischen der VR China und Vietnam zu bewaffneten Auseinandersetzungen kam, hat man uns in der Schule erzählt, daß in China eine verbrecherische Clique an der Macht ist, welche unter dem kommunistischen Deckmantel seine Macht ausdehnen will.
Dazu mußte ich als Agitator dann eine Wandzeitung anfertigen und fand im Neuen Deutschland sogar ein Foto vor, welches einen abgeschossenen T55 zeigte, dessen Turm neben der Wanne lag. Das Foto kam gleich in die Mitte der Wandzeitung...
Ansonsten wurde die VR China genausowenig "zu uns gehörig" auf den Schulatlanten dargestellt, wie Albanien und Jugoslawien.


Gab es nicht auch direkte bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen China und der Sowjetunion?


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#11

RE: Die Beziehungen zwischen der DDR und der VR China

in DDR Staat und Regime 02.07.2013 22:07
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #10
Zitat von Kurt im Beitrag #8
Als es zwischen der VR China und Vietnam zu bewaffneten Auseinandersetzungen kam, hat man uns in der Schule erzählt, daß in China eine verbrecherische Clique an der Macht ist, welche unter dem kommunistischen Deckmantel seine Macht ausdehnen will.
Dazu mußte ich als Agitator dann eine Wandzeitung anfertigen und fand im Neuen Deutschland sogar ein Foto vor, welches einen abgeschossenen T55 zeigte, dessen Turm neben der Wanne lag. Das Foto kam gleich in die Mitte der Wandzeitung...
Ansonsten wurde die VR China genausowenig "zu uns gehörig" auf den Schulatlanten dargestellt, wie Albanien und Jugoslawien.


Gab es nicht auch direkte bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen China und der Sowjetunion?



Ja, ich erinnere mich daran.....
http://de.wikipedia.org/wiki/Zwischenfall_am_Ussuri
Danke für die Gedächtnisauffrischung, Grenzwolf

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
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#12

RE: Die Beziehungen zwischen der DDR und der VR China

in DDR Staat und Regime 02.07.2013 22:08
von Marienborn89 | 862 Beiträge

Interessant ist doch auch die revidierte DDR-Verfassung von 1974, Art. 6 Abs. 2:

"Die Deutsche Demokratische Republik ist für immer und unwiderruflich mit der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken verbündet. Das enge und brüderliche Bündnis mit ihr garantiert dem Volk der Deutschen Demokratischen Republik das weitere Voranschreiten auf dem Wege des Sozialismus und des Friedens."

Meines Wissens weltweit ein Unikum, dass ein Staat einem anderen in seiner Verfassung ewige Verbundenheit garantiert?!
Das kann man vielleicht vor dem Hintergrund verstehen, dass Albanien aus dem Warschauer Pakt und dem RGW 1968 ausgetreten ist und sich (zunächst) an der VR China orientiert hat?!


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#13

RE: Die Beziehungen zwischen der DDR und der VR China

in DDR Staat und Regime 02.07.2013 22:08
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #10
Zitat von Kurt im Beitrag #8
Als es zwischen der VR China und Vietnam zu bewaffneten Auseinandersetzungen kam, hat man uns in der Schule erzählt, daß in China eine verbrecherische Clique an der Macht ist, welche unter dem kommunistischen Deckmantel seine Macht ausdehnen will.
Dazu mußte ich als Agitator dann eine Wandzeitung anfertigen und fand im Neuen Deutschland sogar ein Foto vor, welches einen abgeschossenen T55 zeigte, dessen Turm neben der Wanne lag. Das Foto kam gleich in die Mitte der Wandzeitung...
Ansonsten wurde die VR China genausowenig "zu uns gehörig" auf den Schulatlanten dargestellt, wie Albanien und Jugoslawien.


Gab es nicht auch direkte bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen China und der Sowjetunion?


Ab 1960 entstand ein offener Konflikt zwischen China und der Sowjetunion und während der 60er wies die chinesisch-sowjetische Grenze am Amur die höchste Militärkonzentration auf der Welt auf. Höhepunkte waren die bewaffneten Auseinandersetzungen an den Flüssen Ussuri und Amur und in Sinkiang (1969).
Durch diesen chinesisch-sowjetischen Konflikt,spaltete sich das sozialistische Lager . China zählte ab jetzt nicht mehr zum soz.Lager nach Moskauer Lesart.
seaman


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#14

RE: Die Beziehungen zwischen der DDR und der VR China

in DDR Staat und Regime 02.07.2013 22:40
von turtle | 6.961 Beiträge

Wir wurden in China von Bord abgeholt, mit einem Kleinbus fuhr man uns in so was wie ein Seemannsheim. Wir durften uns nicht frei Bewegen.
Im Seemannsheim bekam jeder die Mao Fibel auf deutsch. Hübsche Mädchen erzählten uns von Maos langen Marsch usw. Ich ging nie wieder an Land. In Hongkong war das natürlich etwas anderes ,aber da ging man nicht an Land sondern musste mit dem Boot fahren. Die Puffschute war sofort längsseits Die Ersten die mit an Bord kamen war die Puffmutter mit ihren Damen. Albanien war für mich immer ein Land ,das ich noch besuchen wollte. Seit den Film Skanderbeg Ritter der Berge interessierte ich mich schon für Albanien,da war ich noch Kind. Vor zwei Jahren da gewesen. Von der Herzlichkeit der Menschen sehr angenehm überrascht. Das Erbe von Enver Hoxha all gegenwärtig. Rückständig ,miserable Infrastruktur. Da gibt es viel nachzuholen. Und China ? China ist heute mit eine Weltmacht. Ich denke Albanien hatte sich noch mehr abgekapselt wie heute Nordkorea. China hat einen riesigen Lernprozess hinter sich ,schlimm war die Kulturrevolution die hat China sehr geschadet. Mit dem Prozess gegen die sogenannte Viererbande ,darunter die Frau von Mao dürfte eine Wende angefangen haben. Die Ereignisse auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 war da sicher ein großer Rückschlag. Zur blutigen Niederschlagung des Studentenaufstandes auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking äußert sich Krenz mit den Worten es sei "etwas getan worden, um die Ordnung wiederherzustellen". Eine Verurteilung des Massakers Fehlanzeige. Zu diesem Zeitpunkt dürften die Beziehungen der DDR zu China fast "Normal" gewesen sein.


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#15

RE: Die Beziehungen zwischen der DDR und der VR China

in DDR Staat und Regime 02.07.2013 23:05
von DoreHolm | 7.688 Beiträge

Wimre, wurde mir bezüglich der Auseinandersetzungen am Amur und Ussuri von meinem Vater, der zweifellos über einige Insiderkenntnisse mehr als der Normalo verfügte folgendes erzählt. Die SU wollte diese sache so schnell wie möglich beenden und hatte angeblich einen chemischen kampfstoff eingesetzt, der nicht tödlich wirkt, aber deaktiviert. Die Rote Armee hat dann die "schlafenden" Chinesen nur noch eingesammelt. Ob´s so stimmt, weiß ich nicht. Bei dem Terroranschlag in einem Moskauer Theater wurde wohl ein ähnlicher Kampfstoff verwendet.
Was die wirtschaftliche Zusammenarbeit betrifft, wurde uns das so dargestellt, daß ein Export nach China etwa gleichbedeutend wichtig ist wie in das NSW. Von dort bekamen wir nämlich Güter und Rohstoffe, die ansonsten gegen Devisen auf dem Weltmarkt eingekauft werden mußten.
Von Bedeutung war auch die Tatsache, daß chinesische Studenten im Ausland automatisch auch die Ideologie dieser Länder mit nach China nehmen. Trifft natürlich allgemein für jeden Studenten im Ausland zu. Das soll der Grund gewesen sein, daß China seine Studenten lieber in die SU, die DDR o.a. soz. Staaten geschickt hat als in die kapitalistischen Staaten. So wurde uns das damals gesagt, erscheint mir aber auch logisch.



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#16

RE: Die Beziehungen zwischen der DDR und der VR China

in DDR Staat und Regime 02.07.2013 23:23
von Fritze (gelöscht)
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #15
Wimre, wurde mir bezüglich der Auseinandersetzungen am Amur und Ussuri von meinem Vater, der zweifellos über einige Insiderkenntnisse mehr als der Normalo verfügte folgendes erzählt. Die SU wollte diese sache so schnell wie möglich beenden und hatte angeblich einen chemischen kampfstoff eingesetzt, der nicht tödlich wirkt, aber deaktiviert. Die Rote Armee hat dann die "schlafenden" Chinesen nur noch eingesammelt. Ob´s so stimmt, weiß ich nicht. Bei dem Terroranschlag in einem Moskauer Theater wurde wohl ein ähnlicher Kampfstoff verwendet.
Was die wirtschaftliche Zusammenarbeit betrifft, wurde uns das so dargestellt, daß ein Export nach China etwa gleichbedeutend wichtig ist wie in das NSW. Von dort bekamen wir nämlich Güter und Rohstoffe, die ansonsten gegen Devisen auf dem Weltmarkt eingekauft werden mußten.
Von Bedeutung war auch die Tatsache, daß chinesische Studenten im Ausland automatisch auch die Ideologie dieser Länder mit nach China nehmen. Trifft natürlich allgemein für jeden Studenten im Ausland zu. Das soll der Grund gewesen sein, daß China seine Studenten lieber in die SU, die DDR o.a. soz. Staaten geschickt hat als in die kapitalistischen Staaten. So wurde uns das damals gesagt, erscheint mir aber auch logisch.


Giftiger Kampfstoff ist n hehres Wort ! Ich glaub Arosolbombe triffts eher !


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#17

RE: Die Beziehungen zwischen der DDR und der VR China

in DDR Staat und Regime 02.07.2013 23:57
von Moskwitschka (gelöscht)
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Ich habe als Kind in den 60-ern in Moskau gelebt. In meiner Erinnerung war die allgemeine Stimmung gegnüber Chinesen nicht gerade positiv. Zusätzlich angeheizt wurde sie durch antichinesische Filme im Fernsehen. Ich habe jetzt mal ein wenig gesucht, aber leider im www nichts gefunden. Mal sehen ob ich was im .ru finde.

Dafür sind mir zwei Spiegelartikel über den Weg gelaufen:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45225456.html

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45202866.html

"Mitte der sechziger Jahre erreichte der Konflikt einen Höhepunkt. Praktisch alle Chinesen, einschließlich der Studenten, waren aus Rußland zurückgezogen worden. Und auch in China blieb kein sowjetisches Personal zurück. Der Botschaftsstab war auf ein Minimum reduziert worden. Die Botschaftsangehörigen waren in Moskau wie in Peking praktisch zu Gefangenen innerhalb der großen, ummauerten Botschaften geworden."

"Weder Moskau noch Peking haben offiziell erklärt, ob das chinesisch-russische Bündnis gegenwärtig noch in Kraft ist. Im Oktober 1964 versicherte jedoch Tschou En-lai einer japanischen Delegation, China sei sich sicher, daß Rußland ihm im Kriegsfall zu Hilfe kommen werde und daß das Bündnis "noch sehr lebendig" sei.

Moskau dagegen hält die Verpflichtung offenbar nicht mehr für bindend. In den vergangenen zwei Jahren haben die Russen mehrere Versuche unternommen, die Klauseln des Warschauer Pakts auch auf den Fernen Osten auszuweiten. Sie sind sichtlich bemüht, zu verhindern, daß die osteuropäischen Staaten bei einem Krieg zwischen Rußland und China als neutraler Beobachter abseits stehen.

Bisher haben sich die Warschauer Mächte Moskaus Ansinnen widersetzt. Gleichzeitig haben die Russen im Januar 1966 ihr Bündnis mit der Mongolei verstärkt, indem sie ihre Rechte zur Stationierung militärischer Kräfte in diesem Land erweitert haben. Moskau erwog die Möglichkeit eines Präventivschlags gegen China, eventuell mit Hilfe der Staaten des Warschauer Paktes. All diese Aktionen sind gegen die chinesische Bedrohung gerichtet."

LG von der grenzgaengerin


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#18

RE: Die Beziehungen zwischen der DDR und der VR China

in DDR Staat und Regime 03.07.2013 14:47
von Marienborn89 | 862 Beiträge

"[...] doch stößt man immer wieder auf die Einschätzung, dass die SED-Führung und namentlich Walter Ulbricht an ihrer Spitze in dem Konflikt zwischen der KP Chinas unter Führung Mao Zedongs und der KPdSU unter Chruschtschows Regie „eigentlich“ eher der Seite Maos in ihrer Ablehnung von Chruschtschows Kurs der „Entstalinisierung“ zugeneigt hätte, dass Ulbricht wie Mao Chruschtschows Kritik an Stalin
„zu weit“ gegangen sei und dass die DDR-Führung nur aus machtpolitischen Erwägungen, aufgrund ihrer Abhängigkeit von Moskau und entgegen der eigenen inneren Überzeugung dann doch für die sowjetische Seite Partei ergriffen habe."

aus:
Beda Erlinghagen: Anfänge und Hintergründe des Konflikts zwischen der DDR und der Volksrepublik China, 128. (http://www.trafoberlin.de/geschichte-der..._BzG_2007_3.pdf)

@turtle sehr interessanter Aufsatz mit vielen Thesen, besten Dank dafür! "Der Osten erglüht" kenne ich auch aus einem Liederbuch von 1951 "Reicht euch die Hände". Neben der Hymne der UdSSR auf deutsch sind darin auch kuriose Sachen enthalten, wie "Das Traktorenlied" oder "Der Fünfjahrplan"

Eine interessante Passage habe ich auch in der Mao-Biographie von Chang/Halliday (2005) entdeckt:

"1956 kam Walter Ulbricht [...] nach China, und als er Mao ein floskelhaftes Kompliment machte, antwortete Mao großmütig: "Ihr müsst uns nicht buchstabengetreu nachahmen." Mao sprach ein wie ein Mentor mit dem Gast. Er wollte außerdem sicherstellen, dass Ulbricht hart genug auftrat. "Habt ihr nach dem 17. Juni viele Aufständische eingesperrt?", fragte er. Dann schlug er noch ein chinesisches "Modell" vor, das die Ostdeutschen vielleicht kopieren könnten: die Große Mauer. Eine Mauer, erklärte er, sei eine große Hilfe, wenn es darum gehe, bestimmte Leute vom eigenen Territorium fern zu halten, zum Beispiel "Faschisten". Einige Jahre später wurde die Berliner Mauer gebaut."

Chung/Halliday (2005): Mao. Das Leben eines Mannes. Das Schicksal eines Volkes, 2. Aufl., S. 501

Von dieser Anekdote erfahre ich zum ersten Mal...


zuletzt bearbeitet 03.07.2013 15:12 | nach oben springen



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